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BLIND GUARDIAN SPECIAL

Posted by Radu On November - 23 - 2017

30 Jahre BLIND GUARIDAN

Tolkien, Stephen King, Michael Moorcock. Dies sind thematisch die wohl grĂ¶ĂŸten EinflĂŒsse, die eine junge Band aus Krefeld einst inspiriert haben zu den Instrumenten zu greifen. Mittlerweile sind 30 Jahre vergangen; Grund genug einmal die Geschichte der blinden WĂ€chter Revue passieren zu lassen. Dabei ist uns Marcus Siepen in einem entspannten Telefonat behilflich. Vorhang auf fĂŒr BLIND GUARDIAN im Spiegel der Zeit.

BG Logo

Gleich zu Beginn ist ein GlĂŒckwunsch zur langjĂ€hrigen Bandgeschichte angebracht.

„Ich muss sagen, wir denken nicht wirklich in diesen Kategorien. Es kommt vor, daß Leute uns darauf ansprechen wie „30 Jahre BG“ oder „20 Jahre Nightfall“. Dad enkt man aber gar irgendwie gar nicht darĂŒber nach, wir sind mehr nach vorne orientiert. Blick nach hinten kann sehr schön sein , aber wir sind mehr nach vorne fokussiert. Es ist ein sehr schönes GefĂŒhl, auf so eine lange Karriere zurĂŒckblicken zu können. Heutzutage bist du ja schon eine alte Band, wenn du fĂŒnf Jahre auf den Buckel hast. Da sind wir ja schon Dinosaurier. Es ist ein schönes GefĂŒhl nach 30 Jahren noch am Start zu sein und relevant zu sein.“

Wir schreiben das Jahr 1983, in der Heavy Metal als Randerscheinung sein Dasein fristet. Die große Bandbreite der Gesellschaft zelebriert Popmusik und AnhĂ€nger des Metals werden von der großen Masse als asoziale Typen mit krankem Geschmack abgestempelt. Innerhalb der Metalszene frönt man jenen Bands, die heute Legendenstatus haben; kaum ein Jugendzimmer, das nicht mit Bruce Dickinsons Stimme beschallt wird, ohne ACDC Poster an der Wand auskommen und Black Sabbath haben gerade mal ein Viertel ihrer Besetzungswechsel am Mikro hinter sich. Langsam entstehen die ersten unterschiedlichen Stile, die man sowohl vom musikalischen, als auch von den Covern her erkennen kann. Kreator und Testament beispielsweise zelebrieren Thrash, wĂ€hrend Running Wild und Helloween ihre Geschwindigkeitsgrenzen ausloten. Cannibal Corpse schockieren mit fiesen Covern und extremen Texten, wĂ€hrend Metallica nicht nur durch ihren Namen, sondern aufgrund einer perfekten Setlist die Hallen fĂŒllen.

BG 1987
In diese Welt wird eine junge Band aus Krefeld hineingeboren, die auf den Namen LuciferÂŽs Heritage hört. Auch anno 2017 hat der Name nichts von seinem Charme verloren. „Angestaubt ist der Name nicht, ich mag ihn genauso wie damals“ erinnert sich Marcus Siepen „Mit unserem damaligen Namen sind wir in die falsche Schublade gesteckt worden. Viele Leute, die unsere Musik nicht kannten und nur unseren Namen hörten, haben uns in die Black Metal Schublade gesteckt, in der wir nicht reingehören. Uns ist schnell klar geworden, daß wir schnell einen anderen Namen brauchen. Wir mögen Schubladendenken generell nicht, aber dann in eine Schublade gesteckt zu werden, in die man gar nicht rein gehört, ist nicht schön.“

Man probt zusammen und wohnt teilweise in einem alten Kellerraum, den man sich mit einem fiesen Gummiteppich und Kellerasseln teilt. Hier entsteht die erste Demo und man will das erste Album aufnehmen. So betritt LuciferÂŽs Heritage das Aufnahmestudio, den es nie mehr verlassen soll. Drei Wochen Zeitfenster, um die Songs einzuspielen, können eine sehr lange Zeit ist sein. Man spielt also einfach drauf los und hofft, daß es besser klingt, als im Proberaum. „Wir sind noch als LuciferÂŽs Hertitage ins Studio gegangen, um die „Batallions“ aufzunehmen und saßen abends noch in der StudiokĂŒche. Jeder hatte einen großen Zettel vor sich, mit tausenden von NamensvorschlĂ€gen von möglichen und unmöglichen Namen. Der Bandname kommt von dem Song `Guardian Of The Blind`, den wir bereits hatten. Ich glaube Hansi hatte damals die Idee dazu und der Name gefiel uns am besten. Es klang gut und hatte etwas von Fantasy, was sich auch in unseren Texten wiederspiegelt.“ Das ist das Ende von LuciferÂŽs Heritage und der Beginn einer langen Reise fĂŒr die blinden WĂ€chter. Der erste Schritt ist der Erstling „Battallions Of Fear“, der musiktechnisch eine Hommage an Iron Maiden und alte Helloween auf Speed ist.

Battallions Of Fear

Blind_guardian_battalions_of_fearDie Drehorgel zu Beginn von `Majesty`wiegt mit einem Walzer in Sicherheit, ehe es lauthals aus den Boxen hervorprescht. Geschwindigkeit, HĂ€rte und straight in die Fresse sind dabei die Hauptzutaten, die lediglich von Gesangslinien umgarnt werden, die sich bereits nach dem ersten Durchlauf langfristig in die Hirnrinde frĂ€sen. Herrlich, wie sich die Jungspunde hemmungslos austoben und dabei auch noch interessante Texte verarbeiten. `Guardian Of The Blind` beackert die Geschichte von Stephen Kings „Es“ (deren Remake dieses Jahr die Kinos befallen hat) und ist gleichzeitig Schuld an dem Tod von LuciferÂŽs Heritage und die Geburt von BLIND GUARDIAN. SĂ€gende Riffs und frickelige Solis lassen in den ersten beiden Minuten die MĂ€hne kreisen, ehe man sich zum Refrain vorarbeitet, den man einfach nur noch lauthals mitschreien will. Die Solis verursachen GĂ€nsehaut und auch wenn Hansis Stimme fernab von seinem eigentlichen Potential ist, so gibt es keine bessere Stimme, die zu dem Sound passen wĂŒrde. `Wizard’s Crown`ist ein rĂ€udiger Bastard aus Thrash und Speedelementen, der lediglich fĂŒr seinen Chorus die Geschwindigkeit drosselt. Das hymnenhafte `Run For The Night` poltert sich auch Jahre spĂ€ter als Live Bonustrack beim „Tales From The Twilight World“ Album durch die GehörgĂ€nge. Hier prasseln Hansis Worte in Dauerfeuer auf die Lauscher ein, ehe der Chorus alles beflĂŒgelt. Mit `The Martyr` begleiten wir die Leidensgeschichte von Jesus, bei denen die WĂ€chter sehr vielschichtig zu Werke gehen. Midtempo hier, Geschwindigkeitsrausch da und eine Herausforderung fĂŒr Hansis Stimme, die mal bellend, mal klagend und auch fordernd aus den Boxen schallt. Der Titeltrack prescht aggressiv aus den Boxen und bietet das volle Moshprogramm, verteilt auf ĂŒber sechs Minuten. Das Schlagzeug kommt hier besonders gut zur Geltung, denn neben stumpf auf die Zwölf wird hier fleißig variiert, so daß spĂ€testens an dieser Stelle des Albums keine Zweifel mehr an den Ideenreichtum der noch jungen Band bleiben. `Trial by the Archon`, `By the Gates of Moria` und `Gandalf’s Rebirth`sind drei InstrumentalstĂŒcke, die geschickt zwischen den Hochgeschwindigkeitsattacken eingestreut werden. Textlich setzt man hier den Grundstein fĂŒr die Herr der Ringe Thematik, ohne jedoch den Weitblick fĂŒr andere Themen außen vor zu lassen. Das Cover ziert zwei verhĂŒllte Kapuzengestalten beim Schachspiel; die Metaphorik des verhĂŒllten Kapuzenmannes als BLIND GUARDIAN findet hier seinen Ursprung und begleitet die Band bis heute auf diversen Merchandise Logos.

Das zweite Album

Mit dem ersten Album verbucht man bereits einen amtlichen Erfolg; die Mischung aus Speed und Thrash geht auf und beschert den WĂ€chtern ein gutes SelbstwertgefĂŒhl. Wie alles im Leben, hat zu viel davon auch seine Kehrseite. So erklĂ€rt Hansi in einem Interview zur JubilĂ€umsbox, daß man zu der Zeit doch extrem undiszipliniert ist. Man trifft sich zwar tĂ€glich, zockt jedoch meistens Karten und frönt dem Alkohol. Man ist von seinen SongwritingqualitĂ€ten zu sehr ĂŒberzeugt und lĂ€sst die ZĂŒgel schleifen. Das fĂŒhrt dazu, daß man die Songs fĂŒrs Folgealbum hastig zusammenschustern muss und der rote Faden teilweise auf der Strecke bleibt. Die EinflĂŒsse unterschiedlicher Kapellen werden erneut zu einer Symbiose zusammengeschmiedet, ergeben jedoch laut Hansis Meinung teilweise keinen Sinn. Neben dem gesteigerten SelbstwertgefĂŒhl kommen noch die LebensumstĂ€nde dazu, die den Barden in die Parade fahren; Hansi hat einen Job, Marcus und AndrĂ© leisten den Zivildienst ab und somit gleitet die Band in die HĂ€nde von Hobbymusikern, die sich lediglich nach Feierabend treffen können. „Follow The Blind“ ist somit das einzige Album in der Bandgeschichte, bei denen man nicht 100% geben kann.

Follow The Blind

BG FollowMan verpflichtet Kalle Trapp in den Hamburger Karo-Studios fĂŒr die Aufnahmen. Das Cover wird, wie beim VorgĂ€nger, von Van Waay Design erstellt. Das Intro `Inquisition` soll spĂ€ter auch als Konzertintro herhalten, ehe `Banish from Sanctuary `aus den Boxen kracht. Man legt sofort die Karten auf den Tisch und hĂ€mmert alle VorzĂŒge der Band ins LangzeitgedĂ€chtnis: schnelles Riffing, galoppierende Vocals, die in einem Ohrwurmrefrain enden, variables Schlagzeugspiel und knackige Gitarrenduelle wetteifern um die Gunst des Hörers. `Damned for all Time`ist ein aggressiver Speedbastard, der durch einige Thrashanleihen durchgeboxt wird. Schnell, aggressiv, allerdings im LangzeitgedĂ€chtnis eher im Hintergrund existent. Der Titeltrack ist wahrscheinlich der am meisten unterbewertete Song dieser Band, obwohl er durch seine Vielseitigkeit das Potential auslotet, mit dem man spĂ€ter die LĂ€nder dieser Erde bereisen soll. Ungewöhnlich bereits durch sein langsames und erhabenes Tempo, schimmern Akustikgitarren durch die Soundwand, ehe Hanis rauhe Stimme „Follow The Blind“ in die Welt hinausschreit. Im Verlauf des Songs passiert so einiges: Tempowechsel, beschwörende Soli, Doublebassgewitter und sogar Keyboards legen den Grundstein fĂŒr die Beschreibung „episch“, die BLIND GUARDIAN weiter verfolgen soll. Thematisch hat man sich ĂŒber Stephen Kings „Der Talisman“ ausgelassen. Auch die Mitgröl Fraktion wird im Refrain von `Hall of The King` bedacht, der ansonsten die Geschwindigkeitsfreunde auf eine atemberaubende Reise mitnimmt. Der ursprĂŒnglich als LĂŒckenfĂŒller gedachte Song `Valhalla` entwickelt spĂ€ter im Live Set rasch ein Eigenleben und ist mittlerweile fester Bestandteil jeder Live Show (einige Granaten zĂŒnden einfach immer). Kai Hansen hat dafĂŒr ebenfalls die Gitarre in die Hand genommen und einige Vocals beigesteuert. Die Coverversionen von `Don’t Break the Circle` (Demon) und `Barbara Ann` (Beach Boys) zeigt ein gutes HĂ€ndchen fĂŒr Coverversionen, das spĂ€ter noch um einiges an Repertoire erweitert werden soll. Die InstrumentalstĂŒcke halten sich in Grenzen und so gibt es hier lediglich einen Vertreter in Form von ` Beyond the Ice` zu hören, der das auditive Muskelspiel der Truppe gut abfeiert. Auch bei der Produktion wurde eine Schippe draufgelegt und auch wenn die Hitdichte etwas geringer ist als beim VorgĂ€nger, so glĂ€nzen die Höhepunkte unverstaubt auch heute noch in den heimischen Lautsprechern..

Alles auf eine Karte

Jede Band ist einmal an einem Punkt, an dem ĂŒber Sieg oder Niederlage entschieden wird. Hatte man sich mit jugendlichem Leichtsinn noch unverblĂŒmt durch die „Battallions“ Scheibe gepflĂŒgt, musste man fĂŒr die „Follow The Blind“ andere LebensumstĂ€nde in Kauf nehmen und sich seinem inneren Schweinehund in Form von Disziplin stellen.


Tales From The Twilight World

BG TalesMit „Tales From The Twilight World“ treten BLIND GUARDIAN endgĂŒltig aus dem Schatten anderer Bands und erspielen sich eine musikalische IdentitĂ€t, die bis heute einzigartig und unverkennbar ist. Auch wenn sich noch die Hochgeschwindigkeitsrausche und das Aggressionspotential auf der Scheibe befinden, liegt hier der Schwerpunkt auf Melodik, Abwechslung und OhrwurmqualitĂ€ten. Der Chorgesang leitet `Traveller In Time` ein, der uns thematisch auf den Planeten Dune verbannt. Hansis Gesang hat mittlerweile einiges an Erfahrungspunkte auf dem Charismapunktekonto zu verbuchen, so daß die Hörer der Truppe schnell aus der Hand fressen. Das trotz der aggressiven Momente zu jeder Zeit die Spielfreude exzessiv ausgelebt wird, spielt den WĂ€chtern nur noch intensiver in die Karten, was bis heute gerade bei Live Auftritten fĂŒr Alarm in der Moshpit sorgt. Wer den Song kennt, wird alleine schon bei der ErwĂ€hnung von `Welcome to Dying` eine GĂ€nsehaut bekommen, weil der Refrain sofort aus dem LangzeitgedĂ€chtnis in die AdrenalinkanĂ€le gedrĂŒckt wird. Bereits nach weniger als einer Minute schraubt man sich auf Höchstleistungsnivau und prĂŒgelt komprimiert alles auf den Hörer ein, wofĂŒr man auf den VorgĂ€ngeralben vielleicht noch zwei Songs benötigte.

Mit `Lord of the Rings` legt man auch seine erste Ballade auf den Tisch, die von der Tolkien Thematik her spĂ€ter noch ganz große Wellen schlagen soll. `Good bye My Friend ` feuert zwar ebenfalls aus allen Rohren, sprintet jedoch in erster Linie aufgrund seiner packenden Gesangslinien durch die Ziellinie und hinterlĂ€sst den Wunsch, „nur noch einmal“ die Repeat Taste zu drĂŒcken.

Auch die Instrumentalfraktion wird mit `Weird Dreams ` bedacht, wĂ€hrend man einen Mix aus Instrumental und Mini Song auf `Altair 4 ` abliefert; eigentlich „nur“ ein LĂŒckenfĂŒller, der aber atmosphĂ€risch derart auffĂ€hrt, daß schnell ein ganz großes Kopfkino entsteht. Die Stephen King Verbeugung `Tommyknockers ` fischt eher in alten Gefilden und man spĂŒrt, daß die WĂ€chter dieses Gewand langsam ablegen wollen und schließen das Kapitel damit ab. Bei `The Last Candle` kann ich keine ObjektivitĂ€t wahren, da ich diesen Song gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig ausschließlich mit Knieschonern hören kann; was soll ich ĂŒber die GĂ€nsehaut schreiben, die mich bei den ersten Chören von „Guardian, Guardian, Guardian of the Blind“ heimsuchen? Ich könnte den emotionalen Ausbruch in meinem Kopf beschreiben, wenn Hansi laut aufschreit und „Have You Forgotten Him?“ in die Runde fragt. Ich könnte auch die göttlichen Gitarrenlinien anpreisen, die mich sofort in meine Jugend katapultieren und mich wieder 15 sein lassen. Auch das Aufbegehren des Song und die stetige Steigerung der Dynamik könnte ich beschreiben, aber stattdessen lehne ich mich lieber kurz zurĂŒck und denke an den Moment, an dem ich das GlĂŒck gehabt habe, diesen Song einmal live zu hören. OK, Anbetungsmodus aus und weiter. Das Cover wurde dieses Mal von Andreas Marschall gezeichnet, der die Band auch weiterhin begleiten soll. Auch die Produktion konnte nochmal gesteigert werden und so markiert die „Tales…“ Scheibe nicht nur den Wendepunkt, sondern den Aufstieg einer Band, die neben dem inneren Hunger auch zusĂ€tzlich mit einem Plan an den Start geht, der stets nach Perfektion schreit.

Irgendwo weit weg

Die Promotion der Scheibe wird in der JubilĂ€umsbox als sehr abenteuerlich beschrieben; eine Promo-Straßenbahnfahrt mit Wurstbrötchen und Bier durch Gelsenkirchen (2 Journalisten, der Rest Kumpels der Band) und eine Release Party mit ca. drei Journalisten und einem Mob, der das neue Studio in Grund und Boden feiert. Es folgt eine Tour mit Iced Earth, bei der Party und MĂ€nnerfreundschaften ausgiebig zelebriert werden. Wie soll man eine Platte wie die „Tales…“ noch steigern? AndrĂ© erinnert sich in der JubilĂ€umsbox daran, daß die Songwriting Phase bis dato die hĂ€rteste ist. Kreativ surft man bereits am Limit, schmeißt jedoch weiterhin alles in die Waagschale, um ein rundes Ergebnis raus zu bekommen. Eines Tages kommt Hansi mit irischen Folk-EinflĂŒssen um die Ecke, was den entscheidenden Wendepunkt im Songwriting Prozess markiert. So integriert man beispielsweise DudelsĂ€cke in das Songwriting oder beißt sich teilweise die ZĂ€hne an `Theatre Of Pain` aus. Was ist aber unter dem Strich dabei raus gekommen?

Somewhere Far Beyond

BG Somewhere„Die beste BLIND GUARDIAN Scheibe aller Zeiten“, werden viele Fans sofort unterschreiben, Ein Meilenstein werden ebenfalls alle abnicken. Fakt ist, daß spĂ€testens hier die BandidentitĂ€t gesichert ist. Die WĂ€chter entpuppen sich als wahre Paradiesvögel des Metalsektors, die nichts nach Schema F machen, sondern eigene Ideen haben und diese konsequent in ein eigenes Soundgewand einschmieden. Das Cover wurde erneut von Andreas Marschall beigesteuert und bereits der Opener `Time What Is Time `lotet die QualitĂ€ten aus, die auf der „Tales…“ Scheibe ausgiebig zelebriert wurden. Akustikgitarren ebnen den Weg zum schnellen Galopp, der aber rechtzeitig in packende Gitarrenlinien abbiegt, ohne in Raserei zu verfallen. Auch wenn im direkt im Anschluss das Gaspedal wieder durchgetreten wird, hat man mit jeder Sekunde das GefĂŒhl, daß diese Truppe genau weiß, was sie wie zu tun hat. Nichts wirkt aufgesetzt, alles durchdacht und das Album insgesamt atmet Spielfreude aus jeder Pore. `Journey Through the Dark `ist ein sehr schönes Beispiel zwischen HĂ€rte und Melodik; Stakkato Doublebass, griffige Gitarrenlinien, herrliche Moshparts und stets nachvollziehbare Vocals, die danach schreien, mitgesungen zu werden.

`Black Chamber `wird ausschließlich durch Hansis (mittlerweile sehr gut weiterentwickelten) Stimme und einem Klavier getragen, ehe sich das bombastische `Theate Of Pain` aus den Boxen schlĂ€ngelt. Hier wird bereits der Grundstein fĂŒr spĂ€teren Bombast und epischere StĂŒcke gesetzt, der andeutet, was noch kommen soll. `The Quest for Tanelorn` wird in erster Linie vom bombastischen Gesang getragen, ehe `Ashes to Ashes` den ursprĂŒnglichen Thrash Vorbildern einen finsteren Gruß sendet, ohne dabei auch nur eine Sekunde von charismatischem Gesang oder OhrwurmqualitĂ€ten abzuweichen.`The Bard’s Song (In the Forest) `dĂŒrfte jedem ein Begriff sein; dieser Gassenhauer ist Höhepunkt eines jeden Konzertes, weil das Publikum hier (zumeist im Alleingang) jede Textzeile mitschmettert. Eigentlich“nur“eine Ballade, die jedoch ein derartiges Eigenleben entwickelt hat, daß sie den Fans schon manche Sternstunde beschert hat. `The Bard’s Song (The Hobbit) `kommt eher etwas sperriger um die Ecke, allerdings mĂŒnden die Gesangslinien derart genial in den Midtempo Part ein, daß ich mir diesen Song einmal live wĂŒnsche. Besagte DudelsĂ€cke erledigen bei `The Piper’s Calling` den Instrumentaljob der Scheibe, eher der Titeltrack auf siebeneinhalb Minuten verteilt sĂ€mtliche Register der Bandgeschichte zieht. Schnelle Passagen, erhabene Gitarrenlinien, Mitschreitexte? Alles an Bord und garniert durch irische FolkeinflĂŒsse. SpĂ€testens hier ist man Fan dieser Band geworden, die ihren Siegeszug weiter ausbaut. Über die Bonussongs `Spread Your Wings `(Queen), `Trial by Fire`(Satan) und die Orchester Version von `Theatre of Pain kann man streiten, muss man aber nicht. Sie runden lediglich das ab, was dieses Album ausmacht. Ein Meilenstein in der Bandgeschichte.

Toky Tales

BG TokyoIm Lager der Barden herrscht Euphoriealarm; denn es geht nach Tokyo. WĂ€hrend des Trips herrscht ausgelassene Stimmung, sowohl , als auch auf der BĂŒhne. Das hört man der Tokyo Tales auch an, denn die Meute rastet gepflegt aus und gibt sich extrem textsicher. Nach dem “Inquisition” Intro feuert man auch eine gutgelaunte Version von `Banished From Sanctuary` in die feierwĂŒtige Menge. Hansis Vocals hĂ€mmern sich schnell durch die ersten Reihen und zusammen mit der Spielfreude und den Soundwand beschwört er rasch die Euphorie der Meute hinauf. Auch seine Ansagen sitzen und so hat man wĂ€hrend des gesamten Konzerts das GefĂŒhl, daß die Stimmung zwischen Band und Publikum perfekt harmoniert. Songtechnisch hat es neben den beiden voran genannten Nummern noch lediglich `Barbara Ann`und `Valhalla`(das eine konstante Live Granate bleiben wird) von den ersten beiden Alben auf die Setlist geschafft. Ansonsten konzentriert man sich ausschließlich auf die “Tales…” und “Somewhere…” Ära, was dankbar angenommen wird.

Gerade die auf den Alben vorhandenen Chöre werden vom Publikum begeistert mitgeschmettert und so entwickelt sich beispielsweise `Traveller In Time` rasch zum SelbstlĂ€ufer, `Quest For Tanelorn` zum erhabenen Moment und `Journey Through The Dark` erhĂ€lt seine Live Taufe. Balladen wie `Lord Of The Rings` und `BardÂŽs Song` fehlen bei der Veröffentlichung völlig, man konzentriert sich hier auf die volle Durchschlagskraft und vertraut auf die Melodien, die das Live Album zusammen mit der Live Stimmung tragen, was auch sehr gut funktioniert. Erst in der remasterten Version wird `Lord Of The Rings nochmal nachgereicht. So herrlich der Live Mitschnitt ist, um so unerfreulicher ist die Tour, die teilweise von schweren Differenzen zwischen der Band und Kalle Trapp geprĂ€gt ist. Als Livemischer beklagt die Band einen zu leisen Sound, was spĂ€ter zu einem ZerwĂŒrfnis fĂŒhren soll.

Der Tod der Kindheit

Wir schreiben das Jahr 1995 und mittlerweile hat sich einiges in der Band getan; man blickt auf eine amtliche Live Erfahrung zurĂŒck, weiß genau was man will und hat einen amtlichen Songkatalog am Start. Das fĂŒhrt dazu, daß man sich intensiv nach einem Studio umschaut und letzten Endes bei Flemming Rasmussen als Produzenten landet, der bereits fĂŒr Metallica (`Ride The Lightning`, `Master Of Puppets`, `…And Justice For All`) die Regler bedient hatte. Mit dieser RĂŒckendeckung an Erfahrung wird der Wendepunkt der Band eingelĂ€utet, die das Songwriting von schnell und melodisch in die opulente und progressive Schiene anheben. Wenn man sich die vorangegangenen Scheiben, die bereits Meisterwerke waren, nochmal anhört muss man sich ernsthaft fragen, was bei der Produktion zu dieser Scheibe alles im Spiel war. Hektoliterweise Kaffee, tagelange Abstinenz von jeglichem menschlichen Kontakt oder einfach hemmungslose Arschtritte untereinander, bis man das Maximum aus jedem Detail rausgeholt hat.

Imaginations From The Other Side

BG ImginationsDas Album ist bis dato das perfektionistischste Werk der Barden, denn es strotzt an allen Ecken und Kanten voller Ambitionen. Man gibt sich mit nichts außer dem Besten zufrieden und klatscht gleich zu Beginn den Titeltrack auf den Tisch, der sich langsam aufbaut, um sich episch zu entfalten. Grund zur Ruhe hat man jedoch nicht, denn er galoppiert dann vorwĂ€rts, um seine AtmosphĂ€re in jeden Zentimeter der Hirnrinde einzubrennen, ohne auch nur einen Hauch seiner Epik einzubĂŒĂŸen. Das ganze mĂŒndet in einem Refrain, den man mental heute genauso laut mit schreit, wie bei der Veröffentlichung; noch nie gingen 7 Minuten so schnell vorbei, wobei man sich unter anderem an Hansis ausgeprĂ€gtem Organ ergötzen kann, das eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat. `IÂŽm Alive` prĂŒgelt noch einmal in Richtung Anfangstage, nur mit knackigerem Riffing und einprĂ€gsamerem Refrain. Mit `A Past and Future Secret` wird Hansis beste Gesangsleistung hingelegt, eingebettet in einer geheimnisvollen Ballade, die das GefĂŒhl des `BardÂŽs Song` in ein neues Zeitalter transportiert. Wer das Lied in Dauerschleife gehört hat und dabei auf das Cover der Maxi CD gestarrt hat, weiß wovon ich spreche. `The Script For My Requiem `ist quasi der heilige Gral in Sachen Geballer, epischem Refrain und Abwechslung. `Mordred’s Song `erzĂ€hlt die Geschichte einer Figur, um die sich viele (unterschiedliche) Sagen und Legenden ranken. Neid, Ungerechtigkeit und Verrat wurden hier gekonnt vertont und eine Halbballade eingestampft, die sowohl introvertiert, als auch aufbegehrend fesselt.

`Born in a Mourning Hall `tritt das Gaspedal durch und schreit besonders live nach Reaktionen des Hörers im Refrain. Egal wie oft man es versucht, man kann es nicht ruhig hören, dafĂŒr drehen die WĂ€chter zu sehr an der Adrenalinschraube. Schluss mit Epik und Geballer, ich will einen Song, den ich von Anfang bis Ende durch singen kann, auch wenn ich mal 80 Jahre alt werde! Meine Gebete werden erhört und `Bright Eyes` ist das perfekte Beispiel, wie sich ein Song um eine Gesangslinie herumbauen lĂ€sst und wie geschickt die Instrumente sĂ€mtliche Facetten ausloten, die man dabei fĂŒhlen möchte. Einmal ins geile Riffing gerutscht, Tapping durchgezogen und auf geht’s bei `Another Holy War` auf die Überholspur. Gradlinig und mit geilen Solis versehen fĂ€hrt man auf Hochbetrieb, der lediglich vom vielstimmigen Refrain kurz gebremst wird. Kann man ein Album besser beenden, als mit `And the Story Ends`? Nicht wirklich, denn hier wird alles auf Abwechslung geschaltet; Geschwindigkeit, Gesangsdarbietung und Songwriting. Mal etwas schneller und rauher, dann wieder langsam und feinfĂŒhlig. Der perfekte Abschluss eines perfekten Albums. Obwohl, was ist mit der Produktion und den Rahmenbedingungen? Die Produktion ist wuchtig und erhaben, als wĂŒrde man vor einem riesigen Berg stehen, der in Dauerfeuer herrlichen Sound ausspuckt. Das Cover von Andreas Marschall ist meiner Meinung nach das beste in der Diskographie der Barden und die Themen beackern Fantasy, die Artus Saga und erzĂ€hlen eine Geschichte im Tiefflug, die noch viele weitere Figuren beinhalten. Die Hitdichte ist bis zum Anschlag gefĂŒllt und man könnte beim Vergleich meinen, daß es wie Metallicas schwarzes Album sein wĂŒrde; ungewöhnlich, kommerziell erfolgreich und an allen Ecken perfektioniert.

Forgotten Tales

BG ForgottenÄhm, nun ja, wie soll man dieses Kapitel der Barden am besten beschreiben? Angefangen hat das Projekt mit der Coverversion von `Mr Sandman`zu der auch ein Video gedreht wurde. UrsprĂŒnglich war geplant, es auf dem Fernsehsender Viva laufen zu lassen (ja, damals gab es noch kein Youtube, weil das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Wir hatten tatsĂ€chlich noch Röhrenfernseher und waren auf die Uhrzeiten des Senders angewiesen). Das Video wird allerdings nicht fĂŒr Kinder geeignet empfunden und somit wird es aus dem Nachmittagsprogramm verbannt und landet im Nachtprogramm, wo die Sendung Metalla mit Markus Kavka ausgestrahlt wird. Dort warten bereits Bands wie Sepultura, Pantera und Carcass darauf, diesen Clip zum FrĂŒhstĂŒck zu verspeisen. Anno 1998 wird außerdem noch eine Abschiedssendung mit Kavka und Blind Guardian gedreht (Blind Guardian vs. Markus Kavka) , die ich den Lesern und den Barden gleichermaßen heute ersparen möchte. Jedenfalls erblickt „Forgotten Tales“ 1996 das Licht der Welt und besteht aus Coverversionen und neu aufgemachten Gassenhauern der Truppe. Das Cover sieht chic aus, die Produktion ist natĂŒrlich im grĂŒnen Bereich und die Songs sind natĂŒrlich auch gut. Als Album kann man es aber nicht wirklich bezeichnen, denn es ist eher ein LĂŒckenfĂŒller, um die Wartezeit auf den nĂ€chsten großen Wurf zu verkĂŒrzen. B-Seiten von dem Maxis und `Surfin USA`, sowie `To France` vervollstĂ€ndigen die Sammlung der Fans, ist aber nicht gerade zwingend ein Pflichtkauf. Weiter im Text.

Mittelerde in XXL

„Einmal Vollkatastrophe zum Mitnehmen bitte. Wenn es geht noch mit Pannen, eiserner Deadline und gefĂŒhlten 20 Herzklappenabrissen.“ So ungefĂ€hr muss es sich rĂŒckblickend angefĂŒhlt haben, als das Album endgĂŒltig im Kasten ist. In der JubilĂ€umsbox beschreiben die Barden einen Wasserschaden, der das Studio flutet und mal eben zwei Monate an Zeit kosten. Hinzukommt der zweimalige Riss des Bandes einer 24 Spur Analogmaschine und immenser Zeitdruck; quasi zwischen TĂŒr und Angel werden am letzten Tag mal eben Gesangsparts eingesungen, Sprechparts fertiggestellt und Akustiksequenzen abgemischt, ehe es direkt zur Promo Tour geht. War der Drang nach Perfektion bei der „Imaginations…“ schon sehr stark ausgeprĂ€gt, nimmt es bereits bei der Diskussion um Kleinigkeiten extreme Formen an. „Bei den Aufnahmen zu „Nightfall..:“ war Charlie der einzige mit uns arbeitende Engineer, der nicht den Überblick und die Nerven verloren hat. Das hat uns mehr als einmal das Leben gerettet“ erinnert sich Hansi in der JubilĂ€umsbox. Textlich geht es um das „Quenta Silmarillion“, den Mittelteil des „Silmarillions“ von J.R.R. Tolkien. Die Geschichte wird jedoch nicht zuende erzĂ€hlt; es existieren immer noch Aufnahmen, die den damaligen AnsprĂŒchen nicht gerecht werden und in der Schublade gelandet sind. Unterm Strich ist das Album ein Meilenstein geworden, mit dem sich BLIND GUARDIAN das Ticket fĂŒr ihre erste Mammut Tour abknipsen. Hansi gibt den Bass an Oliver ab, der als Gasbassist fungiert, damit er sich mehr auf den Gesang konzentrieren kann. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellt, denn die ersten Shows in Russland und SĂŒdamerika lassen eine Ă€hnliche Euphorie aufkommen, wie zur „Tokyo Tales“ Zeiten. Thomen fĂ€llt kurzfristig und vollkommen unerwartet fĂŒr unbestimmte Zeit am Schlagzeug aus. Innerhalb von drei Tagen verbringt Alex Holzwarth das Wunder, sich fĂŒr die zweite SĂŒdamerika Tour ein nicht unkompliziertes Live Set anzueignen.

Nightfall In Middle Earth

BG NightfallAuch wenn die WĂ€chter sich in ihren Alben mit mehren Themen und BĂŒchern diverser Autoren (Stephen King, Michael Moorcock,etc.) beschĂ€ftigt haben, bleibt die Liebe zu Tolkiens „Herr der Ringe“ untrennbar mit BLIND GUARDIAN verbunden. In den VorgĂ€ngeralben wird viel angedeutet, was anno 1998 als auditiver Kniefall exzessiv zelebriert wird. Hier werden sĂ€mtliche Regler auf Perfektion aufgerissen, was beim atemberaubenden Cover von Andreas Marschall beginnt, ĂŒber die bombastische Produktion weitergeht und in zeitlosen Klassikern verteilt auf knapp 66 Minuten und 23 (!)Songs endet. „Nur“ ein Album aufzunehmen ist zu wenig, deshalb werden kurze ErzĂ€hlpassagen in Form von `War of Wrath`, `The Minstrel` oder `Face the Truth` eingestreut, womit eine Symbiose aus Album und Hörspiel erschaffen wird. `Into The Storm` soll lange Zeit als Opener auf jedem Konzert der Barden dienen, denn warum langsam anfangen, wenn man auch direkt auf Hochgeschwindigkeit machen kann? `Nightfall` beginnt elegisch, steigert sich jedoch rasch zu einer aufbegehrenden (Halb-) Ballade, die gerade live ihre volle Wirkung entfaltet und aus allen Kehlen leidenschaftlich mitgetragen wird.

`The Curse of Feanor `prescht schnell vorwĂ€rts und ist eine perfekte Symbiose alter Tage mit dem „Imaginations…“ Flair. `Blood Tears `unterstreicht die ĂŒberwiegend finstere und nachdenkliche Stimmung des Albums; unverzerrte Gitarren stimmen sehr ein und auch wenn sich der Song spĂ€ter in Geschwindigkeit und IntensitĂ€t steigert, wird die Stimmung des Verlustes in keiner Sekunde geschmĂ€lert. Lange habe ich ĂŒberlegt, etwas ĂŒber `Mirror Mirror` zu schreiben, aber ich wĂŒrde nur ins Schwelgen geraten, wie bei `Last Candle`. Packendes Einstiegsriff, nach vorne prĂŒgelnder Hochgeschwindigkeitszug, griffige Melodien und ein Refrain, den man nicht nur stumm mithören kann. Ich schenkÂŽs mir und fĂŒge dafĂŒr lieber ein Video ein.

`Noldor (Dead Winter Reigns)` beginnt Ă€hnlich elegisch wie `Blood Tears `, mĂŒndet jedoch in progressivere Passagen, ehe es in den Ohrwurmrefrain abbiegt. Komplex, sperrig und irgendwie seltsam eigenbrödlerisch. Kritisch kann man nichts halbes und nichts Ganzes hinterfragen, aber unterm Strich will man ihn immer wieder hören. Bereits beim ersten Durchlauf von `Time Stands Still (at the Iron Hill)`marschieren vor dem inneren Augen Orkhorden durch Mordor und man wird tief in die Welt Tolkiens katapultiert. Lediglich beim Gesangspart wird man kurz rausgerissen, ehe es wieder zurĂŒck nach Mittelerde geht. Genau dieser Gesangspart ist es, das bei jedem Konzert fĂŒr GĂ€nsehaut und Partytimmung in der Moshpit sorgt. `Thorn ` besticht besonders durch seinen mehrstimmigen Gesang, wĂ€hrend `The Eldar` lediglich von Klavier und Hansis Stimme getragen wird. Das Kochrezept hat bei `Black Chamber` auf der „Somewhere…“ bereits funktioniert und verfehlt auch hier seine Wirkung nicht. `When Sorrow Sang` ist eine Ă€hnliche Granate wie `Mirror, Mirror`; fix auf dem Griffbrett hantiert, herrlich nach vorne in die Fresse und mit Götterrefrain ausgestattet bietet er alles, was live alles abreißen dĂŒrfte. `A Dark Passage ` hat sich bei mir bis heute nicht vollends erschlossen und ich staune immer wieder, wie gut der Song eigentlich ist, obwohl er in meinem Kopf total unterbewertet ist. Es unterstreicht allerdings auch die Tatsache, daß das gesamte Album nicht leicht zugĂ€nglich ist. Mit diesem Album in die BLIND GUARDIAN Diskographie einzusteigen wĂ€re nicht gerade ratsam, denn es ist komplex, opulent und voller Überraschungen, die einen noch Jahre spĂ€ter verfolgen. Textlich gesehen gibt es viel zu entdecken; Autor Christian Krumm ( den einige von seinen BĂŒchern „Kumpels in Kutten“, „At Dawn They Sleep“ und „Traumschrott“ bereits kennen dĂŒrften. Wenn nicht: antesten!) hat sich in seinem Artikel (ab Seite 97) explizit damit und mit der Geschichte der Band generell beschĂ€ftigt.

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Der „Herr der Ringe“ Hype

Zur Jahrtausendwende erblickt Peter Jacksons Verfilmung von „Herr der Ringe“ die Welt. Im Fansektor bricht stellenweise die Diskussion aus, warum BLIND GUARDIAN keinen Soundtrack dazu beisteuern. In derselben Diskussion kommt auch die Antwort auf, daß es sinnlos wĂ€re, weil die Krefelder das Thema spĂ€testens mit „Nightfall in Middle Earth“ ausgiebig zelebriert haben. Marcus bricht dabei in schallendes GelĂ€chter aus. „Gar nicht mal so falsch. Über diese Diskussion habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Das witzige ist ja, daß wir zig „Herr der Ringe“ Sachen hatten: das fing bei `Majesty`an, ging ĂŒber `Lord Of The Rings` bis hin zum ganzen „Nightfall“ Album. Das war alles vor den Filmen. Wir haben, seitdem dieser Megahype um die Filme herauskam, glaube ich auch keine Tolkien Texte mehr gehabt. Das war damals eine bewusste Entscheidung die nicht kam, weil wir Tolkien nicht mehr mögen. Wir hatten aber auch keinen Bock darauf, Teil eines Tolkien Hypes mit den Filmen zu sein; wir sind auch nicht die Tolkien Band. Ja, wir hatten StĂŒcke darĂŒber, aber es war auch nie Hauptbestandteil von BLIND GUARDIAN. Wir haben uns nie vor Tolkien definiert, sondern das war halt ein Thema von vielen, das wir mochten. Da war Michael Moorcock, Stephen King und König Artus beispielsweise auch dabei. Als im Internet der ganze Hype losging, gab es auch Kontakt mit Jacksons Team. Wir haben allerdings noch nicht einmal Demos losgeschickt, weil wir mitten in den Arbeiten zum „Opera“ Album steckten. Ein kompletter Soundtrack hĂ€tte das regulĂ€re Album mal eben einige Jahre nach hinten geschoben, weil wir nicht die typische Band sind, die mal eben einen Soundtrack komponiert. Deshalb haben wir uns auch nie ernsthaft darum bemĂŒht, diesen Job zu kriegen.“

A Night At The Opera

BG Opera„Was zum Teufel ist denn das?“ So oder Ă€hnlich dĂŒrfte es einigen Fans bei der Veröffentlichung 2002 ergangen sein, wenn sie das erste Mal das Cover erblickten. Keine mystische AtmosphĂ€re, sondern eher seltsam anmutende Karikaturen von Fabelwesen, die eine Fantasy Oper bekleiden. Der Blick geht mehrfach auf den BLIND GUARDIAN Schriftzug um sicherzugehen, das man auch wirklich das richtige Album auf dem Tisch hat. Sehr seltsam, aber erstmal schauen, was die Musik so kann. Der Opener `Precious Jerusalem` entlĂ€dt in einer opulenten ReizĂŒberflutung alles, was sich in der langen Wartezeit seit der „Nightfall…“ in den Köpfen der Barden abgespielt hat…und ĂŒberfordert auch schnell. Spieltechnisch ist alles an seinem Platz, die Produktion ist auch top, also was fehlt mir eigentlich? Richtig, die Seele bleibt komplett auf der Strecke! Wo sind die messerscharfen Riffs, die genau auf den Punkt kommen? Wo die epischen Refrains, die sich aus dem Hochgeschwindigkeitsrausch heraus schĂ€len, um sich ins LangzeitgedĂ€chtnis zu fressen? Und warum eigentlich kein Fantasy, sondern ein biblisches Thema? Die Erwartungshaltung wird enttĂ€uscht und hier lernt man eine (teils bittere, teils sĂŒĂŸe) Lektion; erwarte bei dieser Band nichts, denn du weißt nie, worauf sie Lust hat! Wo ist hier mein nĂ€chstes `Past And Future Secret`? Obwohl alle Elemente vorhanden sind, gibt es keinen Dauerbrenner beim ersten Hören. Zu perfekt, zu episch, ich bin raus! Auch wenn sich die Mammutnummer `And Then there Was Silence` irgendwie seinen Weg in mein GedĂ€chtnis bahnt, sind die guten alten Tage der Barden hiermit wohl vorbei.

Ein kleiner Zeitsprung; wenige Jahre spĂ€ter höre ich erneut in das Album rein, weil ich alle anderen Klassiker bereits bis zum Ohrenbluten gehört habe. „Gib der Platte nochmal eine Chance“ denke ich mir,drĂŒcke die PLAY Taste und siehe da, es funktioniert! Die ersten Rhythmen des Schlagzeugs trommeln mich in den WĂŒstensand Jerusalems, wĂ€hrend die Gesangslinien sich durch arg verĂ€steltes Songwriting arbeiten. Chöre vor dem Refrain? Egal, die Reise geht weiter, bis ich mir endlich meine wohlverdiente GĂ€nsehaut bei der Textpassage „I turn to you, oh my precious Jerusalem“ abhole. Wow, da ist ja noch ein Break, das ich noch nie gehört habe und schau mal hier, die geilen Gitarrenlinien und bĂ€hm was fĂŒr ein Solo! Leichte ReizĂŒberflutung, aber irgendwie geil. `Battlefield ` beginnt eher ruhiger, trĂ€gt mich jedoch auf seinen Schwingen schnell ĂŒber den unĂŒbersichtlichen Wald der Songstrukturen hinweg und lĂ€sst mich endlich wieder die Luft atmen, die ich bei BLIND GUARDIAN so liebe. Von oben sehe ich epische Passagen, endlose Gitarrenlinien und eine Soundwand, die sich ihren Weg ĂŒber jene Köpfe hinweg bahnt, die nicht willens sind, ihr von einer anderen Perspektive zu zu hören. Seltsamer Anfang, aber mal schauen, was `Under the Ice ` so drauf hat. OK, recht stakkatomĂ€ĂŸig angehaucht, aber prescht trotzdem gut nach vorne und irgendwie doch gut. Hey, ist das gerade mal die Zwischenpassage? Geil, die hĂ€tte ich fĂŒr den Refrain gehalten. Mein Gott, wie viele Finger haben eigentlich die Gitarristen? Oh mein Gott, DAS ist also der Refrain.So wirklich raus kommt man aus dem Staunen nicht mehr, denn versteckt hinter der dichten Soundwand und dem verĂ€stelten Songwriting erarbeitet man sich Songs, die sowohl beeindruckend, als auch episch und packend sind. Bestes Beispiel dafĂŒr ist `Sadly Sings Destiny` , bei dem der Song um ein charismatisches Gesangskorsett herumgebaut wurde.

Den Job der (Halb-) Ballade ĂŒbernimmt `The Maiden and the Minstrel Knight` , wobei man im Midtempo bleibt, sich aber seiner stetigen Steigerung bewusst ist und letzten Endes die Äste in alle Himmelsrichtungen ausstreckt, um alle Facetten der Band abzuliefern. `Wait for an Answer` erschließt sich mit immer noch nicht, aber allein die Konzentration auf den immens variablen Gesang hinterlĂ€sst bei mir bleibenden Eindruck. Mit `The Soulforged` hat man meiner Lieblingsfiguren der Drachenlanze auditives Leben eingehaucht; entsprechend groß ist meine Begeisterung ĂŒber die filigranen GitarrenlĂ€ufe, das bombastische Gesamtarrangement und die vielen GĂ€nsehautmomente. Von den Gesangslinien will ich gar nicht erst anfangen, sonst zitiere ich hier den gesamten Text. FĂŒr `Age of False Innocence` muss ich noch bereit ein, denn bis jetzt ist es „nur“ ein gutes, aber nicht ĂŒberragendes StĂŒck. `Punishment Divine` ist ein kranker Bastard aus Aggression und Bombast geworden, der mir an manchen Tagen immer noch zu progressiv ist. Vom Adrenalinpegel her bleibt nichts zu meckern. Muss ich ĂŒber `And Then There Was Silence` Worte verlieren? Alleine diesen 14 minĂŒtigen Schinken live zu spielen und Stimmung rĂŒber zu bringen ist eine Kunst. Zum GlĂŒck hat der Song bereits beim ersten Durchlauf irgendwie gezĂŒndet, erschließt sich jedoch nach mehren DurchlĂ€ufen immer mehr und unterstreicht die GenialitĂ€t, mit der man hier zu Werke gegangen ist. Im großen und Ganzen ist die Scheibe anno 2002 ihrer Zeit weit voraus und fordert diese auch ein. Wenn man sich intensiv damit beschĂ€ftigt, null Erwartungshaltung anhand der VorgĂ€nger schĂŒrt und sich Zeit nimmt, wird man mit einem weiteren Meisterwerk belohnt, das es in sich hat. Trotz des Covers, das wohl den Titel „HĂ€ĂŸliches Entlein“ verdient, hinter dem sich aber ein erhabenes Album verbirgt.

Das zweite Live Album

BG LiveEs folgt eine Tour, um die Werbetrommel fĂŒr das Album fleißig zu rĂŒhren. Live hat man sich mittlerweile zu einer Kultband mit brachialer Durchschlagskraft und guter Laune Faktor gemausert. Also wird mal eben ein großer Teil der Landkarte beackert und mit den KlĂ€ngen der Barden beglĂŒckt. Nebenbei erwĂ€hnt man dann wĂ€hrend der Konzerte, daß die Tour aufgezeichnet wird, was das Publikum zu Höchstleistungen anstachelt. Das Ergebnis soll auf den schlichten Namen „Live“ hören, wobei man auf zwei CDÂŽs etliche Klassiker verteilt hat. Besonders gelungen ist die Mischung zwischen wuchtiger Produktion und den Publikumsreaktionen, die die Live AtmosphĂ€re herrlich authentisch in die Synapsen schießen. Gibt es eigentlich irgendwo auf diesem Planeten wirklich diese Barden Taverne, die auf dem genialen Cover von Andreas Marschall abgebildet ist? Falls ja, wĂ€re ich dort bestimmt Dauergast; mit dem Cover besinnt man sich zurĂŒck zu den (optischen) Wurzeln und macht den Ausrutscher zum vorangegangenen Cover wieder wett.

Bei der Auswahl der Songs kann man aus den Vollen schöpfen und so schraubt man zuhause schnell die SKIP Taste vom CD Player ab, denn einen DurchhĂ€nger gibt es nicht. Egal, ob man mit `Into The Storm` gleich loslegt, sich von `Welcome To Dying` in seine Jugend katapultieren lĂ€sst, oder hemmungslos `Nightfall`mitsingt, die Gassenhauer halten den Adrenalinpegel konstant oben. Auch sehr schön, daß es mit `Harvest Of Sorrow `, `The Bards Song (In The Forest)`, `A Past And Future Secret `und `Lord Of The Rings` auch die Balladen auf die Live Scheibe geschafft haben, denn dadurch wird die Abwechslung von hart bis zart komplett abgerundet. Die Live Scheibe bringt schnell Erinnerungen an geile Konzerte zurĂŒck und von der IntensitĂ€t her kann man, nachdem man sich die Platte komplett reingedrĂŒckt hat, erstmal duschen gehen, denn still sitzen und genießen ist nicht drin.

Lost in the Philipshall

Jede Band hat irgendwo ein Heimspiel; sei es, weil sie aus der Region kommt, großartige Erinnerungen damit verknĂŒpfen oder einen Kultstatus aus sonstigen GrĂŒnden genießen. Bei den Barden ist es die DĂŒsseldorfer Philipshalle (heute: Mitsubishi Halle). Bereits in den 90ern wurde eine Live Version des `BardÂŽs Song` aufgenommen, die auf der „Forgotten Tales“ gelandet ist. Dabei hĂ€tte man Hansi teilweise das Mikro wegnehmen können, weil das Publikum einfach mal gemacht hat und eine amtliche Performance hingelegt hat. Anno 2002 soll es dann soweit sein und BLIND GUARDIAN gastierten erneut in ihrem gefĂŒhlten Wohnzimmer der Philipshalle. Nachdem man bereits einige Gassenhauer zum besten gegeben hatte, schallt es aus den Boxen. „Jetzt habt ihr und wir, beide, eine Ruhepause verdient. Magic Moments kann man bekanntlich nicht wiederholen. Gebt euch alle MĂŒhe; hier kommt der `BardÂŽs song®“. Eine simple Ansage, der eine Großtat folgen sollte; frenetischer Jubel, Mitklatschen und nach der Eingangspassage ĂŒbernimmt eine restlos glĂŒckliche Philipshalle den Gesangspart. SĂ€mtliche Kehlen schmettern inbrĂŒnstig jede Textzeile aus dem Herzen in die Menge, die Akustikgitarre setzt sich mit MĂŒhe gegen den lautstarken Beifallsregen durch und sowohl vor, als auch auf der BĂŒhne herrscht GĂ€nsehautstimmung aus allen Poren. Magic Moments kann man nicht wiederholen, aber es gibt im Leben ein Konzert, das absolut alles topt und fĂŒr viele Anwesenden ist es (auch in vielen GesprĂ€chen Jahre spĂ€ter) genau dieser Moment, in dem der `BardÂŽs Song` angestimmt, hemmungslos zelebriert und im Nachgang frenetisch abgefeiert wird. In einem Jubelsturm werden Hansi BemĂŒhungen eine Ansage zu machen gleich mehrfach niedergebrĂŒllt und noch wĂ€hrend man in allen anwesenden Gesichtern das Dauergrinsen sieht, attestiert uns Hansi den vollkommenen Wahnsinn. Eben dieser Moment hat es auch auf das „Live“ Album aus dem Jahr 2002 geschafft, der natĂŒrlich auch die anderen Granaten wie `Valhalla`, `Lord Of The Rings` oder `Mirror, Mirror` (und viele andere) enthĂ€lt.

Live BEyondMarcus erinnert sich. „Oh ja die Philipshalle. Das Konzert war wirklich unglaublich! Der Witz ist: das, was auf dem Album ist, ist schon die gekĂŒrzte Version, es war im Endeffekt lĂ€nger. Der Ausraster ging so um die 12 Minuten oder Viertelstunde. Wir haben gesagt „Das muss irgendwie mit auf das Live Album“, das ist schließlich etwas einzigartiges und passiert nicht jeden Tag. Aber eine Viertelstunde Leerlauf auf dem Album war uns zu viel;man sollte auf jeden Fall hören, was da passiert ist. Wenn ich daran zurĂŒckdenke, hab ich immer noch GĂ€nsehaut. Das hat uns auch sehr unvorbereitet erwischt, denn daß der `BardÂŽs Song` live funktioniert ist kein Geheimnis. Es gab Shows, wo wir den Song nicht gespielt hatten, weil wir keinen Bock hatten. Im Endeffekt wissen wir aber, daß die Nummer ankommt, wenn wir sie spielen. Die Leute singen mit und Hansi könnte die Nummer auch als InstrumentalstĂŒck ankĂŒndigen und es wĂŒrde trotzdem sehr gut funktionieren. Diese Reaktionen, wie sie an diesem Tag in DĂŒsseldorf passiert sind, das ist sonst bis jetzt nirgendwo passiert. Sowas kannst du auch nicht nochmal wiederholen. Die MĂŒhe der Fans hat sich absolut gelohnt, es war ein absoluter GĂ€nsehautmoment!“

Mittlerweile steht das dritte Live Album „Live Beyond The Spheres“ in den Regalen und neben den alten Klassikern, dem `BardÂŽs Song`aus der Philipshalle (es bleibt bei dem Namen, die Mitsubishi Hall bleibt die Philipshalle) kommen auch die neuen StĂŒcke wie beispielsweise das Epik Monster `Ninth Wave` zum Zuge, die sich perfekt in die Klassiker einreihen.

Imaginations Through The Looking Glass

BG Imaginations ThroughZwei Tage lang nur BLIND GUARDIAN live, das wĂ€re mal ein Traum! Dieser Traum soll 2003 in Coburg Wirklichkeit werden. Wer es nicht zu dem Live Gig schafft, wird ein Jahr spĂ€ter mit der Live DVD beglĂŒckt, die neben einer herrliche brachialen Soundwand auch mit gstochen scharfem Bildmaterial aufwarten kann. Bei der Produktion wird Perfektion erneut groß geschrieben und das Ergebnis wird auch noch in einer liebevollen Verpackung auf 2 DVDÂŽs verteilt, die zusĂ€tzlich einen Mitschnitt vom Wacken und ein Making Of enthalten. Als Fan braucht man das Teil ebenso, wie jedes Album, um sich die komplette Vollbedienung zu gönnen (vergesst Youtube, es muss das Original sein). Da ist die logische Konsequenz, das man als Fan eine Wiederholung wĂŒnscht.

Allerdings steht und fĂ€llt das zweite Festival mit der Veröffentlichung des (bereits etwas lĂ€nger angekĂŒndigten) Orchester Albums. „Das wĂ€re natĂŒrlich eine schöne Möglichkeit, weil es auf Tour Blödsinn wĂ€re. Das schöne an unserem eigenen Festival damals war, daß es uns Möglichkeiten eröffnet hatte, die wir auf keinem anderen Festival der Erde gehabt hĂ€tten. Selbst wenn wir Wacken headlinen kannst du nicht tun und lassen, was du willst, weil noch gefĂŒhlte 700 andere Bands da spielen. Du musst bestimmte Vorgaben einhalten, ganz egal ob du Headliner oder Opener bist. Mit unserem eigenen Festival haben wir die Regeln aufgestellt und konnten einfach tun und lassen, was wir wollten. Das bot sich damals fĂŒr die DVD Produktion an und bietet sich natĂŒrlich auch dafĂŒr an, wenn man sowas mit Orchester durchziehen wĂŒrde. Es gibt zur Zeit nichts konkretes, aber das wĂ€re so eine Option, daß ,am das Orchester Album rausbringt und dann pĂŒnktlich mit dem Festival antritt.“

Wir unterbreiten Marcus die Idee, das zweite Festival zu splitten; erster Tag: Orchester Set, zweiter Tag: old school Set mit Speed Klassikern, die man selten live zu hören bekommt ( Beispiel: The Martyr; Tieteltrack Follow the Blind).

„Aufsplitten in Orchestertag und Nichtorchester Tag macht generell schon Sinn, weil wir auch viele „normale“ StĂŒcke haben, die man mit dem Orchester unterbringen könnte. Zweiten Tag dann KnĂŒppel aus dem Sack oder schnelle Nummern wĂ€re auch denkbar. Was man dann spielt, mĂŒsste man dann natĂŒrlich sehen. „Follow The Blind“ beispielsweise haben wir seit gefĂŒhlten 137 Jahren nicht mehr gespielt. Ich mĂŒsste diese Nummer erstmal wieder lernen. Ich wĂŒrde aus dem Stehgreif wahrscheinlich bis zum ersten Refrain kommen und dann mĂŒsste ich wohl nochmal in die CD reinhören um rauszukriegen, was wir denn damals so gemacht haben (lacht) Bis jetzt haben wir uns noch ĂŒberhaupt keine Gedanken darĂŒber gemacht. Auf Tour ist es bei uns so, daß wir uns die Setlist immer vor oder nach dem Soundcheck ĂŒberlegen, aber das warÂŽs dann auch, da sind wir relativ spontan. Es ist nicht so, daß wir bereits ein Jahr vorher wissen, was wir genau wie und wann spielen. Aber so ein Event wie unser Festival bietet sich natĂŒrlich an, um auch mal wieder seltene Sachen rauszupacken. „Follow The Blind“ haben wir bis heute glaube ich einmal live gespielt.“-

BG Band 2005

Ein neues Kapitel

Wir schreiben das Jahr 2005 und die Barden haben einiges an Live Auftritten hinter sich. Man hat sich durch seine Erfahrungen bereits einen Veteranen Status erarbeitet; erst Album, dann Tour, dann kurze Pause, dann wieder Album. Dieser Rhythmus wird beibehalten, um einerseits die KreativitĂ€t aufrecht zu erhalten und andererseits auch jederzeit volle Leistung abzuliefern. Dennoch sind die Jungs auch nicht vor den ganz normalen Gefahren einer Band gefreit und so verlĂ€sst Drummer Thomen „The Omen“ Stauch die Band. Stattdessen widmet er seine gesamte Kraft seiner Band Savage Circus, die er anno 2004 gegrĂŒndet hat. Musikalisch geht es eher zurĂŒck zu den Wurzeln, wobei man sich stark an die „Battallions…“ Phase erinnert. Hier kommt es spĂ€ter zum Eklat und er wird von der Band rausgeworfen, was sich 2012 jedoch wieder legen soll. Nicht unerwĂ€hnt soll die Tatsache sein, daß er als Sessiondrummer das Album „The Path of Salvation“ von Stormrider eingetrommelt hat. Neues Tier an der Schießbude ist Frederik Ehmke, der sich in kurzer Zeit die Diskographie aneigent; trotz eines eigenen Drumstils, bringt er live die alten StĂŒcke gut nach vorne, verfeinert sie allerdings noch zusĂ€tzlich mit kleinen Nuancen. Gerade zum Einstieg dĂŒrfte so eine Nummer wie `Punishment Divine` mit seinen Doubelbassgewittern eine echte Herausforderung gewesen sein. Menschlich integriert er sich ebenfalls schnell in die Band und so werkelt man an dem neuen Output, das um einiges moderner klingt. 70er Jahre Elemente, stark Gitarrenorientiertes Songwriting und moderne Soundsamples verschmelzen hier zu einer Symbiose, die ein neues Level ankĂŒndigen. Bereits der „Testluftballon“ in Form der Single `Fly`, die ein sehr geiles Cover ziert, ist ein klares Statement zum Songwriting und wird im Fanlager heiß diskutiert. Von „Das ist doch kein Blind Guardian mehr“, ĂŒber „Ich weiß nicht so recht“, bis zum „Hör es dir mehrmals an, das zĂŒndet danach richtig“ ist alles dabei. Fakt ist, daß man sich erneut auf unbekannte Pfade begibt, die epische Wirkung zwar beibehĂ€lt, aber nicht mehr so in den Mittelpunkt stellt und leicht verdaulichere Songs erschafft, als beim VorgĂ€nger.

A Twist In The Myth

BG Twist`This Will Never End `eröffnet mit sĂ€genden Gitarren und bis zum Anschlag ausgereizten Vocals die Reise. Stakkato Riffing, umschmeichelnde Gitarrenlinien und einprĂ€gsamer Refrain lassen den Hörer schnell nach hause kommen und empfangen ihn mit mehren Überraschungen. `Otherland` besticht durch Hansis entblĂ¶ĂŸten Vocals, die den Song quasi von alleine tragen. Der Rest entfĂŒhrt schnell in das alte Guardian Feeling, das man sich bei der „Opera“ noch hart erarbeiten muss. Hier geht’s schnell; GĂ€nsehaut, hochschrauben und lauthalt mitsingen ist angesagt. Gerade die leicht vollziehbare Gitarrenarbeit spielt alle TrĂŒmpfe aus und man staunt abwechselnd ĂŒber die Instrumentierung und den herrlichen Text. Episch geht es mit `Turn The Page` weiter, der zwar auch leicht nachvollziehbar ist, von der Epik aber mal eben einen Mix aus guter Laune und `And Then There Was Silence` transportiert. Es folgt `Fly` , das ein progressiver Brocken mit modernen Synthisounds geworden ist. Nach einigen DurchlĂ€ufen bei mir als Single, ist er schnell der SKIP taste zum Opfer gefallen, denn er ist weder Fisch noch Fleisch (kein „Nightfall“ und auch kein „Opera“). Leider verhĂ€lt es sich mit den anderen Songs stellenweise Ă€hnlich, denn auch wenn das Können der Musiker gut zur Schau gestellt wird, stehe ich stellenweise ratlos vor den Boxen und weiß nicht, was ich davon halten soll. `Carry the Blessed Home ` ist eine 70er Jahre Ballade, die auch problemlos auf Dan Swanös Nightingale Album gepasst hĂ€tte; erst in der zweiten HĂ€lfte entfaltet sich das Flair und man weiß wieder, welche Band da spielt. Insgesamt ist die Produktion deutlich dĂŒnner und man könnte meinen, der Perfektionismus sei erloschen. Allerdings sprechen die Songs hier fĂŒr sich; stellenweise sperrig und auf ĂŒbersichtlichem Bombast getrimmt, aber gerade in der Langzeitwirkung extrem effizient. Es soll bei mir noch Wochen dauern, bis ich mir den Kultstatus dieser Scheibe erarbeite. Optisch hat Nuclear Blast mit der limitierten Buchbox (inkl. Großem Booklet und Stempel) alles richtig gemacht, denn es sieht chic aus,

At The Edge Of Time

BG Edge Of TimeNach 4 Jahren Sendepause beglĂŒcken uns die blinden WĂ€chter mit einem ganz großen Wurf ihrer Karriere. In der Vergangenheit mussten sich BLIND GUARDIAN viele VorwĂŒrfe aufgrund ihrer Experimentierfreudigkeit gefallen lassen, weil die HĂ€rte auf Kosten der symphonischen Schiene verloren ging.
Zwar wartet „At The Edge Of Time“ auch mit vielen bombastischen Parts auf (schließlich wurde ein komplettes Orchester dafĂŒr integriert), aber auch KnĂŒppelfans der ersten Stunde und Hymnenliebhaber treibt es hier die FreudentrĂ€nen in die Augen; selten klang Hansis Gesang frischer, die Gitarren aggressiver und das Schlagzeug dynamischer. Hatte man bei „A Twist in the Myth“ noch einige MĂŒhe sich auf die zukĂŒnftige Richtung einzuspielen (obwohl der neue Schlagzeuger einen guten Job gemacht hatte), so sind sie anno 2010 zu einer richtig starken Einheit zusammengewachsen.

Als Opener kracht `Sacred Worlds` durch die Boxen, den Computerspieler kein unbekannter Titel sein dĂŒrfte. Die orchestralen Arrangements wurden erweitert und der Chorus bedient sofort mit einer GĂ€nsehaut deluxe. Wahnsinn, wie man Metal mit Klassik verbinden kann; mittlerweile kein neues Kochrezept, aber hier genial umgesetzt. Old School Fans lassen die Matte zu `Tanelorn (Into the Void)` wieder kreisen und vor dem inneren Auge sieht man schon die Massen den Refrain mitsingen. Den GĂ€nsehautfaktor spare ich mir einfach mal, weil er sich sowieso durch das komplette Album durchzieht. Mit `Road To No Release` gehtÂŽs gemĂŒtlicher zur Sache. So hĂ€tte das komplette „A Twist In The Myth“ klingen mĂŒssen, dann hĂ€tte es auch mit dem Nachbarn geklappt: eine Midtemponummer, vom Klavier unterstĂŒtzt und dynamisch in Szene gesetzt. Danach habe die Krefelder anscheinend keine Zeit mehr, denn im Volltempo jagt `Ride Into Obsession` durch die Speaker und katapultiert uns irgendwo zwischen den Jahren von „Somewhere Far beyond“ und „Imaginations From The Other Side“.
Nach dem Song bekommt die Nackenmuskulatur erstmal eine kleine Pause, denn die mittelalterliche Ballade `Curse my name` lĂ€sst uns weiterhin vor den Boxen knien und jede Textzeile ehrfĂŒrchtig mitsingen. Nach der kleinen Verschnaufpause, gibtÂŽs das atmosphĂ€rische `Valkyries`, das mit einem Gewitter eingeleitet wird. BLIND GUARDIAN ziehen hier ihr progressives Ding durch, und bleiben auf der Midtemposchiene. Der Song geht sofort ins Ohr und hĂ€tte auch auf der „Nightfall In Middle Earth“ zu finden sein können. Eine Runde Gott gespielt wird mit `Control the divine`, der uns wieder zu den „A Night At The Opera“ Zeiten zurĂŒckfĂŒhrt, ohne jedoch stumpf zu kopieren. Mit `War Of The Thrones` ist es dann endgĂŒltig Zeit die Knieschoner aus dem Schrank zu holen, und den Volume Regler bis zum Anschlag aufzureißen; gab es auf der Single „A Voice In The Dark“ die Akustik Version, gibtÂŽs hier eine bombastischere.

Der Arsch wird dann noch mal richtig mit `A Voice In The Dark` versohlt; der schnellste Song des Albums bringt uns zu den Anfangstagen von BLIND GUARDIAN und es wird gezeigt, dass sie die Spielart noch lĂ€ngst nicht komplett abgelegt haben. Ein weiterer Nackenwirbelarmageddon, bevor es zum krönenden Abschluss kommt. Als Nachtisch wird `Wheel Of Time` serviert, dass mit Ă€gyptischen KlĂ€ngen eingeleitet wird. Auf diesem StĂŒck kann man das Zusammenspiel von einer dynamischen Metalband und einem symphonischen Orchester hören, wie es in Perfektion klingen muss. Die Symbiose beider Stilrichtungen ist hier dermaßen gelungen, dass man glaubt BLIND GUARDIAN wĂŒrden seit dem Beginn ihrer Karriere auf diese Weise komponieren.

Nachdem ich mir die ersten FreudentrĂ€nen weggewischt habe, nun noch einige Worte zum Gesamteindruck; die Produktion ist fantastisch ausgefallen. Die Speed Metal Parts kommen aggressiv und die orchestralen Arrangements extrem bombastisch rĂŒber. Auch die mit Liebe eingeflochtenen Gastauftritte (Prager Philharmonic Orchestra, Flöten, Geigen) kommen sehr gut zur Geltung, ohne in den Songs zu verschwinden. Auch Layouttechnisch ist man hier auf der sicheren Seite und so ist das neue Album eine wahre Augenweide fĂŒr Fantasy Fans; gelungene Zeichnungen und die Aufmachung des Digipacks (von der limitierten Pyramide will ich erst gar nicht anfangen zu schwĂ€rmen) runden den Gesamteindruck ab. Auch ist eine Version mit Bonus CD (inklusive Demo Aufnahmen und einer 20 minĂŒtigen Studiodokumentation) und eine Vinyl Auflage am Start, es wurde wirklich an alles gedacht!

Danach geht es fĂŒr die WĂ€chter auf Tour. Kollege Dirk hatte das GlĂŒck, zum Auftakt mit Marcus zu telefonieren. Das Interview könnt ihr HIER lesen.

PĂŒnktlich zum BandjubilĂ€um erscheint die Box “A TravellerÂŽs Guide To Space And Time”. An dieser Stelle könnten wir euch ein weiteres Review prĂ€sentieren. Stattdessen verweisen wir an dieser Stelle auf unseren Artikel, in dem wir die AnkĂŒndigung der WĂ€chter besprochen hatten.

Das Orchester Album

Fans werden diesen epischen Running Gag mittlerweile lieben, denn es wurde aus heutiger Sicht vor 7 Jahren angekĂŒndigt. Die AnkĂŒndigung findet ihr nochmal HIER auf unserer Seite. Fakt ist, daß ein komplettes Orchester am Start ist und die WĂ€chter mit Markus Heitz zusammenarbeiten. Das verspricht wahrlich etwas sehr großes, das natĂŒrlich auch seine Zeit braucht, um zu wachsen. Wir fragen Marcus, wie es nach der Veröffentlichung mit einer Tour aussieht. „Das wĂ€re schön; das stelle ich mit auch sehr spannend vor, aber das ist natĂŒrlich nichts, was man im Rahmen einer Tour machen kann. Wenn du jetzt 90 Leute mehr fĂŒr das Orchester mitschleppen möchtest, brauchst du mehr Nightliner, mehr Crew, du brauchst mehr alles. Das ist allein schon ein Logistik- und Kostenfaktor, der im Rahmen einer Tour nicht funktioniert. Ich könnte mir vorstellen, daß wir sowas mal FestivalmĂ€ĂŸig angehen, wobei es noch keinen konkreten Zeitplan gibt. Es wĂ€re natĂŒrlich spannend; speziell wenn das Orchesteralbum draußen ist, bietet sich sowas natĂŒrlich an.“

Wie und wann es damit weitergeht, lest ihr im unteren Abschnitt zu den ZukunftsplÀnen.

Memories Of A Time To Come

BG MemoriesBraucht man eigentlich eine Best Of Compilation, wenn man doch alle Klassiker im Original im Regal stehen hat? Eigentlich ĂŒberflĂŒssig denke ich mir und lasse die auf 3 CDÂŽs verteilte Perle jahrelang links liegen. So ganz außen vor fĂŒr dieses Special möchte ich es aber nicht lassen, also einfach mal zur VervollstĂ€ndigung kaufen und gut ist. Das Cover ist natĂŒrlich eine wahre Augenweide und die Songauswahl ist natĂŒrlich gut, aber auch zu wenig; ein Best Of BLIND GUARDIAN beinhaltet Material, mit dem man sich eigentlich problemlos mehrere Tage in seiner Kammer verschanzen kann. Die Produktion ist optimal, schließlich wurden sĂ€mtliche StĂŒcke nochmal einer Frischzellenkur unterzogen und neu remastered. Bei `Valhalla`und `And Then There Was Silence` horcht man auf, denn sie wurden auch neu arrangiert. Gleiches gilt fĂŒr den `BardÂŽs Song- In The Forest`, der jetzt die BrĂŒcke zwischen Klassik und Mittelalter schlĂ€gt. Den Vogel abgeschossen hat man mit `The BardÂŽs Song – The Hobbit`, ein meiner Meinung nach viel zu unterbewerteter Song. Auch hier wurde komplett neu aufgenommen und alleine das Doublebassgewitter zu Beginn lĂ€sst mich schnell die Boxen quĂ€len. Alleine dafĂŒr lohnt sich der Kauf schon! Auf der dritten CD befinden sich Demotracks aus den Tagen von LucferÂŽs Heritage, was die Sache abrundet. Pflichtkauf ist hier Ansichtssache, aber zur VervollstĂ€ndigung der Sammlung sollte man es sich gönnen. Außerdem ist es interessant, die alten SchĂ€tzchen mal mit neuer Produktion zu hören.

Die Zwerge

Mit `Sacred Worlds`, aus dem Computerspiel Sacred 2, wurde die Gaming- und Nerdgemeinde beglĂŒckt. Wer Ende 2016 die Computerspieladaption „Die Zwerge“, angelehnt an der Buchreihe vom Autor Markus Heitz, gespielt hat, wird wĂ€hrend des Abspanns mit einer schönen Überraschung konfrontiert, denn die Barden haben erneut einen Song zu einem Spiel beigesteuert. „Beigesteuert ist so nicht ganz richtig, weil der Song nicht von uns ist. Das Produktionsteam hat uns damals im Studio besucht und uns ihr Projekt vorgestellt. Wir konnten schon in frĂŒhen Alpha Versionen reinspielen, um halt einen Eindruck zu kriegen und wir wurden dann auch gefragt ob wir Bock hĂ€tten, einen Song fĂŒr das Spiel zu schreiben. An Bock ist es nicht gescheitert, gescheitert ist es schlicht und ergreifend an der Zeit. Ich glaube wir waren kurz vor der Endproduktion zum letzten Album und waren zeitlich so ausgebucht, daß wir keine Möglichkeit hatten, wieder in das Songwriting zu gehen und ein StĂŒck zu schreiben. Wir haben dann angeboten, daß wir nur performen und nicht schreiben, weil wir schlicht und ergreifend keine Zeit haben. Das heißt, daß der Song nicht von uns geschrieben wurde, sondern von deren Team und Hansi hat praktisch gesungen und ich hab alle Gitarren gemacht. Es sind also auch nicht komplett BLIND GUARDIAN involviert gewesen, sondern nur Hansi und ich. Im Endeffekt hat es sehr großen Spaß gemacht und es ist eine sehr spannende Erfahrung, mit Leuten zusammen zu arbeiten, mit denen du noch nie etwas gemacht hast und die du auch nicht kennst. Innerhalb der Band kennen wir uns alle in und auswendig. Wir machen das schon seit 30 Jahren und auch Frederik ist schon seit 12, 13 Jahren dabei. Bei uns ist es ein blindes VerstĂ€ndnis, ein blindes Zusammenarbeiten, das einfach lĂ€uft. Wenn du dann auf einmal mit Leuten zusammenarbeitest, die du nicht kennst und die eine andere Arbeitsweise haben, und von mir aus auch noch aus einem ganz anderen Lager kommen, kann das sehr interessant sein und macht auch enorm viel Spaß. Wir haben damals die Demos bekommen und Hansi und ich haben dann etwas umarangiert, den Kram eingespielt und es ist schön geworden. Ich muss aber betonen, daß es keine BLIND GUARDIAN Nummer ist. Das wird immer wieder fĂ€lschlicherweise gesagt, wenn man im Netz schaut; dann stellen sich die Leute die Frage, warum wir diese Nummer nicht aufs Album gepackt haben oder warum wir das StĂŒck nicht live spielen. Es ist schlichtweg nicht unser Song.Wir haben nicht komponiert, sondern nur arangiert“ Eigentlich sehr schade, denn der Song ist gut geworden. Bleibt die Frage, ob er wirklich niemals live gespielt werden wird. „Unwahrscheinlich. Man soll ja niemals nie sagen; wir haben in unseren frĂŒheren Jahren ja auch mal Coverversionen gespielt, die wir rausgebracht haben, weil wir da Bock drauf hatten. Ich wĂŒrde es jetzt nicht pauschal ausschließen, daß das jemals passieren könnte, aber ich wĂŒrde auch keine all zu großen Erwartungen darauf setzen. Wenn wir jetzt damit anfangen wĂŒrden, fremde Nummern in unsere ohnehin volle Setlist rein zu setzen, wĂŒrden wir Probleme bekommen. Wir spielen bereits im Schnitt zweieinhalb Stunden und du bekommst trotzdem nur 18 Nummern unter.“

Gaming Corner- ein NerdgesprÀch

BLIND GUARDIAN haben viele EinflĂŒsse; Herr der Ringe, Stephen King und König Artus sind nur einige Gebiete, aus denen Songs entstanden sind. ZusĂ€tzlich zu BĂŒchern und Filmen gesellt sich noch eine andere Leidenschaft. Marcus ist ein Fan von Computerspielen, womit er bei mir offene TĂŒren einrennt. Ab dieser Stelle ein kurzes Wort der Warnung: wer mit Spielen nicht anfangen kann, sollte nun zum nĂ€chsten Abschnitt skippen. Auf geht’s in den Spielewahnsinn:

MI: Welche Spiele zockst du zur Zeit?

Marcus: „In den letzten 12 Jahren war sehr viel World Of Warcraft am Start (lacht); im Moment spiele ich sehr gerne und oft „Zelda- Breath Of The Wild“ auf der Switch. Diablo 3 spiele, aber ich muss zugeben, daß ich das nicht so spiele, wie ich damals Diablo 2 gespielt habe. Den Suchtfaktor fand ich bei 2 einfach höher als bei 3. Ist zwar ein gutes Spiel, hat mich allerdings nicht so motiviert, wie es bei Teil 2 der Fall war. Das Tombraider Reboot fand ich auch sehr gut; ich hab mir auch schon die Fortsetzung davon gekauft, aber noch nicht angefangen. Resident Evil fand ich auch immer großartig. Da habe ich letztens mit Teil 7 angefangen, wobei das non plus Ultra fĂŒr mich immer noch Teil 4 ist. Ich zocke alles quer durch den Garten, wobei es leider einige Spiele in der Art nicht mehr gibt. Beispielsweise „The Secret Of Monkey Island“ von Lucas Arts und alte Rollenspiele.“

MI: Man kann sich die alten SchĂ€tzchen noch ĂŒber GOG (Good Old Games) fĂŒr aktuelle Rechner kaufen.
Marcus: „Ich hab noch die ganzen alten Originale hier im Schrank stehen. Aber die Art von Spielen vermisse ich irgendwie. Es war mal das Ding und ist irgendwann aus irgendeinem Grund ausgestorben. Eine Zeit lang habe ich auch Shooter und Strategiespiele gespielt, worauf ich halt gerade Bock hatte.“

MI: Was ist mit Elex, dem neuen Spiel von Piranhya Bytes (Den Machern von Gothic)?
Marcus: „Piranhya Bytes kenn ich, wie heißt das Spiel?“
MI: Elex. Ist eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy; man spielt erneut einen Helden, der sich von ganz unten nach oben kĂ€mpfen muss. Es hat genau den Ruhrpott Flair von damals; harte Spielwelt, unzĂ€hlige Quests und humorvolle Dialoge. Keine Grafikhure vor dem herrn, aber die AtmosphĂ€re ist sehr geil. Du hast erwĂ€hnt, daß due Resdient Evil Fan bist. Wie schautÂŽs dann bei dir mit The Evil Within 2 aus?
Marcus: „Den ersten hab ich auch auf den Rechner, aber noch nicht gespielt. Den zweiten hab ich gekauft, aber installiere ich erst, wenn ich den ersten durch habe. Ich erwarte hier großartiges, denn Trailer und Bilder haben mir sehr gut gefallen.“

An dieser Stelle bremsen wir uns beide zu dem Thema, da es ansonsten ein reines Gaming Special werden wĂŒrde. Es geht weiter mit BLIND GUARDIAN.

Beyond The Red Mirror

BG MirrorNeues Album, neue Wege, oder doch wieder ein Schritt zurĂŒck in die glorreiche Vergangenheit? Nach mehrmaligem Hören hat das Album fĂŒr mich eine sehr persönliche Botschaft an Bord: Schluss mit Nostalgie und ran ans Erwachsen werden!
Mit „Beyond The Red Mirror“ halten sich BLIND GUARDIAN auch selbst den Spiegel vors Gesicht, mit allen Facetten, Narben und einem zeitlosen Blick in den Augen. Obwohl dieses Mal auf vielen Baustellen mehr und intensiver gearbeitet wurde, hat man sich auch den kleinen Dingen mit viel Liebe gewidmet. Das beginnt beim opulenten Gesamteindruck (das Album beim ersten Durchhören verarbeiten? Vergesst es!), geht ĂŒber bereits bekannte (und doch intensiv spĂŒrbare) Gitarrenduelle, bis hin zu den gĂ€nsehautartigen Gesangspassagen, die (man mag es kaum glauben) wirklich noch intensiviert werden konnten. Das Album ist eine Reise, die man mit jedem Durchlauf neu und intensiver erleben kann.

Bereits der orchestrale Opener entlĂ€dt seine gesamte Urgewalt in den Boxen. Dabei zeigen die Barden auch den Mut, mittels moderner Effekten die BrĂŒcke zwischen old school Fans und modernen Fans zu spannen. Die SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der dies gelingt, ist dabei genauso beachtlich wie die Tatsache, das 9 minĂŒtige UngetĂŒm bereits zu Beginn abzufeuern.Die Singleauskopllung `Twilight Of The Gods` kommt direkt auf den Punkt, wĂ€hrend sich mit `Prophecies` der erste Song ins LangzeitgedĂ€chtnis schmilzt; mal im Ernst, wer hier nicht genauso glĂŒcklich grinst, wie beim ersten Durchlauf der „Nightfall
“ muss definitiv zum Ohrenarzt. EinprĂ€gsame Gitarrenschlangen, treibendes Drumming und Gesanglinien, die tiefer in den Spiegel zerren. Dreckige Riffs und opulente Orchesterpassagen vereinen sich in `At The Edge Of Time` und gehen den Weg des VorgĂ€ngeralbums imposant weiter. `Ashes Of Eternity` knurrt bösartig aus den Boxen, kratzt am Trommelfell entlang, ehe es sich wieder (unberechenbar) versöhnlich dem Hörer anbietet. Mit `Distant Memories` fĂŒhlte ich mich im Verstand eines Königs gefangen, ehe mich GĂ€nsehautwellen tiefer in den Spiegel zerrten. Episch und gleichzeitig AushĂ€ngeschild fĂŒr den Weg, den die Krefelder eingeschlagen haben. Sie experimentierten und webten ihre alten Tugenden mit ein, was hier sehr gut zur Geltung kommt.

Macht das Licht an, stellt das Bier weg, denn spĂ€testens mit ÂŽThe Holy Grail` warÂŽs das mit dem GrĂŒbeln, was man ĂŒber die neue Platte denken soll. Der Song killt, treibt die Lautsprecher an ihre Grenzen und lĂ€sst mich beten, dass dieser Song live gespielt wird und tausende Kehlen den Refrain mittragen! Ein Schlachtfeld entsteht schnell vorm geistigen Auge und schmiedet sĂ€mtliche GefĂŒhle, die bei Manowar oder Bathory je aufgekommen sind, in einen Song. Keine Schnell-ins-Ohr-Killer? Ich verneige mich ehrfĂŒrchtig vor dieser Antwort zum eigenen „Mirror Mirror“ und anderen Klassikern. Das Stakkato Gewitter flirtet mit dem Orchester unter dem Banner `The Throne`, ehe `Sacred Mind` wieder Geschwindigkeit auf dem Programm steht. Mit der Ballade `Miracle Machine`haben es die Barden geschafft, ihren Namen neben Legenden wie Queen einzumeißeln. Hansis Stimme geht direkt unter die Haut, das Klavier erschafft eine nachdenkliche (jedoch nicht melancholische) Stimmung und der Wunsch nach einem Wunder keimt schnell in einem selbst auf. Diese Nummer lief beim Test einen halben Tag in Endlosschleife, ohne eine Spur seiner Magie zu verlieren. `Grand Parade` strotzt vor dem Perfektionismus, der hier an den Tag gelegt wurde, um eine kraftvolle Symbiose aus Klassik und Metal zu erschaffen. Wer `Sacred` mochte, wird diesen Song lieben und selbst die Black Metal Fraktion dĂŒrfte sich hier an einige Sternstunden wie alte Dimmu Borgir erinnert fĂŒhlen, ehe mit dem Bonussong (in dem limitierten Buch)`Doom`die Reise unter „We will Remember“ Rufen und herrlichen GitarrenlĂ€ufen endet.

Statt Erinnerungen hinterher zu hĂ€ngen, fĂŒhrt dieses Album das fort, was bei der „Imaginations“ endete. Dabei bedient man sich der Erfahrungen der letzten Jahre und erschafft ein Album mit einem Charakter, der mir ehrlich gesagt in den letzten Jahren etwas gefehlt hat. Wer sich die volle Dröhnung gönnen möchte, sollte sich die Buchedition gönnen, auf der die AtmosphĂ€re des Albums mit den gelungenen Zeichnungen von Felipe Machado Franco perfekt eingefangen wurde. Als BLIND GUARDIAN Fan ist man erwachsen geworden und verdient auch ein reifes und gleichzeitig kraftvolles Album. Ich habe das Album noch nicht bis in den letzten Winkel ergrĂŒndet, aber gerade diese Tatsache rundet den Gesamteindruck ab. Die Reise endet und beginnt mit jedem neuen Hören


blindguardian2016

ZukunftsplÀne

Wir schreiben das Jahr 2017. Die WĂ€chter haben das Ende ihrer Tour angekĂŒndigt und begeben sich nun in ihr Studio, um ihr neues Album aufzunehmen. Die GerĂŒchte verdichten sich, daß es dieses Mal das lang angekĂŒndigte Orchester Album werden wird. „Ja, das Orchester Album wird es geben, tatsĂ€chlich. Die Live Abstinenz wĂŒrde es auch geben, wenn wir nicht mit dem Orchester arbeiten wĂŒrden. Wir arbeiten immer in diesen Zyklen; wenn ein Album rauskommt gehen wir auf Tour, schreiben in der Zeit auch nicht wirklich neue StĂŒcke, weil wir das nicht können. Wir brauchen den Abstand. Wenn wir auf Tour komponieren wĂŒrden, wĂŒrde das neue Zeugs genauso klingen, was wir live auch spielen, weil das ist automatisch die Musik, die du den ganzen Tag auch hörst. Das wĂŒrde automatisch zu Wiederholungen fĂŒhren und da haben wir keinen Bock drauf. Deshalb splitten wir das in eine Tour- und Songwritingphase. Jetzt sind wir halt in der Sogwritingphase; wir waren jetzt zweieinhalb Jahre auf Tour und irgendwann muss auch mal gut sein (lacht) . Irgendwann schlĂ€ft man auch gerne wieder zuhause und sieht seine Familie. Wir haben jetzt mit dem Songwriting fĂŒr das nĂ€chste, regulĂ€re Album begonnen, aber auch das legendĂ€re Orchester Album wird jetzt endgĂŒltig fertig gestellt. Das heißt, Hansi muss jetzt eine ganze Menge singen. UrsprĂŒnglich sollte das wĂ€hrend der Tourpausen passieren, aber den Plan mussten wir relativ schnell verwerfen, weil der Touralltag viel zu anstrengend fĂŒr Hansis Stimme ist. Wenn du also mal eine 2 Wochen Pause zwischen einer Europa- und einer Amerikatour hast, ist deine Stimme nicht wirklich fit fĂŒr eine Studioaufnahme. Es macht hier auch keinen Sinn irgendwas zu erzwingen, denn das wĂŒrde bedeuten, daß die Studioaufnahmen vielleicht mit viel GeprĂŒgel funktioniert und danach ist seine Stimme durch und hĂ€lt die nĂ€chsten Konzerte nicht mehr durch. Das ist Blödsinn; ein SĂ€nger braucht, wie jeder andere Musiker auch, definitiv zwischen den sehr anstrengenden Tourblöcken seine Pausen. Hansi kann also jetzt in aller Ruhe alles einsingen und dann können wir mixen und mastern und dann kommt das Album tatsĂ€chlich auf den Markt.“

Die klare Trennung von Tour und Albumphase hat bisher immer FrĂŒchte getragen. Hinzukommt eine innovative Idee, mit der man sich (und den Fans) Abwechslung auf den Konzerten gönnt. „Wir geben uns schon ein wenig MĂŒhe. Wir spielen am Abend um die 18 StĂŒcke, haben aber fĂŒr die Tour so um die 45 StĂŒcke geprobt. Jedes StĂŒck wird auch im Rahmen der Tour gespielt, weil sich jeden Tag zwei bis vier Nummern im Vergleich zum Vortag Ă€ndern. Dadurch konnten wir natĂŒrlich auch aus einem großen Fundus schöpfen, den wir fĂŒr das Live Album gebraucht haben. ZusĂ€tzlich kommen die Leute auch zu mehr, als nur zu einer Show; sie haben also eine Garantie, daß sie unterschiedliche Sets sehen. Außerdem ist es fĂŒr uns auch wichtig, denn wenn du zweienhalb Jahre auf Tor bist und immer die gleichen 18 StĂŒcke spielst, drehst du irgendwann durch. Das mĂŒndet dann in eine tödlich, langweilige Routine, was wir logischerweise auf gar keinen Fall wollen. Es soll auch fĂŒr uns spannend und vor allem spaßig bleiben.“

Das Warten auf das nĂ€chste Album dauert bekanntlich lĂ€nger. Vorher gibt es einen Appetizer, der aber noch lange nichts ĂŒber das gesamte Album aussagt.

„Das wird bei uns nie möglich sein, weil wir stilistisch sehr breit aufgestellt sind. Ich habe mal eine interessante Diskussion mitverfolgt, wobei man versucht hat, unseren Stil zu nennen. Es wurde von Speed-, ĂŒber Power- bis zum Progressive Metal alles genannt und alles stimmt. (außer Black Metal bei LuciferÂŽs Heritage). Das ist auch ein Grund, warum wir die Einstellung nicht mögen, denn wenn wir uns auf einen Stil beschrĂ€nken wĂŒrden, dĂŒrften wir ja nichts anderes machen. Dieses Schubladendenken engt dich nur ein und deshalb interessiert uns das auch nicht; wenn wir eine Idee gut finden und sie zu uns passt, dann machen wir das, worauf wir Bock haben. Schnell, hart, langsam, episch ist völlig egal; solange es uns gefĂ€llt und es nach BLIND GUARDIAN klingt, ist alles gut. Deshalb kann ein Appetizer in Form einer Maxi oder eines einzelnen Songs nur einen Teilaspekt beleuchten, was auf dem Album ist. Gerade das macht aber fĂŒr mich auch den Reiz aus, weil es immer etwas neues zu entdecken gibt.“

BG Ending

And The Story Ends…

Wir sind am Ende einer langen Reise angekommen. Herzlichen GlĂŒckwunsch und vielen Dank an jene, die sich bis zu dieser Stelle durchgekĂ€mpft haben. Am Ende stellen wir Marcus eine Frage, deren Antwort besonders jungen, aufstrebenden Bands Mut machen dĂŒrfte:Seit wann macht ihr das eigentlich hauptberuflich? „Seit Anfang an; wir haben den Plattenvertrag unterschrieben, da war ich noch in der Schule. Wir haben vom Timing GlĂŒck gehabt, denn ich hab die Schule abgeschlossen, als die „Follow The Blind“ gerade draußen war. Danach kam der Zivildienst fĂŒr mich und Andre und im Anschluss haben wir die „Tales“ rausgebracht und ab da haben wir davon gelebt. Keiner der Band hat jemals etwas anderes gemacht; wir haben seit dem ersten Tag an das erklĂ€rte Ziel gehabt „Das ist es, was wir machen wollen“ und wir haben auch immer daran gezogen. Wir haben jeden Tag geprobt, außer manchmal Sonntags, wenn wir am Samstag zu viel gesoffen hatten (lacht). Im Normalfall standen wir jeden Tag im Proberaum und haben versucht uns als Musiker und Songwriter zu verbessern. Wir haben alles Geld, was wir bekommen haben, in unsere Musik investiert; sei es in Instrumente, Studioequipment usw. Wir haben sehr frĂŒh angefangen uns Studioequipment zu kaufen. Irgendwann haben wir den Schritt gemacht, uns unser eigenes Studio zu bauen, in dem wir unsere Platten aufnehmen. Wir haben immer daran gezogen und es gab auch nie einen Plan B. Sowas lenkt dich nur ab und fĂŒr uns war ganz klar „Das ist das, was wir beruflich machen werden“. Unser Ziel war es, daß wir professionell Musik machen, Alben aufnehmen und touren. Das war unsere klare Vision und in unseren Köpfen gab es auch nie eine Alternative dazu. Es gab auch nie die Möglichkeit, daß das nicht klappen könnte, denn wir wollten es ja. (lacht) Also haben wir es umgesetzt.“

Zu Guter Letzt hat Marcus noch einige abschließenden Worte fĂŒr die Fans, die sich nun in Geduld auf das kommende Album ĂŒben mĂŒssen:

„GlĂŒckwunsch dazu das ihr BLIND GUARDIAN hört, ist die richtige Entscheidung (lacht) Vielen, vielen Dank fĂŒr 30 jahre Support und auch an alle, die spĂ€ter eingestiegen sind. Wir hatten einen Mega Spaß auf der letzten Tour, das hört man glaube ich wohl dem Live Album an. Wir sind jetzt in der Songwriting Phase, die Tour danach kommt bestimmt und dann geht alles von vorne los und wir freuen uns schon darauf. Dauert ein bisschen, als bitte etwas Geduld haben, im Endeffekt wird es sich hoffentlich lohnen. NĂ€chste Tour kommt garantiert und dann können wir hoffentlich wieder zusammen feiern.“

Sebastian Radu Groß

SPECIAL: DAYAL PATTERSON

Posted by Samir On September - 14 - 2017

dp_volutionÜber Metal, seine Geschichte und die meisten seiner AusprĂ€gungen gibt es bereits viele BĂŒcher, die sich qualitativ stark unterscheiden und auch oftmals versuchen, die gesamte Musikrichtung und alle Facetten die es in sich trĂ€gt zu beleuchten. Hierbei bleiben natĂŒrlich gelegentlich wichtige Aspekte der einzelnen Subgenres auf der Strecke und es wird vermehrt mit Klischees gearbeitet. Mit dieser Verallgemeinerung hat besonders der Black Metal zu kĂ€mpfen, der selbst in BĂŒchern, die sich mit Heavy Metal beschĂ€ftigen, als satanischer Krach abgetan wird und die Vielfalt dieser Musikrichtung außer Acht gelassen wird. Bislang hatten es nur wenige BĂŒcher wie „LORDS OF CHAOS“ geschafft die Grundidee des Schwarzmetalls auf Papier zu bringen, ohne dabei die zahlreichen AuswĂŒchse dessen unter den Tisch zu kehren. Doch selbst hier wurde natĂŒrlich lediglich an der OberflĂ€che gekratzt. Autor Dayal Patterson, der als Redakteur unter anderem fĂŒr den britischen Metal Hammer tĂ€tig ist, beschrĂ€nkt sich daher nicht darauf nur ein Buch ĂŒber die Geschichte und HintergrĂŒnde von Black Metal zu verfassen, sondern startet eine ganze Reihe, die mit „BLACK METAL: EVOLUTION OF THE CULT” ihren Anfang fand und bislang sechs Teile umfasst. Die Veröffentlichung der deutschen Ausgabe der ersten beiden Teile der Reihe haben wir zum Anlass genommen, die BĂŒcher genauer zu betrachten und auch den Autor selbst ĂŒber seine weiteren PlĂ€ne zu befragen.

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DAN SWANÖ GEWINNSPIEL

Posted by Radu On August - 15 - 2017

Über DAN SWANÖ muss man wohl nicht sehr viele Worte verlieren; als Musiker und Produzent hat er die Metal Szene mitgeprĂ€gt und sein Portfolio umfasst mittlerweile ein gefĂŒhltes Telefonbuch. Wer sich einmal komplett mit seinen Arbeiten beschĂ€ftigen möchte, kann sich unser SPECIAL einmal zu GemĂŒte fĂŒhren. ZusĂ€tzlich erzĂ€hlte er uns in einem INTERVIEW ĂŒber sein Baby SWANÖMERCH, das er gemeinsam mit seiner Frau Eva Maria aus dem Boden gestampft hat.

Swanömerch

Die Bandbreite reicht von Shirts, ĂŒber Sticker, bis hin zu (teils signierten) Schallplatten. Da der Chef hier noch selbst Hand legt und keine Massenware produziert, ist das Angebot begrenzt und entsprechend mit viel Liebe zum Detail verarbeitet. ZusĂ€tzlich bietet Eva noch ihren selbst gemachten Schmuck ĂŒber ihre Facebookseite ItÂŽs a wrap an.

Fans sollten jetzt besonders stark sein, denn es gibt die einmalige Gelegenheit etwas von Swanö persönlich abzustauben: zu gewinnen gibt es eine handsignierte Version von NIGHTINGALE -“Nightfall Overture“ auf Vinyl! Die Scheibe wurde 2004 im Rahmen der Europa Tour (als CD) verkauft und war auf 500 StĂŒck limitierte Album. Das Album enthĂ€lt u.a. Neuinterpretationen von `Nightfall Overture`, `Steal The Moon` und `Losing Myself`. ZusĂ€tzlich kommt der bis dato unveröffentlichte Song `Better Safe Than Sorry` zum Zug. Insgesamt wurden die StĂŒcke in ein hĂ€rteres Soundgewand verpackt und krachen entsprechend brachial aus den Boxen.

Swanö Gewinn

Was mĂŒsst ihr dafĂŒr tun? Beitrag auf Facebook liken, teilen und Daumen drĂŒcken. Das Gewinnspiel endet am 31.08.2017. Der glĂŒckliche Gewinner wird von uns benachrichtigt und bekommt die von DAN SWANÖ handsignierte Platte nach hause geschickt. Viel GlĂŒck!

Jahrespoll 2016

Posted by Radu On Dezember - 13 - 2016

Ihr kennt das; Weihnachten steht vor der TĂŒr, das Jahr neigt sich dem Ende zu und man freut sich schon auf die ruhigen Tage bzw. auf den Ausklang des Jahres. Doch was hatte das Jahr 2016 eigentlich am Start? Die eine oder andere Platte, intensive Konzerterfahrungen und auch die eine oder andere Pleite. Einmal die nostalgische Schiene schieben, ehe es mit Volldampf ins neue Metal-Jahr 2017 geht- die Mission unserer Redaktion: nenne deine persönliche drei besten Platten, das intensivste Konzert und die grĂ¶ĂŸte Pleite des Jahres.

Here we go:

Uli
Uli

1. Album des Jahres:
TESTAMENT ‘Brotherhood Of The Snake’

2. Konzerte des Jahres:
Winery Dogs Matrix Bochum

3. Reinfall des Jahres:
Metallica

Radu

Radu

1. Album des Jahres:
TREES OF ETERNITY – `Hour Of The Nightingale`
Eine tragische Entstehungsgeschichte, ein abgrundtief atmosphÀrisches Album und auch schnell mit persönlichen Erinnerungen behaftet. Weltklasse.

2. Konzerte des Jahres:
Blind Guaridan auf dem Rock Hard Festival. Bei allen feuchten TrĂ€umen und wĂŒnschen kloppen sie `The last Candle` live raus und katapultieren mich mal eben in meine Jugend zurĂŒck.

3. Reinfall des Jahres:
Trotz umfangreicher XXL Black Sabbath Story keine Chance auf eine Akkreditierung bekommen. DafĂŒr ein top Angebot fĂŒr ein Meet & Greet fĂŒr lauschige 1300 €. Meine Begeisterung fĂŒr die Band ist ungebrochen, auch wenn ich die Plattenfirma fĂŒr geldgeile Hobbyhuren halte.

Samir

Samir

1. Album des Jahres:
KORN – The Serenity Of Suffering

2. Konzerte des Jahres:
Alcest Prophecy Fest

3. Reinfall des Jahres:
Auflösung von Bolt Thrower


Thomas

Thomas

1. Alben des Jahres:
KATATONIA – The Fall Of Hearts -
FLOTSAM AND JETSAM – Same -
OPETH – Sorceress

2. Konzerte des Jahres:
Opeth in Köln (E-Werk)
My Dying Bride beim Summer Breeze 2016
Kataklysm in Bochum (Matrix)

3. Reinfall des Jahres:
Beyond The Black beim Summer Breeze 2016

Hendrik

Hendrik

1 Alben des Jahres:
a) SANZU mit “Heavy over the home” Was die Australier hier als DebĂŒt (!) abliefern, ist in der Tat eine schwere Dampfwalze, die da zĂ€hflĂŒssig aus den Boxen rollt. Was fĂŒr ein genialer Midtempo-Brocken! Mehr davon!
b) MESHUGGAH mit “The Violent Sleep of Reason”. Nach eher durchwachsenen Scheiben wie “Chaosphere” endlich wieder die ganze polyrhythmische GenialitĂ€t auf hohem Niveau! Wer braucht schon ein Metronom?
c) Auch wenn es ein Remaster ist, gehört es fĂŒr mich zu den Veröffentlichungen des Jahres: SOUNDGARDENS “Badmotorfinger” als 25th Anniversary Remaster mit Bonus CD, wo hörenswerte Studio Outtakes und Liveaufnahmen zu hören sind. Der Meilenstein des Grunge erwacht hier im Remastering unter den wachsamen Augen von Kim Thayil zu neuem Leben!

2. Konzerte des Jahres:
Iron Maiden live auf der WaldbĂŒhne Berlin. Die Band meiner Jugend, die immer noch ĂŒber die Bretter turnt wie damals. Werden die eigentlich nicht Ă€lter? Bruce Dickinson klingt nachdem er den Krebs ĂŒberwunden hat, besser als auf dem Album, sie albern live immer noch herum wie kleine Jungs und Eddie lebt auch noch. Also alles im Metal-Lot!!

3. Reinfall des Jahres:
Gemessen an den hohen Erwartungen und dem PR-Brimborium und dass sie zu den “Big Four” gehören (was ich sowieso albern finde…) und dass eine Lemmy-Hommage darauf zu finden ist und und und … ist das Metallica-Album irgendwie durchwachsen geworden. Es ist nicht wirklich schlecht, aber nach der ersten CD fange ich an, mich zu langweilen. Im Arbeitszeugnis wĂŒrde vermutlich stehen: Sie haben sich bemĂŒht.

Lin

Lin

1. Album des Jahres: nope
2. Konzerte des Jahres: nope

3. Reinfall des Jahres: Spider Murphy Gang vor ein paar Jahren (schlimmster Reinfall ever)


Petra

Petra

1. Album des Jahres: PRIMAL FEAR – Rulebreaker
2. Konzerte des Jahres: Paul Gilbert

3. Reinfall des Jahres: Rock im Revier

UNISOUND – DAN SWANÖ BACKSTAGE

Posted by Radu On Oktober - 24 - 2014

Unisound Chronicles – Backstage mit Dan Swanö

In den 90er Jahren experimentierten viele Extrem Metalbands mit ihrem Sound und prĂ€gten so die damalige Metallandschaft, die fĂŒr uns heute fast schon selbstverstĂ€ndlich ist. Black Metal lotete seine Grenzen aus, Death Metal Band liebĂ€ugelten erstmalig mit progressiven Elementen und auch die Hochzeit von Gothic und Metalsounds prĂ€gten eine hungrige Szene in ihrem Wachstum. In all der Vielfalt gaben sich namenhafte Bands im Unisound Studio die Klinke in die Hand, in dem Dan Swanö die Regler bediente und unvergessliche Klassiker dem charakteristischen Sound verlieh. Neben der Arbeit als Produzent war er jedoch (teilweise gleichzeitig) mit vielen eigenen Projekten beschĂ€ftigt. Eine Auswahl seiner Projekte soll hier prĂ€sentiert werden; wer den Namen Dan Swanö noch nicht kennt, sollte sich auf eine Geschichtsstunde gefasst machen. Alle anderen dĂŒrfen gerne in Nostalgie schwelgen und die alten Scheiben beim Lesen entstauben und im Hintergrund laufen lassen.

EDGE OF SANITY
Edge Of SanityDas AushĂ€ngeschild schlechthin. Blubberte man zu Beginn mit zwei Demos eher im Untergrund vor sich hin, so verhalf die Demo „Kur-Nu-Gi-A“ (die im Jahr 2009 nochmal als Vinyl wiederveröffentlicht werden sollte) den Jungs zu einem Vertrag mit Black Mark Production. 1991 wurde „Nothing But Death Remains“ von der Kette gelassen, das im Ansatz bereits schwedentypische Earcatcher mit rĂ€udigem Riffing vereinte. Bereits hier wurden im Hintergrund einige Keyboards eingestreut, wĂ€hrend neben rĂ€udigem Groove auch rĂ€udiges GeknĂŒppel seinen Platz fand. `Angel Of Distress` und `The Dead` sollten hier stellvertretend der einstigen Demos fĂŒr den Sound Pate stehen. Gerade mal ein Jahr spĂ€ter legte man mit „Unorthodox“ ein Album nach, das EDGE OF SANITY ein charakteristisches Alleinstellungsmerkmal bescheren sollte. Neben dem kultigen Cover, hatte man auch den Sound noch etwas effizienter gestaltet; weg von der Ursuppe, hin zu mutigem, entblĂ¶ĂŸtem Soundgewand, inklusive ersten Loops und Halleffekten. Neben Death Metal lastigem Geballer wie `Everlasting`, hob man sich nicht zuletzt mit `Enigma`von der typischen Death Metal Szene ab, indem man neben Keyboards und griffigem Ohrwurmrefrain auch den Mut hatte, cleane Vocals zu benutzen. Dieses Novum sollte sich spĂ€ter in der Schwedentodszene durchsetzen und lange Zeit zum Markenzeichen von EDGE OF SANITY werden. Die ĂŒblichen Bausteine (Intro, InstrumentalstĂŒck) der damaligen Szene waren ebenfalls prĂ€sent, allerdings auch schon einen Schritt weitergedacht. So ebnete beispielsweise `When All Is Said` Bands wie Hypocrisy TĂŒr und Tor, die sich aussschließlich dem schweren und gleichzeitig langsamen Sound verschrieben hatten. Wer im Jahr 1993 in der Dortmunder Discothek Spirit den ansĂ€ssigen DJ Mimi auf einen Song angesprochen hat, der punkiges Schlagzeug, sĂ€gende Gitarrenriffs und rĂ€udige Vocals beinhaltet, dĂŒrft wohl `Darkday`vom folgenden Album „The Spectral Sorrows“ gehuldigt haben. Dan Swanö und seine Truppe hatte es irgendwie geschafft, die HĂ€rte des Todesmetalls in leicht zugĂ€ngliche und gleichzeitig langfristige Wirkung in die Ohrmuscheln der Leute zu frĂ€sen. Abwechslung wurde hier noch weiter zelebriert, und so posierte man zu der Manowar Coveversion `Blood Of My Enemies`, wirbelte die MĂ€hne im Propellerstil zu `The Masque` oder freute sich in Werne am Bahnhof auf die Dauerschleife von `Jesus Cries`. Mit `Sacrificed` wurde auch ein musikalischer Kniefall vor den Sisters Of Mercy zelebriert, was den Gesamteindruck abrundete und den eigenwilligen Charakter von EDGE OF SANITY unterstrich.

Vor genau 20 Jahren erschien dann die „Purgatory Afterglow“, auf der Dan Swanö seine cleanen Vocals intensiver und sogar noch wirkungsvoller einsetzte. `Twilight` wurde zur Bibel von Bands wie Soilwork oder Scar Symmetry, wĂ€hrend man mit Élegy` die BrĂŒcke zu den Wurzeln der Anfangstage problemlos schlug. `Black Tears`sollte zur Hymne schlechthin werden und neben einem speziellen Set im Live Set von Nightingale auch im Jahr 2014 fĂŒr einen Kniefall von Heaven Shall Burn (inklusive Gastauftritt von Dan Swanö) sorgen. Der progressive Einschlag im Death Metal Gewand wurde in Form von `Velvet Dreams` zelebriert, so dass viele Fans dieses Album definitiv als Meilenstein betrachten. Wie kann man sowas noch steigern? Eigentlich gar nicht, möchte man meinen, wĂ€re da nicht so eine Kleinigkeit wie „Crimson“ gewesen, was den Horizont nicht erweiterte, sondern einfach mal eben neu formte. Ein einziges StĂŒck, 40 Minuten Spielzeit und innerhalb von 24 Stunden eingespielt lĂ€sst kaum noch Fragen offen. Die VariabilitĂ€t wurde bis zum Maximum ausgereizt und man sprach von Marillion auf einem Death Metal Trip, inklusive Wechselgesang (clean und growl), epischem Gerotze und balladesken Momenten. Klingt crazy, gehört aber definitiv zum Pflichtkauf in jede Metalsammlung. Hatte Dan Swanö bereits bei der „Purgatory Afterglow“ den Großteil des Songwritings ĂŒbernommen, musste er bei „Crimson“ seine Ideen durchdrĂŒcken, wobei es innerhalb der Band zu kriseln begann. 1997 verschanzte man sich in Peter TĂ€gtrens Abyss Studio, um das wohl am meisten unterbewertete „Infernal“ auf TontrrĂ€ger zu bannen. Man hörte dem Album an, dass sich die Songs untereinander stark unterschieden und der rote Faden sehr lose angesetzt war. Nichtsdestotrotz strahlten Perlen wie `Hell Is Where The Heart Is`oder `Losing Myself` die Art von Magie aus, die man bei EDGE OF SANITY kennen und lieben gelernt hatte. Beim Songwriting beteiligten sich Peter TĂ€gtren und auch anders Blakkheim von Katatonia, so dass es zwar an einigen Stellen wild zusammengewĂŒrfelt, dennoch ein gutes Album war. Es folgte die Trennung von Dan Swanö und EDGE OF SANITY; Dan Swanö widmete sich seinen Soloprojekten, wĂ€hrend man unter dem Banner EDGE OF SANITY noch die „Cryptic“ aufnahm, die eher die rotzigen Anfangstage wiederzubeleben versuchte. Eine Best Of CD in Form von „Evolution“ sollte Fans nochmal besĂ€nftigen ehe eine ungewöhnliche Geschichte die Reaktivierung und gleichzeitg das Schlusskapitel besiegeln sollte: ein israelischer Fan bekniete Dan Swanö so lange, bis er sich dazu entschloss, unter dem Namen seiner ehemaligen Band ein letztes Album aufzunehmen. Ausgerechnet „Crimson II“ sollte es werden, was den episch-progressiven Gedanken seines VorgĂ€ngers weiterdenken und ĂŒbertreffen sollte. Einbettet in einer wuchtigen Produktion, bekam man auf ganzen 43 Minuten einen Ohrgamsus einer Best- Of EDGE OF SANITY Elemente um die Ohren geballert, dass es eine wahre Wonne war. Danach wurde die Band offiziell zu Grabe getragen, wĂ€hrend Dan Swanö sich seinen Solo Projekten, und seine einstigen WeggefĂ€hrten anderen Bands (z.B. Incapacity) widmeten.

NIGHTNGALE

26991_nightingale_nightfall_overtureIm Jahr 1995 (irgendwann zwischen der „Purgatory Afterglow“ und „Crimson“) dachte sich Dan Swanö es wĂ€re eine coole Idee, unter dem Namen NIGHTINGALE ein Projekt zu veröffentlichen, auf dem er seine Vorliebe zu Independent und Gothic KlĂ€ngen ausleben kann. Seine cleane Stimme ĂŒber den Erstling „The Breathing Shadow“ zu verteilen, Songelemente im Stile von Sisters Of Mercy/Fields Of The Nephilim mit den GĂ€nsehautriffs seiner Hauptbands zu vermischen und gleichzeitig eine packende (damals noch ungeplante) Quadrologie ĂŒber Tod und Wiedergeburt loszutreten sorgte fĂŒr ordentlich Partyalarm in den Ohrmuscheln. So sollte der Schreiber dieser Zeilen beispielsweise mit seinem letzten Geld bei Idiots Records in Dortmund „nur mal eben reinhören“ wollen und innerhalb von 20 Sekunden die Scheibe gekauft und bis heute zu seinen Top 3 Alben zĂ€hlen. Was ursprĂŒnglich als reines Spaßprojekt ausgelegt worden war, bekam einen ernsteren Touch, als sich Dan mit seinem Bruder Dag zusammensetzte, um mit „The Chlosing Chronicles“ den Nachfolger einzuspielen. Der Opener `Deep Inside Of Nowhere`dĂŒrfte eine sanftere Antwort zu `Twilight`sein und der passende Soundtrack, um von den Toten aufzuerstehen. Sollte es jemanden geben, der zu `Thoughts From A Stolen Soul`keine GĂ€nsehaut bekommt, so möge er sich bitte bei seinem Ohrenarzt melden, denn dann dĂŒrfte defintiv etwas nicht OK sein. Auch 70er Jahre Elemente hielten beispielsweise mit `Steal The Moon`Einzug, ohne jedoch die mystische AtmosphĂ€re zu unterbrechen. Ein wĂŒrdiger Abschluss sollte man meinen, doch dann erschien die Vorgeschichte der Erstlings in Form von „I“ und prĂ€sentierte NIGHTNGALE im rockigeren gewandt, inklusive 70er und 80er Jahre Flair. Die Mystik rĂŒckte in den Hintergrund und machte einem erdigeren Sound Platz, wobei Dans Stimme immer noch das AushĂ€ngeschild fĂŒr außergewöhnliche QualitĂ€t war. Die Tatsache, dass man hier einige Riffs der VorgĂ€ngeralben dezent einstreute und neu verarbeitete sorgte fĂŒr einen konstanten roten Faden. Songs wie ÂŽScarred For Life`oder `Still In The Dark`entschĂ€digten viele AnhĂ€nger seiner Ursprungsband fĂŒr den Verlust, wĂ€hrend balladeske Töne mit `Alonely`und `I Return` Dauerbrenner im heimischen Player wurden.

Mittlerweile zu einer richtigen Band zusammengewachsen, ließ man „Alive Again“ von der Kette. Obwohl die Produktion sichtlich softer geworden war, zĂŒndeten Granaten wie `Shadowman`und `Shadoland Serenade`bereits beim ersten Durchlauf und brannten sich langfristig ins Großhirn. `The Glory Days`wurde der lebendige Beweis dafĂŒr, dass NIGHTINGALE nicht nur dynamisch, sondern auch gleichzeitig eine derart positive Energie verströmen können, wie es in den 80er Jahren typische „Du-kannst-alles-schaffen- Hymnen“ zelebriert haben. Mit `Eternal` hatte man sich ein Denkmal in Sachen episches Songwriting gesetzt, ehe man mit dem Album die Geschichte des atmenden Schatten abschloss. Mystik ade hieß es, als „Invisible“ sich durch die Player schlich. Weg von Gothic Sound und deutlich rockiger fĂŒhrte man den Gedanken von „I“ weiter; `Atlantis Rising` lĂ€sst im Auto immer noch den Fuß aufs Gaspedal schnellen, wĂ€hrend `The Wake` pure Rockromantik versprĂŒht. BodenstĂ€ndig und gleichzeitig progressiv sollte es werden, ehe man sich auf eine Tour machte. Auf der Tour brachte man eine Best Of In Form von „Nightfall Overture“ heraus, bei der von jedem Album 2 Songs neu interpretiert wurden (zusĂ€tzlich zum Bonustrack `Better Safe Than Sorry`). Danach ging es erneut ins Studio, um mit „White Darkness“ deutlich sanftere Töne anzuschlagen. Mehr Marillon Feeling war schlecht möglich, allerdings begann man die hĂ€rteren Gitarren an vielen Ecken zu vermissen. Im November 2014 erblickt Retribution das Licht der Welt, wobei der Song `Forevermore` bereits angecheckt werden kann.

BLOODBATH
BloodbathKurz vor der Jahrtausendwende rafften sich Dan Swanö, Jonas Renske, Anders Blackheim und Peter TĂ€gtren zu einem Spaßprojekt namens BLOODBATH zusammen. Dabei rausgekommen ist die EP „Breeding Death“, die den alten 80er Jahre Death Metal huldigt. Böllert der Titeltrack stumpf in die Fresse, so wartet `Furnace Funeral`mit einem waschechten Entombed Riff auf, dass die Nackenhaare rasch in Stellung gehen lĂ€sst. Aus Spaß wurde ernst, und so legte man im Jahr 2002 mit „Resurrection Through Carnage“ nach, wobei Mikael Akerfeldt von Opeth den Gesangsposten ĂŒbernahm. Dan Swanö tobte sich derweil am Schlagzeug und an der Klampfe aus, wobei es noch fĂŒr das Album „Nightmares Made Flesh“ reichen sollte, ehe es nach einem fulminantem Wacken Auftritt fĂŒr ihn vorbei sein sollte. Im November 2014 erscheint das aktuelle Album, bei dem sich Nick Holmes am Gesangsposten austoben wird.

UNICORN
Kannten die meisten Dan Swanö in erster Linie aus der Röchel- und Progressive-Liga, verwundert es doch, dass er mit UNICORN in Marillion Gefilden gefischt hat. War es doch eine seiner großen Lieblingsbands, so eiferte man mit „Emotional Wasteland“ den großen Vorbildern nach, ohne dabei zu merken, das man rĂŒckblickend bereits deren GenialitĂ€t gepachtet hatte. Schnell ins Ohr, eher sanfte als harte Töne, endlos viele Klangfarben, die es zu entdecken gab, sowie tagelange OhrwĂŒrmer waren die Nachwirkungen dieser Scheibe. Der VorgĂ€nger „Ever Since“ legte dabei den Grundstein, war jedoch deutlich progressiver angehaucht. Auch die große Bandbreite an Zusatzinstrumenten (Flöte, Cello und Klavier) machten Unicorn zu einem besonderen Projekt, in dem man sich nicht an dem großen Können der Musiker an den Instrumenten ergötzen, sondern ĂŒber ein gut abgestimmtes Zusammenspiel erfreuen konnte.

ODYSSEY
Odyssey-Reinventing_The_Past-coverGanze drei Songs verbanden sich unter dem Banner ODYSSEY, die thematisch stark im alten Ägypten verwurzelt sind. Das Kochrezept war eine rein rockige AtmosphĂ€re mit einem leichten Mystik Einschlag. Ausschließlich klare Vocals wurden mit stampfendem Riffing und epischer AtmosphĂ€re in `Amon-Ra`vereinigt. Handbremsenriffing, schlĂ€ngelnde Gitarrenlinien und ein leichtes Augenzwinkern in Richtung Edge Of Sanity wurde als `I Am Two` deklariert, wĂ€hrend sich `I Carry A Secret`weiter aus dem Fenster lehnt und die BrĂŒcke zwischen Classic Rock und Metal spannt. Lange waren die Songs vergriffen und nur kurz auf der Homepage swano.com zum Runterladen verfĂŒgbar, ehe die Seite wieder dicht gemacht wurde. Im Jahr 2010 sollte jedoch die Wiederveröffentlichung erfolgen. Nur ein Album mit drei Songs aufzunehmen wĂ€re jedoch nicht wirklich cool, daher fischte der Meister mal eben noch sieben Coverversionen raus, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Klassiker von U.F.O, Uriah Heep oder Rainbow waren zu erwarten, doch mit `In The Heat Of The Night`von Sandra oder `Shake The Desease`von Depeche Mode hĂ€tte wohl kaum jemand gerechnet. Das Metalgewand stand den Songs sehr gut, so dass man neben verloren geglaubten Songs zusĂ€tzlich noch einige Gimmicks obendrauf bekam. Das Album hörte auf den passenden Namen „Reinventing The Past“. Hier könnt ihr eine vorstellung des Meisters zum kompletten Album anschauen.

PAN THY MONIUM
Pan Thy Monium„Ach du scheisse, was ist das denn?“ so oder Ă€hnlich dĂŒrfte es vielen Metalheadz ergangen sein, als sie das Album „Khaos And Konfusion“ 5 Minuten am StĂŒck gehört haben. Vollgestopft in dem knapp 12 minĂŒtigen Opener schubste man Death Metal Elemente mit Prog EinflĂŒssen, rĂŒhrte das ganze nochmal mit freakigen Jazz Einlagen und perversen Breaks um, bevor man noch einmal oben drauf spuckte und es dann durch den Reißwolf drehte. Klingt pervers, ist es auch, aber neben einigen melancholischen Lichtblicken entschĂ€digt das Nackenbrecher Riff kurz vor der zehnten Minute fĂŒr alle vorangegangenen Schmerzen. Metal ist halt kein Kindergeburtstag, man muss sich die Perlen halt erarbeiten, was bei diesem Album sehr gut gelungen ist. An Bord befanden sich neben Swanö bereits Benny Larsson (Edge Of Sanity), sowie Dans Bruder Dag (Nightingale), die in der Zeit von 1990 bis 1996 gemeinsam, nun ja, nennen wir es mal „musizierten“. Der Name „Khaos“ ist hierbei wirklich wörtlich zu nehmen, denn das Album klingt krank und sollte nicht im Umkreis von zart besaiteten Menschen in den Player geschoben werden. Wirft man dann einen Blick auf die vorangegangene Diskographie zurĂŒck, bemerkt man eine große Experimentierfreude, die allerdings in erster Linie im Röchel- und Schredderkosmos stattfindet. Allerdings sind die schrĂ€gen Saxophon Elemente auch schon hier prĂ€sent und stellen den Hörer auf eine harte Geduldsprobe. Insgesamt 3 Alben zusammengewĂŒrfelt, wobei die (damals nur spĂ€rlich existenten) Metal Genres kurzerhand ausgehebelt und wild gemischt wurden. Krank, pervers, aber irgendwie doch zu geil, um es nicht gehört zu haben!

MOONTWOWER
moontower1998 sollte eine turbulente Zeit fĂŒr Dan Swanö werden; Pan Thy Monium hatten sich aufgelöst, Edge of Sanity lagen auf Eis und Nightingale machten Pause. „Stillstand“ ist jedoch ein Fremdwort und so stampfte er einen Death Metallischen Bastard aus Rush und Dream Theater aus dem Boden. „Moontower“ war ein reines Solo Album, und zwar wörtlich, denn hier hatte der Chef selbst alles geschrieben, eingespielt und produziert. Spacige Keyboards wurden von grollenden GitarrenwĂ€nden unterstĂŒtzt, wĂ€hrend ĂŒberwiegend am Mikro gegrowlt wurde. Dennoch war genug Platz fĂŒr cleane Passagen und mit `Sun OF The Night` wurde eine wahre Perle progressiver Extremkunst aus der Taufe gehoben. `Uncreation` liebĂ€ugelte mit verspielten Keyboards, wĂ€hrend die volle Death Metal Breitseite an Vocals rausgeröchelt wurde. Mit `Add Reality` knĂŒpfte man prinzipiell an `When All Is Said` an, gönnte sich jedoch den Luxus von Synthesizern und einer melodischen Abschlusspassage (inklusive klaren Vocals). Man hörte Moontowwer an, dass es seinem Schöpfer als Befreiungsschlag diente; alles war an seinem Platz und sowohl die melodische Basis von Nightingale, als auch die HĂ€rte Edge Of Sanitys wurden vereint, ohne jedoch weiteren Bezug zueinander zu nehmen. Ein weiteres Beispiel, wie man Death Metal mit wegweisenden Riffs kreieren kann.

WITHERSCAPE
witherscapeEs wurde still, sehr still um Dan Swanö in Sachen Alben und man hörte hier und da von einem Gastauftritt, oder von einem neu produzierten Album aus seinen HĂ€nden. Eigene Projekte oder Bands waren schwer zu finden und so kam schnell Edge Of Sanity Nostalgie auf. Im Jahr 2012 ließ Dan jedoch die Bombe platzen und kĂŒndigte gemeinsam mit Ragnar Widerberg die Band Witherscape an, die von einigen Fans als EDGE OF SANITY 2.0 trifft Moontower bezeichnet wurden. Ein weiteres Album ist zur Zeit in Arbeit und die EP dĂŒrfte Ende 2014/Anfang 2015 auch den Platzt in den heimischen Player finden.

Unsiound Studio – Klassiker der Metalgeschichte

Das Portfolio von Dan Swanö reicht von Classic Rock bis zum Death Metal. Neben seinen eigenen Projekten hat Dan durch seinen Sound beim entstehen der heutigen Metalszene mitgewirkt und diverse Stilrichtungen geprÀgt. Hier kommen 5 Alben, die man definitiv im CD Regal sein eigen nennen sollte, um die Entwicklung der Szene zu verstehen:

Top 1: KATATONIA – „Dance Of December Souls“
Katatonia DanceHeutzutage sind JonasÂŽ klare Gesangsstimme, wuchtige GitarrenwĂ€nde und melancholische AtmosphĂ€re die Markenzeichen von KATATONIA. Der Startschuss fiel zwar mit der „
Jhva Elohim Meth“ EP, sollte sich aber auf dem ersten Longplayer richtig entfalten. UrsprĂŒnglich im Black- und Doom Metal verwurzelt rollte `Gateways Of Bereavement` aus den Boxen und hinterließ nur Staub und Schatten. `In Silence Enshrined` sowie `Velvet Thorns (Of Drynwhyl) meißelten sich durch unsterbliche Riffs in die GedankengĂ€nge, wie es sonst nur Anathema oder My Dying Bride vermochten. Mit `Without God` setzte man jedoch seine eigenstĂ€ndige Duftmarke und tauchte leicht zugĂ€ngliche Songs in schleppende Riffs, um sie mit einer melancholischen Stimmung und eine ordentlichen Packung Hass auf die Menschheit loszulassen. Dan Swanö verpackte das ganze in einen glasklaren Sound und bescherte uns damit ein Album, das jede Sekunde in voller LautstĂ€rke noch die gleiche Kraft entfaltet, wie im Jahr 1994.

Top 2: OPETH – „Orchid“
Opeth_OrchidWer hĂ€tte ahnen können, dass die Schweden von OPETH 20 Jahre am Start sind und auf eine hochkarĂ€tige Karriere zurĂŒckblicken wĂŒrden? In den Anfangstagen vielleicht niemand, obwohl der Erstling bereits eine solide Startposition zu verzeichnen hatte. Songs wie `The Twilight Is My Robe` brannten sich bereits beim ersten Durchlauf ins GedĂ€chtnis und schickten den Hörer durch 10 minĂŒtige Songs, in denen es allerhand zu entdecken gab. Mikaels Wechselgesang zwischen perversem Geröchel und klarer Stimme ließ schnell Zweifel aufkommen, ob es sich hierbei um ein und dieselbe Person handelt. Die komplexen StĂŒcke waren die Antwort des Extremsektors auf Dream Theaters „Images And Words“, wobei sich vertrackte Passagen, Griffbrettakrobatik und melancholische Momente die Klinke in die Hand gaben. Die Grundlage war definitiv im Extremsektor zu finden, doch bereits hier loteten OPETH schnell ihre Grenzen aus und strebten ĂŒber das Schubladendenken hinaus.


Top 3: THEATRE OF TRAGEDY – „Theatre Of Tragedy“
Theatre of Tragedy-Theatre of TragedyMetal mit Frauengesang? Im Jahr 1995 ein Novum und noch lĂ€ngst nicht so verbreitet wie heute. Auch hier legte Swanö die Hand an die Regler und verpasste der siebenköpfigen Truppe einen drahtigen Gitarrensound, eingebettet in einer wuchtigen Produktion. PrĂ€gende KeyboardklĂ€nge tanzten zwischen den Zeilen, wĂ€hrend am Mikro der Wechselgesang zwischen Raymonds Geröchel und Liv Kristines zerbrechlichen Stimme fĂŒr großes Kopfkino sorgte. Das Album sollte spĂ€ter der Gothic Szene TĂŒr und Tor öffnen und die Sparte Female Fronted Metal neu definieren. Es erfolgte eine Entwicklung von Gothic, ĂŒber EBM lastig bis hin zum Synthie Pop, ehe Liv Kristine ausstieg und sich mit ihrem Mann Alex Krull (Atrocity) ihrer Solokarriere und LeaveÂŽs Eyes zu widmen. Die vertonten Shakespeare StĂŒcke dieses Albums genießen heute noch Kultstatus.

Top 4: DISSECTION – „Storm Of The LightÂŽs Bane“
Dissection-Storm-Of-The-Lights-BaneGibt es wirklich jemanden, der diese Scheibe noch nie gehört hat? Nun, im Jahr 1995 gallopierte `NightÂŽs Blood` erstmals aus den Boxen und vereinte rasende Black Metal Wut mit melodischen EinschlĂ€gen. HochkarĂ€tiges Songwriting auf Hochgeschwindigkeitstempo durchgerotzt und mit einer Stimme, die den Spagat zwischen kehlig und röchelnd spielerisch hinbekam. Das `Where Dead Angels Lie` zĂ€hlt zu den bekanntesten StĂŒcken und sorgte im Spirit in Dortmund, als auch in den heimischen vier WĂ€nden fĂŒr Nackenmuskeltraining in Extremform. Kein weiteren Worte notwendig, diese Scheibe muss man gehört haben.

Top 5: NOVEMBRE – „Wish I Could Dream It Again“
Wish I Could Dream it AgainHier scheiden sich die Geister in Sachen Produktion und Songwriting; beklagen einige den rĂ€udigen und mit Hall gemischten Sound, so singen andere Loblieder auf die AtmosphĂ€re und die vielfĂ€ltige Songs der querschießenden Italiener. So ganz in eine Schublade einordnen konnte man sie nicht, weder Fisch noch Fleisch, doch gerade der eigenstĂ€ndige Stil machte diese Scheibe aus. So vermischte man, zwar Ă€hnlich wie Opeth, markante Parts mit melodischem Songwriting, konnte sich jedoch nicht einer so großen QualitĂ€t wie bei den Vorbildern erfreuen. Der Gesang war zwar qualitativ nicht wirklich toll, passte allerdings perfekt zu den Songs, die eine eigenstĂ€ndige AtmosphĂ€re verströmten, und wĂ€hrend die einen noch heftigst ĂŒber die Band lĂ€sterten, erkannten andere die GenialitĂ€t, die hinter dieser Scheibe steckt. Ein rauhes, verstaubtes Relikt aus den 90ern, ohne nennenswerte Bandgeschichte; doch wer beispielsweise `The Music`heute in voller LautstĂ€rke durch seine Boxen Jagd, dĂŒrfte schnell anderer Meinung sein…

Es sind bei weitem nicht alle Alben oder Projekte von Dan Swanö aufgelistet, denn das wĂŒrde ein ganzes Buch fĂŒllen. Interessierte Bands oder Fans können sich das Portfolio des Meisters auf seiner Unisound Homepage anschauen. Checkt auch unser Interview ĂŒber seine aktuellen Projekte und PlĂ€ne.

Sebastian Radu Groß

REVIEW:CHRISTIAN KRUMM

Posted by Radu On MĂ€rz - 5 - 2014

Christian Krumm – „At Dawn They Sleep“

AtDawnTheySleep-Frontcover-PreviewDokumentationen rund um das Thema „Metal“ sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Egal, ob man sich die visuelle Vollbedienung in Form einer DVD Serie („Metal Evolution“), oder eine authentische Buchreportage („Kumpels in Kutten“) vornimmt, auf beiden Ebenen wird versucht das LebensgefĂŒhl und die Auswirkungen auf die Musikszene zu vermitteln. Nicht umsonst verbrĂŒdert man sich unter dem gemeinsamen Banner der Musik, die Zugehörigkeit, Kraft und gleichzeitig IndividualitĂ€t ausstrahlt und zu einer riesigen Musikszene angewachsen ist. Dabei ist unsere Metalkultur dafĂŒr bekannt eine offene Gemeinschaft zu sein, die zusĂ€tzlich den Mut hat ĂŒber den eigenen Tellerrand zu schauen und auch neue Gefilde zu erkunden.

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ANIMA MORTALIS EP

Posted by Radu On Mai - 22 - 2013

AM LogoNeuigkeiten aus dem Hause ANIMA MORTALIS: die ofizielle Homepage ist online und kann hier begutachtet werden. Die EP “Enter My Darkness” kann weiterhin kostenlos runtergeladen werden; zusĂ€tzlich gibt es ab sofort eine limitierte CD zur EP, die fĂŒr 3,50 Euro (zzgl. Versand) gekauft werden.Die Arbeiten am DebĂŒtalbum dauern weiter an und weitere News folgen. Stay tuned!

ATROCITY SCHATZSUCHE

Posted by Radu On April - 26 - 2013

JĂ€ger des verlorenen Songs

ATROCITY_OKKULT_CoverSchatzmeister Alex Krull lĂ€sst weitere News zur Schatzsuche vom Stapel: es wird im Booklet der Digipak LTD von „Okkult“, sowie in der iTunes Download Version einen versteckten Zahlencode geben. Die Zahlen bilden einen Buchstabencode, der gleichzeitig der Titel des versteckten Songs ist. Sobald man den Titel zusammengebastelt hat, kann man diesen auf der ATROCITY Website eingeben und erfĂ€hrt weitere Details zum Aufenthaltsort. „In Zeiten von Downloads und Massenmedien soll das ein Spaß fĂŒr alle Fans werden, die mitmachen möchten und gleichzeitig auch ein kleiner Denkanstoß zur Wertigkeit von Musik“, erklĂ€rt Alex. „Es ist einfach ĂŒber diverse Plattformen Songs runter zu laden. Diesen Song gibt es allerdings nur einmal und man muss etwas tun, um ihn zu bekommen.“ Der Spaß soll dabei aber deutlich im Vordergrund stehen. Daher ruft Alex zur abenteuerlichen Schatzsuche auf, die von den Fans auch gerne dokumentiert werden darf. „Filmt euch dabei, macht Fotos dabei, egal was. Wir wĂŒrden uns sehr freuen, euch bei dieser völlig neuartigen Art des Geocachings sehen zu können.“

Im Rahmen der Schatzsuche lĂ€sst Metal-Impressions eine außergewöhnliche Aktion von der Kette: Wir haben fĂŒr euch auf Facebook eine Gruppe eingerichtet, bei der ihr eure Erfolge mit ATROCITY und anderen Fans teilen könnt. Gebt Metal-Impressions ein Like auf Facebook und schreibt uns „ATROCITY“ auf die Pinnwand. Ihr werdet dann zu der  Gruppe eingeladen, bei der ihr dann eure Erfahrungen,Videos und Fotos eurer Mitstreiter auf der Schatzsuche sehen und euch untereinander austauschen könnt. Die Jungs von ATROCITY sind ebenfalls in der Gruppe und freuen sich darauf, ihren Fans und Freunden bei der Schatzsuche ĂŒber die Schulter zu schauen.

ATROCITY INTERVIEW PART III

Posted by Radu On April - 7 - 2013

Last but not least der finale Teil des ATROCITY Interviews, bei dem Alex weitere Geheimnisse lĂŒftet. Dieses Mal stehen alte Kulturen, Prophezeiungen und ein einflussreicher Hexenzirkel auf dem Programm. Der Endspurt hĂ€lt noch einige Überraschungen parat, ehe sich ein Kreis schließt und gleichzeitig etwas neues beginnt. Auf gehtÂŽs zum Endspurt:

ATROCITY Special

`Masaya (Boca Del Inferno)`
VulkanDie Stadt Masaya liegt in Nicaragua und bezeichnet gleichzeitig den in der NĂ€he gelegenen Vulkan. Das Ureinwohnervolk opferte Menschen, um böse Götter und DĂ€monen des Vulkans friedlich zu stimmen. Sie glaubten nĂ€mlich, der Vulkan und sein Höhlensystem seien der Eingang in die Unterwelt. Die spanischen Eroberer, die dem christlichen Glauben pflegten, fĂŒrchteten ebenfalls diesen „Höllenschlund“ (Boca del Infierno). Daher befestigten sie ein Kreuz auf dem Vulkan, um sich vor dem Teufel zu schĂŒtzen. „Es ist faszinierend, wie zwei völlig unterschiedliche Kulturen diesen Vulkan als Eingang in die Hölle angesehen haben.“ erklĂ€rt Alex. „Hier werden die UrĂ€ngste der Menschen sehr deutlich, egal welcher Kultur oder Religion sie entstammen. Die Angst vor Finsternis und ewiger Verdammnis ist bei allen gleich.“

Auf seinen Reisen hatte Alex noch nicht die Gelegenheit, den Ort zu besuchen, was er jedoch sehr gerne nachholen wĂŒrde. Angeblich gibt es dort ein sehr verwinkeltes und spektakulĂ€res Höhlensystem, das einen tieferen Einblick ĂŒber lĂ€ngst vergessene Kulturen geben dĂŒrfte.

ÂŽWhen Empires Fall To Dust`
ProphecyHier wird eine Geschichte vom Beginn des 1. Weltkrieg erzĂ€hlt. Bei einem Verhör berichtete ein angeblicher Freimaurer im besetzten Elsass weit ĂŒber den Ausgang des Krieges hinaus unglaubliche Details, datiert mit Jahreszahlen der einschneidenden, zukĂŒnftigen Ereignisse. Er prophezeite, dass eines Tages Geld innerhalb kĂŒrzester Zeit ĂŒberhaupt nichts mehr wert sei, ein weiterer Krieg kommen wĂŒrde, bei dem ein gewisser FĂŒhrer eine zentrale Rolle spielen wĂŒrde, und am Ende Deutschland geteilt wĂŒrde. Dabei erzĂ€hlte er einige Details, die man zu diesem Zeitpunkt in keinster Weise wissen konnte. Ein deutscher Soldat beschrieb in Feldpostbriefen an die Heimat die Prophezeiungen des „verrĂŒckten Propheten“, die wahrscheinlich nicht einmal 100% korrekt aufgezeichnet wurden. „Es war damals weder politisch, noch in irgendeiner Weise klug so etwas zu erfinden oder von sich zu geben.“ erlĂ€utert Alex die Handlung des französischen Propheten. „Er hĂ€tte nichts davon gehabt, sich den Kram auszudenken und damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ganz im Gegenteil; die Soldaten haben ihn fĂŒr verrĂŒckt erklĂ€rt und er ist angeblich auch in ein Kloster geflohen.“

Es ist nicht bekannt, was Menschen seit jeher dazu getrieben hat, Dinge in der Zukunft vorauszusehen und welche FÀhigkeiten tatsÀchlich ihnen innewohnten, um die Zukunft vorherzusagen. Allerdings verfolgen uns manche Prophezeiungen bis heute auf direkte oder indirekte Weise und zeigen uns, dass es mehr gibt, als unsere Sinne im ersten Moment wahrnehmen.

`Beyond Perpetual Ice`
IceDie Faszination des Ungewissen dĂŒrfte sich besonders in Eislandschaften widerspiegeln. Niemand weiß genau, was sich unter der gewaltigen, weißen OberflĂ€che des ewigen Eises verbirgt und welche Geheimnisse noch darauf warten, entdeckt zu werden. „Schlag mal ein Superman Comic oder etwas Ă€hnliches auf“ verdeutlicht Alex. „Du wirst in vielen Bereichen der fiktiven Literatur auf das Mysterium des Eis stoßen, wo Helden oder Schurken in der Abgeschiedenheit ihre Heimat haben. Auch wurde bereits der versunkene Kontinent Atlantis darunter vermutet.“ Auch die Existenz von Außerirdischen, oder anderen unbekannten Lebensformen könnte unter der Eisschicht des Nord- und SĂŒdpols gegeben sein. Es ranken sich die skurrilsten UFO Theorien um die Antarktis. Die Faszination Unbekanntes auf diesem Planeten zu entdecken ist Dreh- und Angelpunkt des Songs.

Hier kommt die persönliche Meinung des Rezensenten mit ins Spiel, der Alex mehrfach bekniet, diesen Song mit in die Live Setlist aufzunehmen. Daher soll an dieser Stelle auch eine Lobeshymne auch ihren Platz finden, die dieser Song mehr als verdient. Stakkato Riffing, Doublebass Gewitter und eine peitschende Stimme lassen alles im Umkreis der Boxen schmelzen und die Nackenmuskulatur auf Dauerbetrieb schalten. Dieser Song ist so großartig brutal, straight und eingĂ€ngig, dass er live einfach nur eine granatenhafte Vollbedienung ist. GĂ€nsehaut, Ehrfurcht, alles zusammen in einem Song verpackt. Dieser Song MUSS live gespielt werden!

ÂŽLa Voisine`
La VoisinEin weiteres, dunkles Kapitel der Menscheheitsgeschichte beendet gleichzeitig das Album und stellt das Gegengewicht von „Satans Braut“ dar. Die Geschichte spielt in Paris des 17. Jahrhunderts und handelt von Catherine Monvoisin, die unter dem Namen „La Voisine“ als französische Hexe und Giftmischerin bekannt wurde. Sie weissagte gegen Geld die Zukunft, verkaufte Gifte und LiebestrĂ€nke, betrieb Zaubereien und brach unerwĂŒnschte Schwangerschaften ab. Außerdem betrieb sie mit dem ehemaligem Priester AbbĂ© de Guiborg schwarze Messen, bei denen SĂ€uglinge (die sie vorher von armen Leuten gekauft hatte) geopfert wurden. Das Blut der Kinder verwendete sie als Zutat fĂŒr ZaubertrĂ€nke. Sie wurde von vielen Mitgliedern des Hochadels gebucht, unter anderem von der MĂ€tresse König Ludwigs XIV Madame de Montespan, die durch die schwarzen Messen mehr Macht und Einfluss in der Gesellschaft erlangen wollten. Madame de Montespan benutzte die ZaubertrĂ€nke, um sich die Liebe König Ludwigs aufrecht zu erhalten, indem sie ihm diese in sein Essen und Trinken mischte. Es kamen GerĂŒchte auf, dass Giftmischereien Mitglieder des Hochadels töteten und so wurden Nachforschungen betrieben. Eines Tages starb eine Frau aus dem adeligen Kreis und die Untersuchungen nach dem Zirkel der Giftmischerinnen wurden intensiviert. La Voisine und andere Hexen wurden verhaftet. Aufgrund der guten Kontakte zu der MĂ€tresse blieb La Voisine lange Zeit von der Folter verschont. Trotzdem wurde sie am Ende wegen Giftmischereien ĂŒberfĂŒhrt und hingerichtet. Bei einer Durchsuchung ihres Anwesens fand man spĂ€ter die Überreste von 2.500 SĂ€uglingen, und so wurde erst nach La Voisine’s Tod das gesamte, grausame Ausmaß ihrer Taten offenkundig. Das Paradoxon der Geschichte: erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass die junge Frau eines natĂŒrlichen Todes gestorben ist und nicht, wie viele anderen Adeligen, vergiftet worden ist.

„Ich finde es erschreckend, zu was Menschen fĂ€hig sein können. Gleichzeitig zeigt der Song die dunkelsten AbgrĂŒnde der Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes ĂŒber Leichen hinweg gehen, um mehr Macht zu erlangen. Alles unter dem Deckmantel von Religion und hoher, adliger Gesellschaft.“ lautet AlexÂŽ ResĂŒmeÂŽ. „Erstaunlich finde ich es, dass La Voisine und ihr Zirkel ĂŒberhaupt so lange im Untergrund aktiv sein konnten. Sie wurde natĂŒrlich vom Hochadel sehr lange gedeckt, sie machten ja gemeinsame Sache. GenĂŒtzt hat ihr das im Endeffekt aber nichts. Quasi durch einen Zufall ist man ihr und den anderen auf die Schliche gekommen und so wurde das ganze dunkle Treiben beendet. Davon gekommen sind leider die adligen MittĂ€ter.“ Ob Zufall oder Schicksal, die Geschichte endete und jeder sollte selbst entscheiden, welcher Grundsatz am ehesten zu seinem Glauben passt.

- Etwas endet, etwas beginnt-
Atrocity OkkultSo endet das erste Kapitel der Trilogie, die ATROCITY mit dem aktuellen Album „Okkult“ angestoßen haben. Sowohl der musikalische Arschtritt, als auch die faszinierenden Hintergrundgeschichten zu den Songs dĂŒrften viele Fans zum Nachdenken anregen und inspirieren. Die Schatzsuche dĂŒrfte dabei ein zusĂ€tzlicher Anreiz sein, Musik nicht fĂŒr selbstverstĂ€ndlich zu sehen, sondern als Kunst, die gleichzeitig eine Lebenseinstellung sein kann; etwas verrĂŒcktes zu tun und damit eine gesamte Szene zu begeistern und zur Weiterentwicklung beizutragen. Der alte Schriftzug auf dem Album verdeutlicht, dass es zurĂŒck zu den Wurzeln geht, ohne dabei die bereits erfolgte Entwicklung aus den Augen zu lassen. In diesem Sinne bereiten wir uns auf die Schatzsuche vor, erleben okkulte Geschichten im metallischen Soundgewand und freuen uns auf weitere Teile, die noch folgen sollen. Ein Kreis schließt sich, ein weiterer öffnet neue Pforten in die Dimension okkulter Geheimnisse…

Radu

ATROCITY INTERVIEW Part II

Posted by Radu On April - 1 - 2013

Willkommen zum zweiten Teil des ATROCITY Interviews, bei dem Alex Krull HintergrĂŒnde zu den Geschichten der Songs offenbart. Es wird paradox, humorvoll und gleichzeitig tragisch werden. Aber genug der langen EinfĂŒhrung, auf gehtÂŽs:

ATROCITY Special

„Murder, Blood, Assassination“
328050Eigentlich ein typischer Death Metal Titel, der auch schön direkt in die Kauleiste gebrettert wird. Allerdings geht es hier nicht um irgendwelche GedĂ€rme oder Innereien, sondern um die Ermordung des römischen Imperators CĂ€sar. GemĂ€ĂŸ den Legenden, hatte seine Frau Calpurnia bereits im Vorfeld AlptrĂ€ume und Visionen, die alle die selbe Botschaft in sich trugen: ihr geliebter Gatte sollte in einer bestimmten Zeit nicht in den Senat gehen. Auch ein Hellseher warnte CĂ€sar ebenfalls im Vorfeld eindringlich, wurde aber nicht ernst genommen. CĂ€sar tat die AlptrĂ€ume und Visionen als Unfug ab und ließ sich nicht davon abhalten, seine politische Machtstellung weiter zu festigen und vor dem Senat zu vertreten. Sein engster Vertrauter Brutus verriet ihn jedoch und so kam es, dass CĂ€sar an dem besagten Tag von den Senatoren bestialisch erdolcht wurde.

Der Song beschĂ€ftigt sich inhaltlich weniger mit dem Akt des Tötens, sondern hat die Traumdeutung und visionĂ€re FĂ€higkeiten als Schwerpunkt. Können unsere TrĂ€ume uns vor Gefahren warnen oder bereits Geschehenes von einem anderen Ort aus sehen? Die Wissenschaft gerĂ€t hier ebenfalls an ihre Grenzen, weil die Traumdeutung nicht eindeutig erforscht werden kann. Lediglich Teilaspekte werden zusammengebaut, um ein fundiertes Gesamtbild zu entwerfen. Visionen und ZukunftstrĂ€ume bleiben weiterhin ein großes Mysterium der Menschheit.

„Necromancy Divine“
ATROCITY_OKKULT_CoverHexen haben in MĂ€rchen und Geschichten einen besonderen Stellenwert in unserer Gesellschaft erhalten. Angefangen von dem grausamen Kapitel der Hexenverbrennungen, bis hin zu den MĂ€rchen, in denen sie Kinder erschrecken und morbide Rituale durchfĂŒhren, sind sie in unserer Gesellschaft fest verwurzelt. Ein dunkles Kapitel wird mit diesem StĂŒck aufgeschlagen: Es handelt von der Hexe Erictho, der auch das Cover der Platte gewidmet ist. Sie war eine antike Totenbeschwörerin und hat in der Zeit des römischen BĂŒrgerkrieges von CĂ€sar und Pompeius ca. 50 v. Chr. gelebt. Es ranken sich obskure Mythen und Legenden um die Hexe Erictho. Beispielsweise soll sie auf den Schlachtfeldern die Toten aufgesucht und zu sich in ihre Gruft genommen haben, und ihre dunklen Rituale durchzufĂŒhren. Sie holte die Toten fĂŒr kurze Zeit zurĂŒck ins Leben, um ihnen Geschehnisse aus der Zukunft zu entlocken. Dazu musste sie kochendes Blut in die toten Körper einflössen und sie peitschte diese mit Schlangen aus. Satanismus gab es in dieser Zeit natĂŒrlich noch nicht, dies war vielmehr Hexerei und DĂ€monologie in seiner reinsten und ursprĂŒnglichsten Form.

„Allerdings sah sie bestimmt nicht so gut aus, wie unser Covermodell“ gibt Alex grinsend zu Protokoll. Dabei ist die Entstehungsgeschichte ebenfalls sehr interessant. „Wir haben lĂ€ngere Zeit eine geeignete Location gesucht, um ein passendes Foto fĂŒr das Cover zu machen. Wir wollten eine Gruft oder ein altes Grab haben. Viele haben meine Anfrage abgelehnt, aber letztendlich haben wir etwas in unserer NĂ€he gefunden, das wir nutzen konnten. Es war saukalt und wir mussten die Location kĂŒnstlich beheizen, damit die Schlangen keinen Schaden nehmen. Da wird dir schon ganz anders, wenn zu deinen FĂŒĂŸen eine Vielzahl von Schlangen herumkriechen.“ Ein besonderes Lob gebĂŒhrt an dieser Stelle dem Modell. „Alles was du auf dem Cover siehst ist echt. Es wurde so gut wie gar nicht mit Photoshop gearbeitet. Sie musste sich die ganze Zeit mit den Schlangen bewegen, damit diese auch richtig auf dem Cover zur Geltung kommen. Das war eine echte Herausforderung, die sie sehr gut gemeistert hat.“ Das Cover unterstreicht die Tatsache, dass die MĂŒhen sich gelohnt haben.

„Satans Braut“
HexenverbrennungObwohl es ein sehr tanzbarer Track ist, ist die Thematik alles andere als feierlich. Die Geschichte konzentriert sich auf das dunkle Zeitalter der Hexenverfolgung, die ĂŒberraschenderweise im mitteleuropĂ€ischen Raum ihren Schwerpunkt hatte. Manipulation der Kirche, aber auch die Angst der einfachen (und damals bei weitem ungebildeten) BĂŒrgern brachte eine brutale Mordwelle ins Rollen, die biblische Ausmaße erreichte. „Der Bildungsstand und die hygienischen VerhĂ€ltnisse waren damals jenseits von Gut und Böse“ erklĂ€rt Alex. „Jeder hatte Angst, von seinem Nachbarn angeklagt und durch die Inquisition zum Tode verurteilt zu werden.“ Die HexenprĂŒfungen waren fĂŒr die Verurteilten eine Todesstrafe mit unterschiedlichem Ausgang; wurde man der Hexerei angeklagt hatte man die Option dies zu gestehen (was zum Tod durch den Scheiterhaufen fĂŒhrte) oder gefoltert zu werden und danach eine HexenprĂŒfung zu absolvieren. Die Folter gestaltete sich vielfĂ€ltig: angefangen von dem bloßen Anblick der (extrem brutalen) Folterinstrumente, bis hin zur DurchfĂŒhrung der Folter hatte man die Wahl zwischen Schmerzen oder einem offiziell anberaumten Tod. Sofern man nicht bei der Folter starb, wurden HexenprĂŒfungen durchgefĂŒhrt. Als Beispiel sei hier die Wasserprobe erwĂ€hnt: man beschwerte die angeklagte Person mit Steinen und warf sie in einen Fluss. Sofern sie ertrank erkannte man ihre Unschuld offiziell an und sprach ihre Seele frei von SĂŒnde, wobei sie einen „ehrenhaften“ Tod starb. Konnte sie sich irgendwie aus ihrer misslichen Lage befreien und die PrĂŒfung ĂŒberleben, wurde sie offiziell als Hexe ausgerufen und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Die AnklagegrĂŒnde waren dabei oft vielfĂ€ltig und reichten vom simplen Muttermal oder KrĂ€uterkunde, bis hin zu Intrigen, Eifersuchtsdramen oder politischen HintergrĂŒnden. Kurz gesagt, jeder konnte angeklagt werden, wenn man sich nur etwas originelles ausgedacht hat was dazu fĂŒhrte, dass teilweise ganze Dörfer ausgelöscht wurden. Durch den „Hexenhammer“ wurde die Hexenverfolgung quasi legitimiert. Veröffentlicht wurde das Werk im Jahr 1486 durch den Dominikaner Heinrich Kramer. „Ich denke, dass Kramer ein echtes Problem hatte“ kommentiert Alex die Persönlichkeit, die hinter unzĂ€hligen der „Hexenmorde“ stand. „Er hat seinen Hass auf Frauen durch den „Hexenhammer“ kompensiert. Hinzu kam noch der Hunger nach Macht, und ein krankhafter Hang Menschen gegeneinander aufzuhetzen, Intrigen zu stiften, und die Ängste der Menschen fĂŒr seine Zwecke zu nutzen. Krankhaft sind auch die WesenszĂŒge des Priesters. Von Selbstgeiselung bis zur grausamer Folter unschuldiger Opfer vereint Kramer alle Eigenschaften eines kranken Psychopathen“ Die Geschichte einer der sogenannten Hexen aus dieser Zeit, ist dabei paradox und tragisch zugleich. Eine willensstarke Frau aus dem sĂŒddeutschen Raum wurde als Hexe angeklagt, wobei jedoch jegliche Beweise fehlten. Sie wollte sich nicht der Obrigkeit und der unhaltbaren Anklage beugen, was dazu fĂŒhrte, dass man sie völlig unschuldig in einen Turm sperrte. Nach einer gewissen Zeit wurde sie von den WĂ€chtern mehrfach vergewaltigt und schwanger. Angst und Verzweiflung trieben sie dazu, niemandem davon zu erzĂ€hlen und da sie weiterhin vergewaltigt und geschĂ€ndet wurde, brachte sie ein totes Kind zur Welt. Sie verheimlichte dies so gut es ging und versteckte den Leichnam unter dem Stroh ihrer Zelle. In einem unbeobachteten Augenblick wollte sie sich des toten Kindes entledigen, um auch den letzten Beweis von dessen Existenz zu tilgen. In ihrer Verzweiflung quetschte sie den toten Babykörper zwischen die GitterstĂ€be nach außen, wo es aus dem Turm direkt auf die Straße fiel. Passanten entdeckten den toten Babykörper. Somit hatten ihre Peiniger endlich einen „handfesten Grund der Anklage“, und verurteilten die verzweifelte Frau wegen „Kindmordes“, woraufhin die Todesstrafe stand. So war sie eine der vielen unschuldigen Opfer, die auf dem Scheiterhaufen ihr Leben ließen.

Obgleich die Geschichte sehr tragisch ist, wartet Alex mit einer lustigen Anekdote zur Entstehung des Songs auf. „Wir hatten ÂŽSatans` Braut schon komplett ausgetĂŒftelt und es mussten nur noch die Gesangslinien fertig gestellt werden. Gitarrist Sander und Schlagzeuger Joris sind ja HollĂ€nder und waren auf meine Vocaldarbietung nicht ganz vorbereitet. Sie staunten nicht schlecht, als ich plötzlich auf deutsch gesungen habe. Allerdings nach den ersten DurchlĂ€ufen hatte sich der Song gleich in den Köpfen festgesetzt, so dass man die beiden nur noch mit einem gewissen Dauergrinsen im Studio gesehen hat. „Satans Braut“ gehört zu ihren absoluten Favoriten.“

`Todesstimmen`
white noiseGrundlage dafĂŒr bietet ein Kriminalfall aus Wien. Ein Mord wurde dadurch aufgeklĂ€rt, indem ein Kommissar einen Bekannten zu Rate zog, der durch Stimmen aus dem Jenseits die fehlenden Hinweise bekam, um letztendlich die Beweise zu liefern und den Fall zu lösen. Die Stimmen kamen jedoch nicht aus Visionen, sondern mittels Funkfrequenzwellen. Das PhĂ€nomen ist unter dem Namen „Weißes Rauschen“ bekannt und beinhaltet ein mathematisches Modell zur Beschreibung zufĂ€lliger Schwankungserscheinungen. Dabei sind gelegentlich Frequenzen ausfindig gemacht worden, die sich wie Stimmen und GerĂ€usche aus einer Parallelwelt anhören. Was man daraus deutet ist wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen und auch individuell zu erklĂ€ren. Es gibt mittlerweile auch viele Horrorfilme (Beispiel: „White Noise – Schreie aus dem Jenseits“ oder „FĂŒrchte das Licht“) und Literatur, die sich mit diesem PhĂ€nomen beschĂ€ftigen.

Passenderweise wurde hierzu die kanadische Sounddesignerin Katie Halliday, die sich bereits fĂŒr die Soundeffekte bei den „Saw“ Filmen verantwortlich gezeigt hat, an Bord genommen. Das Ergebnis könnte oberflĂ€chlich als Intermezzo abgestempelt werden. Wer genau hinhört, dĂŒrfte eine eigene Interpretation von dem StĂŒck und seiner Entstehungsgeschichte bekommen…

Fortsetzung folgt...
Radu