RHF 2022

Posted by Uli On April - 24 - 2023

9502434_c0efff85f2ROCK HARD FESTIVAL 2022

1.Tag

Zwei Jahre musste wir warten und nun ist es endlich wieder soweit…. ROCK HARD FESTIVAL 2022!!  Okay, es gab ja noch das ROCK HARD ONE DAY, aber das zĂ€hlt fĂŒr mich nicht. Also rein ins Shirt und ab zur Bahnhaltestelle. Ja, das 9 Euro Ticket bringt mich bestimmt pĂŒnklich zum GelĂ€nde. Nach einiger Verwirrung an der Bushaltestelle, komme ich gerade noch rechtzeitig zum diesjĂ€hrigen Opener NECK CEMETERY.

Die Sonne knallt und das Amphitheater ist schon gut gefĂŒllt. Perfekte Vorraussetzung fĂŒr die Jungs um Schreiberkollege Jens Peters und SODOM Maniac Yorck. Intro ab und los gehts. Der Mix durch verschiedene Genre kommt gut an, SĂ€nger Jens streift sich die Jason Maske ĂŒber, posiert mit Puppenkopf und greift zum Schwert. Das Publikum honoriert die Leistung mit reichlich Applaus. Mir fehlte nur mein Lieblingssong “Feed the Night”.  Egal, guter Opener!!

SORCERER bedienen dann die Fans von Epic Doom und das auf ganz hohem Niveau. Wer bei dieser Stimme und den wundervollen Refrains keine GĂ€nsepelle bekommt hat wahrscheinlich kein Herz. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon sind die traumhaften 40 Minuten schon vorbei. Erstes Highlight fĂŒr mich!! Nach Wunderschön und Episch gibts jetzt das volle Kontrastprogramm.

NIFELHEIM entern die BĂŒhne und zeigen ganzen Körpereinsatz. In voller Nietenpracht rotzen sie ihre Songs ins Volk. So geht Black Metal, schreit einer von links und ich glaube er hat verdammt Recht ;-) Wenn es jetzt noch dunkel wĂ€re und sie ihre Pyroshow am Start gehabt hĂ€tten, wĂ€re es noch etwas geiler. FĂŒr die harte Fraktion bestimmt das Highlight an diesem Tag.

Es wird Zeit fĂŒr ne kleine GelĂ€nderunde und etwas zu Futtern. Eigentlich ist es ja wie “frĂŒher”, man lĂ€uft alle paar Meter einen Bekannten in die Arme, trinkt ein paar Bier, isst ne Wurst (die Preise fĂŒrs Essen sind aber derbe. 8 Euro fĂŒrn Döner!) und man schwitzt wie ein Bulle. GestĂ€rkt und mit nem Becher Gerstensaft gehts wieder Richtung BĂŒhne.

AXXIS fangen gerade ihren Set an. Eigentlich kenne ich von denen nur “Living in a World” weil es auf meinem 18. Geburtstag rauf und runter lief. Und ich glaube es bleibt auch bei diesem einen Song haha. Ist ja alles nicht schlecht und Bernhard scheint ein netter Kerl zu sein aber die Songs geben mir halt nix. Und irgendwie scheint es, das man mit Gewalt an HĂ€rte zugelegt hat und das passt meiner Meinung nach nicht so richtig. Aber den Fans gefĂ€llt es und das ist ja das Wichtigste.

Jetzt folgen zwei meiner Lieblingsbands!! Den Anfang machen die Thrasher von HEATHEN. Kurzer Blick auf die BĂŒhne und Mist, Lee Altus fehlt. Schade, der wird wohl mit EXODUS unterwegs sein. Das Intro vom “Empire of the Blind” ertönt und die Menge grölt los. “Blight” folgt wie auf dem Album und meine Bedenken lösen sich in Luft auf. Der Lee Ersatz Kyle Edissi macht seine Sache mehr als ordentlich. Als alter Sack warte ich natĂŒrlich auf das Oldschool Zeug und ich werde nicht enttĂ€uscht. “Goblin`s Blade”,”Death by Hanging” und “Hypnotized”. SĂ€nger David White singt ĂŒberragend und der Rest zockt filigran und tight. Thrasher Herz was willst du mehr? Freu mich schon auf die Tour mit EXODUS im Juli.

Kurze Erholungspause bis zum Headliner SACRED REICH. Stimme mit reichlich Bier geölt, noch ne Wurst reingekloppt und weiter gehts.

SACRED REICH als Festival Headliner? Kann das klappen? Die Meute vor der BĂŒhne und ich sagen JA, verdammt! Und dann bricht diese Lawine los, direkt vom ersten Ton von “Divide & Conquer” (Awakening Album) geht das Publikum steil. So hab ich mir mein Festival Comeback vorgestellt. Und dann steht da dieser unglaublich nette, bodenstĂ€ndige Phil Rind und macht eine der schönsten Ansagen des Festivals, die fast schon einer LiebeserklĂ€rung nahe kommt. Unglaublich!! Und dazu kommen in bester SoundqualitĂ€t noch etliche Klassiker wie “American Way”, “Surf Nigaragua”, “Who`s to Blame”.

Ich bin fertig, jetzt schnell zur Haltestelle und nach Hause. Kraft tanken fĂŒr die nĂ€chsten Tage. Das die Fahrt dann ĂŒber 3 Stunden war erzĂ€hle ich Euch dann privat beim Bierchen. Over and Out.

Peter

Tag 2


Das Festival hat etwas Magisches; denn egal, wie lange ich nicht mehr da war, man trifft IMMER alte Bekannte oder lernt neue Leute kennen. So dauerte es keine 20 Minuten, bis ich meinem alten Jugendkumpel begegnete, den ich zuletzt vor 20 Jahre gesehen hatte. Grund genug fĂŒr ein Bierchen und die erste Band des Tages INDIAN NIGHTMARE. Man kann von der PunkÂŽn Roll Kapelle halten was man will, aber die Jungs haben richtig Bock und klopfen ordentlich den Morgenkater aus dem SchĂ€del. Epische BĂŒhnenshow, charismatische BĂŒhnenshow? Darauf wird gepflegt geschissen; stattdessen zeigt man mit messerscharfen Riffs den Stinkefinger aus den Boxen und rotzt seinen Stiefel durch. OK, dem SĂ€nger fehlt es an Wiedererkennungswert und auch den Gitarristen ans Mikro zu lassen steigert nicht gerade die QualitĂ€t, aber das machen die Jungs schlichtweg durch ihr Herzblut auf der BĂŒhne wett und fĂŒllen das Amphitheater so frĂŒh schon recht amtlich. Ein guter Einstieg, um die Nackenmuskeln schon mal warm zu schleudern.

Thrash-in-die-Fresse gibt’s direkt im Anschluss mit den SUICIDAL ANGELS, die mittlerweile kein unbeschriebenes Blatt mehr sind. Zwar ist das Genre nicht gerade meins, aber dennoch lassen mich die Aggression und besonders die Solis nicht kalt. Das sehen viele Anwesenden ebenfalls so, denn vor dem Platz staut sich bereits eine amtliche Menschentraube, die von dem Sound recht angetan sind. Hinzu kommt, dass auf der BĂŒhne in Sachen Stageacting geklotzt statt gekleckert wird, denn man legt sich ins Zeug und versucht alles, um seine Duftmarke in Gelsenkirchen zu hinterlassen.

Mit einem sehr charismatischen Sound legen VILLAGERS OF IONNINA CITY los, der einen sofort in den Bann zieht. Keine Ahnung, was sie dort auf der BĂŒhne zelebrieren, aber es hat etwas. Da ich noch nie von der Band gehört habe, lass ich mich einfach mal in den Sound fallen und erschrecke als ich merke, wie schnell die Zeit doch dabei vergeht. SpĂ€testens bei `Millenium Blues` ist die HĂŒtte voll und an vielen Ecke der Duft von grĂŒnem Kraut wahrnehmbar, wĂ€hrend vorne ein sehr guter Grund dargeboten wird, warum die Stoner Rock Szene ausrastet. Entspannt und gleichzeitig doch irgendwie dynamisch.

Mittlerweile ist es Nachmittag und die Sonne hat sich und die Anwesenden schon recht warm gebrutzelt. Zeit fĂŒr eine kleine StĂ€rkung und zum SchnĂ€ppchenpreis von 8 Euro eine Packung gebratene Nudeln reingeschaufelt. Ein Bierchen fĂŒr 5 Euro tut ĂŒber den Tag verteilt zwar irgendwo auch weh, aber nach der Pandemie habe ich keinen Grund zu klagen und zahle das doch sehr gerne, um hier eine gute Zeit zu verbringen. Mittlerweile fallen mir auch einige kleine VerĂ€nderungen auf: den Metalmarkt gibt es nicht mehr, dafĂŒr einige Merch StĂ€nde, die insgesamt alles gut abdecken. Außerdem gibt es das Satanorium, bei der einige coole Aktionen stattfinden. Leider habe ich die Lesungen von „Kumpels in Kutten“ verpasst, aber dafĂŒr konnte ich die PAINTED IN BLOOD Ausstellung besuchen, bei der sehr coole Bilder von Thomas Ewerhard, Jan Meininghaus und Björn Gooßes ausgestellt werden. Dabei fallen einem unter anderem sehr schöne Artworks von Kreator, das Buchcover von „Traumschrott“ (von Christian Krumm) oder eine Hommage an das „Holy Diver“ Cover von DIO auf. Es gibt viel zu entdecken und auch zu kaufen, aber dann wieder fix Richtung BĂŒhne.

Satte 11 Jahre ist es her, dass ATLANTEAN KODEX das Rock Hard beehrt haben. Sie wurden damals als eine Mischung von Manowar und Bathory angekĂŒndigt und das trifft auch 100%ig zu. Damals rĂ€umten sie ab und entsprechend groß ist die Vorfreude bereits auf dem Platz und soll an diesem Tag erneut mehr als erfĂŒllt werden. Auch wenn es der sympathischen Truppe schwer fĂ€llt mehr als 4 Songs in 50 Minuten zu spielen (ja, die Songs sind ausufernd, aber nie langweilig), hat man hier auf und vor der BĂŒhne seinen Spaß und wird mit gegenseitiger GĂ€nsehaut belohnt. `Lion of Chaldea` stampft beispielsweise mit seinen Riffs alles ein, wĂ€hrend die charismatische Stimme die AtmosphĂ€re in jede Ecke des Amphitheaters trĂ€gt. Man spĂŒrt die Verbindung zwischen Band und Publikum hier sehr intensiv, die sich gegenseitig sehr viel zu geben haben und so ist spĂ€testens bei `Sol Invictus` fast jeder Sitzplatz belegt und die Stimmung auf extrem hoher Betriebstemperatur. SpĂ€testens beim Rausschmeißer `The Atlantean Kodex`, ist klar, das man hier eine Band erleben durfte, die auch problemlos einen Platz als Headliner verdient hĂ€tte. Episch, sympathisch, genial; jederzeit wieder!

Was ist cheezy, trieft nur vor lauter Klischees und macht nach einer (pandemiebedingter) Zwangspause trotzdem irgendwie doch Spaß? THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA huldigen dem 80er Jahre Sound derart intensiv, dass ich mir am liebsten ein Schweißband anziehen und den ersten Teil von „Karate Kid“ anschauen möchte. Ich hatte sie bereits einmal auf dem Rock Hard gesehen, aber schlichtweg keinen Zugang dazu gefunden. Auch wenn ich eigentlich diese KlĂ€nge mag, will sich bei mir schlichtweg keine Begeisterung einstellen. Das liegt allerdings definitv an mir, denn auf der BĂŒhne liefert man top ab und der Platz ist voller FeierwĂŒtigen, die dem Sound (zurecht) huldigen. Als Hintergrundmusik ist es fĂŒr mich zu diesem Zeitpunkt perfekt, um nochmal die Merch StĂ€nde zu plĂŒndern und etwas zu futtern.

Was könnte man an seinem 40. Geburtstag alles machen? Mit 2 jĂ€hriger VerspĂ€tung beantworten GRAVE DIGGER diese Frage und lassen die Clans ins Amphitheater marschieren. Gleichzeitig gewinnen sie den Preis fĂŒr die aufwendigste BĂŒhnenshow, denn man fĂ€hrt mal eben eine komplette Mannschaft auf, um mit DudelsĂ€cken und Trommeln zu unterstĂŒtzen. Viele Anwesenden werden wieder in ihre Jugend zurĂŒck katapultiert, wenn Granaten wie `Excalibur `, The Clans Will Rise Again` oder `Heavy Metal Breakdown` in die Masse gefeuert werden. Auch neuer Stoff wie  `Hell Is My Purgatory` zĂŒndet schnell und reiht sich gut in die Klassiker ein. Lediglich `The Ballad Of Mary ` hĂ€tte man sich meiner Meinung nach klemmen können; dennoch sind GRAVE DIGGER in Gelsenkirchen genauso gut aufgehoben, die die Currywurst bei der Pommes: passt zusammen und ist beides Kult!

Es ist mittlerweile spĂ€ter geworden und ich laufe den gefĂŒhlt endlos langen Weg, um meine Kutte aus dem Auto zu holen und die Merchbeute in den Kofferraum zu werfen. Ich komme am Biergarten vorbei, wo der DJ die Meute mit Manowar einheizt. Überhaupt hat der Mann hinter den Reglern von BURNING STEEL ein feines HĂ€ndchen fĂŒr geile Musik und begeistert mich mit seinem Mix aus Sentenced, Paradise Lost und Edge of Sanity.

Leider mussten Phil Campbell kurzfristig absagen; dafĂŒr springen ASPHY in die Bresche. Ein Kompromiss, mit dem viele Anwesenden (inklusive mir) sehr gut leben können. Bereits beim Soundcheck geht die Stimmung hoch, als Martins Organ durch die Boxen bellt. Eine Weltpremiere wird angekĂŒndigt, denn am Schlagzeug wird heute erstmals in kurzen Hosen gespielt. Sehr zum Leidwesen von Martin, der sich ĂŒber den ĂŒblen Gestank beschwert. Es ist immer wieder herrlich, diesen Bierhumor in Kombination mit rotzigem Gehacke live zu erleben und obwohl die Truppe unvorbereitet und völlig spontan eingesprungen ist, wird hier die Nackenbrecherbestellung zuverlĂ€ssig abgeliefert. Auch an politischen Ansagen mangelt es nicht und so wird seinem Ärger ĂŒber den Krieg in der Ukraine rasch Luft gemacht. Der Detah Hammer kam, fiel und legte alles in Schutt und Asche. Ich freu mich schon, die Jungs auf dem Party San erneut zu sehen.

Mit BLIND GUARDIAN verbinde ich extrem viel mit meiner Jugend und meinem Leben generell; mit Perlen wie „Somewhere Far Beyond“ oder „Nightfall in Middle Earth“ haben sich die Barden einen festen Platz in meinem Leben einbetoniert. Mit entsprechend großer Ehrfurcht begegne ich dem Gig mit den wohl höchsten Erwartungen (und gleichzeitig Vertrauen), die ich je bei einem Konzert hatte. Nachdem man mit `Into The Storm` bereits das Stimmungsbarometer auf Maximum geballert hat, kĂŒndigt Hansi an, dass man heute (aufgrund der Nachbarn) pĂŒnktlich fertig werden mĂŒsse und wir heute auf lange Ansagen verzichten mĂŒssen. Ohne Umschweife beackert man noch schnell die „Nightfall“, ehe man das komplette „Somewhere Far Beyond Album“ in die Menge schießt und damit alle ins Jahr 1992 katapultiert. Auch nie gespielte Nummern wie `Black Chamber` werden schnell mit dem Publikum veredelt, oder auch `Theatre of Pain ` mit derartigen Hingabe gespielt, dass Zeit und Alter in diesem Moment des Gigs schlichtweg keine Rolle mehr spielen. Die Krefelder sind live eine zuverlĂ€ssige Institution, scheinen aber heute abend extrem hungrig zu sein, denn es entlĂ€dt sich die Energie, die sich aufgrund der Pandemie aufgestaut hat. `Ashes to Ashes` war auf Platte geil, legt aber live nochmal eine Schippe drauf und spĂ€testens bei The `Quest for Tanelorn` bekommt man das GefĂŒhl, das man als Jugendlicher hatte, als man die Tokyo Tales gehört hatte und sich wĂŒnschte, dabei gewesen zu sein. Der „BardÂŽs Song“ ist eine sichere Kiste mit GĂ€nsehaut, aber endlich auch mal den „Bard Song: The Hobbit“ live zu hören ist alleine schon die Reise nach Gelsenkirchen wert gewesen.  Der Titeltrack ist eine Belastungsprobe fĂŒr Nackenmuskulatur und StimmbĂ€nder gleichzeitig, ehe man mit `Valhalla` die angrenzenden Nachbarn wach singen möchte. Obwohl die Endorphine bereits Überstunden schieben und der Körper quasi nur noch aus Adrenalin besteht, ballert man noch `Mirror, Mirror` in die Meute und macht damit den Sack zu. Einmal im Leben die „Somewhere…“ live und in voller LĂ€nge hören; dieser Traum ist an diesem abend in ErfĂŒllung gegangen und es hat sich mehr als gelohnt!

Nach einem weiteren Marsch zum Auto und einer flauschigen Fahrt von 50 Minuten (bei 170 km/h) , freut sich mich Kadaver wieder zuhause zu sein. Der Alltag und neue Herausforderungen warten bereits wenige Stunden spĂ€ter, aber wenn ich an diesen Tag zurĂŒckdenke ist es genau das, was einem Kraft gibt und was mir die letzten beiden Jahre so gefehlt hat; die Musik, die ich liebe in einer schönen Location zu genießen und mit sehr netten Menschen zu teilen. DANKE ROCK HARD Festival!

Sebastian Radu Groß

Tag 3

Der dritte Tag begann fĂŒr mich mit einem positivem Coronatest. Und deshalb haben wir beschlossen wir, nicht nach Gelsenkirchen zu fahren und uns deshalb halt den Live-Stream im Fernsehen anzuschauen. Sehr schade fand ich, MICHAEL MONROE nicht live sehen zu können, ebenso ACCEPT die wie immer live eine Granate sind!!

Jedenfalls freuen wir uns schon wieder auf das nÀchste Jahr!

Uli

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