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BLIND GUARDIAN SPECIAL

Posted by Radu On November - 23 - 2017

30 Jahre BLIND GUARIDAN

Tolkien, Stephen King, Michael Moorcock. Dies sind thematisch die wohl grĂ¶ĂŸten EinflĂŒsse, die eine junge Band aus Krefeld einst inspiriert haben zu den Instrumenten zu greifen. Mittlerweile sind 30 Jahre vergangen; Grund genug einmal die Geschichte der blinden WĂ€chter Revue passieren zu lassen. Dabei ist uns Marcus Siepen in einem entspannten Telefonat behilflich. Vorhang auf fĂŒr BLIND GUARDIAN im Spiegel der Zeit.

BG Logo

Gleich zu Beginn ist ein GlĂŒckwunsch zur langjĂ€hrigen Bandgeschichte angebracht.

„Ich muss sagen, wir denken nicht wirklich in diesen Kategorien. Es kommt vor, daß Leute uns darauf ansprechen wie „30 Jahre BG“ oder „20 Jahre Nightfall“. Dad enkt man aber gar irgendwie gar nicht darĂŒber nach, wir sind mehr nach vorne orientiert. Blick nach hinten kann sehr schön sein , aber wir sind mehr nach vorne fokussiert. Es ist ein sehr schönes GefĂŒhl, auf so eine lange Karriere zurĂŒckblicken zu können. Heutzutage bist du ja schon eine alte Band, wenn du fĂŒnf Jahre auf den Buckel hast. Da sind wir ja schon Dinosaurier. Es ist ein schönes GefĂŒhl nach 30 Jahren noch am Start zu sein und relevant zu sein.“

Wir schreiben das Jahr 1983, in der Heavy Metal als Randerscheinung sein Dasein fristet. Die große Bandbreite der Gesellschaft zelebriert Popmusik und AnhĂ€nger des Metals werden von der großen Masse als asoziale Typen mit krankem Geschmack abgestempelt. Innerhalb der Metalszene frönt man jenen Bands, die heute Legendenstatus haben; kaum ein Jugendzimmer, das nicht mit Bruce Dickinsons Stimme beschallt wird, ohne ACDC Poster an der Wand auskommen und Black Sabbath haben gerade mal ein Viertel ihrer Besetzungswechsel am Mikro hinter sich. Langsam entstehen die ersten unterschiedlichen Stile, die man sowohl vom musikalischen, als auch von den Covern her erkennen kann. Kreator und Testament beispielsweise zelebrieren Thrash, wĂ€hrend Running Wild und Helloween ihre Geschwindigkeitsgrenzen ausloten. Cannibal Corpse schockieren mit fiesen Covern und extremen Texten, wĂ€hrend Metallica nicht nur durch ihren Namen, sondern aufgrund einer perfekten Setlist die Hallen fĂŒllen.

BG 1987
In diese Welt wird eine junge Band aus Krefeld hineingeboren, die auf den Namen LuciferÂŽs Heritage hört. Auch anno 2017 hat der Name nichts von seinem Charme verloren. „Angestaubt ist der Name nicht, ich mag ihn genauso wie damals“ erinnert sich Marcus Siepen „Mit unserem damaligen Namen sind wir in die falsche Schublade gesteckt worden. Viele Leute, die unsere Musik nicht kannten und nur unseren Namen hörten, haben uns in die Black Metal Schublade gesteckt, in der wir nicht reingehören. Uns ist schnell klar geworden, daß wir schnell einen anderen Namen brauchen. Wir mögen Schubladendenken generell nicht, aber dann in eine Schublade gesteckt zu werden, in die man gar nicht rein gehört, ist nicht schön.“

Man probt zusammen und wohnt teilweise in einem alten Kellerraum, den man sich mit einem fiesen Gummiteppich und Kellerasseln teilt. Hier entsteht die erste Demo und man will das erste Album aufnehmen. So betritt LuciferÂŽs Heritage das Aufnahmestudio, den es nie mehr verlassen soll. Drei Wochen Zeitfenster, um die Songs einzuspielen, können eine sehr lange Zeit ist sein. Man spielt also einfach drauf los und hofft, daß es besser klingt, als im Proberaum. „Wir sind noch als LuciferÂŽs Hertitage ins Studio gegangen, um die „Batallions“ aufzunehmen und saßen abends noch in der StudiokĂŒche. Jeder hatte einen großen Zettel vor sich, mit tausenden von NamensvorschlĂ€gen von möglichen und unmöglichen Namen. Der Bandname kommt von dem Song `Guardian Of The Blind`, den wir bereits hatten. Ich glaube Hansi hatte damals die Idee dazu und der Name gefiel uns am besten. Es klang gut und hatte etwas von Fantasy, was sich auch in unseren Texten wiederspiegelt.“ Das ist das Ende von LuciferÂŽs Heritage und der Beginn einer langen Reise fĂŒr die blinden WĂ€chter. Der erste Schritt ist der Erstling „Battallions Of Fear“, der musiktechnisch eine Hommage an Iron Maiden und alte Helloween auf Speed ist.

Battallions Of Fear

Blind_guardian_battalions_of_fearDie Drehorgel zu Beginn von `Majesty`wiegt mit einem Walzer in Sicherheit, ehe es lauthals aus den Boxen hervorprescht. Geschwindigkeit, HĂ€rte und straight in die Fresse sind dabei die Hauptzutaten, die lediglich von Gesangslinien umgarnt werden, die sich bereits nach dem ersten Durchlauf langfristig in die Hirnrinde frĂ€sen. Herrlich, wie sich die Jungspunde hemmungslos austoben und dabei auch noch interessante Texte verarbeiten. `Guardian Of The Blind` beackert die Geschichte von Stephen Kings „Es“ (deren Remake dieses Jahr die Kinos befallen hat) und ist gleichzeitig Schuld an dem Tod von LuciferÂŽs Heritage und die Geburt von BLIND GUARDIAN. SĂ€gende Riffs und frickelige Solis lassen in den ersten beiden Minuten die MĂ€hne kreisen, ehe man sich zum Refrain vorarbeitet, den man einfach nur noch lauthals mitschreien will. Die Solis verursachen GĂ€nsehaut und auch wenn Hansis Stimme fernab von seinem eigentlichen Potential ist, so gibt es keine bessere Stimme, die zu dem Sound passen wĂŒrde. `Wizard’s Crown`ist ein rĂ€udiger Bastard aus Thrash und Speedelementen, der lediglich fĂŒr seinen Chorus die Geschwindigkeit drosselt. Das hymnenhafte `Run For The Night` poltert sich auch Jahre spĂ€ter als Live Bonustrack beim „Tales From The Twilight World“ Album durch die GehörgĂ€nge. Hier prasseln Hansis Worte in Dauerfeuer auf die Lauscher ein, ehe der Chorus alles beflĂŒgelt. Mit `The Martyr` begleiten wir die Leidensgeschichte von Jesus, bei denen die WĂ€chter sehr vielschichtig zu Werke gehen. Midtempo hier, Geschwindigkeitsrausch da und eine Herausforderung fĂŒr Hansis Stimme, die mal bellend, mal klagend und auch fordernd aus den Boxen schallt. Der Titeltrack prescht aggressiv aus den Boxen und bietet das volle Moshprogramm, verteilt auf ĂŒber sechs Minuten. Das Schlagzeug kommt hier besonders gut zur Geltung, denn neben stumpf auf die Zwölf wird hier fleißig variiert, so daß spĂ€testens an dieser Stelle des Albums keine Zweifel mehr an den Ideenreichtum der noch jungen Band bleiben. `Trial by the Archon`, `By the Gates of Moria` und `Gandalf’s Rebirth`sind drei InstrumentalstĂŒcke, die geschickt zwischen den Hochgeschwindigkeitsattacken eingestreut werden. Textlich setzt man hier den Grundstein fĂŒr die Herr der Ringe Thematik, ohne jedoch den Weitblick fĂŒr andere Themen außen vor zu lassen. Das Cover ziert zwei verhĂŒllte Kapuzengestalten beim Schachspiel; die Metaphorik des verhĂŒllten Kapuzenmannes als BLIND GUARDIAN findet hier seinen Ursprung und begleitet die Band bis heute auf diversen Merchandise Logos.

Das zweite Album

Mit dem ersten Album verbucht man bereits einen amtlichen Erfolg; die Mischung aus Speed und Thrash geht auf und beschert den WĂ€chtern ein gutes SelbstwertgefĂŒhl. Wie alles im Leben, hat zu viel davon auch seine Kehrseite. So erklĂ€rt Hansi in einem Interview zur JubilĂ€umsbox, daß man zu der Zeit doch extrem undiszipliniert ist. Man trifft sich zwar tĂ€glich, zockt jedoch meistens Karten und frönt dem Alkohol. Man ist von seinen SongwritingqualitĂ€ten zu sehr ĂŒberzeugt und lĂ€sst die ZĂŒgel schleifen. Das fĂŒhrt dazu, daß man die Songs fĂŒrs Folgealbum hastig zusammenschustern muss und der rote Faden teilweise auf der Strecke bleibt. Die EinflĂŒsse unterschiedlicher Kapellen werden erneut zu einer Symbiose zusammengeschmiedet, ergeben jedoch laut Hansis Meinung teilweise keinen Sinn. Neben dem gesteigerten SelbstwertgefĂŒhl kommen noch die LebensumstĂ€nde dazu, die den Barden in die Parade fahren; Hansi hat einen Job, Marcus und AndrĂ© leisten den Zivildienst ab und somit gleitet die Band in die HĂ€nde von Hobbymusikern, die sich lediglich nach Feierabend treffen können. „Follow The Blind“ ist somit das einzige Album in der Bandgeschichte, bei denen man nicht 100% geben kann.

Follow The Blind

BG FollowMan verpflichtet Kalle Trapp in den Hamburger Karo-Studios fĂŒr die Aufnahmen. Das Cover wird, wie beim VorgĂ€nger, von Van Waay Design erstellt. Das Intro `Inquisition` soll spĂ€ter auch als Konzertintro herhalten, ehe `Banish from Sanctuary `aus den Boxen kracht. Man legt sofort die Karten auf den Tisch und hĂ€mmert alle VorzĂŒge der Band ins LangzeitgedĂ€chtnis: schnelles Riffing, galoppierende Vocals, die in einem Ohrwurmrefrain enden, variables Schlagzeugspiel und knackige Gitarrenduelle wetteifern um die Gunst des Hörers. `Damned for all Time`ist ein aggressiver Speedbastard, der durch einige Thrashanleihen durchgeboxt wird. Schnell, aggressiv, allerdings im LangzeitgedĂ€chtnis eher im Hintergrund existent. Der Titeltrack ist wahrscheinlich der am meisten unterbewertete Song dieser Band, obwohl er durch seine Vielseitigkeit das Potential auslotet, mit dem man spĂ€ter die LĂ€nder dieser Erde bereisen soll. Ungewöhnlich bereits durch sein langsames und erhabenes Tempo, schimmern Akustikgitarren durch die Soundwand, ehe Hanis rauhe Stimme „Follow The Blind“ in die Welt hinausschreit. Im Verlauf des Songs passiert so einiges: Tempowechsel, beschwörende Soli, Doublebassgewitter und sogar Keyboards legen den Grundstein fĂŒr die Beschreibung „episch“, die BLIND GUARDIAN weiter verfolgen soll. Thematisch hat man sich ĂŒber Stephen Kings „Der Talisman“ ausgelassen. Auch die Mitgröl Fraktion wird im Refrain von `Hall of The King` bedacht, der ansonsten die Geschwindigkeitsfreunde auf eine atemberaubende Reise mitnimmt. Der ursprĂŒnglich als LĂŒckenfĂŒller gedachte Song `Valhalla` entwickelt spĂ€ter im Live Set rasch ein Eigenleben und ist mittlerweile fester Bestandteil jeder Live Show (einige Granaten zĂŒnden einfach immer). Kai Hansen hat dafĂŒr ebenfalls die Gitarre in die Hand genommen und einige Vocals beigesteuert. Die Coverversionen von `Don’t Break the Circle` (Demon) und `Barbara Ann` (Beach Boys) zeigt ein gutes HĂ€ndchen fĂŒr Coverversionen, das spĂ€ter noch um einiges an Repertoire erweitert werden soll. Die InstrumentalstĂŒcke halten sich in Grenzen und so gibt es hier lediglich einen Vertreter in Form von ` Beyond the Ice` zu hören, der das auditive Muskelspiel der Truppe gut abfeiert. Auch bei der Produktion wurde eine Schippe draufgelegt und auch wenn die Hitdichte etwas geringer ist als beim VorgĂ€nger, so glĂ€nzen die Höhepunkte unverstaubt auch heute noch in den heimischen Lautsprechern..

Alles auf eine Karte

Jede Band ist einmal an einem Punkt, an dem ĂŒber Sieg oder Niederlage entschieden wird. Hatte man sich mit jugendlichem Leichtsinn noch unverblĂŒmt durch die „Battallions“ Scheibe gepflĂŒgt, musste man fĂŒr die „Follow The Blind“ andere LebensumstĂ€nde in Kauf nehmen und sich seinem inneren Schweinehund in Form von Disziplin stellen.


Tales From The Twilight World

BG TalesMit „Tales From The Twilight World“ treten BLIND GUARDIAN endgĂŒltig aus dem Schatten anderer Bands und erspielen sich eine musikalische IdentitĂ€t, die bis heute einzigartig und unverkennbar ist. Auch wenn sich noch die Hochgeschwindigkeitsrausche und das Aggressionspotential auf der Scheibe befinden, liegt hier der Schwerpunkt auf Melodik, Abwechslung und OhrwurmqualitĂ€ten. Der Chorgesang leitet `Traveller In Time` ein, der uns thematisch auf den Planeten Dune verbannt. Hansis Gesang hat mittlerweile einiges an Erfahrungspunkte auf dem Charismapunktekonto zu verbuchen, so daß die Hörer der Truppe schnell aus der Hand fressen. Das trotz der aggressiven Momente zu jeder Zeit die Spielfreude exzessiv ausgelebt wird, spielt den WĂ€chtern nur noch intensiver in die Karten, was bis heute gerade bei Live Auftritten fĂŒr Alarm in der Moshpit sorgt. Wer den Song kennt, wird alleine schon bei der ErwĂ€hnung von `Welcome to Dying` eine GĂ€nsehaut bekommen, weil der Refrain sofort aus dem LangzeitgedĂ€chtnis in die AdrenalinkanĂ€le gedrĂŒckt wird. Bereits nach weniger als einer Minute schraubt man sich auf Höchstleistungsnivau und prĂŒgelt komprimiert alles auf den Hörer ein, wofĂŒr man auf den VorgĂ€ngeralben vielleicht noch zwei Songs benötigte.

Mit `Lord of the Rings` legt man auch seine erste Ballade auf den Tisch, die von der Tolkien Thematik her spĂ€ter noch ganz große Wellen schlagen soll. `Good bye My Friend ` feuert zwar ebenfalls aus allen Rohren, sprintet jedoch in erster Linie aufgrund seiner packenden Gesangslinien durch die Ziellinie und hinterlĂ€sst den Wunsch, „nur noch einmal“ die Repeat Taste zu drĂŒcken.

Auch die Instrumentalfraktion wird mit `Weird Dreams ` bedacht, wĂ€hrend man einen Mix aus Instrumental und Mini Song auf `Altair 4 ` abliefert; eigentlich „nur“ ein LĂŒckenfĂŒller, der aber atmosphĂ€risch derart auffĂ€hrt, daß schnell ein ganz großes Kopfkino entsteht. Die Stephen King Verbeugung `Tommyknockers ` fischt eher in alten Gefilden und man spĂŒrt, daß die WĂ€chter dieses Gewand langsam ablegen wollen und schließen das Kapitel damit ab. Bei `The Last Candle` kann ich keine ObjektivitĂ€t wahren, da ich diesen Song gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig ausschließlich mit Knieschonern hören kann; was soll ich ĂŒber die GĂ€nsehaut schreiben, die mich bei den ersten Chören von „Guardian, Guardian, Guardian of the Blind“ heimsuchen? Ich könnte den emotionalen Ausbruch in meinem Kopf beschreiben, wenn Hansi laut aufschreit und „Have You Forgotten Him?“ in die Runde fragt. Ich könnte auch die göttlichen Gitarrenlinien anpreisen, die mich sofort in meine Jugend katapultieren und mich wieder 15 sein lassen. Auch das Aufbegehren des Song und die stetige Steigerung der Dynamik könnte ich beschreiben, aber stattdessen lehne ich mich lieber kurz zurĂŒck und denke an den Moment, an dem ich das GlĂŒck gehabt habe, diesen Song einmal live zu hören. OK, Anbetungsmodus aus und weiter. Das Cover wurde dieses Mal von Andreas Marschall gezeichnet, der die Band auch weiterhin begleiten soll. Auch die Produktion konnte nochmal gesteigert werden und so markiert die „Tales…“ Scheibe nicht nur den Wendepunkt, sondern den Aufstieg einer Band, die neben dem inneren Hunger auch zusĂ€tzlich mit einem Plan an den Start geht, der stets nach Perfektion schreit.

Irgendwo weit weg

Die Promotion der Scheibe wird in der JubilĂ€umsbox als sehr abenteuerlich beschrieben; eine Promo-Straßenbahnfahrt mit Wurstbrötchen und Bier durch Gelsenkirchen (2 Journalisten, der Rest Kumpels der Band) und eine Release Party mit ca. drei Journalisten und einem Mob, der das neue Studio in Grund und Boden feiert. Es folgt eine Tour mit Iced Earth, bei der Party und MĂ€nnerfreundschaften ausgiebig zelebriert werden. Wie soll man eine Platte wie die „Tales…“ noch steigern? AndrĂ© erinnert sich in der JubilĂ€umsbox daran, daß die Songwriting Phase bis dato die hĂ€rteste ist. Kreativ surft man bereits am Limit, schmeißt jedoch weiterhin alles in die Waagschale, um ein rundes Ergebnis raus zu bekommen. Eines Tages kommt Hansi mit irischen Folk-EinflĂŒssen um die Ecke, was den entscheidenden Wendepunkt im Songwriting Prozess markiert. So integriert man beispielsweise DudelsĂ€cke in das Songwriting oder beißt sich teilweise die ZĂ€hne an `Theatre Of Pain` aus. Was ist aber unter dem Strich dabei raus gekommen?

Somewhere Far Beyond

BG Somewhere„Die beste BLIND GUARDIAN Scheibe aller Zeiten“, werden viele Fans sofort unterschreiben, Ein Meilenstein werden ebenfalls alle abnicken. Fakt ist, daß spĂ€testens hier die BandidentitĂ€t gesichert ist. Die WĂ€chter entpuppen sich als wahre Paradiesvögel des Metalsektors, die nichts nach Schema F machen, sondern eigene Ideen haben und diese konsequent in ein eigenes Soundgewand einschmieden. Das Cover wurde erneut von Andreas Marschall beigesteuert und bereits der Opener `Time What Is Time `lotet die QualitĂ€ten aus, die auf der „Tales…“ Scheibe ausgiebig zelebriert wurden. Akustikgitarren ebnen den Weg zum schnellen Galopp, der aber rechtzeitig in packende Gitarrenlinien abbiegt, ohne in Raserei zu verfallen. Auch wenn im direkt im Anschluss das Gaspedal wieder durchgetreten wird, hat man mit jeder Sekunde das GefĂŒhl, daß diese Truppe genau weiß, was sie wie zu tun hat. Nichts wirkt aufgesetzt, alles durchdacht und das Album insgesamt atmet Spielfreude aus jeder Pore. `Journey Through the Dark `ist ein sehr schönes Beispiel zwischen HĂ€rte und Melodik; Stakkato Doublebass, griffige Gitarrenlinien, herrliche Moshparts und stets nachvollziehbare Vocals, die danach schreien, mitgesungen zu werden.

`Black Chamber `wird ausschließlich durch Hansis (mittlerweile sehr gut weiterentwickelten) Stimme und einem Klavier getragen, ehe sich das bombastische `Theate Of Pain` aus den Boxen schlĂ€ngelt. Hier wird bereits der Grundstein fĂŒr spĂ€teren Bombast und epischere StĂŒcke gesetzt, der andeutet, was noch kommen soll. `The Quest for Tanelorn` wird in erster Linie vom bombastischen Gesang getragen, ehe `Ashes to Ashes` den ursprĂŒnglichen Thrash Vorbildern einen finsteren Gruß sendet, ohne dabei auch nur eine Sekunde von charismatischem Gesang oder OhrwurmqualitĂ€ten abzuweichen.`The Bard’s Song (In the Forest) `dĂŒrfte jedem ein Begriff sein; dieser Gassenhauer ist Höhepunkt eines jeden Konzertes, weil das Publikum hier (zumeist im Alleingang) jede Textzeile mitschmettert. Eigentlich“nur“eine Ballade, die jedoch ein derartiges Eigenleben entwickelt hat, daß sie den Fans schon manche Sternstunde beschert hat. `The Bard’s Song (The Hobbit) `kommt eher etwas sperriger um die Ecke, allerdings mĂŒnden die Gesangslinien derart genial in den Midtempo Part ein, daß ich mir diesen Song einmal live wĂŒnsche. Besagte DudelsĂ€cke erledigen bei `The Piper’s Calling` den Instrumentaljob der Scheibe, eher der Titeltrack auf siebeneinhalb Minuten verteilt sĂ€mtliche Register der Bandgeschichte zieht. Schnelle Passagen, erhabene Gitarrenlinien, Mitschreitexte? Alles an Bord und garniert durch irische FolkeinflĂŒsse. SpĂ€testens hier ist man Fan dieser Band geworden, die ihren Siegeszug weiter ausbaut. Über die Bonussongs `Spread Your Wings `(Queen), `Trial by Fire`(Satan) und die Orchester Version von `Theatre of Pain kann man streiten, muss man aber nicht. Sie runden lediglich das ab, was dieses Album ausmacht. Ein Meilenstein in der Bandgeschichte.

Toky Tales

BG TokyoIm Lager der Barden herrscht Euphoriealarm; denn es geht nach Tokyo. WĂ€hrend des Trips herrscht ausgelassene Stimmung, sowohl , als auch auf der BĂŒhne. Das hört man der Tokyo Tales auch an, denn die Meute rastet gepflegt aus und gibt sich extrem textsicher. Nach dem “Inquisition” Intro feuert man auch eine gutgelaunte Version von `Banished From Sanctuary` in die feierwĂŒtige Menge. Hansis Vocals hĂ€mmern sich schnell durch die ersten Reihen und zusammen mit der Spielfreude und den Soundwand beschwört er rasch die Euphorie der Meute hinauf. Auch seine Ansagen sitzen und so hat man wĂ€hrend des gesamten Konzerts das GefĂŒhl, daß die Stimmung zwischen Band und Publikum perfekt harmoniert. Songtechnisch hat es neben den beiden voran genannten Nummern noch lediglich `Barbara Ann`und `Valhalla`(das eine konstante Live Granate bleiben wird) von den ersten beiden Alben auf die Setlist geschafft. Ansonsten konzentriert man sich ausschließlich auf die “Tales…” und “Somewhere…” Ära, was dankbar angenommen wird.

Gerade die auf den Alben vorhandenen Chöre werden vom Publikum begeistert mitgeschmettert und so entwickelt sich beispielsweise `Traveller In Time` rasch zum SelbstlĂ€ufer, `Quest For Tanelorn` zum erhabenen Moment und `Journey Through The Dark` erhĂ€lt seine Live Taufe. Balladen wie `Lord Of The Rings` und `BardÂŽs Song` fehlen bei der Veröffentlichung völlig, man konzentriert sich hier auf die volle Durchschlagskraft und vertraut auf die Melodien, die das Live Album zusammen mit der Live Stimmung tragen, was auch sehr gut funktioniert. Erst in der remasterten Version wird `Lord Of The Rings nochmal nachgereicht. So herrlich der Live Mitschnitt ist, um so unerfreulicher ist die Tour, die teilweise von schweren Differenzen zwischen der Band und Kalle Trapp geprĂ€gt ist. Als Livemischer beklagt die Band einen zu leisen Sound, was spĂ€ter zu einem ZerwĂŒrfnis fĂŒhren soll.

Der Tod der Kindheit

Wir schreiben das Jahr 1995 und mittlerweile hat sich einiges in der Band getan; man blickt auf eine amtliche Live Erfahrung zurĂŒck, weiß genau was man will und hat einen amtlichen Songkatalog am Start. Das fĂŒhrt dazu, daß man sich intensiv nach einem Studio umschaut und letzten Endes bei Flemming Rasmussen als Produzenten landet, der bereits fĂŒr Metallica (`Ride The Lightning`, `Master Of Puppets`, `…And Justice For All`) die Regler bedient hatte. Mit dieser RĂŒckendeckung an Erfahrung wird der Wendepunkt der Band eingelĂ€utet, die das Songwriting von schnell und melodisch in die opulente und progressive Schiene anheben. Wenn man sich die vorangegangenen Scheiben, die bereits Meisterwerke waren, nochmal anhört muss man sich ernsthaft fragen, was bei der Produktion zu dieser Scheibe alles im Spiel war. Hektoliterweise Kaffee, tagelange Abstinenz von jeglichem menschlichen Kontakt oder einfach hemmungslose Arschtritte untereinander, bis man das Maximum aus jedem Detail rausgeholt hat.

Imaginations From The Other Side

BG ImginationsDas Album ist bis dato das perfektionistischste Werk der Barden, denn es strotzt an allen Ecken und Kanten voller Ambitionen. Man gibt sich mit nichts außer dem Besten zufrieden und klatscht gleich zu Beginn den Titeltrack auf den Tisch, der sich langsam aufbaut, um sich episch zu entfalten. Grund zur Ruhe hat man jedoch nicht, denn er galoppiert dann vorwĂ€rts, um seine AtmosphĂ€re in jeden Zentimeter der Hirnrinde einzubrennen, ohne auch nur einen Hauch seiner Epik einzubĂŒĂŸen. Das ganze mĂŒndet in einem Refrain, den man mental heute genauso laut mit schreit, wie bei der Veröffentlichung; noch nie gingen 7 Minuten so schnell vorbei, wobei man sich unter anderem an Hansis ausgeprĂ€gtem Organ ergötzen kann, das eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat. `IÂŽm Alive` prĂŒgelt noch einmal in Richtung Anfangstage, nur mit knackigerem Riffing und einprĂ€gsamerem Refrain. Mit `A Past and Future Secret` wird Hansis beste Gesangsleistung hingelegt, eingebettet in einer geheimnisvollen Ballade, die das GefĂŒhl des `BardÂŽs Song` in ein neues Zeitalter transportiert. Wer das Lied in Dauerschleife gehört hat und dabei auf das Cover der Maxi CD gestarrt hat, weiß wovon ich spreche. `The Script For My Requiem `ist quasi der heilige Gral in Sachen Geballer, epischem Refrain und Abwechslung. `Mordred’s Song `erzĂ€hlt die Geschichte einer Figur, um die sich viele (unterschiedliche) Sagen und Legenden ranken. Neid, Ungerechtigkeit und Verrat wurden hier gekonnt vertont und eine Halbballade eingestampft, die sowohl introvertiert, als auch aufbegehrend fesselt.

`Born in a Mourning Hall `tritt das Gaspedal durch und schreit besonders live nach Reaktionen des Hörers im Refrain. Egal wie oft man es versucht, man kann es nicht ruhig hören, dafĂŒr drehen die WĂ€chter zu sehr an der Adrenalinschraube. Schluss mit Epik und Geballer, ich will einen Song, den ich von Anfang bis Ende durch singen kann, auch wenn ich mal 80 Jahre alt werde! Meine Gebete werden erhört und `Bright Eyes` ist das perfekte Beispiel, wie sich ein Song um eine Gesangslinie herumbauen lĂ€sst und wie geschickt die Instrumente sĂ€mtliche Facetten ausloten, die man dabei fĂŒhlen möchte. Einmal ins geile Riffing gerutscht, Tapping durchgezogen und auf geht’s bei `Another Holy War` auf die Überholspur. Gradlinig und mit geilen Solis versehen fĂ€hrt man auf Hochbetrieb, der lediglich vom vielstimmigen Refrain kurz gebremst wird. Kann man ein Album besser beenden, als mit `And the Story Ends`? Nicht wirklich, denn hier wird alles auf Abwechslung geschaltet; Geschwindigkeit, Gesangsdarbietung und Songwriting. Mal etwas schneller und rauher, dann wieder langsam und feinfĂŒhlig. Der perfekte Abschluss eines perfekten Albums. Obwohl, was ist mit der Produktion und den Rahmenbedingungen? Die Produktion ist wuchtig und erhaben, als wĂŒrde man vor einem riesigen Berg stehen, der in Dauerfeuer herrlichen Sound ausspuckt. Das Cover von Andreas Marschall ist meiner Meinung nach das beste in der Diskographie der Barden und die Themen beackern Fantasy, die Artus Saga und erzĂ€hlen eine Geschichte im Tiefflug, die noch viele weitere Figuren beinhalten. Die Hitdichte ist bis zum Anschlag gefĂŒllt und man könnte beim Vergleich meinen, daß es wie Metallicas schwarzes Album sein wĂŒrde; ungewöhnlich, kommerziell erfolgreich und an allen Ecken perfektioniert.

Forgotten Tales

BG ForgottenÄhm, nun ja, wie soll man dieses Kapitel der Barden am besten beschreiben? Angefangen hat das Projekt mit der Coverversion von `Mr Sandman`zu der auch ein Video gedreht wurde. UrsprĂŒnglich war geplant, es auf dem Fernsehsender Viva laufen zu lassen (ja, damals gab es noch kein Youtube, weil das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Wir hatten tatsĂ€chlich noch Röhrenfernseher und waren auf die Uhrzeiten des Senders angewiesen). Das Video wird allerdings nicht fĂŒr Kinder geeignet empfunden und somit wird es aus dem Nachmittagsprogramm verbannt und landet im Nachtprogramm, wo die Sendung Metalla mit Markus Kavka ausgestrahlt wird. Dort warten bereits Bands wie Sepultura, Pantera und Carcass darauf, diesen Clip zum FrĂŒhstĂŒck zu verspeisen. Anno 1998 wird außerdem noch eine Abschiedssendung mit Kavka und Blind Guardian gedreht (Blind Guardian vs. Markus Kavka) , die ich den Lesern und den Barden gleichermaßen heute ersparen möchte. Jedenfalls erblickt „Forgotten Tales“ 1996 das Licht der Welt und besteht aus Coverversionen und neu aufgemachten Gassenhauern der Truppe. Das Cover sieht chic aus, die Produktion ist natĂŒrlich im grĂŒnen Bereich und die Songs sind natĂŒrlich auch gut. Als Album kann man es aber nicht wirklich bezeichnen, denn es ist eher ein LĂŒckenfĂŒller, um die Wartezeit auf den nĂ€chsten großen Wurf zu verkĂŒrzen. B-Seiten von dem Maxis und `Surfin USA`, sowie `To France` vervollstĂ€ndigen die Sammlung der Fans, ist aber nicht gerade zwingend ein Pflichtkauf. Weiter im Text.

Mittelerde in XXL

„Einmal Vollkatastrophe zum Mitnehmen bitte. Wenn es geht noch mit Pannen, eiserner Deadline und gefĂŒhlten 20 Herzklappenabrissen.“ So ungefĂ€hr muss es sich rĂŒckblickend angefĂŒhlt haben, als das Album endgĂŒltig im Kasten ist. In der JubilĂ€umsbox beschreiben die Barden einen Wasserschaden, der das Studio flutet und mal eben zwei Monate an Zeit kosten. Hinzukommt der zweimalige Riss des Bandes einer 24 Spur Analogmaschine und immenser Zeitdruck; quasi zwischen TĂŒr und Angel werden am letzten Tag mal eben Gesangsparts eingesungen, Sprechparts fertiggestellt und Akustiksequenzen abgemischt, ehe es direkt zur Promo Tour geht. War der Drang nach Perfektion bei der „Imaginations…“ schon sehr stark ausgeprĂ€gt, nimmt es bereits bei der Diskussion um Kleinigkeiten extreme Formen an. „Bei den Aufnahmen zu „Nightfall..:“ war Charlie der einzige mit uns arbeitende Engineer, der nicht den Überblick und die Nerven verloren hat. Das hat uns mehr als einmal das Leben gerettet“ erinnert sich Hansi in der JubilĂ€umsbox. Textlich geht es um das „Quenta Silmarillion“, den Mittelteil des „Silmarillions“ von J.R.R. Tolkien. Die Geschichte wird jedoch nicht zuende erzĂ€hlt; es existieren immer noch Aufnahmen, die den damaligen AnsprĂŒchen nicht gerecht werden und in der Schublade gelandet sind. Unterm Strich ist das Album ein Meilenstein geworden, mit dem sich BLIND GUARDIAN das Ticket fĂŒr ihre erste Mammut Tour abknipsen. Hansi gibt den Bass an Oliver ab, der als Gasbassist fungiert, damit er sich mehr auf den Gesang konzentrieren kann. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellt, denn die ersten Shows in Russland und SĂŒdamerika lassen eine Ă€hnliche Euphorie aufkommen, wie zur „Tokyo Tales“ Zeiten. Thomen fĂ€llt kurzfristig und vollkommen unerwartet fĂŒr unbestimmte Zeit am Schlagzeug aus. Innerhalb von drei Tagen verbringt Alex Holzwarth das Wunder, sich fĂŒr die zweite SĂŒdamerika Tour ein nicht unkompliziertes Live Set anzueignen.

Nightfall In Middle Earth

BG NightfallAuch wenn die WĂ€chter sich in ihren Alben mit mehren Themen und BĂŒchern diverser Autoren (Stephen King, Michael Moorcock,etc.) beschĂ€ftigt haben, bleibt die Liebe zu Tolkiens „Herr der Ringe“ untrennbar mit BLIND GUARDIAN verbunden. In den VorgĂ€ngeralben wird viel angedeutet, was anno 1998 als auditiver Kniefall exzessiv zelebriert wird. Hier werden sĂ€mtliche Regler auf Perfektion aufgerissen, was beim atemberaubenden Cover von Andreas Marschall beginnt, ĂŒber die bombastische Produktion weitergeht und in zeitlosen Klassikern verteilt auf knapp 66 Minuten und 23 (!)Songs endet. „Nur“ ein Album aufzunehmen ist zu wenig, deshalb werden kurze ErzĂ€hlpassagen in Form von `War of Wrath`, `The Minstrel` oder `Face the Truth` eingestreut, womit eine Symbiose aus Album und Hörspiel erschaffen wird. `Into The Storm` soll lange Zeit als Opener auf jedem Konzert der Barden dienen, denn warum langsam anfangen, wenn man auch direkt auf Hochgeschwindigkeit machen kann? `Nightfall` beginnt elegisch, steigert sich jedoch rasch zu einer aufbegehrenden (Halb-) Ballade, die gerade live ihre volle Wirkung entfaltet und aus allen Kehlen leidenschaftlich mitgetragen wird.

`The Curse of Feanor `prescht schnell vorwĂ€rts und ist eine perfekte Symbiose alter Tage mit dem „Imaginations…“ Flair. `Blood Tears `unterstreicht die ĂŒberwiegend finstere und nachdenkliche Stimmung des Albums; unverzerrte Gitarren stimmen sehr ein und auch wenn sich der Song spĂ€ter in Geschwindigkeit und IntensitĂ€t steigert, wird die Stimmung des Verlustes in keiner Sekunde geschmĂ€lert. Lange habe ich ĂŒberlegt, etwas ĂŒber `Mirror Mirror` zu schreiben, aber ich wĂŒrde nur ins Schwelgen geraten, wie bei `Last Candle`. Packendes Einstiegsriff, nach vorne prĂŒgelnder Hochgeschwindigkeitszug, griffige Melodien und ein Refrain, den man nicht nur stumm mithören kann. Ich schenkÂŽs mir und fĂŒge dafĂŒr lieber ein Video ein.

`Noldor (Dead Winter Reigns)` beginnt Ă€hnlich elegisch wie `Blood Tears `, mĂŒndet jedoch in progressivere Passagen, ehe es in den Ohrwurmrefrain abbiegt. Komplex, sperrig und irgendwie seltsam eigenbrödlerisch. Kritisch kann man nichts halbes und nichts Ganzes hinterfragen, aber unterm Strich will man ihn immer wieder hören. Bereits beim ersten Durchlauf von `Time Stands Still (at the Iron Hill)`marschieren vor dem inneren Augen Orkhorden durch Mordor und man wird tief in die Welt Tolkiens katapultiert. Lediglich beim Gesangspart wird man kurz rausgerissen, ehe es wieder zurĂŒck nach Mittelerde geht. Genau dieser Gesangspart ist es, das bei jedem Konzert fĂŒr GĂ€nsehaut und Partytimmung in der Moshpit sorgt. `Thorn ` besticht besonders durch seinen mehrstimmigen Gesang, wĂ€hrend `The Eldar` lediglich von Klavier und Hansis Stimme getragen wird. Das Kochrezept hat bei `Black Chamber` auf der „Somewhere…“ bereits funktioniert und verfehlt auch hier seine Wirkung nicht. `When Sorrow Sang` ist eine Ă€hnliche Granate wie `Mirror, Mirror`; fix auf dem Griffbrett hantiert, herrlich nach vorne in die Fresse und mit Götterrefrain ausgestattet bietet er alles, was live alles abreißen dĂŒrfte. `A Dark Passage ` hat sich bei mir bis heute nicht vollends erschlossen und ich staune immer wieder, wie gut der Song eigentlich ist, obwohl er in meinem Kopf total unterbewertet ist. Es unterstreicht allerdings auch die Tatsache, daß das gesamte Album nicht leicht zugĂ€nglich ist. Mit diesem Album in die BLIND GUARDIAN Diskographie einzusteigen wĂ€re nicht gerade ratsam, denn es ist komplex, opulent und voller Überraschungen, die einen noch Jahre spĂ€ter verfolgen. Textlich gesehen gibt es viel zu entdecken; Autor Christian Krumm ( den einige von seinen BĂŒchern „Kumpels in Kutten“, „At Dawn They Sleep“ und „Traumschrott“ bereits kennen dĂŒrften. Wenn nicht: antesten!) hat sich in seinem Artikel (ab Seite 97) explizit damit und mit der Geschichte der Band generell beschĂ€ftigt.

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Der „Herr der Ringe“ Hype

Zur Jahrtausendwende erblickt Peter Jacksons Verfilmung von „Herr der Ringe“ die Welt. Im Fansektor bricht stellenweise die Diskussion aus, warum BLIND GUARDIAN keinen Soundtrack dazu beisteuern. In derselben Diskussion kommt auch die Antwort auf, daß es sinnlos wĂ€re, weil die Krefelder das Thema spĂ€testens mit „Nightfall in Middle Earth“ ausgiebig zelebriert haben. Marcus bricht dabei in schallendes GelĂ€chter aus. „Gar nicht mal so falsch. Über diese Diskussion habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Das witzige ist ja, daß wir zig „Herr der Ringe“ Sachen hatten: das fing bei `Majesty`an, ging ĂŒber `Lord Of The Rings` bis hin zum ganzen „Nightfall“ Album. Das war alles vor den Filmen. Wir haben, seitdem dieser Megahype um die Filme herauskam, glaube ich auch keine Tolkien Texte mehr gehabt. Das war damals eine bewusste Entscheidung die nicht kam, weil wir Tolkien nicht mehr mögen. Wir hatten aber auch keinen Bock darauf, Teil eines Tolkien Hypes mit den Filmen zu sein; wir sind auch nicht die Tolkien Band. Ja, wir hatten StĂŒcke darĂŒber, aber es war auch nie Hauptbestandteil von BLIND GUARDIAN. Wir haben uns nie vor Tolkien definiert, sondern das war halt ein Thema von vielen, das wir mochten. Da war Michael Moorcock, Stephen King und König Artus beispielsweise auch dabei. Als im Internet der ganze Hype losging, gab es auch Kontakt mit Jacksons Team. Wir haben allerdings noch nicht einmal Demos losgeschickt, weil wir mitten in den Arbeiten zum „Opera“ Album steckten. Ein kompletter Soundtrack hĂ€tte das regulĂ€re Album mal eben einige Jahre nach hinten geschoben, weil wir nicht die typische Band sind, die mal eben einen Soundtrack komponiert. Deshalb haben wir uns auch nie ernsthaft darum bemĂŒht, diesen Job zu kriegen.“

A Night At The Opera

BG Opera„Was zum Teufel ist denn das?“ So oder Ă€hnlich dĂŒrfte es einigen Fans bei der Veröffentlichung 2002 ergangen sein, wenn sie das erste Mal das Cover erblickten. Keine mystische AtmosphĂ€re, sondern eher seltsam anmutende Karikaturen von Fabelwesen, die eine Fantasy Oper bekleiden. Der Blick geht mehrfach auf den BLIND GUARDIAN Schriftzug um sicherzugehen, das man auch wirklich das richtige Album auf dem Tisch hat. Sehr seltsam, aber erstmal schauen, was die Musik so kann. Der Opener `Precious Jerusalem` entlĂ€dt in einer opulenten ReizĂŒberflutung alles, was sich in der langen Wartezeit seit der „Nightfall…“ in den Köpfen der Barden abgespielt hat…und ĂŒberfordert auch schnell. Spieltechnisch ist alles an seinem Platz, die Produktion ist auch top, also was fehlt mir eigentlich? Richtig, die Seele bleibt komplett auf der Strecke! Wo sind die messerscharfen Riffs, die genau auf den Punkt kommen? Wo die epischen Refrains, die sich aus dem Hochgeschwindigkeitsrausch heraus schĂ€len, um sich ins LangzeitgedĂ€chtnis zu fressen? Und warum eigentlich kein Fantasy, sondern ein biblisches Thema? Die Erwartungshaltung wird enttĂ€uscht und hier lernt man eine (teils bittere, teils sĂŒĂŸe) Lektion; erwarte bei dieser Band nichts, denn du weißt nie, worauf sie Lust hat! Wo ist hier mein nĂ€chstes `Past And Future Secret`? Obwohl alle Elemente vorhanden sind, gibt es keinen Dauerbrenner beim ersten Hören. Zu perfekt, zu episch, ich bin raus! Auch wenn sich die Mammutnummer `And Then there Was Silence` irgendwie seinen Weg in mein GedĂ€chtnis bahnt, sind die guten alten Tage der Barden hiermit wohl vorbei.

Ein kleiner Zeitsprung; wenige Jahre spĂ€ter höre ich erneut in das Album rein, weil ich alle anderen Klassiker bereits bis zum Ohrenbluten gehört habe. „Gib der Platte nochmal eine Chance“ denke ich mir,drĂŒcke die PLAY Taste und siehe da, es funktioniert! Die ersten Rhythmen des Schlagzeugs trommeln mich in den WĂŒstensand Jerusalems, wĂ€hrend die Gesangslinien sich durch arg verĂ€steltes Songwriting arbeiten. Chöre vor dem Refrain? Egal, die Reise geht weiter, bis ich mir endlich meine wohlverdiente GĂ€nsehaut bei der Textpassage „I turn to you, oh my precious Jerusalem“ abhole. Wow, da ist ja noch ein Break, das ich noch nie gehört habe und schau mal hier, die geilen Gitarrenlinien und bĂ€hm was fĂŒr ein Solo! Leichte ReizĂŒberflutung, aber irgendwie geil. `Battlefield ` beginnt eher ruhiger, trĂ€gt mich jedoch auf seinen Schwingen schnell ĂŒber den unĂŒbersichtlichen Wald der Songstrukturen hinweg und lĂ€sst mich endlich wieder die Luft atmen, die ich bei BLIND GUARDIAN so liebe. Von oben sehe ich epische Passagen, endlose Gitarrenlinien und eine Soundwand, die sich ihren Weg ĂŒber jene Köpfe hinweg bahnt, die nicht willens sind, ihr von einer anderen Perspektive zu zu hören. Seltsamer Anfang, aber mal schauen, was `Under the Ice ` so drauf hat. OK, recht stakkatomĂ€ĂŸig angehaucht, aber prescht trotzdem gut nach vorne und irgendwie doch gut. Hey, ist das gerade mal die Zwischenpassage? Geil, die hĂ€tte ich fĂŒr den Refrain gehalten. Mein Gott, wie viele Finger haben eigentlich die Gitarristen? Oh mein Gott, DAS ist also der Refrain.So wirklich raus kommt man aus dem Staunen nicht mehr, denn versteckt hinter der dichten Soundwand und dem verĂ€stelten Songwriting erarbeitet man sich Songs, die sowohl beeindruckend, als auch episch und packend sind. Bestes Beispiel dafĂŒr ist `Sadly Sings Destiny` , bei dem der Song um ein charismatisches Gesangskorsett herumgebaut wurde.

Den Job der (Halb-) Ballade ĂŒbernimmt `The Maiden and the Minstrel Knight` , wobei man im Midtempo bleibt, sich aber seiner stetigen Steigerung bewusst ist und letzten Endes die Äste in alle Himmelsrichtungen ausstreckt, um alle Facetten der Band abzuliefern. `Wait for an Answer` erschließt sich mit immer noch nicht, aber allein die Konzentration auf den immens variablen Gesang hinterlĂ€sst bei mir bleibenden Eindruck. Mit `The Soulforged` hat man meiner Lieblingsfiguren der Drachenlanze auditives Leben eingehaucht; entsprechend groß ist meine Begeisterung ĂŒber die filigranen GitarrenlĂ€ufe, das bombastische Gesamtarrangement und die vielen GĂ€nsehautmomente. Von den Gesangslinien will ich gar nicht erst anfangen, sonst zitiere ich hier den gesamten Text. FĂŒr `Age of False Innocence` muss ich noch bereit ein, denn bis jetzt ist es „nur“ ein gutes, aber nicht ĂŒberragendes StĂŒck. `Punishment Divine` ist ein kranker Bastard aus Aggression und Bombast geworden, der mir an manchen Tagen immer noch zu progressiv ist. Vom Adrenalinpegel her bleibt nichts zu meckern. Muss ich ĂŒber `And Then There Was Silence` Worte verlieren? Alleine diesen 14 minĂŒtigen Schinken live zu spielen und Stimmung rĂŒber zu bringen ist eine Kunst. Zum GlĂŒck hat der Song bereits beim ersten Durchlauf irgendwie gezĂŒndet, erschließt sich jedoch nach mehren DurchlĂ€ufen immer mehr und unterstreicht die GenialitĂ€t, mit der man hier zu Werke gegangen ist. Im großen und Ganzen ist die Scheibe anno 2002 ihrer Zeit weit voraus und fordert diese auch ein. Wenn man sich intensiv damit beschĂ€ftigt, null Erwartungshaltung anhand der VorgĂ€nger schĂŒrt und sich Zeit nimmt, wird man mit einem weiteren Meisterwerk belohnt, das es in sich hat. Trotz des Covers, das wohl den Titel „HĂ€ĂŸliches Entlein“ verdient, hinter dem sich aber ein erhabenes Album verbirgt.

Das zweite Live Album

BG LiveEs folgt eine Tour, um die Werbetrommel fĂŒr das Album fleißig zu rĂŒhren. Live hat man sich mittlerweile zu einer Kultband mit brachialer Durchschlagskraft und guter Laune Faktor gemausert. Also wird mal eben ein großer Teil der Landkarte beackert und mit den KlĂ€ngen der Barden beglĂŒckt. Nebenbei erwĂ€hnt man dann wĂ€hrend der Konzerte, daß die Tour aufgezeichnet wird, was das Publikum zu Höchstleistungen anstachelt. Das Ergebnis soll auf den schlichten Namen „Live“ hören, wobei man auf zwei CDÂŽs etliche Klassiker verteilt hat. Besonders gelungen ist die Mischung zwischen wuchtiger Produktion und den Publikumsreaktionen, die die Live AtmosphĂ€re herrlich authentisch in die Synapsen schießen. Gibt es eigentlich irgendwo auf diesem Planeten wirklich diese Barden Taverne, die auf dem genialen Cover von Andreas Marschall abgebildet ist? Falls ja, wĂ€re ich dort bestimmt Dauergast; mit dem Cover besinnt man sich zurĂŒck zu den (optischen) Wurzeln und macht den Ausrutscher zum vorangegangenen Cover wieder wett.

Bei der Auswahl der Songs kann man aus den Vollen schöpfen und so schraubt man zuhause schnell die SKIP Taste vom CD Player ab, denn einen DurchhĂ€nger gibt es nicht. Egal, ob man mit `Into The Storm` gleich loslegt, sich von `Welcome To Dying` in seine Jugend katapultieren lĂ€sst, oder hemmungslos `Nightfall`mitsingt, die Gassenhauer halten den Adrenalinpegel konstant oben. Auch sehr schön, daß es mit `Harvest Of Sorrow `, `The Bards Song (In The Forest)`, `A Past And Future Secret `und `Lord Of The Rings` auch die Balladen auf die Live Scheibe geschafft haben, denn dadurch wird die Abwechslung von hart bis zart komplett abgerundet. Die Live Scheibe bringt schnell Erinnerungen an geile Konzerte zurĂŒck und von der IntensitĂ€t her kann man, nachdem man sich die Platte komplett reingedrĂŒckt hat, erstmal duschen gehen, denn still sitzen und genießen ist nicht drin.

Lost in the Philipshall

Jede Band hat irgendwo ein Heimspiel; sei es, weil sie aus der Region kommt, großartige Erinnerungen damit verknĂŒpfen oder einen Kultstatus aus sonstigen GrĂŒnden genießen. Bei den Barden ist es die DĂŒsseldorfer Philipshalle (heute: Mitsubishi Halle). Bereits in den 90ern wurde eine Live Version des `BardÂŽs Song` aufgenommen, die auf der „Forgotten Tales“ gelandet ist. Dabei hĂ€tte man Hansi teilweise das Mikro wegnehmen können, weil das Publikum einfach mal gemacht hat und eine amtliche Performance hingelegt hat. Anno 2002 soll es dann soweit sein und BLIND GUARDIAN gastierten erneut in ihrem gefĂŒhlten Wohnzimmer der Philipshalle. Nachdem man bereits einige Gassenhauer zum besten gegeben hatte, schallt es aus den Boxen. „Jetzt habt ihr und wir, beide, eine Ruhepause verdient. Magic Moments kann man bekanntlich nicht wiederholen. Gebt euch alle MĂŒhe; hier kommt der `BardÂŽs song®“. Eine simple Ansage, der eine Großtat folgen sollte; frenetischer Jubel, Mitklatschen und nach der Eingangspassage ĂŒbernimmt eine restlos glĂŒckliche Philipshalle den Gesangspart. SĂ€mtliche Kehlen schmettern inbrĂŒnstig jede Textzeile aus dem Herzen in die Menge, die Akustikgitarre setzt sich mit MĂŒhe gegen den lautstarken Beifallsregen durch und sowohl vor, als auch auf der BĂŒhne herrscht GĂ€nsehautstimmung aus allen Poren. Magic Moments kann man nicht wiederholen, aber es gibt im Leben ein Konzert, das absolut alles topt und fĂŒr viele Anwesenden ist es (auch in vielen GesprĂ€chen Jahre spĂ€ter) genau dieser Moment, in dem der `BardÂŽs Song` angestimmt, hemmungslos zelebriert und im Nachgang frenetisch abgefeiert wird. In einem Jubelsturm werden Hansi BemĂŒhungen eine Ansage zu machen gleich mehrfach niedergebrĂŒllt und noch wĂ€hrend man in allen anwesenden Gesichtern das Dauergrinsen sieht, attestiert uns Hansi den vollkommenen Wahnsinn. Eben dieser Moment hat es auch auf das „Live“ Album aus dem Jahr 2002 geschafft, der natĂŒrlich auch die anderen Granaten wie `Valhalla`, `Lord Of The Rings` oder `Mirror, Mirror` (und viele andere) enthĂ€lt.

Live BEyondMarcus erinnert sich. „Oh ja die Philipshalle. Das Konzert war wirklich unglaublich! Der Witz ist: das, was auf dem Album ist, ist schon die gekĂŒrzte Version, es war im Endeffekt lĂ€nger. Der Ausraster ging so um die 12 Minuten oder Viertelstunde. Wir haben gesagt „Das muss irgendwie mit auf das Live Album“, das ist schließlich etwas einzigartiges und passiert nicht jeden Tag. Aber eine Viertelstunde Leerlauf auf dem Album war uns zu viel;man sollte auf jeden Fall hören, was da passiert ist. Wenn ich daran zurĂŒckdenke, hab ich immer noch GĂ€nsehaut. Das hat uns auch sehr unvorbereitet erwischt, denn daß der `BardÂŽs Song` live funktioniert ist kein Geheimnis. Es gab Shows, wo wir den Song nicht gespielt hatten, weil wir keinen Bock hatten. Im Endeffekt wissen wir aber, daß die Nummer ankommt, wenn wir sie spielen. Die Leute singen mit und Hansi könnte die Nummer auch als InstrumentalstĂŒck ankĂŒndigen und es wĂŒrde trotzdem sehr gut funktionieren. Diese Reaktionen, wie sie an diesem Tag in DĂŒsseldorf passiert sind, das ist sonst bis jetzt nirgendwo passiert. Sowas kannst du auch nicht nochmal wiederholen. Die MĂŒhe der Fans hat sich absolut gelohnt, es war ein absoluter GĂ€nsehautmoment!“

Mittlerweile steht das dritte Live Album „Live Beyond The Spheres“ in den Regalen und neben den alten Klassikern, dem `BardÂŽs Song`aus der Philipshalle (es bleibt bei dem Namen, die Mitsubishi Hall bleibt die Philipshalle) kommen auch die neuen StĂŒcke wie beispielsweise das Epik Monster `Ninth Wave` zum Zuge, die sich perfekt in die Klassiker einreihen.

Imaginations Through The Looking Glass

BG Imaginations ThroughZwei Tage lang nur BLIND GUARDIAN live, das wĂ€re mal ein Traum! Dieser Traum soll 2003 in Coburg Wirklichkeit werden. Wer es nicht zu dem Live Gig schafft, wird ein Jahr spĂ€ter mit der Live DVD beglĂŒckt, die neben einer herrliche brachialen Soundwand auch mit gstochen scharfem Bildmaterial aufwarten kann. Bei der Produktion wird Perfektion erneut groß geschrieben und das Ergebnis wird auch noch in einer liebevollen Verpackung auf 2 DVDÂŽs verteilt, die zusĂ€tzlich einen Mitschnitt vom Wacken und ein Making Of enthalten. Als Fan braucht man das Teil ebenso, wie jedes Album, um sich die komplette Vollbedienung zu gönnen (vergesst Youtube, es muss das Original sein). Da ist die logische Konsequenz, das man als Fan eine Wiederholung wĂŒnscht.

Allerdings steht und fĂ€llt das zweite Festival mit der Veröffentlichung des (bereits etwas lĂ€nger angekĂŒndigten) Orchester Albums. „Das wĂ€re natĂŒrlich eine schöne Möglichkeit, weil es auf Tour Blödsinn wĂ€re. Das schöne an unserem eigenen Festival damals war, daß es uns Möglichkeiten eröffnet hatte, die wir auf keinem anderen Festival der Erde gehabt hĂ€tten. Selbst wenn wir Wacken headlinen kannst du nicht tun und lassen, was du willst, weil noch gefĂŒhlte 700 andere Bands da spielen. Du musst bestimmte Vorgaben einhalten, ganz egal ob du Headliner oder Opener bist. Mit unserem eigenen Festival haben wir die Regeln aufgestellt und konnten einfach tun und lassen, was wir wollten. Das bot sich damals fĂŒr die DVD Produktion an und bietet sich natĂŒrlich auch dafĂŒr an, wenn man sowas mit Orchester durchziehen wĂŒrde. Es gibt zur Zeit nichts konkretes, aber das wĂ€re so eine Option, daß ,am das Orchester Album rausbringt und dann pĂŒnktlich mit dem Festival antritt.“

Wir unterbreiten Marcus die Idee, das zweite Festival zu splitten; erster Tag: Orchester Set, zweiter Tag: old school Set mit Speed Klassikern, die man selten live zu hören bekommt ( Beispiel: The Martyr; Tieteltrack Follow the Blind).

„Aufsplitten in Orchestertag und Nichtorchester Tag macht generell schon Sinn, weil wir auch viele „normale“ StĂŒcke haben, die man mit dem Orchester unterbringen könnte. Zweiten Tag dann KnĂŒppel aus dem Sack oder schnelle Nummern wĂ€re auch denkbar. Was man dann spielt, mĂŒsste man dann natĂŒrlich sehen. „Follow The Blind“ beispielsweise haben wir seit gefĂŒhlten 137 Jahren nicht mehr gespielt. Ich mĂŒsste diese Nummer erstmal wieder lernen. Ich wĂŒrde aus dem Stehgreif wahrscheinlich bis zum ersten Refrain kommen und dann mĂŒsste ich wohl nochmal in die CD reinhören um rauszukriegen, was wir denn damals so gemacht haben (lacht) Bis jetzt haben wir uns noch ĂŒberhaupt keine Gedanken darĂŒber gemacht. Auf Tour ist es bei uns so, daß wir uns die Setlist immer vor oder nach dem Soundcheck ĂŒberlegen, aber das warÂŽs dann auch, da sind wir relativ spontan. Es ist nicht so, daß wir bereits ein Jahr vorher wissen, was wir genau wie und wann spielen. Aber so ein Event wie unser Festival bietet sich natĂŒrlich an, um auch mal wieder seltene Sachen rauszupacken. „Follow The Blind“ haben wir bis heute glaube ich einmal live gespielt.“-

BG Band 2005

Ein neues Kapitel

Wir schreiben das Jahr 2005 und die Barden haben einiges an Live Auftritten hinter sich. Man hat sich durch seine Erfahrungen bereits einen Veteranen Status erarbeitet; erst Album, dann Tour, dann kurze Pause, dann wieder Album. Dieser Rhythmus wird beibehalten, um einerseits die KreativitĂ€t aufrecht zu erhalten und andererseits auch jederzeit volle Leistung abzuliefern. Dennoch sind die Jungs auch nicht vor den ganz normalen Gefahren einer Band gefreit und so verlĂ€sst Drummer Thomen „The Omen“ Stauch die Band. Stattdessen widmet er seine gesamte Kraft seiner Band Savage Circus, die er anno 2004 gegrĂŒndet hat. Musikalisch geht es eher zurĂŒck zu den Wurzeln, wobei man sich stark an die „Battallions…“ Phase erinnert. Hier kommt es spĂ€ter zum Eklat und er wird von der Band rausgeworfen, was sich 2012 jedoch wieder legen soll. Nicht unerwĂ€hnt soll die Tatsache sein, daß er als Sessiondrummer das Album „The Path of Salvation“ von Stormrider eingetrommelt hat. Neues Tier an der Schießbude ist Frederik Ehmke, der sich in kurzer Zeit die Diskographie aneigent; trotz eines eigenen Drumstils, bringt er live die alten StĂŒcke gut nach vorne, verfeinert sie allerdings noch zusĂ€tzlich mit kleinen Nuancen. Gerade zum Einstieg dĂŒrfte so eine Nummer wie `Punishment Divine` mit seinen Doubelbassgewittern eine echte Herausforderung gewesen sein. Menschlich integriert er sich ebenfalls schnell in die Band und so werkelt man an dem neuen Output, das um einiges moderner klingt. 70er Jahre Elemente, stark Gitarrenorientiertes Songwriting und moderne Soundsamples verschmelzen hier zu einer Symbiose, die ein neues Level ankĂŒndigen. Bereits der „Testluftballon“ in Form der Single `Fly`, die ein sehr geiles Cover ziert, ist ein klares Statement zum Songwriting und wird im Fanlager heiß diskutiert. Von „Das ist doch kein Blind Guardian mehr“, ĂŒber „Ich weiß nicht so recht“, bis zum „Hör es dir mehrmals an, das zĂŒndet danach richtig“ ist alles dabei. Fakt ist, daß man sich erneut auf unbekannte Pfade begibt, die epische Wirkung zwar beibehĂ€lt, aber nicht mehr so in den Mittelpunkt stellt und leicht verdaulichere Songs erschafft, als beim VorgĂ€nger.

A Twist In The Myth

BG Twist`This Will Never End `eröffnet mit sĂ€genden Gitarren und bis zum Anschlag ausgereizten Vocals die Reise. Stakkato Riffing, umschmeichelnde Gitarrenlinien und einprĂ€gsamer Refrain lassen den Hörer schnell nach hause kommen und empfangen ihn mit mehren Überraschungen. `Otherland` besticht durch Hansis entblĂ¶ĂŸten Vocals, die den Song quasi von alleine tragen. Der Rest entfĂŒhrt schnell in das alte Guardian Feeling, das man sich bei der „Opera“ noch hart erarbeiten muss. Hier geht’s schnell; GĂ€nsehaut, hochschrauben und lauthalt mitsingen ist angesagt. Gerade die leicht vollziehbare Gitarrenarbeit spielt alle TrĂŒmpfe aus und man staunt abwechselnd ĂŒber die Instrumentierung und den herrlichen Text. Episch geht es mit `Turn The Page` weiter, der zwar auch leicht nachvollziehbar ist, von der Epik aber mal eben einen Mix aus guter Laune und `And Then There Was Silence` transportiert. Es folgt `Fly` , das ein progressiver Brocken mit modernen Synthisounds geworden ist. Nach einigen DurchlĂ€ufen bei mir als Single, ist er schnell der SKIP taste zum Opfer gefallen, denn er ist weder Fisch noch Fleisch (kein „Nightfall“ und auch kein „Opera“). Leider verhĂ€lt es sich mit den anderen Songs stellenweise Ă€hnlich, denn auch wenn das Können der Musiker gut zur Schau gestellt wird, stehe ich stellenweise ratlos vor den Boxen und weiß nicht, was ich davon halten soll. `Carry the Blessed Home ` ist eine 70er Jahre Ballade, die auch problemlos auf Dan Swanös Nightingale Album gepasst hĂ€tte; erst in der zweiten HĂ€lfte entfaltet sich das Flair und man weiß wieder, welche Band da spielt. Insgesamt ist die Produktion deutlich dĂŒnner und man könnte meinen, der Perfektionismus sei erloschen. Allerdings sprechen die Songs hier fĂŒr sich; stellenweise sperrig und auf ĂŒbersichtlichem Bombast getrimmt, aber gerade in der Langzeitwirkung extrem effizient. Es soll bei mir noch Wochen dauern, bis ich mir den Kultstatus dieser Scheibe erarbeite. Optisch hat Nuclear Blast mit der limitierten Buchbox (inkl. Großem Booklet und Stempel) alles richtig gemacht, denn es sieht chic aus,

At The Edge Of Time

BG Edge Of TimeNach 4 Jahren Sendepause beglĂŒcken uns die blinden WĂ€chter mit einem ganz großen Wurf ihrer Karriere. In der Vergangenheit mussten sich BLIND GUARDIAN viele VorwĂŒrfe aufgrund ihrer Experimentierfreudigkeit gefallen lassen, weil die HĂ€rte auf Kosten der symphonischen Schiene verloren ging.
Zwar wartet „At The Edge Of Time“ auch mit vielen bombastischen Parts auf (schließlich wurde ein komplettes Orchester dafĂŒr integriert), aber auch KnĂŒppelfans der ersten Stunde und Hymnenliebhaber treibt es hier die FreudentrĂ€nen in die Augen; selten klang Hansis Gesang frischer, die Gitarren aggressiver und das Schlagzeug dynamischer. Hatte man bei „A Twist in the Myth“ noch einige MĂŒhe sich auf die zukĂŒnftige Richtung einzuspielen (obwohl der neue Schlagzeuger einen guten Job gemacht hatte), so sind sie anno 2010 zu einer richtig starken Einheit zusammengewachsen.

Als Opener kracht `Sacred Worlds` durch die Boxen, den Computerspieler kein unbekannter Titel sein dĂŒrfte. Die orchestralen Arrangements wurden erweitert und der Chorus bedient sofort mit einer GĂ€nsehaut deluxe. Wahnsinn, wie man Metal mit Klassik verbinden kann; mittlerweile kein neues Kochrezept, aber hier genial umgesetzt. Old School Fans lassen die Matte zu `Tanelorn (Into the Void)` wieder kreisen und vor dem inneren Auge sieht man schon die Massen den Refrain mitsingen. Den GĂ€nsehautfaktor spare ich mir einfach mal, weil er sich sowieso durch das komplette Album durchzieht. Mit `Road To No Release` gehtÂŽs gemĂŒtlicher zur Sache. So hĂ€tte das komplette „A Twist In The Myth“ klingen mĂŒssen, dann hĂ€tte es auch mit dem Nachbarn geklappt: eine Midtemponummer, vom Klavier unterstĂŒtzt und dynamisch in Szene gesetzt. Danach habe die Krefelder anscheinend keine Zeit mehr, denn im Volltempo jagt `Ride Into Obsession` durch die Speaker und katapultiert uns irgendwo zwischen den Jahren von „Somewhere Far beyond“ und „Imaginations From The Other Side“.
Nach dem Song bekommt die Nackenmuskulatur erstmal eine kleine Pause, denn die mittelalterliche Ballade `Curse my name` lĂ€sst uns weiterhin vor den Boxen knien und jede Textzeile ehrfĂŒrchtig mitsingen. Nach der kleinen Verschnaufpause, gibtÂŽs das atmosphĂ€rische `Valkyries`, das mit einem Gewitter eingeleitet wird. BLIND GUARDIAN ziehen hier ihr progressives Ding durch, und bleiben auf der Midtemposchiene. Der Song geht sofort ins Ohr und hĂ€tte auch auf der „Nightfall In Middle Earth“ zu finden sein können. Eine Runde Gott gespielt wird mit `Control the divine`, der uns wieder zu den „A Night At The Opera“ Zeiten zurĂŒckfĂŒhrt, ohne jedoch stumpf zu kopieren. Mit `War Of The Thrones` ist es dann endgĂŒltig Zeit die Knieschoner aus dem Schrank zu holen, und den Volume Regler bis zum Anschlag aufzureißen; gab es auf der Single „A Voice In The Dark“ die Akustik Version, gibtÂŽs hier eine bombastischere.

Der Arsch wird dann noch mal richtig mit `A Voice In The Dark` versohlt; der schnellste Song des Albums bringt uns zu den Anfangstagen von BLIND GUARDIAN und es wird gezeigt, dass sie die Spielart noch lĂ€ngst nicht komplett abgelegt haben. Ein weiterer Nackenwirbelarmageddon, bevor es zum krönenden Abschluss kommt. Als Nachtisch wird `Wheel Of Time` serviert, dass mit Ă€gyptischen KlĂ€ngen eingeleitet wird. Auf diesem StĂŒck kann man das Zusammenspiel von einer dynamischen Metalband und einem symphonischen Orchester hören, wie es in Perfektion klingen muss. Die Symbiose beider Stilrichtungen ist hier dermaßen gelungen, dass man glaubt BLIND GUARDIAN wĂŒrden seit dem Beginn ihrer Karriere auf diese Weise komponieren.

Nachdem ich mir die ersten FreudentrĂ€nen weggewischt habe, nun noch einige Worte zum Gesamteindruck; die Produktion ist fantastisch ausgefallen. Die Speed Metal Parts kommen aggressiv und die orchestralen Arrangements extrem bombastisch rĂŒber. Auch die mit Liebe eingeflochtenen Gastauftritte (Prager Philharmonic Orchestra, Flöten, Geigen) kommen sehr gut zur Geltung, ohne in den Songs zu verschwinden. Auch Layouttechnisch ist man hier auf der sicheren Seite und so ist das neue Album eine wahre Augenweide fĂŒr Fantasy Fans; gelungene Zeichnungen und die Aufmachung des Digipacks (von der limitierten Pyramide will ich erst gar nicht anfangen zu schwĂ€rmen) runden den Gesamteindruck ab. Auch ist eine Version mit Bonus CD (inklusive Demo Aufnahmen und einer 20 minĂŒtigen Studiodokumentation) und eine Vinyl Auflage am Start, es wurde wirklich an alles gedacht!

Danach geht es fĂŒr die WĂ€chter auf Tour. Kollege Dirk hatte das GlĂŒck, zum Auftakt mit Marcus zu telefonieren. Das Interview könnt ihr HIER lesen.

PĂŒnktlich zum BandjubilĂ€um erscheint die Box “A TravellerÂŽs Guide To Space And Time”. An dieser Stelle könnten wir euch ein weiteres Review prĂ€sentieren. Stattdessen verweisen wir an dieser Stelle auf unseren Artikel, in dem wir die AnkĂŒndigung der WĂ€chter besprochen hatten.

Das Orchester Album

Fans werden diesen epischen Running Gag mittlerweile lieben, denn es wurde aus heutiger Sicht vor 7 Jahren angekĂŒndigt. Die AnkĂŒndigung findet ihr nochmal HIER auf unserer Seite. Fakt ist, daß ein komplettes Orchester am Start ist und die WĂ€chter mit Markus Heitz zusammenarbeiten. Das verspricht wahrlich etwas sehr großes, das natĂŒrlich auch seine Zeit braucht, um zu wachsen. Wir fragen Marcus, wie es nach der Veröffentlichung mit einer Tour aussieht. „Das wĂ€re schön; das stelle ich mit auch sehr spannend vor, aber das ist natĂŒrlich nichts, was man im Rahmen einer Tour machen kann. Wenn du jetzt 90 Leute mehr fĂŒr das Orchester mitschleppen möchtest, brauchst du mehr Nightliner, mehr Crew, du brauchst mehr alles. Das ist allein schon ein Logistik- und Kostenfaktor, der im Rahmen einer Tour nicht funktioniert. Ich könnte mir vorstellen, daß wir sowas mal FestivalmĂ€ĂŸig angehen, wobei es noch keinen konkreten Zeitplan gibt. Es wĂ€re natĂŒrlich spannend; speziell wenn das Orchesteralbum draußen ist, bietet sich sowas natĂŒrlich an.“

Wie und wann es damit weitergeht, lest ihr im unteren Abschnitt zu den ZukunftsplÀnen.

Memories Of A Time To Come

BG MemoriesBraucht man eigentlich eine Best Of Compilation, wenn man doch alle Klassiker im Original im Regal stehen hat? Eigentlich ĂŒberflĂŒssig denke ich mir und lasse die auf 3 CDÂŽs verteilte Perle jahrelang links liegen. So ganz außen vor fĂŒr dieses Special möchte ich es aber nicht lassen, also einfach mal zur VervollstĂ€ndigung kaufen und gut ist. Das Cover ist natĂŒrlich eine wahre Augenweide und die Songauswahl ist natĂŒrlich gut, aber auch zu wenig; ein Best Of BLIND GUARDIAN beinhaltet Material, mit dem man sich eigentlich problemlos mehrere Tage in seiner Kammer verschanzen kann. Die Produktion ist optimal, schließlich wurden sĂ€mtliche StĂŒcke nochmal einer Frischzellenkur unterzogen und neu remastered. Bei `Valhalla`und `And Then There Was Silence` horcht man auf, denn sie wurden auch neu arrangiert. Gleiches gilt fĂŒr den `BardÂŽs Song- In The Forest`, der jetzt die BrĂŒcke zwischen Klassik und Mittelalter schlĂ€gt. Den Vogel abgeschossen hat man mit `The BardÂŽs Song – The Hobbit`, ein meiner Meinung nach viel zu unterbewerteter Song. Auch hier wurde komplett neu aufgenommen und alleine das Doublebassgewitter zu Beginn lĂ€sst mich schnell die Boxen quĂ€len. Alleine dafĂŒr lohnt sich der Kauf schon! Auf der dritten CD befinden sich Demotracks aus den Tagen von LucferÂŽs Heritage, was die Sache abrundet. Pflichtkauf ist hier Ansichtssache, aber zur VervollstĂ€ndigung der Sammlung sollte man es sich gönnen. Außerdem ist es interessant, die alten SchĂ€tzchen mal mit neuer Produktion zu hören.

Die Zwerge

Mit `Sacred Worlds`, aus dem Computerspiel Sacred 2, wurde die Gaming- und Nerdgemeinde beglĂŒckt. Wer Ende 2016 die Computerspieladaption „Die Zwerge“, angelehnt an der Buchreihe vom Autor Markus Heitz, gespielt hat, wird wĂ€hrend des Abspanns mit einer schönen Überraschung konfrontiert, denn die Barden haben erneut einen Song zu einem Spiel beigesteuert. „Beigesteuert ist so nicht ganz richtig, weil der Song nicht von uns ist. Das Produktionsteam hat uns damals im Studio besucht und uns ihr Projekt vorgestellt. Wir konnten schon in frĂŒhen Alpha Versionen reinspielen, um halt einen Eindruck zu kriegen und wir wurden dann auch gefragt ob wir Bock hĂ€tten, einen Song fĂŒr das Spiel zu schreiben. An Bock ist es nicht gescheitert, gescheitert ist es schlicht und ergreifend an der Zeit. Ich glaube wir waren kurz vor der Endproduktion zum letzten Album und waren zeitlich so ausgebucht, daß wir keine Möglichkeit hatten, wieder in das Songwriting zu gehen und ein StĂŒck zu schreiben. Wir haben dann angeboten, daß wir nur performen und nicht schreiben, weil wir schlicht und ergreifend keine Zeit haben. Das heißt, daß der Song nicht von uns geschrieben wurde, sondern von deren Team und Hansi hat praktisch gesungen und ich hab alle Gitarren gemacht. Es sind also auch nicht komplett BLIND GUARDIAN involviert gewesen, sondern nur Hansi und ich. Im Endeffekt hat es sehr großen Spaß gemacht und es ist eine sehr spannende Erfahrung, mit Leuten zusammen zu arbeiten, mit denen du noch nie etwas gemacht hast und die du auch nicht kennst. Innerhalb der Band kennen wir uns alle in und auswendig. Wir machen das schon seit 30 Jahren und auch Frederik ist schon seit 12, 13 Jahren dabei. Bei uns ist es ein blindes VerstĂ€ndnis, ein blindes Zusammenarbeiten, das einfach lĂ€uft. Wenn du dann auf einmal mit Leuten zusammenarbeitest, die du nicht kennst und die eine andere Arbeitsweise haben, und von mir aus auch noch aus einem ganz anderen Lager kommen, kann das sehr interessant sein und macht auch enorm viel Spaß. Wir haben damals die Demos bekommen und Hansi und ich haben dann etwas umarangiert, den Kram eingespielt und es ist schön geworden. Ich muss aber betonen, daß es keine BLIND GUARDIAN Nummer ist. Das wird immer wieder fĂ€lschlicherweise gesagt, wenn man im Netz schaut; dann stellen sich die Leute die Frage, warum wir diese Nummer nicht aufs Album gepackt haben oder warum wir das StĂŒck nicht live spielen. Es ist schlichtweg nicht unser Song.Wir haben nicht komponiert, sondern nur arangiert“ Eigentlich sehr schade, denn der Song ist gut geworden. Bleibt die Frage, ob er wirklich niemals live gespielt werden wird. „Unwahrscheinlich. Man soll ja niemals nie sagen; wir haben in unseren frĂŒheren Jahren ja auch mal Coverversionen gespielt, die wir rausgebracht haben, weil wir da Bock drauf hatten. Ich wĂŒrde es jetzt nicht pauschal ausschließen, daß das jemals passieren könnte, aber ich wĂŒrde auch keine all zu großen Erwartungen darauf setzen. Wenn wir jetzt damit anfangen wĂŒrden, fremde Nummern in unsere ohnehin volle Setlist rein zu setzen, wĂŒrden wir Probleme bekommen. Wir spielen bereits im Schnitt zweieinhalb Stunden und du bekommst trotzdem nur 18 Nummern unter.“

Gaming Corner- ein NerdgesprÀch

BLIND GUARDIAN haben viele EinflĂŒsse; Herr der Ringe, Stephen King und König Artus sind nur einige Gebiete, aus denen Songs entstanden sind. ZusĂ€tzlich zu BĂŒchern und Filmen gesellt sich noch eine andere Leidenschaft. Marcus ist ein Fan von Computerspielen, womit er bei mir offene TĂŒren einrennt. Ab dieser Stelle ein kurzes Wort der Warnung: wer mit Spielen nicht anfangen kann, sollte nun zum nĂ€chsten Abschnitt skippen. Auf geht’s in den Spielewahnsinn:

MI: Welche Spiele zockst du zur Zeit?

Marcus: „In den letzten 12 Jahren war sehr viel World Of Warcraft am Start (lacht); im Moment spiele ich sehr gerne und oft „Zelda- Breath Of The Wild“ auf der Switch. Diablo 3 spiele, aber ich muss zugeben, daß ich das nicht so spiele, wie ich damals Diablo 2 gespielt habe. Den Suchtfaktor fand ich bei 2 einfach höher als bei 3. Ist zwar ein gutes Spiel, hat mich allerdings nicht so motiviert, wie es bei Teil 2 der Fall war. Das Tombraider Reboot fand ich auch sehr gut; ich hab mir auch schon die Fortsetzung davon gekauft, aber noch nicht angefangen. Resident Evil fand ich auch immer großartig. Da habe ich letztens mit Teil 7 angefangen, wobei das non plus Ultra fĂŒr mich immer noch Teil 4 ist. Ich zocke alles quer durch den Garten, wobei es leider einige Spiele in der Art nicht mehr gibt. Beispielsweise „The Secret Of Monkey Island“ von Lucas Arts und alte Rollenspiele.“

MI: Man kann sich die alten SchĂ€tzchen noch ĂŒber GOG (Good Old Games) fĂŒr aktuelle Rechner kaufen.
Marcus: „Ich hab noch die ganzen alten Originale hier im Schrank stehen. Aber die Art von Spielen vermisse ich irgendwie. Es war mal das Ding und ist irgendwann aus irgendeinem Grund ausgestorben. Eine Zeit lang habe ich auch Shooter und Strategiespiele gespielt, worauf ich halt gerade Bock hatte.“

MI: Was ist mit Elex, dem neuen Spiel von Piranhya Bytes (Den Machern von Gothic)?
Marcus: „Piranhya Bytes kenn ich, wie heißt das Spiel?“
MI: Elex. Ist eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy; man spielt erneut einen Helden, der sich von ganz unten nach oben kĂ€mpfen muss. Es hat genau den Ruhrpott Flair von damals; harte Spielwelt, unzĂ€hlige Quests und humorvolle Dialoge. Keine Grafikhure vor dem herrn, aber die AtmosphĂ€re ist sehr geil. Du hast erwĂ€hnt, daß due Resdient Evil Fan bist. Wie schautÂŽs dann bei dir mit The Evil Within 2 aus?
Marcus: „Den ersten hab ich auch auf den Rechner, aber noch nicht gespielt. Den zweiten hab ich gekauft, aber installiere ich erst, wenn ich den ersten durch habe. Ich erwarte hier großartiges, denn Trailer und Bilder haben mir sehr gut gefallen.“

An dieser Stelle bremsen wir uns beide zu dem Thema, da es ansonsten ein reines Gaming Special werden wĂŒrde. Es geht weiter mit BLIND GUARDIAN.

Beyond The Red Mirror

BG MirrorNeues Album, neue Wege, oder doch wieder ein Schritt zurĂŒck in die glorreiche Vergangenheit? Nach mehrmaligem Hören hat das Album fĂŒr mich eine sehr persönliche Botschaft an Bord: Schluss mit Nostalgie und ran ans Erwachsen werden!
Mit „Beyond The Red Mirror“ halten sich BLIND GUARDIAN auch selbst den Spiegel vors Gesicht, mit allen Facetten, Narben und einem zeitlosen Blick in den Augen. Obwohl dieses Mal auf vielen Baustellen mehr und intensiver gearbeitet wurde, hat man sich auch den kleinen Dingen mit viel Liebe gewidmet. Das beginnt beim opulenten Gesamteindruck (das Album beim ersten Durchhören verarbeiten? Vergesst es!), geht ĂŒber bereits bekannte (und doch intensiv spĂŒrbare) Gitarrenduelle, bis hin zu den gĂ€nsehautartigen Gesangspassagen, die (man mag es kaum glauben) wirklich noch intensiviert werden konnten. Das Album ist eine Reise, die man mit jedem Durchlauf neu und intensiver erleben kann.

Bereits der orchestrale Opener entlĂ€dt seine gesamte Urgewalt in den Boxen. Dabei zeigen die Barden auch den Mut, mittels moderner Effekten die BrĂŒcke zwischen old school Fans und modernen Fans zu spannen. Die SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der dies gelingt, ist dabei genauso beachtlich wie die Tatsache, das 9 minĂŒtige UngetĂŒm bereits zu Beginn abzufeuern.Die Singleauskopllung `Twilight Of The Gods` kommt direkt auf den Punkt, wĂ€hrend sich mit `Prophecies` der erste Song ins LangzeitgedĂ€chtnis schmilzt; mal im Ernst, wer hier nicht genauso glĂŒcklich grinst, wie beim ersten Durchlauf der „Nightfall
“ muss definitiv zum Ohrenarzt. EinprĂ€gsame Gitarrenschlangen, treibendes Drumming und Gesanglinien, die tiefer in den Spiegel zerren. Dreckige Riffs und opulente Orchesterpassagen vereinen sich in `At The Edge Of Time` und gehen den Weg des VorgĂ€ngeralbums imposant weiter. `Ashes Of Eternity` knurrt bösartig aus den Boxen, kratzt am Trommelfell entlang, ehe es sich wieder (unberechenbar) versöhnlich dem Hörer anbietet. Mit `Distant Memories` fĂŒhlte ich mich im Verstand eines Königs gefangen, ehe mich GĂ€nsehautwellen tiefer in den Spiegel zerrten. Episch und gleichzeitig AushĂ€ngeschild fĂŒr den Weg, den die Krefelder eingeschlagen haben. Sie experimentierten und webten ihre alten Tugenden mit ein, was hier sehr gut zur Geltung kommt.

Macht das Licht an, stellt das Bier weg, denn spĂ€testens mit ÂŽThe Holy Grail` warÂŽs das mit dem GrĂŒbeln, was man ĂŒber die neue Platte denken soll. Der Song killt, treibt die Lautsprecher an ihre Grenzen und lĂ€sst mich beten, dass dieser Song live gespielt wird und tausende Kehlen den Refrain mittragen! Ein Schlachtfeld entsteht schnell vorm geistigen Auge und schmiedet sĂ€mtliche GefĂŒhle, die bei Manowar oder Bathory je aufgekommen sind, in einen Song. Keine Schnell-ins-Ohr-Killer? Ich verneige mich ehrfĂŒrchtig vor dieser Antwort zum eigenen „Mirror Mirror“ und anderen Klassikern. Das Stakkato Gewitter flirtet mit dem Orchester unter dem Banner `The Throne`, ehe `Sacred Mind` wieder Geschwindigkeit auf dem Programm steht. Mit der Ballade `Miracle Machine`haben es die Barden geschafft, ihren Namen neben Legenden wie Queen einzumeißeln. Hansis Stimme geht direkt unter die Haut, das Klavier erschafft eine nachdenkliche (jedoch nicht melancholische) Stimmung und der Wunsch nach einem Wunder keimt schnell in einem selbst auf. Diese Nummer lief beim Test einen halben Tag in Endlosschleife, ohne eine Spur seiner Magie zu verlieren. `Grand Parade` strotzt vor dem Perfektionismus, der hier an den Tag gelegt wurde, um eine kraftvolle Symbiose aus Klassik und Metal zu erschaffen. Wer `Sacred` mochte, wird diesen Song lieben und selbst die Black Metal Fraktion dĂŒrfte sich hier an einige Sternstunden wie alte Dimmu Borgir erinnert fĂŒhlen, ehe mit dem Bonussong (in dem limitierten Buch)`Doom`die Reise unter „We will Remember“ Rufen und herrlichen GitarrenlĂ€ufen endet.

Statt Erinnerungen hinterher zu hĂ€ngen, fĂŒhrt dieses Album das fort, was bei der „Imaginations“ endete. Dabei bedient man sich der Erfahrungen der letzten Jahre und erschafft ein Album mit einem Charakter, der mir ehrlich gesagt in den letzten Jahren etwas gefehlt hat. Wer sich die volle Dröhnung gönnen möchte, sollte sich die Buchedition gönnen, auf der die AtmosphĂ€re des Albums mit den gelungenen Zeichnungen von Felipe Machado Franco perfekt eingefangen wurde. Als BLIND GUARDIAN Fan ist man erwachsen geworden und verdient auch ein reifes und gleichzeitig kraftvolles Album. Ich habe das Album noch nicht bis in den letzten Winkel ergrĂŒndet, aber gerade diese Tatsache rundet den Gesamteindruck ab. Die Reise endet und beginnt mit jedem neuen Hören


blindguardian2016

ZukunftsplÀne

Wir schreiben das Jahr 2017. Die WĂ€chter haben das Ende ihrer Tour angekĂŒndigt und begeben sich nun in ihr Studio, um ihr neues Album aufzunehmen. Die GerĂŒchte verdichten sich, daß es dieses Mal das lang angekĂŒndigte Orchester Album werden wird. „Ja, das Orchester Album wird es geben, tatsĂ€chlich. Die Live Abstinenz wĂŒrde es auch geben, wenn wir nicht mit dem Orchester arbeiten wĂŒrden. Wir arbeiten immer in diesen Zyklen; wenn ein Album rauskommt gehen wir auf Tour, schreiben in der Zeit auch nicht wirklich neue StĂŒcke, weil wir das nicht können. Wir brauchen den Abstand. Wenn wir auf Tour komponieren wĂŒrden, wĂŒrde das neue Zeugs genauso klingen, was wir live auch spielen, weil das ist automatisch die Musik, die du den ganzen Tag auch hörst. Das wĂŒrde automatisch zu Wiederholungen fĂŒhren und da haben wir keinen Bock drauf. Deshalb splitten wir das in eine Tour- und Songwritingphase. Jetzt sind wir halt in der Sogwritingphase; wir waren jetzt zweieinhalb Jahre auf Tour und irgendwann muss auch mal gut sein (lacht) . Irgendwann schlĂ€ft man auch gerne wieder zuhause und sieht seine Familie. Wir haben jetzt mit dem Songwriting fĂŒr das nĂ€chste, regulĂ€re Album begonnen, aber auch das legendĂ€re Orchester Album wird jetzt endgĂŒltig fertig gestellt. Das heißt, Hansi muss jetzt eine ganze Menge singen. UrsprĂŒnglich sollte das wĂ€hrend der Tourpausen passieren, aber den Plan mussten wir relativ schnell verwerfen, weil der Touralltag viel zu anstrengend fĂŒr Hansis Stimme ist. Wenn du also mal eine 2 Wochen Pause zwischen einer Europa- und einer Amerikatour hast, ist deine Stimme nicht wirklich fit fĂŒr eine Studioaufnahme. Es macht hier auch keinen Sinn irgendwas zu erzwingen, denn das wĂŒrde bedeuten, daß die Studioaufnahmen vielleicht mit viel GeprĂŒgel funktioniert und danach ist seine Stimme durch und hĂ€lt die nĂ€chsten Konzerte nicht mehr durch. Das ist Blödsinn; ein SĂ€nger braucht, wie jeder andere Musiker auch, definitiv zwischen den sehr anstrengenden Tourblöcken seine Pausen. Hansi kann also jetzt in aller Ruhe alles einsingen und dann können wir mixen und mastern und dann kommt das Album tatsĂ€chlich auf den Markt.“

Die klare Trennung von Tour und Albumphase hat bisher immer FrĂŒchte getragen. Hinzukommt eine innovative Idee, mit der man sich (und den Fans) Abwechslung auf den Konzerten gönnt. „Wir geben uns schon ein wenig MĂŒhe. Wir spielen am Abend um die 18 StĂŒcke, haben aber fĂŒr die Tour so um die 45 StĂŒcke geprobt. Jedes StĂŒck wird auch im Rahmen der Tour gespielt, weil sich jeden Tag zwei bis vier Nummern im Vergleich zum Vortag Ă€ndern. Dadurch konnten wir natĂŒrlich auch aus einem großen Fundus schöpfen, den wir fĂŒr das Live Album gebraucht haben. ZusĂ€tzlich kommen die Leute auch zu mehr, als nur zu einer Show; sie haben also eine Garantie, daß sie unterschiedliche Sets sehen. Außerdem ist es fĂŒr uns auch wichtig, denn wenn du zweienhalb Jahre auf Tor bist und immer die gleichen 18 StĂŒcke spielst, drehst du irgendwann durch. Das mĂŒndet dann in eine tödlich, langweilige Routine, was wir logischerweise auf gar keinen Fall wollen. Es soll auch fĂŒr uns spannend und vor allem spaßig bleiben.“

Das Warten auf das nĂ€chste Album dauert bekanntlich lĂ€nger. Vorher gibt es einen Appetizer, der aber noch lange nichts ĂŒber das gesamte Album aussagt.

„Das wird bei uns nie möglich sein, weil wir stilistisch sehr breit aufgestellt sind. Ich habe mal eine interessante Diskussion mitverfolgt, wobei man versucht hat, unseren Stil zu nennen. Es wurde von Speed-, ĂŒber Power- bis zum Progressive Metal alles genannt und alles stimmt. (außer Black Metal bei LuciferÂŽs Heritage). Das ist auch ein Grund, warum wir die Einstellung nicht mögen, denn wenn wir uns auf einen Stil beschrĂ€nken wĂŒrden, dĂŒrften wir ja nichts anderes machen. Dieses Schubladendenken engt dich nur ein und deshalb interessiert uns das auch nicht; wenn wir eine Idee gut finden und sie zu uns passt, dann machen wir das, worauf wir Bock haben. Schnell, hart, langsam, episch ist völlig egal; solange es uns gefĂ€llt und es nach BLIND GUARDIAN klingt, ist alles gut. Deshalb kann ein Appetizer in Form einer Maxi oder eines einzelnen Songs nur einen Teilaspekt beleuchten, was auf dem Album ist. Gerade das macht aber fĂŒr mich auch den Reiz aus, weil es immer etwas neues zu entdecken gibt.“

BG Ending

And The Story Ends…

Wir sind am Ende einer langen Reise angekommen. Herzlichen GlĂŒckwunsch und vielen Dank an jene, die sich bis zu dieser Stelle durchgekĂ€mpft haben. Am Ende stellen wir Marcus eine Frage, deren Antwort besonders jungen, aufstrebenden Bands Mut machen dĂŒrfte:Seit wann macht ihr das eigentlich hauptberuflich? „Seit Anfang an; wir haben den Plattenvertrag unterschrieben, da war ich noch in der Schule. Wir haben vom Timing GlĂŒck gehabt, denn ich hab die Schule abgeschlossen, als die „Follow The Blind“ gerade draußen war. Danach kam der Zivildienst fĂŒr mich und Andre und im Anschluss haben wir die „Tales“ rausgebracht und ab da haben wir davon gelebt. Keiner der Band hat jemals etwas anderes gemacht; wir haben seit dem ersten Tag an das erklĂ€rte Ziel gehabt „Das ist es, was wir machen wollen“ und wir haben auch immer daran gezogen. Wir haben jeden Tag geprobt, außer manchmal Sonntags, wenn wir am Samstag zu viel gesoffen hatten (lacht). Im Normalfall standen wir jeden Tag im Proberaum und haben versucht uns als Musiker und Songwriter zu verbessern. Wir haben alles Geld, was wir bekommen haben, in unsere Musik investiert; sei es in Instrumente, Studioequipment usw. Wir haben sehr frĂŒh angefangen uns Studioequipment zu kaufen. Irgendwann haben wir den Schritt gemacht, uns unser eigenes Studio zu bauen, in dem wir unsere Platten aufnehmen. Wir haben immer daran gezogen und es gab auch nie einen Plan B. Sowas lenkt dich nur ab und fĂŒr uns war ganz klar „Das ist das, was wir beruflich machen werden“. Unser Ziel war es, daß wir professionell Musik machen, Alben aufnehmen und touren. Das war unsere klare Vision und in unseren Köpfen gab es auch nie eine Alternative dazu. Es gab auch nie die Möglichkeit, daß das nicht klappen könnte, denn wir wollten es ja. (lacht) Also haben wir es umgesetzt.“

Zu Guter Letzt hat Marcus noch einige abschließenden Worte fĂŒr die Fans, die sich nun in Geduld auf das kommende Album ĂŒben mĂŒssen:

„GlĂŒckwunsch dazu das ihr BLIND GUARDIAN hört, ist die richtige Entscheidung (lacht) Vielen, vielen Dank fĂŒr 30 jahre Support und auch an alle, die spĂ€ter eingestiegen sind. Wir hatten einen Mega Spaß auf der letzten Tour, das hört man glaube ich wohl dem Live Album an. Wir sind jetzt in der Songwriting Phase, die Tour danach kommt bestimmt und dann geht alles von vorne los und wir freuen uns schon darauf. Dauert ein bisschen, als bitte etwas Geduld haben, im Endeffekt wird es sich hoffentlich lohnen. NĂ€chste Tour kommt garantiert und dann können wir hoffentlich wieder zusammen feiern.“

Sebastian Radu Groß

INTERVIEW: ARCH ENEMY

Posted by Radu On September - 17 - 2017

Mit ihrem aktuellen Album „Will To Power“ ĂŒberschreiten ARCH ENEMY ihre musikalische Grenzen und loten das bereits opulente Potential weiter aus. Im Century Media Hauptquartier sprachen wir mit Alissa White-Gluz ĂŒber Entstehung der Texte, Neuzugang Jeff Loomis und der eigenen Verantwortung gegenĂŒber der Welt, die uns umgibt.

ARCH ENEMY BANDDer Albumtitel könnte eine Kampfansage sein; anders jedoch als beispielsweise Panteras „Vulgar Display Of Power“ beschrĂ€nkt sich das Album nicht nur darauf, musikalische Aggression auf die Außenwelt zu hetzen. Das Album erzĂ€hlt viel mehr unterschiedliche Geschichten, die sowohl persönlicher, als auch philosophischer Natur sind. „ Der Albumtitel vermittelt viele Botschaften auf unterschiedliche Weise. „Will To Power“ bedeutet, daß etwas existiert und nach mehr strebt. Kleine MolekĂŒle formen sich zu einem großen Ganzen und es wird Leben erschaffen. Ähnlich sieht es im Kosmos generell aus. Wenn man die Evolution nach Charles Darvin betrachtet, strebt alles danach, sich weiter zu entwickeln, um immer mehr zu wachsen. Ähnlich geht es uns sowohl körperlich, als auch psychisch, wenn wir uns weiter entwickeln. Man kann es auch auf unsere Umwelt mĂŒnzen und die Entwicklung betrachten, was eine extrem spannende Sache ist. Wir wollten kein Konzeptalbum um ein Thema herum bauen; ich denke daß „Will To Power“ viele Facetten mit einer Ă€hnlichen Botschaft erzĂ€hlt.“

Beim Thema “Texte” spielt man im Haus ARCH ENEMY sich gegenseitig den Ball zu. „Michael und ich schreiben beide gerne Texte. Auf dem letzten Album war ich bereits an Bord und dieses Mal haben wir uns die Aufgabe erneut geteilt. Manchmal schreibt er, manchmal nur ich und manchmal gehen wir es gemeinsam an. Das Album startet mit „The Race“, einer old school Death Metal-/Thrash-/ Punknummer. Wir haben dem Songnamen bewusst eine Doppeldeutigkeit verpasst; einerseits ist es wie ein Rennen, weil es auch eine schnelle Nummer ist, andererseits trĂ€gt es auch die Bedeutung der Rasse bzw. der Menschheit allgemein in sich. Ich wollte mit der Nummer Leute dazu bringen, mehr ĂŒber sich und die Leute nach zu denken, die anders sind. Gerade die SchwĂ€cheren brauchen den Schutz der StĂ€rkeren. Es gibt immer Leute, die jene unterdrĂŒcken, die anders sind. Ich habe immer daran geglaubt, daß jeder die gleichen Rechte hat. Nicht nur die Gleichstellung von Frauen und Tieren, sondern von allem was uns umgibt geht es maßgeblich auf „Will To Power“. Es geht darum, ein lebenswertes und friedliches Leben fĂŒhren zu dĂŒrfen. Dabei konzentriere ich mich auf `The Race` auf die negative Seiten, wie z.B. jemand der Amok lĂ€uft und so etwas. Es klingt aggressiv und das ist es auch, denn es ist die negative Seite, die wir alle in uns tragen.“ Durch das Ausleben der negativen Seite in der Musik, soll die Balance zwischen den positiven und negativen Energien wieder hergestellt werden. Allerdings bedarf es auch dem Bewusstsein, das zu erkennen und die Lethargie der GleichgĂŒltigkeit abzuschĂŒtteln. „Die meisten Leute verschließen die Augen vor negativen Ereignissen, bis sie einen persönlich betreffen. Wenn du z.B. aus dem Fenster schaust und ein Haus in der Nachbarschaft brennen siehst, machen einige das Fenster zu und denken, daß Problem ist aus der Welt. Erst wenn sie die Rauchentwicklung mitbekommen, ist das Problem wieder in ihren Köpfen prĂ€sent. Ich denke, daß viele Leute ihre Fenster öffnen sollten, bevor es zu einem unlösbaren Problem kommt.“

Arch Enemy Video`Murder Scene war der letzte Song des Albums, der seinen Weg aus Alissas Kopf auf das Papier gefunden hat. „Ich hatte mal ein Gedicht geschrieben und dachte, daß es gut zu dem Song passen wĂŒrde. Ich war mir aber nicht sicher und fragte mich einige Wochen lang, wie ich den Text mit dem Song verbinden könnte. Eines Tages saß ich einfach da, fing an zu schreiben und sagte danach: „ThatÂŽs it. Perfect!“ Ich denke daß dieser Song einigen aus der Seele sprechen wird, denn jeder von uns kennt Personen, die uns verlassen oder verraten haben. Es muss nicht mal eine Person sein, es kann auch eine Situation oder auch ein Teil von uns sein, von dem wir uns verabschieden mussten. Vergeben und vergessen ist einfacher gesagt als getan und deshalb bin ich der Meinung, daß man einige Dinge einfach radikal abschneiden muss. Wir gehen in unserem Leben durch mehrere Situationen und erschaffen mehrere Tatorte, die uns letzten Endes zu dem machen, was wir heute sind.“ Man muss erst durch mehrere Höllen gehen, um daran zu wachsen und stĂ€rker zu werden. Letzten Endes sind es die vielen SchicksalsschlĂ€ge, die unsere Aufmerksamkeit auf unsere innere Kraft lenken und dabei helfen, weiter zu machen. Jede (mentale oder körperliche) Narbe könnte daher eine `Murder Scene` darstellen. Das Prinzip könnte man auch auf die Evolution ausbreiten, bei dem sich das Leben seinen eigenen Weg gesucht und den Menschen aktuell auf das obere Podest gesetzt hat. Auch wenn es ebenfalls den Antrieb zu Wachsen beinhaltet bremsen wir uns an dieser Stelle, weil das GesprĂ€ch ansonsten leider den Rahmen sprengen wĂŒrde.

Respekt gegenĂŒber den Mitmenschen und der Welt, die uns umgibt, sind Merkmale, die bei ARCH ENEMY ausgelebt werden. „Unsere Band und Angela haben was das angeht einen Ă€hnlichen Standpunkt. Wenn du dir unsere Erde vorstellst, ist der Mensch lediglich ein Parasit. Wir sind schließlich Schuld daran, daß es zur Zeit so viel Zerstörung gibt. Vor der Menschheit wurde alles recht gut ausbalanciert. Mittlerweile wird die Welt an einigen Ecken ĂŒberbevölkert und einige entscheiden, wer etwas zu essen bekommt und wer nicht. ZusĂ€tzlich wird entschieden, wer mehr Rechte hat und wer weniger, ohne eine logische Grundlage zu haben. Zur Zeit geht es außer Balance und wenn du dir das bei einem menschlichen Körper vorstellst, ist es wie eine Krankheit. Es gibt in der Natur die Möglichkeit, eines symbiotischen Zusammenlebens. Nimm z.B. einen Fisch auf einem Hai; der Fisch nutzt den Hai, um schnell vorwĂ€rts zu kommen und frisst im Gegenzug seine Parasiten. Das ist eine Lebensweise, die wir als Menschen schnellstmöglich benötigen, um auf dieser Welt zu ĂŒberleben.“

Über den Text von `First Day In Hell` wird der Mantel des Schweigens gelegt, weil sich hier der Hörer selbst ein Bild machen soll. Einen kleinen Ausblick gibt uns Alissa dennoch: „Der Song beinhaltet eine Situation aus meiner Kindheit, als ich meine Großeltern ĂŒber deren Kindheit sprechen gehört habe. Die Geschichte findet wĂ€hrend eines historischen Ereignisses statt. Es ist persönlich, aber auch gleichzeitig eine globale Situation, die ich aus einer Ego-Perspektive beschreiben wollte. Es ist ein Song, den ich schon sehr lange machen wollte und bei dem mir viele Ideen kamen. Jedes Wort, jede Silbe sind fĂŒr mich hier sehr intensiv, denn es ist ein sehr finsterer Song.“

Arch Enemy closeDie Zeilen zu `A Fight I Must Win` sind die gemeinsamen Kinder von Alessa und Michael und beschĂ€ftigen sich mit dem inneren Kampf und Depressionen. „Der Song ist ein gutes Beispiel wie gut Michael und ich harmonieren. Er hatte den Text bereits fertig, war sich aber an einigen Stellen nicht sicher. Also habe ich hier etwas ergĂ€nzt, dort etwas gestrichen, bis wir beide zufrieden waren. Einer der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen der Menschheit ist der innere Kampf mit sich selbst. Auch wenn ich es niemandem wĂŒnsche, so trĂ€gt jeder von uns einen inneren DĂ€mon in sich. Wer jemals dieses GefĂŒhl erfahren hat, wird sich in diesem Text wahrscheinlich gut wiederfinden. Es ist wie brodelnder Sturm, der einen dazu veranlassen könnte, sofort zu den Waffen zu greifen und Amok zu laufen. Du kannst jemandem auf der Straße begegnen und hast keine Ahnung, welchen inneren Kampf die Person vielleicht gerade in sich trĂ€gt. Ich denke, daß wir dieses GefĂŒhl in dem Sound und in dem Text sehr gut eingefangen haben.“ Auch wenn der innere Kampf mit dem DĂ€mon die GefĂŒhle aufwirbeln lĂ€sst, so ist es doch an jedem von uns zu entscheiden, in wie weit wir mit diesen GefĂŒhlen umgehen. Statt körperlicher Gewalt, kann man die Energien entsprechend kanalisieren, um beispielsweise etwas kreatives zu erschaffen. Der Song dazu ist das beste Beispiel dafĂŒr.

arch-enemy-2017`Reason to Believe` markiert fĂŒr ARCH ENEMY eine Premiere, denn erstmals sind Alissas klare Vocals zu hören. Wer jedoch nun Angst bekommt, daß man sich dem Kommerz öffnet und sich dem (durch die Massentauglichkeit teils verseuchte) Beauty and the Beast Gesang öffnet, kann beruhigt aufatmen. Hier wurde lediglich auf die gleiche Methode gesetzt, mit der bereits Metallica, Pantera oder Testament in ihren (Halb-) Balladen den Kontrast von introvertierten Momenten zu Aggressionseruptionen beackert haben. Dies wird durch die Tatsache unterstrichen, daß mehrere, unterschiedliche Gesangslinien ĂŒbereinander gelegt wurden. “Michael hat den Text geschrieben und als er die Idee in den Raum warf, mit klarem Gesang zu arbeiten, standen wir erstmals alle da und dachten uns: “OK, das könnte episch werden”. Allerdings brauchte ich dafĂŒr einiges an Hintergrundinformationen. Worum geht es, wer ist die Person, was fĂŒhlt die Person? Ich wollte hier sicher sein, daß meine Stimme genau das wiederspiegelt, was die Person auch fĂŒhlt. Ich sperrte mich stundenlang in einen Raum ein und ging mit meinem Gesang den Text immer wieder und wieder durch, wobei auch einige TrĂ€nen flossen. Ich wollte unbedingt, daß meine Stimme im Kopf des Hörers etwas bewegt und ihn wach rĂŒttelt. Letzten Endes ist es ein sehr persönlicher Song geworden. Ich wollte, daß der Schmerz und die Qual direkt in meine Stimme ĂŒbergeht und ich denke, daß wir dem Song eine eigene Magie gegeben haben. Es ist der erste ARCH ENEMY Song mit klaren Vocals und gleichzeitig unser erster Midtempo Song. Wir machen generell sehr heftigen Stoff: EinprĂ€gsame Melodien, ehe es wieder in den harten Stoff mĂŒndet. Dieser Song ist ebenfalls heftig, allerdings auf seiner eigenen Art und weise.” Das Prinzip zwischen leisen Tönen und brachialen AusbrĂŒchen kommt hier besonders zur Geltung.

Mittlerweile können sich ARCH ENEMY ĂŒber eine Millionen Zuschauer des Videos zu `The World is Yours`(innerhalb von zwei Tagen) erfreuen. Gerade die zugĂ€nglichen Riffs und vielen Überraschungsmomente wurden hier gebĂŒndelt. Doch wie funktioniert eigentlich das Songwriting generell? “Michael ist unser Hauptsongwriter. Er macht die gesamte Vorarbeit und schickt mir dann seine Ideen, damit ich bescheid sage, was ich darĂŒber denke. `The World Is Yours` ist quasi als erstes entstanden. Der Song ist sehr packend, heavy und vor allem sehr ARCH ENEMY.”

Wem die bisherige Gitarrenarbeit “nur” gefallen hat, dĂŒrfte ĂŒber den Einstieg von Jeff Loomis die Augenbrauen hochziehen. Neben den gewohnten Trademarks, kommt nun noch einge Steigerung in Sachen Griffbrettakrobatik hinzu, die man bei “Burning The Stages” bereits bewundern kann. Auch innerhalb der Band freut man sich ungemein ĂŒber den festen Einstieg des Saitenhexers.”Jeff ist einer der nettesten Typen ĂŒberhaupt! Super talentiert, sehr geerdet und absolut nett. Es war schon unglaublich, ihn auf Tour zu haben und es ist genauso herrlich, mit ihm an einem Album zu arbeiten. Er hat einen andren Stil auf der Gitarre als Michael, was sich gegenseitig sehr gut ausbalanciert. Jeff ist ein professioneller Gitarrist, der das Instrument bis an seine Grennzen fordert. wĂ€hrend Michael auch technisch, aber sehr viel emotionaler unterwegs ist. Er schaut eher, wie er die GefĂŒhle mit jeder Note transportiert. Als ich die Songs erstmals im Groben gehört habe, dachte ich an einigen Stellen, daß dort ein Solo hin sollte. SpĂ€ter hat Jeff dann auch seine Soli genau dort eingebaut. er ist ein unglaublicher Gitarrist, Perfomer und Persönlichkeit!”

Arch Enemy Cover smallAuch beim Cover wurde nichts dem Zufall ĂŒberlassen. “Das Cover wurde erneut von Alex Reisfar gestaltet. Wir haben ĂŒber die Möglichkeiten des Covers diskutiert. Michael hatte eine eher symbolische Vorstellung davon, wĂ€hrend ich eigentlich mehr auf abgedrehte Sachen wir Hieronymus Bosch stehe. Ich mag es, wenn man stundenlang auf ein Bild starrt und immer noch neue Details erkennen kann. Bei einem guten Albumcover sollte etwas charismatisches dabei sein, was man beispielsweise auch als Tatoo tragen kann. Bei dem Cover von “Will To Power” kann man noch einige Details ssehen,weil es ein ÖlgemĂ€lde ist. gleichzeitig hat es aber auch diesen symbolischen Charakter, der einem schnell im GedĂ€chtnis bleibt. Jedes Detail ist hier sehr ausgeprĂ€gt und fĂŒr mich ist es ein interessanter Aspekt zu sehen, was ein anderer KĂŒnstler bei unserer Musik gefĂŒhlt hat und wie er seine Arbeit umgesetzt hat.” Musik kann also hier als Gesamtkunstwerk verstanden werden, inklusive Texten und Albumcover.

Dies ist auch der große Unterschied zu Stream und MP3 Plattformen, auf denen ganze Diskographien teilweise ungehört auf der Festplatte verrotten. Wie viel Arbeit dahinter steckt, wird bei der Entstehung eines Abums erst wirklich bewusst. Dabei setzt Alissa noch auf alte Methoden. “Ich schreibe meine Texte immer noch in ein altes Skizzenbuch. Einige meiner Texte habe ich nie abgetippt oder irgendwo ĂŒbertragen. Ich kann mich mit Worten eher ausdrĂŒcken, wenn ich etwas per Hand schreibe, weil das GefĂŒhl besser transportiert wird.” Letzten Endes ist es mit den Texten genauso, wie mit der Musik: eingekerkert in seiner Form wartet es nur darauf andere Menschen in ihrer Welt zu treffen und zu grĂ¶ĂŸerem zu inspirierren. Der “Will To Power” hat viele Gesichter, trifft bei ARCH ENEMY in Sachen PrĂ€zision und Aggression voll ins Schwarze.

Radu

Interview: ARKUUM

Posted by Radu On August - 18 - 2016

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Durch Zufall entdeckte ich den Sticker von ARKUUM auf dem diesjĂ€hrigen Prophecy Fest und hörte mir zuhause einige Songschnipsel an. Innerhalb weniger Sekunden war klar: ich brauch mehr von dem Stoff! Also kurzerhand Mastermind David „Arkas“ kontaktiert und ĂŒber frisch geborene Live Band, emotionalen Tiefgang und Arschpromo geplaudert.

Arkuum StickerHallo und erstmal vorab danke fĂŒr deine Zeit.
Bitte stell dich und ARKUUM unseren Lesern kurz vor.

Ich danke auch fĂŒr die tolle Gelegenheit. Angefangen hat die ganze Geschichte um 2013, als ich meinen eigenen musikalischen Weg einschlagen wollte. Ich wollte unabhĂ€ngig sein und meine eigenen Ideen und Konzepte verwirklichen, ohne Kompromisse. Da lag die GrĂŒndung eines Soloprojekts wie so hĂ€ufig ĂŒblich in dem Genre sehr nahe. Ich denke ARKUUM zeichnet sich besonders durch die instrumentale und emotionale Tiefe aus.

Welche Bedeutung hat der Bandname und welche Geschichte steckt dahinter?

Nach der Bedeutung werde ich sehr hĂ€ufig gefragt, jedoch versteckt sich hinter dem Namen ARKUUM keine geheime Botschaft, wie es vielleicht der ein oder andere vermuten wĂŒrde. Der Ursprung liegt allerdings nicht bei mir selbst, sondern den habe ich einem Freund zu verdanken. Ich finde ARKUUM klingt nach etwas Mysteriösem und UnerklĂ€rbarem, dazu hat er auch eine recht harte Aussprache, weshalb ich der Meinung bin, dass der Name perfekt zu dem ganzen Projekt passt.

Die Texte malen ein zerstörtes Bild dieser Welt, ĂŒber die der Mensch als Übel wandelt. Welche Rolle fĂ€llt ARKUUM dabei zu? Ist es eine Art Gegenpol, um darauf aufmerksam zu machen oder welche Bedeutung hat dein Projekt fĂŒr dich persönlich?

In erster Linie sind das persönliche Gedanken die ich damals wie auch heute noch habe. Wenn man sich nĂŒchtern mit der Menschheit auseinander setzt kommt man doch recht schnell zu der Erkenntnis, dass der Mensch das Übel der Erde ist. Die Welt ist nun mal voller Hass, Elend und Gier, weil es einfach in der Natur des Menschen liegt. Vielen ist diese Erkenntnis sogar bewusst und trotzdem Ă€ndern wir nichts bzw. zu wenig, wie uns eigentlich möglich wĂ€re. Ich möchte mich hierbei auch auf keinen Fall ĂŒber andere Stellen und sehe mich selbst auch nicht besser als andere, weshalb ich auch die Worte in TrĂŒbsinn passend dazu gewĂ€hlt habe: „Du bist genau wie ich, nur ein Fehler der Natur.”

`Abgrund der Einsamkeit` behandelt das Thema Verlust. Ist es eine persönliche Erfahrung, die du mit den Texten verarbeitest oder versetzt du dich in eine bestimmte GefĂŒhlslage?

Ich hatte frĂŒher ein paar prĂ€gende Erlebnisse, weshalb ich mich schon ziemlich frĂŒh mit dem Tod und Verlust auseinander setzte. Mit anderen darĂŒber gesprochen habe ich nur sehr selten, weshalb ich die GefĂŒhle in dem Album verarbeitet habe.

Wie kann ich mir den Songwriting Prozess bei „Trostlos“ vorstellen? Nimmst du Gitarren als GrundgerĂŒst auf und baust den Song drumherum oder funktioniert es anders?

Was ich mit einem Song ausdrĂŒcken möchte, welche GefĂŒhle darin verarbeitet werden und welche Inhalte die Texte haben sollen, steht bei mir schon von Anfang an fest. Dementsprechend lege ich auch das Songwriting darauf aus, die entsprechenden GefĂŒhle hervorzurufen. Die endgĂŒltigen Texte entstehend dann meist erst nach der instrumentalen Arbeit aus den Notizen, die ich mir zuvor fĂŒr das instrumentale Songwriting gemacht habe.

Besonders die Vorgehensweise bei den Drums interessiert mich; meistens ist es ja so, dass man entweder Drummer ist und sich Gitarre aneignet oder umgekehrt. Wie ist das bei dir und mit welchem Programm arbeitest du?

Als Kind habe ich mit dem Bass angefangen und erst zu der Zeit als ich mit ARKUUM begonnen habe, habe ich mir mal eine Gitarre in die Hand genommen. Ich hatte damals auch ein Schlagzeug von einem Freund bei mir im Elternhaus stehen, da er nicht mehr den nötigen Platz dafĂŒr hatte. Darauf spielen durfte ich allerdings nie, wenn noch jemand zuhause war, weshalb ich nur selten ĂŒben konnte. Zuvor habe ich auch noch nie Schlagzeug gespielt, geschweige denn Unterricht gehabt. Allerdings hat es ausgereicht, um ein GefĂŒhl fĂŒr das Instrument zu bekommen, was ich dann auch spĂ€ter fĂŒr ARKUUM anwenden konnte. Gearbeitet habe ich damals noch mit Tuxguitar, dort habe ich alle meine Spuren und Noten festgehalten, auch die Drums, die dann spĂ€ter im Studio daraus exportiert wurden, da mein Können am Schlagzeug bei weitem nicht fĂŒr eine Session im Studio ausreichen wĂŒrde. Der Drumcomputer ist auch einer der negativen Punkte, die ich selbst an dem Album zu bemĂ€ngeln habe, aber damals war es mir nicht anders möglich.

Arkuum TrostlosSeit dem FrĂŒhjahr 2016 seid ihr mit mehreren Leuten unter dem ARKUUM Banner vereint. Wie kam es zu der Entscheidung und welche Auswirkungen hat es auf die neuen Songs?

Das ich ARKUUM irgendwann mal auf die BĂŒhne bringen wollte, wurde mir relativ schnell nach dem Release und dem tollen Feedback darauf bewusst. Es hat sich allerdings schneller ergeben als geplant, da der jetzige Gitarrist und Freund von mir, aus seiner ehemaligen Band geworfen wurde. Die anderen Musiker habe ich dann unerwarteterweise sehr schnell gefunden. Denny von Zeugen der Leere, der mich bis dahin mit seinen Vocals tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzt hat, wollte jedoch nicht an dem Liveprojekt teilnehmen, weshalb ich nach einem neuen SĂ€nger Ausschau hielt. Von dem ersten SĂ€nger, mit dem wir auch unser erstes Konzert gespielt haben, mussten wir uns allerdings schon nach einigen Wochen aus persönlichen GrĂŒnden trennen. Doch in meinen Augen sieht das jetzige Lineup sehr bestĂ€ndig aus. Auswirkungen auf neues Material hat es keins. Ein Kriterium bei der Musikersuche war, dass ich weiterhin das Songwriting ĂŒbernehmen werde.

Ein Wort zum Cover: wer das das geile Cover des Stickers entworfen? Mehr davon!

Danke, ich bin von dem Cover auch sehr begeistert! Unter dem Namen Ceethava könnt ihr die KĂŒnstlerin finden, kann ich nur weiterempfehlen.

Jemand hat ĂŒbrigens sehr geile Promo fĂŒr dich gemacht; ich war auf dem Prophecy Fest in der Balver Höhle. Dort lagen einige deiner Sticker rum, auf die ich bereits aufmerksam wurde. Am zweiten Tag sah ich dann ein MĂ€del, das sich den Sticker auf den Arsch geklebt hatte. So muss Promo laufen :) Machst du sonst irgendwelche Aktionen oder eher ĂŒber Facebook und fertig?

Ich war selbst auch auf dem Prophecy Fest und dachte mir ein paar Sticker im GepĂ€ck können nicht schaden. Mit dem Arsch von dem MĂ€del habe ich allerdings nichts zu tun, habe sie aber auch gesehen *lach*. Aktive Werbung mache ich eigentlich sehr wenig, wenn es sich nicht gerade, wie auf dem Prophecy Fest, anbieten. Ich halte sehr wenig von nervender Werbung und Leute direkt darauf ansprechen mache ich auch ungern, zumal ich sowieso ziemlich schĂŒchtern bin. Facebook ist dahingehend schon das passende Werkzeug.

Mittlerweile ist auch das neue Album in der Mache. Was erwartet uns musikalisch und thematisch? Gibt es schon einen Veröffentlichungstermin, der angepeilt ist?

In meinen Augen wird es auf alle FĂ€lle wieder dĂŒster und sogar noch emotional mitreißender als Trostlos. Es bietet eindeutig mehr Facetten als das DebĂŒt und beinhaltet weitaus mehr Tiefe, alleine schon durch die Tatsache, dass es sich dieses Mal um ein Konzeptalbum handelt. Generell kann ich sagen, dass es ein wenig mehr EinflĂŒsse aus dem Doom und Ambient Bereich gibt, aber auch der ein oder andere Blastbeat findet auf der neuen Scheibe Platz, was der ein oder andere vermutlich vergebens bei Trostlos gesucht hat. Einen Veröffentlichungstermin gibt es noch keinen, allerdings ist der Release zum Herbst nĂ€chsten Jahres angepeilt.

ARKUUM ist bis vor kurzem dein Solo Projekt gewesen. Warst oder bist du noch woanders aktiv?

Momentan arbeite ich gemeinsam mit Fabian von Odium Immortalis an einem Abschiedsalbum. Mit daran beteiligt sind unter anderem Dominik von Winterblood und JP von Hallig. An einen Veröffentlichungstermin ist hier aber auch noch lange nicht zu denken.

Welches sind deine grĂ¶ĂŸten EinflĂŒsse und warum?

In Trostlos habe ich zum grĂ¶ĂŸten Teil meine persönlichen Gedanken verarbeitet, weniger gezielt auf bestimmte Inspirationsquellen geachtet. Auf jeden Fall beeinflusst mich alles, was mich auch emotional bewegt, egal durch welches Medium oder aus welcher Richtung. Wenn mich etwas emotional berĂŒhrt, egal in welcher Hinsicht, hat es auch etwas in mir ausgelöst. Ich denke davon fließt bewusst oder auch unterbewusst viel mit ein.

Danke fĂŒr deine Zeit, ich freu mich schon auf die neue Scheibe!

Jederzeit gerne wieder. Vielleicht sieht man sich ja auf dem nÀchsten Prophecy Fest.

Hier geht’s zur Rezi von „Trostlos“

Radu

CHRISTIAN KRUMM INTERVIEW

Posted by Radu On Juli - 9 - 2016

Mit seinem neuen Roman „Traumschrott“ macht sich (Metal-) Autor Christian Krumm daran, das Unterbewusstsein zu erforschen. Das Buch vereint Kurzgeschichten und setzt sie im Kontext zu einer großen Rahmenhandlung. Was dem Leser so erfrischende Bilder durch den Kopf jagt, hat bereits einige Jahre auf dem Buckel. „Die ursprĂŒngliche Idee war, 10 Storys in 10 Wochen zu schreiben. Es sollte dann als Open AirTheaterstĂŒck in Krefeld aufgefĂŒhrt werden, wozu es jedoch nie gekommen ist. Nach der Veröffentlichung der MORGOTH Biographie kam der Verlag (Roter Drache) auf mich zu und fragte, welches Projekt ich noch am Start hĂ€tte. So entstand dann das neue Buch.“

TraumschrottDas Cover hat ebenfalls einen Bezug zu den Geschichten beinhaltet es unterschiedliche EindrĂŒcke in einer zerbrochenen Flasche vereint. Unsortiert, wie das Unterbewusstsein halt. Björn Gooßes hat hier sehr gute Arbeit geleistet, um sowohl das Innenleben des Buche widerzuspiegeln, als auch neugierig zu machen. Bereits nach den ersten Seiten wird schnell klar, dass es kein herkömmlicher Roman mit einer Handlung ist, denn hier wird der Leser gleich zu Beginn integriert. „Es wird zu Beginn heftig diskutiert, wobei der Leser quasi als Mitjuror prĂ€sent ist. Es ist bewusst satirisch gehalten, damit man schnell die unterschiedlichen Stereotypen der anderen Juroren erkennt, die spĂ€ter auch eine tragende Rolle spielen werden.“ Auch wenn sich der Beginn „nur“ als Intro herausstellt, wird gegen Ende des Buches klar, in welchem Rahmen sich der Leser hier bewegt. Nach dieser Einleitung folgen die Kurzgeschichten, die an sich keinen inhaltlichen Zusammenhang haben, außer der Magie des Traumes, dem sie alle schließlich innewohnen.

Auf die Frage nach seinem LieblingsstĂŒck, spricht mir Christian schnell aus der Seele. „An der Ecke! Jede Geschichte hat ihren eigenen Charme, aber gerade die unterschiedlichen Perspektiven zwischen den Welten ist das, was diese Geschichte zu etwas besonderem macht. Wir erleben im Alltag viele unterschiedliche und seltsame Begegnungen, bei denen die eigene Wahrnehmung ĂŒber RealitĂ€t und Fiktion unterscheidet. Hier habe ich eine besonders gute Vorlage bekommen, um diese Geschichte zu schreiben.“ Neben einschlĂ€gigen Sequenzen sind es aber auch die bewusst humoristischen Seiten, die „Traumschrott“ eine besondere WĂŒrze verleihen. „Ja, „Sonntagskuchen“ ist so eine Story, die sich bewusst mit der OberflĂ€chlichkeit auseinandersetzt. Viele von uns kennen das GefĂŒhl, im hektischen Alltag gefangen zu sein. Es sind aber auch die kleinen Dinge, die manchmal mehr Bedeutung haben und an Gewicht gewinnen. Hier wird es mit einem Augenzwinkern erzĂ€hlt, obwohl die Wahrheit auch etwas bitter schmecken kann.“ Aber nicht nur inhaltlich erfreut sich „Traumschrott“ großer Vielfalt, sondern auch optisch gibt es hier einiges zu entdecken. So wurde „Der Eremit“ beispielsweise auf dunklerem Papier gedruckt, das einen leichten Pergamentcharakter aufweist, wĂ€hrend „DĂ€monen“ nicht nur inhaltlich finster, sondern auch optisch den Charme einer alten Ritualschriftrolle aufweist. Christian spielt mit den unterschiedlichen HandlungsstrĂ€ngen und buhlt dabei um die Gunst der stereotypischen Kritiker, ohne sich von ihnen beeinflussen zu lassen.

-Achtung SPOILER-Alarm-
Christian Krumm LesungGegen Ende gelangt man zurĂŒck in den Jurorenraum, bei dem man erneut auf die unterschiedlichen Charaktere trifft. „Die Figuren habe ich bewusst stilisiert, denn es kommen so unterschiedliche Meinungen zusammen, dass der Leser sich entweder einer anschließen kann, oder sich seine eigene Meinung bildet. Hier habe ich mich fĂŒr letzteres entschieden und entsprechend die Figuren als das aufgedeckt, was sie eigentlich sind: Werkzeuge in meinem Buch, die ich auch mĂŒhelos verschwinden lassen kann. Dem Leser selbst kann ich jedoch nicht gefĂ€hrlich sein, weil er keine Erfindung von mir ist. Stattdessen lade ich ihn dazu ein, mir in der „realen“ Welt von seinen TrĂ€umen zu erzĂ€hlen, wobei real natĂŒrlich ein weit dehnbarer Begriff ist.“
-SPOILER Ende-

Bei der Buchpremiere wurde Gas gegeben. „Es war ein spektakulĂ€rer Abend mit tollen Leuten, den ich verbringen durfte“ schwĂ€rmt der Autor. „Sophie hat eine tolle Vorstellung abgeliefert und auch Luci van Org (alias „Lucilectric“) war mit am Start. Andy Brings könnte der eine oder andere von SODOM noch kennen. Er hat mit mir einige Passagen aus dem Buch vorgelesen. Der Typ hat einfach Charisma und hat der Geschichte richtig Leben eingehaucht.“ Leidenschaft statt stumpfes Vorlesen sind hier trumpf. Was passiert jedoch nach „Traumschrott“ und welche PlĂ€ne gibt es bereits? „Nun, ich will nicht all zu viel verraten, aber das nĂ€chste Projekt wird ein Roman werden. Es wird dabei auch um unerklĂ€rliche und unheimliche PhĂ€nomene gehen. Die grobe Struktur steht bereits.“ FĂŒr andere Autoren hat Christian einen guten Tipp, wie man mit Schreibblockaden und angefangenen texten umgehen kann. „NatĂŒrlich habe ich noch Seitenweise angefangene Skripte. Ich sehe sie als eine Art Werkstatt, in der man sich nach Herzenslust bedienen kann. Wenn man mal eine bestimmte Passage oder ein bestimmtes GefĂŒhl braucht, kann man sich dort nochmal umsehen und findet vielleicht den einen oder anderen Ansatz fĂŒr sein aktuelles Projekt.“ Was die Zukunft also noch bringt, dĂŒrfte spannend werden. Fakt ist, dass „Traumschrott“ sich nahtlos in das Portfolio von Christian Krumm einreiht und eine Message dabei klar vermittelt: Lesen ist Metal und verbindet gleichermaßen!

Christian Krumm3

Radu

INTERVIEW: MOONSPELL

Posted by Radu On April - 11 - 2015

INTERVIEW: MOONSPELL

Moonspell BandNeues Album im GepĂ€ck und das zwanzigjĂ€hrige JubilĂ€um von „Wolfheart“ am Start sind gute GrĂŒnde, um die BĂŒhnen dieser Welt zur „Road to Extinction“ Tour zu fĂŒhren. MOONSPELL Kopf Fernando nahm sich kurz vor seinem Auftritt im Bastard Club in OsnabrĂŒck Zeit, um mit uns zu plaudern. Dabei kam Erstaunliches ĂŒber das Älterwerden, frischen Wind und eine Fan-Familie zum Vorschein…

Hallo und erstmal danke fĂŒr deine Zeit! Heute ist die letzte Station eurer Deutschland Tour. Wie ist es gelaufen und wie geht’s euch?

„Nun, eigentlich ist es niemals wirklich die letzte Station auf einer Tour. Wir fliegen nach hause und werden bald in Mexico weitere Shows spielen. Bis jetzt ist es eine großartige Tour gewesen und es fĂŒhlt sich an, als hĂ€tten wir unser Mission erfĂŒllt (lacht). Unseren Fans scheint es auch gut gefallen zu haben, denn sie haben sich sehr ĂŒber die Klassiker gefreut und gleichzeitig unsere neuen Songs abgefeiert. Wir sind mit einer gewissen Erwartungshaltung gestartet, weil man nie weiß, wie die neuen Songs von den Fans angenommen werden. Es hat aber alles gut geklappt und wir sind sehr zufrieden.“

Beim Durchhören von „Extinct“ hatte ich den Eindruck, dass ihr den Bombast etwas zurĂŒckgefahren habt und noch etwas nĂ€her an eurer eigenen Basis seid. Statt epischem Reiz Overkill habt ihr eure StĂ€rken geschickt eingesetzt, hier etwas Bombast eingestreut, intensivere GĂ€nsehautmomente, aber auch die Aggression nicht abgelegt. Wie waren die Reaktionen der Fans auf das neue Material?

„Wir wollten dieses Mal kein Album machen, das direkt ins Gesicht schlĂ€gt. Wir wollten dieses Mal etwas mehr cineastisches machen, uns ganz auf die Musik konzentrieren. Beim Songwriting Prozess nehmen wir keine RĂŒcksicht auf die Erwartungshaltungen von außen. NatĂŒrlich sind uns die Fans sehr wichtig, beim Songwriting ist es jedoch eine Symbiose aller Bandmitglieder, fernab von anderen Ă€ußeren EinflĂŒssen. Wir hoffen, dass unsere Fans uns halt vertrauen. Ehrlich gesagt lese ich nicht viele Rezensionen zu unserem neuen Album, aber das GefĂŒhl das ich habe, wenn wir die StĂŒcke live spielen, ist, dass die Fans das Album lieben. Es ist quasi bei ihnen angekommen und ist ein sehr persönliches Album von uns geworden. Es ist etwas gewagter ausgefallen und ich habe das GefĂŒhl, dass viele Leute diese Seite an uns vermisst haben. Wir sind halt eine Kontrast Band, die sowohl Melodisches, als auch Aggressives zusammenbringt. Viele Fans haben uns erklĂ€rt, dass sie das Album fĂŒr unser Meisterwerk halten, sowohl langjĂ€hrige, als auch neue Fans, was uns sehr glĂŒcklich macht. Ich bin sehr zufrieden mit den Reaktionen auf unser neues Album. Man kann schwer sagen, ob es aggressiver ist, mehr Metal oder wie auch immer. Es ist einfach ein schönes StĂŒck Musik geworden und ich kann mir kein besseres Feedback darauf vorstellen.“

Herzlichen GlĂŒckwunsch zum 20. Geburtstag eurer „Wolfheart“ Scheibe! Habt ihr eine Geburtstagsparty geplant?

„Danke! Ja, wir wĂŒrden gerne eine Tour mit allen Songs der „Wolfheart“ machen. Allerdings haben wir gerade „Extinct“ rausgebracht. FĂŒr viele Fans ist „Wolfheart“ ein sehr wichtiges Album und viele wĂŒrden es gerne live erleben. Wir hatten auch mit dem Gedanken gespielt eine Tour in diversen HauptstĂ€dten zu spielen, aber dann kam uns „Extinct“ in die Quere. Außerdem wĂ€re die Konsequenz, dass wir danach eine Tour zum 20 jĂ€hrigen JubilĂ€um von „Irreligious“ machen mĂŒssten. Wir sind keine Band, die ihre alten Alben nochmal komplett durchtouren mĂŒssen. Wir verstehen aber auch die Fans, fĂŒr die beide Alben sehr wichtig sind, daher haben wir einige Songs mit auf unsere aktuelle Setlist gepackt. Wir tun heute im Endeffekt genau dass, was wir damals auf „Wolfheart“ gemacht haben, allerdings war ich damals 23 jahre alt und heute bin ich 40 (lacht). Wir haben damals alles auf eine Scheibe gepresst; dark, heavy und Black Metal, daher hat es eine so intensive Bedeutung. Wir feiern das Album mit unseren Fans, indem wir einige Songs davon auf dieser Tour spielen.“

[Anmerkung der Redaktion: mit welchen Überraschungen der ersten beiden Alben MOONSPELL live gerockt haben, erfahrt ihr in unserem live Bericht]

Die Musik auf „Extinct“ spricht hier eine sehr vielfĂ€ltige Sprache, in der sich viele Facetten widerspiegeln. Wie sieht es mit den Texten aus? Hattest du bereits von Beginn an ein Konzept im Kopf?

„Ich denke, dass die Musik die Seele ist, wĂ€hrend die Texte die dunklere Seite der GefĂŒhlswelt anspricht. Das GefĂŒhl des Verlustes spielt dabei eine sehr große Rolle. Du kannst es im Bezug zu deinem eigenen Leben, aber auch zur wissenschaftlichen Evolution sehen. Bei dem Begriff „Extinction“ (zu deutsch: „Auslöschen“- Anmerkung der Redaktion) gibt es viele persönliche Bezugspunkte. Menschen sterben oder treten komplett aus deinem Leben, so wie z.B eine Ex- Frau, die du einst geliebt hast und mit der du kein Wort mehr sprichst. Die Auslöschung ist jedoch kein finaler Prozess, sondern besteht aus vielen Unterprozessen und genauso funktioniert es mit Emotionen und man entwickelt sich. Auf der wissenschaftlichen Ebene ist es so, das einige Lebensformen verschwinden und neue auftreten, die nicht besser, sondern zum aktuellen Zeitpunkt den UmstĂ€nden angemessen entwickelt sind. Die Entwicklung der Menschheit beinhaltet ebenfalls viele Aspekte der Auslöschung, wenn man beispielsweise die Rodung des Regenwaldes oder die Ausrottung von Walen betrachtet. Diese Arten der Auslöschung durch den Menschen verlaufen schnell und können einem schon Angst machen. Ich denke, dass unser Album nicht nur von der Auslöschung handelt, sondern auch einige Stadien davor vermittelt. Die Angst vor der Auslöschung beinhaltet ebenfalls Hoffnung und den Willen, dagegen anzukĂ€mpfen. Obwohl die Texte recht simpel sind, ist es ein sehr komplexes Album geworden. Es war uns sehr wichtig, dass die Leute auch einen persönlichen Bezug dazu bekommen. Wenn sie kein GefĂŒhl beim Hören unseres Albums bekommen wĂŒrden, hĂ€tten wir keine gute MOONSPELL Platte raus gebracht.“

WĂŒrdest du sagen, dass die Auslöschung Teil eines sich immer drehenden Kreislaufs ist?

„Die Auslöschung beinhaltet die letzte Stufe, von der es kein ZurĂŒck mehr gibt. Allerdings gibt es auch innerhalb dieses Stadiums Hoffnung und andere GefĂŒhle zu entdecken, die uns mit unserer Musik sehr wichtig sind. Wir waren noch nie eine nihlistische Black Metal Band, die grundsĂ€tzlich alles verneinen. Wir sind keine schwarz oder weiß Band, sondern bewegen uns in der Grauzone. Vielleicht sind wir eine Grey Metal Band (lacht)“.

Moonspell InterviewIch habe euch damals 1996 bei der Release Show von „Irreligious“ im Soundgarden in Dortmund live gesehen. Letztes Jahr wurde es abgerissen und viele intensive Momente sind ebenfalls in den TrĂŒmmern versunken. Was bleibt, sind die Erinnerungen. Auf der Release Party und auf eurem Out Of The Dark Festival Auftritt habe ich eine deutsche Familie getroffen, die mich sehr beeindruckt hat. Es waren 2 Schwestern, die mit ihrem Vater und ihrer Mutter im Rollstuhl jede Show von euch gesehen haben und alle TourschauplĂ€tze mitgereist sind. GrĂ¶ĂŸere Fanliebe kann ich mir dabei kaum vorstellen, als diese Aktion. Hast du von der Familie nochmal etwas gehört oder seid ihr noch in Kontakt?

„Die Mutter ist vor einigen Jahren leider verstorben, aber der Vater ist noch wohlauf. Die Ă€ltere Schwester ist mittlerweile verheiratet und kommt immer noch zu unseren Shows. Unsere Familien hassen Heavy Metal; als diese Familie mit uns getourt sind, um „Wolfheart“ den Leuten vorzuspielen, waren wir einfach nur noch hin und weg und dachten: „WOW!“. Es ist eine Sache, wenn Fanboys einer Band hinterherreisen, nur um ein Foto mit einer berĂŒhmten Persönlichkeit zu bekommen und danach vor anderen damit zu prahlen. Diese Familie hat uns begleitet, weil sie zu 100% hinter uns stehen. Die Ă€ltere Schwester ist mittlerweile eine erwachsene Frau und unterstĂŒtzt uns auch weiterhin.“

[An dieser Stelle sendet der Verfasser dieser Zeilen einen Gruß an die Familie, deren Namen ich leider nicht mehr weiß. Ein beispielhaftes Verhalten, wie man seine Lieblingsband unterstĂŒtzt, was mit Sicherheit zum Erfolg von MOONSPELL beigetragen hat. Ich hoffe, es geht euch gut und ihr rockt weiterhin mit den Herzen der Wölfe!]

Beim Betrachten eures Covers entdeckt man sofort, dass der gleiche KĂŒnstler Hand angelegt hat, der „Alpha Noir“ und „Omega White“ visualisiert hat.

„Ja, wir arbeiten bereits seit Jahren mit Seth Siro Anton, der gleichzeitig Bassist bei SEPTIC FLESH ist, zusammen. Seine Kunst ist fantastisch. Es ist nicht einfach zu erfassen, sondern abstrakt und gleichzeitig verstörend. Ich denke, er vermischt Horror und Schönheit auf eine sehr geniale Weise. Du siehst das Bild an und es verstört dich zu erst, aber du willst auch nicht wegschauen. Ich mag den Effekt, den seine Kunst auf mich und andere Leute hat. Ich habe ihm die Texte und das Konzept des Albums gegeben und er hat daraus diese verstĂŒmmelte Kreatur erschaffen. Gerade im Detail ist es sehr interessant, denn die Kleinsten Lebewesen fressen uns nach unserem Tod wieder auf. Auch dieser Aspekt ist auf dem GemĂ€lde sehr deutlich erkennbar. Das Cover soll das Album gut symbolisieren. Es gibt auch viele Bands, denen das Cover egal ist und die einfach das Logo oder etwas einfaches benutzen. Klassische Bands haben ein Bandmaskottchen wie z.B. IRON MAIDEN. So ein Maskottchen wĂ€re sehr cool und kann auch unterschiedliche Aspekte widerspiegeln, aber es wĂŒrde nicht zu MOONSPELL passen. KREATOR haben beispielsweise ebenfalls sehr interessante Cover.“

Auf ein letztes Wort zu den Texten: Musst du in einer bestimmten Stimmung sein, um die Texte zu verfassen?

„FĂŒr mich ist Schreiben das wichtigste ĂŒberhaupt. Ich habe zwei GedichtbĂ€nde veröffentlicht (zur Zeit nur auf Portugiesisch, englische Veröffentlichung kann aber durchaus noch kommen) und viel von H.P. Lovecraft gelesen. Ich muss nicht in einer speziellen Stimmung sein,ich bin immer dafĂŒr in Stimmung zu schreiben. Es gibt viele EinflĂŒsse: meine Familie, meine Band, meine Karriere oder auch die Dinge, ĂŒber die ich lese. Gitarristen spielen stundenlang Gitarre und ĂŒben. Ich schreibe endlos viele Texte mit tausenden von Worten, die von innen heraus kommen. Es ist etwas, das du nicht abstellen kannst, egal ob du wach bist, oder schlĂ€fst. Ich bewahre meine Ideen auf und wenn ich dann unsere neuen StĂŒcke höre setze ich mich hin und bringe meine Zeilen in die musikalische Form, so dass daraus eine Einheit entsteht. Ich denke, dass die Texte die Seele der Musik sind.“

Sebastian Radu Groß

VIDEOINTERVIEW: CROWBAR

Posted by Anna On MĂ€rz - 19 - 2015

OJwj1-3VEMdMZF4qkzJlxkW48e1MC1jc0BWjZX5UBIkm78pDuNCcITN2kXTh8OPPRu1yrmNXBXJ1nAw-KwGw_cKirk Windstein, seines Zeichens SĂ€nger und Gitarrist der amerikanischen Sludgeband CROWBAR, wurde von unserer Anna in MĂŒnchen, wĂ€hrend der Tour interviewt. Watch Below!

INTERVIEW: ANNISOKAY

Posted by Samir On MĂ€rz - 17 - 2015

Annisokay_-_Enigmatic_Smile

ANNISOKAY zĂ€hlen derzeit zum hoffnungsvollen Nachwuchs der deutschen Modern Metal Szene. Mit ihrem am 20.3. erscheinenden Album “Enigmatic Smile” (Review hier) wollen die Jungs den nĂ€chsten Schritt gehen und stellten die neuen Songs bereits auf der vergangenen Tour mit CALLEJON vor. Bei ihrem Konzert in NĂŒrnberg (Konzertbericht hier) hatten wir die Möglichkeit Norbert (Bass), Dave (Shouts) und Christoph(Gitarre, cleaner Gesang) ein paar Fragen zum Album und der Tour zu stellen.

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INTERVIEW:INFESTING SWARM

Posted by Radu On MĂ€rz - 13 - 2015

Einige Jahre sind ins Land gezogen, seit INFESTING SWARM mit ihrer Demo den Underground beschallten. Mit komplettem Album und Plattenlabel im RĂŒcken melden sich die Jungs nun zurĂŒck. „Desolation Road“ markiert die aktuelle BandidentitĂ€t und setzt eine eigenstĂ€ndige Duftmarke im Extremsektor.

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INLEGEND INTERVIEW

Posted by Lizzy On Januar - 11 - 2015

INLEGEND INTINLEGENDERVIEW

Genre: “Hand-hammered piano craft”
Inteview wurde gefĂŒhrt mit: Bastian Emig (Vocals, Piano)

Vor zwei Tagen feierte ihr aktuelles Studioalbum “Stones At Goliath” Release. Grund genug, sich einmal den Frontmann von INLEGEND vorzuknöpfen um Grundlegendes als auch Aktuelles rund um die neue Platte zu erfahren. Viel Spaß beim Lesen! Read the rest of this entry »

INTERVIEW: DESERTED FEAR

Posted by Samir On November - 8 - 2014

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DESERTED FEAR zĂ€hlen zu den Death Metal Überfliegern des Jahres. Mit ihrem neuen Album “Kingdom Of Worms” (Review hier) konnten sie Kritiker und Fans gleichermaßen ĂŒberzeugen und begeistern. Grund genug fĂŒr uns von Metal Impressions, die Jungs zu sprechen und zu ihrem Aufstieg zu befragen!

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