There is something about me..

Northern Silence LABELPORTRAIT

Posted by Radu On Juni - 14 - 2019

Northern Silence Banner

Metalheadz des Ă€lteren Semesters kennen noch die Zeiten, in denen es kein Internet, YouTube und Social Media gab. EMP und NUCLEAR BLAST waren unsere Bibel, bei denen man regelmĂ€ĂŸig seine Sammlung aufstockte. Fans des erlesenen Black Metals erfreuen sich seit 2003 an dem Label NORTHERN SILENCE, das neben einem extrem abwechslungsreichem Angebot (von rĂ€udig, bis symphonisch sind alle Black Metal Arten vertreten) auch noch den alten Spirit lebt: mit Herzblut prĂ€sentierte Bands, teilweise limitierte SammlerstĂŒcke und ein schöner Mix aus Vinyl, CD und Shirts. Wir sprachen mit dem Chef Torsten ĂŒber sein langjĂ€hriges Soloprojekt, Sammelleidenschaft und einigen Bands.

Hallo Torsten und erstmal vielen Dank fĂŒr deine Zeit! Bitte stell den Leuten, die Northern Silence noch nicht kennen, kurz vor.

Das Label wurde 2003 von mir gegrĂŒndet und wird seitdem als „Soloprojekt“ betrieben. Die ersten beiden Releases waren ein exklusives NĂ„strond Shirt und Endstille’s «FrĂŒhlingserwachen» Album auf Vinyl in 2003. Danach ging es stetig bergauf, mit etwa 10-15 Neuveröffentlichungen pro Jahr. Zu den nennenswertesten Releases der Anfangsjahre gehören u.a. Katatonia’s „Brave Murder Day“ Album auf Vinyl sowie die Debut-Veröffentlichungen von Amesoeurs, Fen und Nasheim.

ErzĂ€hl uns bitte noch etwas ĂŒber die Entstehungsgeschichte; wie kam es zur GrĂŒndung und wie hat sich alles entwickelt?

Ich war seit Mitte der 1990er Jahre Vinylsammler und hatte durch viel Tauscherei und SchnĂ€ppchenjagd auf eBay und anderswo eine beachtliche Menge an Black Metal TontrĂ€gern gesammelt, die ich zum Teil doppelt besaß und wieder verkaufen oder tauschen konnte. Als Sammler ist man ja darauf bedacht, RaritĂ€ten im bestmöglichen Zustand zu ergattern, und nicht ganz so schöne Exemplare wieder loszuwerden. So hatte sich im Verlauf einiger Jahre ein kleiner Mailorder entwickelt, der vor allem als Anlaufstelle fĂŒr Sammler von Black Metal RaritĂ€ten galt. Dadurch, dass ich Gewinne immer wieder in neue EinkĂ€ufe steckte, wuchsen sowohl Bestand als auch Kundenstamm immer weiter. 2003 fasste ich schließlich den Entschluss, kĂŒnftig mein eigener Chef zu sein und schlug den Weg in die SelbstĂ€ndigkeit ein.

katatonia-danceBei dem Namen Northern Silence musste ich direkt an die Katatonia EP „Jhva Elohim Meth“ und den Song `The Northern Silence` denken. War das der Grund fĂŒr die Namensgebung? Schließlich passt es von der AtmopshĂ€re und den Bands sehr gut (extrem vielschichtiger Black Metal mit tonnenweisen melodischen EinflĂŒssen).

Das war tatsĂ€chlich der Grund. Katatonia waren Mitte der 90er meine absolute Lieblingsband, und „Dance of December Souls“ ist nach wie vor fĂŒr mich das beste Album aller Zeiten. Wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, hat „Northern Silence“ noch eine weitere signifikante Bedeutung fĂŒr mein Leben, auf die ich hier jedoch nicht nĂ€her eingehe, weil sie nichts mit Musik zu tun hat.

Ihr habt eine eine große Palette von Bands, die sich unterschiedlichen Subgenres des Black Metal verschrieben haben. Wie kommt der Kontakt zustande? Klopfen die Bands bei euch mit den Demos an?

Entweder schicken die Bands ihr Material, oder ich frage an, wenn mir ihre Musik gefÀllt. Das lÀuft sicher bei den meisten Labels nach diesem Schema ab.

Es gibt meiner Meinung nach keine einzige Veröffentlichung, die nicht mit jedem Tropfen Herzblut gefĂŒllt ist. Sei es bei den Shirts, den limitierten Digipacks oder den extrem schön aufgemachten Schallplatten!

Soweit ich Einfluss darauf nehmen kann, versuche ich, die Releases auch optisch aufzuwerten. Ich habe erst im Laufe der Zeit erkannt, wie extrem wichtig gute Cover Artworks fĂŒr den Erfolg einer Veröffentlichung sind. In den letzten Jahren habe ich deshalb auch angefangen, ab und zu ein Veto einzulegen, und Releases optisch teilweise komplett umzukrĂ€mpeln. Ein Beispiel wĂ€re das ziemlich hochkarĂ€tige Debutalbum von Malist, das nach RĂŒcksprache mit dem KĂŒnstler ein neues Logo, ein neues Artwork und einen neuen Albumtitel verpasst bekam. Auch die unglaublich geile EP von Haimad, fĂŒr mich persönlich die beste VÖ 2019, musste ich mit anderem Artwork veröffentlichen, als die Band ursprĂŒnglich vor hatte, um der genialen Tonkunst gerecht zu werden. Der Erfolg bestĂ€tigte diese Entscheidungen und hat mich darin bestĂ€rkt, noch mehr auf meine Intuition zu hören.

Auch unabhĂ€ngig vom Erscheinungsbild halte ich eine hochwertige Verpackung und mithin eine strenge Limitierung fĂŒr wichtig, speziell in einer Zeit, wo mehr und mehr Musik digital verkauft wird. Ein Sammler sollte immer etwas Wertiges fĂŒr seine hart verdiente Kohle bekommen, das idealerweise im Laufe der Jahre an Sammlerwert gewinnt, und einem nicht irgendwann an jeder Ecke fĂŒr Dumpingpreise hinterhergeworfen wird.

Der Vertrieb lĂ€uft sowohl physisch (CD und Vinyl), als auch digital ĂŒber Bandcamp. Was bevorzugst du als Musikliebhaber persönlich eher?

Ganz klar physische Releases. Aus Sicht eines Sammlers natĂŒrlich Vinyl, aus Sicht des Pragmatikers, der ich im Laufe der Zeit geworden bin, CDs. Northern Silence hat deshalb auch erst im Oktober 2018 eine eigene Bandcamp-Seite bekommen, Jahre spĂ€ter als die meisten anderen Labels.

Lass uns einen Blick auf einige KĂŒnstler werfen: ELDAMAR liefern mit „A Dark Forgotten Past“ eine sehr atmosphĂ€risches Album ab, das zwar im Black Metal verwurzelt ist, sich durch seine Innovation allerdings vom reinen aggressiven GeknĂŒppel abhebt. Wie empfindest du das Album und was hast du gedacht, als du es das erste Mal gehört hast?

Ich dachte, es klingt wie das Debut, haha. Im Ernst, viele Fans hatten mit einer Weiterentwicklung gerechnet, aber der KĂŒnstler zog es vor, den Stil, der sein Projekt so beliebt gemacht hat, einfach noch etwas zu verfeinern. Eldamar war definitiv eine Überraschung, was den Erfolg angeht. Zumindest in dem Ausmaß war ich davon absolut positiv ĂŒberrascht.

Ich weiß noch, als ich damals aus dem Bauch heraus die „Aura“ von SAOR bestellt habe und mich der Mix aus Highland Feeling, Raserei und AtmosphĂ€re (Flöte, Dudelsack, Frauenstimme; hier war einfach alles dabei) an die Wand getackert hatte. Leider ist Andy Marshall nicht mehr bei euch an Bord. Wie war die Kooperation mit ihm und könnte es zu einer weiteren Zusammenarbeit kommen?

Die Kooperation lief im Grunde ausgezeichnet. Leider kam es im Zuge zweier Veröffentlichungen zu Verzögerungen und Problemen im Presswerk, auf die ich keinen Einfluss hatte. FĂŒr Andy, der es nicht gewohnt ist, dass es mit Presswerken eigentlich stĂ€ndig Probleme gibt, war das vielleicht einer der Punkte, die zum Fortgang fĂŒhrten. Avantgarde ist jedoch ein großartiges Label und Andy weiß genau, was er tun muss, um den Erfolg seiner Band weiter zu vergrĂ¶ĂŸern. Von daher hat er sicherlich die richtige Entscheidung getroffen. Ich verstehe das vollkommen und bin dankbar dafĂŒr, dass ich drei seiner Alben veröffentlichen durfte.

EMYN MUIL klang fĂŒr mich mit „TĂșrin Turambar Dagnir Glaurunga“ im ersten Augenblick wie eine billige Summoning Kopie. Nach einigen DurchlĂ€ufen dieser gefĂŒhlten 100. Tolkien Band packte mich allerdings der Charme von den StĂŒcken und irgendwann hatte ich mir das Album schön gehört, das es immer noch ein Geheimtipp fĂŒr mich ist. Wie empfindest du das Album heute?

Es ist ein Stil, der inzwischen viele Atmospheric Black Metal Fans anspricht. Nicht umsonst entstanden nach der Veröffentlichung von Caladan Brood’s „Echoes of Battle“ so viele Bands mit Summoning-Einfluss. Die Österreicher haben zweifellos eine eigene Nische geschaffen, und fĂŒr mich gehört Emyn Muil zu den Bands, die am ehesten das Potential haben, in die Fußstapfen von Summoning zu treten.

Ein Ă€hnliches Schönhören hatte ich auch bei ERED WETHRIN mit „Tides Of War“. Irgendwie fehlte mir das die eigene IdentitĂ€t, obwohl die Melodien packten und die Summoning Wurzeln unverkennbar waren. Wie kam es damals zur Zusammenarbeit?

Zur Zusammenarbeit kam es infolge der Caladan Brood Veröffentlichung. Die IdentitĂ€ten von Shield Anvil und Mortal Sword sind inzwischen wohl ein offenes Geheimnis. Am direkten Vergleich zwischen Caladan Brood, Gallowbraid und Ered Wethrin erkennt man jedoch, wem von beiden ein Übermaß an songwriterischem Können in die Wiege gelegt wurde, und wer es sich erarbeiten muss.

Caladan BroodCALADAN BROOD spielten sich bereits mit den ersten Tönen von „Echoes of Battle“ direkt in mein Herz. Unfassbar, was diese Truppe mit ihrem DebĂŒt abgeliefert hatte; Summoning haben Jahre gebraucht, um derart atmosphĂ€risch zu klingen, was Caladan Brood mal eben so gelingt. Auch die Vinyl Version ist einfach zum Niederknien und es fĂ€llt mir schwer, jetzt nicht erneut in JubelgesĂ€nge auszubrechen. Wie kam es zur Zusammenarbeit, wird es noch Nachschub geben und falls ja ab wann? Gab es viele positive Reaktionen auf diese Scheibe?

Da ich bereits durch Gallowbraid mit Jake Rogers, neben Steven Smith von Ered Wethrin dem Genie hinter Caladan Brood, zusammenarbeitete, und ich außerdem seit „Minas Morgul“-Zeiten großer Summoning-Fan bin, musste ich nicht lange ĂŒberlegen, als Jake mir von Caladan Brood erzĂ€hlte, und nahm die Band sofort unter Vertrag. Interessanterweise hatte ich auch die bis dahin erschienenen BĂ€nde von Steven Erikson’s „Malazan Book of the Fallen“ allesamt verschlungen, so dass ich auch inhaltlich bestens mit dem Konzept der Band vertraut war.

Ob da irgendwann noch ein weiteres Album erscheint, steht leider in den Sternen. Steven wĂŒrde vermutlich gern noch eins veröffentlichen, aber ohne Jake wĂ€re es nicht Caladan Brood. Bis es vielleicht irgendwann soweit ist, mĂŒssen sich die Fans jedenfalls mit „Echoes of Battle“ begnĂŒgen. FĂŒr mich persönlich ist es DAS Epic Black Metal Album schlechthin, an dem sich alle anderen Bands messen mĂŒssen. Die positiven Reaktionen darauf waren und sind ĂŒberwĂ€ltigend, und das Album ist auch die bei weitem erfolgreichste Northern Silence Veröffentlichung.

Ich weiß noch, als ich DÄMMERFARBEN mit „Im Abendrot“ zum ersten Mal aufgelegt hatte. Eine romantische Antwort auf Empyrium, allerdings ohne nur kopieren zu wollen. Gibt es die Band ĂŒberhaupt noch?

Habe schon lange nichts mehr von ihnen gehört.

Ich hatte das GlĂŒck einmal die Jungs von HERETOIR live zu treffen, als sie mit Alcest in Oberhausen gespielt haben. Soweit ich weiß, ist die Band immer noch bei euch an Bord. Wie lĂ€uft es bei euch und wie kam es eigentlich zur langjĂ€hrigen Zusammenarbeit?

Heretoir wurde gesignt, als es noch ein Soloprojekt von David war. Inzwischen hat sich Heretoir zu einer vollwertigen und musikalisch wie konzeptionell herausragenden Band entwickelt, was mit „The Circle“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde. Es steht noch ein weiteres Album aus, das bereits in Arbeit ist, dann ist der Vertrag mit Northern Silence erfĂŒllt und ich gehe stark davon aus, dass die Band im Anschluss bei einem grĂ¶ĂŸeren Label unterschreiben wird – vielleicht Prophecy Productions, wo sie vom Stil her gut passen wĂŒrden.

MÖRKER haben mich damals mit ihren packenden Riffs sofort in den Bann gezogen. Ich glaube, daß es auch damals fĂŒr mich eine weitere BestĂ€tigung war, dass ich mit den Bands von Northern Silence generell sehr gut klar kam und fast jeder Kauf ein Volltreffer war. GibtÂŽs die Band eigentlich noch?

Auch von Mörker habe ich schon lange nichts mehr gehört. Das letzte Lebenszeichen war vor einigen Jahren eine Anfrage, ob ich eine 7“ mit neuem Material veröffentlichen wĂŒrde, wozu es aber augenscheinlich nie kam. Ich nehme an, dass die Band in ihrer damaligen Form nicht mehr existiert.

Einen weiteren Kniefall vor meiner Anlage können GALLOWBRAID bei mir verzeichnen, wo „Ashen Eidolon“ endlich wieder veröffentlicht wurde (sogar auf Vinyl). DafĂŒr erstmal ein fettes DANKE, da ist ein Traum fĂŒr mich in ErfĂŒllung gegangen (inklusive geilem Longsleeve). ErzĂ€hl uns bitte darĂŒber, wie die Veröffentlichung zustande gekommen ist.

Wie vorher schon angedeutet, halte ich Jake Rogers, der sowohl Gallowbraid als auch Caladan Brood zu dem gemacht hat, was sie sind, fĂŒr einen begnadeten und absolut herausragenden KĂŒnstler. Das war mir sofort bewusst, als ich seinerzeit die Demosongs von Gallowbraid auf Myspace hörte, weshalb ich ihn auch ohne zu zögern unter Vertrag nahm. Der einzige Nachteil ist, dass es Jake völlig egal zu sein scheint, wie gut seine Werke ankommen, und er sich von Erfolg nicht im Geringsten beeinflussen lĂ€sst. Das spricht einmal mehr auch fĂŒr seine Persönlichkeit, jedoch zum Leidwesen aller Fans, die seit Jahren auf neues Material von Gallowbraid oder Caladan Brood warten. Im Moment scheint jedenfalls seine Heavy Metal Band Visigoth die unangefochtene Nr.1 zu sein, in die er am meisten Zeit investiert. DarĂŒber hinaus ist er aber in anderen Bands aktiv und schreibt auch ab und zu neues Material fĂŒr Soloprojekte. Eines davon ist Tower Wraith, ein traditionelles Black Metal Projekt im Stile der 90er. Das Debut ist bereits unter Dach und Fach, stilistisch natĂŒrlich wie geschaffen fĂŒr Northern Silence, und erscheint voraussichtlich irgendwann in den nĂ€chsten 10 Jahren ;)

Erebos, Ruadh, Haimad, die Liste der letzten Neuveröffentlichungen ist lang und ich entdecke immer noch Neues auf diesen Scheiben. Auch die Tatsache, dass es sich um limitierten Digipacks handelt lÀsst bei mit die unbezÀhmbare Sammelwut nicht stillstehen. Was lÀuft eigentlich besser, Bandcamp/digital oder physische Alben?

Mein Fokus liegt weiterhin auf physischen Releases. Downloads sind Zusatz und einfach der gegenwĂ€rtigen Entwicklung geschuldet. NatĂŒrlich gehen die Verkaufszahlen von CDs immer mehr zurĂŒck, was neben dem extremen Überangebot vielleicht auch ein wenig durch den Vinylboom der letzten Jahre verursacht wurde, aber da werden einfach die Limitierungen entsprechend verringert, damit kein Überangebot entsteht. Als Sammler macht man beim Kauf der neueren Northern Silence Releases bestimmt nichts falsch, egal ob CDs oder Vinyl, und als Fan hoffentlich auch nicht.

Caladan Brood vinylIch habe generell das GefĂŒhl, das Northern Silence sich noch in den 90ern befindet, wo man Alben unbekannter Bands noch nach Cover, wenigen Worten Promotext oder BauchgefĂŒhl kauft, ohne großartig Reviews lesen zu mĂŒssen oder bei YouTube reinhört (was mir sehr gut gefĂ€llt). Ist es das, was du auch mit dem Vertrieb der Musik erreichen möchtest?

Ich lege nicht viel Wert auf Reviews, weil sie immer nur die subjektive Meinung eines Einzelnen widerspiegeln. Das Caladan Brood Album z.B. landete seinerzeit auf dem drittletzten Platz im Soundcheck des Rock Hard. Wieso soll man da als Fan nicht lieber Youtube nutzen, um sich selbst ein Urteil zu bilden, anstatt Reviews von Leuten zu lesen, die vielleicht einen ganz anderen Geschmack haben? Das ist aber auch eine Frage der Persönlichkeit. Mich tangieren andere Meinungen kaum, wenn es um subjektive Dinge wie Musikgeschmack geht. Dennoch ist mir klar, dass der Mensch ein Herdentier ist, und viele Fans von der Meinung anderer beeinflusst werden. Von daher freue ich mich ĂŒber positive Reviews von Northern Silence Releases, betreibe aber keine exzessive Promo in dieser Richtung. Von den etwa 300 EmpfĂ€ngern in der Promoliste verfassen am Ende vielleicht 10 ein Review. Ich frage bei den anderen 290 nicht nach, ob sie das nicht auch tun möchten. Wer nicht will, der hat schon.

Wie lĂ€uft es eigentlich mit der Website? Du hattest einen Aufruf gestartet, dass die Website neu gestaltet werden sollte, nachdem eine ursprĂŒngliche Zusammenarbeit nicht geklappt hat. Wie ist der aktuelle Stand und gibt es weitere PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft?

Es ging dabei um den Online-Shop, der mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Die Anzahl an Bestellungen und der damit verbundene Arbeitsaufwand haben mittlerweile Dimensionen angenommen, wo ich als EinzelkĂ€mpfer jedes Mal in arge BedrĂ€ngnis komme, wenn einige hochkarĂ€tige Veröffentlichungen anstehen. 2019 herrschte von Januar bis Mai fast durchweg Ausnahmezustand, und das ist auf Dauer nicht gesund. Ein moderner Webstore wird mir durch Automatisierung sehr viel Arbeit abnehmen, und meinen Kunden ein angenehmeres Einkaufserlebnis bescheren. Der neue Shop ist inzwischen in Arbeit und wird voraussichtlich im August online gehen. Mehr Infos gibt’s zu gegebener Zeit auf Facebook und via Newsletter.

Was denkst du eigentlich ĂŒber die Entwicklung von KATATONIA? Ich gehe zumindest mal stark davon aus, dass du auch ein Fan bist; hörst du sie immer noch, obwohl sie den atmosphĂ€rischen Black Metal abgestreift haben und sich eher der progressiven Schiene verschrieben haben? (Meiner Meinung ist das „Dance of December Souls Album“ eines der genialsten Alben, das je auf die Menschheit losgelassen wurde. Falls du Bock auf ein Katatonia Special hast, gönn es dir hier.)

Ich liebe die ersten drei Veröffentlichungen ĂŒber Alles. Von „Brave Murder Day“ war ich seinerzeit so enttĂ€uscht, dass ich die „Autumn Wilderness“ Tour, die Katatonia damals mit In The Woods spielten, boykottieren musste – eine Sache, die ich noch heute sehr bereue. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mit dem Album warm geworden bin. Inzwischen mag ich es ganz gern. Dennoch ist es fĂŒr mich meilenweit von den vorherigen Meisterwerken entfernt. An die spĂ€teren Releases ab „Discouraged Ones“ bin ich erst nach der Jahrtausendwende herangekommen, und alles, was nach „Viva Emptiness“ erschien, gibt mir einfach gar nichts mehr. Zum GlĂŒck haben sie in den 90ern ihr Logo geĂ€ndert.

Dead LimbsFrĂŒher kamen die Black Metal Bands ĂŒberwiegend aus Norwegen, Skandinavien und aus Schweden. Mittlerweile gibt es viele geniale Bands aus Amerika. Wie siehst du diese Entwicklung?

NatĂŒrlich gab es auch damals schon zahlreiche gute Black Metal Bands in anderen LĂ€ndern, aber Skandinavien war schon aufgrund der Masse an hochkarĂ€tigen Bands eine Macht. Viele andere LĂ€nder haben lĂ€ngst aufgeholt, nicht zuletzt durch die Möglichkeiten der modernen Aufnahmetechnik, wo KĂŒnstler praktisch alles selbst machen können, und der Verbreitung ĂŒber das Internet. Es gibt mittlerweile fast ĂŒberall gute und großartige Bands. Am meisten umgehauen hat mich seinerzeit „Spiritus/Sulphur“ von Dead Limbs, drei 17-jĂ€hrigen Teenagern aus Brasilien, die auf dem Album einen ultragenialen Black Metal zelebrieren, den ich eher aus Schweden oder Polen erwartet hĂ€tte. Ich habe gelernt, die Herkunft völlig außer Acht zu lassen, und einfach nur die Musik auf mich wirken zu lassen. Dennoch werden Norwegen und Schweden fĂŒr mich immer die Wiege des Black Metals sein, den ich am meisten schĂ€tze. Nicht umsonst nehme ich gern Bands unter Vertrag, die den Geist der damaligen Zeit in sich tragen, seien es „alte Hasen“ wie Haimad, oder Newcomer wie NornĂ­r oder Malist.

Vielen Dank fĂŒr deine Zeit und das Interview! Noch einige abschließende Worte an unsere Leser?

Ich bedanke mich fĂŒr die Möglichkeit, einen Einblick in das Schaffen von Northern Silence geben zu können, und dass ich den Lesern einige der Bands nahebringen durfte. Northern Silence wird bis auf weiteres als Soloprojekt im Untergrund tĂ€tig sein und hoffentlich ab und zu mit aus der Masse herausragenden Releases auf sich aufmerksam machen. Bei dieser Gelegenheit noch ein kleiner Tipp fĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte – das Debutalbum von Arctos aus Kanada. Genialer, melodischer Black/Death Metal, der auch zu Schweden’s Glanzzeiten hĂ€tte entstanden sein können. Unbedingt anchecken! Infos und Hörproben gibts bald.

Wer auch nur ansatzweise etwas mit Black metal anfangen kann, sollte unbedingt einen Blick auf die Homepage von NORTHERN SILENCE werfen. ACHTUNG: nach dem Betreten und den ersten Hörproben besteht (besonders fĂŒr Sammler physischer TontrĂ€ger und Shirts) schnell Suchtgefahr! Wir haben euch gewarnt…

In diesem Sinne: viel Spaß beim Stöbern und support Northern Silence!

Radu

REVIEW: ABSENT/MINDED

Posted by Samir On November - 25 - 2018

ABSENT-MINDED-RaumRaum

ABSENT/MINDED begleiten mich bereits seit vielen Jahren und zĂ€hlen zu den produktivsten und zielstrebigsten Bands Frankens. Seit ihrer BandgrĂŒndung 2009 wurde der eigene Stil konsequent weiterentwickelt und dabei auch niemals Halt vor Genregrenzen gemacht. Das jĂŒngste Ergebnis dieser Evolution stellt nun „Raum“ dar, doch können die Bamberger an die QualitĂ€t der VorgĂ€nger anknĂŒpfen?

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REVIEW: BEHEMOTH

Posted by Samir On Oktober - 2 - 2018

behemoth

I Loved You At Your Darkest

„The Satanist“ aus dem Jahre 2014 stellt fĂŒr viele Metal-Fans eines der besten Alben der letzten Jahre dar. BEHEMOTH schafften es nach ĂŒberstandener Krankheit von Frontmann Nergal ein durchgehend organisches und nahezu makelloses Werk abzuliefern, das im Anschluss ausgiebig live prĂ€sentiert wurde. Auch ansonsten lagen die Polen seitdem nicht unbedingt auf der faulen Haut und besonders Nergal erfreute die Fans in Form von ME AND THAT MAN mit einem wunderbaren Ausflug in Neo-Folk-Gefilde. Trotz aller AktivitĂ€ten lechzen die Fans jedoch schon seit einiger Zeit nach neuem Material des Trios und kriegen nun mit „I Loved You At Your Darkest“ erneut einiges auf die Ohren. Doch gelingt hier erneut der große Wurf oder erwartet uns lediglich eine aufgewĂ€rmte Version des vorherigen Meisterwerks?

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REVIEW: VREID

Posted by Samir On Oktober - 1 - 2018

vreid

Lifehunger

Durch stete QualitĂ€t haben es VREID in 14 Jahren Bandgeschichte nach und nach geschafft aus dem Schatten WINDIRs, einstige Kultband und vorherige Truppe von Bassist und Bandkopf HvĂĄll, Drummer Steingrim und SĂ€nger Sture, zu treten und sich als feste GrĂ¶ĂŸe der Schwarzmetallszene zu etablieren. „Lifehunger“ stellt hierbei das mittlerweile achte Album dar und fĂŒhrt den Weg der Norweger konsequent fort.

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REVIEW: PSOA 2018

Posted by Samir On August - 26 - 2018

ImpressionsPSOA2018_02Sommer, Sonne, GeknĂŒppel. Endlich ist wieder August und das Lieblingsfestival von ca. 8000 Fans steht wieder an. Merchandise StĂ€nde, entspannte Leute und 3 Tage Extrem Metal garantieren einen Ă€hnlichen Erholungsfaktor, wie ein All inclusive Urlaub am Strand. Auf gehtÂŽs zum Party San 2018, das von GeprĂŒgel, Sturm und Ehrfurcht geprĂ€gt war.

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INTERVIEW: ARKUUM

Posted by Radu On Juli - 18 - 2018

Es hat sich einiges bei ARKUUM getan; aus einem Soloprojekt wurde eine feste Band und mit “Die Letzte Agonie” steht die zweite Langrille einer atmosphĂ€rischen Black Metal Band im Regal. Wir spachen mit David ĂŒber die fĂŒnf Sterbephasen, die auf dem Album vertont wurden.

Arkuum Tour

Hallo und erstmal herzlichen GlĂŒckwunsch zu „Die letzte Agonie“! Wie geht es euch jetzt, da die zweite Platte im Kasten ist?

Danke! Ich kann die Songs leider schon bald selbst nicht mehr hören, aber da geht es wohl jedem Musiker nach so einem langen Schaffensprozess Ă€hnlich. Trotzdem freuen wir uns natĂŒrlich, nach der langen Zeit das Endresultat in den HĂ€nden zu halten.

Seit „Trostlos“ hat sich einiges bei euch getan; es ging vom Soloprojekt in eine richtige Band ĂŒber. Wie kam es zu dieser Entscheidung und nach welchen Auswahlkriterien wurden die Bandmitglieder rekrutiert?

Mit dem jetzigen Bassisten Max habe ich schon in meiner frĂŒhen Jugend zusammen Musik gemacht und Gitarrist Timo war eine Bekanntschaft aus meiner vorherigen Band, deshalb kenne ich Timo auch schon einige Jahre. Ehrlich gesagt kamen einige ZufĂ€lle aufeinander und die Bandmitglieder haben sich schon fast von selbst ergeben. Simon ist aus seiner alten Band ausgestiegen und hat dann nach einiger Zeit seinen alten Bandkollegen zu  Arkuum ĂŒberfĂŒhrt.

Bereits beim ersten Lesen der Songtitel sprang mich das Konzept der fĂŒnf Sterbephasen an. Gerade im Hinblick auf Black Metal und unser Leben ein sehr intensives Thema, das man nicht einfach nur nebenbei vertont. Bitte erzĂ€hl uns, warum dieses Thema es auf das Album geschafft hat.

Aus persönlichen GrĂŒnden beschĂ€ftige ich mich schon sehr lange mit dem Tod. Oftmals kommen mir die Gedanken beim Schlafengehen oder in Situationen, in denen ich mit mir alleine bin. Wie wird der Moment kurz vor dem Eintreten des Todes sein und wie fĂŒhle ich mich dabei? Nicht selten enden solche Gedanken in panische ZustĂ€nde, in denen ich dann Ablenkung suche. Mir macht der Gedanke Angst, dass ich nach dem Leben fĂŒr unendliche Zeit nicht mehr existieren werde, in welchem VerhĂ€ltnis steht dazu ein kleines und kurzes Menschenleben?

Im Gegensatz zu frĂŒheren Zeiten, wird in unserer Gesellschaft mit dem Tod nicht offen umgegangen, er wird sogar vielmehr ignoriert. Mit wem soll man ĂŒber seinen bevorstehenden Tod reden? Aus meiner Sicht gibt es da eine große Hemmschwelle, die viele nicht ĂŒberschreiten können. Das macht die Angst vor dem Ungewissen nur noch viel grĂ¶ĂŸer.

Aus der Schulzeit war mir noch Elisabeth KĂŒbler-Ross und einige ihrer Schriften aus dem Ethik Unterricht bekannt. Ich habe mir kurzerhand ihr Buch „Interviews mit Sterbenden“ gekauft, in der sie Interview mit Sterbenden veröffentlichte und daraus fĂŒnf Phasen ableitete, die jeder Sterbende mehr oder weniger durchleben muss. Jede Phase habe ich in einem Lied umgesetzt und versucht, die Stimmung und Thematik einzufangen.

ARKUUM smallWenn man sich die Texte durchliest, fĂŒhlt man sich irgendwo zwischen  Romantik und Expressionismus gefangen, mit einer guten Portion morbider (und atmosphĂ€rischer) Eigeninterpretation. Wie wĂŒrdest du jemandem den Stil deiner Texte erlĂ€utern?

Ich wĂŒrde mich selbst nicht als großen Lyriker bezeichnen. Ich schreibe meine Texte aus dem Bauch heraus, unabhĂ€ngig von irgendwelchen Epochen oder Leitlinien. Allerdings mag ich Reimformen sehr gerne, ohne Reime geht bei mir nichts. Und Anapher.

Wie sind die Texte entstanden? Sind sie aus dem Bauch heraus geboren, oder musst du in einer bestimmten Stimmung zum Schreiben sein?

Verglichen mit meinem ersten Album „Trostlos“, was ja komplett eigenstĂ€ndische Texte hatte, habe ich das Grundkonzept von dem jetzigen Album aus dem Buch von KĂŒbler-Ross entnommen, aber mit meinen eigenen Gedanken neu interpretiert. Es ist eigentlich nie so, dass ich mir fest vornehme, einen bestimmten Text zu schreiben. Das kommt mal hĂ€ufiger oder mal weniger einfach spontan, wenn sich eine meiner kĂŒnstlerischen Phasen aufbaut. Die haben oft auch keinen mir bewussten Ursprung. Ich denke da spielt das Unterbewusstsein auch eine große Rolle, wann und wie ich kĂŒnstlerisch tĂ€tig bin.

Bereits nach den ersten Minuten hatte ich das GefĂŒhl, das sich im Bezug zum Songwriting bei ARKUUM einiges getan hat. Gerade im Hinblick auf die zĂ€hflĂŒssigen Doom Passagen gibt es sehr viele davon. Auch werden einige Riffs in die LĂ€nge gezogen und einiges ist bereits vorhersehbar. Was hat sich im Vergleich zum VorgĂ€nger in Sachen Songwriting verĂ€ndert und wie seid ihr an die Songs ran gegangen?

Im Songwriting Prozess hat sich nicht viel geĂ€ndert. Ich schreibe immer noch alles selbst und die Band hat auch eigentlich keinen großen Einfluss darauf. Eine Ausnahme ist hierbei allerdings das Schlagzeug. Die Schlagzeugspuren schreibe ich meist sehr grob und die kleinen Feinheiten ĂŒberlasse ich einem anstĂ€ndigen Schlagzeuger, der dann meine vorhandene Idee besser umsetzen kann.

Was die langen Doom Passagen angehen, aktuell stehe ich einfach auf den Musikstil, was sich natĂŒrlich auch im Songwriting widerspiegelt.

Denny von „Zeugen der Leere“ hatte auf „Trostlos“ einen guten Job abgeliefert. Warum ist er dieses Mal nicht dabei? (RenĂ© hat einen Top Job abgeliefert)

Ich habe Denny sogar schon sehr frĂŒhzeitig gefragt, ob er als SĂ€nger einsteigen möchte. Allerdings hatte er leider kein Interesse an einer Livebesetzung, zumal auch die Entfernung fĂŒr kontinuierliche Proben ein Hindernis darstellte.

Arkuum Tour IIWenn ich die Songs analytisch betrachte (Riffs, Wiederholungen usw.) rauscht die Platte an einigen Stellen an mir vorbei. Die positive Überraschung von „Die letzte Agonie“ war fĂŒr mich, als ich das Denken abgestellt und einfach das GefĂŒhl auf mich wirken gelassen habe. Euer Album fordert Zeit ein (nicht zuletzt wegen der langen Songs), hat mich aber dann mit einer sehr intensiven AtmosphĂ€re belohnt. Hattet ihr dieses Ziel beim Songwriting vor Augen oder ging es in erster Linie darum, das Innere nach außen zu kehren, ohne RĂŒcksicht auf die Wirkung auf den Hörer?

Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass das neue Album an einigen „Trostlos“ Fans vorbeigehen wird. Musikalisch ist es doch etwas hĂ€rter, roher und ambientlastiger, alles in allem also viel spezieller. Ich möchte mich aber auch ganz und gar nicht auf einen bestimmten Stil festlegen, nur weil die Nachfrage dahingehend grĂ¶ĂŸer oder kleiner ist. Ich mache einfach das, was mir gerade gefĂ€llt. Die nĂ€chste Scheibe wird bestimmt wieder ganz anders.

Du hast auf alle FĂ€lle recht, dass das Album seine Zeit braucht, aber meiner Meinung nach, kann man sich erst so richtig in die AtmosphĂ€re eintauchen, wenn die Songs nicht schon nach fĂŒnf oder sechs Minuten vorbei sind. „Einfach das GefĂŒhl auf mich wirken lassen“ beschreibt das Konzept schon recht passend. Die Songs sind tatsĂ€chlich sehr von mir durchdacht und ich habe mir fĂŒr jede Phase, mir passende Stilmittel ĂŒberlegt. Ich möchte hier nicht alles benennen, das gehört schließlich auch zur Interpretation des Hörers, darĂŒber könnte ich aber wohl auch einen eigenen Artikel verfassen. Aber einige Beispiele:

Zorn – Schnelles, hartes Intro mit langer und gleichbleibenden Riffs, um den Rausch des Zornes zu verdeutlichen. Die Ruhe vor dem Sturm im mittleren Songteil und das anschließend ausartende Ende.

Verzweiflung – Die zwei langsamen Doom Riffs, die den Abfall der Stimmung in die Depression verdeutlichen.

Akzeptanz – Das lange Outro, das sich nach jeder Wiederholung um fĂŒnf BPM (beats per minute) verlangsamt, was das Ende des Lebens und die Akzeptanz des Todes darstellen soll.

Also es gibt sehr viele Stilmittel zu entdecken.

Zur Zeit lasse ich das Album immer noch einige DurchlĂ€ufe auf mich wirken. Gerade das atmosphĂ€rische `Verleugnung` hat mich schnell in die ARKUUM AtmosphĂ€re eingesogen. Mit `Akzeptanz` habt ihr einen intensiven Emotionstrip bei mir ausgelöst. Die versöhnliche Einstiegspassage, das letzte Aufbegehren und das langsame Sterben des Songs mit der Textpassage „Alle TĂŒren sind verschlossen“ (beim Autofahren inklusive Sonnenuntergang zum ersten Mal gehört) bescheren mir eine konstante GĂ€nsehaut, danke dafĂŒr!

Sonnenuntergang, eine eintönige Autofahrt und mit sich alleine sein. Das sind gute Voraussetzungen, um das Album auf sich wirken zu lassen. Danke fĂŒr das Lob und gern geschehen.

Einige Worte zur Aufmachung des Albums; wie kam es zu der Idee des Covers und wie ist es entstanden? Das Booklet sieht ebenfalls schön atmosphĂ€risch aus (außer das Foto mit dem Geist in der Kirche, der Rest ist um LĂ€ngen atmosphĂ€rischer).

Die Ideen zum Artwork habe ich grĂ¶ĂŸtenteils mit meiner Freundin zusammen ausgearbeitet. DafĂŒr sind einige Stunden drauf gegangen, da ich nicht nur einfache und bedeutungslose Bilder machen wollte. Mein Anspruch war da auf jeden Fall um LĂ€ngen höher, als fĂŒr das Debut. Es sollte auch stets eine kĂŒnstlerische Bedeutung haben und Spielraum fĂŒr Interpretationen bieten. Auch hier gibt es auf jedem Bild viel zu deuten, wie auch schon im musikalischen Bereich. Das Gesamtkonzept basiert auf einer Protagonistin, welche die Phasen durchleben muss.

Das Cover beschreibt meiner Meinung nach mit seiner Wirkung das Album in seinen vollen ZĂŒgen. Eine unschuldige Person in Weiß verleugnet ihren Tod, was vor allem durch die verbundenen Augen und den zugehaltene Ohren bewusst gemacht wird. Innerlich hat ihr Verfall allerdings schon lĂ€ngst begonnen, Maden regen sich in ihren HĂ€nden und das blutige Geschmiere deutet auf das kommende Ende hin.

Gibt es aktuell bereits weitere PlĂ€ne? Da ihr nun eine Band seid, bieten sich weitere Live Shows ja quasi an. Mit wem wĂŒrdet ihr gerne mal zusammen auftreten?

Ich arbeite aktuelle schon an einem neuen Konzept und an neuen Werken, aber wĂ€hrend dem Debut Release war die Situation Ă€hnlich und es hat trotzdem seine drei Jahre bis zur neuen Veröffentlichung gedauert. Live gibt es uns natĂŒrlich auch das ein oder andere Mal zu sehen, allerdings leider noch zu selten fĂŒr meine Vorstellung.

Die Release Show am 04.08 in Crailsheim und das Spirit of Black & Doom am 08.09 in Karlsruhe sind aber auf alle FĂ€lle gute Anhaltspunkte fĂŒr Fans des atmosphĂ€rischen Black Metals.

Danke fĂŒr „Die letzte Agonie“ und deine Zeit. Die abschließenden Worte an unsere Leser gebĂŒhren dir.

Danke an alle Helfer, die das Album möglich gemacht haben. Es sind immer viele Freunde und Bekannte involviert, an die ich mich fĂŒr alle möglichen Arbeiten wenden kann und natĂŒrlich ein großes Dankeschön an jeden Fan, der die Band und mich unterstĂŒtzt. Und selbstverstĂ€ndlich an dich!

Radu

REVIEW: DIE LETZTE AGONIE

Posted by Radu On Juli - 18 - 2018

ARKUUMWas macht ein Album zu etwas Besonderem? Man könnte sich ĂŒber raffiniertes Songwriting freuen, ĂŒber atemberaubende Spieltechniken oder auch an bombastischen Produktionen. ARKUUM backen hier kleinere Brötchen und setzen gleich auf zwei andere HerzstĂŒcke: AtmosphĂ€re und AuthentizitĂ€t.

Satte drei Jahre mussten sich die Fans gedulden, um den Nachfolger von „Trostlos“ in den Player zu schieben. Ein erster Blick auf die Tracklist zeigt, dass man sich thematisch auf die fĂŒnf Sterbephasen eingespielt hat, was fĂŒr eine atmosphĂ€rische Black Metal Band eigentlich eine Steilvorlage ist. Bereits die ersten Sekunden von `Verleugnung` entfĂŒhrt die Fans direkt nach hause, in das typische ARKUUM Wohnzimmer: cleane Gitarren, charismatische Riffs und eine dichte AtmosphĂ€re. Dennoch fĂŒhlt es sich irgendwie auch etwas fremd an, was sich im Laufe der 10 minĂŒtigen Spielzeit auch bestĂ€tigen soll. Am Gesang gab es VerĂ€nderung und auch die Riffs sind extrem doomiger ausgefallen. Egal, mit `Zorn` bekommt man es zur Abwechslung schnell und hart im Intro, wĂ€hrend sich die Riffs ebenfalls wiederholen. Betrachtet man es von der analytischen Songwriting Sicht, merkt man bereits jetzt, dass der Nachfolger von „Trostlos“ eine völlig andere AtmosphĂ€re besitzt und dĂŒrfte den einen oder anderen Fan nachdenklich stimmen. Der Eindruck setzt sich mit `Verzweiflung` weiter fort, auf denen zwei Riffs zĂ€hflĂŒssig zelebriert werden. Doom Fans werden aufhorchen, Black Metal JĂŒnger könnten sich abwenden und Freunde atmosphĂ€rischer Musik bekommen hier sehr viel Diskussionsstoff.

Und genau hier liegt die eigentliche Bedeutung des Albums (tief) begraben: nachdem man sich einmal durch die Scheibe gearbeitet hat ist klar, dass man sich songtechnisch keinen technischen Höhenflug geleistet hat. Auch die Erwartungshaltung an die Fans wurde nicht erfĂŒllt und man fragt sich, welche Daseinsberechtigung die Platte hat. Die Antwort ist so simpel wie effektiv: Kopf ausschalten und sich einfach fallen lassen, dann funktioniert die Platte nicht nur, sondern sie belohnt auch mit einer intensiven und schon fast intimen AtmosphĂ€re. Besonders ĂŒber Kopfhörer oder bei einer einsamen Autofahrt zĂŒndet spĂ€testens `Akzeptanz` und beschert einen emotionalen Trip in die AbgrĂŒnde menschlicher Ängste, der vom wĂ€rmenden Mantel des Unausweichlichen schon fast liebevoll erstickt wird. Wenn man einmal das Geheimnis der Platte ergrĂŒndet hat und seine Zeit ganz der Musik widmet, spielt jeder Song seine TrĂŒmpfe aus und die (teils zĂ€hflĂŒssige) Doom AtmosphĂ€re unterstreicht das Nachdenkliche, dem wir uns selbst im Alltag nur teilweise widmen. Der Gedanke an den eigenen Tod ĂŒbt eine erschreckende Wirkung auf uns aus und „Die Letzte Agonie“ ist ein hingebungsvoller Soundtrack, um sich dem Thema in einer persönlichen Stunde zu widmen. FĂŒr mich ist es genau das, was Black Metal ausmacht: AtmosphĂ€re, keine Erwartungshaltung erfĂŒllen und fernab jeglicher Konventionen sein Ding kompromisslos durch zu ziehen. Die Platte hatte viele Ecken und Kanten und belohnt nur diejenigen, die sich darauf einlassen. Wenn man sich darauf einlĂ€sst, bekommt man allerdings seine persönliche, auditive Nahtoderfahrung.

4 von 6 Punkten

Radu

Weitere Details zur Platte lest ihr in unserem INTERVIEW

REVIEW: NORTHERN CHAOS GODS

Posted by Radu On Juli - 1 - 2018

ImmortalDie große Frage, ob IMMORTAL ohne Abbath funktionieren können, wird auf „Northern Chaos Gods“ mit einem klaren „Ja!“ beantwortet. Nach dem Abgang von Abbath haben sich Demonaz und Horgh intensiv zusammen gesetzt und nach acht Jahren Stille einen herrlichen Hassbrocken auf den Teller geknallt. Das Cover deutet an, was der Titeltrack als Opener abliefert; keine selbstverliebte Band oder episches Fantasygeschrammel, sondern direkt und ohne Vorwarnung mit Volldampf in die Fresse! IMMORTAL spielen Black Metal, und zwar intensiver an den Anfangstagen orientiert, als jemals zuvor. Auch der zweite Track `Into Battle RideÂŽ unterstreicht die Marschrichtung und lĂ€sst schnell den Gedanken aufkommen, man hĂ€tte eine WeiterfĂŒhrung des „Battles In The North“ Albums auf dem Plattenteller. Das wĂ€re allerdings zu stumpf und so öffnet `Gates To Blashyrk` mit lĂ€ssigeren Riffs und einer cleanen Gitarrenpassage seine Pforten und erweist sich als epischer Erbe des anno 1995 veröffentlichten Kultsongs. Man wird einige Male auf dem Album ĂŒberrascht, ohne dass auch nur eine Sekunde das Feeling abgeschwĂ€cht wird; `Grim And Dark` zeigt die Balance zwischen Blastbeats und griffigen Riffs, was seit jeher die StĂ€rke dieser Band ist. `Called To Ice bedient die Fans epischerer KlĂ€nge und lĂ€sst klar erkennen, dass Demonaz ein großer Bathory Fan ist, ehe `Where Mountains Rise` dieses GefĂŒhl nochmal untermauert. Mit `Blacker Of Worlds` gibt’s nochmal schön auf die Fresse, ehe `Mighty Ravendark` auf neun Minuten verteilt allen IMMORTAL Fans eine GĂ€nsehaut inklusive Dauergrinsen aufs Gesicht zaubert.

NatĂŒrlich fehlt das Knurren von Abbath in den Songs, was allerdings bereits nach wenigen Textzeilen keine Rolle mehr spielt. Demonaz hat einen optimalen Job am Mikro abgeliefert, denn er versucht erst gar nicht wie Abbath zu klingen, sondern bedient den Hörer mit krĂ€chzendem und kreischendem Gesang, was den StĂŒcken sehr gut zu Gesicht steht. Über das Schlagzeugspiel muss man sich bei Horgh sowieso keine Gedanken machen, schließlich kennt man ihn sowohl bei IMMORTAL, als auch bei Hypocrisy, was fĂŒr top QualitĂ€t steht. Songtechnisch hat Demonaz ebenfalls seit den Anfangstagen das Ruder in der Hand und so wird man den (sehr hohen) AnsprĂŒchen mehr als gerecht. Abgerundet wird das ganze von der wuchtigen Produktion, bei der Mastermind Peter TĂ€gtgren die Regler in die Hand nahm und den Bass einspielte. Das minimalistische Cover zeigt ebenfalls klar, dass es sich bei „Northern Chaos Gods“ um ein neues Kapitel bei IMMORTAL handelt, das eindrucksvoll eingelĂ€utet wird.

Fazit: IMMORTAL werden mĂŒhelos den hohen AnsprĂŒchen gerecht und haben es obendrein geschafft, eine weitere Schippe draufzulegen. Aggression, epische Momente und intensivste Blashyrk AtmosphĂ€re werden hier hemmungslos zelebriert und lassen Zweifler der Band schnell verstummen. Abbath ist zwar nicht mehr an Bord, aber IMMORTAL sind stĂ€rker denn je zurĂŒck. Fans werden die Scheibe lieben und sich in Zukunft eine Frage stellen: ist dies vielleicht sogar die beste Scheibe dieser Band?

Blashyrk mighty Ravendaaark!

5 von 6 Punkten

Radu

VORBERICHT: PSOA 2018

Posted by Samir On Mai - 24 - 2018

party san 18Das Party San Open Air hat sich nicht nur bei Szenekennern bereits fest etabliert. Kaum ein Festival besticht durch so viel BestĂ€ndigkeit und AtmosphĂ€re wie dieses beschauliche Festival im Herzen ThĂŒringens. Was ihr alles vom 9. bis 12. August in auf dem Flugplatz Obermehler in Schlotheim geboten bekommt, erfahrt ihr von uns.

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REVIEW: DIMMU BORGIR

Posted by Radu On Mai - 24 - 2018

REVIEW: EAONIAN

Eonian

Ehrlich gesagt hatte ich DIMMU BORGIR komplett aus meinem Radar verloren. Das mag an der Zeit nach der letzten Veröffentlichung sein (ca. sportliche sieben Jahre) oder auch an der Entwicklung. Es wurden immer perfektionistische Alben abgeliefert, aber irgendwie fehlten mir auf der letzten Platte die Dauerbrenner, die sich ins LangzeitgedĂ€chtnis frĂ€sten (abgesehen natĂŒrlich vom Song `Dimmu Borgir`, der ist einfach genial). Um so erfreuter war ich, nach langer Zeit wieder etwas von der einst wegweisenden Black Metal Institution zu hören. Das Video zu `Interdimensional Summit` enttĂ€uschte mich auf der ganzen Linie: das sollten die großen DIMMU BORGIR sein, die mich seit den 90ern so fasziniert haben? Zu straightes Songwriting, eierloses Riffing und wo ist die Aggression hin? OK, die Chöre haben schon etwas und rennen bei mir offene TĂŒren ein, aber der Rest? Selbst das Solo konnte meinen ersten Eindruck nicht retten und so verschwand die Band erneut fĂŒr mich in der Versenkung. Einen Monat spĂ€ter wurde das Video zu `Council Of Wolves And Snakes` veröffentlicht. Die Band war fĂŒr mich eh im Arsch, also konnte ein kurzes Reinhören nicht schaden. Etwas schamanistisch angehaucht und wie eine kommerzielle Antwort zu Ruins Of Beverast war mein erster Eindruck, ehe das Break mit den Akustikgitarren, den atmosphĂ€rischen Landschaftsaufnahmen und den Chören mich völlig unerwartet traf. Eine GĂ€nsehaut, einfach so? Ich habe mir die Akustikpassage immer wieder und wieder angehört, ehe ich mir den Song einige Male gegeben habe; das war der AufhĂ€nger sich einmal an das neue Album heran zu trauen.

Bereits die ersten industriellen KlĂ€nge von `The Unveiling` deuten an, daß man hier kaum etwas im Vorfeld erahnen kann. Baut es sich majestĂ€tisch auf, ehe die Gitarren sich (mehr oder weniger) aggressiv durch die Boxen schlĂ€ngeln. Besonders die Chorpassage hatte mich schnell im Griff, auch wenn mir die brutale Black Metal Keule gefehlt hat. Der Eindruck wird durch das erneute Hören von `Interdimensional Summit`verstĂ€rkt; die Zusammenarbeit mit dem Orchester fĂŒr das Live Album „Forces Of The Northern Night“ hat tiefe FußabdrĂŒcke im Songwriting hinterlassen. Statt HĂ€rte und AggressivitĂ€t, setzt man auf ein symbiotisches Zusammenspiel von Bombast und AtmosphĂ€re. Das funktioniert auch ĂŒberraschend gut, allerdings muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, daß es eher einen Soundtrack Charakter, als das Feeling eines (Black) Metal Albums hat. SpĂ€testens mit `Aetheric` haben mich DIMMU BORGIR geknackt; das Einstiegsriff ist zwar belanglos, danach prescht man allerdings dynamisch nach vorne und wiegt sich in einem groovenden Riff in Sicherheit. Die hohen Gitarrenmelodien mĂŒnden in eine Chorpassage, die GĂ€nsehaut garantieren. „All is eternal“ erschallt es bombastisch aus den Boxen und aus meiner Kehle, wĂ€hrend meine Boxen in voller LautstĂ€rke geflutet werden. Gerade beim Zusammenspiel zwischen Bombast und episch spielt man hier alle TrĂŒmpfe auf und zaubert emotionale Momente auf die mentale Festplatte, das man nach dem Song freudig grinst.

`Lightbringer` erinnert mich an die alten Tage der Band, als Aggression noch mit Bombast gepaart waren, auch wenn man sich durch die ersten anderthalb Minuten durchkĂ€mpfen muss. Fixes Drumming, knackige Riffs sprinten nach vorne, um sich einem epochalen Refrain zu entfalten. Weit entfernt von der Aggression der alten Tage, spĂŒlt es jedoch alte GefĂŒhle der „Stormblast“ Ära nochmal aus dem Unterbewusstsein an die OberflĂ€che. `I Am Sovereign` könnte als das progressivstes StĂŒck hervorgehen, besticht es jedoch in der Mitte mit seinen Groove Passagen, bei denen Gitarren und Synthesizer gleichzeitig um die Wette eifern. Letzten Endes gewinnt die Gitarre mit ihren Tapping Passagen die Oberhand, ehe der Song in die orchestrale Zielgerade abbiegt. Auch `Archaic Correspondence` deutet die Aggression nur an, ehe die Textpassage „Life is a trial and the passage is death“ sich in das LangzeitgedĂ€chtnis krallt. Sollte man sich vielleicht mal intensiver mit den Texten beschĂ€ftigen, wĂ€hrend man die Scheibe hört? Der Song ist ein guter AufhĂ€nger dafĂŒr und verdichtet die diabolische AthmosphĂ€re, ohne auch nur ansatzweise ins Klischee abzudriften. Egal was man ĂŒber dieses Album denken mag, aber `Alpha Aeon Omega` verteidige ich von Anfang bis Ende, denn mit diesem Song haben DIMMU BORGIR meiner Meinung nach den besten Song ihrer Karriere geschrieben: es deutet bereits atmosphĂ€risch eine mentale Wanderung auf den Gipfel an, ehe (endlich) aggressives Drumming und Gitarren den Weg zur reise ebnen. Die Gesangspasssage kĂŒndet von der ewigen Suche, die in uns stattfindet, ehe ein GĂ€nsehautsolo die Vorlage fĂŒr den geilsten Orchesterrefrain bietet, den ich mir bei dieser Band vorstellen kann. Nur noch einmal diese Passage hören, nur noch ein wenig lauter, vielleicht doch nochmal den gesamten Song? Ich kann nicht anders, als ehrfĂŒrchtig vor diesem Song auf die Knie zu sinken, denn das Kopfkino ist einfach zu groß, als das ich es mit irgendwelchen Kritiken auch nur ansatzweise unterbrechen möchte. So muss der perfekte DIMMU BORGIR Song klingen! Am Ende gibt es mit `Rite Of Passage` noch den instrumentalen Rausschmeißer, der atmosphĂ€risch die TĂŒr zu macht.

Insgesamt kommt die neue Scheibe sehr athmosphĂ€risch rĂŒber, man muss sich nur im Klaren darĂŒber sein, daß es ein epischer Soundtrack, ohne Fokus auf Aggression oder BrutalitĂ€t ist. Man kann der Band nun vorwerfen, alte Fans zu vergraulen, aber sie ziehen kompromisslos ihr Ding durch ohne darauf zu achten, ob man ihnen folgt oder sie hasst. Genau das macht den rebellischen Geist des Black Metal meiner Meinung nach auch aus, statt ausschließlich brutales Geballer oder schlechte Produktion. A propos Produktion: Jens Bogren hat hier ganze Arbeit geleistet, denn „Eonian“ drĂŒckt sich wuchtig aus den Boxen. Besonders die Symbiose aus Metal und Orchester ist hier sehr gut ausbalanciert worden., auch wenn Dynamik statt Aggression regiert. Sehr zu empfehlen ist die Mailorder Edition von Nuclear Blast, denn die Box lĂ€sst das schöne Artwork nochmal sehr gut zur Geltung kommen und die Picture Vinyls sehen sehr edel aus.

Fazit: Entweder man liebt oder hasst „Eonian“, dazwischen gibt es nicht viel Platz. Wer mit einer gewissen Erwartungshaltung herangeht, wird von der fehlenden Aggression schwer enttĂ€uscht sein. Wer sich einem diabolischen Soundtrack mit dichter Orchester AthmosphĂ€re in den Hades reißen will, kommt an der Scheibe nur schwer vorbei. Man muss Geduld und Zeit mitbringen, aber sobald sich das Album auch nur einen Spalt geöffnet hat, betritt man eine Welt, aus der man lĂ€ngere Zeit nicht mehr rauskommen möchte. Nach vielen DurchlĂ€ufen und einigen hart erarbeiteten Passagen komme ich zu dem Schluss, daß ich seit der „Enthrone Darkness Triumphant“ nicht mehr so intensiven Spaß mit DIMMU BORGIR hatte. Noch eine Passage aus den Songs rauskitzeln, noch etwas neu entdecken oder einen ganzen Song frenetisch abfeiern, hier bin ich nach vielen Jahren endlich wieder nach hause gekommen.

5 von 6 Punkten

Radu