Wer Interesse an Bandfotos (Promotion/Live), einem privaten Shooting, o.Ă€. hat, kann mich gerne unter info@metal-impressions.de kontaktieren. Preis nach Absprache.

Archive for the ‘2009’ Category

Die Faust des Nordens schlĂ€gt erneut zu – TYSON aus Kiel

Posted by Stefanie On Dezember - 10 - 2017

Tyson-Unbreakable_(Cover)_NeuDie einst im Jahre 2007 gegrĂŒndete Band startete als Hardcore-Punk-Band. 2008 wurde die erste EP veröffentlicht. 2010 erschien ihr erstes Studio-Album „Bareknuckle Fight“, welches dann alles andere als Punk war, sondern seine komplett eigene Schublade im Metalcore fand. 2014 veröffentlichte die Band unter neuem Lable, nĂ€mlich Remedy Records, ihr Album „Counterparts“. Wer diese Band schon einmal live erlebt hat, wird sich dabei ertappen, nach dem Konzert den Merch-Stand aufzusuchen und sich ihre Scheiben gleich mitzunehmen. Sie schlagen ein wie eine Faust. So ging es mir vor zwei Jahren ebenfalls, als ich das erste Mal auf unsere norddeutsche Metal-Perle aufmerksam wurde. Umso mehr ist es mir nun als Redakteurin des Metal Impressions Magazines eine Ehre, das neue Album „Unbreakable“ (erneut unter dem Lable von Remedy Records / Soulfood) rezensieren zu dĂŒrfen. Nach vier Jahren wurde nun neue TYSON-Geschichte geschrieben und ich habe, um hier auch subjektiv zu sein, meinen Kollegen Kai mit ins Boot geholt und wir haben unabhĂ€ngig voneinander das am 28.02.2018 erscheinende Werk unter die Lupe genommen.

Die vier Mannen der Band TYSON, AndrĂ© „Kochi“ Koch (Volcals/Bass), Pierre „Diddy“ Dapper (Guitar), Tom Banx (Drums) und Zed Doomhammer (Guitar) sind nun zusammen einen anderen Weg gegangen, wobei man selbstverstĂ€ndlich immer noch den typischen TYSON-Sound erkennbar hört – also die TYSON-Fans mĂŒssen keine Panik bekommen. Es sind die alten TYSONÂŽs – dennoch kommen sie thrashiger daher, aber auch melodiöser.

Vollkommen gespannt und glĂŒcklich ĂŒber den eingeschlagenen Pfad kamen TYSON im SpĂ€tsommer aus dem Preetzer Studio „JAK`s Hell“ und berichteten mir: „Es ist als wĂŒrde ich Dir nun erzĂ€hlen, wir hĂ€tten gerade unser Baby bekommen“.

Da ich TYSON, wie schon zuvor erwĂ€hnt, aus alten Tagen mit ihrer brachialen Hardcore-Metal-HĂ€rte kannte, fiel mir sofort auf, dass ich mit dem neuen Album nun auch Neues auf die Öhrchen bekommen sollte. Dem Kollegen Kai und mir gefiel die Scheibe schon beim ersten Durchlauf. Das passiert mir Ă€ußerst selten. Aber dabei sollte es nicht bleiben. UnabhĂ€ngig voneinander hörten wir uns StĂŒck fĂŒr StĂŒck durch „Unbreakable“ – ich nunmehr schon gefĂŒhlte 50 Mal, was aber nicht bedeutet, dass es mir schwer fallen sollte, hier eine Rezensierung abzuliefern. Nein im Gegenteil: Sie lĂ€uft rauf und runter, da dies eine absolut geile Scheibe ist.

Schon bei dem VorgĂ€ngeralbum „Counterparts“ gefiel mir das Intro vorweg. Bei „Unbreakable“ gibt es das `DarknessÂŽ-Intro. Mystisch lĂ€sst es uns in das Album hineinschlittern und fĂŒr mich ist der erste Drops damit gelutscht und dieser macht Lust auf mehr.

Mit Oldschool-Thrash geht es ĂŒber in `From the ashesÂŽ. Erinnert diese Nummer doch gesanglich an alte Tage von Rage, meinte Kai. Sehe ich genauso, dennoch finde ich in den melodiösen Parts auch Annihilator-EinflĂŒsse. Die gewohnte Schnelligkeit von TYSON ist hier wie immer findbar, aber fĂŒr mich – als eine auf den Gesang sehr fixierte Person – endlich erkennbar die wundervolle Stimmfarbe von AndrĂ© „Kochi“ Koch. GefĂ€llt mir sehr, dieses Zusammenspiel zwischen hart und zart. Kollege Kai gab als Anspieltipps die Tracks `Bleeding machineÂŽ oder `HigherÂŽ Aber auch die melodiösen Songs, wie ÂŽThin iceÂŽoder `ScarsÂŽ sind sehr gelungen. Auch bei `ScarsÂŽ bin ich gitarrenmĂ€ĂŸig wieder bei Annihilator. Sauber klar gespielte Thrash-Nummer mit gesanglich weichem Refrain. Daumen nach oben. Bei ÂŽMoshpit AllianceÂŽ hat man sofort das GefĂŒhl, man begibt sich in den Strudel moshender Metalheads und muss total mit abgehen in dem wirbelnden Kreis. Sehr gute Nummer. Nennenswert und mein liebstes Kind auf diesem Album ist allerdings ÂŽDeath by silenceÂŽ. Schnell taktierender Beginn, nette Riffs und am Anfang die Gewalt in der Stimme die nahtlos ĂŒbergeht in seichten Gesang und zurĂŒckspringt in die HĂ€rte. Ich liebe diese Nummer. Höre ich da nicht ein wenig an einigen Stellen Tremonti ?

Zusammenfassend: Dieses Album ist im Vergleich zum VorgĂ€ngeralbum, das schon wirklich gut war, um einiges besser. Oldschool-Thrash wurde gepaart mit „mehr“ Augenmerk auf Stimme und melodischen Parts. Eine Stimme, die die VorgĂ€ngeralben natĂŒrlich ebenfalls hatten, aber sie auf “Unbreakable” nun endlich zu ihrem Besten kommt. Die mal kratzenden harten Töne kĂŒssen ineinanderfließend melodische KĂ€nge und werden von sauber gespielter instrumentaler Seite unterstĂŒtzt. Eine tolle Entwicklung, mit der TYSON einerseits ihren alten Fans treu bleibt und andererseits neue hinzu bekommt. Da bin ich mir sicher. Einen Abzugspunkt gibt es leider von uns in punkto Produktion. Hier waren wir uns – unabhĂ€ngig voneinander – einig, dass der Gesang hĂ€ufig allein im Raum steht. Ansonsten aber eine super geile Scheibe, die absolut Lust auf mehr macht.

Wir wĂŒnschen der nordischen Formation TYSON mit diesem wirklich gutem Endergebnis einen erfolgreichen Plattenverkauf und die Chance von einer grĂ¶ĂŸeren Band auf grĂ¶ĂŸere BĂŒhnen mitgenommen zu werden. Denn da gehören TYSON hin.

Das Album ist ab 28.02.2018 erhÀltlich.

https://www.facebook.com/TYSON.HWM/

http://www.tyson-kiel.de/tyson/

Tyson-Pressefoto_neu

Punkte: 5/6

Stefanie u. Kai

RHF 2018 NEUZUGÄNGE

Posted by Uli On Dezember - 8 - 2017

rockhard-festivalVier neue Bands sind fĂŒr das fĂŒr das Rock Hard Festival 2018 bestĂ€tigt worden: OVERKILL, DOOL, NOCTURNAL RITES und THUNDERMOTHER!

REVIEW: JEN MAJURA

Posted by Uli On Dezember - 8 - 2017

JenMajura_InZENity_CoverJEN MAJURA – InZENity: Am 24. November erschien endlich das lang erwartete zweite Album der Gitarristin und SĂ€ngerin JEN MAJURA, ehemaliges Mitglied von KNORKATOR/ EQUILIBRIUM und mittlerweile seit 2015 festes Bestandteil der wohl bekannten amerikanischen Band EVANESCENE. Da sich die SĂ€ngerin Amy Lee in den vergangenen Jahren eine kreative Auszeit gönnte, konnte sich Jen nun endlich um ihr neues Album kĂŒmmern. DafĂŒr hat sie sich ein paar langjĂ€hrige musikalische Freunde mit an Bord  gezogen, die hier einige erstklassige Gastsoli zum Besten geben durften: Alex Skolnick (TESTAMENT), Jeff Waters (ANNIHILATOR), Matthias Ia Eklundh (FREAK KITCHEN), Jan Zehrfeld (PANZERBALLETT) und Nico Schliemann (GLASPERLENSPIEL).

Herausgekommen ist hier nun ein Album, das sich wirklich hören lassen kann. Angefangen vom starken Opener `All The Other Ones`, dem vertrackten Titelsong `InZENity`, der durch seine abwechslungsreiche Rhythmik und MelodiefĂŒhrung besticht. `Bully Lies` wiederum ĂŒberzeugt mit einem starken Groove und brillantem Gitarrensolo. `Lied Ohne Namen‘ wird akustisch dargeboten. ÂŽSick Brain`geht wieder in die Vollen, gefolgt von `Stupid Piece Of Wood` und dem anschließenden instrumentalen `Tobi DidnÂŽt Show Up For Breakfast`, meines Erachtens dem geilsten Song der ganzen Scheibe, wĂ€hrend ‚Like Chuck Norris‘ auch ganz schön im Gehör steckenbleibt. `Far Away`beendet dann das Album.

Man muss es wirklich gehört haben. Dieses Album ist ein erstklassiges Rock/Metal Album geworden. Angefangen mit Jens großartigem Gesang, der mal rockig und soulig rĂŒberkommt, die Refrains gehen sofort ins Gehör und bleiben dort stecken. Das Songwriting ist bis ins kleinste Detail liebevoll durchdacht und es macht wirklich Freude immer neue Nuancen, wie witzige Soundschnipsel oder kurze experimentelle Soundkaskaden zu entdecken. Brachiale Riffs wechseln sich mit ruhigen Passagen ab und geile Gitarrensoli runden das Ganze ab.

Jen ist es wirklich gelungen ein Album der Extraklasse zu veröffentlichen. Man merkt, dass sie hier ihr ganzes Herzblut reingesteckt hat und wir wollen doch hoffen, dass es ihr gelingt, die breite Masse anzusprechen. Alle Daumen hoch!

5/6 Uli


BLIND GUARDIAN SPECIAL

Posted by Radu On November - 23 - 2017

30 Jahre BLIND GUARIDAN

Tolkien, Stephen King, Michael Moorcock. Dies sind thematisch die wohl grĂ¶ĂŸten EinflĂŒsse, die eine junge Band aus Krefeld einst inspiriert haben zu den Instrumenten zu greifen. Mittlerweile sind 30 Jahre vergangen; Grund genug einmal die Geschichte der blinden WĂ€chter Revue passieren zu lassen. Dabei ist uns Marcus Siepen in einem entspannten Telefonat behilflich. Vorhang auf fĂŒr BLIND GUARDIAN im Spiegel der Zeit.

BG Logo

Gleich zu Beginn ist ein GlĂŒckwunsch zur langjĂ€hrigen Bandgeschichte angebracht.

„Ich muss sagen, wir denken nicht wirklich in diesen Kategorien. Es kommt vor, daß Leute uns darauf ansprechen wie „30 Jahre BG“ oder „20 Jahre Nightfall“. Dad enkt man aber gar irgendwie gar nicht darĂŒber nach, wir sind mehr nach vorne orientiert. Blick nach hinten kann sehr schön sein , aber wir sind mehr nach vorne fokussiert. Es ist ein sehr schönes GefĂŒhl, auf so eine lange Karriere zurĂŒckblicken zu können. Heutzutage bist du ja schon eine alte Band, wenn du fĂŒnf Jahre auf den Buckel hast. Da sind wir ja schon Dinosaurier. Es ist ein schönes GefĂŒhl nach 30 Jahren noch am Start zu sein und relevant zu sein.“

Wir schreiben das Jahr 1983, in der Heavy Metal als Randerscheinung sein Dasein fristet. Die große Bandbreite der Gesellschaft zelebriert Popmusik und AnhĂ€nger des Metals werden von der großen Masse als asoziale Typen mit krankem Geschmack abgestempelt. Innerhalb der Metalszene frönt man jenen Bands, die heute Legendenstatus haben; kaum ein Jugendzimmer, das nicht mit Bruce Dickinsons Stimme beschallt wird, ohne ACDC Poster an der Wand auskommen und Black Sabbath haben gerade mal ein Viertel ihrer Besetzungswechsel am Mikro hinter sich. Langsam entstehen die ersten unterschiedlichen Stile, die man sowohl vom musikalischen, als auch von den Covern her erkennen kann. Kreator und Testament beispielsweise zelebrieren Thrash, wĂ€hrend Running Wild und Helloween ihre Geschwindigkeitsgrenzen ausloten. Cannibal Corpse schockieren mit fiesen Covern und extremen Texten, wĂ€hrend Metallica nicht nur durch ihren Namen, sondern aufgrund einer perfekten Setlist die Hallen fĂŒllen.

BG 1987
In diese Welt wird eine junge Band aus Krefeld hineingeboren, die auf den Namen LuciferÂŽs Heritage hört. Auch anno 2017 hat der Name nichts von seinem Charme verloren. „Angestaubt ist der Name nicht, ich mag ihn genauso wie damals“ erinnert sich Marcus Siepen „Mit unserem damaligen Namen sind wir in die falsche Schublade gesteckt worden. Viele Leute, die unsere Musik nicht kannten und nur unseren Namen hörten, haben uns in die Black Metal Schublade gesteckt, in der wir nicht reingehören. Uns ist schnell klar geworden, daß wir schnell einen anderen Namen brauchen. Wir mögen Schubladendenken generell nicht, aber dann in eine Schublade gesteckt zu werden, in die man gar nicht rein gehört, ist nicht schön.“

Man probt zusammen und wohnt teilweise in einem alten Kellerraum, den man sich mit einem fiesen Gummiteppich und Kellerasseln teilt. Hier entsteht die erste Demo und man will das erste Album aufnehmen. So betritt LuciferÂŽs Heritage das Aufnahmestudio, den es nie mehr verlassen soll. Drei Wochen Zeitfenster, um die Songs einzuspielen, können eine sehr lange Zeit ist sein. Man spielt also einfach drauf los und hofft, daß es besser klingt, als im Proberaum. „Wir sind noch als LuciferÂŽs Hertitage ins Studio gegangen, um die „Batallions“ aufzunehmen und saßen abends noch in der StudiokĂŒche. Jeder hatte einen großen Zettel vor sich, mit tausenden von NamensvorschlĂ€gen von möglichen und unmöglichen Namen. Der Bandname kommt von dem Song `Guardian Of The Blind`, den wir bereits hatten. Ich glaube Hansi hatte damals die Idee dazu und der Name gefiel uns am besten. Es klang gut und hatte etwas von Fantasy, was sich auch in unseren Texten wiederspiegelt.“ Das ist das Ende von LuciferÂŽs Heritage und der Beginn einer langen Reise fĂŒr die blinden WĂ€chter. Der erste Schritt ist der Erstling „Battallions Of Fear“, der musiktechnisch eine Hommage an Iron Maiden und alte Helloween auf Speed ist.

Battallions Of Fear

Blind_guardian_battalions_of_fearDie Drehorgel zu Beginn von `Majesty`wiegt mit einem Walzer in Sicherheit, ehe es lauthals aus den Boxen hervorprescht. Geschwindigkeit, HĂ€rte und straight in die Fresse sind dabei die Hauptzutaten, die lediglich von Gesangslinien umgarnt werden, die sich bereits nach dem ersten Durchlauf langfristig in die Hirnrinde frĂ€sen. Herrlich, wie sich die Jungspunde hemmungslos austoben und dabei auch noch interessante Texte verarbeiten. `Guardian Of The Blind` beackert die Geschichte von Stephen Kings „Es“ (deren Remake dieses Jahr die Kinos befallen hat) und ist gleichzeitig Schuld an dem Tod von LuciferÂŽs Heritage und die Geburt von BLIND GUARDIAN. SĂ€gende Riffs und frickelige Solis lassen in den ersten beiden Minuten die MĂ€hne kreisen, ehe man sich zum Refrain vorarbeitet, den man einfach nur noch lauthals mitschreien will. Die Solis verursachen GĂ€nsehaut und auch wenn Hansis Stimme fernab von seinem eigentlichen Potential ist, so gibt es keine bessere Stimme, die zu dem Sound passen wĂŒrde. `Wizard’s Crown`ist ein rĂ€udiger Bastard aus Thrash und Speedelementen, der lediglich fĂŒr seinen Chorus die Geschwindigkeit drosselt. Das hymnenhafte `Run For The Night` poltert sich auch Jahre spĂ€ter als Live Bonustrack beim „Tales From The Twilight World“ Album durch die GehörgĂ€nge. Hier prasseln Hansis Worte in Dauerfeuer auf die Lauscher ein, ehe der Chorus alles beflĂŒgelt. Mit `The Martyr` begleiten wir die Leidensgeschichte von Jesus, bei denen die WĂ€chter sehr vielschichtig zu Werke gehen. Midtempo hier, Geschwindigkeitsrausch da und eine Herausforderung fĂŒr Hansis Stimme, die mal bellend, mal klagend und auch fordernd aus den Boxen schallt. Der Titeltrack prescht aggressiv aus den Boxen und bietet das volle Moshprogramm, verteilt auf ĂŒber sechs Minuten. Das Schlagzeug kommt hier besonders gut zur Geltung, denn neben stumpf auf die Zwölf wird hier fleißig variiert, so daß spĂ€testens an dieser Stelle des Albums keine Zweifel mehr an den Ideenreichtum der noch jungen Band bleiben. `Trial by the Archon`, `By the Gates of Moria` und `Gandalf’s Rebirth`sind drei InstrumentalstĂŒcke, die geschickt zwischen den Hochgeschwindigkeitsattacken eingestreut werden. Textlich setzt man hier den Grundstein fĂŒr die Herr der Ringe Thematik, ohne jedoch den Weitblick fĂŒr andere Themen außen vor zu lassen. Das Cover ziert zwei verhĂŒllte Kapuzengestalten beim Schachspiel; die Metaphorik des verhĂŒllten Kapuzenmannes als BLIND GUARDIAN findet hier seinen Ursprung und begleitet die Band bis heute auf diversen Merchandise Logos.

Das zweite Album

Mit dem ersten Album verbucht man bereits einen amtlichen Erfolg; die Mischung aus Speed und Thrash geht auf und beschert den WĂ€chtern ein gutes SelbstwertgefĂŒhl. Wie alles im Leben, hat zu viel davon auch seine Kehrseite. So erklĂ€rt Hansi in einem Interview zur JubilĂ€umsbox, daß man zu der Zeit doch extrem undiszipliniert ist. Man trifft sich zwar tĂ€glich, zockt jedoch meistens Karten und frönt dem Alkohol. Man ist von seinen SongwritingqualitĂ€ten zu sehr ĂŒberzeugt und lĂ€sst die ZĂŒgel schleifen. Das fĂŒhrt dazu, daß man die Songs fĂŒrs Folgealbum hastig zusammenschustern muss und der rote Faden teilweise auf der Strecke bleibt. Die EinflĂŒsse unterschiedlicher Kapellen werden erneut zu einer Symbiose zusammengeschmiedet, ergeben jedoch laut Hansis Meinung teilweise keinen Sinn. Neben dem gesteigerten SelbstwertgefĂŒhl kommen noch die LebensumstĂ€nde dazu, die den Barden in die Parade fahren; Hansi hat einen Job, Marcus und AndrĂ© leisten den Zivildienst ab und somit gleitet die Band in die HĂ€nde von Hobbymusikern, die sich lediglich nach Feierabend treffen können. „Follow The Blind“ ist somit das einzige Album in der Bandgeschichte, bei denen man nicht 100% geben kann.

Follow The Blind

BG FollowMan verpflichtet Kalle Trapp in den Hamburger Karo-Studios fĂŒr die Aufnahmen. Das Cover wird, wie beim VorgĂ€nger, von Van Waay Design erstellt. Das Intro `Inquisition` soll spĂ€ter auch als Konzertintro herhalten, ehe `Banish from Sanctuary `aus den Boxen kracht. Man legt sofort die Karten auf den Tisch und hĂ€mmert alle VorzĂŒge der Band ins LangzeitgedĂ€chtnis: schnelles Riffing, galoppierende Vocals, die in einem Ohrwurmrefrain enden, variables Schlagzeugspiel und knackige Gitarrenduelle wetteifern um die Gunst des Hörers. `Damned for all Time`ist ein aggressiver Speedbastard, der durch einige Thrashanleihen durchgeboxt wird. Schnell, aggressiv, allerdings im LangzeitgedĂ€chtnis eher im Hintergrund existent. Der Titeltrack ist wahrscheinlich der am meisten unterbewertete Song dieser Band, obwohl er durch seine Vielseitigkeit das Potential auslotet, mit dem man spĂ€ter die LĂ€nder dieser Erde bereisen soll. Ungewöhnlich bereits durch sein langsames und erhabenes Tempo, schimmern Akustikgitarren durch die Soundwand, ehe Hanis rauhe Stimme „Follow The Blind“ in die Welt hinausschreit. Im Verlauf des Songs passiert so einiges: Tempowechsel, beschwörende Soli, Doublebassgewitter und sogar Keyboards legen den Grundstein fĂŒr die Beschreibung „episch“, die BLIND GUARDIAN weiter verfolgen soll. Thematisch hat man sich ĂŒber Stephen Kings „Der Talisman“ ausgelassen. Auch die Mitgröl Fraktion wird im Refrain von `Hall of The King` bedacht, der ansonsten die Geschwindigkeitsfreunde auf eine atemberaubende Reise mitnimmt. Der ursprĂŒnglich als LĂŒckenfĂŒller gedachte Song `Valhalla` entwickelt spĂ€ter im Live Set rasch ein Eigenleben und ist mittlerweile fester Bestandteil jeder Live Show (einige Granaten zĂŒnden einfach immer). Kai Hansen hat dafĂŒr ebenfalls die Gitarre in die Hand genommen und einige Vocals beigesteuert. Die Coverversionen von `Don’t Break the Circle` (Demon) und `Barbara Ann` (Beach Boys) zeigt ein gutes HĂ€ndchen fĂŒr Coverversionen, das spĂ€ter noch um einiges an Repertoire erweitert werden soll. Die InstrumentalstĂŒcke halten sich in Grenzen und so gibt es hier lediglich einen Vertreter in Form von ` Beyond the Ice` zu hören, der das auditive Muskelspiel der Truppe gut abfeiert. Auch bei der Produktion wurde eine Schippe draufgelegt und auch wenn die Hitdichte etwas geringer ist als beim VorgĂ€nger, so glĂ€nzen die Höhepunkte unverstaubt auch heute noch in den heimischen Lautsprechern..

Alles auf eine Karte

Jede Band ist einmal an einem Punkt, an dem ĂŒber Sieg oder Niederlage entschieden wird. Hatte man sich mit jugendlichem Leichtsinn noch unverblĂŒmt durch die „Battallions“ Scheibe gepflĂŒgt, musste man fĂŒr die „Follow The Blind“ andere LebensumstĂ€nde in Kauf nehmen und sich seinem inneren Schweinehund in Form von Disziplin stellen.


Tales From The Twilight World

BG TalesMit „Tales From The Twilight World“ treten BLIND GUARDIAN endgĂŒltig aus dem Schatten anderer Bands und erspielen sich eine musikalische IdentitĂ€t, die bis heute einzigartig und unverkennbar ist. Auch wenn sich noch die Hochgeschwindigkeitsrausche und das Aggressionspotential auf der Scheibe befinden, liegt hier der Schwerpunkt auf Melodik, Abwechslung und OhrwurmqualitĂ€ten. Der Chorgesang leitet `Traveller In Time` ein, der uns thematisch auf den Planeten Dune verbannt. Hansis Gesang hat mittlerweile einiges an Erfahrungspunkte auf dem Charismapunktekonto zu verbuchen, so daß die Hörer der Truppe schnell aus der Hand fressen. Das trotz der aggressiven Momente zu jeder Zeit die Spielfreude exzessiv ausgelebt wird, spielt den WĂ€chtern nur noch intensiver in die Karten, was bis heute gerade bei Live Auftritten fĂŒr Alarm in der Moshpit sorgt. Wer den Song kennt, wird alleine schon bei der ErwĂ€hnung von `Welcome to Dying` eine GĂ€nsehaut bekommen, weil der Refrain sofort aus dem LangzeitgedĂ€chtnis in die AdrenalinkanĂ€le gedrĂŒckt wird. Bereits nach weniger als einer Minute schraubt man sich auf Höchstleistungsnivau und prĂŒgelt komprimiert alles auf den Hörer ein, wofĂŒr man auf den VorgĂ€ngeralben vielleicht noch zwei Songs benötigte.

Mit `Lord of the Rings` legt man auch seine erste Ballade auf den Tisch, die von der Tolkien Thematik her spĂ€ter noch ganz große Wellen schlagen soll. `Good bye My Friend ` feuert zwar ebenfalls aus allen Rohren, sprintet jedoch in erster Linie aufgrund seiner packenden Gesangslinien durch die Ziellinie und hinterlĂ€sst den Wunsch, „nur noch einmal“ die Repeat Taste zu drĂŒcken.

Auch die Instrumentalfraktion wird mit `Weird Dreams ` bedacht, wĂ€hrend man einen Mix aus Instrumental und Mini Song auf `Altair 4 ` abliefert; eigentlich „nur“ ein LĂŒckenfĂŒller, der aber atmosphĂ€risch derart auffĂ€hrt, daß schnell ein ganz großes Kopfkino entsteht. Die Stephen King Verbeugung `Tommyknockers ` fischt eher in alten Gefilden und man spĂŒrt, daß die WĂ€chter dieses Gewand langsam ablegen wollen und schließen das Kapitel damit ab. Bei `The Last Candle` kann ich keine ObjektivitĂ€t wahren, da ich diesen Song gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig ausschließlich mit Knieschonern hören kann; was soll ich ĂŒber die GĂ€nsehaut schreiben, die mich bei den ersten Chören von „Guardian, Guardian, Guardian of the Blind“ heimsuchen? Ich könnte den emotionalen Ausbruch in meinem Kopf beschreiben, wenn Hansi laut aufschreit und „Have You Forgotten Him?“ in die Runde fragt. Ich könnte auch die göttlichen Gitarrenlinien anpreisen, die mich sofort in meine Jugend katapultieren und mich wieder 15 sein lassen. Auch das Aufbegehren des Song und die stetige Steigerung der Dynamik könnte ich beschreiben, aber stattdessen lehne ich mich lieber kurz zurĂŒck und denke an den Moment, an dem ich das GlĂŒck gehabt habe, diesen Song einmal live zu hören. OK, Anbetungsmodus aus und weiter. Das Cover wurde dieses Mal von Andreas Marschall gezeichnet, der die Band auch weiterhin begleiten soll. Auch die Produktion konnte nochmal gesteigert werden und so markiert die „Tales…“ Scheibe nicht nur den Wendepunkt, sondern den Aufstieg einer Band, die neben dem inneren Hunger auch zusĂ€tzlich mit einem Plan an den Start geht, der stets nach Perfektion schreit.

Irgendwo weit weg

Die Promotion der Scheibe wird in der JubilĂ€umsbox als sehr abenteuerlich beschrieben; eine Promo-Straßenbahnfahrt mit Wurstbrötchen und Bier durch Gelsenkirchen (2 Journalisten, der Rest Kumpels der Band) und eine Release Party mit ca. drei Journalisten und einem Mob, der das neue Studio in Grund und Boden feiert. Es folgt eine Tour mit Iced Earth, bei der Party und MĂ€nnerfreundschaften ausgiebig zelebriert werden. Wie soll man eine Platte wie die „Tales…“ noch steigern? AndrĂ© erinnert sich in der JubilĂ€umsbox daran, daß die Songwriting Phase bis dato die hĂ€rteste ist. Kreativ surft man bereits am Limit, schmeißt jedoch weiterhin alles in die Waagschale, um ein rundes Ergebnis raus zu bekommen. Eines Tages kommt Hansi mit irischen Folk-EinflĂŒssen um die Ecke, was den entscheidenden Wendepunkt im Songwriting Prozess markiert. So integriert man beispielsweise DudelsĂ€cke in das Songwriting oder beißt sich teilweise die ZĂ€hne an `Theatre Of Pain` aus. Was ist aber unter dem Strich dabei raus gekommen?

Somewhere Far Beyond

BG Somewhere„Die beste BLIND GUARDIAN Scheibe aller Zeiten“, werden viele Fans sofort unterschreiben, Ein Meilenstein werden ebenfalls alle abnicken. Fakt ist, daß spĂ€testens hier die BandidentitĂ€t gesichert ist. Die WĂ€chter entpuppen sich als wahre Paradiesvögel des Metalsektors, die nichts nach Schema F machen, sondern eigene Ideen haben und diese konsequent in ein eigenes Soundgewand einschmieden. Das Cover wurde erneut von Andreas Marschall beigesteuert und bereits der Opener `Time What Is Time `lotet die QualitĂ€ten aus, die auf der „Tales…“ Scheibe ausgiebig zelebriert wurden. Akustikgitarren ebnen den Weg zum schnellen Galopp, der aber rechtzeitig in packende Gitarrenlinien abbiegt, ohne in Raserei zu verfallen. Auch wenn im direkt im Anschluss das Gaspedal wieder durchgetreten wird, hat man mit jeder Sekunde das GefĂŒhl, daß diese Truppe genau weiß, was sie wie zu tun hat. Nichts wirkt aufgesetzt, alles durchdacht und das Album insgesamt atmet Spielfreude aus jeder Pore. `Journey Through the Dark `ist ein sehr schönes Beispiel zwischen HĂ€rte und Melodik; Stakkato Doublebass, griffige Gitarrenlinien, herrliche Moshparts und stets nachvollziehbare Vocals, die danach schreien, mitgesungen zu werden.

`Black Chamber `wird ausschließlich durch Hansis (mittlerweile sehr gut weiterentwickelten) Stimme und einem Klavier getragen, ehe sich das bombastische `Theate Of Pain` aus den Boxen schlĂ€ngelt. Hier wird bereits der Grundstein fĂŒr spĂ€teren Bombast und epischere StĂŒcke gesetzt, der andeutet, was noch kommen soll. `The Quest for Tanelorn` wird in erster Linie vom bombastischen Gesang getragen, ehe `Ashes to Ashes` den ursprĂŒnglichen Thrash Vorbildern einen finsteren Gruß sendet, ohne dabei auch nur eine Sekunde von charismatischem Gesang oder OhrwurmqualitĂ€ten abzuweichen.`The Bard’s Song (In the Forest) `dĂŒrfte jedem ein Begriff sein; dieser Gassenhauer ist Höhepunkt eines jeden Konzertes, weil das Publikum hier (zumeist im Alleingang) jede Textzeile mitschmettert. Eigentlich“nur“eine Ballade, die jedoch ein derartiges Eigenleben entwickelt hat, daß sie den Fans schon manche Sternstunde beschert hat. `The Bard’s Song (The Hobbit) `kommt eher etwas sperriger um die Ecke, allerdings mĂŒnden die Gesangslinien derart genial in den Midtempo Part ein, daß ich mir diesen Song einmal live wĂŒnsche. Besagte DudelsĂ€cke erledigen bei `The Piper’s Calling` den Instrumentaljob der Scheibe, eher der Titeltrack auf siebeneinhalb Minuten verteilt sĂ€mtliche Register der Bandgeschichte zieht. Schnelle Passagen, erhabene Gitarrenlinien, Mitschreitexte? Alles an Bord und garniert durch irische FolkeinflĂŒsse. SpĂ€testens hier ist man Fan dieser Band geworden, die ihren Siegeszug weiter ausbaut. Über die Bonussongs `Spread Your Wings `(Queen), `Trial by Fire`(Satan) und die Orchester Version von `Theatre of Pain kann man streiten, muss man aber nicht. Sie runden lediglich das ab, was dieses Album ausmacht. Ein Meilenstein in der Bandgeschichte.

Toky Tales

BG TokyoIm Lager der Barden herrscht Euphoriealarm; denn es geht nach Tokyo. WĂ€hrend des Trips herrscht ausgelassene Stimmung, sowohl , als auch auf der BĂŒhne. Das hört man der Tokyo Tales auch an, denn die Meute rastet gepflegt aus und gibt sich extrem textsicher. Nach dem “Inquisition” Intro feuert man auch eine gutgelaunte Version von `Banished From Sanctuary` in die feierwĂŒtige Menge. Hansis Vocals hĂ€mmern sich schnell durch die ersten Reihen und zusammen mit der Spielfreude und den Soundwand beschwört er rasch die Euphorie der Meute hinauf. Auch seine Ansagen sitzen und so hat man wĂ€hrend des gesamten Konzerts das GefĂŒhl, daß die Stimmung zwischen Band und Publikum perfekt harmoniert. Songtechnisch hat es neben den beiden voran genannten Nummern noch lediglich `Barbara Ann`und `Valhalla`(das eine konstante Live Granate bleiben wird) von den ersten beiden Alben auf die Setlist geschafft. Ansonsten konzentriert man sich ausschließlich auf die “Tales…” und “Somewhere…” Ära, was dankbar angenommen wird.

Gerade die auf den Alben vorhandenen Chöre werden vom Publikum begeistert mitgeschmettert und so entwickelt sich beispielsweise `Traveller In Time` rasch zum SelbstlĂ€ufer, `Quest For Tanelorn` zum erhabenen Moment und `Journey Through The Dark` erhĂ€lt seine Live Taufe. Balladen wie `Lord Of The Rings` und `BardÂŽs Song` fehlen bei der Veröffentlichung völlig, man konzentriert sich hier auf die volle Durchschlagskraft und vertraut auf die Melodien, die das Live Album zusammen mit der Live Stimmung tragen, was auch sehr gut funktioniert. Erst in der remasterten Version wird `Lord Of The Rings nochmal nachgereicht. So herrlich der Live Mitschnitt ist, um so unerfreulicher ist die Tour, die teilweise von schweren Differenzen zwischen der Band und Kalle Trapp geprĂ€gt ist. Als Livemischer beklagt die Band einen zu leisen Sound, was spĂ€ter zu einem ZerwĂŒrfnis fĂŒhren soll.

Der Tod der Kindheit

Wir schreiben das Jahr 1995 und mittlerweile hat sich einiges in der Band getan; man blickt auf eine amtliche Live Erfahrung zurĂŒck, weiß genau was man will und hat einen amtlichen Songkatalog am Start. Das fĂŒhrt dazu, daß man sich intensiv nach einem Studio umschaut und letzten Endes bei Flemming Rasmussen als Produzenten landet, der bereits fĂŒr Metallica (`Ride The Lightning`, `Master Of Puppets`, `…And Justice For All`) die Regler bedient hatte. Mit dieser RĂŒckendeckung an Erfahrung wird der Wendepunkt der Band eingelĂ€utet, die das Songwriting von schnell und melodisch in die opulente und progressive Schiene anheben. Wenn man sich die vorangegangenen Scheiben, die bereits Meisterwerke waren, nochmal anhört muss man sich ernsthaft fragen, was bei der Produktion zu dieser Scheibe alles im Spiel war. Hektoliterweise Kaffee, tagelange Abstinenz von jeglichem menschlichen Kontakt oder einfach hemmungslose Arschtritte untereinander, bis man das Maximum aus jedem Detail rausgeholt hat.

Imaginations From The Other Side

BG ImginationsDas Album ist bis dato das perfektionistischste Werk der Barden, denn es strotzt an allen Ecken und Kanten voller Ambitionen. Man gibt sich mit nichts außer dem Besten zufrieden und klatscht gleich zu Beginn den Titeltrack auf den Tisch, der sich langsam aufbaut, um sich episch zu entfalten. Grund zur Ruhe hat man jedoch nicht, denn er galoppiert dann vorwĂ€rts, um seine AtmosphĂ€re in jeden Zentimeter der Hirnrinde einzubrennen, ohne auch nur einen Hauch seiner Epik einzubĂŒĂŸen. Das ganze mĂŒndet in einem Refrain, den man mental heute genauso laut mit schreit, wie bei der Veröffentlichung; noch nie gingen 7 Minuten so schnell vorbei, wobei man sich unter anderem an Hansis ausgeprĂ€gtem Organ ergötzen kann, das eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat. `IÂŽm Alive` prĂŒgelt noch einmal in Richtung Anfangstage, nur mit knackigerem Riffing und einprĂ€gsamerem Refrain. Mit `A Past and Future Secret` wird Hansis beste Gesangsleistung hingelegt, eingebettet in einer geheimnisvollen Ballade, die das GefĂŒhl des `BardÂŽs Song` in ein neues Zeitalter transportiert. Wer das Lied in Dauerschleife gehört hat und dabei auf das Cover der Maxi CD gestarrt hat, weiß wovon ich spreche. `The Script For My Requiem `ist quasi der heilige Gral in Sachen Geballer, epischem Refrain und Abwechslung. `Mordred’s Song `erzĂ€hlt die Geschichte einer Figur, um die sich viele (unterschiedliche) Sagen und Legenden ranken. Neid, Ungerechtigkeit und Verrat wurden hier gekonnt vertont und eine Halbballade eingestampft, die sowohl introvertiert, als auch aufbegehrend fesselt.

`Born in a Mourning Hall `tritt das Gaspedal durch und schreit besonders live nach Reaktionen des Hörers im Refrain. Egal wie oft man es versucht, man kann es nicht ruhig hören, dafĂŒr drehen die WĂ€chter zu sehr an der Adrenalinschraube. Schluss mit Epik und Geballer, ich will einen Song, den ich von Anfang bis Ende durch singen kann, auch wenn ich mal 80 Jahre alt werde! Meine Gebete werden erhört und `Bright Eyes` ist das perfekte Beispiel, wie sich ein Song um eine Gesangslinie herumbauen lĂ€sst und wie geschickt die Instrumente sĂ€mtliche Facetten ausloten, die man dabei fĂŒhlen möchte. Einmal ins geile Riffing gerutscht, Tapping durchgezogen und auf geht’s bei `Another Holy War` auf die Überholspur. Gradlinig und mit geilen Solis versehen fĂ€hrt man auf Hochbetrieb, der lediglich vom vielstimmigen Refrain kurz gebremst wird. Kann man ein Album besser beenden, als mit `And the Story Ends`? Nicht wirklich, denn hier wird alles auf Abwechslung geschaltet; Geschwindigkeit, Gesangsdarbietung und Songwriting. Mal etwas schneller und rauher, dann wieder langsam und feinfĂŒhlig. Der perfekte Abschluss eines perfekten Albums. Obwohl, was ist mit der Produktion und den Rahmenbedingungen? Die Produktion ist wuchtig und erhaben, als wĂŒrde man vor einem riesigen Berg stehen, der in Dauerfeuer herrlichen Sound ausspuckt. Das Cover von Andreas Marschall ist meiner Meinung nach das beste in der Diskographie der Barden und die Themen beackern Fantasy, die Artus Saga und erzĂ€hlen eine Geschichte im Tiefflug, die noch viele weitere Figuren beinhalten. Die Hitdichte ist bis zum Anschlag gefĂŒllt und man könnte beim Vergleich meinen, daß es wie Metallicas schwarzes Album sein wĂŒrde; ungewöhnlich, kommerziell erfolgreich und an allen Ecken perfektioniert.

Forgotten Tales

BG ForgottenÄhm, nun ja, wie soll man dieses Kapitel der Barden am besten beschreiben? Angefangen hat das Projekt mit der Coverversion von `Mr Sandman`zu der auch ein Video gedreht wurde. UrsprĂŒnglich war geplant, es auf dem Fernsehsender Viva laufen zu lassen (ja, damals gab es noch kein Youtube, weil das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Wir hatten tatsĂ€chlich noch Röhrenfernseher und waren auf die Uhrzeiten des Senders angewiesen). Das Video wird allerdings nicht fĂŒr Kinder geeignet empfunden und somit wird es aus dem Nachmittagsprogramm verbannt und landet im Nachtprogramm, wo die Sendung Metalla mit Markus Kavka ausgestrahlt wird. Dort warten bereits Bands wie Sepultura, Pantera und Carcass darauf, diesen Clip zum FrĂŒhstĂŒck zu verspeisen. Anno 1998 wird außerdem noch eine Abschiedssendung mit Kavka und Blind Guardian gedreht (Blind Guardian vs. Markus Kavka) , die ich den Lesern und den Barden gleichermaßen heute ersparen möchte. Jedenfalls erblickt „Forgotten Tales“ 1996 das Licht der Welt und besteht aus Coverversionen und neu aufgemachten Gassenhauern der Truppe. Das Cover sieht chic aus, die Produktion ist natĂŒrlich im grĂŒnen Bereich und die Songs sind natĂŒrlich auch gut. Als Album kann man es aber nicht wirklich bezeichnen, denn es ist eher ein LĂŒckenfĂŒller, um die Wartezeit auf den nĂ€chsten großen Wurf zu verkĂŒrzen. B-Seiten von dem Maxis und `Surfin USA`, sowie `To France` vervollstĂ€ndigen die Sammlung der Fans, ist aber nicht gerade zwingend ein Pflichtkauf. Weiter im Text.

Mittelerde in XXL

„Einmal Vollkatastrophe zum Mitnehmen bitte. Wenn es geht noch mit Pannen, eiserner Deadline und gefĂŒhlten 20 Herzklappenabrissen.“ So ungefĂ€hr muss es sich rĂŒckblickend angefĂŒhlt haben, als das Album endgĂŒltig im Kasten ist. In der JubilĂ€umsbox beschreiben die Barden einen Wasserschaden, der das Studio flutet und mal eben zwei Monate an Zeit kosten. Hinzukommt der zweimalige Riss des Bandes einer 24 Spur Analogmaschine und immenser Zeitdruck; quasi zwischen TĂŒr und Angel werden am letzten Tag mal eben Gesangsparts eingesungen, Sprechparts fertiggestellt und Akustiksequenzen abgemischt, ehe es direkt zur Promo Tour geht. War der Drang nach Perfektion bei der „Imaginations…“ schon sehr stark ausgeprĂ€gt, nimmt es bereits bei der Diskussion um Kleinigkeiten extreme Formen an. „Bei den Aufnahmen zu „Nightfall..:“ war Charlie der einzige mit uns arbeitende Engineer, der nicht den Überblick und die Nerven verloren hat. Das hat uns mehr als einmal das Leben gerettet“ erinnert sich Hansi in der JubilĂ€umsbox. Textlich geht es um das „Quenta Silmarillion“, den Mittelteil des „Silmarillions“ von J.R.R. Tolkien. Die Geschichte wird jedoch nicht zuende erzĂ€hlt; es existieren immer noch Aufnahmen, die den damaligen AnsprĂŒchen nicht gerecht werden und in der Schublade gelandet sind. Unterm Strich ist das Album ein Meilenstein geworden, mit dem sich BLIND GUARDIAN das Ticket fĂŒr ihre erste Mammut Tour abknipsen. Hansi gibt den Bass an Oliver ab, der als Gasbassist fungiert, damit er sich mehr auf den Gesang konzentrieren kann. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellt, denn die ersten Shows in Russland und SĂŒdamerika lassen eine Ă€hnliche Euphorie aufkommen, wie zur „Tokyo Tales“ Zeiten. Thomen fĂ€llt kurzfristig und vollkommen unerwartet fĂŒr unbestimmte Zeit am Schlagzeug aus. Innerhalb von drei Tagen verbringt Alex Holzwarth das Wunder, sich fĂŒr die zweite SĂŒdamerika Tour ein nicht unkompliziertes Live Set anzueignen.

Nightfall In Middle Earth

BG NightfallAuch wenn die WĂ€chter sich in ihren Alben mit mehren Themen und BĂŒchern diverser Autoren (Stephen King, Michael Moorcock,etc.) beschĂ€ftigt haben, bleibt die Liebe zu Tolkiens „Herr der Ringe“ untrennbar mit BLIND GUARDIAN verbunden. In den VorgĂ€ngeralben wird viel angedeutet, was anno 1998 als auditiver Kniefall exzessiv zelebriert wird. Hier werden sĂ€mtliche Regler auf Perfektion aufgerissen, was beim atemberaubenden Cover von Andreas Marschall beginnt, ĂŒber die bombastische Produktion weitergeht und in zeitlosen Klassikern verteilt auf knapp 66 Minuten und 23 (!)Songs endet. „Nur“ ein Album aufzunehmen ist zu wenig, deshalb werden kurze ErzĂ€hlpassagen in Form von `War of Wrath`, `The Minstrel` oder `Face the Truth` eingestreut, womit eine Symbiose aus Album und Hörspiel erschaffen wird. `Into The Storm` soll lange Zeit als Opener auf jedem Konzert der Barden dienen, denn warum langsam anfangen, wenn man auch direkt auf Hochgeschwindigkeit machen kann? `Nightfall` beginnt elegisch, steigert sich jedoch rasch zu einer aufbegehrenden (Halb-) Ballade, die gerade live ihre volle Wirkung entfaltet und aus allen Kehlen leidenschaftlich mitgetragen wird.

`The Curse of Feanor `prescht schnell vorwĂ€rts und ist eine perfekte Symbiose alter Tage mit dem „Imaginations…“ Flair. `Blood Tears `unterstreicht die ĂŒberwiegend finstere und nachdenkliche Stimmung des Albums; unverzerrte Gitarren stimmen sehr ein und auch wenn sich der Song spĂ€ter in Geschwindigkeit und IntensitĂ€t steigert, wird die Stimmung des Verlustes in keiner Sekunde geschmĂ€lert. Lange habe ich ĂŒberlegt, etwas ĂŒber `Mirror Mirror` zu schreiben, aber ich wĂŒrde nur ins Schwelgen geraten, wie bei `Last Candle`. Packendes Einstiegsriff, nach vorne prĂŒgelnder Hochgeschwindigkeitszug, griffige Melodien und ein Refrain, den man nicht nur stumm mithören kann. Ich schenkÂŽs mir und fĂŒge dafĂŒr lieber ein Video ein.

`Noldor (Dead Winter Reigns)` beginnt Ă€hnlich elegisch wie `Blood Tears `, mĂŒndet jedoch in progressivere Passagen, ehe es in den Ohrwurmrefrain abbiegt. Komplex, sperrig und irgendwie seltsam eigenbrödlerisch. Kritisch kann man nichts halbes und nichts Ganzes hinterfragen, aber unterm Strich will man ihn immer wieder hören. Bereits beim ersten Durchlauf von `Time Stands Still (at the Iron Hill)`marschieren vor dem inneren Augen Orkhorden durch Mordor und man wird tief in die Welt Tolkiens katapultiert. Lediglich beim Gesangspart wird man kurz rausgerissen, ehe es wieder zurĂŒck nach Mittelerde geht. Genau dieser Gesangspart ist es, das bei jedem Konzert fĂŒr GĂ€nsehaut und Partytimmung in der Moshpit sorgt. `Thorn ` besticht besonders durch seinen mehrstimmigen Gesang, wĂ€hrend `The Eldar` lediglich von Klavier und Hansis Stimme getragen wird. Das Kochrezept hat bei `Black Chamber` auf der „Somewhere…“ bereits funktioniert und verfehlt auch hier seine Wirkung nicht. `When Sorrow Sang` ist eine Ă€hnliche Granate wie `Mirror, Mirror`; fix auf dem Griffbrett hantiert, herrlich nach vorne in die Fresse und mit Götterrefrain ausgestattet bietet er alles, was live alles abreißen dĂŒrfte. `A Dark Passage ` hat sich bei mir bis heute nicht vollends erschlossen und ich staune immer wieder, wie gut der Song eigentlich ist, obwohl er in meinem Kopf total unterbewertet ist. Es unterstreicht allerdings auch die Tatsache, daß das gesamte Album nicht leicht zugĂ€nglich ist. Mit diesem Album in die BLIND GUARDIAN Diskographie einzusteigen wĂ€re nicht gerade ratsam, denn es ist komplex, opulent und voller Überraschungen, die einen noch Jahre spĂ€ter verfolgen. Textlich gesehen gibt es viel zu entdecken; Autor Christian Krumm ( den einige von seinen BĂŒchern „Kumpels in Kutten“, „At Dawn They Sleep“ und „Traumschrott“ bereits kennen dĂŒrften. Wenn nicht: antesten!) hat sich in seinem Artikel (ab Seite 97) explizit damit und mit der Geschichte der Band generell beschĂ€ftigt.

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Der „Herr der Ringe“ Hype

Zur Jahrtausendwende erblickt Peter Jacksons Verfilmung von „Herr der Ringe“ die Welt. Im Fansektor bricht stellenweise die Diskussion aus, warum BLIND GUARDIAN keinen Soundtrack dazu beisteuern. In derselben Diskussion kommt auch die Antwort auf, daß es sinnlos wĂ€re, weil die Krefelder das Thema spĂ€testens mit „Nightfall in Middle Earth“ ausgiebig zelebriert haben. Marcus bricht dabei in schallendes GelĂ€chter aus. „Gar nicht mal so falsch. Über diese Diskussion habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Das witzige ist ja, daß wir zig „Herr der Ringe“ Sachen hatten: das fing bei `Majesty`an, ging ĂŒber `Lord Of The Rings` bis hin zum ganzen „Nightfall“ Album. Das war alles vor den Filmen. Wir haben, seitdem dieser Megahype um die Filme herauskam, glaube ich auch keine Tolkien Texte mehr gehabt. Das war damals eine bewusste Entscheidung die nicht kam, weil wir Tolkien nicht mehr mögen. Wir hatten aber auch keinen Bock darauf, Teil eines Tolkien Hypes mit den Filmen zu sein; wir sind auch nicht die Tolkien Band. Ja, wir hatten StĂŒcke darĂŒber, aber es war auch nie Hauptbestandteil von BLIND GUARDIAN. Wir haben uns nie vor Tolkien definiert, sondern das war halt ein Thema von vielen, das wir mochten. Da war Michael Moorcock, Stephen King und König Artus beispielsweise auch dabei. Als im Internet der ganze Hype losging, gab es auch Kontakt mit Jacksons Team. Wir haben allerdings noch nicht einmal Demos losgeschickt, weil wir mitten in den Arbeiten zum „Opera“ Album steckten. Ein kompletter Soundtrack hĂ€tte das regulĂ€re Album mal eben einige Jahre nach hinten geschoben, weil wir nicht die typische Band sind, die mal eben einen Soundtrack komponiert. Deshalb haben wir uns auch nie ernsthaft darum bemĂŒht, diesen Job zu kriegen.“

A Night At The Opera

BG Opera„Was zum Teufel ist denn das?“ So oder Ă€hnlich dĂŒrfte es einigen Fans bei der Veröffentlichung 2002 ergangen sein, wenn sie das erste Mal das Cover erblickten. Keine mystische AtmosphĂ€re, sondern eher seltsam anmutende Karikaturen von Fabelwesen, die eine Fantasy Oper bekleiden. Der Blick geht mehrfach auf den BLIND GUARDIAN Schriftzug um sicherzugehen, das man auch wirklich das richtige Album auf dem Tisch hat. Sehr seltsam, aber erstmal schauen, was die Musik so kann. Der Opener `Precious Jerusalem` entlĂ€dt in einer opulenten ReizĂŒberflutung alles, was sich in der langen Wartezeit seit der „Nightfall…“ in den Köpfen der Barden abgespielt hat…und ĂŒberfordert auch schnell. Spieltechnisch ist alles an seinem Platz, die Produktion ist auch top, also was fehlt mir eigentlich? Richtig, die Seele bleibt komplett auf der Strecke! Wo sind die messerscharfen Riffs, die genau auf den Punkt kommen? Wo die epischen Refrains, die sich aus dem Hochgeschwindigkeitsrausch heraus schĂ€len, um sich ins LangzeitgedĂ€chtnis zu fressen? Und warum eigentlich kein Fantasy, sondern ein biblisches Thema? Die Erwartungshaltung wird enttĂ€uscht und hier lernt man eine (teils bittere, teils sĂŒĂŸe) Lektion; erwarte bei dieser Band nichts, denn du weißt nie, worauf sie Lust hat! Wo ist hier mein nĂ€chstes `Past And Future Secret`? Obwohl alle Elemente vorhanden sind, gibt es keinen Dauerbrenner beim ersten Hören. Zu perfekt, zu episch, ich bin raus! Auch wenn sich die Mammutnummer `And Then there Was Silence` irgendwie seinen Weg in mein GedĂ€chtnis bahnt, sind die guten alten Tage der Barden hiermit wohl vorbei.

Ein kleiner Zeitsprung; wenige Jahre spĂ€ter höre ich erneut in das Album rein, weil ich alle anderen Klassiker bereits bis zum Ohrenbluten gehört habe. „Gib der Platte nochmal eine Chance“ denke ich mir,drĂŒcke die PLAY Taste und siehe da, es funktioniert! Die ersten Rhythmen des Schlagzeugs trommeln mich in den WĂŒstensand Jerusalems, wĂ€hrend die Gesangslinien sich durch arg verĂ€steltes Songwriting arbeiten. Chöre vor dem Refrain? Egal, die Reise geht weiter, bis ich mir endlich meine wohlverdiente GĂ€nsehaut bei der Textpassage „I turn to you, oh my precious Jerusalem“ abhole. Wow, da ist ja noch ein Break, das ich noch nie gehört habe und schau mal hier, die geilen Gitarrenlinien und bĂ€hm was fĂŒr ein Solo! Leichte ReizĂŒberflutung, aber irgendwie geil. `Battlefield ` beginnt eher ruhiger, trĂ€gt mich jedoch auf seinen Schwingen schnell ĂŒber den unĂŒbersichtlichen Wald der Songstrukturen hinweg und lĂ€sst mich endlich wieder die Luft atmen, die ich bei BLIND GUARDIAN so liebe. Von oben sehe ich epische Passagen, endlose Gitarrenlinien und eine Soundwand, die sich ihren Weg ĂŒber jene Köpfe hinweg bahnt, die nicht willens sind, ihr von einer anderen Perspektive zu zu hören. Seltsamer Anfang, aber mal schauen, was `Under the Ice ` so drauf hat. OK, recht stakkatomĂ€ĂŸig angehaucht, aber prescht trotzdem gut nach vorne und irgendwie doch gut. Hey, ist das gerade mal die Zwischenpassage? Geil, die hĂ€tte ich fĂŒr den Refrain gehalten. Mein Gott, wie viele Finger haben eigentlich die Gitarristen? Oh mein Gott, DAS ist also der Refrain.So wirklich raus kommt man aus dem Staunen nicht mehr, denn versteckt hinter der dichten Soundwand und dem verĂ€stelten Songwriting erarbeitet man sich Songs, die sowohl beeindruckend, als auch episch und packend sind. Bestes Beispiel dafĂŒr ist `Sadly Sings Destiny` , bei dem der Song um ein charismatisches Gesangskorsett herumgebaut wurde.

Den Job der (Halb-) Ballade ĂŒbernimmt `The Maiden and the Minstrel Knight` , wobei man im Midtempo bleibt, sich aber seiner stetigen Steigerung bewusst ist und letzten Endes die Äste in alle Himmelsrichtungen ausstreckt, um alle Facetten der Band abzuliefern. `Wait for an Answer` erschließt sich mit immer noch nicht, aber allein die Konzentration auf den immens variablen Gesang hinterlĂ€sst bei mir bleibenden Eindruck. Mit `The Soulforged` hat man meiner Lieblingsfiguren der Drachenlanze auditives Leben eingehaucht; entsprechend groß ist meine Begeisterung ĂŒber die filigranen GitarrenlĂ€ufe, das bombastische Gesamtarrangement und die vielen GĂ€nsehautmomente. Von den Gesangslinien will ich gar nicht erst anfangen, sonst zitiere ich hier den gesamten Text. FĂŒr `Age of False Innocence` muss ich noch bereit ein, denn bis jetzt ist es „nur“ ein gutes, aber nicht ĂŒberragendes StĂŒck. `Punishment Divine` ist ein kranker Bastard aus Aggression und Bombast geworden, der mir an manchen Tagen immer noch zu progressiv ist. Vom Adrenalinpegel her bleibt nichts zu meckern. Muss ich ĂŒber `And Then There Was Silence` Worte verlieren? Alleine diesen 14 minĂŒtigen Schinken live zu spielen und Stimmung rĂŒber zu bringen ist eine Kunst. Zum GlĂŒck hat der Song bereits beim ersten Durchlauf irgendwie gezĂŒndet, erschließt sich jedoch nach mehren DurchlĂ€ufen immer mehr und unterstreicht die GenialitĂ€t, mit der man hier zu Werke gegangen ist. Im großen und Ganzen ist die Scheibe anno 2002 ihrer Zeit weit voraus und fordert diese auch ein. Wenn man sich intensiv damit beschĂ€ftigt, null Erwartungshaltung anhand der VorgĂ€nger schĂŒrt und sich Zeit nimmt, wird man mit einem weiteren Meisterwerk belohnt, das es in sich hat. Trotz des Covers, das wohl den Titel „HĂ€ĂŸliches Entlein“ verdient, hinter dem sich aber ein erhabenes Album verbirgt.

Das zweite Live Album

BG LiveEs folgt eine Tour, um die Werbetrommel fĂŒr das Album fleißig zu rĂŒhren. Live hat man sich mittlerweile zu einer Kultband mit brachialer Durchschlagskraft und guter Laune Faktor gemausert. Also wird mal eben ein großer Teil der Landkarte beackert und mit den KlĂ€ngen der Barden beglĂŒckt. Nebenbei erwĂ€hnt man dann wĂ€hrend der Konzerte, daß die Tour aufgezeichnet wird, was das Publikum zu Höchstleistungen anstachelt. Das Ergebnis soll auf den schlichten Namen „Live“ hören, wobei man auf zwei CDÂŽs etliche Klassiker verteilt hat. Besonders gelungen ist die Mischung zwischen wuchtiger Produktion und den Publikumsreaktionen, die die Live AtmosphĂ€re herrlich authentisch in die Synapsen schießen. Gibt es eigentlich irgendwo auf diesem Planeten wirklich diese Barden Taverne, die auf dem genialen Cover von Andreas Marschall abgebildet ist? Falls ja, wĂ€re ich dort bestimmt Dauergast; mit dem Cover besinnt man sich zurĂŒck zu den (optischen) Wurzeln und macht den Ausrutscher zum vorangegangenen Cover wieder wett.

Bei der Auswahl der Songs kann man aus den Vollen schöpfen und so schraubt man zuhause schnell die SKIP Taste vom CD Player ab, denn einen DurchhĂ€nger gibt es nicht. Egal, ob man mit `Into The Storm` gleich loslegt, sich von `Welcome To Dying` in seine Jugend katapultieren lĂ€sst, oder hemmungslos `Nightfall`mitsingt, die Gassenhauer halten den Adrenalinpegel konstant oben. Auch sehr schön, daß es mit `Harvest Of Sorrow `, `The Bards Song (In The Forest)`, `A Past And Future Secret `und `Lord Of The Rings` auch die Balladen auf die Live Scheibe geschafft haben, denn dadurch wird die Abwechslung von hart bis zart komplett abgerundet. Die Live Scheibe bringt schnell Erinnerungen an geile Konzerte zurĂŒck und von der IntensitĂ€t her kann man, nachdem man sich die Platte komplett reingedrĂŒckt hat, erstmal duschen gehen, denn still sitzen und genießen ist nicht drin.

Lost in the Philipshall

Jede Band hat irgendwo ein Heimspiel; sei es, weil sie aus der Region kommt, großartige Erinnerungen damit verknĂŒpfen oder einen Kultstatus aus sonstigen GrĂŒnden genießen. Bei den Barden ist es die DĂŒsseldorfer Philipshalle (heute: Mitsubishi Halle). Bereits in den 90ern wurde eine Live Version des `BardÂŽs Song` aufgenommen, die auf der „Forgotten Tales“ gelandet ist. Dabei hĂ€tte man Hansi teilweise das Mikro wegnehmen können, weil das Publikum einfach mal gemacht hat und eine amtliche Performance hingelegt hat. Anno 2002 soll es dann soweit sein und BLIND GUARDIAN gastierten erneut in ihrem gefĂŒhlten Wohnzimmer der Philipshalle. Nachdem man bereits einige Gassenhauer zum besten gegeben hatte, schallt es aus den Boxen. „Jetzt habt ihr und wir, beide, eine Ruhepause verdient. Magic Moments kann man bekanntlich nicht wiederholen. Gebt euch alle MĂŒhe; hier kommt der `BardÂŽs song®“. Eine simple Ansage, der eine Großtat folgen sollte; frenetischer Jubel, Mitklatschen und nach der Eingangspassage ĂŒbernimmt eine restlos glĂŒckliche Philipshalle den Gesangspart. SĂ€mtliche Kehlen schmettern inbrĂŒnstig jede Textzeile aus dem Herzen in die Menge, die Akustikgitarre setzt sich mit MĂŒhe gegen den lautstarken Beifallsregen durch und sowohl vor, als auch auf der BĂŒhne herrscht GĂ€nsehautstimmung aus allen Poren. Magic Moments kann man nicht wiederholen, aber es gibt im Leben ein Konzert, das absolut alles topt und fĂŒr viele Anwesenden ist es (auch in vielen GesprĂ€chen Jahre spĂ€ter) genau dieser Moment, in dem der `BardÂŽs Song` angestimmt, hemmungslos zelebriert und im Nachgang frenetisch abgefeiert wird. In einem Jubelsturm werden Hansi BemĂŒhungen eine Ansage zu machen gleich mehrfach niedergebrĂŒllt und noch wĂ€hrend man in allen anwesenden Gesichtern das Dauergrinsen sieht, attestiert uns Hansi den vollkommenen Wahnsinn. Eben dieser Moment hat es auch auf das „Live“ Album aus dem Jahr 2002 geschafft, der natĂŒrlich auch die anderen Granaten wie `Valhalla`, `Lord Of The Rings` oder `Mirror, Mirror` (und viele andere) enthĂ€lt.

Live BEyondMarcus erinnert sich. „Oh ja die Philipshalle. Das Konzert war wirklich unglaublich! Der Witz ist: das, was auf dem Album ist, ist schon die gekĂŒrzte Version, es war im Endeffekt lĂ€nger. Der Ausraster ging so um die 12 Minuten oder Viertelstunde. Wir haben gesagt „Das muss irgendwie mit auf das Live Album“, das ist schließlich etwas einzigartiges und passiert nicht jeden Tag. Aber eine Viertelstunde Leerlauf auf dem Album war uns zu viel;man sollte auf jeden Fall hören, was da passiert ist. Wenn ich daran zurĂŒckdenke, hab ich immer noch GĂ€nsehaut. Das hat uns auch sehr unvorbereitet erwischt, denn daß der `BardÂŽs Song` live funktioniert ist kein Geheimnis. Es gab Shows, wo wir den Song nicht gespielt hatten, weil wir keinen Bock hatten. Im Endeffekt wissen wir aber, daß die Nummer ankommt, wenn wir sie spielen. Die Leute singen mit und Hansi könnte die Nummer auch als InstrumentalstĂŒck ankĂŒndigen und es wĂŒrde trotzdem sehr gut funktionieren. Diese Reaktionen, wie sie an diesem Tag in DĂŒsseldorf passiert sind, das ist sonst bis jetzt nirgendwo passiert. Sowas kannst du auch nicht nochmal wiederholen. Die MĂŒhe der Fans hat sich absolut gelohnt, es war ein absoluter GĂ€nsehautmoment!“

Mittlerweile steht das dritte Live Album „Live Beyond The Spheres“ in den Regalen und neben den alten Klassikern, dem `BardÂŽs Song`aus der Philipshalle (es bleibt bei dem Namen, die Mitsubishi Hall bleibt die Philipshalle) kommen auch die neuen StĂŒcke wie beispielsweise das Epik Monster `Ninth Wave` zum Zuge, die sich perfekt in die Klassiker einreihen.

Imaginations Through The Looking Glass

BG Imaginations ThroughZwei Tage lang nur BLIND GUARDIAN live, das wĂ€re mal ein Traum! Dieser Traum soll 2003 in Coburg Wirklichkeit werden. Wer es nicht zu dem Live Gig schafft, wird ein Jahr spĂ€ter mit der Live DVD beglĂŒckt, die neben einer herrliche brachialen Soundwand auch mit gstochen scharfem Bildmaterial aufwarten kann. Bei der Produktion wird Perfektion erneut groß geschrieben und das Ergebnis wird auch noch in einer liebevollen Verpackung auf 2 DVDÂŽs verteilt, die zusĂ€tzlich einen Mitschnitt vom Wacken und ein Making Of enthalten. Als Fan braucht man das Teil ebenso, wie jedes Album, um sich die komplette Vollbedienung zu gönnen (vergesst Youtube, es muss das Original sein). Da ist die logische Konsequenz, das man als Fan eine Wiederholung wĂŒnscht.

Allerdings steht und fĂ€llt das zweite Festival mit der Veröffentlichung des (bereits etwas lĂ€nger angekĂŒndigten) Orchester Albums. „Das wĂ€re natĂŒrlich eine schöne Möglichkeit, weil es auf Tour Blödsinn wĂ€re. Das schöne an unserem eigenen Festival damals war, daß es uns Möglichkeiten eröffnet hatte, die wir auf keinem anderen Festival der Erde gehabt hĂ€tten. Selbst wenn wir Wacken headlinen kannst du nicht tun und lassen, was du willst, weil noch gefĂŒhlte 700 andere Bands da spielen. Du musst bestimmte Vorgaben einhalten, ganz egal ob du Headliner oder Opener bist. Mit unserem eigenen Festival haben wir die Regeln aufgestellt und konnten einfach tun und lassen, was wir wollten. Das bot sich damals fĂŒr die DVD Produktion an und bietet sich natĂŒrlich auch dafĂŒr an, wenn man sowas mit Orchester durchziehen wĂŒrde. Es gibt zur Zeit nichts konkretes, aber das wĂ€re so eine Option, daß ,am das Orchester Album rausbringt und dann pĂŒnktlich mit dem Festival antritt.“

Wir unterbreiten Marcus die Idee, das zweite Festival zu splitten; erster Tag: Orchester Set, zweiter Tag: old school Set mit Speed Klassikern, die man selten live zu hören bekommt ( Beispiel: The Martyr; Tieteltrack Follow the Blind).

„Aufsplitten in Orchestertag und Nichtorchester Tag macht generell schon Sinn, weil wir auch viele „normale“ StĂŒcke haben, die man mit dem Orchester unterbringen könnte. Zweiten Tag dann KnĂŒppel aus dem Sack oder schnelle Nummern wĂ€re auch denkbar. Was man dann spielt, mĂŒsste man dann natĂŒrlich sehen. „Follow The Blind“ beispielsweise haben wir seit gefĂŒhlten 137 Jahren nicht mehr gespielt. Ich mĂŒsste diese Nummer erstmal wieder lernen. Ich wĂŒrde aus dem Stehgreif wahrscheinlich bis zum ersten Refrain kommen und dann mĂŒsste ich wohl nochmal in die CD reinhören um rauszukriegen, was wir denn damals so gemacht haben (lacht) Bis jetzt haben wir uns noch ĂŒberhaupt keine Gedanken darĂŒber gemacht. Auf Tour ist es bei uns so, daß wir uns die Setlist immer vor oder nach dem Soundcheck ĂŒberlegen, aber das warÂŽs dann auch, da sind wir relativ spontan. Es ist nicht so, daß wir bereits ein Jahr vorher wissen, was wir genau wie und wann spielen. Aber so ein Event wie unser Festival bietet sich natĂŒrlich an, um auch mal wieder seltene Sachen rauszupacken. „Follow The Blind“ haben wir bis heute glaube ich einmal live gespielt.“-

BG Band 2005

Ein neues Kapitel

Wir schreiben das Jahr 2005 und die Barden haben einiges an Live Auftritten hinter sich. Man hat sich durch seine Erfahrungen bereits einen Veteranen Status erarbeitet; erst Album, dann Tour, dann kurze Pause, dann wieder Album. Dieser Rhythmus wird beibehalten, um einerseits die KreativitĂ€t aufrecht zu erhalten und andererseits auch jederzeit volle Leistung abzuliefern. Dennoch sind die Jungs auch nicht vor den ganz normalen Gefahren einer Band gefreit und so verlĂ€sst Drummer Thomen „The Omen“ Stauch die Band. Stattdessen widmet er seine gesamte Kraft seiner Band Savage Circus, die er anno 2004 gegrĂŒndet hat. Musikalisch geht es eher zurĂŒck zu den Wurzeln, wobei man sich stark an die „Battallions…“ Phase erinnert. Hier kommt es spĂ€ter zum Eklat und er wird von der Band rausgeworfen, was sich 2012 jedoch wieder legen soll. Nicht unerwĂ€hnt soll die Tatsache sein, daß er als Sessiondrummer das Album „The Path of Salvation“ von Stormrider eingetrommelt hat. Neues Tier an der Schießbude ist Frederik Ehmke, der sich in kurzer Zeit die Diskographie aneigent; trotz eines eigenen Drumstils, bringt er live die alten StĂŒcke gut nach vorne, verfeinert sie allerdings noch zusĂ€tzlich mit kleinen Nuancen. Gerade zum Einstieg dĂŒrfte so eine Nummer wie `Punishment Divine` mit seinen Doubelbassgewittern eine echte Herausforderung gewesen sein. Menschlich integriert er sich ebenfalls schnell in die Band und so werkelt man an dem neuen Output, das um einiges moderner klingt. 70er Jahre Elemente, stark Gitarrenorientiertes Songwriting und moderne Soundsamples verschmelzen hier zu einer Symbiose, die ein neues Level ankĂŒndigen. Bereits der „Testluftballon“ in Form der Single `Fly`, die ein sehr geiles Cover ziert, ist ein klares Statement zum Songwriting und wird im Fanlager heiß diskutiert. Von „Das ist doch kein Blind Guardian mehr“, ĂŒber „Ich weiß nicht so recht“, bis zum „Hör es dir mehrmals an, das zĂŒndet danach richtig“ ist alles dabei. Fakt ist, daß man sich erneut auf unbekannte Pfade begibt, die epische Wirkung zwar beibehĂ€lt, aber nicht mehr so in den Mittelpunkt stellt und leicht verdaulichere Songs erschafft, als beim VorgĂ€nger.

A Twist In The Myth

BG Twist`This Will Never End `eröffnet mit sĂ€genden Gitarren und bis zum Anschlag ausgereizten Vocals die Reise. Stakkato Riffing, umschmeichelnde Gitarrenlinien und einprĂ€gsamer Refrain lassen den Hörer schnell nach hause kommen und empfangen ihn mit mehren Überraschungen. `Otherland` besticht durch Hansis entblĂ¶ĂŸten Vocals, die den Song quasi von alleine tragen. Der Rest entfĂŒhrt schnell in das alte Guardian Feeling, das man sich bei der „Opera“ noch hart erarbeiten muss. Hier geht’s schnell; GĂ€nsehaut, hochschrauben und lauthalt mitsingen ist angesagt. Gerade die leicht vollziehbare Gitarrenarbeit spielt alle TrĂŒmpfe aus und man staunt abwechselnd ĂŒber die Instrumentierung und den herrlichen Text. Episch geht es mit `Turn The Page` weiter, der zwar auch leicht nachvollziehbar ist, von der Epik aber mal eben einen Mix aus guter Laune und `And Then There Was Silence` transportiert. Es folgt `Fly` , das ein progressiver Brocken mit modernen Synthisounds geworden ist. Nach einigen DurchlĂ€ufen bei mir als Single, ist er schnell der SKIP taste zum Opfer gefallen, denn er ist weder Fisch noch Fleisch (kein „Nightfall“ und auch kein „Opera“). Leider verhĂ€lt es sich mit den anderen Songs stellenweise Ă€hnlich, denn auch wenn das Können der Musiker gut zur Schau gestellt wird, stehe ich stellenweise ratlos vor den Boxen und weiß nicht, was ich davon halten soll. `Carry the Blessed Home ` ist eine 70er Jahre Ballade, die auch problemlos auf Dan Swanös Nightingale Album gepasst hĂ€tte; erst in der zweiten HĂ€lfte entfaltet sich das Flair und man weiß wieder, welche Band da spielt. Insgesamt ist die Produktion deutlich dĂŒnner und man könnte meinen, der Perfektionismus sei erloschen. Allerdings sprechen die Songs hier fĂŒr sich; stellenweise sperrig und auf ĂŒbersichtlichem Bombast getrimmt, aber gerade in der Langzeitwirkung extrem effizient. Es soll bei mir noch Wochen dauern, bis ich mir den Kultstatus dieser Scheibe erarbeite. Optisch hat Nuclear Blast mit der limitierten Buchbox (inkl. Großem Booklet und Stempel) alles richtig gemacht, denn es sieht chic aus,

At The Edge Of Time

BG Edge Of TimeNach 4 Jahren Sendepause beglĂŒcken uns die blinden WĂ€chter mit einem ganz großen Wurf ihrer Karriere. In der Vergangenheit mussten sich BLIND GUARDIAN viele VorwĂŒrfe aufgrund ihrer Experimentierfreudigkeit gefallen lassen, weil die HĂ€rte auf Kosten der symphonischen Schiene verloren ging.
Zwar wartet „At The Edge Of Time“ auch mit vielen bombastischen Parts auf (schließlich wurde ein komplettes Orchester dafĂŒr integriert), aber auch KnĂŒppelfans der ersten Stunde und Hymnenliebhaber treibt es hier die FreudentrĂ€nen in die Augen; selten klang Hansis Gesang frischer, die Gitarren aggressiver und das Schlagzeug dynamischer. Hatte man bei „A Twist in the Myth“ noch einige MĂŒhe sich auf die zukĂŒnftige Richtung einzuspielen (obwohl der neue Schlagzeuger einen guten Job gemacht hatte), so sind sie anno 2010 zu einer richtig starken Einheit zusammengewachsen.

Als Opener kracht `Sacred Worlds` durch die Boxen, den Computerspieler kein unbekannter Titel sein dĂŒrfte. Die orchestralen Arrangements wurden erweitert und der Chorus bedient sofort mit einer GĂ€nsehaut deluxe. Wahnsinn, wie man Metal mit Klassik verbinden kann; mittlerweile kein neues Kochrezept, aber hier genial umgesetzt. Old School Fans lassen die Matte zu `Tanelorn (Into the Void)` wieder kreisen und vor dem inneren Auge sieht man schon die Massen den Refrain mitsingen. Den GĂ€nsehautfaktor spare ich mir einfach mal, weil er sich sowieso durch das komplette Album durchzieht. Mit `Road To No Release` gehtÂŽs gemĂŒtlicher zur Sache. So hĂ€tte das komplette „A Twist In The Myth“ klingen mĂŒssen, dann hĂ€tte es auch mit dem Nachbarn geklappt: eine Midtemponummer, vom Klavier unterstĂŒtzt und dynamisch in Szene gesetzt. Danach habe die Krefelder anscheinend keine Zeit mehr, denn im Volltempo jagt `Ride Into Obsession` durch die Speaker und katapultiert uns irgendwo zwischen den Jahren von „Somewhere Far beyond“ und „Imaginations From The Other Side“.
Nach dem Song bekommt die Nackenmuskulatur erstmal eine kleine Pause, denn die mittelalterliche Ballade `Curse my name` lĂ€sst uns weiterhin vor den Boxen knien und jede Textzeile ehrfĂŒrchtig mitsingen. Nach der kleinen Verschnaufpause, gibtÂŽs das atmosphĂ€rische `Valkyries`, das mit einem Gewitter eingeleitet wird. BLIND GUARDIAN ziehen hier ihr progressives Ding durch, und bleiben auf der Midtemposchiene. Der Song geht sofort ins Ohr und hĂ€tte auch auf der „Nightfall In Middle Earth“ zu finden sein können. Eine Runde Gott gespielt wird mit `Control the divine`, der uns wieder zu den „A Night At The Opera“ Zeiten zurĂŒckfĂŒhrt, ohne jedoch stumpf zu kopieren. Mit `War Of The Thrones` ist es dann endgĂŒltig Zeit die Knieschoner aus dem Schrank zu holen, und den Volume Regler bis zum Anschlag aufzureißen; gab es auf der Single „A Voice In The Dark“ die Akustik Version, gibtÂŽs hier eine bombastischere.

Der Arsch wird dann noch mal richtig mit `A Voice In The Dark` versohlt; der schnellste Song des Albums bringt uns zu den Anfangstagen von BLIND GUARDIAN und es wird gezeigt, dass sie die Spielart noch lĂ€ngst nicht komplett abgelegt haben. Ein weiterer Nackenwirbelarmageddon, bevor es zum krönenden Abschluss kommt. Als Nachtisch wird `Wheel Of Time` serviert, dass mit Ă€gyptischen KlĂ€ngen eingeleitet wird. Auf diesem StĂŒck kann man das Zusammenspiel von einer dynamischen Metalband und einem symphonischen Orchester hören, wie es in Perfektion klingen muss. Die Symbiose beider Stilrichtungen ist hier dermaßen gelungen, dass man glaubt BLIND GUARDIAN wĂŒrden seit dem Beginn ihrer Karriere auf diese Weise komponieren.

Nachdem ich mir die ersten FreudentrĂ€nen weggewischt habe, nun noch einige Worte zum Gesamteindruck; die Produktion ist fantastisch ausgefallen. Die Speed Metal Parts kommen aggressiv und die orchestralen Arrangements extrem bombastisch rĂŒber. Auch die mit Liebe eingeflochtenen Gastauftritte (Prager Philharmonic Orchestra, Flöten, Geigen) kommen sehr gut zur Geltung, ohne in den Songs zu verschwinden. Auch Layouttechnisch ist man hier auf der sicheren Seite und so ist das neue Album eine wahre Augenweide fĂŒr Fantasy Fans; gelungene Zeichnungen und die Aufmachung des Digipacks (von der limitierten Pyramide will ich erst gar nicht anfangen zu schwĂ€rmen) runden den Gesamteindruck ab. Auch ist eine Version mit Bonus CD (inklusive Demo Aufnahmen und einer 20 minĂŒtigen Studiodokumentation) und eine Vinyl Auflage am Start, es wurde wirklich an alles gedacht!

Danach geht es fĂŒr die WĂ€chter auf Tour. Kollege Dirk hatte das GlĂŒck, zum Auftakt mit Marcus zu telefonieren. Das Interview könnt ihr HIER lesen.

PĂŒnktlich zum BandjubilĂ€um erscheint die Box “A TravellerÂŽs Guide To Space And Time”. An dieser Stelle könnten wir euch ein weiteres Review prĂ€sentieren. Stattdessen verweisen wir an dieser Stelle auf unseren Artikel, in dem wir die AnkĂŒndigung der WĂ€chter besprochen hatten.

Das Orchester Album

Fans werden diesen epischen Running Gag mittlerweile lieben, denn es wurde aus heutiger Sicht vor 7 Jahren angekĂŒndigt. Die AnkĂŒndigung findet ihr nochmal HIER auf unserer Seite. Fakt ist, daß ein komplettes Orchester am Start ist und die WĂ€chter mit Markus Heitz zusammenarbeiten. Das verspricht wahrlich etwas sehr großes, das natĂŒrlich auch seine Zeit braucht, um zu wachsen. Wir fragen Marcus, wie es nach der Veröffentlichung mit einer Tour aussieht. „Das wĂ€re schön; das stelle ich mit auch sehr spannend vor, aber das ist natĂŒrlich nichts, was man im Rahmen einer Tour machen kann. Wenn du jetzt 90 Leute mehr fĂŒr das Orchester mitschleppen möchtest, brauchst du mehr Nightliner, mehr Crew, du brauchst mehr alles. Das ist allein schon ein Logistik- und Kostenfaktor, der im Rahmen einer Tour nicht funktioniert. Ich könnte mir vorstellen, daß wir sowas mal FestivalmĂ€ĂŸig angehen, wobei es noch keinen konkreten Zeitplan gibt. Es wĂ€re natĂŒrlich spannend; speziell wenn das Orchesteralbum draußen ist, bietet sich sowas natĂŒrlich an.“

Wie und wann es damit weitergeht, lest ihr im unteren Abschnitt zu den ZukunftsplÀnen.

Memories Of A Time To Come

BG MemoriesBraucht man eigentlich eine Best Of Compilation, wenn man doch alle Klassiker im Original im Regal stehen hat? Eigentlich ĂŒberflĂŒssig denke ich mir und lasse die auf 3 CDÂŽs verteilte Perle jahrelang links liegen. So ganz außen vor fĂŒr dieses Special möchte ich es aber nicht lassen, also einfach mal zur VervollstĂ€ndigung kaufen und gut ist. Das Cover ist natĂŒrlich eine wahre Augenweide und die Songauswahl ist natĂŒrlich gut, aber auch zu wenig; ein Best Of BLIND GUARDIAN beinhaltet Material, mit dem man sich eigentlich problemlos mehrere Tage in seiner Kammer verschanzen kann. Die Produktion ist optimal, schließlich wurden sĂ€mtliche StĂŒcke nochmal einer Frischzellenkur unterzogen und neu remastered. Bei `Valhalla`und `And Then There Was Silence` horcht man auf, denn sie wurden auch neu arrangiert. Gleiches gilt fĂŒr den `BardÂŽs Song- In The Forest`, der jetzt die BrĂŒcke zwischen Klassik und Mittelalter schlĂ€gt. Den Vogel abgeschossen hat man mit `The BardÂŽs Song – The Hobbit`, ein meiner Meinung nach viel zu unterbewerteter Song. Auch hier wurde komplett neu aufgenommen und alleine das Doublebassgewitter zu Beginn lĂ€sst mich schnell die Boxen quĂ€len. Alleine dafĂŒr lohnt sich der Kauf schon! Auf der dritten CD befinden sich Demotracks aus den Tagen von LucferÂŽs Heritage, was die Sache abrundet. Pflichtkauf ist hier Ansichtssache, aber zur VervollstĂ€ndigung der Sammlung sollte man es sich gönnen. Außerdem ist es interessant, die alten SchĂ€tzchen mal mit neuer Produktion zu hören.

Die Zwerge

Mit `Sacred Worlds`, aus dem Computerspiel Sacred 2, wurde die Gaming- und Nerdgemeinde beglĂŒckt. Wer Ende 2016 die Computerspieladaption „Die Zwerge“, angelehnt an der Buchreihe vom Autor Markus Heitz, gespielt hat, wird wĂ€hrend des Abspanns mit einer schönen Überraschung konfrontiert, denn die Barden haben erneut einen Song zu einem Spiel beigesteuert. „Beigesteuert ist so nicht ganz richtig, weil der Song nicht von uns ist. Das Produktionsteam hat uns damals im Studio besucht und uns ihr Projekt vorgestellt. Wir konnten schon in frĂŒhen Alpha Versionen reinspielen, um halt einen Eindruck zu kriegen und wir wurden dann auch gefragt ob wir Bock hĂ€tten, einen Song fĂŒr das Spiel zu schreiben. An Bock ist es nicht gescheitert, gescheitert ist es schlicht und ergreifend an der Zeit. Ich glaube wir waren kurz vor der Endproduktion zum letzten Album und waren zeitlich so ausgebucht, daß wir keine Möglichkeit hatten, wieder in das Songwriting zu gehen und ein StĂŒck zu schreiben. Wir haben dann angeboten, daß wir nur performen und nicht schreiben, weil wir schlicht und ergreifend keine Zeit haben. Das heißt, daß der Song nicht von uns geschrieben wurde, sondern von deren Team und Hansi hat praktisch gesungen und ich hab alle Gitarren gemacht. Es sind also auch nicht komplett BLIND GUARDIAN involviert gewesen, sondern nur Hansi und ich. Im Endeffekt hat es sehr großen Spaß gemacht und es ist eine sehr spannende Erfahrung, mit Leuten zusammen zu arbeiten, mit denen du noch nie etwas gemacht hast und die du auch nicht kennst. Innerhalb der Band kennen wir uns alle in und auswendig. Wir machen das schon seit 30 Jahren und auch Frederik ist schon seit 12, 13 Jahren dabei. Bei uns ist es ein blindes VerstĂ€ndnis, ein blindes Zusammenarbeiten, das einfach lĂ€uft. Wenn du dann auf einmal mit Leuten zusammenarbeitest, die du nicht kennst und die eine andere Arbeitsweise haben, und von mir aus auch noch aus einem ganz anderen Lager kommen, kann das sehr interessant sein und macht auch enorm viel Spaß. Wir haben damals die Demos bekommen und Hansi und ich haben dann etwas umarangiert, den Kram eingespielt und es ist schön geworden. Ich muss aber betonen, daß es keine BLIND GUARDIAN Nummer ist. Das wird immer wieder fĂ€lschlicherweise gesagt, wenn man im Netz schaut; dann stellen sich die Leute die Frage, warum wir diese Nummer nicht aufs Album gepackt haben oder warum wir das StĂŒck nicht live spielen. Es ist schlichtweg nicht unser Song.Wir haben nicht komponiert, sondern nur arangiert“ Eigentlich sehr schade, denn der Song ist gut geworden. Bleibt die Frage, ob er wirklich niemals live gespielt werden wird. „Unwahrscheinlich. Man soll ja niemals nie sagen; wir haben in unseren frĂŒheren Jahren ja auch mal Coverversionen gespielt, die wir rausgebracht haben, weil wir da Bock drauf hatten. Ich wĂŒrde es jetzt nicht pauschal ausschließen, daß das jemals passieren könnte, aber ich wĂŒrde auch keine all zu großen Erwartungen darauf setzen. Wenn wir jetzt damit anfangen wĂŒrden, fremde Nummern in unsere ohnehin volle Setlist rein zu setzen, wĂŒrden wir Probleme bekommen. Wir spielen bereits im Schnitt zweieinhalb Stunden und du bekommst trotzdem nur 18 Nummern unter.“

Gaming Corner- ein NerdgesprÀch

BLIND GUARDIAN haben viele EinflĂŒsse; Herr der Ringe, Stephen King und König Artus sind nur einige Gebiete, aus denen Songs entstanden sind. ZusĂ€tzlich zu BĂŒchern und Filmen gesellt sich noch eine andere Leidenschaft. Marcus ist ein Fan von Computerspielen, womit er bei mir offene TĂŒren einrennt. Ab dieser Stelle ein kurzes Wort der Warnung: wer mit Spielen nicht anfangen kann, sollte nun zum nĂ€chsten Abschnitt skippen. Auf geht’s in den Spielewahnsinn:

MI: Welche Spiele zockst du zur Zeit?

Marcus: „In den letzten 12 Jahren war sehr viel World Of Warcraft am Start (lacht); im Moment spiele ich sehr gerne und oft „Zelda- Breath Of The Wild“ auf der Switch. Diablo 3 spiele, aber ich muss zugeben, daß ich das nicht so spiele, wie ich damals Diablo 2 gespielt habe. Den Suchtfaktor fand ich bei 2 einfach höher als bei 3. Ist zwar ein gutes Spiel, hat mich allerdings nicht so motiviert, wie es bei Teil 2 der Fall war. Das Tombraider Reboot fand ich auch sehr gut; ich hab mir auch schon die Fortsetzung davon gekauft, aber noch nicht angefangen. Resident Evil fand ich auch immer großartig. Da habe ich letztens mit Teil 7 angefangen, wobei das non plus Ultra fĂŒr mich immer noch Teil 4 ist. Ich zocke alles quer durch den Garten, wobei es leider einige Spiele in der Art nicht mehr gibt. Beispielsweise „The Secret Of Monkey Island“ von Lucas Arts und alte Rollenspiele.“

MI: Man kann sich die alten SchĂ€tzchen noch ĂŒber GOG (Good Old Games) fĂŒr aktuelle Rechner kaufen.
Marcus: „Ich hab noch die ganzen alten Originale hier im Schrank stehen. Aber die Art von Spielen vermisse ich irgendwie. Es war mal das Ding und ist irgendwann aus irgendeinem Grund ausgestorben. Eine Zeit lang habe ich auch Shooter und Strategiespiele gespielt, worauf ich halt gerade Bock hatte.“

MI: Was ist mit Elex, dem neuen Spiel von Piranhya Bytes (Den Machern von Gothic)?
Marcus: „Piranhya Bytes kenn ich, wie heißt das Spiel?“
MI: Elex. Ist eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy; man spielt erneut einen Helden, der sich von ganz unten nach oben kĂ€mpfen muss. Es hat genau den Ruhrpott Flair von damals; harte Spielwelt, unzĂ€hlige Quests und humorvolle Dialoge. Keine Grafikhure vor dem herrn, aber die AtmosphĂ€re ist sehr geil. Du hast erwĂ€hnt, daß due Resdient Evil Fan bist. Wie schautÂŽs dann bei dir mit The Evil Within 2 aus?
Marcus: „Den ersten hab ich auch auf den Rechner, aber noch nicht gespielt. Den zweiten hab ich gekauft, aber installiere ich erst, wenn ich den ersten durch habe. Ich erwarte hier großartiges, denn Trailer und Bilder haben mir sehr gut gefallen.“

An dieser Stelle bremsen wir uns beide zu dem Thema, da es ansonsten ein reines Gaming Special werden wĂŒrde. Es geht weiter mit BLIND GUARDIAN.

Beyond The Red Mirror

BG MirrorNeues Album, neue Wege, oder doch wieder ein Schritt zurĂŒck in die glorreiche Vergangenheit? Nach mehrmaligem Hören hat das Album fĂŒr mich eine sehr persönliche Botschaft an Bord: Schluss mit Nostalgie und ran ans Erwachsen werden!
Mit „Beyond The Red Mirror“ halten sich BLIND GUARDIAN auch selbst den Spiegel vors Gesicht, mit allen Facetten, Narben und einem zeitlosen Blick in den Augen. Obwohl dieses Mal auf vielen Baustellen mehr und intensiver gearbeitet wurde, hat man sich auch den kleinen Dingen mit viel Liebe gewidmet. Das beginnt beim opulenten Gesamteindruck (das Album beim ersten Durchhören verarbeiten? Vergesst es!), geht ĂŒber bereits bekannte (und doch intensiv spĂŒrbare) Gitarrenduelle, bis hin zu den gĂ€nsehautartigen Gesangspassagen, die (man mag es kaum glauben) wirklich noch intensiviert werden konnten. Das Album ist eine Reise, die man mit jedem Durchlauf neu und intensiver erleben kann.

Bereits der orchestrale Opener entlĂ€dt seine gesamte Urgewalt in den Boxen. Dabei zeigen die Barden auch den Mut, mittels moderner Effekten die BrĂŒcke zwischen old school Fans und modernen Fans zu spannen. Die SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der dies gelingt, ist dabei genauso beachtlich wie die Tatsache, das 9 minĂŒtige UngetĂŒm bereits zu Beginn abzufeuern.Die Singleauskopllung `Twilight Of The Gods` kommt direkt auf den Punkt, wĂ€hrend sich mit `Prophecies` der erste Song ins LangzeitgedĂ€chtnis schmilzt; mal im Ernst, wer hier nicht genauso glĂŒcklich grinst, wie beim ersten Durchlauf der „Nightfall
“ muss definitiv zum Ohrenarzt. EinprĂ€gsame Gitarrenschlangen, treibendes Drumming und Gesanglinien, die tiefer in den Spiegel zerren. Dreckige Riffs und opulente Orchesterpassagen vereinen sich in `At The Edge Of Time` und gehen den Weg des VorgĂ€ngeralbums imposant weiter. `Ashes Of Eternity` knurrt bösartig aus den Boxen, kratzt am Trommelfell entlang, ehe es sich wieder (unberechenbar) versöhnlich dem Hörer anbietet. Mit `Distant Memories` fĂŒhlte ich mich im Verstand eines Königs gefangen, ehe mich GĂ€nsehautwellen tiefer in den Spiegel zerrten. Episch und gleichzeitig AushĂ€ngeschild fĂŒr den Weg, den die Krefelder eingeschlagen haben. Sie experimentierten und webten ihre alten Tugenden mit ein, was hier sehr gut zur Geltung kommt.

Macht das Licht an, stellt das Bier weg, denn spĂ€testens mit ÂŽThe Holy Grail` warÂŽs das mit dem GrĂŒbeln, was man ĂŒber die neue Platte denken soll. Der Song killt, treibt die Lautsprecher an ihre Grenzen und lĂ€sst mich beten, dass dieser Song live gespielt wird und tausende Kehlen den Refrain mittragen! Ein Schlachtfeld entsteht schnell vorm geistigen Auge und schmiedet sĂ€mtliche GefĂŒhle, die bei Manowar oder Bathory je aufgekommen sind, in einen Song. Keine Schnell-ins-Ohr-Killer? Ich verneige mich ehrfĂŒrchtig vor dieser Antwort zum eigenen „Mirror Mirror“ und anderen Klassikern. Das Stakkato Gewitter flirtet mit dem Orchester unter dem Banner `The Throne`, ehe `Sacred Mind` wieder Geschwindigkeit auf dem Programm steht. Mit der Ballade `Miracle Machine`haben es die Barden geschafft, ihren Namen neben Legenden wie Queen einzumeißeln. Hansis Stimme geht direkt unter die Haut, das Klavier erschafft eine nachdenkliche (jedoch nicht melancholische) Stimmung und der Wunsch nach einem Wunder keimt schnell in einem selbst auf. Diese Nummer lief beim Test einen halben Tag in Endlosschleife, ohne eine Spur seiner Magie zu verlieren. `Grand Parade` strotzt vor dem Perfektionismus, der hier an den Tag gelegt wurde, um eine kraftvolle Symbiose aus Klassik und Metal zu erschaffen. Wer `Sacred` mochte, wird diesen Song lieben und selbst die Black Metal Fraktion dĂŒrfte sich hier an einige Sternstunden wie alte Dimmu Borgir erinnert fĂŒhlen, ehe mit dem Bonussong (in dem limitierten Buch)`Doom`die Reise unter „We will Remember“ Rufen und herrlichen GitarrenlĂ€ufen endet.

Statt Erinnerungen hinterher zu hĂ€ngen, fĂŒhrt dieses Album das fort, was bei der „Imaginations“ endete. Dabei bedient man sich der Erfahrungen der letzten Jahre und erschafft ein Album mit einem Charakter, der mir ehrlich gesagt in den letzten Jahren etwas gefehlt hat. Wer sich die volle Dröhnung gönnen möchte, sollte sich die Buchedition gönnen, auf der die AtmosphĂ€re des Albums mit den gelungenen Zeichnungen von Felipe Machado Franco perfekt eingefangen wurde. Als BLIND GUARDIAN Fan ist man erwachsen geworden und verdient auch ein reifes und gleichzeitig kraftvolles Album. Ich habe das Album noch nicht bis in den letzten Winkel ergrĂŒndet, aber gerade diese Tatsache rundet den Gesamteindruck ab. Die Reise endet und beginnt mit jedem neuen Hören


blindguardian2016

ZukunftsplÀne

Wir schreiben das Jahr 2017. Die WĂ€chter haben das Ende ihrer Tour angekĂŒndigt und begeben sich nun in ihr Studio, um ihr neues Album aufzunehmen. Die GerĂŒchte verdichten sich, daß es dieses Mal das lang angekĂŒndigte Orchester Album werden wird. „Ja, das Orchester Album wird es geben, tatsĂ€chlich. Die Live Abstinenz wĂŒrde es auch geben, wenn wir nicht mit dem Orchester arbeiten wĂŒrden. Wir arbeiten immer in diesen Zyklen; wenn ein Album rauskommt gehen wir auf Tour, schreiben in der Zeit auch nicht wirklich neue StĂŒcke, weil wir das nicht können. Wir brauchen den Abstand. Wenn wir auf Tour komponieren wĂŒrden, wĂŒrde das neue Zeugs genauso klingen, was wir live auch spielen, weil das ist automatisch die Musik, die du den ganzen Tag auch hörst. Das wĂŒrde automatisch zu Wiederholungen fĂŒhren und da haben wir keinen Bock drauf. Deshalb splitten wir das in eine Tour- und Songwritingphase. Jetzt sind wir halt in der Sogwritingphase; wir waren jetzt zweieinhalb Jahre auf Tour und irgendwann muss auch mal gut sein (lacht) . Irgendwann schlĂ€ft man auch gerne wieder zuhause und sieht seine Familie. Wir haben jetzt mit dem Songwriting fĂŒr das nĂ€chste, regulĂ€re Album begonnen, aber auch das legendĂ€re Orchester Album wird jetzt endgĂŒltig fertig gestellt. Das heißt, Hansi muss jetzt eine ganze Menge singen. UrsprĂŒnglich sollte das wĂ€hrend der Tourpausen passieren, aber den Plan mussten wir relativ schnell verwerfen, weil der Touralltag viel zu anstrengend fĂŒr Hansis Stimme ist. Wenn du also mal eine 2 Wochen Pause zwischen einer Europa- und einer Amerikatour hast, ist deine Stimme nicht wirklich fit fĂŒr eine Studioaufnahme. Es macht hier auch keinen Sinn irgendwas zu erzwingen, denn das wĂŒrde bedeuten, daß die Studioaufnahmen vielleicht mit viel GeprĂŒgel funktioniert und danach ist seine Stimme durch und hĂ€lt die nĂ€chsten Konzerte nicht mehr durch. Das ist Blödsinn; ein SĂ€nger braucht, wie jeder andere Musiker auch, definitiv zwischen den sehr anstrengenden Tourblöcken seine Pausen. Hansi kann also jetzt in aller Ruhe alles einsingen und dann können wir mixen und mastern und dann kommt das Album tatsĂ€chlich auf den Markt.“

Die klare Trennung von Tour und Albumphase hat bisher immer FrĂŒchte getragen. Hinzukommt eine innovative Idee, mit der man sich (und den Fans) Abwechslung auf den Konzerten gönnt. „Wir geben uns schon ein wenig MĂŒhe. Wir spielen am Abend um die 18 StĂŒcke, haben aber fĂŒr die Tour so um die 45 StĂŒcke geprobt. Jedes StĂŒck wird auch im Rahmen der Tour gespielt, weil sich jeden Tag zwei bis vier Nummern im Vergleich zum Vortag Ă€ndern. Dadurch konnten wir natĂŒrlich auch aus einem großen Fundus schöpfen, den wir fĂŒr das Live Album gebraucht haben. ZusĂ€tzlich kommen die Leute auch zu mehr, als nur zu einer Show; sie haben also eine Garantie, daß sie unterschiedliche Sets sehen. Außerdem ist es fĂŒr uns auch wichtig, denn wenn du zweienhalb Jahre auf Tor bist und immer die gleichen 18 StĂŒcke spielst, drehst du irgendwann durch. Das mĂŒndet dann in eine tödlich, langweilige Routine, was wir logischerweise auf gar keinen Fall wollen. Es soll auch fĂŒr uns spannend und vor allem spaßig bleiben.“

Das Warten auf das nĂ€chste Album dauert bekanntlich lĂ€nger. Vorher gibt es einen Appetizer, der aber noch lange nichts ĂŒber das gesamte Album aussagt.

„Das wird bei uns nie möglich sein, weil wir stilistisch sehr breit aufgestellt sind. Ich habe mal eine interessante Diskussion mitverfolgt, wobei man versucht hat, unseren Stil zu nennen. Es wurde von Speed-, ĂŒber Power- bis zum Progressive Metal alles genannt und alles stimmt. (außer Black Metal bei LuciferÂŽs Heritage). Das ist auch ein Grund, warum wir die Einstellung nicht mögen, denn wenn wir uns auf einen Stil beschrĂ€nken wĂŒrden, dĂŒrften wir ja nichts anderes machen. Dieses Schubladendenken engt dich nur ein und deshalb interessiert uns das auch nicht; wenn wir eine Idee gut finden und sie zu uns passt, dann machen wir das, worauf wir Bock haben. Schnell, hart, langsam, episch ist völlig egal; solange es uns gefĂ€llt und es nach BLIND GUARDIAN klingt, ist alles gut. Deshalb kann ein Appetizer in Form einer Maxi oder eines einzelnen Songs nur einen Teilaspekt beleuchten, was auf dem Album ist. Gerade das macht aber fĂŒr mich auch den Reiz aus, weil es immer etwas neues zu entdecken gibt.“

BG Ending

And The Story Ends…

Wir sind am Ende einer langen Reise angekommen. Herzlichen GlĂŒckwunsch und vielen Dank an jene, die sich bis zu dieser Stelle durchgekĂ€mpft haben. Am Ende stellen wir Marcus eine Frage, deren Antwort besonders jungen, aufstrebenden Bands Mut machen dĂŒrfte:Seit wann macht ihr das eigentlich hauptberuflich? „Seit Anfang an; wir haben den Plattenvertrag unterschrieben, da war ich noch in der Schule. Wir haben vom Timing GlĂŒck gehabt, denn ich hab die Schule abgeschlossen, als die „Follow The Blind“ gerade draußen war. Danach kam der Zivildienst fĂŒr mich und Andre und im Anschluss haben wir die „Tales“ rausgebracht und ab da haben wir davon gelebt. Keiner der Band hat jemals etwas anderes gemacht; wir haben seit dem ersten Tag an das erklĂ€rte Ziel gehabt „Das ist es, was wir machen wollen“ und wir haben auch immer daran gezogen. Wir haben jeden Tag geprobt, außer manchmal Sonntags, wenn wir am Samstag zu viel gesoffen hatten (lacht). Im Normalfall standen wir jeden Tag im Proberaum und haben versucht uns als Musiker und Songwriter zu verbessern. Wir haben alles Geld, was wir bekommen haben, in unsere Musik investiert; sei es in Instrumente, Studioequipment usw. Wir haben sehr frĂŒh angefangen uns Studioequipment zu kaufen. Irgendwann haben wir den Schritt gemacht, uns unser eigenes Studio zu bauen, in dem wir unsere Platten aufnehmen. Wir haben immer daran gezogen und es gab auch nie einen Plan B. Sowas lenkt dich nur ab und fĂŒr uns war ganz klar „Das ist das, was wir beruflich machen werden“. Unser Ziel war es, daß wir professionell Musik machen, Alben aufnehmen und touren. Das war unsere klare Vision und in unseren Köpfen gab es auch nie eine Alternative dazu. Es gab auch nie die Möglichkeit, daß das nicht klappen könnte, denn wir wollten es ja. (lacht) Also haben wir es umgesetzt.“

Zu Guter Letzt hat Marcus noch einige abschließenden Worte fĂŒr die Fans, die sich nun in Geduld auf das kommende Album ĂŒben mĂŒssen:

„GlĂŒckwunsch dazu das ihr BLIND GUARDIAN hört, ist die richtige Entscheidung (lacht) Vielen, vielen Dank fĂŒr 30 jahre Support und auch an alle, die spĂ€ter eingestiegen sind. Wir hatten einen Mega Spaß auf der letzten Tour, das hört man glaube ich wohl dem Live Album an. Wir sind jetzt in der Songwriting Phase, die Tour danach kommt bestimmt und dann geht alles von vorne los und wir freuen uns schon darauf. Dauert ein bisschen, als bitte etwas Geduld haben, im Endeffekt wird es sich hoffentlich lohnen. NĂ€chste Tour kommt garantiert und dann können wir hoffentlich wieder zusammen feiern.“

Sebastian Radu Groß

W.A.S.P. OBERHAUSEN

Posted by Peter Marquardt On November - 21 - 2017

W.A.S.P. Freitagabend in Oberhausen – Turbinenhalle 2 ist angesagt um W.A.S.P. ’s 25-jĂ€hriges „Crimson Idol“ JubilĂ€um zu verfolgen. Ausverkauftes Haus!

PB170038RAIN aus Italien machen den Opener. Knapp 30 Minuten mĂŒssen reichen um das Publikum von sich zu ĂŒberzeugen und natĂŒrlich die Stimmung fĂŒr WASP anzuheizen. Klappt sehr gut, wie ich finde. Die fĂŒnf Jungs geben gut Gas und servieren modernen Heavy Rock. Ein Interview mit Amos (Guitar/Vocals) an anderer Stelle.PB170045

Dann heißt es erstmal warten, lange warten
 Drei VideoleinwĂ€nde rechts und links und eine grĂ¶ĂŸere ĂŒber dem Drumset. Licht aus und `The Titanic Overture` erklingt, die BĂŒhne ist stimmungsvoll in Rot ausgeleuchtet, auf den Screens laufen dazu passende Szenen des ursprĂŒnglich geplanten Konzeptfilms. Action! Doch was passiert? Man hört nur die Drums und sonst nichts. Nach ca. vier Minuten zieht Blackie die Reißleine und verlĂ€sst unter verdutzen Blicken mit der gesamten Band die BĂŒhne.

Ende oder was? Es wird lautstark im Publikum diskutiert, es fallen natĂŒrlich die Worte „Diva“ . Ca. 10 Minuten vergehen bis alle wieder auf ihren Posten stehen und es nochmal von vorne losgeht, jetzt stimmt auch der Sound.

Da es sich um das Konzeptalbum „Crimson Idol“ handelt, war von vornehinein klar, dass man nicht viel an Action oder Publikum Interaktion erwarten kann. Zwischen den Songs steht Blackie meist mit dem RĂŒcken zum Publikum und der ErzĂ€hler hat das Wort.

PB170064Richtig Stimmung kommt dann bei `Chainsaw Charlie` auf. Ca. 1800 Fans singen den Chorus `Murders In The New Morgue` mit – Herrlich!

`I m One`, `The Idol` und die herzzerreißende Ballade `Hold On The My Heart` halten die Stimmung. Nach gut einer Stunde ist das erste Set vorbei. Nun folgt also das Best of Set, aber wieder heißt es warten. Egal, Bier holen, Toilette, usw.

Ohne in ein konzeptionelles Korsett geschnĂŒrt legt man furios mit `Love MachineÂŽ los. Endlich was los auf der BĂŒhne und Blackie nimmt Kontakt zum Publikum auf. Auf den LeinwĂ€nden laufen die passenden Videoclips. Mit ordentlich Spass geht es mit `Wild Child` weiter – Nostalgie pur!

Mit `Golgotha` folgt meiner Meinung nach der falsche Song, er killt kurzfristig die Stimmung. Ich hĂ€tte mir noch 1 – 2 Songs vom DebĂŒt gewĂŒnscht. Als im Anschluß `I Wanna Be` gespielt wurde sind aber alle wieder glĂŒcklich.PB170074_1

Fazit: Gute Vorband, gut umgesetztes Konzept von „Crimson Idol“, allerdings zu kurze Zugaben.

Schön war es trotzdem!

Peter

END OF GREEN – Void Estate Tour / Knust Hamburg

Posted by Stefanie On November - 15 - 2017

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Es war Samstag. Es war der 11.11.2017. Der Norden hat ja mit Karneval so gar nichts am Hut. Von daher ziehen wir doch lieber auf den Hamburger Dom oder genießen einfach ein gutes Konzert. So tat ich es ! Metal Impressions schickte mich zum End of Green Konzert, was fĂŒr mich als absoluter End of Green Fan natĂŒrlich der Hammer war und ein Muss – trotz einer sich ankĂŒndigenden Grippe. Das war egal. END OF GREEN feiern in diesem Jahr 25jĂ€hriges Bandbestehen und da durfte man nicht fehlen und ich schon gar nicht. Also: Schnell das „Michelle Darkness Make Up“ aufgelegt und ab ging es ins Knust nach Hamburg.EdnofGreen25-1_KLEIN

Der Abend sollte ohne Supportband stattfinden, was aber nicht wirklich schlimm war. So war man gleich beim Hauptact. Die Uhr schlug 20:15 Uhr und Sad Sir und Lusiffer eroberten als erste die BĂŒhne. Hampez und Kerker folgten und dann kam Mr. Darkness. Ein kurzes trockenes „Hallo Hamburg“ und ab ging die Fahrt. Was nun folgte (inkl. Zugaben) waren zwei Stunden Zeitreise End of Green. Einiges vom neuen Void Estate Album, aber auch sehr vieles von den VorgĂ€ngeralben.

Es war das vorletzte Konzert der Tour und trotz dessen, dass Hampez grippal angeschlagen war und auch Michelles Bandscheibe – so erfuhr ich zuvor aus einem Online-Interview – etwas die Tour störte, war dieses Konzert im Hamburger Knust (hier passteEdnofGreen8-1_KLEIN einfach auch die Location) ein absolutes Highlight. Einige Fans, die ich traf berichteten, dass sie Urlaub genommen hĂ€tten und mehrere Konzerte dieser Tour besuchten. Ein MĂ€del erzĂ€hlte, es sei nun ihr zwanzigstes END OF GREEN Konzert. Die junge Dame bekam sogar von Mr. Darkness eine weiße Lilie wĂ€hrend des Konzertes zugeworfen.EdnofGreen10-1_KLEIN Eine absolut auf dem Boden gebliebene Truppe aus dem Schwaben-LĂ€ndle. Mit einer Mischung aus Spaß, Coolness und GefĂŒhl, aber auch fetzendem Rock bewegten die 5 Musiker das Hamburger Publikum. Schaute ich mich um, so sah ich ĂŒberall zufriedene Gesichter. Die Stimme von Micha Huber alias Michelle Darkness muss man gehört haben. Live noch um ein Vielfaches besser als auf den Alben. Die MĂ€dels starrten alle verliebt und wogen ihre Köpfe hin und her und auch mich packte die GĂ€nsehaut. Als Michelle noch des Hamburgers Helden Udo aus dem guten alten Atlantik imitierte, hatte er das Publikum erobert. Immer wieder kleine trockende SpĂ€ĂŸchen wĂ€hrend des Konzertes, immer wieder eine Zigarette „on stage“ wie Helmut Schmidt, das war das was diesen Abend ausmachte. Die Setlist startete mit `MelancholicÂŽ und zieht sich mit `Cure my painÂŽ, `EvergreenÂŽ ĂŒber `CrossroadsÂŽ, `My crying veinsÂŽ `Dark Side of the sunÂŽ uvm. FĂŒr mich der absolut bewegendste Song dieses Abends `Death in veinsÂŽ, der in den Johnny Cash Klassiker `HurtsÂŽ final ĂŒberging. Hier spĂ€testens dachte man sich: „Bitte lass diesen Abend niemals enden“.EdnofGreen18-1_KLEIN

Und er endete auch (noch) nicht. Die Stuttgarter versprachen Autogramme am Merchandise-Stand und nebenher startete die Aftershow-Party mit guter DJ-Musik. Wir wurden am Merchstand von Sad Sir super nett begrĂŒĂŸt und meine Begleitung bekam ihre Autogramme und ihre Fotos zusammen mit Sad Sir und Michelle. Was konnte diesen Abend perfekter machen. Noch einen Kaffee trinkend, beobachtete ich zufrieden das Treiben um den Merch-Stand und um die wirklich nette Truppe, die jedem Fan auch noch die Hand reichte.EdnofGreen23-1_KLEIN

Wie ich spÀter hörte, legte dann Mr. Darkness auch noch selbst auf und machte den Hamburgern den DJ. Zu diesem Zeitpunkt war ich allerdings nicht mehr vor Ort.

Zusammenfassen möchte ich dieses Konzert von END OF GREEN mit den Worten einer Besucherin, die ich fragte, wie ihr der denn Abend gefallen hat:

„End of Green zu hören und zu erleben ist wie warmer Honig, der langsam ĂŒber deinen Körper und deine Seele gleitet“

Besser hÀtte man es nicht in Worte fassen können.

Ich danke End of Green fĂŒr den tollen Abend in Hamburg, wĂŒnsche „Gute Besserung“ und freue mich auf ein Wiedersehen irgendwo im Nirgendwo.

/ Stefanie

REVIEW: ELVENKING

Posted by Radu On November - 11 - 2017

Secrets of the Magick Grimoire

ElvenkingAuf ihrem neunten Album “Secrets Of The Magick Grimoire” setzt sich die italienischen Folk-Power-Band ELVENKING die Messlatte sehr hoch. Back to the roots war der Anspruch der seit 1997 aktiven Band, die seit 2000 bei AFM Records unter Vertrag sind. Seit dem touren ELVENKING durch die Lande, veröffentlichen ein gute Platte nach der anderen und haben sich unter den fĂŒhrenden europĂ€ischen Bands etabliert. FĂŒr die Aufnahmen von “Secrets Of The Magick Grimoire”wurde die Band von Snowy Shaw (Dream Evil, King Diamond, Memento Mori) ins Studio begleitet,der als Gastvocalist auf “At The Court Of The Wild Hunt” auftritt, wĂ€hrend Angus Norder (SĂ€nger von Witchery und Nekrokraft) die Growls fĂŒr 4 Songs beisteuert. Gemixt und Gemastert wurde das Album von dem italienischen Ausnahme Gitarristen Simone Mularoni (DGM, Empyrios)

Der Opener `Invoking The Badland Spirit` ,auch als Video auf YouTube erhĂ€ltlich, geht nach einem kurzen Intro in die vollen. Starke Gitarrenarbeit gespickt mit coolen Breaks, arbeiten sich weiter in Richtung Mittelpart; der besser nicht sein kann. Abwechselnde Gitarrensoli, begleitet von einem sehr gut in Szene gesetzten Chor, so muss Folk Power Metal klingen.`Draugens Maelstrom` wir von einer Gitarrenmelodie mit thighten Drumming eröffnet, geht ĂŒber in eine leicht Progi Strophe mit fetten Bass Sound in den Refrain, der Song ist ein absoluter Hit auf einer musikalischen Reise durch das Land von ELVENKING.

Es folgt `The One We Shall Fallow` mit einigen Folk Elementen, guten Breaks und einem Refrain mit hohen Wiedererkennungswert. Mit `The Horned Ghost And The Scorer` folgt ein weiterer Song mit ELVENKING typischen Folk Intro und Mittelpart und einem starken Refrain der sich direkt in die Hirnrinde fest brennt und sie nicht mehr los lĂ€sst. `A Grain Of Truth` wird untermauert mit Growls von Angus Norder und dem starken Gesang von Damna, einem epischen Mittelpart und schönen weiblichen Gesang alles perfekt ins Licht gerĂŒckt. Die Detailverliebtheit, die ELVENKING an den Tag legen, macht alle StĂŒcke ĂŒber gĂ€ngige Halbwertszeiten hinaus zu einem packenden Thriller von einem Album.

Die harte Arbeit hat sich ausgezahlt und ELVENKING haben ein sehr gelungenes Werk mit echten Killer Hymnen geschaffen. Mit dem aktuellen Album konnte sich die Band noch mal steigern und besinnt sich zu ihren Wurzeln. Abwechslung, Melodie und starke Hooklines werden auf dem neuen Release von ELVENKING groß geschrieben. Zweifellos ist dies die bisher epischste und aufwendigste Veröffentlichung von der italienischen Band. ELVENKING haben mit „Secrets Of The Magick Grinmore“ den Folk Power Metal Olymp erklommen und sind zu einer internationalen GrĂ¶ĂŸe herangewachsen. Andere Bands des Genres werden sich an “Secrets Of The Magick Grimoire” messen mĂŒssen. Eine absolute Kaufempfehlung fĂŒr alle Folk Power Metal Fans und solche die es werden sollte.

Stormrider

6 / 6 Punkten

ROCK HARD FESTIVAL 2018

Posted by Uli On November - 10 - 2017

RHF18Das Rock-Hard Festival geht in die nĂ€chste Runde, welches auch im Jahre 2018, vom 18.-20. Mai (Pfingsten), wie immer im wunderschönen Amphitheater am Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen stattfindet. Hier hat man wirklich von allen PlĂ€tzen aus einen hervorragenden Blick auf die BĂŒhne, die Wege sind kurz, eine freundliche Security und humane Preise sorgen dafĂŒr, dass man das Festival in vollen ZĂŒgen genießen kann. Abgerundet wird das Ganze noch von einem Metalmarkt.‹ HochkarĂ€tige Acts versprechen ein abwechslungsreiches Festival.

Was 2003 als einmalig geplantes JubilĂ€umsfestival anlĂ€sslich des 20-jĂ€hrigen Bestehens des ROCK HARD gedacht war, ist inzwischen ein “MUSS”. Ob es an dem musikalisch abwechslungsreichen Programm, dem traumhaft gelegenen Veranstaltungsort, der Stimmung oder an allem zusammen lag – die Fans sind begeistert! Nicht etwa nur „zufrieden“, sondern wirklich „aus dem HĂ€uschen“, wie die zahlreichen Besucher- und Pressereaktionen zeigen.

Das Rock Hard Festival findet selbstverstĂ€ndlich wieder in der wohl schönsten Kulisse des “Reviers” statt: dem Amphitheater Gelsenkirchen im Nordsternpark. Direkt am Rhein-Herne Kanal gelegen, bietet das Theater nicht nur einen malerischen Ausblick, sondern sorgt mit seinen aufsteigenden RĂ€ngen auch fĂŒr die perfekte Sicht aufs BĂŒhnengeschehen und optimalen Sound.

Mit dem ROCK HARD Festival hat sich innerhalb kĂŒrzester Zeit ein emotionsgeladenes Festival-Highlight im Ruhrgebiet etablieren können, das mit seinem urbanen Flair und den erstklassigen Rahmenbedingungen aus der Masse der Wald- und Wiesenveranstaltungen heraussticht. Seid mit dabei, wenn der Pott ĂŒberkocht!

Hier die bisher bestÀtigten Bands 2018:

SAXON

TIAMAT

ULI JON ROTH

MARDUK

CIRITH UNGOL

DAIMOND HEAD

NIGHT DEMON

THE NEW ROSES

BACKYARD BABIES

ATTIC

u.v.m.

REVIEW: ATROCITY

Posted by Radu On November - 10 - 2017

MASTERS OF DARKNESS

Atrocity_Master_of_Darkness_Cover_MASDP1001Expect The Unexpected; quais aus dem Nichts kommt die Nachricht, daß sich ATROCITY mit Massacre Records verbĂŒndet haben,um weitere Outputs von der Kette zu lassen. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es mit der EP „Masters Of Darkness“ und in Sachen Überraschungen lĂ€sst sich die Truppe um Alex Krull nicht die Wurst vom Brot nehmen.

Der Opener `Masters Of Darkness` fĂ€ngt gediegen an, steigert sich aber dann in eine KnĂŒppelorgie, die spĂ€ter noch von Chören garniert wird. Eine Mischung aus „Willenskraft“ und Moderne, wo mal eben noch „Atlantis“ draufgespuckt hat. `Menschenschlachthaus` legt noch einen drauf und bleibt ĂŒberwiegend im Arschtrittmodus. Der Titel gibt’s vor, der Text ist komplett auf Deutsch und malt ein hĂ€ĂŸliches Bild des Krieges auf die mentale Leinwand, wobei sowohl Geballer, als auch die epischen Chöre das GefĂŒhl weiter unterstĂŒtzen.

`Gates To Oblivion` beginnt bereits mit den Chören, die erfreulicherweise ein fester Bestandteil der EP sind und nicht nur eine Randerscheinung. Anscheinend hat Alex auf seiner Tour mit Leaves` Eyes amtlich Aggression getankt, denn mit seiner herrlich rotzigen Stimme kotzt er sich vorbei an Bending Riffs Doublebassattacken und Chorpasasagen. NatĂŒrlich rutscht man auch mal in Solis rein, die in einer AtmosphĂ€re eingebettet werden, wie ich sie bereits bei der „Blut“ geliebt habe. `DevilÂŽs Covenant` kommt eher getragen daher und ist von der Geschwindigkeit her eine Verschnaufpause. Allerdings sind es hier die vielen Nuancen, die beim Hören bei der Stange halten; gerade im Refrain fĂ€llt man durch die vielschichtigen Ideen in eine abgrundtiefe Dunkelheit, die in der IntensitĂ€t typisch fĂŒr ATROCITY ist.

Fazit: Lange war es still um die Truppe und das erste Lebenszeichen soll den zweiten Teil der „Okkult“ Trilogie einlĂ€uten. Wenn auch nur die HĂ€lfte des Albums in diese Sparte kracht, steht uns demnĂ€chst etwas richtig großes ins Haus. Die EP ist fĂŒr Fans definitiv ein Pflichtkauf und fĂŒr AnhĂ€nger der hĂ€rteren Gangart auch problemlos einen Blindkauf wert. Abwechslungsreich, brutal, dreckig und episch zugleich. Mehr davon!

Radu

RUHRPOTT METAL MEETING 2017

Posted by Uli On Oktober - 13 - 2017

rmm-flyer_06-2017Auch wieder in diesem Jahr findet zum dritten Mal in der Oberhausener Turbinenhalle das große Indoor Festival RUHRPOTT METAL MEETING vom 08.-09.12 statt,  mit einem Programm aus internationalen und nationalen Metal Acts. DarĂŒber hinaus gibt es noch ein reichhaltiges Rahmenprogramm, wie ein Indoor Biergarten, der Metal Markt, Meet & Greets/Autogrammstunden. Auch in diesem Jahr spielen wieder auf der zweiten BĂŒhne, der Flöz-Stage, regionale Bands aus dem Pott.

Hier das Lineup:

Max & Iggor Cavalera return to ROOTS

DORO

OVERKILL

ANNIHILATOR

INSOMNIUM

ORDEN OGAN

WOLFHEART

GLORYHAMMER

DEATH ANGEL

DESERTED FEAR

SAVAGE MESSIAH

ONKEL TOM

DESPAIR

PHANTOM CORPORATION

UNIVERSE

ERAZOR

WIZARD

http://youtu.be/nJqMPwxzu7M