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Northern Silence LABELPORTRAIT

Posted by Radu On Juni - 14 - 2019

Northern Silence Banner

Metalheadz des Ă€lteren Semesters kennen noch die Zeiten, in denen es kein Internet, YouTube und Social Media gab. EMP und NUCLEAR BLAST waren unsere Bibel, bei denen man regelmĂ€ĂŸig seine Sammlung aufstockte. Fans des erlesenen Black Metals erfreuen sich seit 2003 an dem Label NORTHERN SILENCE, das neben einem extrem abwechslungsreichem Angebot (von rĂ€udig, bis symphonisch sind alle Black Metal Arten vertreten) auch noch den alten Spirit lebt: mit Herzblut prĂ€sentierte Bands, teilweise limitierte SammlerstĂŒcke und ein schöner Mix aus Vinyl, CD und Shirts. Wir sprachen mit dem Chef Torsten ĂŒber sein langjĂ€hriges Soloprojekt, Sammelleidenschaft und einigen Bands.

Hallo Torsten und erstmal vielen Dank fĂŒr deine Zeit! Bitte stell den Leuten, die Northern Silence noch nicht kennen, kurz vor.

Das Label wurde 2003 von mir gegrĂŒndet und wird seitdem als „Soloprojekt“ betrieben. Die ersten beiden Releases waren ein exklusives NĂ„strond Shirt und Endstille’s «FrĂŒhlingserwachen» Album auf Vinyl in 2003. Danach ging es stetig bergauf, mit etwa 10-15 Neuveröffentlichungen pro Jahr. Zu den nennenswertesten Releases der Anfangsjahre gehören u.a. Katatonia’s „Brave Murder Day“ Album auf Vinyl sowie die Debut-Veröffentlichungen von Amesoeurs, Fen und Nasheim.

ErzĂ€hl uns bitte noch etwas ĂŒber die Entstehungsgeschichte; wie kam es zur GrĂŒndung und wie hat sich alles entwickelt?

Ich war seit Mitte der 1990er Jahre Vinylsammler und hatte durch viel Tauscherei und SchnĂ€ppchenjagd auf eBay und anderswo eine beachtliche Menge an Black Metal TontrĂ€gern gesammelt, die ich zum Teil doppelt besaß und wieder verkaufen oder tauschen konnte. Als Sammler ist man ja darauf bedacht, RaritĂ€ten im bestmöglichen Zustand zu ergattern, und nicht ganz so schöne Exemplare wieder loszuwerden. So hatte sich im Verlauf einiger Jahre ein kleiner Mailorder entwickelt, der vor allem als Anlaufstelle fĂŒr Sammler von Black Metal RaritĂ€ten galt. Dadurch, dass ich Gewinne immer wieder in neue EinkĂ€ufe steckte, wuchsen sowohl Bestand als auch Kundenstamm immer weiter. 2003 fasste ich schließlich den Entschluss, kĂŒnftig mein eigener Chef zu sein und schlug den Weg in die SelbstĂ€ndigkeit ein.

katatonia-danceBei dem Namen Northern Silence musste ich direkt an die Katatonia EP „Jhva Elohim Meth“ und den Song `The Northern Silence` denken. War das der Grund fĂŒr die Namensgebung? Schließlich passt es von der AtmopshĂ€re und den Bands sehr gut (extrem vielschichtiger Black Metal mit tonnenweisen melodischen EinflĂŒssen).

Das war tatsĂ€chlich der Grund. Katatonia waren Mitte der 90er meine absolute Lieblingsband, und „Dance of December Souls“ ist nach wie vor fĂŒr mich das beste Album aller Zeiten. Wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, hat „Northern Silence“ noch eine weitere signifikante Bedeutung fĂŒr mein Leben, auf die ich hier jedoch nicht nĂ€her eingehe, weil sie nichts mit Musik zu tun hat.

Ihr habt eine eine große Palette von Bands, die sich unterschiedlichen Subgenres des Black Metal verschrieben haben. Wie kommt der Kontakt zustande? Klopfen die Bands bei euch mit den Demos an?

Entweder schicken die Bands ihr Material, oder ich frage an, wenn mir ihre Musik gefÀllt. Das lÀuft sicher bei den meisten Labels nach diesem Schema ab.

Es gibt meiner Meinung nach keine einzige Veröffentlichung, die nicht mit jedem Tropfen Herzblut gefĂŒllt ist. Sei es bei den Shirts, den limitierten Digipacks oder den extrem schön aufgemachten Schallplatten!

Soweit ich Einfluss darauf nehmen kann, versuche ich, die Releases auch optisch aufzuwerten. Ich habe erst im Laufe der Zeit erkannt, wie extrem wichtig gute Cover Artworks fĂŒr den Erfolg einer Veröffentlichung sind. In den letzten Jahren habe ich deshalb auch angefangen, ab und zu ein Veto einzulegen, und Releases optisch teilweise komplett umzukrĂ€mpeln. Ein Beispiel wĂ€re das ziemlich hochkarĂ€tige Debutalbum von Malist, das nach RĂŒcksprache mit dem KĂŒnstler ein neues Logo, ein neues Artwork und einen neuen Albumtitel verpasst bekam. Auch die unglaublich geile EP von Haimad, fĂŒr mich persönlich die beste VÖ 2019, musste ich mit anderem Artwork veröffentlichen, als die Band ursprĂŒnglich vor hatte, um der genialen Tonkunst gerecht zu werden. Der Erfolg bestĂ€tigte diese Entscheidungen und hat mich darin bestĂ€rkt, noch mehr auf meine Intuition zu hören.

Auch unabhĂ€ngig vom Erscheinungsbild halte ich eine hochwertige Verpackung und mithin eine strenge Limitierung fĂŒr wichtig, speziell in einer Zeit, wo mehr und mehr Musik digital verkauft wird. Ein Sammler sollte immer etwas Wertiges fĂŒr seine hart verdiente Kohle bekommen, das idealerweise im Laufe der Jahre an Sammlerwert gewinnt, und einem nicht irgendwann an jeder Ecke fĂŒr Dumpingpreise hinterhergeworfen wird.

Der Vertrieb lĂ€uft sowohl physisch (CD und Vinyl), als auch digital ĂŒber Bandcamp. Was bevorzugst du als Musikliebhaber persönlich eher?

Ganz klar physische Releases. Aus Sicht eines Sammlers natĂŒrlich Vinyl, aus Sicht des Pragmatikers, der ich im Laufe der Zeit geworden bin, CDs. Northern Silence hat deshalb auch erst im Oktober 2018 eine eigene Bandcamp-Seite bekommen, Jahre spĂ€ter als die meisten anderen Labels.

Lass uns einen Blick auf einige KĂŒnstler werfen: ELDAMAR liefern mit „A Dark Forgotten Past“ eine sehr atmosphĂ€risches Album ab, das zwar im Black Metal verwurzelt ist, sich durch seine Innovation allerdings vom reinen aggressiven GeknĂŒppel abhebt. Wie empfindest du das Album und was hast du gedacht, als du es das erste Mal gehört hast?

Ich dachte, es klingt wie das Debut, haha. Im Ernst, viele Fans hatten mit einer Weiterentwicklung gerechnet, aber der KĂŒnstler zog es vor, den Stil, der sein Projekt so beliebt gemacht hat, einfach noch etwas zu verfeinern. Eldamar war definitiv eine Überraschung, was den Erfolg angeht. Zumindest in dem Ausmaß war ich davon absolut positiv ĂŒberrascht.

Ich weiß noch, als ich damals aus dem Bauch heraus die „Aura“ von SAOR bestellt habe und mich der Mix aus Highland Feeling, Raserei und AtmosphĂ€re (Flöte, Dudelsack, Frauenstimme; hier war einfach alles dabei) an die Wand getackert hatte. Leider ist Andy Marshall nicht mehr bei euch an Bord. Wie war die Kooperation mit ihm und könnte es zu einer weiteren Zusammenarbeit kommen?

Die Kooperation lief im Grunde ausgezeichnet. Leider kam es im Zuge zweier Veröffentlichungen zu Verzögerungen und Problemen im Presswerk, auf die ich keinen Einfluss hatte. FĂŒr Andy, der es nicht gewohnt ist, dass es mit Presswerken eigentlich stĂ€ndig Probleme gibt, war das vielleicht einer der Punkte, die zum Fortgang fĂŒhrten. Avantgarde ist jedoch ein großartiges Label und Andy weiß genau, was er tun muss, um den Erfolg seiner Band weiter zu vergrĂ¶ĂŸern. Von daher hat er sicherlich die richtige Entscheidung getroffen. Ich verstehe das vollkommen und bin dankbar dafĂŒr, dass ich drei seiner Alben veröffentlichen durfte.

EMYN MUIL klang fĂŒr mich mit „TĂșrin Turambar Dagnir Glaurunga“ im ersten Augenblick wie eine billige Summoning Kopie. Nach einigen DurchlĂ€ufen dieser gefĂŒhlten 100. Tolkien Band packte mich allerdings der Charme von den StĂŒcken und irgendwann hatte ich mir das Album schön gehört, das es immer noch ein Geheimtipp fĂŒr mich ist. Wie empfindest du das Album heute?

Es ist ein Stil, der inzwischen viele Atmospheric Black Metal Fans anspricht. Nicht umsonst entstanden nach der Veröffentlichung von Caladan Brood’s „Echoes of Battle“ so viele Bands mit Summoning-Einfluss. Die Österreicher haben zweifellos eine eigene Nische geschaffen, und fĂŒr mich gehört Emyn Muil zu den Bands, die am ehesten das Potential haben, in die Fußstapfen von Summoning zu treten.

Ein Ă€hnliches Schönhören hatte ich auch bei ERED WETHRIN mit „Tides Of War“. Irgendwie fehlte mir das die eigene IdentitĂ€t, obwohl die Melodien packten und die Summoning Wurzeln unverkennbar waren. Wie kam es damals zur Zusammenarbeit?

Zur Zusammenarbeit kam es infolge der Caladan Brood Veröffentlichung. Die IdentitĂ€ten von Shield Anvil und Mortal Sword sind inzwischen wohl ein offenes Geheimnis. Am direkten Vergleich zwischen Caladan Brood, Gallowbraid und Ered Wethrin erkennt man jedoch, wem von beiden ein Übermaß an songwriterischem Können in die Wiege gelegt wurde, und wer es sich erarbeiten muss.

Caladan BroodCALADAN BROOD spielten sich bereits mit den ersten Tönen von „Echoes of Battle“ direkt in mein Herz. Unfassbar, was diese Truppe mit ihrem DebĂŒt abgeliefert hatte; Summoning haben Jahre gebraucht, um derart atmosphĂ€risch zu klingen, was Caladan Brood mal eben so gelingt. Auch die Vinyl Version ist einfach zum Niederknien und es fĂ€llt mir schwer, jetzt nicht erneut in JubelgesĂ€nge auszubrechen. Wie kam es zur Zusammenarbeit, wird es noch Nachschub geben und falls ja ab wann? Gab es viele positive Reaktionen auf diese Scheibe?

Da ich bereits durch Gallowbraid mit Jake Rogers, neben Steven Smith von Ered Wethrin dem Genie hinter Caladan Brood, zusammenarbeitete, und ich außerdem seit „Minas Morgul“-Zeiten großer Summoning-Fan bin, musste ich nicht lange ĂŒberlegen, als Jake mir von Caladan Brood erzĂ€hlte, und nahm die Band sofort unter Vertrag. Interessanterweise hatte ich auch die bis dahin erschienenen BĂ€nde von Steven Erikson’s „Malazan Book of the Fallen“ allesamt verschlungen, so dass ich auch inhaltlich bestens mit dem Konzept der Band vertraut war.

Ob da irgendwann noch ein weiteres Album erscheint, steht leider in den Sternen. Steven wĂŒrde vermutlich gern noch eins veröffentlichen, aber ohne Jake wĂ€re es nicht Caladan Brood. Bis es vielleicht irgendwann soweit ist, mĂŒssen sich die Fans jedenfalls mit „Echoes of Battle“ begnĂŒgen. FĂŒr mich persönlich ist es DAS Epic Black Metal Album schlechthin, an dem sich alle anderen Bands messen mĂŒssen. Die positiven Reaktionen darauf waren und sind ĂŒberwĂ€ltigend, und das Album ist auch die bei weitem erfolgreichste Northern Silence Veröffentlichung.

Ich weiß noch, als ich DÄMMERFARBEN mit „Im Abendrot“ zum ersten Mal aufgelegt hatte. Eine romantische Antwort auf Empyrium, allerdings ohne nur kopieren zu wollen. Gibt es die Band ĂŒberhaupt noch?

Habe schon lange nichts mehr von ihnen gehört.

Ich hatte das GlĂŒck einmal die Jungs von HERETOIR live zu treffen, als sie mit Alcest in Oberhausen gespielt haben. Soweit ich weiß, ist die Band immer noch bei euch an Bord. Wie lĂ€uft es bei euch und wie kam es eigentlich zur langjĂ€hrigen Zusammenarbeit?

Heretoir wurde gesignt, als es noch ein Soloprojekt von David war. Inzwischen hat sich Heretoir zu einer vollwertigen und musikalisch wie konzeptionell herausragenden Band entwickelt, was mit „The Circle“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde. Es steht noch ein weiteres Album aus, das bereits in Arbeit ist, dann ist der Vertrag mit Northern Silence erfĂŒllt und ich gehe stark davon aus, dass die Band im Anschluss bei einem grĂ¶ĂŸeren Label unterschreiben wird – vielleicht Prophecy Productions, wo sie vom Stil her gut passen wĂŒrden.

MÖRKER haben mich damals mit ihren packenden Riffs sofort in den Bann gezogen. Ich glaube, daß es auch damals fĂŒr mich eine weitere BestĂ€tigung war, dass ich mit den Bands von Northern Silence generell sehr gut klar kam und fast jeder Kauf ein Volltreffer war. GibtÂŽs die Band eigentlich noch?

Auch von Mörker habe ich schon lange nichts mehr gehört. Das letzte Lebenszeichen war vor einigen Jahren eine Anfrage, ob ich eine 7“ mit neuem Material veröffentlichen wĂŒrde, wozu es aber augenscheinlich nie kam. Ich nehme an, dass die Band in ihrer damaligen Form nicht mehr existiert.

Einen weiteren Kniefall vor meiner Anlage können GALLOWBRAID bei mir verzeichnen, wo „Ashen Eidolon“ endlich wieder veröffentlicht wurde (sogar auf Vinyl). DafĂŒr erstmal ein fettes DANKE, da ist ein Traum fĂŒr mich in ErfĂŒllung gegangen (inklusive geilem Longsleeve). ErzĂ€hl uns bitte darĂŒber, wie die Veröffentlichung zustande gekommen ist.

Wie vorher schon angedeutet, halte ich Jake Rogers, der sowohl Gallowbraid als auch Caladan Brood zu dem gemacht hat, was sie sind, fĂŒr einen begnadeten und absolut herausragenden KĂŒnstler. Das war mir sofort bewusst, als ich seinerzeit die Demosongs von Gallowbraid auf Myspace hörte, weshalb ich ihn auch ohne zu zögern unter Vertrag nahm. Der einzige Nachteil ist, dass es Jake völlig egal zu sein scheint, wie gut seine Werke ankommen, und er sich von Erfolg nicht im Geringsten beeinflussen lĂ€sst. Das spricht einmal mehr auch fĂŒr seine Persönlichkeit, jedoch zum Leidwesen aller Fans, die seit Jahren auf neues Material von Gallowbraid oder Caladan Brood warten. Im Moment scheint jedenfalls seine Heavy Metal Band Visigoth die unangefochtene Nr.1 zu sein, in die er am meisten Zeit investiert. DarĂŒber hinaus ist er aber in anderen Bands aktiv und schreibt auch ab und zu neues Material fĂŒr Soloprojekte. Eines davon ist Tower Wraith, ein traditionelles Black Metal Projekt im Stile der 90er. Das Debut ist bereits unter Dach und Fach, stilistisch natĂŒrlich wie geschaffen fĂŒr Northern Silence, und erscheint voraussichtlich irgendwann in den nĂ€chsten 10 Jahren ;)

Erebos, Ruadh, Haimad, die Liste der letzten Neuveröffentlichungen ist lang und ich entdecke immer noch Neues auf diesen Scheiben. Auch die Tatsache, dass es sich um limitierten Digipacks handelt lÀsst bei mit die unbezÀhmbare Sammelwut nicht stillstehen. Was lÀuft eigentlich besser, Bandcamp/digital oder physische Alben?

Mein Fokus liegt weiterhin auf physischen Releases. Downloads sind Zusatz und einfach der gegenwĂ€rtigen Entwicklung geschuldet. NatĂŒrlich gehen die Verkaufszahlen von CDs immer mehr zurĂŒck, was neben dem extremen Überangebot vielleicht auch ein wenig durch den Vinylboom der letzten Jahre verursacht wurde, aber da werden einfach die Limitierungen entsprechend verringert, damit kein Überangebot entsteht. Als Sammler macht man beim Kauf der neueren Northern Silence Releases bestimmt nichts falsch, egal ob CDs oder Vinyl, und als Fan hoffentlich auch nicht.

Caladan Brood vinylIch habe generell das GefĂŒhl, das Northern Silence sich noch in den 90ern befindet, wo man Alben unbekannter Bands noch nach Cover, wenigen Worten Promotext oder BauchgefĂŒhl kauft, ohne großartig Reviews lesen zu mĂŒssen oder bei YouTube reinhört (was mir sehr gut gefĂ€llt). Ist es das, was du auch mit dem Vertrieb der Musik erreichen möchtest?

Ich lege nicht viel Wert auf Reviews, weil sie immer nur die subjektive Meinung eines Einzelnen widerspiegeln. Das Caladan Brood Album z.B. landete seinerzeit auf dem drittletzten Platz im Soundcheck des Rock Hard. Wieso soll man da als Fan nicht lieber Youtube nutzen, um sich selbst ein Urteil zu bilden, anstatt Reviews von Leuten zu lesen, die vielleicht einen ganz anderen Geschmack haben? Das ist aber auch eine Frage der Persönlichkeit. Mich tangieren andere Meinungen kaum, wenn es um subjektive Dinge wie Musikgeschmack geht. Dennoch ist mir klar, dass der Mensch ein Herdentier ist, und viele Fans von der Meinung anderer beeinflusst werden. Von daher freue ich mich ĂŒber positive Reviews von Northern Silence Releases, betreibe aber keine exzessive Promo in dieser Richtung. Von den etwa 300 EmpfĂ€ngern in der Promoliste verfassen am Ende vielleicht 10 ein Review. Ich frage bei den anderen 290 nicht nach, ob sie das nicht auch tun möchten. Wer nicht will, der hat schon.

Wie lĂ€uft es eigentlich mit der Website? Du hattest einen Aufruf gestartet, dass die Website neu gestaltet werden sollte, nachdem eine ursprĂŒngliche Zusammenarbeit nicht geklappt hat. Wie ist der aktuelle Stand und gibt es weitere PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft?

Es ging dabei um den Online-Shop, der mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Die Anzahl an Bestellungen und der damit verbundene Arbeitsaufwand haben mittlerweile Dimensionen angenommen, wo ich als EinzelkĂ€mpfer jedes Mal in arge BedrĂ€ngnis komme, wenn einige hochkarĂ€tige Veröffentlichungen anstehen. 2019 herrschte von Januar bis Mai fast durchweg Ausnahmezustand, und das ist auf Dauer nicht gesund. Ein moderner Webstore wird mir durch Automatisierung sehr viel Arbeit abnehmen, und meinen Kunden ein angenehmeres Einkaufserlebnis bescheren. Der neue Shop ist inzwischen in Arbeit und wird voraussichtlich im August online gehen. Mehr Infos gibt’s zu gegebener Zeit auf Facebook und via Newsletter.

Was denkst du eigentlich ĂŒber die Entwicklung von KATATONIA? Ich gehe zumindest mal stark davon aus, dass du auch ein Fan bist; hörst du sie immer noch, obwohl sie den atmosphĂ€rischen Black Metal abgestreift haben und sich eher der progressiven Schiene verschrieben haben? (Meiner Meinung ist das „Dance of December Souls Album“ eines der genialsten Alben, das je auf die Menschheit losgelassen wurde. Falls du Bock auf ein Katatonia Special hast, gönn es dir hier.)

Ich liebe die ersten drei Veröffentlichungen ĂŒber Alles. Von „Brave Murder Day“ war ich seinerzeit so enttĂ€uscht, dass ich die „Autumn Wilderness“ Tour, die Katatonia damals mit In The Woods spielten, boykottieren musste – eine Sache, die ich noch heute sehr bereue. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mit dem Album warm geworden bin. Inzwischen mag ich es ganz gern. Dennoch ist es fĂŒr mich meilenweit von den vorherigen Meisterwerken entfernt. An die spĂ€teren Releases ab „Discouraged Ones“ bin ich erst nach der Jahrtausendwende herangekommen, und alles, was nach „Viva Emptiness“ erschien, gibt mir einfach gar nichts mehr. Zum GlĂŒck haben sie in den 90ern ihr Logo geĂ€ndert.

Dead LimbsFrĂŒher kamen die Black Metal Bands ĂŒberwiegend aus Norwegen, Skandinavien und aus Schweden. Mittlerweile gibt es viele geniale Bands aus Amerika. Wie siehst du diese Entwicklung?

NatĂŒrlich gab es auch damals schon zahlreiche gute Black Metal Bands in anderen LĂ€ndern, aber Skandinavien war schon aufgrund der Masse an hochkarĂ€tigen Bands eine Macht. Viele andere LĂ€nder haben lĂ€ngst aufgeholt, nicht zuletzt durch die Möglichkeiten der modernen Aufnahmetechnik, wo KĂŒnstler praktisch alles selbst machen können, und der Verbreitung ĂŒber das Internet. Es gibt mittlerweile fast ĂŒberall gute und großartige Bands. Am meisten umgehauen hat mich seinerzeit „Spiritus/Sulphur“ von Dead Limbs, drei 17-jĂ€hrigen Teenagern aus Brasilien, die auf dem Album einen ultragenialen Black Metal zelebrieren, den ich eher aus Schweden oder Polen erwartet hĂ€tte. Ich habe gelernt, die Herkunft völlig außer Acht zu lassen, und einfach nur die Musik auf mich wirken zu lassen. Dennoch werden Norwegen und Schweden fĂŒr mich immer die Wiege des Black Metals sein, den ich am meisten schĂ€tze. Nicht umsonst nehme ich gern Bands unter Vertrag, die den Geist der damaligen Zeit in sich tragen, seien es „alte Hasen“ wie Haimad, oder Newcomer wie NornĂ­r oder Malist.

Vielen Dank fĂŒr deine Zeit und das Interview! Noch einige abschließende Worte an unsere Leser?

Ich bedanke mich fĂŒr die Möglichkeit, einen Einblick in das Schaffen von Northern Silence geben zu können, und dass ich den Lesern einige der Bands nahebringen durfte. Northern Silence wird bis auf weiteres als Soloprojekt im Untergrund tĂ€tig sein und hoffentlich ab und zu mit aus der Masse herausragenden Releases auf sich aufmerksam machen. Bei dieser Gelegenheit noch ein kleiner Tipp fĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte – das Debutalbum von Arctos aus Kanada. Genialer, melodischer Black/Death Metal, der auch zu Schweden’s Glanzzeiten hĂ€tte entstanden sein können. Unbedingt anchecken! Infos und Hörproben gibts bald.

Wer auch nur ansatzweise etwas mit Black metal anfangen kann, sollte unbedingt einen Blick auf die Homepage von NORTHERN SILENCE werfen. ACHTUNG: nach dem Betreten und den ersten Hörproben besteht (besonders fĂŒr Sammler physischer TontrĂ€ger und Shirts) schnell Suchtgefahr! Wir haben euch gewarnt…

In diesem Sinne: viel Spaß beim Stöbern und support Northern Silence!

Radu

SEELENWALZER INTERVIEW

Posted by Radu On April - 9 - 2019

Seelenwalzer Band

Anno 1997 schockierte die Band RICHTHOFEN mit ihrem Album „Seelenwalzer“ die (noch damals junge ) Neue Deutsche HĂ€rte Szene. Mit einer Mischung aus Rammstein, Death Metal und Eisregen kotzte man sich ĂŒber gesellschaftliche Tabuthemen wie Krieg, Vergewaltigung und Nationalsozialismus aus, was zu diversen Disukussionen fĂŒhrte. Nach Jahren der Funkstille ist die Band unter dem Namen SEELENWALZER zurĂŒck und schockiert mit aktuellen Themen.

Hallo und erstmal willkommen zurĂŒck! Ich habe mich sehr gefreut, als ich erfahren habe, dass ihr wieder da seid. Wie geht es euch aktuell?

Hallo – danke der Nachfrage. Es geht uns gut, wir freuen uns genauso, dass wir jetzt wieder am Start sind und genießen die zunehmende Anspannung vor dem Re-Release unseres Albums im Mai durch Massacre-Records.

Wie kam es zu der NamensÀnderung von RICHTHOFEN in SEELENWALZER und warum?

Die weitere Nutzung des Bandnamens „Richthofen“ war leider nicht möglich; der Name ist rechtlich geschĂŒtzt und uns wurde von der Familie Von Richthofen die weitere Nutzung untersagt. Wir haben kein Interesse einen Rechtsstreit zu provozieren. Da es uns sehr wichtig war, dass uns unsere alten Fans nach so langer Zeit wiederfinden, war der Albumtitel des Erstlings als neuer Bandname ein gefundenes Fressen, zumal der auch perfekt ausdrĂŒckt, was das neue Album mit dem geneigten Hörer macht.

SEELENWALZER ist eine sehr gute Alternative. Sowohl Bandname, als auch Logo sind an eurem DebĂŒtalbum angelehnt, das in den 90ern fĂŒr einige Kontroversen sorgten. Krustige Gitarren, Neue Deutsche HĂ€rte und makabre Texte haben damals Maßstabe gesetzt. Ich habe mir gestern nochmal das Album „Seelenwalzer“ angehört und es hat in keinster Weise Staub angesetzt. Was empfindet ihr, wenn ihr das Album heute hört?

Wir hatten damals keine Ahnung, welchen Impact das Album auslösen wĂŒrde.
Wir lieben das Album nach wie vor und in der Tat klingt es auch 20 Jahre nach VÖ kein bisschen angestaubt oder altbacken. Ich denke es wĂ€re heute genauso erfolgreich wie damals.

„Helden der Zeit“ ist irgendwie an mir vorbei geschossen, da es fĂŒr mich zu glatt poliert war und einiges an Biss verloren hatte. Gerade die rohen Soundelemente und die dreckige AtmosphĂ€re waren in den Hintergrund getreten und das Ganze erinnerte mich eher an Die Krupps. Um so schöner finde ich es, dass ihr soundmĂ€ĂŸig wieder nĂ€her am DebĂŒt dran seid. Wie kam es zu der Entscheidung?

RichthofenDa muss ich jetzt etwas weiter ausholen:

Das Debut-Album Seelenwalzer entstand damals aus einer Bier-Laune heraus (zugegeben – es war nicht nur Alkohol im Spiel) und war zunĂ€chst nur als „Fun-Projekt“ gedacht. Ich hatte Dirk Weiss durch meine Zusammenarbeit mit seiner Band Warpath als Produzent kennen gelernt und fand seinen Gesangsstil großartig. Wir beschlossen „irgendwann“ mal was zusammen zu machen. Als es sich dann zeitlich ergab entstanden die Songs zum ersten Album bei mir im Stage-One-Studio. FĂŒr die Drums bzw. den Bass konnten wir Sanjai Shah und Gernot Leinert von sHIT fOR bRAINS gewinnen, die mir ebenfalls aus der Zusammenarbeit mit ihrer Band als herausragende Musiker bekannt waren. Wir vier haben dann die Songs eingespielt / gesungen und als das ganze fertig war fanden wir es zu gut, um es einfach in die Schublade zu stecken und unter „geile Erfahrung“ abzuhaken.
Also suchten Dirk und ich nach einem geeigneten Label, welches wir nach langen BemĂŒhungen dann in GUN Records fanden. Ich war zu der Zeit voll mit meinem Studio ausgelastet und habe von vornherein gesagt, dass ich die Band nicht auf die BĂŒhne begleiten kann (einzige Ausnahme war die Tour mit Krisiun/Dimmu Borgir und Kreator).
So kam es dann auch dazu, dass auf dem Booklet nicht die Leute zu sehen sind die das Album eingespielt haben, sondern die damalige Live-Besetzung. Als wir uns dann 2 Jahre spĂ€ter wieder ins Studio begaben, um an dem Nachfolger zu werkeln, machten mir GUN Records einen Strich durch die Rechnung. Nachdem sie erste Ideen gehört hatten, gab es die Ansage, dass wir dafĂŒr keinen Pfennig bekommen und gefĂ€lligst einen gescheiten Nachfolger produzieren sollen. Sie konnten mit den Demo-Songs ĂŒberhaupt nichts anfangen und versuchten uns Handschellen anzulegen.

Das war fĂŒr mich der Grund dem „Projekt“ den RĂŒcken zu kehren, ich lasse mir nicht vorschreiben was fĂŒr Songs ich zu komponieren habe! Dirk hingegen wollte die Band weiter vorantreiben und hat dann mit neuen Musikern und anderem Produzenten-Team den Nachfolger „Helden der Zeit“ aufgenommen. Ich habe mir das Album bis heute nie ganz angehört und teile deine EinschĂ€tzung. Insofern gab es keine bewusste Entscheidung was den Sound des neuen Albums angeht, wir haben einfach alles so gemacht wir es mögen und da bis auf Dirk wieder das gleiche Team am Start war, klingt die neue Scheibe so wie sie klingt.

Textlich habt ihr euch damals amtlich ausgetobt, wobei gerade die Sicht, aus der die Texte geschrieben werden, von den inneren DĂ€monen zeugt. `Ich mach dich tot` entlĂ€dt mal eben Alltagsaggressionen, wĂ€hrend `FĂŒr Die Ewigkeit` sich mit dem Akt des Sterbens und der natĂŒrlichen Auslese (das Recht des StĂ€rkeren) beschĂ€ftigt. `Jungfernflug` fand ich textlich schon krass,da es sich meiner Meinung nach um die Perspektive eines Vergewaltigers handelt. Wie kam es zu dem Text?

Ich beschĂ€ftige mich viel mit dem „Bösen“ in uns. Ich glaube, dass jeder Mensch hin und wieder böse Gedanken hat und finde es reizvoll, mich in diese Rolle zu versetzen und aus dieser Perspektive zu erzĂ€hlen. Man könnte so ein Thema ja auch „dokumentarisch“ abhandeln, aber ich mag es eben lieber wie in einem guten Film, der ja auch Einblicke in verschiedene Charaktere gibt und nicht nur nĂŒchtern eine Situation beschreibt. So hat der Zuhörer die Möglichkeit, selber in diese Rolle zu schlĂŒpfen und kann so die Schlechtigkeit „am eigenen Leib erfahren“. Das ist etwas Anderes, als mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu sagen „Du bist böse“


Seelenwalzer CoverGenerell habe ich den Eindruck gehabt, dass ihr schockieren, aber niemals glorifizieren wolltet. Meiner Meinung nach ging es darum, die inneren DÀmonen raus zu lassen und zu vertonen, ohne irgendwelche Bewertungen dazu abzugeben. Ich habe euch weder politisch, noch moralisch in irgendeine Schublade gesehen; wie seht ihr das und hat sich im Vergleich zu damals etwas verÀndert?

Da gebe ich Dir vollkommen Recht. Die Bewertung soll vom Zuhörer selber kommen, nur dann hat sie einen echten Wert. Ein altes indianisches Sprichwort sagt „Urteile nicht ĂŒber einen anderen wenn du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist“. Auf dem neuen Album wird auch wieder viel aus der Perspektive des „Bösen“ erzĂ€hlt, das hat sich nicht verĂ€ndert. Allerdings geht es auf „Totgeglaubt“ sehr viel um unsere Selbstverliebtheit und die FĂ€higkeit weg zu schauen. Wir haben viele aktuelle Themen wie Kindesmissbrauch (Ihr Kinderlein kommet) oder den Umgang mit FlĂŒchtlingen (Meeresblut) aufgegriffen – die Welt in der wir leben wird schlechter und man muss den Finger immer tiefer in die Wunde bohren, damit es richtig weh tut!

Das gesamte Album war fĂŒr mich eine Mischung aus krankem Scheiß und verborgener Schönheit; makabre Texte, griffige Riffs und gleichzeitig dreckige AtmosphĂ€re durch Soundcollagen. Wie kamt ihr damals auf die Idee?

Da war kein Plan dahinter; Soundcollagen oder Sprachsamples waren fĂŒr uns stets ein Instrument um AtmosphĂ€re zu schaffen. Wir machen Lieder ĂŒber „schmutzige“ Themen, da darf bzw. muss es auch schmutzig klingen.
Wenn man diese Songs schön transparent und glatt produziert, macht man doch irgendwie genau das, was wir anprangern: die Leichen vom Strand fegen und sich wieder sauber fĂŒhlen.

Genug von der Vergangenheit, lasst uns einen Zeitsprung machen und ins Jahr 2016 gehen. Da kam die Idee auf, SEELENWALZER auf die Welt los zu lassen. Wie kam es zu dem erneuten Zusammentreffen und was gab den Anstoß, die Band zu reaktivieren?

FĂŒr mich war das Thema nie wirklich begraben. Es gibt in `Jungfernflug` die Zeile „Und wenn die Zeit gekommen ist – dann werde ich es wieder tun“. Das habe ich 20 Jahre mit mir herumgetragen und wusste, dass es irgendwann passieren wĂŒrde! Als sich Sanjai nach langer Zeit bei mir gemeldet hat um mir neues Material seine Band SFB vorzuspielen, war der Geist geweckt und ich habe ihn gefragt ob er Bock hĂ€tte es wieder zu tun. Er hatte Bock, ebenso Gernot und Anfangs auch Dirk der dann aber wegen seiner Warpath-Reunion nicht die Zeit hatte, sich dem Projekt SeelenWalzer so intensiv zu widmen.
In Alexander Schmied, der mir aus der Zusammenarbeit mit seiner Band „Mor Dagor“ bekannt war, fanden wir dann den stimmgewaltigen Frontmann, der perfekt zu SeelenWalzer passt und den Songs das erforderliche Charisma verleiht!

Gab es Diskussionen, in welche Richtung der neue Sound gehen sollte?

Nein – ich hab einfach losgelegt und die Songs fielen mir förmlich aus dem Ärmel. Ich hab alles vorproduziert und die Jungs (Sanjai/Gernot/Alex) haben das Ganze dann perfekt gewĂŒrzt.

Euer Album hat den passenden Titel „Totgeglaubt“. Wie kam es zu der Namensgebung?

Das Thema Tod ist in mehreren Texten zentrales Thema, ebenso wie Glaube, da hat sich der Albumtitel förmlich aufgezwungen. Zumal er auch sehr gut zur Wiederauferstehung der Band passt.

Das Album wurde ja von euch bereits letztes Jahr in Eigenregie veröffentlicht. Warum wird es erneut aufgelegt?

Um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen! Das Feedback vor und nach dem privaten VÖ war durchweg sehr positiv und zwar sowohl von treuen Richthofen-Fans der Vergangenheit, als auch von solchen die noch nie von uns gehört hatten. Das war natĂŒrlich ein riesiger Ansporn fĂŒr uns, der Dank geht somit ganz klar auch an all jene die uns geschrieben und angefeuert haben – das habt Ihr jetzt davon!

Ihr habt jetzt bei Massacre Records unterschrieben; herzlichen GlĂŒckwunsch zu eurer Kooperation! Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Label?

Sabina Classen („Holy Moses“) hatte Michael Hansen von „Allegro Talent Music“ unsere CD zukommen lassen und der war so begeistert das er sich der Sache annahm und fĂŒr uns den Deal mit Massacre-Records klarmachte. Sabina ist ĂŒbrigens auch auf „Totgeglaubt“ als Gast-SĂ€ngerin zu hören („Meeresblut“). Außerdem werden auf dem Re-Release zwei zusĂ€tzliche Songs zu hören sein die wir in der Zwischenzeit aufgenommen haben, lasst Euch ĂŒberraschen.

Band2

Auf eurer Homepage kann man bereits einen ersten Eindruck vom Album bekommen; soundmĂ€ĂŸig ist es eine leicht modernisierte Version eures DebĂŒtalbums, wĂ€hrend textlich wieder alles beackert wird. Dabei macht ihr weder vor Veganern, noch vor den KinderschĂ€ndungsvorwĂŒrfen im Vatikan Halt. Wie kommt ihr auf die Texte bzw. gibt es fĂŒr euch anhand der Nachrichten und der weltlichen Lage genug Material, um die inneren DĂ€monen kreativ zu fĂŒttern?

Ich wĂŒrde mich schon als kleinen Nachrichten-Junkie bezeichnen. Ich denke, dass die wir mit Vollgas auf einen Abgrund zurasen – aber weil alle mitrennen fĂŒhlen, wir uns in „guter“ Gesellschaft und rennen mit, immer den persönlichen Vorteil im Visier. Wir verscherbeln Menschen, die vor Krieg und Armut flĂŒchten an Schurken-Staaten, dabei sind wir letztendlich alle fĂŒr deren Schicksal mit verantwortlich; sind wir es doch die auf Kosten Ă€rmerer LĂ€nder unseren Wohlstand ausbauen.
Leid und Elend wollen wir hier nicht sehen und um die Ursachen kĂŒmmern wir uns nicht.
Kinderarbeit – ok aber nicht bei uns! Sicherheit am Arbeitsplatz – bei uns ja, aber ansonsten drauf geschissen

Wie fressen Fleisch von grausam gequĂ€lten Tieren, solange wir deren Leid nicht vor Augen haben; beim Veganerlied geht es z.Bsp. darum das ein Tierfreund den Spieß einfach umdreht.

Die inneren DĂ€monen leiden schon an chronischem VöllegefĂŒhl bei einem so reichhaltigen Nahrungsangebot, ich habe leider keine Angst, dass uns da der Stoff fĂŒr Texte ausgeht.

Alleine die ersten Teaser des Albums machen schon Bock auf mehr; `Seele in Scherben` fĂ€ngt schon herrlich groovend an, wĂ€hrend `Falscher Freund` erst mit dem Stinkefinger lockt und dann los galoppiert. Auch die Kinderstimme zu Beginn von `Ich wĂŒrdÂŽ so gern nach hause gehen` in Kombination mit der Kriegsthematik lassen schon einen Kloß im Hals entstehen, wĂ€hrend `Ein Dorf` sehr schön beschreibt, wie derbe die Scheuklappen manchmal angelegt sind. Gerade die große Auswahl der Themen unserer Zeit (`KinderKrieger`) hĂ€lt uns einen hĂ€sslichen Spiegel vor, wo wir teilweise gesellschaftlich stehen. Wie denkt ihr darĂŒber?

Das ist die Absicht – schauen wir in den Spiegel und schĂ€men wir uns das wir all das zulassen!
FĂŒr mich ist die Musik ein Ventil, ohne das ich wohl irgendwann platzen wĂŒrde.
Es sind mitunter sehr dunkle Themen, manche aktuell, manche zeitlos. Wir schreiben nicht ĂŒber „shiny happy people“

Trotzdem sind wir keine grimmigen Menschen; wir haben bei der intensiven Entstehung des Albums nicht nur Schweiß, sondern auch TrĂ€nen vergossen, FreudentrĂ€nen wohlgemerkt und es wurde auch viel gelacht.

„Totgeglaubt“ ist ja bereits seit letztem Jahr im Kasten. Seid ihr schon an neuem Material dabei, oder lasst ihr euch Zeit dabei?

Sowohl als auch – es gibt schon wieder einige Ideen, aber wir nehmen uns die Zeit die es braucht. Jetzt freuen wir uns auf den VÖ und die Reaktionen und natĂŒrlich auf die ersten live-shows! – Doch wenn die Zeit gekommen ist, wird es sicher wieder neues Material von uns geben.

Stilistisch hat mal jemand gesagt, dass ihr wie eine Mischung aus Rammstein (in besser), Eisregen und Death Metal klingt. Was haltet ihr von dem Vergleich?

Wir fĂŒhlen uns natĂŒrlich geehrt, wenn wir mit so erfolgreichen KĂŒnstlern wie Rammstein verglichen werden. Wir stammen ursprĂŒnglich aus ganz verschiedenen Metalrichtungen und haben die unterschiedlichsten Musikvorlieben. Ob jetzt Holy Moses (Andy), Warpath (Dirk), Mor Dagor (Alex) oder sHIT fOR bRAINS (Gernot / Sanjai), stilistisch sind diese Bands meilenweit von Rammstein entfernt. Dennoch haben wir uns in einem gemeinsamen Genre wiedergefunden, das uns stimuliert hat.
Es wurde ein Kreativprozess in Gang gesetzt, dem wir freien Lauf lassen wollten. So konnten wir uns frei entfalten und unsere individuellen Talente einbringen. So war das damals bei Richthofen und so war es bei SeelenWalzer auch wieder.
Es ist nicht leicht uns in eine Schublade zu stecken und das ist auch gut so. Andererseits brauchen die Leute irgendeine Möglichkeit unseren Sound zu beschreiben.

Was hat sich gesellschaftlich eurer Meinung nach seit 1997 zum Besseren und was zum Schlechteren verÀndert?

Unsere Gesellschaft wird immer egoistischer. Heute lernen die Kleinsten schon, dass sie sich erstmal um sich selber kĂŒmmern mĂŒssen. Die sogenannte Ellbogengesellschaft ist lĂ€ngst zur RealitĂ€t geworden, genauso wie die immer grĂ¶ĂŸer werdende Kluft zwischen denen, die am Existenzminimum leben und denen, die eigentlich nicht mehr wissen können, was sie Sinnvolles mit all der Kohle anfangen sollen. Serien wie „die Geissens“ sollten doch eigentlich Wut und Protest gegen so viel Ungleichheit auslösen, aber das ist nicht der Fall. Gerade diejenige,n die nicht von unserem Wohlstand profitieren, schauen sich mit zunehmender Begeisterung an, wie andere das machen – das ist doch irgendwie krank!
Unsere Welt wird immer schnelllebiger – Internet / Handys etc. bieten zwar neue Möglichkeiten, rauben uns aber gleichzeitig sehr viel Zeit und alles wird immer unpersönlicher. Mir sagte neulich ein 16jĂ€hriger auf die Frage, wieso er stĂ€ndig sein Handy im Auge hat: „Wenn ich das nicht mache bin ich quasi nicht mehr existent“ Das hat mich ziemlich geschockt.

Seit „Seelenwalzer“ ist einige Zeit vergangen und man ist ja auch Ă€lter geworden (Familie, Job, usw.). Wie geht ihr damit um und welchen Einfluss hat das auf euer Songwriting?

Das trifft auf die meisten Bandmitglieder zu. Bei mir hat sich da allerdings gar nicht so viel verÀndert. Ich denke spÀtestens, wenn man eigene Kinder hat, verÀndert sich wohl die Sicht auf die Dinge.
„Ich wĂŒrd so gern nach Hause gehen“ ist zB. ein Song der sich mit dem Schicksal und der Zukunft der Kinder beschĂ€ftigt, die im Krieg aufwachsen und nicht nur ihre Kindheit verlieren


Wie muss man sich generell euer Songwriting vorstellen? LĂ€uft es noch old school im Proberaum ab oder schickt ihr euch einige Dateien per Mail hin und her?

Wie gesagt, SeelenWalzer ist genau wie damals Richthofen als „Projekt“ gestartet. Da gab es im Vorfeld ĂŒberhaupt keine Proberaum-Sessions, was allein wegen der Entfernung der beteiligten Musiker sehr schwierig gewesen wĂ€re.
Da nutzen wir die Möglichkeiten, die es heute gibt uns schicken uns die Songideen zu.

Wie kam es zu dem Cover und wie ist es entstanden?

Ich bin auf FB zufĂ€llig auf den KĂŒnstler (Markus Arnold) gestoßen und hab gleich gesehen, dass ihn Ă€hnliche Dinge beschĂ€ftigen wie mich und wir haben das Motiv aus seiner Sammlung ausgesucht. Auch die meisten Illustrationen in unseren Teasern sind von ihm.

Ihr habt bereits zu `Ihr Kinderlein kommet` ein Video gemacht. Wird es noch weitere geben? Nochmal so etwas krankes wie zu `Blut der Pferde` wÀre schön :)

Das Video zu Blut der Pferde ist einfach genial (falls es mir erlaubt ist das zu sagen).Da hatte die damalige Produktionsfirma allerdings großen Anteil daran – wir haben denen seiner Zeit nur den Song und ein paar vage Ideen geschickt und als wir ans Set kamen, hatten die alles perfekt vorbereitet. Das hat Mega Spaß gemacht. Leider wissen wir den Namen der Produktionsfirma nicht mehr; falls es Euch noch gibt und Ihr das lest – meldet Euch!
Aber so oder so wird es sicher wieder einen Clip geben, zu welchem Song haben wir allerdings noch nicht entschieden.

Können wir euch auch mal live sehen? Mit wem könntet ihr euch vorstellen zu touren und was wĂ€re euer Traumpackage, mit dem ihr gerne touren wĂŒrdet?

Wir wollen das Spektakel auf jeden Fall auf die BĂŒhne bringen. Da liegt aber noch ein großes StĂŒck Arbeit vor uns – wir wollen mehr als eine Handvoll Musiker die in schwarzen Klamotten die Songs runterspielen. Es wird noch ein Weilchen dauern aber das Warten soll sich lohnen! Mit wem? – da haben wir uns noch keine konkreten Gedanken gemacht, sowas kann man sich auch nicht immer aussuchen. Wichtig ist, dass wir uns so prĂ€sentieren können wie wir uns das vorstellen.

Danke fĂŒr eure Zeit und das Interview! Ich freue mich schon sehr darauf, „Totgeglaubt“ in voller LĂ€nge zu hören und mein (abschreckendes und gleichzeitig faszinierendes) Kopfkino genießen zu können. Einige abschließenden Worte an unsere Leser?

Ja: Wir möchten den treuen Fans von damals danken, dass sie sich gerne an Richthofen zurĂŒckerinnern und uns alte Herren wieder begrĂŒĂŸen. „Totgeglaubt“ ist fĂŒr Euch – aber auch fĂŒr alle anderen die mit uns den SeelenWalzer tanzen möchten – VORWÄRTS !!!

Radu

METALACADEMY

Posted by Radu On April - 2 - 2019

MA Banner

Einmal im Leben auf der BĂŒhne stehen, mit seinen Kumpels jammen oder einfach mal die Songs seiner persönlichen Helden nachspielen? Es gibt viele GrĂŒnde Gitarre zu lernen und noch viele Alben, die noch geschrieben werden wollen. Wie bringt man sich allerdings am besten Gitarre Spielen bei? Heutzutage gibt es zwar viele YouTube Videos und Online Akademien, allerdings geht bei der individuellen Betreuung nichts ĂŒber den old school Gitarrenlehrer. Dass er dabei Mentor, Berater und Kumpel sein kann, der auf seinen SchĂŒler individuell eingehen kann, verrĂ€t Björn von der METALACADEMY.

Hallo Björn , erzĂ€hl uns doch zu Anfang fĂŒr die Leser, die Metalacademy noch nicht kennen, etwas ĂŒber dich und deine Arbeit.

Hallo. Die MetalAcademy ist eine Musik- und Bandschule. Ich unterrichte hier das Fach Gitarre mit der Spezifikation auf Rock und insbesondere Metal. Willkommen ist jeder vom AnfĂ€nger bis zum Fortgeschrittenen, der sich entwickeln möchte. Als MetalAcademy habe ich die Vision SchĂŒlern das musizieren zu lehren und nicht einfach nur nach einem Schema X das Gitarre spielen beizubringen, wie es leider heute immer noch an vielem Musikschulen praktiziert wird. Der Gitarrenunterricht muss meiner Meinung nach so individuell gestaltet werden wie der/die SchĂŒler/-in ist.

Bands können in der MetalAcademy in Erfahrung bringen wie sie sich am besten organisieren und strukturieren und wie sie einfache Marketinginstrumente fĂŒr sich zu eigen machen, um beispielsweise ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und mehr Leute zu ihren Konzerten zu ziehen. Das Bandcoaching ist nicht als rein musikalisches Coaching zu sehen, sondern vielmehr als betriebswirtschaftliches Coaching. Eine Band sollte sich daher mehr als Unternehmen verstehen, wenn sie konkrete Ziele haben, die sie erreichen wollen. Diese Ziele arbeiten wir gemeinsam aus und ich zeige Ihnen den roten Faden auf.

Wann kam bei dir der Wunsch auf, andere Leute zu unterrichten und wie hat sich das bei dir (im Laufe der Jahre) entwickelt?

Nkörn2Der Wunsch Leute zu unterrichten geht mehr als 12 Jahre zurĂŒck. Damals hatte ich im Abendgymnasium das Abitur nachgeholt und habe mich auf die AufnahmeprĂŒfung an der UniversitĂ€t vorbereitet. WĂ€hrenddessen habe ich schon die ersten SchĂŒler unterrichtet, Der Wunsch kam auf, weil ich im Zusammenhang mit der AufnahmeprĂŒfung selbst nach Jahren wieder Unterricht genommen hatte und sehr viel Spaß beim Lernen hatte. Ich wollte unbedingt mein Wissen weiter geben und andere sehen wie sie sich durch mich entwickeln. Zu unterrichten hat mir immer großen Spaß gemacht.

Des Weiteren will ich dazu beitragen, dass sich die akademischen Musiker von ihrem Standpunkt bewegen. Es mag sein, dass die höchste Kunst der Musik in der klassischen Musik und meinetwegen auch im Jazz vorzufinden ist, aber was wollen denn die SchĂŒler? Meiner Meinung nach reicht es nicht aus jede Musikrichtung zu verstehen und in AnsĂ€tzen erklĂ€ren zu können. Wer vermitteln will, der muss auch verstehen was dazu gehört und das bedarf der Spezialisierung. In allen Bereichen wird spezialisiert, aber in der Musik viel zu wenig.

Da mir privat Metal am besten gefĂ€llt und ich der Überzeugung bin, dass dies einfach ein lĂ€ngst ĂŒberfĂ€lliger Schritt der Zeit ist, unterrichte ich Metal- und Rockgitarre. Weil ich glaube, dass es das ist was die Leute heute lernen wollen und nicht klassische Musik oder Jazz.

Wie kam es zu der Idee, die Metalacademy zu grĂŒnden?

Die Idee zur GrĂŒndung der MetalAcademy geht weit zurĂŒck. Ich weiß nicht genau wann mir diese Idee zum ersten Mal kam, aber Grundgedanke war der, etwas zu machen, dass es so noch nicht gibt.

Zum einen die Betriebswirtschaft mit der Musik innerhalb einer “Schule” zu verbinden und insbesondere Bands, aber auch Einzelmusiker, den Blick auf das Große-Ganze zu eröffnen.
Auf der anderen Seite einen Musikunterricht zu gestalten, wie es ihn so noch nicht gibt, nĂ€mlich spezifiziert auf ein Genre und immer mit einem konkreten Ziel vor Augen, damit der SchĂŒler auch erkennt warum er gerade diese Übung macht und nicht die Skalen aus dem Buch auswendig lernt, oder einen Song ĂŒbt den der Lehrer gut findet.

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass es sehr viele Bands und Musiker gibt die z.B. zu FĂŒnft in ihrem Proberaum stehen, Songs gemeinsam komponieren, der Meinung sind sie mĂŒssten mindestens zweimal in der Woche Proben um ihre Setlist auszubauen, mindestens 1 Konzert im Monat spielen wollen und sich jedes Mal nach dem Gig fragen: “Wieso waren wieder nur die gleichen Leute da?” Wem das so gefĂ€llt -super! Wer mit seiner Musik aber weiter möchte und Ziele hat, und wenn es nur darum geht mal in einer anderen Stadt aufzutreten, der sollte den Blick ĂŒber den Tellerrand wagen. Dabei möchte ich helfen und habe das Bandcoaching entworfen.

Jeder von uns Musikern kennt das: Ein Jazzer kann eventuell etwas Metal spielen, aber er klingt dabei wie ein Jazzer und ein Metaller kann vielleicht Jazz spielen, klingt dabei aber immer noch wie ein Metaller. Die meisten Lehrer gestehen sich dies aber nicht ein, drum unterrichten sie alles. Ich persönlich kann einem SchĂŒler kein Jazz beibringen, weil ich es nicht fĂŒhle. Allein mein Saitenanschlag wird niemals nach Jazz klingen und deswegen unterrichte ich schnelle, harte Musik. Weil’s halt geiler ist.
Der Unterricht verlĂ€uft in der MetalAcademy nicht steif nach einem Buch oder einer Vorgabe. Der SchĂŒler setzt die Ziele und damit bestimmt der SchĂŒler den Unterricht. Er lernt das was er braucht und deswegen gibt es in der MetalAcademy fĂŒr jeden SchĂŒler einen individuellen Lehrplan – adressatengerecht und zielgerichtet.

Mit diesem Aufbau und der Sehnsucht etwas zu arbeiten, dass mich erfĂŒllt, hat sich dann die Idee zur GrĂŒndung der MetalAcademy gefestigt

Dein Unterricht versteift sich nicht nur auf den Metalstil, sondern bezieht auch noch andere Richtungen mit ein. Wie wird die Dynamik des Metal mit den anderen Techniken vermittelt?

Zu aller erst ist es wichtig zu wissen wo der/die SchĂŒler/-in hin möchte, was er/sie mit dem Spielen der Gitarre verbindet sowie auch welche Vorkenntnisse gegeben sind und welche Bands er/sie hört.
Der SchĂŒler steht bei mir im Vordergrund, deshalb wird auch nur gelehrt was gelernt werden will. So ist die Motivation doch am grĂ¶ĂŸten.

Auf meiner Homepage werbe ich explizit fĂŒr Rock- und Metalmusik. Die beiden Richtungen umfassen sehr viel und sind gleichzeitig sehr verwandt. Der Unterrichtsstoff ist aber sehr individuell. Wer zu mir kommt, um Punk mit seiner Gitarre zu spielen, dem zeige ich was dafĂŒr nötig ist. Kommt eine SchĂŒlerin zu mir, um Classic-Rock-Gitarre zu lernen, dann zeige ich ihr die wesentlichen Merkmale dafĂŒr. Habe ich einen SchĂŒler der ausschließlich Black Metal spielen möchte, dem zeige ich selbstverstĂ€ndlich was die CharakterzĂŒge dessen sind.

GuitarEgal, welche Richtung es ist das Instrument bleibt dennoch das Gleiche. Wir spielen daher Skalen, Songs, Übungen und lernen Noten, Intervalle und alle technischen sowie stilistischen Mittel die nötig sind, um dem SchĂŒler ans Ziel zu bringen. Da muss man dann eben im Endeffekt unterscheiden was der SchĂŒler braucht um an sein Ziel zu kommen. Das ist eben ein wesentlicher Bestandteil, worin sich die MetalAcademy von konventionellen Musikschulen unterscheidet. Gehe ich mal von meiner eigenen Erfahrung aus: Ich habe an einer stĂ€dtischen Musikschule gelernt. Ich wollte harte Musik spielen, mein Lehrer war ein Blueser und wir sind zwei Jahre lang ein Lehrbuch durchgegangen mit dem ich Beatles, die Rolling Stones und Co. gespielt habe. Nichts gegen diese Bands, aber fĂŒr den Unterricht war es nicht adressatengerecht. Nach diesen zwei Jahren erwĂ€hnte ich das Solospiel und wir nahmen wieder nur ein Buch zur Hand und klinperten wahrlos jegliche Licks von diversen Interpreten runter. Das war dann auch nicht sehr zielfĂŒhrend.

Zudem wurde mir spĂ€ter von vielen SchĂŒlern gesagt, dass ihre vorherigen Lehrer sich viel zu gerne selbst spielen gehört haben. Sie wurden kaum unterrichtet, sondern die Lehrer waren in ihrer spielerischen Selbstverliebtheit so gefangen, dass es mehr darum ging Anerkennung vom SchĂŒler zu ernten. Ich schweife ab, Entschuldigung. *lacht* Was ich sagen möchte ist, dass ich in dem Unterricht ganz universell mit den SchĂŒlern verfahre und das bezieht sich eben auch auf die Genre die der oder die SchĂŒler/-in lernen möchte. Es ist wichtig sich auf den SchĂŒler einzulassen und daraus resultiert dann auch das didaktische Material fĂŒr den SchĂŒler.

Auf deiner Seite schreibst du dass, sich dein Unterricht von den anderen abhebt, indem du auf die individuelle Situation deiner SchĂŒler eingehst. Gibt es da ein Grundkonzept, wird ein individueller Plan erstellt oder wie lĂ€uft es konkret ab?

NatĂŒrlich gibt es ein Grundkonzept. ZunĂ€chst lernt man sich in der Probestunde etwas kennen. Daraus ergibt sich dann auch das Ziel des SchĂŒlers. Anhand des Ziels, schreibe ich dann einen individuellen Lehrplan. Dieser Lehrplan ist so flexibel gestaltet, dass kein Druck entstehen kann, d.h. also wir legen keine Meilensteine fest, die ab Tag X erfĂŒllt sein mĂŒssen. Dennoch muss der SchĂŒler nach jeder Stunde das GefĂŒhl haben “heute habe ich DAS gelernt” oder zumindest besser verstanden. Der Plan beinhaltet im Wesentlichen das didaktische Vorgehen, also bildet den roten Faden. Das methodische Vorgehen ergibt sich mit der Zeit, da man erst noch heraus finden muss, was fĂŒr ein Lerntyp der SchĂŒler bzw. die SchĂŒlerin ist.
Hier ergibt sich dann auch das hauptsĂ€chliche Alleinstellungsmerkmal der MetalAcademy im Gitarrenunterricht, denn eine stĂ€dtische Musikschule kann nicht fĂŒr jeden SchĂŒler einen individuellen Lehrplan schreiben. Der Verwaltungsaufwand und die Kosten wĂ€ren viel zu groß. Die PlĂ€tze an der MetalAcademy sind hingegen sehr begrenzt, was mir eine viel grĂ¶ĂŸere Dynamik ermöglicht.

Was passiert wÀhrend einer Probestunde?

Bei der Probestunde geht es hauptsĂ€chlich darum sich kennen zu lernen und heraus zu finden, ob man sich sympathisch ist und wie man im Folgenden den Unterricht gestalten könnte. Vielen SchĂŒlern muss man darĂŒber hinaus noch diverse Ängste nehmen, die sich irgendwann mal eingeschlichen haben. Viele Leute haben z.B. Angst Noten lernen zu mĂŒssen. Da sage ich dann immer: “Wir können ohne Noten verfahren, leichter wĂ€re es aber mit Noten” und “bisher hat es bei mir jeder ohne Probleme gelernt”. Ich verstehe nicht woher diese Angst kommt.

Dann geht es noch darum die Vorkenntnisse auszuloten, was gar nicht so leicht ist. Da muss man schon viel Fragen und im Nachgang trotzdem Korrekturen vornehmen.

Wir machen dann etwas neues fĂŒr den SchĂŒler. Auf diese Weise kann ich mir dann z.B. auch schon die Haltung ansehen. Bei fortgeschrittenen Gitarristen kommt die Spieltechnik hinzu.
Zwischendurch sprechen wir natĂŒrlich viel ĂŒber Musik im allgemeinen, Bands und was der/die SchĂŒler/-in sonst so macht.

Zum Schluss wird das weitere Vorgehen besprochen.

Du hast selbst auch Gitarrenunterricht genommen; welche Aspekte sind dir beim Lernen besonders wichtig gewesen und in wie weit hat die Chemie zwischen Lehrer und SchĂŒler Auswikrungen darauf?

Ich weiß, dass die Chemie zwischen SchĂŒler und Lehrer enorm wichtig ist. Lernen kann man am besten wenn man Spaß dabei hat und wer Spaß hat, ist sich auch eher sympathisch.
GlĂŒcklicherweise habe ich mich bisher mit all meinen Gitarrenlehrern gut verstanden.

Abgesehen von dem Spaß daran etwas neues zu lernen, war mir immer wichtig, dass es mich auch spielerisch weiter bringt. Das setzt auch voraus, dass ich als SchĂŒler mehr spiele als der Lehrer, denn wie will er mich denn korrigieren bzw. wie kann ich mich verbessern, wenn der Lehrer die meiste Zeit spielt und/oder erzĂ€hlt.
Zudem war mir immer wichtig, dass der Lehrer mich inspirieren kann und das geht halt nur, wenn ihm die Musik gefĂ€llt, die mir auch gefĂ€llt. Hier kommt dann wieder die Chemie zwischen SchĂŒler und Lehrer zum tragen.

Was denkst du ĂŒber Online-Gitarrenunterricht?

In Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung ist es sicherlich ein erforderlicher Schritt den dieser Markt eröffnet. Auch viele Unternehmen bieten heute online Training on the job an. Das bietet viele Vorteile fĂŒr die Unternehmen. Beispielsweise werden die Mitarbeiter geschult, Unternehmen sparen sich die Raumkosten und oft sind auch die Dozentenhonorare niedriger, da diese keine Anfahrtskosten haben. Bezogen auf den Gitarrenunterricht muss man sich zuerst mal konkret das Medium Internet anschauen und welche Software ggf. dafĂŒr bereit steht. Da muss man dann zwischen live-Unterricht und Videokurse unterscheiden, wo du dir als SchĂŒler nur eine Lektion nach der anderen ansiehst. FĂŒr den live-Unterricht gibt es nur wenige Programme die es ermöglichen via Videotelefonie zu unterrichten und diese sind dafĂŒr nicht konkret ausgelegt. Hinzu kommt, dass beide Seite sehr stark von der Internetverbindung abhĂ€ngig sind und wenn sich das Internet aufhĂ€ngt leidet massiv die QualitĂ€t des Unterricht. Außerdem hast du als Lehrer nur eine gewisse Zeit fĂŒr den SchĂŒler, wĂ€hrend der nĂ€chste SchĂŒler schon in den Startlöchern auf dich wartet. Ein weiteres großes Manko sehe ich in der BildqualitĂ€t. Selten hat man die optimale Ausleuchtung und den Bildfluss, der benötigt wird um als Lehrer zum Beispiel die Gitarrenhaltung des SchĂŒlers adĂ€quat zu bewerten. Zudem kann es Latenzen geben, so dass man als Lehrer gar nicht beurteilen kann, ob der SchĂŒler gerade auf dem Punkt spielt. Wie gestaltet man also so einen online Gitarrenunterricht, um diese NegativeinflĂŒsse zu vermeiden? FĂŒr mich ist das aktuell gĂ€nzlich ausgeschlossen, denn ich möchte meinen SchĂŒlern einen qualitativen Unterricht bieten. SchĂŒler brauchen die Korrektur und die kannst du als Lehrer nur von Angesicht zu Angesicht gewĂ€hrleisten. Aus diesem Grunde sind auch Videokurse fĂŒr mich gĂ€nzlich ausgeschlossen. Wenn ich als Lehrer nicht genau sehe und höre was der SchĂŒler macht, kann ich darauf auch nicht eingehen. Das sind dann am Ende die SchĂŒler die den Kurs frustriert abbrechen, weil sie niemand korrigiert hat und sie auf ihre Fehler aufmerksam gemacht hat. Abweichend betrachte ich das wenn es um reinen Theorieunterricht geht, oder wenn der SchĂŒler entsprechend fortgeschritten spielt und nur leichte Hilfestellungen benötigt. Auch kleine online-Workshops halte ich fĂŒr möglich. Ich halte das Thema Online-Unterricht aber definitiv stark im Fokus, da sich daraus auch große Vorteile ergeben können. Ich möchte nicht ausschließen, dass es die MetalAcademy auch mal als Online-Unterricht geben wird. Geplant ist es in Zukunft aber nicht.

Welche Bands haben dich am meisten inspiriert und warum?

Ich glaube die absolut inspirierenste Band ist fĂŒr mich seit sehr sehr langer Zeit Opeth. Ich kenne keine zweite Band die vielseitiger ist und mehr einfach nur das macht was sie gerade will. Ich finde das Ă€ußerst sympathisch. Was mich an Opeth so inspiriert ist, dass sie in gewisser Weise meinem eigenen Gitarrenstil unglaublich nah kommen und gleichzeitig immer wieder neue Elemente einbringen, auf die ich selbst nicht gekommen wĂ€re.

Was mich aber damals u.a. zum Gitarre spielen gebracht hat war Slash. Wer ist vorher auf einem FlĂŒgel gestiegen und hat ein Solo gespielt, dass so unbeschreiblich melodiös war wie kein zweites, oder stand allein in der WĂŒste und hat die Rebellion und Musik verkörpert wie kein anderer?
Ich war nie ein riesen Guns’n'Roses Fan, aber bei dem Gedanken daran, kriege ich heute noch eine GĂ€nsehaut. *lacht* Ich musste einfach Gitarrist werden!

Gary Moore ist und bleibt meine Nummer 1. Niemand hat je so viel Melodie, Technik und Gejammer in Einklang gebracht wie er und mit so viel GefĂŒhl gespielt. Ansonsten sind es wohl all die großen Bands die jeden von uns Metallern inspiriert haben: Metallica, Iron Maiden, Dream Theater, AC/DC, etc. Ich mag auch viele “moderne” Bands wie Arch Enemy, Wintersun, Dragonforce, Children of Bodom usw.

Gib mir ein Bier und ich fĂŒhre diese Liste unendlich fort -

Savatage, Conception, Racer X, Mr. Big, Eddie Van Halen, Steve Vai…

…oder zwei -

Orden Ogan, Gloryhammer, Insomium -

Ich persönlich unterscheide da lieber in Musik und alles andere.
Ich denke aber ich habe hiermit so grob die wichtigsten Bands/Musiker genannt.

Als Metalfan: wo kann man dich auf der freien Wildbahn (Konzerte, Festivals) treffen, wenn du mal nicht unterrichtest?

BjörnIm Moment muss ich ehrlich gestehen ist es recht unwahrscheinlich mich auf einem Festival zu sehen. Ich konzentriere mich aktuell sehr auf meine Arbeit und ein Musikprojekt. Da kommt selbst meine Familie oft zu kurz. Ich bin aktuell sehr mit dem Marketing der MetalAcademy beschĂ€ftigt. Außerdem bin ich immer dabei neue Ideen auszuarbeiten. Ich habe noch viele PlĂ€ne, die auch erst mal ausgearbeitet werden mĂŒssen. Gerade jetzt zu Anfang ist es da schwer noch Freizeit zu finden fĂŒr AktivitĂ€ten wie Festivals.

Das Musikprojekt beschrÀnkt sich aktuell sehr stark darauf, geeignete Musiker zu finden, was leider ebenfalls viel Zeit raubt.
Da bleibt fĂŒr Konzerte schon mal eher Zeit, aber auch das kommt nicht allzu hĂ€ufig vor. Zurzeit zieht es mich sehr dahin kleine Bands mit meinem Besuch zu unterstĂŒtzen. Da bringe ich auch gerne mal die ganze Familie mit, um die Abendkasse aufzubessern. (Scherz)
Wenn ihr also in der Gegend auftretet, informiert mich und ich schaue was ich machen kann. Über Facebook bin ich sehr gut zu erreichen und antworte auch jedem. Ich habe mittlerweile viele nette Leute ĂŒber Facebook kennen gelernt und bin sehr dankbar dafĂŒr, dass meine Community tĂ€glich wĂ€chst. Ich hoffe natĂŒrlich sehr, dass es so weiter geht. Ich nehme das alles wahr was gerade passiert und genieße das. Ich weiß das sehr zu schĂ€tzen – auch dass ich jetzt hier diese Möglichkeit eines Interviews habe. Danke.

Ihr habt Bock darauf Björn kennen zu lernen und eine kostenlose Probestunde bei ihm zu absolvieren? Checkt seine Homepage METALACADEMY und schnuppert einmal rein! Neben Gitarrenunterricht findet ihr hier auch Bandcoaching, einen interessanten Blog ĂŒber den Gitarrenkauf und bereits das erste Video.

Radu

INTERVIEW:FORTY SHADES

Posted by Radu On Oktober - 14 - 2018

Forty Shades BAnner

Das Seitenprojekt des (ehemaligen) Gitarristen und SĂ€ngers Tosse FORTY SHADES ist mit seinem zweiten Album am Start. Wir plauderten etwas ĂŒber die Entstehung von “Blackstar Diamond”, die Apokalypse und VerĂ€nderungen im Leben.

Hallo und erstmals danke fĂŒr die Gelegenheit mit euch zu plaudern. Seit der Veröffentlichung von „Blackstar Diamond“ sind einige Monate ins Land gezogen. Wie geht es euch zurzeit und welche Reaktionen gab es bereits?

Nachdem es die letzten Monate einige Besetzungswechsel gab und wir uns von unserem Management getrennt haben, stellt sich so langsam wieder etwas wie Bandalltag und Routine ein. Die letzten beiden Gigs im September haben gezeigt, dass das neue Team sehr gut funktioniert und zusammen passt. Neu sind Tune Thon Bauer- Gitarre, Joe Hammer Wenger- Gitarre und Gode Hard Warth- Bass. Die Reaktionen auf das Album sind durchweg positiv- ist es auch eher ungewöhnlich ein konzeptionelles Album als zweiten Output zu bringen. Da das natĂŒrlich musikalische Konsequenzen
mit sich bringt, die nicht gerade der TĂŒröffner fĂŒr kommerziellen Erfolg darstellen.

Wie kam es zu dem Projekt FORTY SHADES und warum habt ihr ausgerechnet diesen Namen verwendet? Hat er fĂŒr euch eine tiefere Bedeutung?

Dem Namen FORTY SHADES liegen zwei AnsĂ€tze zu Grunde: Zum Einen gab es schon zu Beginn der Findungsphase turbulente Zeiten, als die Band noch NAGOR MAR (Dunkles Meer) hieß und mit der SĂ€ngerin Manuela Kraller (Ex- XANDRIA) arbeitete. Da gab es schon beim Übergang zu FORTY SHADES entsprechend viele Besetzungswechsel und viele Auditions, die unsere Keyboarder Tobi bezeichnender Weise als ein Kommen und Gehen von Schatten erlebte.
Warum wir uns dann gerade fĂŒr 40ig entschieden, liegt an dem Ausspruch der Iren ‘Forty Shades of Green‘ fĂŒr ihre abervielen GrĂŒntöne ihrer Landschaften und HĂŒgelketten, die Johnny Cash schon in eben diesem Titel ausfĂŒhrlich beschreibt. Da wir aber weniger schöne Farben beschreiben, als denn eher Stimmungen wie Gloom, Doom, Pain und Darkness, haben wir die Begrifflichkeit ‘Forty Shades
‘ mehr im Sinne wie GOREFEST auf ihrem Album ‚Soul Survivor‘ verwendet; also wie z.B. Die vierzig Schattierungen der Trauer
des Schmerzes
 der Dunkelheit
usw., um die Stimmung unserer Musik zu umschreiben.
Als ich dann eine Annonce aufsetzte, in der ich eine Band suchte, mit der ich meine musikalischen Visionen verwirklichen könnte, meldete sich unter anderen Tobi aus der Schweiz und alles nahm seinen Lauf


Es handelt sich gerade um euer zweites Album; wie seid ihr an das Songwriting ran gegangen? Gab es Unterschiede im Vergleich zu eurem DebĂŒt?

Beim Debutalbum ‘Camera Silens‘ war bereits zum Zeitpunkt meines Einstiegs der Löwenanteil des musikalischen Materials geschrieben, so dass ich meine Lyrix und Vocals an die nahezu fertigen Songs angepasst habe und hierbei auch noch mit ‘Growls‘ arbeitete. Beim BSD- Album haben wir schon in der Vorproduktion viel mehr in das Songwriting eingegriffen, was ĂŒberwiegend den konzeptionellen Lyrix geschuldet war. Auf Growls habe ich weitestgehend verzichtet, weil das meiner Meinung nach den Songs von BSD wenig zutrĂ€glich ist und von meinem Gesangsstil her auch eher den schwĂ€chsten Anteil darstellt.

FĂŒr mich persönlich waren viele gute Momente auf dem Album, die ich leider zu weit voneinander verteilt empfunden habe. Ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht, dass ihr euer Talent komprimiert und griffige Riffs, sowie epische Synthesizerteppiche innerhalb eines Songs ausspielt (getreu dem Motto- weniger ist mehr. Ist aber nur meine Meinung und ich wollte nur konstruktive Kritik anbringen). Hattet ihr zu Beginn des Songwritings bereits einen Masterplan, oder haben sich die Songs wĂ€hrend des Jammens ergeben?

In der Entstehungsphase von BSD bin ich durch meine Recherchen ĂŒber die griechische Mythologie und dem Tarot von Aleister Crowley auf die lyrische Auseinandersetzung von Erwin Reisner (* 19. MĂ€rz 1890 in Wien; † 12. Juni 1966 in Berlin, österreichischer Theologe, Prof. der Philosophie,Theaterkritiker), ‘Der Gott und der Götze‘ gestoßen. Diese hat mich wiederum an die esoterische Weltanschauung von Robert A. Monroe (* 30. Oktober 1915; † 17. MĂ€rz 1995, Parapsychologe und
Wissenschaftler) in seinen BĂŒchern‚ ‘Der Mann mit den zwei Leben‘ und ‘Expedition jenseits der Schwelle‘ erinnert, mit der ich mich Mitte der ‘80er intensiv beschĂ€ftigt hatte. Dadurch entstand die Vision fĂŒr das Album BSD, ausgehend von der Vorstellung, man wĂŒrde annehmen, das alles was in diesen Schriften steht bewiesen wĂ€re. Von Wissenschaft, Religion, Politik und Menschheit, als wahrhaftig und real akzeptiert und anerkannt. So sind wir dann auch an das Songwriting herangegangen, was zur Folge hatte, dass das Ganze eher wie eine Oper rĂŒberkommt- eine Metal Oper. Das erklĂ€rt auch das Fehlen klassischer Songstrukturen und eindeutiger Verse, Strophen und Refrains.

Die Geschichte ist recht apokalyptisch gehalten; was hat euch dazu inspiriert und wie kam die Idee auf, ein Konzeptalbum zu machen?

Die Thematik auf BSD ist gewiss kein neues PhÀnomen, aber aktueller denn je

Die Welt ist voller Götzen und selbsternannter Halbgötter, die mit modernster Kriegsmaschinerie hantieren, wie mit Figuren in einem Brettspiel- Kampfdrohnen, satellitgesteuerte Verteidigungssysteme, Söldner, Sklaven- Menschen, die wie Schafe gehalten werden und Naturereignisse, wie z.B. verheerende Erdbeben (gerade aktuell), Tornados und KlimaverĂ€nderungen, die unzĂ€hlige Menschenopfer fordern und noch fordern werden
 Als ich anfing BSD zu schreiben, entstand eine schlĂŒssige in sich vollstĂ€ndig abgeschlossene Geschichte. Nun bestand die Aufgabe darin im Folgenden Kompositionsprozess, die Geschichte in sinnvolle, auf die einzelnen Songs ĂŒbertragbare Teile zu verfassen und anzupassen.

Mittlerweile hat sich auch etwas bei dir (Tosse) getan; du bist bei Crematory ausgestiegen, um beruflich neue Wege zu gehen. Wie geht es dir mit der Entscheidung und was bedeutet das fĂŒr FORTY SHADES?

Ich finde es sehr schade, dass sich mein berufliches Leben nicht mehr mit CREMATORY vereinbaren lÀsst. Es war eine sehr schöne und aufregende Zeit, mit einer professionellen Band arbeiten und unterwegs sein zu können.
Der Punkt ist der, dass es nicht möglich ist, bei solch einer Maschinerie, mit Bookingfirma, Management und Plattenfirma, die Touren und AlbumplĂ€ne festlegen, als einzelner Musiker da Abstriche zu machen. Man muss dazu sagen, dass CREMATORY aus privaten und beruflichen GrĂŒnden schon lĂ€nger keine großen Touren mehr spielt. Heißt aber wiederum, dass von April bis Juni quasi alle Wochenenden, Feiertage, einschließlich BrĂŒckentage verplant werden mĂŒssen. Und genau darin besteht fĂŒr meine berufliche VerĂ€nderung als Therapeut im sozialen Bereich, mit Bereitschaftsdienst und aktuell dem Aufbau einer neuen Einrichtung, das Problem. FORTY SHADES tangiert das weniger. Erstens wegen der geringeren Anzahl an Konzerten, bzw. mal einer Kurztour von 3-5 Tagen. Aber das entscheidende ist, dass jeder einzelne Musiker von vorneherein bei der Planung dabei ist. Das heißt, kann ein Bandmitglied zu einem bestimmten Termin nicht, wird das Konzert oder die Tour entsprechend verschoben oder eben einfach nicht gespielt. FĂŒr den Schritt ganz ins professionelle Lager ĂŒberzuwechseln, ist der Verdienst in meinem Fall zu gering, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Zudem kommt, dass mir das Business zu unsicher ist und ich meine berufliche TĂ€tigkeit, die ich schon seit 20 Jahren ausĂŒbe, sehr gerne mache und neben der Musik eben auch Berufung ist.

Bei den Promo Fotos und auf dem Video sieht man euch verhĂŒllt und mit Masken; warum habt ihr euch fĂŒr dieses Image entscheiden?

Die Performance geht Hand in Hand mit dem Konzept des Albums BSD. Wir versuchen die Geschichte so authentisch wie möglich zu prÀsentieren, musikalisch, wie auch im Auftreten.
Da sind wir fĂŒr unsere Liveauftritte auch permanent am Optimieren. Es soll interessant, aber vor allem unterhaltsam sein.

Welche PlĂ€ne habt ihr fĂŒr die Zukunft? Wird es eine Tour oder noch ein Video geben, oder arbeitet ihr bereits an neuem Material?

Wir haben zum BSD- Album zwei Videos gedreht, wobei wir ‘God and the Idol‘ bereits veröffentlicht haben. Das zweite Video ‚‘Snowball‘ wird erst im FrĂŒhjahr 2019 erscheinen, da wir hierzu noch eine Single mit zwei weiteren Songs herausbringen möchten. Warum ausgerechnet ‘Snowball‘- eine traurige Trennungsballade und nicht der reprĂ€sentativere Titelsong ‚‘Blackstar Diamond‘? ‘Snowball‘ habe ich bereits 2004 mit meinem Schlagzeuger Alex Koch (AVALANCHE), der das Piano spielte geschrieben. Wir haben den Song mit fĂŒnf weiteren Songs in kleiner Auflage als EP herausgebracht. Mein persönlicher Wunsch war immer, diesen Song einmal einem grĂ¶ĂŸeren Publikum vorstellen zu können und so kam es, dass Alex sein Ok dazu gab, das ich den Song mit FORTY SHADES noch einmal aufnehmen und veröffentlichen wollte. Somit ist ‘Snowball‘ auch der einzige Song, der nicht mit dem Konzept von BSD verknĂŒpft ist. Ansonsten werden wir weiterhin einzelne Gigs absolvieren und an neuem Material sind wir eigentlich permanent am Arbeiten. Nicht zuletzt, da Tobi (Keys), quasi rund um die Uhr am Komponieren ist. Stand von heute, kann ich mir vorstellen, dass wir 2020 ein neues Album herausbringen werden. Aber ich glaube nicht, dass es wieder ein Konzeptalbum wird.
Das wird wohl eher ein einmaliges PhĂ€nomen bleiben
aber wer weiß, was uns bis dahin noch umtreibt(-;

Auch wenn das Album bei mir nicht komplett gezĂŒndet hat, ziehe ich den Hut vor eurem Talent und dem spielerischen Können! Ich wĂŒnsche euch weiterhin alles Gute mit FORTY SHADES! Einige abschließenden Worte an eure Fans?

Besucht auch Konzerte kleinerer Bands
haltet die Szene am Leben und unterstĂŒtzt den Underground
Thanx for your support! Stay tuned! C.y.a

INTERVIEW: ATROCITY

Posted by Radu On August - 29 - 2018

Atrocity Band

Der zweite Teil der “OKKULT” Trilogie ist raus und beglĂŒckt Death Metal Fans alter Schule und Geschichtsnerds gleichermaßen. Wir sprachen mit Alex Krull und Tosso von ATROCITY ĂŒber Menschenfresser, den Anfangstagen der Szene und dem Fußballdebakel.

Hallo und erstmal herzlichen GlĂŒckwunsch zum zweiten Teil eurer „Okkult“ Trilogie! Ich habe mich sehr gefreut, dass ihr, was bei der „Masters Of Darkness“ EP angedeutet wurde, auch mit dem Album konsequent durchgefĂŒhrt habt. Wie geht es euch jetzt kurz nach dem Release?

Alex: „Vielen Dank, es geht uns prima!! Es lĂ€uft fantastisch mit dem neuen „Okkult II“ Album! Die Resonanzen von den Fans und Medien sind mega, und wer hĂ€tte das gedacht, dass man mit einem derartig hartem Album die Album- und Club Charts so aufmischen kann ;) “

Tosso: „Heeeaalllich! Wir sind extrem glĂŒcklich mit dem neuen Album. Songs und Sound knallen voll rein!!“

Ihr seid dafĂŒr bekannt, auf jedem Album eine neue Überraschung abzuliefern und euch nicht auf einen Stil fest zu legen. „Okkult II“ ist erneut ein waschechtes Death Metal Album geworden; war die Stilrichtung der Trilogie bereits im Vorfeld klar, oder kam das recht spontan?

Alex: „Klar, wir wollten fĂŒr die epische OKKULT Trilogie ein Fass aufmachen, und die BrutalitĂ€t von Death Metal mit dunklen, atmosphĂ€rischen und Horrorfilm-artigen Elementen kombinieren. Bei der OKKULT II hat der HĂ€rtegrad sogar noch zugelegt, und es sind im Vergleich zur ersten OKKULT Scheibe weniger symphonische Elemente vertreten, sondern noch mehr messerscharfe Riffs!“

Okkult IIEin Wort zur Aufmachung; wie ist das Cover entstanden? Im Vergleich zur ersten Scheibe hat es zwar einen okkulten Touch, hÀtte aber auch problemlos als Black Metal Cover durchgehen können (z.B. bei Marduk, die zur Zeit die Kriegsthematik vertonen).

Alex:“ Wir suchen ja immer ein bestimmtes Thema aus den verschiedenen Topics des Albums fĂŒr das Cover aus. Das „OKKULT II“ Artwork spielt natĂŒrlich auf die textlichen Elemente von „Masters of Darkness“ und dem Okkultismus im 3. Reich an. Unser Grafiker Heile hat wieder einmal einen Top Job gemacht, und ich finde die Umsetzung unserer Ideen absolut gelungen! Die Photosession dazu war gewaltig, und das Resultat spricht BĂ€nde.“

Gerade im Hinblick fĂŒr die Geschichtsnerds ist von allem etwas dabei: von menschenfressenden Vampiren (`Shadowtaker`), ĂŒber den Blutfluch (`Spell Of Blood`) bis zur Kriegsthematik (`Menschenschlachthaus`). Gibt es ein Thema auf dem Album, das dich persönlich am meisten bewegt hat?

Alex: „Sehr gute, aber auch sehr schwere Frage haha. Es gibt Songs mit persönlicher Bedeutung, die mir wichtig sind. Generell finde ich aber das gesamte OKKULT Konzept sehr spannend, und kann wirklich all den Thematiken etwas abgewinnen! Als Hörer kann man in die krassen Songs voll und ganz eintauchen! Mit Atrocity haben wir ja von jeher den Hang zu sehr dĂŒsteren Texten und Konzepten. Schon beim „Blut“ Album (1994) mit einem dunklem Vampirkonzept war es faszinierend Recherchen in Transilvanien, Heimat meines Grossvaters, anzustellen und tief in eine Thematik einzutauchen. Dann bei den sehr umfangreichen Arbeiten zum „Atlantis“ Konzept (2004) gab es eine unglaubliche Bandbreite von verschiedenen Quellen und BerĂŒhrungspunkten zu diesem Thema. Das ging von wissenschaftlicher, archĂ€ologischer Arbeit, mythologischen Sichtweisen ĂŒber esoterisch angehauchte Theorien, obskuren Auslegungen von Okkultisten im 3. Reich bis hin in die abgespacte Welt der Ufologie. FĂŒr mich wurde dann schnell klar, dass das nĂ€chste Konzept ĂŒber die Mysterien der Weltgeschichte und die dunkle Seite der Menschheit sein mĂŒĂŸte. Jedoch ein Album wĂ€re dafĂŒr nicht genug, und die Idee fĂŒr die „Okkult“ Trilogie war geboren.“

Neben der HÀrte gibt es auch viele bombastische Elemente zu hören, deren Chorpassagen von Katie Halliday (die bei der Produktion von SAW mitgewirkt hat) beigesteuert wurden. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Tosso: „Katie Halliday ist eine geniale Sounddesignerin aus Kanada, die zu Grusel-Blockbustern wie „The Saw“ die Soundeffekte geschaffen hat. Deshalb hatten wir die Idee sie fĂŒr die OKKULT-Trilogie mit an Bord zu holen und zu gewinnen. Katie hatte uns bei mehreren Nordamerika-Touren besucht und war sofort Feuer und Flamme mal mit einer Metal-Band zusammen zu arbeiten. Einige der Song-Intros zB. Shadowtaker, sind so noch furchteinflĂ¶ĂŸender geworden, haha :) Allerdings alle Chorpassagen und sĂ€mtliche Choraufnahmen haben wir hingegen als Band wieder selbst komponiert und zusammen mit Chorleuten aufgenommen, hier bei uns im heimischen Mastersound Studio.“

Atrocity Gottlosen JahreA propos Zusammenarbeit: ihr habt auch mit Marc Grewe (Ex Morgoth) und mit Petrov von Entombed A.D. Gearbeitet. Gemeinsam mit ATROCITY ein sehr cooles old school Package! ErzÀhlt uns bitte, wie es dazu kam.

Alex: „LG und Marc sind ja alte WeggefĂ€hrten. Wir kennen uns aus den „goldenen Tagen“ des Death Metal Undergrounds Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Damals waren wir mit Atrocity zusammen mit Morgoth, Autopsy und Pestilence auf Tour. Solange kenne ich Marc schon. LG und Entombed habe ich 1990 erstmals nach Deutschland auf die „Support the Underground“ Festivals mit Carcass, Atrocity, Pungent Stench etc. geholt. Die Festivals hatte ich selbst veranstaltet, und es waren mit die ersten Death Metal Festivals auf internationaler Ebene und fanden in Deutschland, Frankreich und Belgien statt. LG und die Entombed Jungs waren uns sehr dankbar dafĂŒr. Marc und LG waren auch beide auf unserer Atrocity Film Doku „Die gottlosen Jahre“ mit dabei. Als wir sie nun gefragt hatten, ob sie als GastsĂ€nger bei „Okkult II“ dabei sein wollen, waren beide sofort mit voller Begeisterung dabei. Beide Kooperationen sind absolut geil geworden!“

Ihr habt zum Song `Shadowtaker`ein Video gedreht, das die Thematik des WiedergĂ€ngers sehr gut einfĂ€ngt. Gerade im Hinblick auf Vampiren, die durch Hollywood und die Twilight Saga sehr auf jugendliche Romantik reduziert wurden, gefĂ€llt mir die old school artige und dreckige Darstellung besonders gut. Warum fiel die Wahl auf diesen Song? ErzĂ€hl uns bitte etwas ĂŒber die Dreharbeiten dazu.

Alex: „Ganz genau, das war die Intention! Wir wollten eine dreckige, monströse Darstellung und ganz bestimmt keinen Teenieschwarm. FĂŒr uns war „Shadowtaker“ der Video Kandidat Nummer Eins! Es geht um den WiedergĂ€nger slawischer PrĂ€gung. Eine interessante Quelle ist von Karl Ferdinand von Schertz, der 1704 das Buch „Magia Posthuma“ verfasst hat, und von unerklĂ€rlichen VorfĂ€llen von WiedergĂ€ngern, die Menschen angreifen, berichtet. Die Opfer sterben innerhalb weniger Tage. 1732 sorgt ein Bericht ĂŒber Vampirismus des Stabsarzt Johann FlĂŒckinger an den Wiener Hof fĂŒr große Furore und befeuert das Interesse und den Glauben an die Existenz der Untoten. Eigentlich wurden derartige Untersuchungen ĂŒber Vampirismus im Auftrag der habsburgischen Obrigkeit mit dem Ziel durchgefĂŒhrt, dem lĂ€ndlichen Aberglauben in den slawischen Gebieten den Gar auszumachen. 1755 ergeht sogar eigens dafĂŒr der sogenannte „Vampir Erlass“ mit diversen Verboten unter Androhung von Strafen. Unter anderem wurde das Öffnen der GrĂ€ber, das PfĂ€hlen, Köpfen und Verbrennen von Leichnamen, die man fĂŒr WiedergĂ€nger gehalten hat, verboten und unter Strafe gestellt. Das „Shadowtaker“ Video haben wir mit der Band und einigen Sequenzen aus der Story unter Tage in einem Berg gedreht. Da mussten wir erstmal durch einen sehr engen Stollen aus dem 18. Jahrhundert etwa 500 Meter unser ganzes Equipment schleppen. WĂ€hrend es draussen an die 35 Grad hatte, war es beim Dreh unter Tage um die 6 Grad Minus! Die Dreharbeiten haben sehr großen Spaß gemacht, gerade auch die Storyline. Ich war ja bei den gesamten Dreharbeiten mit dabei und habe auch mitgefilmt. Tolle Geschichte!“

In unserem Interview zur „Masters Of Darkness“ EP habt ihr schon angedeutet, dass es dieses Mal eine etwas einfachere Schatzsuche geben wird. Hab mich bereits durch das Booklet gewĂŒhlt und die limitierte Box nach doppeltem Boden und anderen Hinweisen abgesucht, allerdings nichts gefunden. Wann gibt’s die ersten Hinweise?

Alex: „Richtig! Die goldene CD wird in Nordamerika zu finden sein. Wenn die Platte eine Weile im Umlauf ist, werden wir erst mit weiteren Details rausgehen. Es wird ein Hinweis im Artwork sein, mit dem man auch die nĂ€chste Schatzsuche starten kann! Die Spannung steigt, hehe.“

ATROCITY_MASSACREDie Zusammenarbeit mit Massacre hat fĂŒr die Fans sehr große Vorteile; erstens fĂŒhlt man sich stellenweise wieder wie zu den „Blut“ Zeiten, in denen ihr als Vorreiter unterschiedlicher Stile Alben in den 90ern raus gebracht habt und zweitens können wir uns ĂŒber eine richtig geile Box des Albums (inkl. Autogrammkarte, Shirt und 2 coolen Postkarten) freuen. Wie erlebt ihr die Zusammenarbeit und gibt es bereits erste Reaktionen zum Album und zur Aufmachung?

Tosso: „Das ist eine ganz großartige Geschichte!! Wir haben einige ATROCITY-Kracher-Alben in den 90ern zusammen mit Massacre veröffentlicht: BLUT, WILLENSKRAFT und auch WERK 80. Thomas Hertler war damals bereits und ist auch jetzt unser Ansprechpartner. Das ist schon richtig geil!! Zudem ist das Massacre Office gerade mal 20 Minuten von unserem Mastersound Studio entfernt!! Totale Schwabenpower quasi. Massacre Records haben fĂŒr OKKULT II einen richtig guten Job gemacht. Das Album hat international sehr viel Beachtung bekommen und ist in Deutschland auf Platz 37 der Albumcharts, sowie Platz 3 der DAC Charts geschossen…was bei so einem knĂŒppelharten Brecher-Album ja auch nicht gerade zu erwarten war. Die Vinylversionen von OKKULT II, sowie auch die mĂ€chtig bitterböse Box haben wir gemeinsam mit Massacre vorbereitet und umgesetzt! Ein Traum! So eine Zusammenarbeit macht einfach Spaß!!“

Warum habt ihr euch bei den Postkarten fĂŒr `Spell Of Blood` und `Phantom Ghost` entschieden und wie kam es zur Auswahl der Models?

Alex: „Zoe und Kim waren unseren absoluten Wunsch Modells, die wir uns ganz bewusst ausgesucht haben, und schon vorher gekannt haben. Zoe ist SĂ€ngerin und Modell, kam extra aus den USA fĂŒrs Shooting rĂŒber, und ist auch als Gaststimme bei „Infernal Sabbath“ und „Phantom Ghost“ mit dabei. Kim ist ein großer Vampir Fan und wirkle auch beim Videodreh von „Shadowtaker“ als Hauptdarstellerin mit! Klasse Zusammenarbeit mit den beiden!!“

Ein kurzer Ausflug in die heutige Metalszene: Mittlerweile kommen auch einige Ă€ltere Bands wieder aus der Versenkung. So bringen Dark Millenium (mit denen ihr ja auch mal getourt habt) beispielsweise auch wieder ein eneus Album raus. Was denkt ihr ĂŒber die Entwicklung, dass sich alte Bands nochmal erheben?

Tosso: „Wir waren ja eigentlich nie in der Versenkung. Sicher, es gab halt Zeiten in denen wir hauptsĂ€chlich mit LEAVES’ EYES unterwegs waren, aber im Hintergrund wurde bei uns auch immer fĂŒr ATROCITY gewirbelt. Somit sehe ich uns da eher als bestĂ€ndige, fortwĂ€hrende Combo. Bei manchen Reunions freue ich mich als Fan selbst auch drauf. Es gibt möglicherweise auch jĂŒngeren Menschen die Möglichkeit, Bands nochmal live zu erleben, so wie jetzt bei der Helloween-Geschichte zum Beispiel. Andererseits gibt es auch Beispiele, bei denen man als Außenstehender vielleicht den Eindruck bekommt, es wĂ€re wohl besser gewesen, die Musik aus der Vergangenheit in WĂŒrde ruhen zu lassen. Aber das ist ja auch Geschmacksache. Was mir aber tatsĂ€chlich auf den Keks geht ist,wenn Bands geplant auf Abschiedstour gehen, um dann 2 Jahre spĂ€ter auf Reunion-Tour zu gehen. Was soll der Scheiß? Das ist doch irgendwie Verarschung.“

Letzte Frage an Alex: wie hast du as Debakel mit der Fußball WM verkraftet?

Alex: „Ganz, ganz bitter… Als großer Fan der Nationalmannschaft frĂ€gt man sich wirklich wie man mit solch einem Kader so mies abschneiden kann. Einstellung, Einsatz, Spielidee und die völlig unnötigen Krisen im Umfeld der Nationalmannschaft waren ein absoluter Witz. Nichtsdestotrotz habe ich mich dazu entschieden mit meinem Sohn Leon am 06.09. nach MĂŒnchen gegen Frankreich ins Stadion zu gehen, zum Start der Nations League. Ein paar Tage spĂ€ter gehen wir auch noch zum Spiel gegen Peru ins Stadion. Wir hatten tolle Spiele in der WM Quali im Stadion angeschaut. Und hoffentlich hat das ganze „WM 2018 – Elend“ dann bald ein Ende, und man kann sich hoffentlich wieder ĂŒber die Spiele der Nationalmannschaft freuen! Ein Neuanfang ist bitter nötig. Es muss eine gewaltige Kurskorrektur gemacht werden. Es mĂŒssen Leidenschaft, Kampfgeist, unbedingter Wille – die sogenannten deutschen Fussball-Tugenden – wiederbelebt werden. Die WM Turniere zuvor oder der Confed Cup waren ja wirklich hervorragend, und man wĂŒnscht sich, dass man wieder so beigeisterten Fussball von der Nationalmannschaft geboten bekommt.“

Nochmals danke fĂŒr „Okkult II“! Ich habe mich sehr ĂŒber das Dauerfeuer in meinen Boxen gefreut und wĂŒnsche euch, dass es vielen Fans Ă€hnlich ergeht. Noch einige abschließende Worte an unsere Leser?

Alex: „Yeah!! Wir möchten uns bei allen Fans fĂŒr die super UnterstĂŒtzung bedanken! Wahnsinn! Wir sehen uns hoffentlich alle bald auf Tour, und lassen es richtig krachen!“

Radu

INTERVIEW: ARKUUM

Posted by Radu On Juli - 18 - 2018

Es hat sich einiges bei ARKUUM getan; aus einem Soloprojekt wurde eine feste Band und mit “Die Letzte Agonie” steht die zweite Langrille einer atmosphĂ€rischen Black Metal Band im Regal. Wir spachen mit David ĂŒber die fĂŒnf Sterbephasen, die auf dem Album vertont wurden.

Arkuum Tour

Hallo und erstmal herzlichen GlĂŒckwunsch zu „Die letzte Agonie“! Wie geht es euch jetzt, da die zweite Platte im Kasten ist?

Danke! Ich kann die Songs leider schon bald selbst nicht mehr hören, aber da geht es wohl jedem Musiker nach so einem langen Schaffensprozess Ă€hnlich. Trotzdem freuen wir uns natĂŒrlich, nach der langen Zeit das Endresultat in den HĂ€nden zu halten.

Seit „Trostlos“ hat sich einiges bei euch getan; es ging vom Soloprojekt in eine richtige Band ĂŒber. Wie kam es zu dieser Entscheidung und nach welchen Auswahlkriterien wurden die Bandmitglieder rekrutiert?

Mit dem jetzigen Bassisten Max habe ich schon in meiner frĂŒhen Jugend zusammen Musik gemacht und Gitarrist Timo war eine Bekanntschaft aus meiner vorherigen Band, deshalb kenne ich Timo auch schon einige Jahre. Ehrlich gesagt kamen einige ZufĂ€lle aufeinander und die Bandmitglieder haben sich schon fast von selbst ergeben. Simon ist aus seiner alten Band ausgestiegen und hat dann nach einiger Zeit seinen alten Bandkollegen zu  Arkuum ĂŒberfĂŒhrt.

Bereits beim ersten Lesen der Songtitel sprang mich das Konzept der fĂŒnf Sterbephasen an. Gerade im Hinblick auf Black Metal und unser Leben ein sehr intensives Thema, das man nicht einfach nur nebenbei vertont. Bitte erzĂ€hl uns, warum dieses Thema es auf das Album geschafft hat.

Aus persönlichen GrĂŒnden beschĂ€ftige ich mich schon sehr lange mit dem Tod. Oftmals kommen mir die Gedanken beim Schlafengehen oder in Situationen, in denen ich mit mir alleine bin. Wie wird der Moment kurz vor dem Eintreten des Todes sein und wie fĂŒhle ich mich dabei? Nicht selten enden solche Gedanken in panische ZustĂ€nde, in denen ich dann Ablenkung suche. Mir macht der Gedanke Angst, dass ich nach dem Leben fĂŒr unendliche Zeit nicht mehr existieren werde, in welchem VerhĂ€ltnis steht dazu ein kleines und kurzes Menschenleben?

Im Gegensatz zu frĂŒheren Zeiten, wird in unserer Gesellschaft mit dem Tod nicht offen umgegangen, er wird sogar vielmehr ignoriert. Mit wem soll man ĂŒber seinen bevorstehenden Tod reden? Aus meiner Sicht gibt es da eine große Hemmschwelle, die viele nicht ĂŒberschreiten können. Das macht die Angst vor dem Ungewissen nur noch viel grĂ¶ĂŸer.

Aus der Schulzeit war mir noch Elisabeth KĂŒbler-Ross und einige ihrer Schriften aus dem Ethik Unterricht bekannt. Ich habe mir kurzerhand ihr Buch „Interviews mit Sterbenden“ gekauft, in der sie Interview mit Sterbenden veröffentlichte und daraus fĂŒnf Phasen ableitete, die jeder Sterbende mehr oder weniger durchleben muss. Jede Phase habe ich in einem Lied umgesetzt und versucht, die Stimmung und Thematik einzufangen.

ARKUUM smallWenn man sich die Texte durchliest, fĂŒhlt man sich irgendwo zwischen  Romantik und Expressionismus gefangen, mit einer guten Portion morbider (und atmosphĂ€rischer) Eigeninterpretation. Wie wĂŒrdest du jemandem den Stil deiner Texte erlĂ€utern?

Ich wĂŒrde mich selbst nicht als großen Lyriker bezeichnen. Ich schreibe meine Texte aus dem Bauch heraus, unabhĂ€ngig von irgendwelchen Epochen oder Leitlinien. Allerdings mag ich Reimformen sehr gerne, ohne Reime geht bei mir nichts. Und Anapher.

Wie sind die Texte entstanden? Sind sie aus dem Bauch heraus geboren, oder musst du in einer bestimmten Stimmung zum Schreiben sein?

Verglichen mit meinem ersten Album „Trostlos“, was ja komplett eigenstĂ€ndische Texte hatte, habe ich das Grundkonzept von dem jetzigen Album aus dem Buch von KĂŒbler-Ross entnommen, aber mit meinen eigenen Gedanken neu interpretiert. Es ist eigentlich nie so, dass ich mir fest vornehme, einen bestimmten Text zu schreiben. Das kommt mal hĂ€ufiger oder mal weniger einfach spontan, wenn sich eine meiner kĂŒnstlerischen Phasen aufbaut. Die haben oft auch keinen mir bewussten Ursprung. Ich denke da spielt das Unterbewusstsein auch eine große Rolle, wann und wie ich kĂŒnstlerisch tĂ€tig bin.

Bereits nach den ersten Minuten hatte ich das GefĂŒhl, das sich im Bezug zum Songwriting bei ARKUUM einiges getan hat. Gerade im Hinblick auf die zĂ€hflĂŒssigen Doom Passagen gibt es sehr viele davon. Auch werden einige Riffs in die LĂ€nge gezogen und einiges ist bereits vorhersehbar. Was hat sich im Vergleich zum VorgĂ€nger in Sachen Songwriting verĂ€ndert und wie seid ihr an die Songs ran gegangen?

Im Songwriting Prozess hat sich nicht viel geĂ€ndert. Ich schreibe immer noch alles selbst und die Band hat auch eigentlich keinen großen Einfluss darauf. Eine Ausnahme ist hierbei allerdings das Schlagzeug. Die Schlagzeugspuren schreibe ich meist sehr grob und die kleinen Feinheiten ĂŒberlasse ich einem anstĂ€ndigen Schlagzeuger, der dann meine vorhandene Idee besser umsetzen kann.

Was die langen Doom Passagen angehen, aktuell stehe ich einfach auf den Musikstil, was sich natĂŒrlich auch im Songwriting widerspiegelt.

Denny von „Zeugen der Leere“ hatte auf „Trostlos“ einen guten Job abgeliefert. Warum ist er dieses Mal nicht dabei? (RenĂ© hat einen Top Job abgeliefert)

Ich habe Denny sogar schon sehr frĂŒhzeitig gefragt, ob er als SĂ€nger einsteigen möchte. Allerdings hatte er leider kein Interesse an einer Livebesetzung, zumal auch die Entfernung fĂŒr kontinuierliche Proben ein Hindernis darstellte.

Arkuum Tour IIWenn ich die Songs analytisch betrachte (Riffs, Wiederholungen usw.) rauscht die Platte an einigen Stellen an mir vorbei. Die positive Überraschung von „Die letzte Agonie“ war fĂŒr mich, als ich das Denken abgestellt und einfach das GefĂŒhl auf mich wirken gelassen habe. Euer Album fordert Zeit ein (nicht zuletzt wegen der langen Songs), hat mich aber dann mit einer sehr intensiven AtmosphĂ€re belohnt. Hattet ihr dieses Ziel beim Songwriting vor Augen oder ging es in erster Linie darum, das Innere nach außen zu kehren, ohne RĂŒcksicht auf die Wirkung auf den Hörer?

Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass das neue Album an einigen „Trostlos“ Fans vorbeigehen wird. Musikalisch ist es doch etwas hĂ€rter, roher und ambientlastiger, alles in allem also viel spezieller. Ich möchte mich aber auch ganz und gar nicht auf einen bestimmten Stil festlegen, nur weil die Nachfrage dahingehend grĂ¶ĂŸer oder kleiner ist. Ich mache einfach das, was mir gerade gefĂ€llt. Die nĂ€chste Scheibe wird bestimmt wieder ganz anders.

Du hast auf alle FĂ€lle recht, dass das Album seine Zeit braucht, aber meiner Meinung nach, kann man sich erst so richtig in die AtmosphĂ€re eintauchen, wenn die Songs nicht schon nach fĂŒnf oder sechs Minuten vorbei sind. „Einfach das GefĂŒhl auf mich wirken lassen“ beschreibt das Konzept schon recht passend. Die Songs sind tatsĂ€chlich sehr von mir durchdacht und ich habe mir fĂŒr jede Phase, mir passende Stilmittel ĂŒberlegt. Ich möchte hier nicht alles benennen, das gehört schließlich auch zur Interpretation des Hörers, darĂŒber könnte ich aber wohl auch einen eigenen Artikel verfassen. Aber einige Beispiele:

Zorn – Schnelles, hartes Intro mit langer und gleichbleibenden Riffs, um den Rausch des Zornes zu verdeutlichen. Die Ruhe vor dem Sturm im mittleren Songteil und das anschließend ausartende Ende.

Verzweiflung – Die zwei langsamen Doom Riffs, die den Abfall der Stimmung in die Depression verdeutlichen.

Akzeptanz – Das lange Outro, das sich nach jeder Wiederholung um fĂŒnf BPM (beats per minute) verlangsamt, was das Ende des Lebens und die Akzeptanz des Todes darstellen soll.

Also es gibt sehr viele Stilmittel zu entdecken.

Zur Zeit lasse ich das Album immer noch einige DurchlĂ€ufe auf mich wirken. Gerade das atmosphĂ€rische `Verleugnung` hat mich schnell in die ARKUUM AtmosphĂ€re eingesogen. Mit `Akzeptanz` habt ihr einen intensiven Emotionstrip bei mir ausgelöst. Die versöhnliche Einstiegspassage, das letzte Aufbegehren und das langsame Sterben des Songs mit der Textpassage „Alle TĂŒren sind verschlossen“ (beim Autofahren inklusive Sonnenuntergang zum ersten Mal gehört) bescheren mir eine konstante GĂ€nsehaut, danke dafĂŒr!

Sonnenuntergang, eine eintönige Autofahrt und mit sich alleine sein. Das sind gute Voraussetzungen, um das Album auf sich wirken zu lassen. Danke fĂŒr das Lob und gern geschehen.

Einige Worte zur Aufmachung des Albums; wie kam es zu der Idee des Covers und wie ist es entstanden? Das Booklet sieht ebenfalls schön atmosphĂ€risch aus (außer das Foto mit dem Geist in der Kirche, der Rest ist um LĂ€ngen atmosphĂ€rischer).

Die Ideen zum Artwork habe ich grĂ¶ĂŸtenteils mit meiner Freundin zusammen ausgearbeitet. DafĂŒr sind einige Stunden drauf gegangen, da ich nicht nur einfache und bedeutungslose Bilder machen wollte. Mein Anspruch war da auf jeden Fall um LĂ€ngen höher, als fĂŒr das Debut. Es sollte auch stets eine kĂŒnstlerische Bedeutung haben und Spielraum fĂŒr Interpretationen bieten. Auch hier gibt es auf jedem Bild viel zu deuten, wie auch schon im musikalischen Bereich. Das Gesamtkonzept basiert auf einer Protagonistin, welche die Phasen durchleben muss.

Das Cover beschreibt meiner Meinung nach mit seiner Wirkung das Album in seinen vollen ZĂŒgen. Eine unschuldige Person in Weiß verleugnet ihren Tod, was vor allem durch die verbundenen Augen und den zugehaltene Ohren bewusst gemacht wird. Innerlich hat ihr Verfall allerdings schon lĂ€ngst begonnen, Maden regen sich in ihren HĂ€nden und das blutige Geschmiere deutet auf das kommende Ende hin.

Gibt es aktuell bereits weitere PlĂ€ne? Da ihr nun eine Band seid, bieten sich weitere Live Shows ja quasi an. Mit wem wĂŒrdet ihr gerne mal zusammen auftreten?

Ich arbeite aktuelle schon an einem neuen Konzept und an neuen Werken, aber wĂ€hrend dem Debut Release war die Situation Ă€hnlich und es hat trotzdem seine drei Jahre bis zur neuen Veröffentlichung gedauert. Live gibt es uns natĂŒrlich auch das ein oder andere Mal zu sehen, allerdings leider noch zu selten fĂŒr meine Vorstellung.

Die Release Show am 04.08 in Crailsheim und das Spirit of Black & Doom am 08.09 in Karlsruhe sind aber auf alle FĂ€lle gute Anhaltspunkte fĂŒr Fans des atmosphĂ€rischen Black Metals.

Danke fĂŒr „Die letzte Agonie“ und deine Zeit. Die abschließenden Worte an unsere Leser gebĂŒhren dir.

Danke an alle Helfer, die das Album möglich gemacht haben. Es sind immer viele Freunde und Bekannte involviert, an die ich mich fĂŒr alle möglichen Arbeiten wenden kann und natĂŒrlich ein großes Dankeschön an jeden Fan, der die Band und mich unterstĂŒtzt. Und selbstverstĂ€ndlich an dich!

Radu

INTERVIEW: EIS

Posted by Radu On MĂ€rz - 25 - 2018

Mit ihrer EP “Stillstand und Heimkehr” gehen EIS einen Schritt weg vom Kopf und widmen sich ganz dem Kopf- und HerzgefĂŒhl. In unserem Interview sprachen wir ĂŒber das Innehalten im Moment, ausgewĂ€hlte Konzerte und Wanderern ĂŒber dem Nebelmeer.

Hallo und herzlichen GlĂŒckwunsch zu eurer EP „Stillstand und Heimkehr“! Wie geht es euch zur Zeit?

Alboin: Ehrliche Antwort? Allen ist kalt, alle haben immer zuviel zu tun. Torrent hat Grippe, Abarus schiebt 12-Stunden-Schichten und wartet darauf, dass die Angelseen wieder auftauen, Dante musste gerade aus einer Sauna an einem dĂ€nischen See wieder zurĂŒck nach Deutschland
 und ĂŒber mich reden wir mal ausnahmsweise nicht. ;)
Und jetzt die standardisierte Promo-Antwort: Heeeey, alles total großartig, wir sind so happy, dass unsere neue EP endlich veröffentlicht und sind wir sind ready to take the world und alles.

Die EP ist eine Hommage an das Bild von Caspar David Friedrich – „Dem Wanderer ĂŒber dem Nebelmeer“ Wie kam es zu der Vertonung des Bildes?

Alboin: Ist sie eigentlich nicht, nur das TitelstĂŒck habe ich ganz allgemein allen Wanderern ĂŒber dem Nebelmeer gewidmet, was natĂŒrlich metaphorisch gemeint ist. Auch haben wir nicht das Bild vertont, es hat mich nur in gewissen Dingen inspiriert. Beispielsweise habe ich mich gefragt, wie wohl der Weg hoch ĂŒber das Nebelmeer gewesen sein mag, und im Zuge dessen auch vieles ĂŒber meinen eigenen Lebensweg und wie ich dorthin gekommen bin, wo ich jetzt stehe. Oft sieht man ja nur das Ergebnis, selten aber, wie es dazu kam. Von daher ist das Bild wirklich nur ein Ausgangspunkt und eine Inspirationsquelle gewesen.

Nebelmeer

Wie seid ihr an das Songwriting ran gegangen? Hattet ihr im Vorfeld eine grobe Idee, oder ist das meiste spontan im Proberaum entstanden?

Alboin: Letzteres. Torrent und ich haben uns, ohne den beiden Gitarristen davon zu erzĂ€hlen, fĂŒr ein Wochenende im Proberaum eingeschlossen und einfach drauflos gespielt, und was man jetzt hören kann ist das, was nach zwei Tagen dabei herausgekommen war. Wir wollten auch gar nicht unbedingt Musik fĂŒr EIS machen, sondern einfach nur zusammen spielen und uns von ein paar Dingen ablenken. Das Ergebnis war dann tatsĂ€chlich fĂŒr uns alle so ĂŒberzeugend, dass wir uns entschieden haben, die beiden StĂŒcke noch vernĂŒnftig aufzuarbeiten und zu veröffentlichen.

Die EP zeigt sehr gut, daß Black Metal mehr kann, also sinnlos dahin zu feuern oder nur verschachtelte Songstrukturen eigenbrödlerisch zu verteilen. Besonders die Emotionen kommen meiner Meinung nach hier sehr eindrucksvoll zur Geltung. Was war euch wichtig, beim Erschaffen dieser EP?

Alboin: Ich kann da nur fĂŒr mich sprechen, aber mir war tatsĂ€chlich nur wichtig, musikalisch aktiv zu sein, mich abzulenken, irgendetwas herauslassen zu können, das ich zu dem Zeitpunkt gefĂŒhlt habe. Textlich habe ich versucht, Botschaften zu formulieren, Gedanken zu verpacken, die ich gequĂ€lt haben, und irgendwie auch loszuwerden. Ja, diese Aufnahme ist fĂŒr mich tatsĂ€chlich die pure Emotion, da ist kein StĂŒck Kopf dabei, keine Ratio, die mich zensiert oder mir etwas verboten hat, und ich freue mich, dass du das offenbar so auch hören kannst.

Gerade im Bezug des Abwendens von der Menschheit und den RĂŒckzug in die innerer Isolation hat mich die eure Musik sehr berĂŒhrt. Da stellt man sich natĂŒrlich die Frage; welche LebensumstĂ€nde veranlassen den KĂŒnstler dazu, diese Art (in der IntensitĂ€t) von Musik zu schreiben?

Alboin: Ich fĂŒrchte, diese Frage wirst du dir, genau wie alle anderen Hörer, die das beschĂ€ftigt, auch weiterhin stellen mĂŒssen. DarĂŒber möchte ich nicht sprechen. Allerdings glaube ich, dass man durchaus verstehen kann, was das fĂŒr eine Situation gewesen sein muss. Es war eine der schlimmsten meines nicht mehr ganz so jungen Lebens, und ich wusste zu diesem Zeitpunkt tatsĂ€chlich nicht weiter. Deshalb habe ich die Musik in diesem Moment mehr denn je gebraucht.

Stillstand ist bekanntlich der Tod fĂŒr die Weiterentwicklung; sei es fĂŒr die Seele oder die Gesellschaft an sich. Was bedeuten fĂŒr dich persönlich die Worte „Stillstand“ und „Heimkehr“? Ist Heimat ein Ort, oder ein GefĂŒhlszustand fĂŒr dich?

Alboin: Stillstand ist aber auch ein Innehalten im Moment. Ich musste lernen, und kann es vermutlich immer noch nicht so richtig, in jeder einzelnen Situation auf mich zu hören, zu fĂŒhlen, wie es mir gerade geht, was ich brauche, was ich will und was ich nicht möchte. Immer nur weiterzumachen im Leben, Anforderungen zu erfĂŒllen, AnsprĂŒchen zu genĂŒgen, Dinge zu „mĂŒssen“ und sich immer irgendwo unwohl zu fĂŒhlen
 das ist kein Zustand. Am Ende stehst du in einer Sackgasse, fragst dich, wo du falsch abgebogen bist in deinem Leben und warum du das nicht gemerkt hast. Das möchte ich nicht. Bevor ich immer weiterlaufe, bleibe ich lieber stehen und versuche, den Moment wahrzunehmen.

Heimkehr ist im Gegenzug eher ein Ankommen an einem richtigen Ort, aber keinem geografischen Ort, sondern wohl eher einem Inneren. Ich glaube nicht, dass man das mit „Heimat“ ĂŒbersetzen kann, das ist fĂŒr mich absolut nicht dasselbe. Es ist mehr ein GefĂŒhl, zu etwas zurĂŒckzukehren oder etwas zu erreichen, das einem GlĂŒckseligkeit verspricht, oder auch nur Zufriedenheit. Ich hatte das einmal, da bin ich mir sicher, aber habe es irgendwo verloren. Das GefĂŒhl kennen wahrscheinlich die meisten von euch Lesern auch, oder? Letztlich ist diese EP (m)ein Versuch, damit irgendwie umzugehen, das zu verarbeiten.

EIS VorschauDa es sich um eine EP handelt, wurde die Messlatte fĂŒr ein Album sehr hoch gelegt. Wie ist aktuell der Stand? Seid ihr dabei und was könnt ihr uns ĂŒber die Entwicklung des Albums sagen?

Alboin: Die Messlatte liegt bei mir nach jeder Veröffentlichung hoch. Ich bin eigentlich immer der Ansicht, dass ich das Beste abgeliefert habe, dessen ich fĂ€hig bin und weiß meist nicht, was ich danach noch besser machen kann. Was anderes kommt fĂŒr mich auch nicht infrage, dann brauche ich auch einfach gar nichts zu veröffentlichen. Von daher: Ja, die EP ist sicherlich gut, aber das heißt fĂŒr die nĂ€chste Veröffentlichung nichts.

Ein Album ist aktuell nicht in Sicht. Im letzten Herbst habe ich mich mehrere Wochen in eine HĂŒtte in Norwegen zurĂŒckgezogen und dort Musik gemacht. Es sieht danach aus, als liefe es auf Material fĂŒr zwei ganz verschiedene Alben hinaus. Eines wird sehr norwegisch und nach den 90ern klingen, aber anders als „Wetterkreuz“ eher warm, weich und melancholisch. Das andere Album wollte ich schon vor „Bannstein“ machen, war aber dann musikalisch nicht inspiriert, oder vielleicht auch technisch noch nicht soweit. Das ist konzeptionell und musikalisch sehr ungewöhnlich und eine echte Herausforderung fĂŒr mich.

Von beiden Alben ist knapp die HĂ€lfte fertig, und ich weiß noch nicht, wann ich daran weiterarbeiten werde. Ich denke, 2018 werden wir nichts weiter veröffentlichen.

Im Internet liest man in erster Linie von euch als Duo, obwohl ihr mittlerweile mehr Leute seid. In wie weit tragen die anderen bei euch zum Songwriting bei?

Alboin: Das liegt daran, dass wir offiziell immer noch mit Dante und Torrent als Live-Musikern arbeiten. Eigentlich ist die Unterscheidung aber hinfĂ€llig, wir machen derzeit wirklich fast alles zusammen und sind eine echte Band. MĂŒssten wir einfach mal bei Facebook posten, denn was bei Facebook steht, ist bekanntlich wahr.
Was wir nachwievor nicht zusammen machen, ist die Musik. Die mache ich weiterhin alleine, und das wird wohl auch so bleiben. Wobei
 fĂŒr die EP hat Torrent einen großen Teil der Drumtracks und damit teilweise auch die Struktur der Songs beigesteuert, das ist ein Novum. Alles andere habe ich nachwievor unter meiner Fuchtel, um ehrlich zu sein halte ich das auch fĂŒr eine Idee, wenn eine Vision eines StĂŒckes oder Albums rein und klar bleibt. Dante hat ja mit Infesting Swarm, theoretisch, sein eigenes BetĂ€tigungsfeld, und Abarus ist mit Ferndal als zweiter Band ausgelastet, denke ich.

Eine Frage an Dante: Infesting Swarm wurde vor kurzem aufgelöst. Wie geht es dir aktuell damit und wirst du dein Hauptaugenmerk auf EIS konzentrieren, oder gibt es noch weitere Projekte?

Dante: Hey Radu, aufgelöst haben wir Infesting Swarm so direkt nicht. Die Band gibt es schon noch, aber wir haben uns dazu entschieden gerade erstmal eine Pause einzulegen. Unser SĂ€nger Tim und Drummer Johnny haben sich aus persönlichen GrĂŒnden dazu entschlossen die Band zu verlassen.
Da wir in dieser Konstellation nun schon sehr lange Musik zusammen gemacht haben, ist es fĂŒr uns als verbliebenen Mitglieder nicht einfach sich direkt wieder auf neue Menschen einzulassen. Daher nehmen wir uns jetzt einfach die Zeit, die wir brauchen um das ganze zu verarbeiten und neue Musik zu schreiben.
Zur Zeit habe ich viel mit EIS zu tun ja, aber ich werde definitiv weiter Musik machen. In welcher Form und mit welcher Band, das ist noch nicht ganz klar.

Welche Live AktivitÀten sind bei euch geplant?

Alboin: Eine ganze Menge einzelner Konzerte und Festivals in diesem Jahr (unter anderem Ende MĂ€rz in der Schweiz, auf dem Dark Easter Metal Meeting, dem Metal Frenzy, dem Rock for Roots, dem Barther Metal Open Air, dem Black Fall Fest in Bremen usw.), wobei wir keine Band sind, die jedes Wochenende ĂŒberall spielen kann. Wollen wir auch nicht. Das geben unsere Jobs und privaten Situationen aber auch einfach nicht her, und wir haben nicht den Anspruch, mit der Band unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir freuen uns ĂŒber tolle Konzerte, wissen aber auch, dass das sehr anstrengend ist und wir diese Band letztlich machen, um Spaß daran zu haben. Deshalb rennen wir nicht jedem Angebot hinterher.

Ihr seid bei Prophecy unter Vertrag; bis letztes Jahr gab es noch das Prophecy Fest, das leider zur Zeit auf Eis liegt. Falls es wiederkommt, könntet ihr euch vorstellen, dort zu spielen? Was wĂ€re das perfekte Setting fĂŒr euren Live Auftritt?

Alboin: Das Label hat den Anspruch, dass das Festival nach Möglichkeiten ausverkauft sein sollte, was natĂŒrlich auch finanzielle GrĂŒnde hat, und das war nach dem ersten Jahr dann nicht mehr der Fall. Daher ist die Entscheidung verstĂ€ndlich, ein Jahr auszusetzen und vielleicht mit einem ĂŒberarbeiteten Konzept 2019 weiterzumachen. Wir wĂŒrden, wie in allen anderen Jahren zuvor, gerne spielen. Leider sind wir bis jetzt nicht berĂŒcksichtigt worden.

Danke fĂŒr deine Zeit und die Antworten. Die letzten Worte an unsere Leser gehören dir.

Alboin: Ich bin kein Mensch fĂŒr letzte Worte und „jetzt sag mal das und das“-Situationen. Danke fĂŒr deine Zeit, MĂŒhe und UnterstĂŒtzung! Wir freuen uns ĂŒber jeden, der sich mit unserer Musik beschĂ€ftigt, dem oder der sie etwas bedeutet, und auch ĂŒber RĂŒckmeldungen jeder Art. Wir sind eine der Bands, die darauf auch noch antworten. ;)

Radu

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Interview: Dark Siffler

Posted by Radu On MĂ€rz - 23 - 2018

Zu Gast bei dem YouTuber DARK SIFFLER
Siffler ist ein Festivalguru, meist ĂŒberall anzutreffen und allseits beliebt.
Aus diesem Grunde habe ich ihn fĂŒr euch unter die Lupe genommen und ein Interview mit ihm gemacht.
NatĂŒrlich vor laufender Kamera, wie es sich fĂŒr einen YouTube Star gehört. Ich gebe zu, etwas nervös war ich ja schon. Das Ergebnis seht ihr hier:
Bayernbrille auf und los gehts!

Du bist ĂŒberall  auf Festivals unterwegs. Gibt es da ĂŒberhaupt noch Zeit fĂŒr Party?

DarkSiffler: Ja, definitiv. Ich bin viel auf Festivals unterwegs. Nicht auf allen, das geht leider Urlaubstechnisch gar nicht, man hat ja noch ein anderes Leben außer Festivals. Aber: Wenn ich auf einem Festival bin, will der Veranstalter von mir, dass ich das Festival lebe wie ein FestivalgĂ€nger. Also natĂŒrlich mach ich Party, sonst kann ich ja nicht berichten, wie es einem FestivalgĂ€nger auf einem Festival geht. Und genau das schĂ€tzen die Veranstalter bei mir, dass ich quasi aus dem Volk raus spricht und nicht irgend ein VIP bin, der mal eben kurz vom Hotelzimmer los geht und ein Konzert ansieht und wieder heim fĂ€hrt.

Was hat dich dazu bewegt, „Dark Siffler“ zu machen. Wie kam es dazu?

DarkSiffler: UrsprĂŒnglich entstand der Kanal 2007 als Promotionkanal fĂŒr meine Band. Irgendwann löste sich die Band auf. Ich hab dann YouTube geschaut, zu der Zeit war das eben so. Damals gab es da die Cold Mirror, die hat richtig coolen Content gemacht. Da fiel mir auf, dass man sich auf YouTube richtig gut verwirklichen und so hab ich dann begonnen, mit so bayrischem Zeug halt. Also ganz schlechte alte Videos von mir, kann man sich gerne mal anschauen wenn man mag. Man hat sich dann halt weiterentwickelt und irgendwie bin ich dann in die Festivalschiene gerutscht und seitdem fĂŒhle ich mich da wohl.

Du hast schon sehr viele Videos gemacht. HÀttest du die Chance, eine Band zu treffen, deine Lieblingsband, wer wÀre das?

DarkSiffler: Also ich bekomme ja immer mal wieder CDs zugeschickt, auch von Promotionfirmen. Diese Firmen fragen dann eben auch „Hey, hast du Bock nach MĂŒnchen zu fahren und dort ein Interview mit Band A, B, C zu machen?“. Ja, es wĂ€r schon lustig, das Problem ist aber, dass ich selber keine Interviews lese (außer es betrifft mich natĂŒrlich selber). Es ist halt so, dass ich, wenn ich mit jemandem spreche, der kein Deutsch versteht, ist es schwierig, die Fragen so rĂŒberzubringen. Ich denke mir, eine Band sitzt da, bekommt in hundert Interviews hundertmal die gleichen Fragen, da lass ich das einfach lieber professionellen Menschen wie dich machen, wo man sich hinsetzt und wirklich vorher recherchiert.
Frage von DarkSiffler an mich: Wie viel Recherche oder Zeit hast du in dieses Video investiert?
Batsy: Ich bin mal ehrlich, eigentlich schon sehr viel Zeit. (1 Monat um genau zu sein!). Es ist schwierig, da du ja keine Band hast in dem Sinne, das heißt, man muss sich halt in die Materie einlesen, schauen, was du zu bieten hast. YouTube ansehen und so weiter.

DarkSiffler: Du hast dir meine Videos ansehen mĂŒssen?
Batsy: Jedes einzelne. Und ich habe es ĂŒberlebt. Also bis jetzt geht es mir noch gut!
DarkSiffler: Genau das ist ja mein Problem: Ich kann die Zeit nicht investieren. FĂŒr mich ist alles andere im Moment einfach wichtiger. CD Reviews zum Beispiel, das ist echt eine Aufgabe fĂŒr mich, weil ich noch nicht genau weiß, wie ich das umsetzen kann. Aber das kommt auf jeden Fall auch noch.

Was macht fĂŒr dich guten Metal aus?

DarkSiffler: Guter Metal muss mich gefĂŒhlstechnisch berĂŒhren. Jede Art von Metal ist willkommen. Ich muss dann aber schon da sitzen und mir denken „wow
 cool, ich verstehe, was die Band von mir will!“. Letztes Mal, wo wir gemeinsam auf dem Konzert waren, bei der DEATHNATION, da war eine Band auf der BĂŒhne, ich weiß nicht, was die gesungen haben, ich stand vor der BĂŒhne und war den TrĂ€nen nahe, es war einfach so emotional! Hab mir auch gleich eine CD gekauft. Wie gesagt, es ist nicht wichtig, welche Richtung vom Metal das ist. Metalcore zum Beispiel ist bei mir im Moment voll im Trend. Dieses Geschrei, ich lass ja selber gerne Frust ab. Dazu kommt dann noch ein emotionaler klarer Gesang (der natĂŒrlich gut sein muss). Das ist das, was mich einfach wahnsinnig berĂŒhrt. Der Text muss fĂŒr mich persönlich nicht sehr tiefsinnig sein, es reicht, wenn Melodie und Textklang passen. Und so sollte Metal sein! Man soll nicht immer in einem Genre festhĂ€ngen.

Batsy: „Metalheads sind da eigentlich aufgeschlossener, oder?“
DarkSiffler: Naja, also wenn ich mir da gewisse Facebook Kommentare durchlese
 es gibt natĂŒrlich da und da Idioten.

Es steckt unglaublich viel Arbeit in einem YouTube Video (vor allem, wenn es gut ist). Wie lange brauchst du von Beginn bis Ende, bis ein Video fertig ist?

DarkSiffler: Also wenn ich einen Text brauche, wie fĂŒr mein Video „Es nervt“ zum Beispiel, dann schreibe ich vorher tatsĂ€chlich einen Text dafĂŒr. Ich will ja schließlich etwas Sinnvolles erzĂ€hlen. DafĂŒr setze ich mich dann auch zwei Stunden hin fĂŒr einen Text. Habe ich den Text und er gefĂ€llt mir, beginne ich das Drehen. Das dauert dann meistens eine halbe Stunde oder so, das ist am Wenigsten Arbeit. Du wirst das ja selber sehen: Das Video dauert am Ende so zehn Minuten, vielleicht mehr und wir reden jetzt aber eine gute Stunde. Was wirklich Zeit braucht ist der Schnitt. DafĂŒr brauche ich dann auch mal ein paar Stunden, je nachdem, wie viel Effekte und Sachen ich noch einbauen will in das Video. Ich halte es halt so einfach wie möglich, damit der Aufwand gering ist. Ich finde ja, die Videos sind so auch ganz okay.

Welches war das beste Konzert ever fĂŒr dich?

DarkSiffler: Ich kann mich noch ganz genau dran erinnern. Das war vor zwei, drei Jahren, BULLET FOR MY VALENTINE in MĂŒnchen. CALLEJON war Vorband. Ich war mitten im Moshpit unterwegs, das hat so mega Spaß gemacht, es war so cool. Seitdem war es auch nie mehr so special. An manche Konzerte erinnert man sich eben sehr gut.

Hattest du schon einmal die Ehre, eine Lieblingsband von dir live zu treffen? Backstage, etc?

DarkSiffler: Leider nicht, nein. BULLET FOR MY VALENTINE ist eine meiner Lieblingsbands. Wenn ich die treffen wĂŒrde, hĂ€tten wir wieder das Problem mit der VerstĂ€ndigung. Da mĂŒsste ich mich wirklich zwei, drei Stunden mit denen hinsetzen und eine Maß nach der anderen trinken und einfach Spaß haben mit den Jungs. Sowas filmen wĂ€re schon cool, jedoch ist das Problem bei so großen Bands, dass sie nach dem Auftritt meistens wieder in den Tourbus mĂŒssen und ab zur nĂ€chsten Location. Ich wĂŒrde einfach gerne die Person hinter der Musik kennenlernen, Ein Fangirl bin ich jetzt auch nicht so wirklich, ich falle nicht in Ohnmacht oder beginne zu kreischen.

Bist du alleine unterwegs oder gibt es da jemanden, der dich unterstĂŒtzt?

DarkSiffler: UrsprĂŒnglich hatte ich ein Team von vier Leuten. Einer meiner besten Freunde macht die Kamera, das ist der berĂŒhmte „Kamera Mani“, den ich immer wieder in meinen Videos lobe. Mani ist einfach lieber hinter der Kamera und seit ich das mache mit YouTube ist der mit dabei. Er sagte mir mal „Siffler, deine Videos sind grottig. Ich mache fĂŒr dich die Kamera“. Seitdem ist er dabei, auf Festivals sowieso. Mani wird auch mit mir akkreditiert, Deshalb schau ich drauf, dass der immer mit dabei ist. NatĂŒrlich kann es mal sein, dass ich alleine unterwegs bin, da weiß ich jedoch nicht, wie ich das selber umsetzen kann. Da kommen dann meistens nur irgendwelche Festivalreviews dabei raus, wo ich dann die Impressionen filme und einblende.

Wie weit wĂŒrdest du fĂŒr ein Konzert maximal fahren?

DarkSiffler: Gute Frage. Ich fahre gerne mal eine Stunde oder zwei, wenn halt ein Schlafplatz vorhanden ist, vor allem, wenn ich neue Leute kennenlerne. Wenn mir etwas angeboten wird, fahr ich auch mal vier Stunden, das ist kein Problem.
Da gibt es ja ein sehr sehr großes Festival in Deutschland, ich will jetzt keine Namen nennen, das ist mir tatsĂ€chlich zu weit weg. Acht Stunden mit dem Auto, das ist einfach ein StĂŒck. Das Weiteste fĂŒr ein Festival ist zum Beispiel das ROCK HARZ Festival, das sind ungefĂ€hr viereinhalb Stunden weg. Das ist auch eines meiner Lieblingsfestivals.

Siffler, du kannst kochen. Heißt das, du könntest theoretisch als Mann alleine ĂŒberleben?

DarkSiffler: NatĂŒrlich! Ich ĂŒberlebe, ich bin da. Wie jeder weiß, hab ich auch ein Bisschen was auf den Rippen, das liegt daran, dass ich tatsĂ€chlich gut kochen kann. Deshalb koche ich auch das, was mir am Besten schmeckt, weshalb ich dementsprechend viel esse.

Das heißt, dass du auf einem Festival weder verloren gehst noch verhungerst?

Dark Siffler: Also einen Essensstand finde ich immer. ROCK HARZ zum Beispiel: Da bin ich mit einer Gruppe unterwegs, alles meine Freunde, ja, schon fast Familie, da wird dann richtig aufgekocht! Knödel mit Champignonsauce zum Beispiel. Wir alle sind so eingestellt. Man muss nicht immer dieses ungesunde Essen zu sich nehmen, man kann sich sehr gut selber versorgen. Auch, wenn das Festival mal eine Woche dauert, kann man auch Eingefrorenes mitnehmen, das wissen nur die Wenigsten. Es ist ein Aufwand, wenn man sowas vor hat, wir machen das aber sehr gerne, jeder von uns kann kochen. Viele behaupten ja, Raviolidosen auf Gaskocher wÀre kochen. Lasst es. Bitte.

Wo siehst du dich in fĂŒnf Jahren?

DarkSiffler: Ich denke mal, immer noch hier. YouTube werde ich nicht aufhören, nur weil ich alt werde. Auch die Festivals werde ich weiterhin besuchen. Ich habe schon so oft gehört „ich bin zu alt fĂŒr Festivals“. Nein. Zu alt gibt es nicht. Was ich weiterhin auf YouTube mache, ob es irgendwann in eine andere Richtung geht, zeigt die Zeit, fĂŒnf Jahre sind ĂŒberschaubar, wenn ich so an die letzten fĂŒnf Jahre denke, was da alles passiert ist. Es hat sich so viel verĂ€ndert, ich habe mich verĂ€ndert, man wird Ă€lter, Kreuzschmerzen kommen und so weiter. Also teilweise weiß ich nicht mal, was nĂ€chste Woche passiert. Es ist schwierig, auf diese Frage eine richtige Antwort zu finden, weshalb ich da lieber ein Bisschen drum rum rede.

Ich habe jetzt noch zehn Shorties vorbereitet fĂŒr dich.
Das heißt: Ich stelle dir zehn Fragen zwischen A und B und du antwortest so schnell du kannst, ohne darĂŒber lange nachzudenken.

1. Pizza oder Burger?
DarkSiffler: Burger

2. Heavy Metal oder Glam Metal?
DarkSiffler: (ringt nach Luft) Glam Metal.

3. Bier oder Wein?
DarkSiffler: Bier.

4. Schwarz oder Weiß?
DarkSiffler: Schwarz.

5. SĂŒĂŸ oder Sauer?
DarkSiffler: SĂŒĂŸ.

6. Horror oder Komödie?
DarkSiffler: Horror.

7. Arnold Schwarzenegger oder Vin Diesel?
DarkSiffler: Schwarzenegger.

8. Pick-Up Truck oder Sportcoupé?
DarkSiffler: Pick-Up Truck.

9. Sommer oder Winter?
DarkSiffler: Sommer.

10. Duschen oder Baden?
DarkSiffler: Alleine oder zu zweit? (Wir lachen)
Batsy: Kannst du Perlen tauchen?
DarkSiffler: ich kann Blubber blasen!

An dieser Stelle nochmal danke an dich, DarkSiffler, dass du dir die Zeit genommen hast. Und vor allem danke fĂŒr die mega gute Pizza.
Wir sehen uns baldmöglichst.

DARK SIFFLER YouTube, Facebook.

siffiiiiiii

INTERVIEW: ERADICATOR

Posted by Radu On MĂ€rz - 8 - 2018

Eradicator Band

Hallo Seba, erzÀhle uns etwas zur neuen Scheibe INTO OBLIVION.

Seba: Sehr gerne! „Into Oblivion“heißt unser neues Album, welches am 09.03.2018 erscheint. Es ist auf CD und LP erhĂ€ltlich und umfasst 10 neue Songs, die zwischen Ende 2015 und Anfang 2017 entstanden sind. Wir haben uns fĂŒr die Scheibe zum ersten Mal, nach langjĂ€hriger Zusammenarbeit mit Jörn Michutta, einen neuen Producer und ein neues Studio gesucht. Das lag daran, dass wir uns vorgenommen haben neue Erfahrungen zu machen und eingetretene Pfade bei der Vorgehensweise der Aufnahmen usw. zu verlassen. Martin Buchwalter ist also der neue Mann hinter dem Pult und in seinem Gernhart Studio ist Into Oblivion eingespielt worden.

Wie sieht Eure Vorstellung vom perfekten Sound aus?

Seba: Das kann ich ganz pauschal nicht beantworten. Viele meiner Lieblingsplatten und meiner Meinung nach, einige der am besten klingenden Platten, sind vollkommen verschieden. Wichtig ist, und das haben diese Alben alle gemeinsam, dass die aufgenommene Band als Einheit prĂ€sentiert wird. Ob wir von einer modernen Produktion sprechen oder von Material aus den 80ern, es ist wichtig, dass der Geist der einzelnen Musiker und der Band im Ganzen eingefangen und wiedergegeben werden. Mit welchen Equalizer Einstellungen das am Ende bewerkstelligt wird, ist erstmal zweitrangig. Mir war es als KĂŒnstler wichtig an diesem Prozess beteiligt zu sein, um durch Anregungen und Kritik das bestmögliche aus den Aufnahmen rauszuholen.

Wie entstehen eure Songs?

Seba: FrĂŒher haben wir wirklich sehr hĂ€ufig geprobt, dabei neue Ideen gesammelt und kombiniert, um neue Songs zu schreiben. Seit etwa 5 Jahren proben wir nicht mehr sehr oft, da wir recht verstreut wohnen. Daher haben wir uns eine andere Vorgehensweise angeeignet. Bis auf den Titelsong habe ich alle Lieder auf Into Oblivion geschrieben. Wenn ich kreative Anwandlungen habe, dann nehme ich meine Ideen direkt auf. Kombiniere sie und versuche einen Song daraus zu machen. Dann produziere ich eine Demo, arbeite mögliche Schlagzeugparts aus und lasse so das GrundgerĂŒst eines Songs entstehen. Das zieht sich manchmal ĂŒber mehrere Wochen, weil ich beim Einspielen der Demo neue Ideen bekomme und teilweise alles ĂŒber den Haufen werfe. Bei dem neuen Material hab ich sehr drauf geachtet, dass in Teilen der Songs genug Platz fĂŒr die Gesangslinien bleibt. Da musste ich mich als Gitarrist hier und da schon etwas zurĂŒcknehmen. [Haha]

Habt ihr eine Tour in Planung?

Seba: Na klar! Am Tag der Veröffentlichung starten wir die „Backpfeifen Tour 2018“, wieder zusammen mit unseren Kumpels von Godslave! Die Termine fĂŒhren uns wieder durch weite Teile der Republik und uns mit ERADICATOR sogar nach Schottland! Die genauen Daten findet man auf unserer Homepage.

Wie entstand das neue Video?

Seba: Wir haben ĂŒber einen befreundeten Sozialarbeiter eine Anfrage bekommen bei einem Kultur-Förderprojekt mitzumachen. Seine Idee war es, fĂŒr und mit uns ein Musikvideo produzieren zu lassen. Von der Idee waren wir natĂŒrlich sofort begeistert. Im Zusammenhang mit dem neuen Album hat das zeitlich dann auch perfekt gepasst. Mit Rainer „Zipp“ FrĂ€nzen hatte Jörn auch direkt den richtigen Mann fĂŒr den Job an der Hand. Mit ihm zusammen haben wir dann ein Skript erarbeitet und unsere Möglichkeiten ausgelotet. Der Drehtag selbst war eine wirklich coole und neue Erfahrung fĂŒr uns. Rainer hat uns einiges abverlangt, aber das hat sich wirklich gelohnt, denn das Ergebnis ist der Hammer geworden.

Was sind Eure musikalischen Vorbilder?

Seba: Als ich jĂŒnger war, habe ich mir ĂŒber solche Fragen viele Gedanken gemacht. Wem eifert man nach? Wie kann ich so gut werden wie XY? Unsere Band soll klingen wie Z! Das ist zu Anfang einer Band sicherlich wichtig. Man muss, gerade wenn man keine Erfahrung hat, versuchen sich zu definieren und zu profilieren. Je lĂ€nger ich Musik mache, desto weniger versuche ich anderen nachzueifern. Klar, es gibt Musiker und Bands die einen beeindrucken und im besten Fall inspirieren, aber ein Vorbild in dem Sinne, dass ich auch so sein will, gibt es nicht mehr. Schließlich gĂ€be es die Person dann ja schon. NatĂŒrlich wĂŒrde ich gerne so gut singen können wie Matt Barlow und Gitarre spielen wie Marty Friedman, aber ich arbeite einfach weiter an mir und an der eigenen Band. Je mehr man sich selbst von solchen ZwĂ€ngen löst, desto freier fĂŒhlt man sich und so findet man eher seine eigene Nische.

Was bedeutet Euch die Musik?

Seba: FĂŒr mich persönlich ist die Musik eine der wichtigsten SĂ€ulen meines Lebens. Nicht nur die eigene. Ich genieße es genau so sehr Musik zu hören, wie auch zu machen. Das ist einfach ein fester Bestandteil von mir und ich kann und will es mir nicht ohne vorstellen

Was erhofft ihr Euch von der Zusammenarbeit mit dem neuen Label?

Seba: Vor allem UnabhĂ€ngigkeit! Denn Green Zone Musik ermöglicht es uns unsere eigenen Label Manager zu sein. Bernie und Mika von Godslave fĂŒhren das Label in enger Zusammenarbeit mit mir. Auf diese Art konnten wir unsere Erfahrungen aus den Jahren im Business bĂŒndeln und fĂŒr alle Seiten Vorteile daraus ziehen. Wir sind mit Herzblut dabei und es macht uns sehr viel Spaß das alles selber auf die Beine zu stellen. Klar, wir haben mit Gordeon und H’Art sehr gute Partner fĂŒr Promotion und Vertrieb auf unserer Seite. Diese mussten aber auch erstmal von unserem Vorhaben ĂŒberzeugt werden. Und die Ideen die diese Kombination zusammenhĂ€lt, stammen alle von uns.

Wie seht ihr momentan die Musiklandschaft? Ist heute alles nicht mehr so wie in den guten alten 80ern wo die Bands noch einen hohen Status hatten?

Seba: Was sehr positiv ist: es gibt unglaublich viele gute Bands. Das bedeutet also, dass die Musik und Kulturlandschaft florieren. Ich habe sie zwar nicht ausgiebig erlebt, aber ihren Stand werden sich die Bands der 80er auch schwer erarbeitet haben. Der Ruhm und die Anerkennung die man teilweise entgegengebracht bekommt, sind sicherlich Ă€hnlich. In vielen Teilen der Gesellschaft fehlt aber eine gewisse WertschĂ€tzung gegenĂŒber der Musik, nicht nur als Kunstwerk, sondern auch als Produkt. In Zeiten von Online-Streaming und „Weg-werf-MentalitĂ€t“ wird es einem nicht gerade leicht gemacht die Musik als (kleine) Band zu finanzieren oder gar davon zu leben. DafĂŒr kann man den Konsumenten nicht voll verantwortlich machen, denn dieser Umstand hat sich durch Technisierung und gesellschaftliche Entwicklungen so ergeben. Man kann aber daran appellieren die favorisierten KĂŒnstler durch PlattenkĂ€ufe und Konzertbesuche zu unterstĂŒtzen! Wir freuen uns ĂŒber jeden neuen Fan, den wir mit unserer Musik begeistern können!

Wo seht ihr Euch in 10 Jahren und was sind Eure Ziele?

Seba: ERADICATOR gibt es inzwischen seit 14 Jahren. Da sind wir sehr stolz drauf. Wir haben uns als Band, Musiker und Menschen in dieser Zeit entwickelt und Existenzen aufgebaut! Wir haben sehr viel Freude an dem was wir tun und ich gehe mal davon aus, dass sich das auch auf lange Sicht nicht Ă€ndern wird. Wir haben aber keine Zukunftsvision von uns vor Augen. Wir leben im Hier und Jetzt und machen einen Schritt nach dem Anderen. Die Musik ist ein wichtiger Teil von uns und wird es bleiben! Unseren geheimen Masterplan zur Weltherrschaft verrate ich natĂŒrlich nicht so leichtsinnig! [Harharhar]

Ihr macht alles selber. Wie motiviert ihr Euch immer wieder aufs Neue?

Seba: Da die Band fĂŒr uns eine Herzensangelegenheit ist, brauchen wir uns gar nicht neu motivieren, sondern sind meist immer bei der Sache!

Wie bringt ihr Beruf, Privates und Musik unter einen Hut?

Seba: Vor allem, indem wir uns gegenseitig genĂŒgend Freiraum lassen. Aber es ist schon ein gewisser Grad logistischen Aufwands nötig, da Pitti in Koblenz, Zoppe in Paderborn, Robb in Winterberg und ich in Lennestadt wohne. Diesen Aufwand sind wir aber durchaus bereit einzugehen. Und was Proben und Konzerte angeht, beschrĂ€nken wir uns ja meist auf’s Wochenende. Das passt schon alles!

Was bedeutet es Euch mit Eradicator unterwegs zu sein?

Seba: Wir erleben als Freunde und Band so einige Abenteuer, spielen Konzerte in fremden StĂ€dten (oder sogar LĂ€ndern) und können ĂŒberall Publikum und Fans von uns begeistern. Mich persönlich macht das sehr glĂŒcklich. NatĂŒrlich ist es auch des Öfteren sehr anstrengend, aber es lohnt sich eigentlich immer!

Das Interview fĂŒhrte Stormrider

Interview: Gabriel Keyes (CRASHDÏET)

Posted by Radu On Februar - 21 - 2018

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Ich hatte ein absolut tolles Interview mit dem neuen SĂ€nger von CRASHDÏET – Gabriel Keyes.

Was er alles so zu erzÀhlen hat, lest ihr hier:

Erst einmal danke, dass du dir die Zeit nimmst und ein Interview mit mir machen willst.
Es bedeutet mir sehr viel, ich weiß, dass Zeit Geld ist und deshalb bin ich sehr froh, dass du dir Zeit nimmst.

Gabriel: Danke dir!

CRASHDÏET  ist eine Band mit sehr langer Story. Wie fĂŒhlt es sich an, ein Teil von so einer tollen Rockband zu sein? Der SĂ€nger zu sein und die Band zu reprĂ€sentieren?

Gabriel: Es fĂŒhlt sich toll an! Du weißt, fĂŒr mich fĂŒhlt sich das irgendwie unwirklich und böse an. (Lacht) Böse. Es fĂŒhlt sich sehr gut an. Du weißt, dass ich viele Erwartungen habe. Die Band hat viel zu bieten. Sie haben noch nicht das Toplevel erreicht und ich denke auch, dass es viel mehr an Potential in einer Band zu finden gibt. Also bin ich sehr aufgeregt!

Bist du nervös vor einem Auftritt oder eher der Entspannte?

Gabriel: Es ist schon sehr normal fĂŒr mich. Irgendwie wird alles normal, also bin ich nicht wirklich nervös. Ich freu mich, will es JETZT machen und einfach voran kommen. Ich will da raus gehen und DIE BUDE ROCKEN!

Was machst du nach einer Show? Party? Relaxen?

Gabriel: Ich bin ein Partytier. Weißt du, man muss ja auch bedenken, dass ich viel Zeit verloren habe hier. Nicht nur einen Auftritt. Deshalb muss ich halt an meine Stimme denken, aufpassen, dass ich sie nicht kaputt mache und mich auf die Performance mehr konzentrieren, als auf die Party. Selbst wenn es manchmal blöd ist, aber das ist das reale Leben.  (Lacht)

WĂŒrdest du dich selber als ein Kind der „wilden Generation“ beschreiben? (Wie im Song „Generation wild“)

Gabriel: Nicht genau. Ich war ziemlich geknickt. Ich war ein richtig fröhliches Kind, bis ich in der dritten Klasse war, dann wurde ich mehr zum Rebell. Ich war verdammt wĂŒtend auf die Zeit. Begann zu rauchen, begann zu trinken. Es dauerte eine Zeit, um den Stil, den ich hatte, zu Ă€ndern. Ich war ziemlich normal, bis ich in den Rock einstieg.
Das erste Mal sah ich die Crew. Ich war wie “Was zum Teufel ist das?”. Mein Bruder Kriss zeigte sie mir und ich dann so: “Sie sehen aus wie MĂ€dchen”. Ich fĂŒhlte mich ein bisschen unangenehm, hatte das GefĂŒhl, dass das lĂ€cherlich ist. Aber dann fing ich an, es zu mögen. Ich begann die Kleidung zu tragen und versuchte so zu sein wie sie.
Aber ich bin dann doch eher so der SKID ROW Fan. Das gefÀllt mir mehr als die Glam Bands. Ich mag einfach den harten Melodic Rock, den SKID ROW eben haben, oder GUNSŽNŽROSES. Lieber Punk, RockŽnŽRoll Musik als Glam Metal mit hochtoupierten Haaren.

Wer ist dein grĂ¶ĂŸter Einfluss in Sachen Musik? Irgendwelche Lieblingsbands?

Gabriel: SKID ROW!
Die haben einfach diese „Star Power“, so als ob es dich durchleuchtet, sobald sie auf der BĂŒhne sind. Du wirst einfach geblendet von dem Licht!

Ich habe von der Band gelesen, die du frĂŒher hattest (PERFECT CRIME). Warst du immer schon ein Musiker? Ist das bei euch in der Familie so?

Gabriel: Ich denke, wir sind eine musikalische Familie, ja. Mein Onkel ist Songwriter, also meine ganze Familie hat etwas mit Musik zu tun. Singen, alles. Ich glaube auch, dass das Ganze schon sehr bald begonnen hat. Als ich ein Kind war, habe ich das Singen angefangen. Also war die Musik da, seitdem ich denken kann.

War das immer dein großer Traum?

Gabriel: Ja, schon. Eigentlich hatte ich nicht den Traum, ein KĂŒnstler zu sein oder sowas, bis ich in diesen RockÂŽnÂŽRoll kam. Das war das erste Mal, dass ich es fĂŒhlte, ein Rockstar sein zu wollen. Und das war auch der Moment, in dem sich alles Ă€nderte.

Kannst du mit der Musik ĂŒberleben oder hast du einen Job?

Gabriel: Ich habe einen Job.

Was wĂŒrdest du machen, wenn du nicht in CRASHDÏET wĂ€rst? Wo wĂŒrde dein Talent dann hingehen?

Gabriel: Ich weiß es eigentlich nicht. Vor Crashdiet habe ich meine zweite Band gegrĂŒndet. Ich war in dem Moment einfach nur mĂŒde. Ich hatte lange schwarze Haare und war einige Zeit ziemlich in meiner IdentitĂ€t verloren. Als diese Chance kam, war ich tatsĂ€chlich bei den Jungs von HIGHRIDE mit meinem Bruder Kriss und mit Peter. Und jemand schrieb mir per Messenger: “Hey, CRASHDÏET sucht nach einem neuen SĂ€nger! Willst du es ausprobieren? “. Und ich dachte: “Nun, ich weiß es nicht”.
Peter meinte: “Oh, komm schon! Sei Crashdiet! Mach das!” Und ich dann: “Okay, versuche es einfach “.
Vorher habe ich nur ein paar Balladen und Sachen auf meinem Computer aufgenommen, mehr nicht. Ich war nicht so aktiv in der Musik.

Freust du dich schon auf die Europatournee diesen Sommer?

Gabriel: JA natĂŒrlich! Wir sind auf dem Bang Your Head Festival vertreten und machen auch noch ein Festival in Schweden. Und im Oktober sind wir in den Staaten. Das ist ein kleineres Festival, da kommen 700 Leute oder so.
NatĂŒrlich hoffe ich, dass wir noch mehr Festivals spielen, wobei ich sagen muss, dass ich mich schon sehr auf Bang Your Head freue.

Warst du schon mal auf Tour?

Gabriel: Nein, das ist mein erstes Mal. Aber ich freue mich wahnsinnig drauf.

Die wichtigste Frage: Warst du schon einmal in Deutschland?

Gabriel: Einmal. Das war aber bloß ein Zwischenstopp am Flughafen auf dem Weg nach Amerika. Wir sind in Frankfurt gelandet und fĂŒr ungefĂ€hr fĂŒnfzehn Minuten in Deutschland gewesen. Aber ich freu mich sehr auf Deutschland.

Möchtest du deinen Fans noch etwas sagen?

Gabriel: Danke fĂŒr euren Support und ich hoffe, dass wir uns bald sehen!

crash

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I had a pretty cool  Skype Interview with the new singer of CRASHDÏET: Gabriel Keyes!

What he has to tell, you can read here:

First of all, thank you for taking your time to have an interview with me.
It means a lot to me. I know that time is money and that’s why I’m very glad that you take time for me.

Gabriel: Thank you too!

CRASHDÏET is a band with a really long story behind it. How does it feel to be a part of such an amazing rockband, to be the lead singer and to representing this band?

Gabriel: It feels amazing! You know for me this feels kind of unreal and wicked. (Laughs). Wicked. It feels very good. You know I have a lot of expectations. The band has a lot to give, they haven’t reached the top level and I also think there is a lot more potential to find in a band. So I®m so excited about this!

Are you nervous before gigs or are you the relaxed one?

Gabriel: It is pretty natural for me. Everything is becoming natural so I don’t really feel nervous. I am just excited, I just want to do it RIGHT NOW so I just want to keep it going. I just want to get out there and kick some fuckin ass!

What are you doing after a show. Party? Relax?

Gabriel: I am a party animal, you have to think like a long time I’ve passed. It®s not only one gig. I think I have to think about my voice a lot, that I don’t get destroyed and focus on the performance more than on the party. Even if it sucks you know, that is the real life (laughs).

Would you describe yourself as a child of the „wild generation“? (As the song generation wild)

Gabriel: Not exactly, I was pretty kinked. I was a real happy kid until I got on third class, then I turned more into a rebel. I was fucking angry at the time. Started smoking, started drinking, it took a time to change the style I had. I was pretty normal until I got into Rock.
First time I saw the crew I was like „what the fuck is this?“. My brother Kriss showed me and I was like „they look like girls“, I felt like it was a bit cringe. I felt like this is ridiculous. But then I started to like it. I started to wear the clothes and tried to be like them. But I am more the Skid Row fan than the glam bands. I like this heavy melodic rock, like Skid Row, Guns®n®Roses, not the glam. I’m not so into this big hair stuff, I’m more into this punk, rock®n®roll stuff.

Who or which bands are your biggest influence when it comes to music? Any favorite Bands?

Gabriel: Skid Row.
They got this „star Power“, like it shines through you when they are on stage, you know? You got blinded by the light!

I have read about the band you had in the past (Perfect Crime). Have you always been a musician? Is it in your family?

Gabriel: I think we are a musically family, yes. My uncle is a songwriter, my whole family is really into music. Singing and everything. I also think this started pretty early, when I was a kid I started singing. So it has been there since I can remember.

So this was ever a big dream of yours?

Gabriel: Yes. Actually I didn’t have the dream to be an artist or something until I came into this Rock®n®Roll. This was the first time I felt like I wanted to be a rockstar. Go on tour, playing in front of big crowds. This was the moment everything just changed.

Can you survive with your music or do you have a job besides it?

Gabriel: I have a job besides.

What would you do if you were not in CRASHDÏET. Where would your talent go then?

Gabriel: I don’t know actually. Before CRASHDÏET I created my second band. I was just tired there at the moment. I had long black hair and was kind of pretty lost in my identity for a while so when this chance came I was actually with the boys of HIGHRIDE with my brother Kriss and Peter. And someone wrote to me on messenger „Hey, CRASHDÏET is searching for a new singer! Do you want to try out?“. And I was like „well I don’t know“.

Peter was like „Oh come on! Its CRASHDÏET! Do this!“ And then I was like „okay, just give it a try“. Before this I was just recording some ballads and stuff on my computer, nothing more than that. I was not so active in the music.

CRASHDÏET has released four cds so far. Could you tell me if there is going to be a fifth one in the future?

Gabriel: Yeah, of course! (Laughs)

Are you already excited about the European Tour this summer?

Gabriel: Yes, of course! We are going to be on Bang Your Head Festival, and one in Sweden, and one in the United States in October. A little smaller Festival, it takes like 700 people. And of course I hope there is going to be some more!
But I am very excited for Bang your Head.

Have you ever been on tour?

Gabriel: No, that is my first time. I am pretty excited about it.

And the most important question: Have you ever been in Germany?

Gabriel: Once. But that was just changing flights on my way to America. We landed in airport Frankfurt and stayed about 15 minutes.
But I am very excited to go there.

Is there anything you want to tell your fans?

Gabriel: Thanks for all the support this far and I hope to see you guys soon!

Paola