INTERVIEW: ARKUUM

Posted by Radu On Juli - 18 - 2018

Es hat sich einiges bei ARKUUM getan; aus einem Soloprojekt wurde eine feste Band und mit “Die Letzte Agonie” steht die zweite Langrille einer atmosphĂ€rischen Black Metal Band im Regal. Wir spachen mit David ĂŒber die fĂŒnf Sterbephasen, die auf dem Album vertont wurden.

Arkuum Tour

Hallo und erstmal herzlichen GlĂŒckwunsch zu „Die letzte Agonie“! Wie geht es euch jetzt, da die zweite Platte im Kasten ist?

Danke! Ich kann die Songs leider schon bald selbst nicht mehr hören, aber da geht es wohl jedem Musiker nach so einem langen Schaffensprozess Ă€hnlich. Trotzdem freuen wir uns natĂŒrlich, nach der langen Zeit das Endresultat in den HĂ€nden zu halten.

Seit „Trostlos“ hat sich einiges bei euch getan; es ging vom Soloprojekt in eine richtige Band ĂŒber. Wie kam es zu dieser Entscheidung und nach welchen Auswahlkriterien wurden die Bandmitglieder rekrutiert?

Mit dem jetzigen Bassisten Max habe ich schon in meiner frĂŒhen Jugend zusammen Musik gemacht und Gitarrist Timo war eine Bekanntschaft aus meiner vorherigen Band, deshalb kenne ich Timo auch schon einige Jahre. Ehrlich gesagt kamen einige ZufĂ€lle aufeinander und die Bandmitglieder haben sich schon fast von selbst ergeben. Simon ist aus seiner alten Band ausgestiegen und hat dann nach einiger Zeit seinen alten Bandkollegen zu  Arkuum ĂŒberfĂŒhrt.

Bereits beim ersten Lesen der Songtitel sprang mich das Konzept der fĂŒnf Sterbephasen an. Gerade im Hinblick auf Black Metal und unser Leben ein sehr intensives Thema, das man nicht einfach nur nebenbei vertont. Bitte erzĂ€hl uns, warum dieses Thema es auf das Album geschafft hat.

Aus persönlichen GrĂŒnden beschĂ€ftige ich mich schon sehr lange mit dem Tod. Oftmals kommen mir die Gedanken beim Schlafengehen oder in Situationen, in denen ich mit mir alleine bin. Wie wird der Moment kurz vor dem Eintreten des Todes sein und wie fĂŒhle ich mich dabei? Nicht selten enden solche Gedanken in panische ZustĂ€nde, in denen ich dann Ablenkung suche. Mir macht der Gedanke Angst, dass ich nach dem Leben fĂŒr unendliche Zeit nicht mehr existieren werde, in welchem VerhĂ€ltnis steht dazu ein kleines und kurzes Menschenleben?

Im Gegensatz zu frĂŒheren Zeiten, wird in unserer Gesellschaft mit dem Tod nicht offen umgegangen, er wird sogar vielmehr ignoriert. Mit wem soll man ĂŒber seinen bevorstehenden Tod reden? Aus meiner Sicht gibt es da eine große Hemmschwelle, die viele nicht ĂŒberschreiten können. Das macht die Angst vor dem Ungewissen nur noch viel grĂ¶ĂŸer.

Aus der Schulzeit war mir noch Elisabeth KĂŒbler-Ross und einige ihrer Schriften aus dem Ethik Unterricht bekannt. Ich habe mir kurzerhand ihr Buch „Interviews mit Sterbenden“ gekauft, in der sie Interview mit Sterbenden veröffentlichte und daraus fĂŒnf Phasen ableitete, die jeder Sterbende mehr oder weniger durchleben muss. Jede Phase habe ich in einem Lied umgesetzt und versucht, die Stimmung und Thematik einzufangen.

ARKUUM smallWenn man sich die Texte durchliest, fĂŒhlt man sich irgendwo zwischen  Romantik und Expressionismus gefangen, mit einer guten Portion morbider (und atmosphĂ€rischer) Eigeninterpretation. Wie wĂŒrdest du jemandem den Stil deiner Texte erlĂ€utern?

Ich wĂŒrde mich selbst nicht als großen Lyriker bezeichnen. Ich schreibe meine Texte aus dem Bauch heraus, unabhĂ€ngig von irgendwelchen Epochen oder Leitlinien. Allerdings mag ich Reimformen sehr gerne, ohne Reime geht bei mir nichts. Und Anapher.

Wie sind die Texte entstanden? Sind sie aus dem Bauch heraus geboren, oder musst du in einer bestimmten Stimmung zum Schreiben sein?

Verglichen mit meinem ersten Album „Trostlos“, was ja komplett eigenstĂ€ndische Texte hatte, habe ich das Grundkonzept von dem jetzigen Album aus dem Buch von KĂŒbler-Ross entnommen, aber mit meinen eigenen Gedanken neu interpretiert. Es ist eigentlich nie so, dass ich mir fest vornehme, einen bestimmten Text zu schreiben. Das kommt mal hĂ€ufiger oder mal weniger einfach spontan, wenn sich eine meiner kĂŒnstlerischen Phasen aufbaut. Die haben oft auch keinen mir bewussten Ursprung. Ich denke da spielt das Unterbewusstsein auch eine große Rolle, wann und wie ich kĂŒnstlerisch tĂ€tig bin.

Bereits nach den ersten Minuten hatte ich das GefĂŒhl, das sich im Bezug zum Songwriting bei ARKUUM einiges getan hat. Gerade im Hinblick auf die zĂ€hflĂŒssigen Doom Passagen gibt es sehr viele davon. Auch werden einige Riffs in die LĂ€nge gezogen und einiges ist bereits vorhersehbar. Was hat sich im Vergleich zum VorgĂ€nger in Sachen Songwriting verĂ€ndert und wie seid ihr an die Songs ran gegangen?

Im Songwriting Prozess hat sich nicht viel geĂ€ndert. Ich schreibe immer noch alles selbst und die Band hat auch eigentlich keinen großen Einfluss darauf. Eine Ausnahme ist hierbei allerdings das Schlagzeug. Die Schlagzeugspuren schreibe ich meist sehr grob und die kleinen Feinheiten ĂŒberlasse ich einem anstĂ€ndigen Schlagzeuger, der dann meine vorhandene Idee besser umsetzen kann.

Was die langen Doom Passagen angehen, aktuell stehe ich einfach auf den Musikstil, was sich natĂŒrlich auch im Songwriting widerspiegelt.

Denny von „Zeugen der Leere“ hatte auf „Trostlos“ einen guten Job abgeliefert. Warum ist er dieses Mal nicht dabei? (RenĂ© hat einen Top Job abgeliefert)

Ich habe Denny sogar schon sehr frĂŒhzeitig gefragt, ob er als SĂ€nger einsteigen möchte. Allerdings hatte er leider kein Interesse an einer Livebesetzung, zumal auch die Entfernung fĂŒr kontinuierliche Proben ein Hindernis darstellte.

Arkuum Tour IIWenn ich die Songs analytisch betrachte (Riffs, Wiederholungen usw.) rauscht die Platte an einigen Stellen an mir vorbei. Die positive Überraschung von „Die letzte Agonie“ war fĂŒr mich, als ich das Denken abgestellt und einfach das GefĂŒhl auf mich wirken gelassen habe. Euer Album fordert Zeit ein (nicht zuletzt wegen der langen Songs), hat mich aber dann mit einer sehr intensiven AtmosphĂ€re belohnt. Hattet ihr dieses Ziel beim Songwriting vor Augen oder ging es in erster Linie darum, das Innere nach außen zu kehren, ohne RĂŒcksicht auf die Wirkung auf den Hörer?

Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass das neue Album an einigen „Trostlos“ Fans vorbeigehen wird. Musikalisch ist es doch etwas hĂ€rter, roher und ambientlastiger, alles in allem also viel spezieller. Ich möchte mich aber auch ganz und gar nicht auf einen bestimmten Stil festlegen, nur weil die Nachfrage dahingehend grĂ¶ĂŸer oder kleiner ist. Ich mache einfach das, was mir gerade gefĂ€llt. Die nĂ€chste Scheibe wird bestimmt wieder ganz anders.

Du hast auf alle FĂ€lle recht, dass das Album seine Zeit braucht, aber meiner Meinung nach, kann man sich erst so richtig in die AtmosphĂ€re eintauchen, wenn die Songs nicht schon nach fĂŒnf oder sechs Minuten vorbei sind. „Einfach das GefĂŒhl auf mich wirken lassen“ beschreibt das Konzept schon recht passend. Die Songs sind tatsĂ€chlich sehr von mir durchdacht und ich habe mir fĂŒr jede Phase, mir passende Stilmittel ĂŒberlegt. Ich möchte hier nicht alles benennen, das gehört schließlich auch zur Interpretation des Hörers, darĂŒber könnte ich aber wohl auch einen eigenen Artikel verfassen. Aber einige Beispiele:

Zorn – Schnelles, hartes Intro mit langer und gleichbleibenden Riffs, um den Rausch des Zornes zu verdeutlichen. Die Ruhe vor dem Sturm im mittleren Songteil und das anschließend ausartende Ende.

Verzweiflung – Die zwei langsamen Doom Riffs, die den Abfall der Stimmung in die Depression verdeutlichen.

Akzeptanz – Das lange Outro, das sich nach jeder Wiederholung um fĂŒnf BPM (beats per minute) verlangsamt, was das Ende des Lebens und die Akzeptanz des Todes darstellen soll.

Also es gibt sehr viele Stilmittel zu entdecken.

Zur Zeit lasse ich das Album immer noch einige DurchlĂ€ufe auf mich wirken. Gerade das atmosphĂ€rische `Verleugnung` hat mich schnell in die ARKUUM AtmosphĂ€re eingesogen. Mit `Akzeptanz` habt ihr einen intensiven Emotionstrip bei mir ausgelöst. Die versöhnliche Einstiegspassage, das letzte Aufbegehren und das langsame Sterben des Songs mit der Textpassage „Alle TĂŒren sind verschlossen“ (beim Autofahren inklusive Sonnenuntergang zum ersten Mal gehört) bescheren mir eine konstante GĂ€nsehaut, danke dafĂŒr!

Sonnenuntergang, eine eintönige Autofahrt und mit sich alleine sein. Das sind gute Voraussetzungen, um das Album auf sich wirken zu lassen. Danke fĂŒr das Lob und gern geschehen.

Einige Worte zur Aufmachung des Albums; wie kam es zu der Idee des Covers und wie ist es entstanden? Das Booklet sieht ebenfalls schön atmosphĂ€risch aus (außer das Foto mit dem Geist in der Kirche, der Rest ist um LĂ€ngen atmosphĂ€rischer).

Die Ideen zum Artwork habe ich grĂ¶ĂŸtenteils mit meiner Freundin zusammen ausgearbeitet. DafĂŒr sind einige Stunden drauf gegangen, da ich nicht nur einfache und bedeutungslose Bilder machen wollte. Mein Anspruch war da auf jeden Fall um LĂ€ngen höher, als fĂŒr das Debut. Es sollte auch stets eine kĂŒnstlerische Bedeutung haben und Spielraum fĂŒr Interpretationen bieten. Auch hier gibt es auf jedem Bild viel zu deuten, wie auch schon im musikalischen Bereich. Das Gesamtkonzept basiert auf einer Protagonistin, welche die Phasen durchleben muss.

Das Cover beschreibt meiner Meinung nach mit seiner Wirkung das Album in seinen vollen ZĂŒgen. Eine unschuldige Person in Weiß verleugnet ihren Tod, was vor allem durch die verbundenen Augen und den zugehaltene Ohren bewusst gemacht wird. Innerlich hat ihr Verfall allerdings schon lĂ€ngst begonnen, Maden regen sich in ihren HĂ€nden und das blutige Geschmiere deutet auf das kommende Ende hin.

Gibt es aktuell bereits weitere PlĂ€ne? Da ihr nun eine Band seid, bieten sich weitere Live Shows ja quasi an. Mit wem wĂŒrdet ihr gerne mal zusammen auftreten?

Ich arbeite aktuelle schon an einem neuen Konzept und an neuen Werken, aber wĂ€hrend dem Debut Release war die Situation Ă€hnlich und es hat trotzdem seine drei Jahre bis zur neuen Veröffentlichung gedauert. Live gibt es uns natĂŒrlich auch das ein oder andere Mal zu sehen, allerdings leider noch zu selten fĂŒr meine Vorstellung.

Die Release Show am 04.08 in Crailsheim und das Spirit of Black & Doom am 08.09 in Karlsruhe sind aber auf alle FĂ€lle gute Anhaltspunkte fĂŒr Fans des atmosphĂ€rischen Black Metals.

Danke fĂŒr „Die letzte Agonie“ und deine Zeit. Die abschließenden Worte an unsere Leser gebĂŒhren dir.

Danke an alle Helfer, die das Album möglich gemacht haben. Es sind immer viele Freunde und Bekannte involviert, an die ich mich fĂŒr alle möglichen Arbeiten wenden kann und natĂŒrlich ein großes Dankeschön an jeden Fan, der die Band und mich unterstĂŒtzt. Und selbstverstĂ€ndlich an dich!

Radu

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1 Response so far
  1. » Blog Archive » REVIEW: DIE LETZTE AGONIE Said,

    [...] Details zur Platte lest ihr in unserem INTERVIEW Metal ImpressionsWirb ebenfalls fĂŒr deine Seite [...]

    Posted on Juli 18th, 2018 at 05:56

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