Wer Interesse an Bandfotos (Promotion/Live), einem privaten Shooting, o.ä. hat, kann mich gerne unter info@metal-impressions.de kontaktieren. Preis nach Absprache.

INTERVIEW: EIS

Posted by Radu On März - 25 - 2018

Mit ihrer EP “Stillstand und Heimkehr” gehen EIS einen Schritt weg vom Kopf und widmen sich ganz dem Kopf- und HerzgefĂĽhl. In unserem Interview sprachen wir ĂĽber das Innehalten im Moment, ausgewählte Konzerte und Wanderern ĂĽber dem Nebelmeer.

Hallo und herzlichen Glückwunsch zu eurer EP „Stillstand und Heimkehr“! Wie geht es euch zur Zeit?

Alboin: Ehrliche Antwort? Allen ist kalt, alle haben immer zuviel zu tun. Torrent hat Grippe, Abarus schiebt 12-Stunden-Schichten und wartet darauf, dass die Angelseen wieder auftauen, Dante musste gerade aus einer Sauna an einem dänischen See wieder zurück nach Deutschland… und über mich reden wir mal ausnahmsweise nicht. ;)
Und jetzt die standardisierte Promo-Antwort: Heeeey, alles total großartig, wir sind so happy, dass unsere neue EP endlich veröffentlicht und sind wir sind ready to take the world und alles.

Die EP ist eine Hommage an das Bild von Caspar David Friedrich – „Dem Wanderer über dem Nebelmeer“ Wie kam es zu der Vertonung des Bildes?

Alboin: Ist sie eigentlich nicht, nur das TitelstĂĽck habe ich ganz allgemein allen Wanderern ĂĽber dem Nebelmeer gewidmet, was natĂĽrlich metaphorisch gemeint ist. Auch haben wir nicht das Bild vertont, es hat mich nur in gewissen Dingen inspiriert. Beispielsweise habe ich mich gefragt, wie wohl der Weg hoch ĂĽber das Nebelmeer gewesen sein mag, und im Zuge dessen auch vieles ĂĽber meinen eigenen Lebensweg und wie ich dorthin gekommen bin, wo ich jetzt stehe. Oft sieht man ja nur das Ergebnis, selten aber, wie es dazu kam. Von daher ist das Bild wirklich nur ein Ausgangspunkt und eine Inspirationsquelle gewesen.

Nebelmeer

Wie seid ihr an das Songwriting ran gegangen? Hattet ihr im Vorfeld eine grobe Idee, oder ist das meiste spontan im Proberaum entstanden?

Alboin: Letzteres. Torrent und ich haben uns, ohne den beiden Gitarristen davon zu erzählen, für ein Wochenende im Proberaum eingeschlossen und einfach drauflos gespielt, und was man jetzt hören kann ist das, was nach zwei Tagen dabei herausgekommen war. Wir wollten auch gar nicht unbedingt Musik für EIS machen, sondern einfach nur zusammen spielen und uns von ein paar Dingen ablenken. Das Ergebnis war dann tatsächlich für uns alle so überzeugend, dass wir uns entschieden haben, die beiden Stücke noch vernünftig aufzuarbeiten und zu veröffentlichen.

Die EP zeigt sehr gut, daß Black Metal mehr kann, also sinnlos dahin zu feuern oder nur verschachtelte Songstrukturen eigenbrödlerisch zu verteilen. Besonders die Emotionen kommen meiner Meinung nach hier sehr eindrucksvoll zur Geltung. Was war euch wichtig, beim Erschaffen dieser EP?

Alboin: Ich kann da nur für mich sprechen, aber mir war tatsächlich nur wichtig, musikalisch aktiv zu sein, mich abzulenken, irgendetwas herauslassen zu können, das ich zu dem Zeitpunkt gefühlt habe. Textlich habe ich versucht, Botschaften zu formulieren, Gedanken zu verpacken, die ich gequält haben, und irgendwie auch loszuwerden. Ja, diese Aufnahme ist für mich tatsächlich die pure Emotion, da ist kein Stück Kopf dabei, keine Ratio, die mich zensiert oder mir etwas verboten hat, und ich freue mich, dass du das offenbar so auch hören kannst.

Gerade im Bezug des Abwendens von der Menschheit und den Rückzug in die innerer Isolation hat mich die eure Musik sehr berührt. Da stellt man sich natürlich die Frage; welche Lebensumstände veranlassen den Künstler dazu, diese Art (in der Intensität) von Musik zu schreiben?

Alboin: Ich fürchte, diese Frage wirst du dir, genau wie alle anderen Hörer, die das beschäftigt, auch weiterhin stellen müssen. Darüber möchte ich nicht sprechen. Allerdings glaube ich, dass man durchaus verstehen kann, was das für eine Situation gewesen sein muss. Es war eine der schlimmsten meines nicht mehr ganz so jungen Lebens, und ich wusste zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nicht weiter. Deshalb habe ich die Musik in diesem Moment mehr denn je gebraucht.

Stillstand ist bekanntlich der Tod für die Weiterentwicklung; sei es für die Seele oder die Gesellschaft an sich. Was bedeuten für dich persönlich die Worte „Stillstand“ und „Heimkehr“? Ist Heimat ein Ort, oder ein Gefühlszustand für dich?

Alboin: Stillstand ist aber auch ein Innehalten im Moment. Ich musste lernen, und kann es vermutlich immer noch nicht so richtig, in jeder einzelnen Situation auf mich zu hören, zu fühlen, wie es mir gerade geht, was ich brauche, was ich will und was ich nicht möchte. Immer nur weiterzumachen im Leben, Anforderungen zu erfüllen, Ansprüchen zu genügen, Dinge zu „müssen“ und sich immer irgendwo unwohl zu fühlen… das ist kein Zustand. Am Ende stehst du in einer Sackgasse, fragst dich, wo du falsch abgebogen bist in deinem Leben und warum du das nicht gemerkt hast. Das möchte ich nicht. Bevor ich immer weiterlaufe, bleibe ich lieber stehen und versuche, den Moment wahrzunehmen.

Heimkehr ist im Gegenzug eher ein Ankommen an einem richtigen Ort, aber keinem geografischen Ort, sondern wohl eher einem Inneren. Ich glaube nicht, dass man das mit „Heimat“ übersetzen kann, das ist für mich absolut nicht dasselbe. Es ist mehr ein Gefühl, zu etwas zurückzukehren oder etwas zu erreichen, das einem Glückseligkeit verspricht, oder auch nur Zufriedenheit. Ich hatte das einmal, da bin ich mir sicher, aber habe es irgendwo verloren. Das Gefühl kennen wahrscheinlich die meisten von euch Lesern auch, oder? Letztlich ist diese EP (m)ein Versuch, damit irgendwie umzugehen, das zu verarbeiten.

EIS VorschauDa es sich um eine EP handelt, wurde die Messlatte für ein Album sehr hoch gelegt. Wie ist aktuell der Stand? Seid ihr dabei und was könnt ihr uns über die Entwicklung des Albums sagen?

Alboin: Die Messlatte liegt bei mir nach jeder Veröffentlichung hoch. Ich bin eigentlich immer der Ansicht, dass ich das Beste abgeliefert habe, dessen ich fähig bin und weiß meist nicht, was ich danach noch besser machen kann. Was anderes kommt für mich auch nicht infrage, dann brauche ich auch einfach gar nichts zu veröffentlichen. Von daher: Ja, die EP ist sicherlich gut, aber das heißt für die nächste Veröffentlichung nichts.

Ein Album ist aktuell nicht in Sicht. Im letzten Herbst habe ich mich mehrere Wochen in eine Hütte in Norwegen zurückgezogen und dort Musik gemacht. Es sieht danach aus, als liefe es auf Material für zwei ganz verschiedene Alben hinaus. Eines wird sehr norwegisch und nach den 90ern klingen, aber anders als „Wetterkreuz“ eher warm, weich und melancholisch. Das andere Album wollte ich schon vor „Bannstein“ machen, war aber dann musikalisch nicht inspiriert, oder vielleicht auch technisch noch nicht soweit. Das ist konzeptionell und musikalisch sehr ungewöhnlich und eine echte Herausforderung für mich.

Von beiden Alben ist knapp die Hälfte fertig, und ich weiß noch nicht, wann ich daran weiterarbeiten werde. Ich denke, 2018 werden wir nichts weiter veröffentlichen.

Im Internet liest man in erster Linie von euch als Duo, obwohl ihr mittlerweile mehr Leute seid. In wie weit tragen die anderen bei euch zum Songwriting bei?

Alboin: Das liegt daran, dass wir offiziell immer noch mit Dante und Torrent als Live-Musikern arbeiten. Eigentlich ist die Unterscheidung aber hinfällig, wir machen derzeit wirklich fast alles zusammen und sind eine echte Band. Müssten wir einfach mal bei Facebook posten, denn was bei Facebook steht, ist bekanntlich wahr.
Was wir nachwievor nicht zusammen machen, ist die Musik. Die mache ich weiterhin alleine, und das wird wohl auch so bleiben. Wobei… für die EP hat Torrent einen großen Teil der Drumtracks und damit teilweise auch die Struktur der Songs beigesteuert, das ist ein Novum. Alles andere habe ich nachwievor unter meiner Fuchtel, um ehrlich zu sein halte ich das auch für eine Idee, wenn eine Vision eines Stückes oder Albums rein und klar bleibt. Dante hat ja mit Infesting Swarm, theoretisch, sein eigenes Betätigungsfeld, und Abarus ist mit Ferndal als zweiter Band ausgelastet, denke ich.

Eine Frage an Dante: Infesting Swarm wurde vor kurzem aufgelöst. Wie geht es dir aktuell damit und wirst du dein Hauptaugenmerk auf EIS konzentrieren, oder gibt es noch weitere Projekte?

Dante: Hey Radu, aufgelöst haben wir Infesting Swarm so direkt nicht. Die Band gibt es schon noch, aber wir haben uns dazu entschieden gerade erstmal eine Pause einzulegen. Unser Sänger Tim und Drummer Johnny haben sich aus persönlichen Gründen dazu entschlossen die Band zu verlassen.
Da wir in dieser Konstellation nun schon sehr lange Musik zusammen gemacht haben, ist es fĂĽr uns als verbliebenen Mitglieder nicht einfach sich direkt wieder auf neue Menschen einzulassen. Daher nehmen wir uns jetzt einfach die Zeit, die wir brauchen um das ganze zu verarbeiten und neue Musik zu schreiben.
Zur Zeit habe ich viel mit EIS zu tun ja, aber ich werde definitiv weiter Musik machen. In welcher Form und mit welcher Band, das ist noch nicht ganz klar.

Welche Live Aktivitäten sind bei euch geplant?

Alboin: Eine ganze Menge einzelner Konzerte und Festivals in diesem Jahr (unter anderem Ende März in der Schweiz, auf dem Dark Easter Metal Meeting, dem Metal Frenzy, dem Rock for Roots, dem Barther Metal Open Air, dem Black Fall Fest in Bremen usw.), wobei wir keine Band sind, die jedes Wochenende überall spielen kann. Wollen wir auch nicht. Das geben unsere Jobs und privaten Situationen aber auch einfach nicht her, und wir haben nicht den Anspruch, mit der Band unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir freuen uns über tolle Konzerte, wissen aber auch, dass das sehr anstrengend ist und wir diese Band letztlich machen, um Spaß daran zu haben. Deshalb rennen wir nicht jedem Angebot hinterher.

Ihr seid bei Prophecy unter Vertrag; bis letztes Jahr gab es noch das Prophecy Fest, das leider zur Zeit auf Eis liegt. Falls es wiederkommt, könntet ihr euch vorstellen, dort zu spielen? Was wäre das perfekte Setting für euren Live Auftritt?

Alboin: Das Label hat den Anspruch, dass das Festival nach Möglichkeiten ausverkauft sein sollte, was natürlich auch finanzielle Gründe hat, und das war nach dem ersten Jahr dann nicht mehr der Fall. Daher ist die Entscheidung verständlich, ein Jahr auszusetzen und vielleicht mit einem überarbeiteten Konzept 2019 weiterzumachen. Wir würden, wie in allen anderen Jahren zuvor, gerne spielen. Leider sind wir bis jetzt nicht berücksichtigt worden.

Danke für deine Zeit und die Antworten. Die letzten Worte an unsere Leser gehören dir.

Alboin: Ich bin kein Mensch für letzte Worte und „jetzt sag mal das und das“-Situationen. Danke für deine Zeit, Mühe und Unterstützung! Wir freuen uns über jeden, der sich mit unserer Musik beschäftigt, dem oder der sie etwas bedeutet, und auch über Rückmeldungen jeder Art. Wir sind eine der Bands, die darauf auch noch antworten. ;)

Radu

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REVIEW: EIS

Posted by Radu On März - 6 - 2018

Stillstand und Heimkehr

EisLohnt es sich überhaupt, eine EP mit zwei Songs zu veröffentlichen? Kann so eine EP die Qualität eines potentiellen Albums erahnen lassen? Genügen 20 Minuten Spielzeit bei zwei Stücken, um eine dichte Atmosphäre zu erzeugen? Die simple Antwort lautet: ja, der Trip in die postapokalyptische Welt in Richtung Einsamkeit lohnt sich!

Wenn die Seele in einem Meer von Einsamkeit ertrinkt und Hoffnung und das Leben selbst gleichermaßen fern sind , spürt man den Käfig der Isolation lediglich als unangenehmen Beigeschmack. Dieses Gefühl in Gedichtform trägt bereits eine schwere Last, wird hier in Form von `An Den Schwarz Besandeten Gestaden` eindrucksvoll zelebriert. Sanfte Wellen umgarnen die Ohren und tragen tiefe Geheimnisse in sich, die sich in verzweifelten Screams entladen. Tiefgründig, aber ohne zu viel musikalischen Ballast legen Eïs die Black Metal Karten auf den Tisch und ergänzen durch leichte Ambient Einschläge. Die Emotionen werden sehr stark transportiert, ehe sie in einer Todesdämmerung sanft erfrieren.

Der Titeltrack ist das beste Beispiel, daß Black Metal gleichzeitig introvertiert und wutentbrannt sein kann. Die Gitarren stampfen wütend auf dem Boden, während eine schon fast ruhige Stimme die Textzeilen krächzt. Insbesondere die leisen Zwischentöne lassen den Song in unterschiedlichen Facetten erstrahlen, und entführen die Gedankenreisen irgendwo zwischen Agonie und Einsamkeit. Besonders in Kombination mit dem Albumcover, entfaltet der Song seine gesamte Kraft und brettert sich erbarmungslos durch unterschiedliche Gefühlsebenen. Gerade das Gefühl, das hier transportiert wird, ist das, was vielen Black Metal Bands heute abhanden gekommen ist und hier sehr hoch im Kurs steht.

Fazit: Hier wurden Emotionen auditiv eingefangen und durch Nihilismus, Einsamkeit und Abkehr („fort von den Menschen“) verstärkt. Der inneren Rebellion gegenüber dem Gesamtbild der Menschheit und der Fokus auf das eigene Selbst wurde hier ein eindrucksvoller Soundtrack verpasst, der auf das Album neugierig macht. Die EP ist definitiv Pflicht für jene, die Black Metal nicht nur mögen, sondern die Emotionen intensiv erleben möchten.

4 von 6 Punkten

Radu

REVIEW: SUMMONING

Posted by Radu On Januar - 20 - 2018

WITH DOOM WE COME

summoning_doomSchnelle Veröffentlichungen waren noch nie die Stärke von Protector und Silenius. Auch die Orientierung an Erwartungshaltungen gehen den beiden Herren seit der Gründung gepflegt am Arsch vorbei. So nimmt man sich die Zeit die es braucht, um den Nachfolger zu „Old Morning´s Dawn“ einzuspielen und schon sind die Fans 5 Jahre älter geworden.

„With Doom We Come“ hat hat gleich zwei groĂźe Stärken im Gepäck: einerseits sind alle bekannten Eigenheiten (sägende Gitarren, Ambient Songwriting und Herr der Ringe Thematik) mit an Bord. Gleichzeitig wurde hier sehr detailverliebt zu Werke gegangen und einige Neuerungen eingespielt. Dies merkt man bereits beim Opener ´Tar-Calion`, der nicht gewohnheitsmäßig als Intro herhalten muss, sondern direkt als vollwertiger Track auf den Tisch gepackt wird. Die gesprochenen Passagen lassen schnell Hörspielfeeling aufkommen und die Balance zwischen Ambient,Folk und Black Metal wird vom Beginn bis Ende des Albums auf intensivster Ebene durchgezogen. `Silvertine` schleicht sich mit Schellen und Pauken an, ehe die griffigen Gitarrenlinien einsetzen. Besonders schön die Steigerung mit Keyboards und Chören, bei denen 100%iges Bathory Feeling aufkommt. Auf knapp 9 Minuten haben SUMMONING hier ihre gesamten Stärken gebĂĽndelt und den Nachfolger zu `Passing Of The Grey Company` geschaffen, den ich bisher mit der Band verbunden hatte. Dezente Pianoklänge,Posaunen und sowohl krächzender,als auch cleaner Gesang ergieĂźen sich zu einem epischen Mittelerde – Moment, der seit Tagen nicht mehr aus meinen Boxen (oder dem Langzeitgedächtnis) weichen will.

`Carcharoth ` kommt sehr viel knarziger und old school mäßiger einher, versöhnt jedoch durch seine sphärischen Keyboards und den (beinahe cleanen) Gesang.`Herumor `hätte auch problemlos auf dem Vorgängeralbum seinen Platz gefunden; eigentlich nichts besonderes, aber irgendwie wohnt auch diesem Stück ein Zauber inne, dem ich mich nicht entziehen kann. `Barrow-downs ` ist der instrumentale Lückenfüller, ehe `Night Fell Behind `uns irgendwo zwischen der „Dol Guldur“ und bisher Unbekanntem träumen lässt. Der Ambient Einschlag kommt hier besonders zur Geltung, ohne seine schwarzen Krallen zu verlieren. `Mirklands `ist ein weiterer Langzeitgast in den Ohren; geht es gemächlich mit einem Pianopart los, wächst der Song im Laufe seiner 11 Minuten, während sich in seinem Schatten das Black Metal Feeling der 90er, Doom Elemente und Folkeinschläge widerspiegeln. Die Spielzeit vergeht wie im Flug und auch nach mehrfachen Durchläufen gibt es Neues zu entdecken. Am Ende der Reise wartet der Titeltrack und bleibt besonders aufgrund seiner charismatischen Gesangslinien und den Flöteneinsätzen hängen. Man sieht vor dem inneren Auge eine Schar von Elben auf ihrem letzten Marsch in Richtung Meer ziehen und im nächsten Augenblick einen jungen Mann alte Schriften entdecken, in denen von fernen Zeitaltern aus Mittelerde berichtet wird.

Insgesamt sind die Zutaten bereits bekannt und bewährt. Faszinierend ist, wie geschickt SUMMONING alle Elemente vereinen, ohne auch nur ansatzweise in irgendwelchen Kitschwassern zu fahren. Eigentlich könnte man das Album als „gut“ abnicken und fertig. Allerdings hat „With Doom We Come“ etwas, was mir seit vielen Jahren gefehlt hat: die Atmosphäre, die mich einnimmt und die Außenwelt komplett abschirmt. Das Album hat auf mich etwa die Wirkung, wie der Ring auf Gollum: ich weiß, was mich darauf erwartet und es gibt bestimmt massig bessere Alben. Allerdings lässt mich die Atmosphäre nicht los und ich will mich einfach nicht von der Platte lösen. Die Liebe zum Detail, das Herzblut und das Gefühl sind hier zu intensiv, um das Album im CD Regal oder auf der Festplatte versinken zu lassen. Wer sich das Rundum-Sorglos-Paket gönnen will, dem sei das Box Set empfohlen, in dem mal eben eine Bonus CD (2 Songs), Flagge, Patch und ein Ring beiliegen.

Fazit: Ein Mittelerde Soundtrack im schwarzmetallischen Ambient Gewand. Dazu die intensivste SUMMONING Atmosphäre, die ich seit Jahren vermisst habe und eine wertvolle Erkenntnis: auch wenn wir in der heutigen (schnelllebigen) Zeit mit Musik gefüttert werden, gibt es noch Bands, die kompromisslos ihr Ding durchziehen und entsprechend viel Zeit in ihr Album investieren. Wenn man als Hörer auch entsprechend viel Zeit in das Album steckt, wird man mit einem intensiven Trip belohnt, der old school Fans erfreuen und neugierige Ohren definitiv aufhorchen lassen wird.

5/6 Punkten

Radu

REVIEW:SAMAEL

Posted by Radu On Oktober - 23 - 2017

HEGEMONY

samaelhegemonycdWer hätte gedacht, daß SAMAEL auf ihre älteren Tage noch einmal eine richtige großtat begehen können? Nicht daß ich sie abgeschrieben hätte, allerdings fehlte mir auf ihren letzten Alben etwas, das ich nicht definieren konnte. Aber was ist es genau, was mir fehlte? Die Alben waren alle gut produziert, von der Instrumentierung war alles OK, aber doch fehlte mir das gewisse etwas. Nach einigen Durchläufen der „Hegemony“ weiß ich, was ich auf den letzten Alben vermisst habe: die bösartige Finsternis.

Die Schweizer Garde lässt sich nicht lange bitten, und lässt gleich zu Beginn den Titeltrack von der Kette, wobei die Atmosphäre einem schwarzen Loch gleicht, das alles verschlingt. Vorph grollt seine Vocals haßerfüllt wie seit Jahren nicht mehr, der Drumcomputer ist steril und tight, wird jedoch perfekt von unheilvollen Synthesizerklängen ergänzt, während sich knackige Riffs durch den Gehörgang stampfen. Der Gesangspart bleibt bereits nach dem ersten Durchlauf kleben, verbeißt sich gleichzeitig ins Langzeitgedächtnis. `Angel of Wrath` schleicht sich bedrohlich wie ein grollendes Gewitter heran, ehe es in seinem eigens geschaffenen Kosmos detoniert. Die Lyrics sind ebenfalls herrlich unkonventionell und bezeichnen den Satanismus ausschließlich von seiner kosmischen Freidenkerseite, fernab von klischeehaften Waldschratattitüden, die im Winter durch den Wald rennen. `Rite Of Renewal` lässt SAMAEL in all seinen Facetten durchscheinen, ehe mit `Red Planet` mein persönlicher Favorit die Boxen ausblutet. Mit angezogener Handbremse versucht man sich gegen immune Gehörgänge zu kämpfen, ehe man mit knackigen Riffs und leicht verspielten Synthesizern wütend aufstampft und seinen Hass mit Hilfe von gänsehautartigen Stakkato Passagen brutal durchdrückt. Mit `Black Supremacy`schafft man den Spagat zwischen elektronischen Elementen und Black Metal Raserei (deren Riffs anscheinend noch von dem „Above“ Album übrig geblieben sind), garniert alles jedoch mit bedrohlichen Keyboards und einem Gesang, der die Faust kontinuierlich in die Fresse schlägt.

Ich könnte jetzt die anderen Songs weiter analysieren, doch beschränke ich mich mich auf die Kernelemente; einige Schnipsel kommen einem teilweise bekannt vor, weil sie den Flair alter Tage atmen und in neues Gewand gepackt wurden. Die Mischung aus sterilem Drumcomputer, Synthersizern, Riffs und aggressiven Vocals gehen auf, wie seit langem nicht mehr und erschaffen endlich die Atmosphäre, die ich in den Anfangstagen liebte und endlich wieder zurückbekommen habe. SAMAEL scheren sich wie früher einen Dreck, was die Welt über die denkt und ziehen kompromisslos ihren Stiefel durch. Herausgekommen ist das „Passage 2.0“ Album, das ich mir immer gewünscht habe.

5/6 Punkten

SPECIAL: DAYAL PATTERSON

Posted by Samir On September - 14 - 2017

dp_volutionĂśber Metal, seine Geschichte und die meisten seiner Ausprägungen gibt es bereits viele BĂĽcher, die sich qualitativ stark unterscheiden und auch oftmals versuchen, die gesamte Musikrichtung und alle Facetten die es in sich trägt zu beleuchten. Hierbei bleiben natĂĽrlich gelegentlich wichtige Aspekte der einzelnen Subgenres auf der Strecke und es wird vermehrt mit Klischees gearbeitet. Mit dieser Verallgemeinerung hat besonders der Black Metal zu kämpfen, der selbst in BĂĽchern, die sich mit Heavy Metal beschäftigen, als satanischer Krach abgetan wird und die Vielfalt dieser Musikrichtung auĂźer Acht gelassen wird. Bislang hatten es nur wenige BĂĽcher wie „LORDS OF CHAOS“ geschafft die Grundidee des Schwarzmetalls auf Papier zu bringen, ohne dabei die zahlreichen AuswĂĽchse dessen unter den Tisch zu kehren. Doch selbst hier wurde natĂĽrlich lediglich an der Oberfläche gekratzt. Autor Dayal Patterson, der als Redakteur unter anderem fĂĽr den britischen Metal Hammer tätig ist, beschränkt sich daher nicht darauf nur ein Buch ĂĽber die Geschichte und HintergrĂĽnde von Black Metal zu verfassen, sondern startet eine ganze Reihe, die mit „BLACK METAL: EVOLUTION OF THE CULT” ihren Anfang fand und bislang sechs Teile umfasst. Die Veröffentlichung der deutschen Ausgabe der ersten beiden Teile der Reihe haben wir zum Anlass genommen, die BĂĽcher genauer zu betrachten und auch den Autor selbst ĂĽber seine weiteren Pläne zu befragen.

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REVIEW: SUN OF THE SLEEPLESS

Posted by Samir On August - 1 - 2017

SOTS_-_ToTheElements_2000x2000To The Elements

Man könnte meinen, dass manche Menschen einfach vor Kreativität platzen könnten. Bestes Beispiel ist Markus Stock aka Ulf Theodor Schwadorf, der den meisten aus seinen Hauptbands EMPYRIUM und THE VISION BLEAK bekannt sein sollte und die härteren Gefilde des deutschen Metal seit Jahren begleitet und prägt, sei es als Vordenker besagter Kapellen oder als Produzent von beispielsweise HELRUNAR und DORNENREICH. Als ob das alles nicht genug ist, präsentiert er mit „To The Elements“ das Debütalbum seiner seit Ender der 90er Jahre bestehenden Band SUN OF THE SLEEPLESS und wird damit so manchem Schwarzmetaller zum Grinsen bringen.

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CRADLE OF FILTH VIDEO

Posted by Radu On Juli - 11 - 2017

CRADLE OF FILTH haben ihr Video zum Song `Heartbreak and Seance`online gestellt. Der Appetithappen stammt vom kommenden Album “Cryptoriana – The Seductiveness of Decay”, das am 22. September 2017 ĂĽber Nuclear Blast erscheint.

PROPHECY NEWS

Posted by Radu On Juni - 27 - 2017

Das Plattenlabel PROPHECY gibt folgendes Statement zu seinen neuesten BĂĽchern bekannt:

Unser Partnerverlag Index Verlag (u.a. “Lords Of Chaos”) veröffentlicht nun endlich die deutsche Erstausgabe des ultimativen Black-Metal-Nachschlagewerks “Black Metal: Evolution of The Cult” von Dayal Patterson sowie den zweiten Band seiner fortlaufenden Reihe zum Thema, “The Cult Never Dies Vol. 1″. Vorbestellbar sind beide Bände, die am 7.7. erscheinen werden, unter diesem Link:
http://smarturl.it/dayalpatterson_dt

Um die Geschichte des Phänomens Black Metal nachzuzeichnen, verband der sachkundige Autor und Szene-Intimus legendäre Fotos mit ausgedehnten Gesprächen, die er mit den Schlüsselfiguren der Szene führte, zu einem beispiellosen Bild eines Musikgenres, das so extrem wie wegweisend ist wie nur wenige.
Beleuchtet werden sowohl die Anfänge in den frĂĽhen 1980ern als auch aktuelle Strömungen sowie damit einhergehende Ansichten, Lebenswege und Karrieren der wichtigsten Bands. In “Evolution Of The Cult” beleuchtet Patterson das Genre chronologisch von Wegbereitern wie Venom, Mercyful Fate oder Celtic Frost ĂĽber die zweite Welle mit skandinavischen Vertretern wie Mayhem, Emperor oder Dissection und die kommerzielle Hochphase Ende der 1990er (Cradle Of Filth, Dimmu Borgir) bis zu aktuellen Strömungen (Blackgaze, Suicidal Black Metal). Letzteren widmet sich der Autor in “The Cult Never Dies Vol. 1″ konzentriert, indem er lokale Szenen (z.B. Polen) behandelt und auch eher obskure Underground-Bands zu Wort kommen lässt. Da sein Hauptfokus auf Interviews liegt, geben die BĂĽcher den Spirit der Szene unverfälscht wider und lassen so ein beispielloses Panorama entstehen, das selbst Kennern einen neuen, differenzierteren Blick auf die Szene ermöglicht.
“The Cult Never Dies Vol. 1″ enthält zudem “Prelude To The Cult”, das im Original nur gesondert als Fanzine verkaufte Vorspiel zu “Evolution” mit weiteren exklusiven Gesprächen mit Gruppen wie Taake oder Impaled Nazarene. Beide Bände erscheinen gebunden im hochwertigen Hardcover und bieten mehr als 1.000 Seiten Information inklusive reichhaltiger Bebilderung.

DayalPatterson-EvolutionOfTheCultDayalPatterson-TheCultNeverDies

REVIEW: BELTEZ

Posted by Radu On Juni - 23 - 2017

EXILED, PUNISHED…REJECTED

Beltez-Exiled-Punished...Rejected-ArtworkBlack Metal muss immer Staubsaugersound haben und schnell sein. Wer diese Formel bevorzugt, kann hier aufhören zu lesen und sich eine alte Burzum Scheibe gönnen. BELTEZ setzen auf tiefgründige Songs und zwar richtig tiefgründig. Während andere Kapellen nachdenkliche Elemente in ihrer Raserei verstreuen, begeben sich die Rheinländer auf eine auditive Reise der Seelen. Mal eben abmoshen ist hier nicht, denn die Songs sind im Schnitt ca. 7 Minuten lang und fordern den Hörer und seine Aufmerksamkeit heraus.

Nachdenkliche Momente im Stile alter Katatonia sind ebenfalls an der Tagesordnung, wie emotionale Ausbrüche im Stile von Dark Funeral. Im Laufe des Albums kann ich weder ein Riff, noch eine Passage nennen, die mich besonders gepackt oder gefesselt hat. Das Gesamtkonzept hat die Wirkung eines Drogenrausches, die mich durch die Soundkorridore wie in Trance gleiten lässt, ohne wirklich zu verstehen, was mit der Künstler damit sagen will. Ironischerweise platzt der Knoten spätestens beim letzen Stück `Soulweaving`, das durch cleane Passagen eingeleitet wird. Unterschwellig spürt man, wie sich die innere Zerrissenheit immer mehr in Aggressivität steigert, ehe sich vulkanartig ausbricht. Getragen von Gitarrenpassagen im Midtempo wird alles durch aggressives Drumming in einen Malstrom gezogen, ehe sich nach 13 Minuten die Einstiegspassage erneut zu erkennen gibt und der Song langsam in seine Einzelteile zerbricht.

Klingt komplex, ist es auch. Klassische 90er Jahre Schwarzkunst und Post- Elemente werden hier gekonnt zu einer dichten Atmosphäre zusammengeführt und bilden einen dicken Teppich, in dem man sich mental einfach reinfallen lassen muss, ohne Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr. Eine charismatische, intensive und komplexe Reise durch die Korridore der Seele.

4/6 Punkten

Radu

ELUVEITIE NEWS

Posted by Radu On Juni - 7 - 2017

Eluveitie smallELUVEITIE enthĂĽllen ersten Teil des neuen Cover-Artworks +
kĂĽndigen erste digitale Single an!

Acht Jahre nachdem die Melodic Death/Folk Metal-Meister ELUVEITIE ihr erstes Akustikalbum »Evocation I« veröffentlicht haben, haben die schweizer Musiker die elektronischen Instrumente erneut im Proberaum verstaut. »Evocation II – Pantheon« wird am 18. August via Nuclear Blast Records veröffentlicht.

Heute veröffentlicht die Band nun den ersten Teil des neuen Cover-Artworks. Im Laufe der Woche wird ELUVEITIE weitere Teile des Covers auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichen, bis dann am Freitag das komplette Cover, zusammen mit der ersten Single ‘Epona’ veröffentlicht wird.

„Es fĂĽhlte sich einfach richtig an, »Evocation II« jetzt in Angriff zu nehmen! Die Zeit war reif!“, so Bandkopf Chrigel, der nach drei ELUVEITIE-Erfolgsalben in gewohntem Stil das groĂźartige Konzept erneut aufleben lässt. So beschwört »Evocation II« einmal mehr eine Zeitreise in eine längst vergangene Epoche. Wie der Titel bereits verrät, wird das Konzept des Erstwerks fortgefĂĽhrt und widmet sich voll und ganz der keltischen Mythologie. Mehr noch, »Evocation II« entfĂĽhrt direkt in das gallische Pantheon und erweist den keltischen Gottheiten – nach denen die Songs benannt sind – seine Ehrerbietung. Wer diese Reise gemeinsam mit ELUVEITIE antritt, wird schnell feststellen, dass der Charakter eines Songs dem der entsprechenden Gottheit entspricht – und es gibt noch viel mehr zu entdecken!

ELUVEITIE & Amaranthe Tour 2017
w/ The Charm The Fury

29.10.2017 AT – Vienna, Simm City
30.10.2017 DE – Stuttgart, LKA Longhorn
06.11.2017 DE – Frankfurt, Batschkapp
08.11.2017 DE – Berlin, Kesselhaus
09.11.2017 DE – München, Backstage
10.11.2017 DE – Leipzig, Hellraiser
12.11.2017 DE – Bochum, Zeche
Presented by: Metal Hammer, EMP, Orkus, Legacy, Musix, Metal.de, Nuclear Blast, RTN-Touring

Weitere ELUVEITIE-Termine:
08. – 10.06. CH Interlaken – Greenfield Festival
02.07. I Milan – Battlefield Metal Fest
06.07. E Viveiro – Resurrection Fest
08.07. D Ballenstedt – Rockharz Open Air
09. – 12.08 CZ Jaromer – Brutal Assault
16. – 19.08. D DinkelsbĂĽhl – Summer Breeze
20.08. F Saint-Nolff – Motocultor Festival

Eluveitie