Archive for the ‘CD-Reviews’ Category

REVIEW: DIE LETZTE AGONIE

Posted by Radu On Juli - 18 - 2018

ARKUUMWas macht ein Album zu etwas Besonderem? Man könnte sich über raffiniertes Songwriting freuen, über atemberaubende Spieltechniken oder auch an bombastischen Produktionen. ARKUUM backen hier kleinere Brötchen und setzen gleich auf zwei andere Herzstücke: Atmosphäre und Authentizität.

Satte drei Jahre mussten sich die Fans gedulden, um den Nachfolger von „Trostlos“ in den Player zu schieben. Ein erster Blick auf die Tracklist zeigt, dass man sich thematisch auf die fünf Sterbephasen eingespielt hat, was für eine atmosphärische Black Metal Band eigentlich eine Steilvorlage ist. Bereits die ersten Sekunden von `Verleugnung` entführt die Fans direkt nach hause, in das typische ARKUUM Wohnzimmer: cleane Gitarren, charismatische Riffs und eine dichte Atmosphäre. Dennoch fühlt es sich irgendwie auch etwas fremd an, was sich im Laufe der 10 minütigen Spielzeit auch bestätigen soll. Am Gesang gab es Veränderung und auch die Riffs sind extrem doomiger ausgefallen. Egal, mit `Zorn` bekommt man es zur Abwechslung schnell und hart im Intro, während sich die Riffs ebenfalls wiederholen. Betrachtet man es von der analytischen Songwriting Sicht, merkt man bereits jetzt, dass der Nachfolger von „Trostlos“ eine völlig andere Atmosphäre besitzt und dürfte den einen oder anderen Fan nachdenklich stimmen. Der Eindruck setzt sich mit `Verzweiflung` weiter fort, auf denen zwei Riffs zähflüssig zelebriert werden. Doom Fans werden aufhorchen, Black Metal Jünger könnten sich abwenden und Freunde atmosphärischer Musik bekommen hier sehr viel Diskussionsstoff.

Und genau hier liegt die eigentliche Bedeutung des Albums (tief) begraben: nachdem man sich einmal durch die Scheibe gearbeitet hat ist klar, dass man sich songtechnisch keinen technischen Höhenflug geleistet hat. Auch die Erwartungshaltung an die Fans wurde nicht erfüllt und man fragt sich, welche Daseinsberechtigung die Platte hat. Die Antwort ist so simpel wie effektiv: Kopf ausschalten und sich einfach fallen lassen, dann funktioniert die Platte nicht nur, sondern sie belohnt auch mit einer intensiven und schon fast intimen Atmosphäre. Besonders über Kopfhörer oder bei einer einsamen Autofahrt zündet spätestens `Akzeptanz` und beschert einen emotionalen Trip in die Abgründe menschlicher Ängste, der vom wärmenden Mantel des Unausweichlichen schon fast liebevoll erstickt wird. Wenn man einmal das Geheimnis der Platte ergründet hat und seine Zeit ganz der Musik widmet, spielt jeder Song seine Trümpfe aus und die (teils zähflüssige) Doom Atmosphäre unterstreicht das Nachdenkliche, dem wir uns selbst im Alltag nur teilweise widmen. Der Gedanke an den eigenen Tod übt eine erschreckende Wirkung auf uns aus und „Die Letzte Agonie“ ist ein hingebungsvoller Soundtrack, um sich dem Thema in einer persönlichen Stunde zu widmen. Für mich ist es genau das, was Black Metal ausmacht: Atmosphäre, keine Erwartungshaltung erfüllen und fernab jeglicher Konventionen sein Ding kompromisslos durch zu ziehen. Die Platte hatte viele Ecken und Kanten und belohnt nur diejenigen, die sich darauf einlassen. Wenn man sich darauf einlässt, bekommt man allerdings seine persönliche, auditive Nahtoderfahrung.

4 von 6 Punkten

Radu

Weitere Details zur Platte lest ihr in unserem INTERVIEW

REVIEW: NORTHERN CHAOS GODS

Posted by Radu On Juli - 1 - 2018

ImmortalDie große Frage, ob IMMORTAL ohne Abbath funktionieren können, wird auf „Northern Chaos Gods“ mit einem klaren „Ja!“ beantwortet. Nach dem Abgang von Abbath haben sich Demonaz und Horgh intensiv zusammen gesetzt und nach acht Jahren Stille einen herrlichen Hassbrocken auf den Teller geknallt. Das Cover deutet an, was der Titeltrack als Opener abliefert; keine selbstverliebte Band oder episches Fantasygeschrammel, sondern direkt und ohne Vorwarnung mit Volldampf in die Fresse! IMMORTAL spielen Black Metal, und zwar intensiver an den Anfangstagen orientiert, als jemals zuvor. Auch der zweite Track `Into Battle Ride´ unterstreicht die Marschrichtung und lässt schnell den Gedanken aufkommen, man hätte eine Weiterführung des „Battles In The North“ Albums auf dem Plattenteller. Das wäre allerdings zu stumpf und so öffnet `Gates To Blashyrk` mit lässigeren Riffs und einer cleanen Gitarrenpassage seine Pforten und erweist sich als epischer Erbe des anno 1995 veröffentlichten Kultsongs. Man wird einige Male auf dem Album überrascht, ohne dass auch nur eine Sekunde das Feeling abgeschwächt wird; `Grim And Dark` zeigt die Balance zwischen Blastbeats und griffigen Riffs, was seit jeher die Stärke dieser Band ist. `Called To Ice bedient die Fans epischerer Klänge und lässt klar erkennen, dass Demonaz ein großer Bathory Fan ist, ehe `Where Mountains Rise` dieses Gefühl nochmal untermauert. Mit `Blacker Of Worlds` gibt’s nochmal schön auf die Fresse, ehe `Mighty Ravendark` auf neun Minuten verteilt allen IMMORTAL Fans eine Gänsehaut inklusive Dauergrinsen aufs Gesicht zaubert.

Natürlich fehlt das Knurren von Abbath in den Songs, was allerdings bereits nach wenigen Textzeilen keine Rolle mehr spielt. Demonaz hat einen optimalen Job am Mikro abgeliefert, denn er versucht erst gar nicht wie Abbath zu klingen, sondern bedient den Hörer mit krächzendem und kreischendem Gesang, was den Stücken sehr gut zu Gesicht steht. Über das Schlagzeugspiel muss man sich bei Horgh sowieso keine Gedanken machen, schließlich kennt man ihn sowohl bei IMMORTAL, als auch bei Hypocrisy, was für top Qualität steht. Songtechnisch hat Demonaz ebenfalls seit den Anfangstagen das Ruder in der Hand und so wird man den (sehr hohen) Ansprüchen mehr als gerecht. Abgerundet wird das ganze von der wuchtigen Produktion, bei der Mastermind Peter Tägtgren die Regler in die Hand nahm und den Bass einspielte. Das minimalistische Cover zeigt ebenfalls klar, dass es sich bei „Northern Chaos Gods“ um ein neues Kapitel bei IMMORTAL handelt, das eindrucksvoll eingeläutet wird.

Fazit: IMMORTAL werden mühelos den hohen Ansprüchen gerecht und haben es obendrein geschafft, eine weitere Schippe draufzulegen. Aggression, epische Momente und intensivste Blashyrk Atmosphäre werden hier hemmungslos zelebriert und lassen Zweifler der Band schnell verstummen. Abbath ist zwar nicht mehr an Bord, aber IMMORTAL sind stärker denn je zurück. Fans werden die Scheibe lieben und sich in Zukunft eine Frage stellen: ist dies vielleicht sogar die beste Scheibe dieser Band?

Blashyrk mighty Ravendaaark!

5 von 6 Punkten

Radu

UNLINES – Eine neue Band aus Köln stellt sich vor !

Posted by Stefanie On Juni - 27 - 2018

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In unserer Rubrik “Newcomer” stellen wir heute die Band UNLINES aus Köln vor.  Die Band wurde erst in diesem Jahr gegrĂĽndet, jedoch haben alle Bandmitglieder in verschiedenen Projekten schon viel Erfahrung vorab sammeln können. Im Juni veröffentlichte man die erste Single mit dem schönen Namen `Sky´. So schön der Name auch ist, so hart kommt der Sound daher. `Sky´ macht mit Powersound und den beiden gegensätzlichen Stimmen sehr viel Lust auf mehr. Die DebĂĽt-Single kann nach einer Woche mit der beachtlichen Anzahl von mehr als 10000 Klicks auf YouTube aufwarten.  Nach der DebĂĽt-Single folgt nun auch recht schnell das erste Album mit dem klangvollen Namen `Infinity´. Wie auch der Song `Sky´ wird das Album von der sehr klaren Stimme des Sängers Mico und der brachialen Stimme des Shouters Vince getragen. Nach mehrmaligem Hören entdeckt man immer mehr Feinheiten in den Songs, so dass auch beim wiederholten Male nicht langweilig wird. Mit dem Album wird ein durchgängiger Sound geschaffen, der im Kopf bleibt. AuĂźerdem kann man weder Nacken noch FĂĽĂźe stillhalten. Diese Band hat definitiv sehr viel Potential. Die Album-Releaseparty findet am 21.07.2018 im MTC Colonge statt. AuĂźerdem sind dieses Jahr noch einige Life-Gigs geplant. Also, wer die härtere Gangart liebt, ist hier sicherlich richtig. Seht und hört es Euch doch einmal selbst an! Mein Daumen geht nach oben.

Punkte: 5/6 infinity5

Autorin: Andrea

REVIEW: ATROCITY

Posted by Radu On Juni - 8 - 2018

REVIEW: OKKULT II

Okkult IIBereits die EP „ Masters Of Darkness“ deutete an, daß der zweite Teil der „Okkult“ Trilogie in Sachen Härte konsequent weitergeführt wird. Angereichert, durch einige orchestrale Elemente knallten ATROCITY ein amtliches Lebenszeichen nach sechs Jahren Funkstille auf den Teller, was die Erwartungshaltung natürlich schürt. Man spielt auf Sicherheit, denn „Okkult II“ wird von `Masters Of Darkness` eröffnet, was bei Fans offene Türen einrennt. Echte Gefühle dürfte auch `Shadowtaker` bei Fans der ersten Stunde auslösen; kurze Soundcollage, danach wird mit brachialem Anlauf brutal in die Fresse getreten. Alex Krull muss an diesem Tag besonders kacke drauf gewesen sein, denn er scheint die Lyrics sogar noch eine Stufe tiefer zu bellen, als ohnehin schon. Leicht nachvollziehbar, dreckig und mit herrlichem Groove wird einem der Arsch gepflegt abgerissen, wie es sich für ein Death Metal Album gehört. `Bloodshed And Triumph` ist der beste Beweis, daß Härte und orchestrale perfekt funktionieren können, ehe `Spell Of Blood` schon fast gemütlich in die Hirnrinde sägt, der Geschwindigkeitsrausch kommt erst etwas später.

`Menschenschlachthaus` ist durch seine Thematik ohnehin schon keine leicht verdauliche Kost, wird musikalisch aber perfekt inszeniert. Stakkato Drumming, räudige Gesangslinien oder die Symbiose aus Schlachtszenen und Gitarrenarbeit sind nur wenige Elemente, die den Song ins Langzeitgedächtnis katapultieren. `Gates To Oblivion` startet eher getragen, ehe sich Alex und Marc Grewe (Ex Morgoth) ein Röchelduell allererster Güte liefern. Mit `Infernal Sabbath` haben ATROCITY mir mein persönliches Geschenk gemacht und den besten Song seit Jahren in die Fresse geprügelt. Orchestraler Einstieg, ein gezogenes Schwert und viermal das Fell angeditscht, ehe die Hölle aus den Boxen bricht. Wer auch nur ansatzweise was mit ATROCITY anfangen kann, sollte hier aufhören zu lesen und sich die Scheibe sofort zulegen, denn seit der „Willenskraft“ hat mich kein Song mehr so glücklich gemacht!Bei `All Men Must Die` muss ich unweigerlich an Game Of Thrones denken. In wie weit es sich inhaltlich tatsächlich mit der Serie deckt, werden wir noch mit Alex im Interview besprechen. Musikalisch schraubt sich die Nähmaschine am Schlagzeug erbarmungslos in Richtung Refrain, wo Epik und Aggression nicht wetteifern, sondern gemeinsam dem Hörer eine Gänsehaut bescheren. `Phantom Ghost` ist für mich auch irgendwie das Phantom des Albums; kommt leicht zugänglich rüber, bleibt aber im Gegensatz zu den anderen Stücken nur kurz hängen. Kommt wahrscheinlich nach weiteren Durchläufen. `Devil´s Covenant` hingegen besticht durch seinen orchestralen Überschuss, den man sich bei Dimmu Borgir vorstellen könnte und bei dem LG Petrov mitwirkt. Als Rausschmeisser muss `The Golden Dawn` fungieren, der zwar ein wenig an `Scorching Breath` von der „Willenskraft“ erinnert, aber mit größerer Durchschlagskraft die Rübe abschraubt.

Da ich die EP bereits kannte, war das Album Liebe auf den zweiten Blick; meine Erwartungen waren anfangs anders, aber nach `Menschenschlachthaus` war ich beim ersten Durchlauf für das Album bereit und der Rest nur noch Formsache. Mit ATTROCITY ist es so eine Sache, entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Großartig Grauzone gibt es hier nicht, aber das ist auch gut so, denn Alex Krull zieht mit seinen Leuten seit Anbeginn kompromisslos den eigenen Stiefel durch, ungeachtet jeder Erwartungshaltung von außen. Egal ob Death Metal, Folkalbum oder 80er, ATROCITY sind sich für nichts zu fein. Es gibt bestimmt technisch bessere, atmosphärischere und epischere Alben; allerdings hat man sich seit Anbeginn stets seine Authentizität bewahrt und das hört man zu jeder Sekunde des Albums raus. Jedes Röcheln, jedes Riff und jede Schlagzeugeruption sitzt und wird mit 100% Herzblut aus der Box gepfeffert, daß man schlichtweg mitgerissen wird. Im Vergleich zum ersten „Okkult“ Teil hat man in Sachen Epik noch eine Schippe draufgelegt, was der Scheibe sehr gut zu Gesicht steht. Death Metal, Orchester Elemente und Abwechslung? Alles drin, kannste jetzt kaufen gehen. Am besten gleich die auf 500 Stück limitierte Edition bei Nuclear Blast, die klingt nicht nur geil, sondern sieht noch chic aus.

Fazit: Okkult II zelebriert eine weiteren Death Metal Frühling. Brutal, abwechslungsreich und nach 20 Durchläufen kein wenig leiser. Bei ATROCITY weiß man nie, welchen Steil man aufgetischt bekommt, aber die Qualität ist zuverlässig. Antesten, durchhören, ausrasten, so muss gediegenes Todesblei klingen, dann klappt es auch mit der Moshpit.

6 von 6 Punkten

Radu

REVIEW: DIMMU BORGIR

Posted by Radu On Mai - 24 - 2018

REVIEW: EAONIAN

Eonian

Ehrlich gesagt hatte ich DIMMU BORGIR komplett aus meinem Radar verloren. Das mag an der Zeit nach der letzten Veröffentlichung sein (ca. sportliche sieben Jahre) oder auch an der Entwicklung. Es wurden immer perfektionistische Alben abgeliefert, aber irgendwie fehlten mir auf der letzten Platte die Dauerbrenner, die sich ins Langzeitgedächtnis frästen (abgesehen natürlich vom Song `Dimmu Borgir`, der ist einfach genial). Um so erfreuter war ich, nach langer Zeit wieder etwas von der einst wegweisenden Black Metal Institution zu hören. Das Video zu `Interdimensional Summit` enttäuschte mich auf der ganzen Linie: das sollten die großen DIMMU BORGIR sein, die mich seit den 90ern so fasziniert haben? Zu straightes Songwriting, eierloses Riffing und wo ist die Aggression hin? OK, die Chöre haben schon etwas und rennen bei mir offene Türen ein, aber der Rest? Selbst das Solo konnte meinen ersten Eindruck nicht retten und so verschwand die Band erneut für mich in der Versenkung. Einen Monat später wurde das Video zu `Council Of Wolves And Snakes` veröffentlicht. Die Band war für mich eh im Arsch, also konnte ein kurzes Reinhören nicht schaden. Etwas schamanistisch angehaucht und wie eine kommerzielle Antwort zu Ruins Of Beverast war mein erster Eindruck, ehe das Break mit den Akustikgitarren, den atmosphärischen Landschaftsaufnahmen und den Chören mich völlig unerwartet traf. Eine Gänsehaut, einfach so? Ich habe mir die Akustikpassage immer wieder und wieder angehört, ehe ich mir den Song einige Male gegeben habe; das war der Aufhänger sich einmal an das neue Album heran zu trauen.

Bereits die ersten industriellen Klänge von `The Unveiling` deuten an, daß man hier kaum etwas im Vorfeld erahnen kann. Baut es sich majestätisch auf, ehe die Gitarren sich (mehr oder weniger) aggressiv durch die Boxen schlängeln. Besonders die Chorpassage hatte mich schnell im Griff, auch wenn mir die brutale Black Metal Keule gefehlt hat. Der Eindruck wird durch das erneute Hören von `Interdimensional Summit`verstärkt; die Zusammenarbeit mit dem Orchester für das Live Album „Forces Of The Northern Night“ hat tiefe Fußabdrücke im Songwriting hinterlassen. Statt Härte und Aggressivität, setzt man auf ein symbiotisches Zusammenspiel von Bombast und Atmosphäre. Das funktioniert auch überraschend gut, allerdings muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, daß es eher einen Soundtrack Charakter, als das Feeling eines (Black) Metal Albums hat. Spätestens mit `Aetheric` haben mich DIMMU BORGIR geknackt; das Einstiegsriff ist zwar belanglos, danach prescht man allerdings dynamisch nach vorne und wiegt sich in einem groovenden Riff in Sicherheit. Die hohen Gitarrenmelodien münden in eine Chorpassage, die Gänsehaut garantieren. „All is eternal“ erschallt es bombastisch aus den Boxen und aus meiner Kehle, während meine Boxen in voller Lautstärke geflutet werden. Gerade beim Zusammenspiel zwischen Bombast und episch spielt man hier alle Trümpfe auf und zaubert emotionale Momente auf die mentale Festplatte, das man nach dem Song freudig grinst.

`Lightbringer` erinnert mich an die alten Tage der Band, als Aggression noch mit Bombast gepaart waren, auch wenn man sich durch die ersten anderthalb Minuten durchkämpfen muss. Fixes Drumming, knackige Riffs sprinten nach vorne, um sich einem epochalen Refrain zu entfalten. Weit entfernt von der Aggression der alten Tage, spült es jedoch alte Gefühle der „Stormblast“ Ära nochmal aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche. `I Am Sovereign` könnte als das progressivstes Stück hervorgehen, besticht es jedoch in der Mitte mit seinen Groove Passagen, bei denen Gitarren und Synthesizer gleichzeitig um die Wette eifern. Letzten Endes gewinnt die Gitarre mit ihren Tapping Passagen die Oberhand, ehe der Song in die orchestrale Zielgerade abbiegt. Auch `Archaic Correspondence` deutet die Aggression nur an, ehe die Textpassage „Life is a trial and the passage is death“ sich in das Langzeitgedächtnis krallt. Sollte man sich vielleicht mal intensiver mit den Texten beschäftigen, während man die Scheibe hört? Der Song ist ein guter Aufhänger dafür und verdichtet die diabolische Athmosphäre, ohne auch nur ansatzweise ins Klischee abzudriften. Egal was man über dieses Album denken mag, aber `Alpha Aeon Omega` verteidige ich von Anfang bis Ende, denn mit diesem Song haben DIMMU BORGIR meiner Meinung nach den besten Song ihrer Karriere geschrieben: es deutet bereits atmosphärisch eine mentale Wanderung auf den Gipfel an, ehe (endlich) aggressives Drumming und Gitarren den Weg zur reise ebnen. Die Gesangspasssage kündet von der ewigen Suche, die in uns stattfindet, ehe ein Gänsehautsolo die Vorlage für den geilsten Orchesterrefrain bietet, den ich mir bei dieser Band vorstellen kann. Nur noch einmal diese Passage hören, nur noch ein wenig lauter, vielleicht doch nochmal den gesamten Song? Ich kann nicht anders, als ehrfürchtig vor diesem Song auf die Knie zu sinken, denn das Kopfkino ist einfach zu groß, als das ich es mit irgendwelchen Kritiken auch nur ansatzweise unterbrechen möchte. So muss der perfekte DIMMU BORGIR Song klingen! Am Ende gibt es mit `Rite Of Passage` noch den instrumentalen Rausschmeißer, der atmosphärisch die Tür zu macht.

Insgesamt kommt die neue Scheibe sehr athmosphärisch rüber, man muss sich nur im Klaren darüber sein, daß es ein epischer Soundtrack, ohne Fokus auf Aggression oder Brutalität ist. Man kann der Band nun vorwerfen, alte Fans zu vergraulen, aber sie ziehen kompromisslos ihr Ding durch ohne darauf zu achten, ob man ihnen folgt oder sie hasst. Genau das macht den rebellischen Geist des Black Metal meiner Meinung nach auch aus, statt ausschließlich brutales Geballer oder schlechte Produktion. A propos Produktion: Jens Bogren hat hier ganze Arbeit geleistet, denn „Eonian“ drückt sich wuchtig aus den Boxen. Besonders die Symbiose aus Metal und Orchester ist hier sehr gut ausbalanciert worden., auch wenn Dynamik statt Aggression regiert. Sehr zu empfehlen ist die Mailorder Edition von Nuclear Blast, denn die Box lässt das schöne Artwork nochmal sehr gut zur Geltung kommen und die Picture Vinyls sehen sehr edel aus.

Fazit: Entweder man liebt oder hasst „Eonian“, dazwischen gibt es nicht viel Platz. Wer mit einer gewissen Erwartungshaltung herangeht, wird von der fehlenden Aggression schwer enttäuscht sein. Wer sich einem diabolischen Soundtrack mit dichter Orchester Athmosphäre in den Hades reißen will, kommt an der Scheibe nur schwer vorbei. Man muss Geduld und Zeit mitbringen, aber sobald sich das Album auch nur einen Spalt geöffnet hat, betritt man eine Welt, aus der man längere Zeit nicht mehr rauskommen möchte. Nach vielen Durchläufen und einigen hart erarbeiteten Passagen komme ich zu dem Schluss, daß ich seit der „Enthrone Darkness Triumphant“ nicht mehr so intensiven Spaß mit DIMMU BORGIR hatte. Noch eine Passage aus den Songs rauskitzeln, noch etwas neu entdecken oder einen ganzen Song frenetisch abfeiern, hier bin ich nach vielen Jahren endlich wieder nach hause gekommen.

5 von 6 Punkten

Radu

REVIEW: REAPER´S REVENGE

Posted by Samir On April - 30 - 2018

rrKinder, wie die Zeit vergeht. Über drei Jahre ist es her, dass REAPER´S REVENGE ihr Debütalbum „Wall Of Fear And Darkness“ veröffentlicht haben (Review findet ihr hier). Natürlich waren die Amberger in den Jahren nicht untätig, sondern haben einige Auftritte gespielt, minimale Veränderungen im Line-Up hinnehmen müssen und ganz nebenbei mit „Virtual Impulse“ ein neues Album geschrieben, das im Februar das Licht der Welt erblickt hat.

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PAY PANDORA – 4 junge Musiker des Nordens rocken nach oben

Posted by Stefanie On April - 27 - 2018

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Heute fasse ich einmal wieder die Rubrik „Newcomer“ an. Hier stieß ich unlängst auf die Band PAY PANDORA aus dem hohen Norden. Pay Pandora setzen sich zusammen aus Chiara (Vocals) Marek (Bass) Thies (Guitar) und Tommy (Drums). Die vier Heider haben mich gleich abgeholt und das in erster Linie beim damalig ersten Hören auf YouTube des Songs `Good in Bad´ durch die Stimme von Chiara. 22 Jahre ist sie jung und mit einer Hammer Stimme gesegnet. Bei meinen Recherchen stolperte ich dann natürlich auch über ihren damaligen Auftritt bei „The Voice of Germany“. Schon dort sahnte sie vier Buzzer ab und glänzte im Team von von Samu Haber (Singer of Sunrise Avenue). Somit war für mich als Nordmensch klar, diese norddeutsche Rockband einmal näher unter die Lupe nehmen zu müssen.

Alle vier Bandmitglieder bewegen sich im Alter zwischen 21 und 24 Jahren. Gegründet wurde PAY PANDORA im Juli 2014 und mit ihrer EP `Rise´ ging es dann 2016 richtig gut ab. Ich muss gestehen, selbst wenn wir uns natürlich hier auf der Plattform des Metals bewegen, sind natürlich meine Wenigkeit aber auch andere Kollegen des Metal Impressions immer wieder auch für guten Rock / Hardrock zu haben. Hier bei PAY PANDORA ist es für mich auch eine Herzensangelegenheit zu sehen, da sind junge Leute, die Bock auf richtig guten Rock haben. Und sie leben diese Leidenschaft, sowohl sichtbar als auch hörbar. Ein Sound den man schnell inne hat und mag. Bei mir war es zumindest so, einmal gehört und „BAMM“ für gut befunden. Wie schon oben erwähnt finde ich den Song ´Good and the Bad´ sehr stark. Prägend im Vordergrund eine wunderschöne rauchig-rockende Stimme gepaart mit absolut gutem Gitarrensound. `Let´s play´ finde ich ebenfalls klassisch rockend. Alle Songs dieser Band kommen locker und leicht daher und haben für mich ein bisschen was von „Teenage Rock“ inne, während der Song `Rise´ mal so richtig schön grooved. Alles in allem erinnert mich diese Band stark an Paramore. Vielleicht geht es Euch ja ebenfalls so beim Reinhören.

2016 erhielten sie den Publikumspreis des Local Hereos Bandcontest als „Beste Newcomerband Deutschlands“. Hier wurde Chiara ebenfalls als „Beste Sängerin“ gekürt. Ich persönlich werde mir in Kürze PAY PANDORA noch einmal live anschauen. Wer diese Band ebenfalls live erleben möchte, hat in diesem Jahr noch einige Events zur Auswahl. Hier eine Übersicht:

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Abschließend ein schönes und vor allem passendes Zitat der Band:

„Wir sind jung, verrückt, voller Energie und haben Bock die Bühnen dieser Welt zu rocken!“

Aus Sicht des Metal Impressions Magazines hat diese Band – gerade auch durch die Stimme von Chiara – Potential, um weiter oben mitspielen zu können. Wir drücken hierzu die Daumen und behalten PAY PANDORA im Fokus !

/Stefanie

Photo Credits by Dirk Jacobs

CD-Review: LORDI

Posted by Radu On April - 23 - 2018

Ich hatte die groĂźe Ehre, die neue Platte “Sexorcism” von LORDI zu reviewen und habe dazu ein Video fĂĽr Euch vorbereitet.

Lordi – Sexorcism
10/10
Paola

Review: Haters Paradise

Posted by Radu On April - 6 - 2018

haters paradise1

Die Thrash-Death-Metal-Core-Band Haters Paradise aus Neresheim, gegrĂĽndet 2012, hat uns ihre neue CD zum Reinhören zugesandt. Was soll ich sagen? Mein Nacken hat es mir gedankt. Diese CD verleitet zum Headbangen. Read the rest of this entry »

REVIEW: ELVELLON

Posted by Radu On März - 28 - 2018

UNTIL DAWN

Cover-web„Von nun an nenne ich nichts mehr schön, es sei denn ihr Geschenk an mich.“ Jenes Zitat aus „Herr der Ringe“ traf auf mich in den 90ern zu, als ich erstmalig Bands wie Theatre of Tragedy und Nightwish für mich entdeckt hatte. Die Kombination aus Anmut und Bombast hatte mich schnell eingenommen; Frauenstimmen trugen epische Songs durch meine Hirnwindungen, während sägende Gitarren meine Mähne kreisen ließen. Mit den Jahren kamen viele Bands und gründeten Female Fronted – und Symphonic Metal. Die Landschaft wurde überflutet von unzähligen Nightwish Kopien, so daß ich mein Interesse verlor. Zusätzlich entwickelte sich, ähnlich wie das Verhältnis zwischen Elben und Zwergen, mein Musikgeschmack in andere Richtungen. Ich lotete die Extremvarianten des Metals aus und hatte nur noch wenig mit melodischen und epischen Songs zu tun. Spätestens seit Tarjas Rausschmiss aus Nightwish war das Thema für mich tot und begraben. Kann mir mal jemand erklären, warum ich mich dann ausgerechnet jetzt wieder in ein totes Genre neu verliebt habe?

Nachdem das Intro auf etwas Großes vorbereitet hat, trifft mich `Oraculum` völlig unerwartet mit seiner epischen Atmosphäre und durchbricht meine Kitscherwartungen mühelos. Vor mir breiten sich sphärische Synthesizer aus, umgeben von kraftvollen Riffs und einer charismatischen Stimme. Gelegentlich rollt das Doublebassgewitter heran und lässt meine aggressive Seite glücklich grinsen. `There´s a morning to create` schallt es aus meinen Boxen, während ich ehrfurchtsvoll meine Gänsehaut zu `Silence From The Deep` bestaune. Endlich eine Traumwelt, aus der ich nicht mehr raus will. Warum auch, denn mein verloren geglaubtes Kind bestaunt noch die liebevollen Songstrukturen, und freut sich bereits auf die Wiederholung des Gitarrensolos. Allerdings werde ich wieder aus dieser Welt herausgerissen, denn `The Puppeteer` schlängelt sich aggressiv durch meine Hirnwindungen. Nach einer abwechslungsreichen Runde in meiner mentalen Moshpit, geht’s mit `Fallen Into A Dream` gemütlich weiter, ehe `King Of Thieves` unterstreicht, daß sich EVELLON auch für kleine Experimente (hier im orientalischen Bereich) nicht zu schade sind.

Spätestens bei `Until Dawn` gibt es kein Halten mehr, und ich wiederhole meinen Schwur aus den 90ern bei ELVELLON; hier gibt es aber auch einfach alles (wirklich alles!) was mich an diesem Genre jemals begeistert hat auf 6 magischen Minuten zelebriert. Nicht unerwähnt sollte auch das balladeske `Shore To Aeon` sein, das zusätzlich mit Akustikgitarren und Flöte aufwartet. `Born From Hope`ist die beste Beschreibung für diesen Song, denn hier wird spätestens meine Hoffnung auf die Wiedergeburt des Symphonic Metals wiedergeboren, ehe `Dreamcatcher` sich unbeschwert durch meine (gefühlte 10.) mentale Moshpit durchgräbt.

Unfassbar, wie viel man in einem Debütalbum richtig machen kann; auch wenn der Vergleich zu Nightwish unumgänglich ist, so setzt man die Stimme nicht in die Mitte der Songs, sondern lässt jedes Instrument frei atmen. Das Zusammenspiel ist optimal, die Atmosphäre intensiv und die Produktion wuchtig. Die Songs zünden beim ersten Durchlauf und lassen auch beim 20. immer Neues entdecken. „Until Dawn“ atmet zu jeder Sekunde das Herzblut einer jungen Band, die epischen Metal nicht spielt, sondern lebt! Entfesselter Bombast inklusive ausbalancierter Härte und und Melodik beleben ein Genre wieder, das ich für mich längst tot und begraben glaubte. Uneingeschränkter Pflichtkauf!

6/6 Punkten
Radu