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REVIEW: DIMMU BORGIR

Posted by Radu On Mai - 24 - 2018

REVIEW: EAONIAN

Eonian

Ehrlich gesagt hatte ich DIMMU BORGIR komplett aus meinem Radar verloren. Das mag an der Zeit nach der letzten Veröffentlichung sein (ca. sportliche sieben Jahre) oder auch an der Entwicklung. Es wurden immer perfektionistische Alben abgeliefert, aber irgendwie fehlten mir auf der letzten Platte die Dauerbrenner, die sich ins LangzeitgedĂ€chtnis frĂ€sten (abgesehen natĂŒrlich vom Song `Dimmu Borgir`, der ist einfach genial). Um so erfreuter war ich, nach langer Zeit wieder etwas von der einst wegweisenden Black Metal Institution zu hören. Das Video zu `Interdimensional Summit` enttĂ€uschte mich auf der ganzen Linie: das sollten die großen DIMMU BORGIR sein, die mich seit den 90ern so fasziniert haben? Zu straightes Songwriting, eierloses Riffing und wo ist die Aggression hin? OK, die Chöre haben schon etwas und rennen bei mir offene TĂŒren ein, aber der Rest? Selbst das Solo konnte meinen ersten Eindruck nicht retten und so verschwand die Band erneut fĂŒr mich in der Versenkung. Einen Monat spĂ€ter wurde das Video zu `Council Of Wolves And Snakes` veröffentlicht. Die Band war fĂŒr mich eh im Arsch, also konnte ein kurzes Reinhören nicht schaden. Etwas schamanistisch angehaucht und wie eine kommerzielle Antwort zu Ruins Of Beverast war mein erster Eindruck, ehe das Break mit den Akustikgitarren, den atmosphĂ€rischen Landschaftsaufnahmen und den Chören mich völlig unerwartet traf. Eine GĂ€nsehaut, einfach so? Ich habe mir die Akustikpassage immer wieder und wieder angehört, ehe ich mir den Song einige Male gegeben habe; das war der AufhĂ€nger sich einmal an das neue Album heran zu trauen.

Bereits die ersten industriellen KlĂ€nge von `The Unveiling` deuten an, daß man hier kaum etwas im Vorfeld erahnen kann. Baut es sich majestĂ€tisch auf, ehe die Gitarren sich (mehr oder weniger) aggressiv durch die Boxen schlĂ€ngeln. Besonders die Chorpassage hatte mich schnell im Griff, auch wenn mir die brutale Black Metal Keule gefehlt hat. Der Eindruck wird durch das erneute Hören von `Interdimensional Summit`verstĂ€rkt; die Zusammenarbeit mit dem Orchester fĂŒr das Live Album „Forces Of The Northern Night“ hat tiefe FußabdrĂŒcke im Songwriting hinterlassen. Statt HĂ€rte und AggressivitĂ€t, setzt man auf ein symbiotisches Zusammenspiel von Bombast und AtmosphĂ€re. Das funktioniert auch ĂŒberraschend gut, allerdings muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, daß es eher einen Soundtrack Charakter, als das Feeling eines (Black) Metal Albums hat. SpĂ€testens mit `Aetheric` haben mich DIMMU BORGIR geknackt; das Einstiegsriff ist zwar belanglos, danach prescht man allerdings dynamisch nach vorne und wiegt sich in einem groovenden Riff in Sicherheit. Die hohen Gitarrenmelodien mĂŒnden in eine Chorpassage, die GĂ€nsehaut garantieren. „All is eternal“ erschallt es bombastisch aus den Boxen und aus meiner Kehle, wĂ€hrend meine Boxen in voller LautstĂ€rke geflutet werden. Gerade beim Zusammenspiel zwischen Bombast und episch spielt man hier alle TrĂŒmpfe auf und zaubert emotionale Momente auf die mentale Festplatte, das man nach dem Song freudig grinst.

`Lightbringer` erinnert mich an die alten Tage der Band, als Aggression noch mit Bombast gepaart waren, auch wenn man sich durch die ersten anderthalb Minuten durchkĂ€mpfen muss. Fixes Drumming, knackige Riffs sprinten nach vorne, um sich einem epochalen Refrain zu entfalten. Weit entfernt von der Aggression der alten Tage, spĂŒlt es jedoch alte GefĂŒhle der „Stormblast“ Ära nochmal aus dem Unterbewusstsein an die OberflĂ€che. `I Am Sovereign` könnte als das progressivstes StĂŒck hervorgehen, besticht es jedoch in der Mitte mit seinen Groove Passagen, bei denen Gitarren und Synthesizer gleichzeitig um die Wette eifern. Letzten Endes gewinnt die Gitarre mit ihren Tapping Passagen die Oberhand, ehe der Song in die orchestrale Zielgerade abbiegt. Auch `Archaic Correspondence` deutet die Aggression nur an, ehe die Textpassage „Life is a trial and the passage is death“ sich in das LangzeitgedĂ€chtnis krallt. Sollte man sich vielleicht mal intensiver mit den Texten beschĂ€ftigen, wĂ€hrend man die Scheibe hört? Der Song ist ein guter AufhĂ€nger dafĂŒr und verdichtet die diabolische AthmosphĂ€re, ohne auch nur ansatzweise ins Klischee abzudriften. Egal was man ĂŒber dieses Album denken mag, aber `Alpha Aeon Omega` verteidige ich von Anfang bis Ende, denn mit diesem Song haben DIMMU BORGIR meiner Meinung nach den besten Song ihrer Karriere geschrieben: es deutet bereits atmosphĂ€risch eine mentale Wanderung auf den Gipfel an, ehe (endlich) aggressives Drumming und Gitarren den Weg zur reise ebnen. Die Gesangspasssage kĂŒndet von der ewigen Suche, die in uns stattfindet, ehe ein GĂ€nsehautsolo die Vorlage fĂŒr den geilsten Orchesterrefrain bietet, den ich mir bei dieser Band vorstellen kann. Nur noch einmal diese Passage hören, nur noch ein wenig lauter, vielleicht doch nochmal den gesamten Song? Ich kann nicht anders, als ehrfĂŒrchtig vor diesem Song auf die Knie zu sinken, denn das Kopfkino ist einfach zu groß, als das ich es mit irgendwelchen Kritiken auch nur ansatzweise unterbrechen möchte. So muss der perfekte DIMMU BORGIR Song klingen! Am Ende gibt es mit `Rite Of Passage` noch den instrumentalen Rausschmeißer, der atmosphĂ€risch die TĂŒr zu macht.

Insgesamt kommt die neue Scheibe sehr athmosphĂ€risch rĂŒber, man muss sich nur im Klaren darĂŒber sein, daß es ein epischer Soundtrack, ohne Fokus auf Aggression oder BrutalitĂ€t ist. Man kann der Band nun vorwerfen, alte Fans zu vergraulen, aber sie ziehen kompromisslos ihr Ding durch ohne darauf zu achten, ob man ihnen folgt oder sie hasst. Genau das macht den rebellischen Geist des Black Metal meiner Meinung nach auch aus, statt ausschließlich brutales Geballer oder schlechte Produktion. A propos Produktion: Jens Bogren hat hier ganze Arbeit geleistet, denn „Eonian“ drĂŒckt sich wuchtig aus den Boxen. Besonders die Symbiose aus Metal und Orchester ist hier sehr gut ausbalanciert worden., auch wenn Dynamik statt Aggression regiert. Sehr zu empfehlen ist die Mailorder Edition von Nuclear Blast, denn die Box lĂ€sst das schöne Artwork nochmal sehr gut zur Geltung kommen und die Picture Vinyls sehen sehr edel aus.

Fazit: Entweder man liebt oder hasst „Eonian“, dazwischen gibt es nicht viel Platz. Wer mit einer gewissen Erwartungshaltung herangeht, wird von der fehlenden Aggression schwer enttĂ€uscht sein. Wer sich einem diabolischen Soundtrack mit dichter Orchester AthmosphĂ€re in den Hades reißen will, kommt an der Scheibe nur schwer vorbei. Man muss Geduld und Zeit mitbringen, aber sobald sich das Album auch nur einen Spalt geöffnet hat, betritt man eine Welt, aus der man lĂ€ngere Zeit nicht mehr rauskommen möchte. Nach vielen DurchlĂ€ufen und einigen hart erarbeiteten Passagen komme ich zu dem Schluss, daß ich seit der „Enthrone Darkness Triumphant“ nicht mehr so intensiven Spaß mit DIMMU BORGIR hatte. Noch eine Passage aus den Songs rauskitzeln, noch etwas neu entdecken oder einen ganzen Song frenetisch abfeiern, hier bin ich nach vielen Jahren endlich wieder nach hause gekommen.

5 von 6 Punkten

Radu

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