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Archive for the ‘CD-Reviews’ Category

THE HU „THE GEREG“

Posted by Ulli On Oktober - 4 - 2019

1000x1000THE HU „The Gereg“ Wer meint, im Rockbereich schon alles gehört zu haben, muss dieser Tage eines besseren belehrt werden. Mit ihrem DebĂŒtalbum „Gereg“ liefern THE HU der Szene neue Visionen und bisher ungehörte akustische Reize.

THE HU stammen aus Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, und verbinden auf einzigartige Weise traditionelle mongolische Musik mit Melodik und Rhythmik westlicher Rockmusik. Ihren Stil bezeichnen die vier studierten Musiker Gala, Jaya, Temka und Enkush als Hunnu-Rock und setzen dabei auf Elemente traditioneller mongolischer Musik wie die Pferdekopfgeige und mongolische Gitarre. Archaisch klingt der typische Untertongesang in westlichen Ohren, der sich vom Klang am besten mit der Anmutung eines Didgeridoos vergleichen lÀsst.

Diese einmalige Klanglandschaft wurde fĂŒr die beiden als Videos veröffentlichten Songs ‚Yuve Yuve Ye’ und ‚Wolf Totem‘ in bildgewaltiges Material verpackt und erfuhr unerwartet hohes mediales Interesse und internationale Begeisterung. Mit ĂŒber 30 Millionen Klicks auf YouTube weltweit, ersten Einladungen auf europĂ€ische und amerikanische Festivals im RĂŒcken, wurde das DebĂŒtalbum „Gereg“ nun veröffentlicht und nimmt den Hörer mit auf eine Klangreise auf die andere Seite der Nordhalbkugel.

Die Texte der neun Songs sind allesamt in Landessprache verfasst, was auf der einen Seite sĂ€mtliche Versuche mitzusingen direkt zunichte macht, andererseits die Konzentration des Gehörs auf die archaisch getragenen bis zum Teil blues-rockigen Parts der Songs bĂŒndelt. Die Rhythmik des Gesangs paart sich zum Teil mit Melodien, die zuerst monoton erscheinen, aber dann eine Dynamik entwickeln, die bei ‚The Legend Of Mother Swan’ an schamanistische Beschwörungsrituale erinnern. Auch bei ‚The Same‘ lĂ€sst ein ausgeklĂŒgelter Spannungsbogen die Lowtempo-Nummer nicht in keinem Moment langweilig erscheinen. Der Titelsong ‚The Gereg‘ nimmt den Hörer im gemĂ€ĂŸigten Galopp mit ĂŒber die weiten Steppen der Mongolei – war doch der Gereg nichts Geringeres, als ein metallischer AnhĂ€nger, der schon in Zeiten Dschingis Khans als eine Art diplomatischer Reisepass anzusehen war.

‚The Gereg‘ von THE HU ist kein Rockalbum im klassischen Sinn, und das darf auch nicht erwartet werden, vielmehr erfordert es, dass man die Musik nicht konsumieren will, sondern gewillt ist, sich mit ihr treiben zu lassen. Am besten mit guten Kopfhörern auf der Couch, die FĂŒĂŸe vor sich und die Augen geschlossen. So kann die Musik wirken und die Phantasie dazu beflĂŒgeln, das innere Auge auf einen andĂ€chtig-stolzen Ritt ĂŒber die rauhen Weiten der mongolischen Steppe zu nehmen.

7,5 / 10 Punkten

Ulli

Northern Silence LABELPORTRAIT

Posted by Radu On Juni - 14 - 2019

Northern Silence Banner

Metalheadz des Ă€lteren Semesters kennen noch die Zeiten, in denen es kein Internet, YouTube und Social Media gab. EMP und NUCLEAR BLAST waren unsere Bibel, bei denen man regelmĂ€ĂŸig seine Sammlung aufstockte. Fans des erlesenen Black Metals erfreuen sich seit 2003 an dem Label NORTHERN SILENCE, das neben einem extrem abwechslungsreichem Angebot (von rĂ€udig, bis symphonisch sind alle Black Metal Arten vertreten) auch noch den alten Spirit lebt: mit Herzblut prĂ€sentierte Bands, teilweise limitierte SammlerstĂŒcke und ein schöner Mix aus Vinyl, CD und Shirts. Wir sprachen mit dem Chef Torsten ĂŒber sein langjĂ€hriges Soloprojekt, Sammelleidenschaft und einigen Bands.

Hallo Torsten und erstmal vielen Dank fĂŒr deine Zeit! Bitte stell den Leuten, die Northern Silence noch nicht kennen, kurz vor.

Das Label wurde 2003 von mir gegrĂŒndet und wird seitdem als „Soloprojekt“ betrieben. Die ersten beiden Releases waren ein exklusives NĂ„strond Shirt und Endstille’s «FrĂŒhlingserwachen» Album auf Vinyl in 2003. Danach ging es stetig bergauf, mit etwa 10-15 Neuveröffentlichungen pro Jahr. Zu den nennenswertesten Releases der Anfangsjahre gehören u.a. Katatonia’s „Brave Murder Day“ Album auf Vinyl sowie die Debut-Veröffentlichungen von Amesoeurs, Fen und Nasheim.

ErzĂ€hl uns bitte noch etwas ĂŒber die Entstehungsgeschichte; wie kam es zur GrĂŒndung und wie hat sich alles entwickelt?

Ich war seit Mitte der 1990er Jahre Vinylsammler und hatte durch viel Tauscherei und SchnĂ€ppchenjagd auf eBay und anderswo eine beachtliche Menge an Black Metal TontrĂ€gern gesammelt, die ich zum Teil doppelt besaß und wieder verkaufen oder tauschen konnte. Als Sammler ist man ja darauf bedacht, RaritĂ€ten im bestmöglichen Zustand zu ergattern, und nicht ganz so schöne Exemplare wieder loszuwerden. So hatte sich im Verlauf einiger Jahre ein kleiner Mailorder entwickelt, der vor allem als Anlaufstelle fĂŒr Sammler von Black Metal RaritĂ€ten galt. Dadurch, dass ich Gewinne immer wieder in neue EinkĂ€ufe steckte, wuchsen sowohl Bestand als auch Kundenstamm immer weiter. 2003 fasste ich schließlich den Entschluss, kĂŒnftig mein eigener Chef zu sein und schlug den Weg in die SelbstĂ€ndigkeit ein.

katatonia-danceBei dem Namen Northern Silence musste ich direkt an die Katatonia EP „Jhva Elohim Meth“ und den Song `The Northern Silence` denken. War das der Grund fĂŒr die Namensgebung? Schließlich passt es von der AtmopshĂ€re und den Bands sehr gut (extrem vielschichtiger Black Metal mit tonnenweisen melodischen EinflĂŒssen).

Das war tatsĂ€chlich der Grund. Katatonia waren Mitte der 90er meine absolute Lieblingsband, und „Dance of December Souls“ ist nach wie vor fĂŒr mich das beste Album aller Zeiten. Wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, hat „Northern Silence“ noch eine weitere signifikante Bedeutung fĂŒr mein Leben, auf die ich hier jedoch nicht nĂ€her eingehe, weil sie nichts mit Musik zu tun hat.

Ihr habt eine eine große Palette von Bands, die sich unterschiedlichen Subgenres des Black Metal verschrieben haben. Wie kommt der Kontakt zustande? Klopfen die Bands bei euch mit den Demos an?

Entweder schicken die Bands ihr Material, oder ich frage an, wenn mir ihre Musik gefÀllt. Das lÀuft sicher bei den meisten Labels nach diesem Schema ab.

Es gibt meiner Meinung nach keine einzige Veröffentlichung, die nicht mit jedem Tropfen Herzblut gefĂŒllt ist. Sei es bei den Shirts, den limitierten Digipacks oder den extrem schön aufgemachten Schallplatten!

Soweit ich Einfluss darauf nehmen kann, versuche ich, die Releases auch optisch aufzuwerten. Ich habe erst im Laufe der Zeit erkannt, wie extrem wichtig gute Cover Artworks fĂŒr den Erfolg einer Veröffentlichung sind. In den letzten Jahren habe ich deshalb auch angefangen, ab und zu ein Veto einzulegen, und Releases optisch teilweise komplett umzukrĂ€mpeln. Ein Beispiel wĂ€re das ziemlich hochkarĂ€tige Debutalbum von Malist, das nach RĂŒcksprache mit dem KĂŒnstler ein neues Logo, ein neues Artwork und einen neuen Albumtitel verpasst bekam. Auch die unglaublich geile EP von Haimad, fĂŒr mich persönlich die beste VÖ 2019, musste ich mit anderem Artwork veröffentlichen, als die Band ursprĂŒnglich vor hatte, um der genialen Tonkunst gerecht zu werden. Der Erfolg bestĂ€tigte diese Entscheidungen und hat mich darin bestĂ€rkt, noch mehr auf meine Intuition zu hören.

Auch unabhĂ€ngig vom Erscheinungsbild halte ich eine hochwertige Verpackung und mithin eine strenge Limitierung fĂŒr wichtig, speziell in einer Zeit, wo mehr und mehr Musik digital verkauft wird. Ein Sammler sollte immer etwas Wertiges fĂŒr seine hart verdiente Kohle bekommen, das idealerweise im Laufe der Jahre an Sammlerwert gewinnt, und einem nicht irgendwann an jeder Ecke fĂŒr Dumpingpreise hinterhergeworfen wird.

Der Vertrieb lĂ€uft sowohl physisch (CD und Vinyl), als auch digital ĂŒber Bandcamp. Was bevorzugst du als Musikliebhaber persönlich eher?

Ganz klar physische Releases. Aus Sicht eines Sammlers natĂŒrlich Vinyl, aus Sicht des Pragmatikers, der ich im Laufe der Zeit geworden bin, CDs. Northern Silence hat deshalb auch erst im Oktober 2018 eine eigene Bandcamp-Seite bekommen, Jahre spĂ€ter als die meisten anderen Labels.

Lass uns einen Blick auf einige KĂŒnstler werfen: ELDAMAR liefern mit „A Dark Forgotten Past“ eine sehr atmosphĂ€risches Album ab, das zwar im Black Metal verwurzelt ist, sich durch seine Innovation allerdings vom reinen aggressiven GeknĂŒppel abhebt. Wie empfindest du das Album und was hast du gedacht, als du es das erste Mal gehört hast?

Ich dachte, es klingt wie das Debut, haha. Im Ernst, viele Fans hatten mit einer Weiterentwicklung gerechnet, aber der KĂŒnstler zog es vor, den Stil, der sein Projekt so beliebt gemacht hat, einfach noch etwas zu verfeinern. Eldamar war definitiv eine Überraschung, was den Erfolg angeht. Zumindest in dem Ausmaß war ich davon absolut positiv ĂŒberrascht.

Ich weiß noch, als ich damals aus dem Bauch heraus die „Aura“ von SAOR bestellt habe und mich der Mix aus Highland Feeling, Raserei und AtmosphĂ€re (Flöte, Dudelsack, Frauenstimme; hier war einfach alles dabei) an die Wand getackert hatte. Leider ist Andy Marshall nicht mehr bei euch an Bord. Wie war die Kooperation mit ihm und könnte es zu einer weiteren Zusammenarbeit kommen?

Die Kooperation lief im Grunde ausgezeichnet. Leider kam es im Zuge zweier Veröffentlichungen zu Verzögerungen und Problemen im Presswerk, auf die ich keinen Einfluss hatte. FĂŒr Andy, der es nicht gewohnt ist, dass es mit Presswerken eigentlich stĂ€ndig Probleme gibt, war das vielleicht einer der Punkte, die zum Fortgang fĂŒhrten. Avantgarde ist jedoch ein großartiges Label und Andy weiß genau, was er tun muss, um den Erfolg seiner Band weiter zu vergrĂ¶ĂŸern. Von daher hat er sicherlich die richtige Entscheidung getroffen. Ich verstehe das vollkommen und bin dankbar dafĂŒr, dass ich drei seiner Alben veröffentlichen durfte.

EMYN MUIL klang fĂŒr mich mit „TĂșrin Turambar Dagnir Glaurunga“ im ersten Augenblick wie eine billige Summoning Kopie. Nach einigen DurchlĂ€ufen dieser gefĂŒhlten 100. Tolkien Band packte mich allerdings der Charme von den StĂŒcken und irgendwann hatte ich mir das Album schön gehört, das es immer noch ein Geheimtipp fĂŒr mich ist. Wie empfindest du das Album heute?

Es ist ein Stil, der inzwischen viele Atmospheric Black Metal Fans anspricht. Nicht umsonst entstanden nach der Veröffentlichung von Caladan Brood’s „Echoes of Battle“ so viele Bands mit Summoning-Einfluss. Die Österreicher haben zweifellos eine eigene Nische geschaffen, und fĂŒr mich gehört Emyn Muil zu den Bands, die am ehesten das Potential haben, in die Fußstapfen von Summoning zu treten.

Ein Ă€hnliches Schönhören hatte ich auch bei ERED WETHRIN mit „Tides Of War“. Irgendwie fehlte mir das die eigene IdentitĂ€t, obwohl die Melodien packten und die Summoning Wurzeln unverkennbar waren. Wie kam es damals zur Zusammenarbeit?

Zur Zusammenarbeit kam es infolge der Caladan Brood Veröffentlichung. Die IdentitĂ€ten von Shield Anvil und Mortal Sword sind inzwischen wohl ein offenes Geheimnis. Am direkten Vergleich zwischen Caladan Brood, Gallowbraid und Ered Wethrin erkennt man jedoch, wem von beiden ein Übermaß an songwriterischem Können in die Wiege gelegt wurde, und wer es sich erarbeiten muss.

Caladan BroodCALADAN BROOD spielten sich bereits mit den ersten Tönen von „Echoes of Battle“ direkt in mein Herz. Unfassbar, was diese Truppe mit ihrem DebĂŒt abgeliefert hatte; Summoning haben Jahre gebraucht, um derart atmosphĂ€risch zu klingen, was Caladan Brood mal eben so gelingt. Auch die Vinyl Version ist einfach zum Niederknien und es fĂ€llt mir schwer, jetzt nicht erneut in JubelgesĂ€nge auszubrechen. Wie kam es zur Zusammenarbeit, wird es noch Nachschub geben und falls ja ab wann? Gab es viele positive Reaktionen auf diese Scheibe?

Da ich bereits durch Gallowbraid mit Jake Rogers, neben Steven Smith von Ered Wethrin dem Genie hinter Caladan Brood, zusammenarbeitete, und ich außerdem seit „Minas Morgul“-Zeiten großer Summoning-Fan bin, musste ich nicht lange ĂŒberlegen, als Jake mir von Caladan Brood erzĂ€hlte, und nahm die Band sofort unter Vertrag. Interessanterweise hatte ich auch die bis dahin erschienenen BĂ€nde von Steven Erikson’s „Malazan Book of the Fallen“ allesamt verschlungen, so dass ich auch inhaltlich bestens mit dem Konzept der Band vertraut war.

Ob da irgendwann noch ein weiteres Album erscheint, steht leider in den Sternen. Steven wĂŒrde vermutlich gern noch eins veröffentlichen, aber ohne Jake wĂ€re es nicht Caladan Brood. Bis es vielleicht irgendwann soweit ist, mĂŒssen sich die Fans jedenfalls mit „Echoes of Battle“ begnĂŒgen. FĂŒr mich persönlich ist es DAS Epic Black Metal Album schlechthin, an dem sich alle anderen Bands messen mĂŒssen. Die positiven Reaktionen darauf waren und sind ĂŒberwĂ€ltigend, und das Album ist auch die bei weitem erfolgreichste Northern Silence Veröffentlichung.

Ich weiß noch, als ich DÄMMERFARBEN mit „Im Abendrot“ zum ersten Mal aufgelegt hatte. Eine romantische Antwort auf Empyrium, allerdings ohne nur kopieren zu wollen. Gibt es die Band ĂŒberhaupt noch?

Habe schon lange nichts mehr von ihnen gehört.

Ich hatte das GlĂŒck einmal die Jungs von HERETOIR live zu treffen, als sie mit Alcest in Oberhausen gespielt haben. Soweit ich weiß, ist die Band immer noch bei euch an Bord. Wie lĂ€uft es bei euch und wie kam es eigentlich zur langjĂ€hrigen Zusammenarbeit?

Heretoir wurde gesignt, als es noch ein Soloprojekt von David war. Inzwischen hat sich Heretoir zu einer vollwertigen und musikalisch wie konzeptionell herausragenden Band entwickelt, was mit „The Circle“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde. Es steht noch ein weiteres Album aus, das bereits in Arbeit ist, dann ist der Vertrag mit Northern Silence erfĂŒllt und ich gehe stark davon aus, dass die Band im Anschluss bei einem grĂ¶ĂŸeren Label unterschreiben wird – vielleicht Prophecy Productions, wo sie vom Stil her gut passen wĂŒrden.

MÖRKER haben mich damals mit ihren packenden Riffs sofort in den Bann gezogen. Ich glaube, daß es auch damals fĂŒr mich eine weitere BestĂ€tigung war, dass ich mit den Bands von Northern Silence generell sehr gut klar kam und fast jeder Kauf ein Volltreffer war. GibtÂŽs die Band eigentlich noch?

Auch von Mörker habe ich schon lange nichts mehr gehört. Das letzte Lebenszeichen war vor einigen Jahren eine Anfrage, ob ich eine 7“ mit neuem Material veröffentlichen wĂŒrde, wozu es aber augenscheinlich nie kam. Ich nehme an, dass die Band in ihrer damaligen Form nicht mehr existiert.

Einen weiteren Kniefall vor meiner Anlage können GALLOWBRAID bei mir verzeichnen, wo „Ashen Eidolon“ endlich wieder veröffentlicht wurde (sogar auf Vinyl). DafĂŒr erstmal ein fettes DANKE, da ist ein Traum fĂŒr mich in ErfĂŒllung gegangen (inklusive geilem Longsleeve). ErzĂ€hl uns bitte darĂŒber, wie die Veröffentlichung zustande gekommen ist.

Wie vorher schon angedeutet, halte ich Jake Rogers, der sowohl Gallowbraid als auch Caladan Brood zu dem gemacht hat, was sie sind, fĂŒr einen begnadeten und absolut herausragenden KĂŒnstler. Das war mir sofort bewusst, als ich seinerzeit die Demosongs von Gallowbraid auf Myspace hörte, weshalb ich ihn auch ohne zu zögern unter Vertrag nahm. Der einzige Nachteil ist, dass es Jake völlig egal zu sein scheint, wie gut seine Werke ankommen, und er sich von Erfolg nicht im Geringsten beeinflussen lĂ€sst. Das spricht einmal mehr auch fĂŒr seine Persönlichkeit, jedoch zum Leidwesen aller Fans, die seit Jahren auf neues Material von Gallowbraid oder Caladan Brood warten. Im Moment scheint jedenfalls seine Heavy Metal Band Visigoth die unangefochtene Nr.1 zu sein, in die er am meisten Zeit investiert. DarĂŒber hinaus ist er aber in anderen Bands aktiv und schreibt auch ab und zu neues Material fĂŒr Soloprojekte. Eines davon ist Tower Wraith, ein traditionelles Black Metal Projekt im Stile der 90er. Das Debut ist bereits unter Dach und Fach, stilistisch natĂŒrlich wie geschaffen fĂŒr Northern Silence, und erscheint voraussichtlich irgendwann in den nĂ€chsten 10 Jahren ;)

Erebos, Ruadh, Haimad, die Liste der letzten Neuveröffentlichungen ist lang und ich entdecke immer noch Neues auf diesen Scheiben. Auch die Tatsache, dass es sich um limitierten Digipacks handelt lÀsst bei mit die unbezÀhmbare Sammelwut nicht stillstehen. Was lÀuft eigentlich besser, Bandcamp/digital oder physische Alben?

Mein Fokus liegt weiterhin auf physischen Releases. Downloads sind Zusatz und einfach der gegenwĂ€rtigen Entwicklung geschuldet. NatĂŒrlich gehen die Verkaufszahlen von CDs immer mehr zurĂŒck, was neben dem extremen Überangebot vielleicht auch ein wenig durch den Vinylboom der letzten Jahre verursacht wurde, aber da werden einfach die Limitierungen entsprechend verringert, damit kein Überangebot entsteht. Als Sammler macht man beim Kauf der neueren Northern Silence Releases bestimmt nichts falsch, egal ob CDs oder Vinyl, und als Fan hoffentlich auch nicht.

Caladan Brood vinylIch habe generell das GefĂŒhl, das Northern Silence sich noch in den 90ern befindet, wo man Alben unbekannter Bands noch nach Cover, wenigen Worten Promotext oder BauchgefĂŒhl kauft, ohne großartig Reviews lesen zu mĂŒssen oder bei YouTube reinhört (was mir sehr gut gefĂ€llt). Ist es das, was du auch mit dem Vertrieb der Musik erreichen möchtest?

Ich lege nicht viel Wert auf Reviews, weil sie immer nur die subjektive Meinung eines Einzelnen widerspiegeln. Das Caladan Brood Album z.B. landete seinerzeit auf dem drittletzten Platz im Soundcheck des Rock Hard. Wieso soll man da als Fan nicht lieber Youtube nutzen, um sich selbst ein Urteil zu bilden, anstatt Reviews von Leuten zu lesen, die vielleicht einen ganz anderen Geschmack haben? Das ist aber auch eine Frage der Persönlichkeit. Mich tangieren andere Meinungen kaum, wenn es um subjektive Dinge wie Musikgeschmack geht. Dennoch ist mir klar, dass der Mensch ein Herdentier ist, und viele Fans von der Meinung anderer beeinflusst werden. Von daher freue ich mich ĂŒber positive Reviews von Northern Silence Releases, betreibe aber keine exzessive Promo in dieser Richtung. Von den etwa 300 EmpfĂ€ngern in der Promoliste verfassen am Ende vielleicht 10 ein Review. Ich frage bei den anderen 290 nicht nach, ob sie das nicht auch tun möchten. Wer nicht will, der hat schon.

Wie lĂ€uft es eigentlich mit der Website? Du hattest einen Aufruf gestartet, dass die Website neu gestaltet werden sollte, nachdem eine ursprĂŒngliche Zusammenarbeit nicht geklappt hat. Wie ist der aktuelle Stand und gibt es weitere PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft?

Es ging dabei um den Online-Shop, der mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Die Anzahl an Bestellungen und der damit verbundene Arbeitsaufwand haben mittlerweile Dimensionen angenommen, wo ich als EinzelkĂ€mpfer jedes Mal in arge BedrĂ€ngnis komme, wenn einige hochkarĂ€tige Veröffentlichungen anstehen. 2019 herrschte von Januar bis Mai fast durchweg Ausnahmezustand, und das ist auf Dauer nicht gesund. Ein moderner Webstore wird mir durch Automatisierung sehr viel Arbeit abnehmen, und meinen Kunden ein angenehmeres Einkaufserlebnis bescheren. Der neue Shop ist inzwischen in Arbeit und wird voraussichtlich im August online gehen. Mehr Infos gibt’s zu gegebener Zeit auf Facebook und via Newsletter.

Was denkst du eigentlich ĂŒber die Entwicklung von KATATONIA? Ich gehe zumindest mal stark davon aus, dass du auch ein Fan bist; hörst du sie immer noch, obwohl sie den atmosphĂ€rischen Black Metal abgestreift haben und sich eher der progressiven Schiene verschrieben haben? (Meiner Meinung ist das „Dance of December Souls Album“ eines der genialsten Alben, das je auf die Menschheit losgelassen wurde. Falls du Bock auf ein Katatonia Special hast, gönn es dir hier.)

Ich liebe die ersten drei Veröffentlichungen ĂŒber Alles. Von „Brave Murder Day“ war ich seinerzeit so enttĂ€uscht, dass ich die „Autumn Wilderness“ Tour, die Katatonia damals mit In The Woods spielten, boykottieren musste – eine Sache, die ich noch heute sehr bereue. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mit dem Album warm geworden bin. Inzwischen mag ich es ganz gern. Dennoch ist es fĂŒr mich meilenweit von den vorherigen Meisterwerken entfernt. An die spĂ€teren Releases ab „Discouraged Ones“ bin ich erst nach der Jahrtausendwende herangekommen, und alles, was nach „Viva Emptiness“ erschien, gibt mir einfach gar nichts mehr. Zum GlĂŒck haben sie in den 90ern ihr Logo geĂ€ndert.

Dead LimbsFrĂŒher kamen die Black Metal Bands ĂŒberwiegend aus Norwegen, Skandinavien und aus Schweden. Mittlerweile gibt es viele geniale Bands aus Amerika. Wie siehst du diese Entwicklung?

NatĂŒrlich gab es auch damals schon zahlreiche gute Black Metal Bands in anderen LĂ€ndern, aber Skandinavien war schon aufgrund der Masse an hochkarĂ€tigen Bands eine Macht. Viele andere LĂ€nder haben lĂ€ngst aufgeholt, nicht zuletzt durch die Möglichkeiten der modernen Aufnahmetechnik, wo KĂŒnstler praktisch alles selbst machen können, und der Verbreitung ĂŒber das Internet. Es gibt mittlerweile fast ĂŒberall gute und großartige Bands. Am meisten umgehauen hat mich seinerzeit „Spiritus/Sulphur“ von Dead Limbs, drei 17-jĂ€hrigen Teenagern aus Brasilien, die auf dem Album einen ultragenialen Black Metal zelebrieren, den ich eher aus Schweden oder Polen erwartet hĂ€tte. Ich habe gelernt, die Herkunft völlig außer Acht zu lassen, und einfach nur die Musik auf mich wirken zu lassen. Dennoch werden Norwegen und Schweden fĂŒr mich immer die Wiege des Black Metals sein, den ich am meisten schĂ€tze. Nicht umsonst nehme ich gern Bands unter Vertrag, die den Geist der damaligen Zeit in sich tragen, seien es „alte Hasen“ wie Haimad, oder Newcomer wie NornĂ­r oder Malist.

Vielen Dank fĂŒr deine Zeit und das Interview! Noch einige abschließende Worte an unsere Leser?

Ich bedanke mich fĂŒr die Möglichkeit, einen Einblick in das Schaffen von Northern Silence geben zu können, und dass ich den Lesern einige der Bands nahebringen durfte. Northern Silence wird bis auf weiteres als Soloprojekt im Untergrund tĂ€tig sein und hoffentlich ab und zu mit aus der Masse herausragenden Releases auf sich aufmerksam machen. Bei dieser Gelegenheit noch ein kleiner Tipp fĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte – das Debutalbum von Arctos aus Kanada. Genialer, melodischer Black/Death Metal, der auch zu Schweden’s Glanzzeiten hĂ€tte entstanden sein können. Unbedingt anchecken! Infos und Hörproben gibts bald.

Wer auch nur ansatzweise etwas mit Black metal anfangen kann, sollte unbedingt einen Blick auf die Homepage von NORTHERN SILENCE werfen. ACHTUNG: nach dem Betreten und den ersten Hörproben besteht (besonders fĂŒr Sammler physischer TontrĂ€ger und Shirts) schnell Suchtgefahr! Wir haben euch gewarnt…

In diesem Sinne: viel Spaß beim Stöbern und support Northern Silence!

Radu

LUNATIC INVASION

Posted by Radu On Dezember - 5 - 2018

Party San- mein persönliches Stammfestival, das ich jedes Jahr mitnehme. Gute Musik, nette Leute, massig Merchandise und Bier; was braucht ein Festival mehr? Dieses Jahr wollte mein Kumpel zum ersten Mal mitfahren. „Warte ab, ich habe eine fette Überraschung fĂŒr dich“ meinte er schon Monate imVoraus. Danach kam das Übliche: Arbeit ĂŒberstehen, Shirts fĂŒrs Festival raus suchen und Geld fĂŒr neue Shirts/Platten und Bier ansparen. Dann war es endlich soweit und ich holte meinen Kumpel bei bestem Festivalwetter (Dauerregen mit Sturmböen) in Dortmund ab. Grinsend drĂŒckte er mir vier CDÂŽs voll mit MP 3ÂŽs in die Hand. Wir waren noch keine 100 Meter von seiner Wohnung entfernt, da rollte bereits die erste GĂ€nsehautwand ĂŒber uns hinweg. „Echt jetzt? Den Song habe ich ja seit Ewigkeiten nicht mehr gehört!“. Mein Kumpel hatte mal eben von sĂ€mtlichen coolen Bands die eher unbekannten Songs rausgesucht und gebrannt. Alles Songs von Bands, deren Alben wir in unserer Plattensammlung haben und die wir seit Jahren nicht mehr gehört haben. Die vier Stunden Autofahrt sind wie im Flug vergangen und sogar der Wettergott schien von den alten SchĂ€tzen angetan, denn wir erreichten das Festival unter strahlendem Sonnenschein und mit bester Laune. Diese Aktion hatte 2 Konsequenzen: zum einen ist mein Kumpel fĂŒr mich die fleischgewordenen Reinkarnation von Dan Swanö in Sachen Samplerbauen geworden. Zum zweiten kam die Idee auf, einige alte SchĂ€tzchen hier vorzustellen, die nur kurz auf der BildschirmflĂ€che waren oder deren Großtaten sonst in Vergessenheit geraten. Vorhang auf fĂŒr die neue Rubrik: Blast from The Past!

Lunatic Invasion

LUNATIC INVASION

An einem kalten Novembermorgen trudelte eine Nuclear Blast Bestellung ein. In den 90ern bestellte man noch nach Cover oder Kurzbeschreibung. Nuclear Blast hatte damals die coole Angewohnheit, bei jeder Bestellung einen Sampler rein zupacken, auf dem einige Bands vorgestellt wurden. Auf einem davon war der Song „Asche zu Asche“ von LUNATIC INVASION. Knackiges Riffing, Black Metal Vocals und tragende Synthesizersounds rannten bei mir damals offene TĂŒren ein: wenn die ganze Platte so ist, muss ich die definitiv haben! Schon mal vorweg: sie ist es nicht. Als ich das Album in den Player schob, baute sich unheilvoll der Titeltrack „Totentanz“ auf. Ein Album nach dem Intro zu benennen ist mutig, aber nichts im Vergleich, was dann in Form von `Haut` aus den Boxen brach: brutales Grind GeknĂŒpppel mit Death Metal lastigem Groove und dem perversesten (deutschen) Text, den ich bis damals gehört habe. Krank, brutal und richtig geil! Allein fĂŒr den Song, liebe ich die Band und er hat auch heute noch die unbezĂ€hmbare Durchschlagskraft. `Sturm` kĂŒndigte als InstrumentalstĂŒck das auf dem Sampler geliebte StĂŒck `Asche zu Asche` an und baute seine StĂ€rken sogar noch etwas weiter aus. `Fallen Angel` brachte das KunststĂŒck fertig, Death Metal eine melancholische Note zu verpassen. Generell hatten es die Jungs einfach drauf, viele Elemente gekonnt zu vereinen. Etwas Frauengesang hier, ein wenig Synthesizer dort, schon erkundete man im musikalischen Labyrinth sowohl Gothic, als auch Mittelalter- oder Metal KlĂ€nge. Es gab einige InstrumentalstĂŒcke, die die AtmosphĂ€re schön unterstrichen und die Songs aufgepeppt haben. Ein wenig Knochengeknirsche (`Gathering Of Bones`), ehe ÂŽDance Macabre` sich aus den Boxen prĂŒgelt, oder ein wenig Mittelalterflair (`Prozession`), um mit `The Haunted Palace`ein Kopfkino entstehen zu lassen, bei dem man irgendwo zwischen Mittelalter, Fantasy und Horrorgefilden gefangen ist. Auch wenn `Dark Prayers` und `Blut Gott` fĂŒr mich eher gutes Beiwerk waren, so rundet es doch die Scheibe ab.

„Totentanz“ ist zeitlos, vielfĂ€ltig und herrlich abwechslungsreich. Death Metal mit Mittelalter und Gothic geht nicht? LUNATIC INVASION haben gezeigt, wie es richtig gemacht wird. Leider haben sie sich irgendwann Ende der 90er aufgelöst. Dennoch haben sie mit ihrem Erbe ein Mahnmal hinterlassen, das auch noch viele Jahre spĂ€ter im Untergrund einen festen Bestand haben wird.

Radu

REVIEW: ABSENT/MINDED

Posted by Samir On November - 25 - 2018

ABSENT-MINDED-RaumRaum

ABSENT/MINDED begleiten mich bereits seit vielen Jahren und zĂ€hlen zu den produktivsten und zielstrebigsten Bands Frankens. Seit ihrer BandgrĂŒndung 2009 wurde der eigene Stil konsequent weiterentwickelt und dabei auch niemals Halt vor Genregrenzen gemacht. Das jĂŒngste Ergebnis dieser Evolution stellt nun „Raum“ dar, doch können die Bamberger an die QualitĂ€t der VorgĂ€nger anknĂŒpfen?

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REVIEW: DROWN MY DAY

Posted by Samir On November - 19 - 2018

DROWN_MY_DAY_-_The_Ghost_Tales_400

The Ghost Tales

DROWN MY DAY sind bereits seit 2006 unterwegs und liefern dennoch mit „The Ghost Tales“ erst ihr zweites Studioalbum ab. Ihr letztes Werk „Confessions“ (Review hier) konnte vor fĂŒnf Jahren Kritiker ĂŒberzeugen und schraubt die Erwartungen an ihren neusten Output hoch. Doch können die Jungs aus Krakau dem gerecht werden?

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REVIEW: DÉCEMBRE NOIR

Posted by Samir On November - 2 - 2018

decembrenoir

Autumn Kings

Die Tage werden kĂŒrzer, die Temperaturen sinken und es macht sich allerorts eine gewisse Melancholie breit. Die perfekte Zeit fĂŒr DÉCEMBRE NOIR, die bereits mit ihren vorherigen Alben hervorragende Kritiken einfahren konnten und nun mit „Autumn Kings“ zum nĂ€chsten großen Schlag ausholen. Wird dieses Album der passende Soundtrack zur kalten Jahreszeit?

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CD-REVIEW: HAMPEZ “WIE IM FLUG”

Posted by Stefanie On Oktober - 28 - 2018

HampezNicht immer muss es zwingend Metal sein beim Metal Impressions Magazine. Und so kam es vor einiger Zeit dazu, dass mir Rainier Di Signore HAMPEZ sein Solo-Album „Wie im Flug“ zusandte. Lange schob ich es ehrlich gesagt vor mich her -  dies jedoch aber aus gutem Grund. Ich versuchte den END OF GREEN-Stempel vom Rainer zu entfernen. Das war fĂŒr mich ein wirklich wichtiger Prozess, der da erst einmal stattfinden musste, um hier objektiv zu urteilen. FĂŒr mich war Rainer HAMPEZ bis dato immer END OF GREEN – und dies sehr viele Jahre lang. Um also hier fair und mit meinen grĂŒnen Augen nicht blauĂ€ugig drauf los zu schreiben, schob man den Tag der Rezension immer ein wenig weiter, dennoch nahm ich mir lange und viel Zeit, mich Tag fĂŒr Tag durch dieses Album zu wĂŒhlen.

Und was sollte ich letztendlich sagen? Ich hĂ€tte dieses Album eigentlich schon viel eher in die Finger bekommen mĂŒssen. Gehen wir ins Detail:

HAMPEZ – „Wie im Flug“

Ein Album, das in keinster Weise interessiert ist, in welchem Genre es daherkommt. Meines Erachtens ist es in keine Schublade zu stecken, was ja wiederum ein Album immer besonders macht. Im Vordergrund steht die Stimme HAMPEZ. Das Album zeugt bei allen Songs von einer Schlichtheit, ohne viel PiPaPo. Dadurch fokussiert man sich geradewegs auf die Vocalparts. Hat man doch Rainer HAMPEZ seit Jahren nur bildlich mit dem Bass in der Hand vor Augen, muss man nun erkennen, er hat uns jahrelang eine absolut klare wunderbare Stimme vorenthalten. Das hat mich persönlich vollkommen ĂŒberrascht, mich aber neugierig gemacht.

HAMPEZ kommt mit diesem Soloalbum komplett deutsch daher. Die Muttersprache dient als gut gewĂ€hlte Botschafterin der 17 Songs, die auf dieses Album gepackt wurden. Hier hat HAMPEZ sich ausgetobt, sein Leben noch einmal Revue passieren lassen, es mit seinen Augen heute rĂŒckblickend angeschaut. Jeder Song fĂŒr sich verarbeitet/bearbeitet einen Teil seines Seins, dies aber auch gepaart mit einem gesunden Blick hinaus in die Welt.

Euch erwartet hier kein knallendes fetzendes Album, welches mit einem dicken „BAMM“ aufschlĂ€gt und automatisch wahrgenommen wird. Diese Songs mĂŒssen entdeckt werden.

Als Anspieltipps meinerseits:

Zum einen wĂ€re da `VerlebtÂŽ. Ein schöner eingĂ€ngiger Sound, der von der ersten Minute ab an im Ohr bleibt. Textlich geht es um Jemanden, der durch vieles, was er gesehen, erlebt, getan hat, das Leben nicht erlebte oder lebte, sondern verlebte. Durch dieses Verleben ging das eigentliche Leben verloren. Sehr schön beschrieben und man erkennt doch einiges wieder, was in der schnellebigen heutigen Zeit passiert. Ebenfalls berĂŒhrt mich der Text, aber auch die Melodie von `SterndorfÂŽ. Es fĂ€ngt so schön minimalistisch mit der Akustikgitarre an und sofort erreicht dich wieder diese klare, tief ins Herz gehende Stimme. Wow! Automatisch schließt man die Augen und lĂ€sst sich mit auf die Reise ins Sterndorf nehmen.  Track 6 `Deine SchwĂ€chenÂŽ(feat Joschi) ist eine Nummer, die durch den Wechsel zwischen Screaming und Sprechgesang eine Art Battle zwischen Joschi B von UNDERTOW und HAMPEZ aufkommen lĂ€sst. Der Song nimmt dich mit raus, raus auf die Straße und zeigt, dass SchwĂ€che eigentlich StĂ€rke ist.

Fassen wir zusammen:

Mit „Wie im Flug“ wurden die 80er Jahre zum einen angefasst, aber auch Popmusik oder Elektromusik der heutigen Zeit, untermalt mit rappendem Sprechgesang und richtig gute und ehrliche Rockmusik. Die Scheibe kommt sehr gefĂŒhlvoll daher. Viele Songs ĂŒber Liebe, Herzschmerz,  SehnsĂŒchte oder aktuelle Geschehnisse auf dieser Welt – alles aus dem Blickwinkel von HAMPEZ. Hier wurde in 17 „nackten“ Songs, die absolut authentisch daherkommen und mich so manches Mal stellenweise an den lieben Udo Lindenberg erinnern, das verarbeitet, was – so empfinde ich es – einfach mal so raus musste und auf Papier geschrieben wurde. Das ist mit Sicherheit nicht negativ gemeint, sondern spiegelt eben wiederum diese Leichtigkeit von „Wie im Flug“ wieder. NatĂŒrlich ist END OF GREEN noch in diesen Liedern zu erkennen – saß doch auch Michelle Darkness an den Reglern. Ein Exkurs von Rainer Hampel – alias HAMPEZ, der SEINE Worte nunmehr hinaus in die Welt trug, dies auf einer kleinen Plastikscheibe, ummantelt mit sehr gutem Sound und einfach gehört werden muss ! Eine Scheibe, die auch vor keiner Altersklasse Halt macht. So landete sie doch ebenfalls im CD-Player meines 15jĂ€hrigen Sohnes, denn HAMPEZ spricht auch hier auf dem Album die Sprache HEUTE und JETZT und wie ich finde sehr wortgewandt und einfach ehrlich.

Da dieses Album mich wirklich positiv ĂŒberrascht hat und ich gar nicht zuvor erahnte, was mich an Stimme und Musik da erreichen wird, gebe ich absolut verdiente

5/6 Punkten

REVIEW: OBSKURA – “Born in Blood”

Posted by Samir On Oktober - 24 - 2018

obskura

OBSKURA aus Schleswig-Holstein sind bereits seit 25 Jahren aktiv, doch gab es zuletzt immer wieder Probleme durch Besetzungswechsel, weshalb es in den letzten Jahren eher ruhig um das Quintett geworden war. „Born In Blood“ soll das nun wieder Ă€ndern und die Jungs zurĂŒck auf die BĂŒhnen der Republik bringen.

Nach einem kurzen Intro wird mit ‚Life and Death‘ ein ĂŒber achtminĂŒtiges Brett kredenzt, das die ganze Erfahrung der Band aufzeigt und mit einem anspruchsvollen Songwriting begeistert. Hierbei zeigt Hauptsongwriter Jan Laufmann, dass die Mischung aus Death und Thrash Metal keineswegs nur bei kurzen Songs wie ‚Dark Exile‘ spannend sein kann, sondern auch lĂ€ngere Lieder mit einer enormen Liebe zum Detail mehr als hörenswert sein können. Besonders das Bassspiel ist in diesem Kontext positiv herauszustellen und nimmt eine wesentliche Rolle in den einzelnen Songs ein, indem nicht lediglich der Rhythmus mitgespielt wird, sondern auch immer wieder prĂ€zise LĂ€ufe eingestreut werden. Hut ab!

Leider kann die Klasse der beiden genannten Songs und weiteren Highlights wie ‚Beneath The Surface‘, das mit einem prĂ€gnanten Riff im Ohr bleibt, nicht ĂŒber die gesamte LĂ€nge des Albums gehalten werden. Speziell ‚The Dark Passenger‘ und ‚Deaf and Blind‘ sind keineswegs schlechte Songs, aber klingen insgesamt nicht so durchdacht wie andere Songs und bleiben hinter dem Groß des Albums zurĂŒck.

In Sachen Produktion hĂ€tte man an einigen Ecken etwas mehr aus den Songs herausholen können und speziell dem Bass einen druckvolleren Sound gewĂŒnscht, aber insgesamt wurde hier ordentliche Arbeit geleistet.

„Born In Blood“ lĂ€sst mich etwas zwiegespalten zurĂŒck. Einige Songs wie ‚Life And Death‘ sind wirklich herausragende thrashige Death-Nummern, die Fans dieser Lager ohne Zweifel begeistern werden, doch wĂŒnscht man sich dieses Niveau auch an anderen Stellen. Mit etwas Nachbesserung ist hier aber fĂŒr die Zukunft noch einiges drin!

3,5/6 Punkten

REVIEW: AMARANTHE

Posted by Andrea On Oktober - 18 - 2018

AMARANTHE

HELIX
„Helix“ ist das erste Werk mit neuem SĂ€nger. Nachdem der SĂ€nger Jake Lundberg 2016 die Band verließ und sich AMARANTHE wĂ€hrend der letzten Tour mit einem GastsĂ€nger aushelfen musste, hat nun Nils Molin in die Band gefunden. Neben Elize Ryd als weiblichem Part und Henrik Englund als Shouter, tritt Nils Molin als neue mĂ€nnliche Stimme auf. Dieser wird einigen sicherlich als SĂ€nger der Band Dynazty bekannt sein. Seine Stimme fĂŒgt sich in den typischen Amaranthe Sound sehr gut ein. Nach nunmehr 10 Jahren Bandgeschichte und 4 Studio Alben ist „Helix“ das grandiose 5. Album der schwedischen Powermetal Band. Der Sound dieser Scheibe steht der letzten in nichts nach. Sie fĂ€ngt genau da an, wo das letzte Album aufgehört hat. Vom ersten Ton an möchte ich mich nur Bewegen: gute Gitarren Riffs gepaart mit Kraftvollem Schlagzeug und Bass mit einer Mischung aus gut gemachtem Keyboard Sounds.

Die Stimme von Elize Ryd als LeadsĂ€ngerin ist sehr prĂ€gnant, und im Battle mit Henrik Englund kann sie sehr gut mithalten. Nils Molin unterstreicht Elize Stimme in gemeinsamen Songs, doch sobald Nils allein singt, kommt seine Stimme kraftvoll und sehr angenehm daher. Sie umschmeichelt mich als Hörer regelrecht. AMARANTHE geben auf dem Album durchweg Vollgas und lassen dem Hörer kaum Platz zum Durchatmen. Das ist aber auch in keinster Weise schade. Mit Songs wie `CountdownÂŽ und `HelixÂŽ ist außerdem fĂŒr OhrwĂŒrmer gesorgt, also alles was AMARANTHE ausmacht. Insgesamt umfasst das Album 12 Tracks, von denen keiner aus der Reihe tanzt, so dass man am Ende des Hörerlebnisses denkt, „War das jetzt schon alles?“ Dieses Album kann ich momentan in Dauerschleife hören, da man bei wiederholtem Hören immer wieder neues entdeckt. Alles in Allem ein sehr gelungenes Album mit viel Hörspaß. Es wird hier Powermetal vom feinsten gespielt, und ich bin schon gespannt wie dieses Album auf der kommenden Tour umgesetzt wird. Eine ganz klare Kauf- und Hörempfehlung fĂŒr diese Scheibe.

6 von 6 Punkten

Andrea

REVIEW:MADBALL

Posted by Kai On Oktober - 14 - 2018

MAdball

FOR THE CAUSE

MADBALL, die dieses Jahr ihr 30-jĂ€hriges JubilĂ€um angehen, haben mit “For The Cause” ihr 9. Studioalbum vorgelegt. Da sollte man meinen, dass die Pioniere des New York Hardcore dann ein ganz besonders heißes Eisen aus dem Feuer holen. Dies scheint auch der Fall zu sein, wenn man liest, welche GĂ€ste sich auf “For The Cause” ein Stelldichein geben: Sick Jacken der L.A. Hip-Hopper Psycho Realm ist bei `Rev Up` zu hören, bei `Evil Ways` schreit Mr. ICE-T himself ein paar Zeilen, Steve Whale, ehemaliger Gitarrist der Oi!-Legenden The Business spielt bei `The Fog` und auch der Produzent von “For The Cause” Tim Armstrong (Rancid) steuert einen Part bei. Viele bekannte Namen also.

Doch trotzdem ist “For The Cause” alles andere als abwechslungsreich. Und das ist beileibe nicht negativ gemeint, ganz im Gegenteil! Meines Erachtens will der Hörer keine großen Experimente, es soll einfach nur knallen. Und genau das bekommt man, wenn man “For The Cause” auf den Plattenteller legt. In knapp 30 Minuten werden quasi alle Hardcore-Trademarks ausgepackt: Mitsing-Hymnen im Midtempo (`For You`), Vollgas fĂŒr den Moshpit `Smile Now, Pay LAter`, und auch der obligate spanische Song `Es Tu Vida`darf nicht fehlen. Kurz gesagt: wo MADBALL drauf steht, ist Ney York Hardcore drin, Punkt. Ähnlich wie die großen BrĂŒder von Agnostic Front machen MADBALL alles richtig. So soll sich Hardcore anno 2018 anhören. Geil. Live, vorzugsweise in kleinen Clubs, zĂŒnden die Songs von “For The Cause” allemal. Da hege ich keinen Zweifel.

Anspieltipps: Lone Wolf, For the Cause, Confessions
5 von 6 Punkten

Kai