REVIEW: PSOA 2018

Posted by Samir On August - 26 - 2018

ImpressionsPSOA2018_02Sommer, Sonne, GeknĂŒppel. Endlich ist wieder August und das Lieblingsfestival von ca. 8000 Fans steht wieder an. Merchandise StĂ€nde, entspannte Leute und 3 Tage Extrem Metal garantieren einen Ă€hnlichen Erholungsfaktor, wie ein All inclusive Urlaub am Strand. Auf gehtÂŽs zum Party San 2018, das von GeprĂŒgel, Sturm und Ehrfurcht geprĂ€gt war.

Der Startschuss fĂ€llt eher gemĂŒtlich, denn die Jungs von OUR SURVIVAL DEPENDS ON US lassen es mit der Mischung aus Doom, Sludge und Krautrock lĂ€ssig angehen. Was zu Beginn als entspannte Methode zum AufwĂ€rmen wirkt, zieht sich im Laufe des Gigs fĂŒr meine VerhĂ€ltnisse eher in die LĂ€nge und treibt mich in die Arme der Merchandise HĂ€ndler. Die Audienz wĂ€chst mittlerweile vor der BĂŒhne zu einer beachtlichen Menge an, wobei man merkt, dass sich viele Freunde und Bekannte vor der BĂŒhne nach einem Jahr wiedertreffen. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf 3 Tage , die bevorstehen, wobei die Eröffnungstruppe eher spĂ€rlichen Applaus einheimst. Kann man machen, muss man nicht.

ZusammengewĂŒrfelt aus einer Truppe Death Fans möchte man meinen, dass es sich bei GRUESOME um eine reine Coverband handelt. Statt die Meisterwerke zu kopieren, wandelt die Truppe auf dem musikalischen Pfad weiter,den Chuck Schuldner einst beschritten hat. Sie machen ihren Job gut, denn bereits nach wenigen StĂŒcken liefert sich die Sommerhitze ein Wettrennen mit der Stimmung auf und vor der BĂŒhne. Die Gitarrensolis verfehlen ihre GĂ€nsehaut nicht und so tobt bereits schnell der Mob zu Granaten wie `Open The Door` und `Inhumane`, ehe man mit der Coverversion von `Pull The Plug` dicht macht. SpĂ€testens jetzt ist auch der Letzte beim Party San 2018 angekommen.

Unanimated2018_11Kein Backdrop, keine Ansage, keine großartige BĂŒhnenshow. UNANIMATED machen keinen großen Aufwand und lassen in erster Linie die Musik fĂŒr sich sprechen. Als Zuschauer wird man emotional zurĂŒck in die 90er katapultiert, in der Bands wie Dissection und Dark Funeral ihre BlĂŒtezeit hatten. Ohne großes Geschnörkel rotzt man seinen Stiefel runter und torpediert mit Klassikern wie `Life Demise` oder `Die Alone` die schwarze Meute. Auch der erste Track der neuen EP wird bedacht, sowie der Titeltrack ihres Reunion Albums ” In The Light Of Darkness”. Old school as fuck und geradewegs durch die Ziellinie spielt sich die Truppe in die Herzen der Black JĂŒnger. Kult!

Auf der ZeltbĂŒhne wĂ€lzt sich eine Doom Walze durch eine amtliche Anzahl von Zuhörern. Der Mix aus Sludge, Doom und Dreck scheint bei der Audienz offene TĂŒren einzurennen und so wird das Zelt schnell auf Betriebstemperatur gebracht. Auf und vor der BĂŒhne herrscht ausgelassene Stimmung und auch wenn die Songs alles andere als abwechslungsreich sind, genĂŒgt die brutale Walze, um in Feierstimmung zu kommen. Mal zĂ€hflĂŒssig, mal eruptionsartig lassen GRIM VAN DOOM die Bude wackeln, bis das Zelt wurde fĂŒr das diesjĂ€hrige Party San erfolgreich eingeweiht ist.

DeadCongregation2018_14Auf der HauptbĂŒhne wird um halb sechs kontinuierlich und mit Anlauf in die Fresse getreten. Man kann zwar nicht von großartigem Charisma sprechen, aber die BrutalitĂ€t von DEAD CONGREGATION bringt den Flugplatz in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden zum Beben, was das Publikum frenetisch abfeiert. Der Platz ist gut gefĂŒllt und die Stimmung scheint selbst den Temperaturen zu trotzen. SpĂ€testens mit diesem Auftritt spĂŒrt man, dass man auf einem Festival des Extrem Metals angekommen ist. Leider scheint der Wettergott das nicht gut zu heißen und schickt einen Sandsturm ĂŒber das GelĂ€nde, so dass das Festival noch vor Ende des Sets kurzzeitig unterbrochen werden muss.

Hier zeigt sich sowohl das organisatorische Geschickt, als auch der Zusammenhalt der Fans. Man hilft sich untereinander, passt gegenseitig auf und innerhalb einer Stunde ist der Spuk auch wieder vorbei. Esmiralda feuert zwei Mal ihre Treibladung in den Himmel und es geht weiter.

AnaalNathrakh2018_01ANAAL NATHRAKH, diesen Bandnamen werde ich mir nie merken können, den Auftritt der Truppe jedoch umso besser. Die Jungs haben mit technischen Problemen zu kĂ€mpfen; erst bricht das Intro mehrfach ab, dann verabschiedet sich gleich mehrfach das Mikro. Zum GlĂŒck nehmen es die Jungs mit Humor und holzen ohne RĂŒcksicht auf Verluste ihr Set runter. Der auditiv eingesperrte Wahnsinn kommt gut an und die BĂŒhnenshow des SĂ€ngers macht einem Barney von Napalm Death alle Ehre. Er bedankt sich, dass man sich nach dem Sandsturm extra nochmal vor die BĂŒhne gekĂ€mpft hat, ist stolz auf das neue Backdrop (das er selbst zum ersten Mal sieht) und freut sich auf eine KnĂŒppel- und Röchelorgie dass man ihn einfach gern haben muss. Zwischendurch streut er mal eben noch gĂ€nsehautartigen cleanen Gesang ein, so dass der Rest des Gigs nur noch Formsache ist. Sie kamen, zerstörten und lieferten sympathisch ab. Definitiv die Überraschung des Festivals!

Zeitgleich rĂ€umen GUTRECTOMY im Party Zelt die HĂŒtte ab. Grind ist angesagt und die erste Cicrle Pit (inklusive Wink Kommandern) lĂ€sst nicht lange auf sich warten. Musikalisch muss man nicht viel erlĂ€utern, aber stimmungstechnisch können die Jungs was.

Es scheint, als wĂ€re die Aggression bereits im Raum und wartete nur darauf, von dieser Ă€gyptischen Truppe in Form von Musik entfesselt zu werden. Auch wenn der musikalische Kniefall vor der Ă€gyptischen Mystik seit Nile nicht neu ist, zelebrieren CRESCENT gekonnt die Symbiose aus Todesblei und Black Metal und wissen das prall gefĂŒllte Zelt wohl zu unterhalten. Besonders die tonnenschweren Zwischenparts heizen der feierwĂŒtigen Menge amtlich ein und hinterlassen nach dem Gig einige ĂŒberraschte und zufriedene Gesichter.

Revenge2018_01Es wird langsam Abend und das bedeutet es ist Zeit fĂŒr ordentliches Geballer von REVENGE. Das Trio mit dem unleserlichen Logo ist auf Platte sicherlich nicht jedermanns Sache und einige der Anwesenden nutzen die Zeit wohl auch eher als AufwĂ€rmphase fĂŒr die Headliner des Tages. Dennoch weiß der ordentliche Sound der Kanadier mit einer guten Portion Wucht zu ĂŒberzeugen und bringt das ein oder andere Haupthaar zum Rotieren.

Emperor2018_06Wie soll man einen Auftritt beschreiben, auf den man seit 21 Jahren wartet? Ich habe EMPEROR vorher nie live gesehen und entsprechend groß war meine Aufregung, als die Nachricht durchs Netz schoss, dass sie auf dem Party San spielen. Auch wenn Ishan mit seinen Solowerken weiterhin prĂ€sent ist, ist ein Gig der alten Referenzalben (die mehr als 20 Jahre auf dem Buckel haben) eine Ansage. Bereits nach den ersten KlĂ€ngen von `Alsvartr ` ist das Party San fest in den Klauen der Band gefangen und als `Ye Entrancemperium` auf der BĂŒhne entfesselt wird, klappt mir (und auch einigen anderen Anwesenden) die Kinnlade runter. Voller Ehrfurcht staunt man ĂŒber die PrĂ€zision, die Leidenschaft und die SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der man sich durch das Set trĂŒmmert. Der Sound ist glasklar und Ishans Stimme sogar noch charismatischer als auf den Alben was eigentlich gar nicht möglich ist. Keine Pit, keine Crowdsurfer, lediglich GĂ€nsehaut, Ehrfurcht und EMPEROR Rufe dominieren diesen Gig. SĂ€mtliche Gebete fĂŒr die Setlist wurden an diesem Abend erhört, denn statt einer Best Of Setlist, pflĂŒgt man sich durch das komplette “Anthems…” Album durch, legt noch zwei StĂŒcke nach, ehe man mit `Inno A Satana` endgĂŒltig den Sack dicht macht. „LegendĂ€r“ ist das Wort, das diesem Auftritt definitiv gerecht wird und selbst Tage nach diesem Auftritt komme ich nicht darĂŒber hinweg, welchen emotionalen Krater dieser Auftritt in mir hinterlassen hat.

MastersHammer2018_12Durch den Sandstrum am Nachmittag und die damit verbundene einstĂŒndige VerspĂ€tung, kam es zu einem Wechsel der Slots vonEMPEROR und MASTERÂŽS HAMMER, so dass die Tschechen nun den ersten Festivaltag beenden dĂŒrfen. Und das zelebrieren sie auch mit all ihrer Erfahrung und BĂŒhnenprĂ€senz. Herrliche Melodien treffen auf eine souverĂ€ne Darbietung und begleiten die Fans sanft in die Nacht. Was fĂŒr ein erster Festivaltag voller Highlights!

Freitag

Das Schöne am Party San sind nicht nur die Bands und entspannte Leute, sondern die kleinen Traditionen. So bittet Esmiralda am Freitag pĂŒntklich zum Mittagsgrind.

Theoretisch könnte man einen Ghettoblaster mit Krach auf die BĂŒhne stellen; Hauptsache es ist laut und macht Bock. GUINEAPIG haben die dankbare Aufgabe, der feierwĂŒtigen Meute den Schlaf aus den Augen zu grinden, was dankbar angenommen wird. In der Circle Pit sind auch alle KuriositĂ€ten weder an Bord; Super Mario, der wandelnde Kothaufen und dieses Jahr sogar ein ausrastender T Rex, der sich durch die Pit mosht. Es wird gewunken, KlobĂŒrsten geschwungen und die Konfettibomben durch die Gegend geschleudert, wĂ€hrend es von der BĂŒhne fette Riffs und derbes Geröchel hagelt. Vielleicht ist es einigen peinlich, aber die Stimmung ist jeden Freitag Mittag zum Grind-Noon ausgelassen und bei den kuriosen KostĂŒmen kann man einfach nicht ernst bleiben. Wo sonst wenn nicht in unserer Szene kann man gleichzeitig auf brutale Weise KnĂŒppeln und sich selbst verarschen? Nach einer halben Stunde ist der Spuk auch schon vorbei und lediglich abgerissene Blumenkohlteile, eine leere Viss SprĂŒhflasche und eine zerstörte Sonnenbrille zeugen von dem FrĂŒhstĂŒcksgrind. Kult!

TheCommittee2018_07THE COMMITTEE bekommen wir lediglich aus der Ferne der Merchandise StĂ€nde mit. Zu verlockend sind die Angebote eines HĂ€ndlers, als das man den Einkauf kurz unterbrechen könnte und eine halbe Stunde spĂ€ter hat man auch schon ĂŒber die HĂ€lfte seiner GeldvorrĂ€te in alte SchĂ€tzchen, seltenes Vinyl und coole Shirts investiert. Aus der Ferne klingen die Belgier durchaus interessant, denn die Mischung aus Melodie und Black Metal hat etwas. Ein Blick auf die BĂŒhne zeigt vier vermummte Gestalten und ein Rednerpult, wĂ€hrend die Songs runtergespielt werden. Die Musik ist besser als die (kaum vorhandene) BĂŒhnenshow, aber es hilft zumindest vielen den Weg zum Platz vor der BĂŒhne zu finden.

Benighted2018_14Frankreich ist bekanntlich fĂŒr seine sensible Kunst, seinen Wein und auch fĂŒr die eine oder andere Black Metal Kombo bekannt. Das auch die Grind Kapelle von BENIGHTED aus Frankreich stammt ist erstaunlich; was die Jungs aber auf der BĂŒhne abliefern ist unfassbar. Bereits von der ersten Sekunde an spĂŒrt man den Wahnsinn, den die Truppe getankt hat. Es wird geballert, was die Boxen hergeben und die Breaks wechseln sich mit irrsinniger Raserei, kranken Obertönen und groovigen Nackenbrechern ab. Der Pit reagiert prompt und es dauert nicht mal einen halben Song, bis der FrĂŒhstĂŒcksgrind (dieses Mal ohne KostĂŒme) an doppelter Fahrt aufnimmt. FĂŒr seine Gestik zur Musik hat der Frontmann einen Oscar verdient, denn es grenzt an GebĂ€rdensprache und Wahnsinn, inklusive Comedy Faktor. In Sachen BrutalitĂ€t holzen die Jungs alles in Grund und Boden und die Chemie mit dem Publikum ist einfach herrlich. Es wird gequiekt und geröchelt, als gĂ€be es kein Morgen und noch wĂ€hrend man sich ĂŒber eine Ballerpassage freut, verstummt der LĂ€rm und weicht einem “Thank You”, ehe es mit dem nĂ€chsten Arschtritt weitergeht. Zu so frĂŒher Stunde legen BENIGHTED die Messlatte fĂŒr die anderen Bands sehr hoch und verabschieden sich nach 45 Minuten infernalischem Geballer von einem frenetisch abfeiernden Publikum.

Coffins2018_26COFFINS ist mir bis dato völlig unbekannt, scheint aber eine weitere Anreise hinter sich zu haben. Ich wĂŒrde auf Indonesien tippen, ist aber auch nicht weiter relevant. Die Jungs sehen aus, als wĂ€ren sie aus dem Proberaum der 90er Jahren entsprungen und klingen auch so. sie haben sichtlich Spaß an ihrem Auftritt, aber irgendwie will der Funke nicht so ganz ĂŒberspringen. ZĂ€hflĂŒssige Passagen wechseln sich mit rĂ€udigem Gepolter ab, was an sich nicht schlecht ist, aber nach den Geballer von BENIGHTED bei mir keinerlei Wirkung zeigt.

OK, RAM ist eine Truppe, die Judas Priest huldigt. Hab ich mir aus der Ferne angehört und fĂŒr nicht meins befunden. Der Platz vor der BĂŒhne ist amtlich gefĂŒllt, wĂ€hrend Songs wie `Wings Of No Return` in die Menge gefeuert werden. Kann man machen, muss man nicht.

FĂŒr das eher schlichtere GemĂŒt gibt es mit GOATH im Zelt rĂ€udiges Gepolter. Es wird kein großartiges Geschnörkel gefahren, sondern vertonter Hass direkt in die Menge geklatscht. Minimalismus ist Trumph, denn der rohe Sound und das karge Zusammenspiel mit dem Publikum zeigt seine Wirkung. Man konzentriert sich voll und ganz auf die Zerstörung, wĂ€hrend das Zelt innerhalb weniger Songs prall gefĂŒllt ist. Gerade der Kontrast zu RAM kommt sehr gut an, denn hier gibtÂŽs noch auf die fresse nach der alten Schule.

TheBlackDahliaMurder2018_05Ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten Auftritt der Jungs von THE BLACK DAHLIA MURDER in Deutschland. Sie warenmitten im Soundcheck und der SĂ€nger (damals noch schmĂ€chtig mit einer fetteren Brille) fing an an dem Mikro zu basteln. Plötzlich nahm er das Mikro in die Hand, der Rest der Meute stĂŒrmte auf die BĂŒhne und sie ließen die Hölle auf Erden los. Mittlerweile hat die Truppe einige Alben auf dem Kerbholz und gibt auf der BĂŒhne noch immer fleißig Gas. Was auf anderen Festivals als obere HĂ€rte gilt, arbeitet sich hier eher im mittleren Bereich durch. Der SĂ€nger gibt alles, animiert kontinuierlich und haut alles raus, was geht. Allerdings ist das Ergebnis zwar solide, aber auch nicht mehr. Hatte mir irgendwie mehr erhofft, aber fĂŒr eine gute Stimmung genĂŒgt es.

DesertedFear2018_11DESERTED FEAR haben sich in den vergangenen Jahren einen unfassbaren Hype erspielt und daher verwundert auch der wirklich klasse Slot auf dem Party San nicht. Bereits zwei Jahre zuvor konnten sich die vier Jungs ja schon ĂŒber eine ordentliche Meute vor der BĂŒhne freuen und auch heute ist wieder einiges los. Die Stimmung ist wie immer super und die Chemie zwischen Band und Fans stimmt. Man holzt sich durchs Set, wundert sich ĂŒber eine ungeplante Pyroshow und macht einfach ungezwungen weiter. Mal sehen wo dieser Hype noch hinfĂŒhrt.

Exhorder2018_33Thrash alter Schule steht auf dem MenĂŒ und die Bestellung wird abgeliefert. Mit einer gekonnten Mischung aus Gelassenheit und Aggression, poltert EXHORDER sich durch seine Diskographie und lĂ€sst Fans mit einigen Moshriffs und gleichzeitig frischen Erinnerungen einen herrlichen Gig genießen. Von Alterserscheinungen keine Spur, denn statt ErmĂŒdung wird hier mit LĂ€ssigkeit das Griffbrett bearbeitet, bis die Pit glĂŒht. Es hat sich gelohnt.

Unleashed2018_16„Welcome Warriors“ schallt es aus den Boxen, ehe sich UNLEASHED durch ihr Set holzen. Nachdem man mit `Black Horizon` den Platz bis zum Anschlag gefĂŒllt hat, kramt man mal eben `The Dark One` aus der Mottenkiste raus, ehe man einen Schwenk zu `I Have Sworn Allegiance` hinlegt. Die Meute brĂŒllt den Bandnamen im Chor, es gibt Singalongs mit Johnny zu `Death Metal Victory` und auch sonst gibt es wenig zu beanstanden. Gerade die Reaktionen der Fans nach `Into Glory Ride` stacheln die Spielfreude an und auch wenn zwischen den Songs mal Pause auf dem Kessel ist, spielen UNLEASHED ihren Sympathiebonus gekonnt aus. Ein neues Album wird ebenfalls angekĂŒndigt, allerdings gibt es keine Kostprobe, sondern doch lieber den alten Stoff aufs Getriebe. In Sachen BrutalitĂ€t und BĂŒhnenshow gab es an dem Tag zwar bessere Auftritte, allerdings kann niemand der Truppe ihren Kultstatus auch nur im Ansatz absprechen. So bleibt es ein solider Auftritt mit dem Versprechen, dass UNLEASHED wieder zurĂŒckkommen werden.

DyingFetus2018_12Muss man zu DYING FETUS noch Worte verlieren? Drei Leute, Profis an ihren Instrumenten und leidenschaftliche KnĂŒppelfetischisten. Songs wie `Wrong One To Fuck With` oder `Kill Your Mother, Rape Your Dog` sprechen ihre eigene Sprache und werden als Grindvariante von CANNIBAL CORPSE gut abgefeiert. Kein Wunder, denn DYING FETUS röcheln um ihr Leben, wĂ€hrend es ein Wunder ist, dass das Schlagezeug wĂ€hrend des Auftritts nicht mehrfach ausgetauscht werden muss. Doublbassfetischisten kommen hier ebenso auf ihre Kosten, wie groovende Todesriffs und es macht einfach Spaß den Jungs bei der Arbeit zuzuschauen. NatĂŒrlich kommen Crowdsurfer und die Moshpit ebenfalls nicht zu kurz und als nach `KYMRYD` mal eben der Discoklassiker `Celebration` als Outro eingestreut wird, weiss man, dass der Grind Tag sich dem Ende zuneigt.

Samstag

Der letzte Festivaltag bricht an und startet gemĂ€chlich mit GORILLA MONSOON und ihren doomigen KlĂ€ngen. Die Dresdner rocken sich gekonnt durch ihr Set und bieten der verkaterten Menge die Möglichkeit langsam ins Leben zurĂŒckzufinden.

Graveyard2018_06Auf Platte sind die Spanier GRAVEYARD nicht ganz mein Fall, doch was an dieser Stelle abgeliefert wird ist einfach nur eine Wand. Die Jungs von der iberischen Halbinsel holzen sich dermaßen durch ihr Set, dass anschließend so einige Kinnladen nach unten geklappt bleiben.

Wolfheart2018_06WOLFHEART hatte ich bereits auf dem Ragnarök Festival gefeiert und auch heute wissen die Finnen zu ĂŒberzeugen und kredenzen melodischen Death Metal mit einer guten Portion Epik. Besonders Frontmann Tuomas weiß wie man die Menge in den Bann zieht und geizt nicht mit seinem Charisma.

Und weiter geht der Tag der melodischen HĂ€rte. HARAKIRI FOR THE SKY stellen fĂŒr mich eine der Speerspitzen der Post Black Metal Bewegung dar und beweisen dies auch heute wieder eindrucksvoll. TrĂ€umerische Melodien treffen auf kalte Wut und hinterlassen glĂŒckliche und zufriedene Fans. Augen zu und einfach treiben lassen ist angesagt.

CarpathianForest2018_13Anschließend ist jedoch Schluss mit Melodie, CARPATHIAN FOREST sind an der Reihe. Wo möchte man bei dieser Show nur anfangen? Nattefrost war, ist und bleibt einfach wahnsinnig und scheißt auf alles und jeden. Das wird sich wohl niemals Ă€ndern und ist vielleicht auch gut so. Musikalisch gibt es auch keine Überraschungen und es wird sich gewohnt rĂ€udig durch das Repertoir geholzt und mit ‘A Forest’ von THE CURE und TURBONEGROÂŽs ‘All My Friends Are Dead’ auch zwei Coverversionen eingestreut, bevor ‘He’s Turning Blue’ das Set beendet und man sich wieder fragt: hat mir das jetzt gefallen oder nicht?

Tribulation2018_64Diese Frage stelle ich mir auch schon seit LĂ€ngerem bei TRIBULATION, jedoch natĂŒrlich mit einem komplett anderen Hintergrund. Dem inzwischen zum okkulten Rock gewandelten Stil wohnt definitiv eine beachtliche Ästhetik inne, jedoch fehlt mir ab und an etwas der Druck. Dennoch ist die Performance durchaus stimmig und lockt auch eine nicht zu verachtende Menge vor die BĂŒhne. Hier werde ich mich wohl nochmal intensiver mit dem Material befassen mĂŒssen um mir eine fundierte Meinung bilden zu können.

Brujeria2018_08Zeit fĂŒr ein bisschen mexikanische Gangster-AttitĂŒde. BRUJERIA entern wie immer vermummt die BĂŒhne und legen sofort los. Bei exquisitem Sound wird sich durch die Diskographie gegröhlt und geholzt, wobei speziell der Bass einfach alles in Schutt und Asche legt. Die Mischung aus Grindcore und Death Metal macht einfach Laune und lockert zwischen aller Ernsthaftigkeit der meisten anderen Bands die Stimmung auf dem Festival erheblich auf. NatĂŒrlich darf auch ein Mittelfinger in Richtung des amerikanischen PrĂ€sidenten nicht fehlen, der wohlwollend von den Anwesenden erwidert wird.

Tankard2018_04TANKARD sind einfach nicht mein Fall. NatĂŒrlich muss man den Frankfurtern fĂŒr ihre lange Karriere Respekt zollen, aber musikalisch gibt mir der bierselige Thrash Metal wirklich nur sehr vereinzelt etwas. Live ist das Quintett natĂŒrlich nochmal eine etwas andere Hausnummer als auf Platte und speziell SĂ€nger Gerre hat die Fans von der ersten bis zur letzten Minute im Griff, doch auch hier will bei mir der Funke nicht so wirklich ĂŒberspringen. Aber man muss ja auch nicht alles mögen.

Watain2018_07Da bleibe ich lieber bei flammenden Inferno in der Gestalt von WATAIN. SĂ€nger Eric entfacht zu Beginn sprichwörtlich das Feuer und leutet mit ‚Stellavore‘ das Set der Schweden ein, das mit ‚DevilÂŽs Blood‘, ‚Nuclear Alchemy‘ und ‚Malfeitor‘ alle wichtigen Stationen der beeindruckenden Karriere der Schwarzmetaller abdeckt. Dabei wirken speziell die neuen Songs von „Trident Wolf Eclipse“ wesentlich druckvoller und weniger rĂ€udig als auf Platte und reihen sich perfekt in die Setlist ein. Ein wĂŒrdiger Headliner und ein idealer Abschluss fĂŒr das Festival.

Fazit:

ImpressionsPSOA2018_09Das Party San hat alles, was man sich von einem gemĂŒtlichen Festival wĂŒnschen kann: FamilienatmosphĂ€re (keine 10.000 Besucher), alte Kultbands und viel KnĂŒppel- und Röchelfaktoren, sowie faire Preise, gutes Essen und eine top Organisation (der Sandsturm hatte keine Chance, das Festival kaputt zu machen; Orga und Zusammenhalt der Fans lief perfekt). Auch Göttergigs und Überraschungen, sowie nette Merchandise HĂ€ndler und sympathische Security Leute waren wieder am Start. Ich freue mich schon auf das nĂ€chste Jahr, in dem unser Lieblingsfestival sein 25 jĂ€hriges feiert. Bis dahin heißt es noch warten und Vorfreude zelebrieren. Zum Schluss noch meine drei Lieblingsanekdoten vom Party San 2018:

„Hast du eigentlich EMPEROR schon mal vorher live gesehen?“ „Ja, aber noch nie so gut“ Kollege vom LEGACY Magazin, direkt nach dem Auftritt

„Muss das so, oder werden wir alle sterben? Ach scheiss drauf; wir spielen einfach weiter, die machen das schon.“

DESERTED FEAR, als mitten im Songs ĂŒberraschend die Pyro Show losfeuert

DYING FETUS spielen `Grotesque Impalement`. Im Fotograben konzentrieren sich alle Fotografen aufs Fotografieren…Eine Fotografin rastet im Graben aus, mosht sich die Seele aus dem Leib und macht nebenbei (wahrscheinlich sehr gute) Fotos von der Band. Leidenschaft ist, wenn man trotz großer Arbeitsmoral noch Spaß dabei hat. Sehr sympathisch!

Radu und Samir

Unser besonderer Dank geht an Dajana Winkel fĂŒr die Bereitstellung der Fotos!

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