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INTERVIEW: EIS

Posted by Radu On März - 25 - 2018

Mit ihrer EP “Stillstand und Heimkehr” gehen EIS einen Schritt weg vom Kopf und widmen sich ganz dem Kopf- und HerzgefĂĽhl. In unserem Interview sprachen wir ĂĽber das Innehalten im Moment, ausgewählte Konzerte und Wanderern ĂĽber dem Nebelmeer.

Hallo und herzlichen Glückwunsch zu eurer EP „Stillstand und Heimkehr“! Wie geht es euch zur Zeit?

Alboin: Ehrliche Antwort? Allen ist kalt, alle haben immer zuviel zu tun. Torrent hat Grippe, Abarus schiebt 12-Stunden-Schichten und wartet darauf, dass die Angelseen wieder auftauen, Dante musste gerade aus einer Sauna an einem dänischen See wieder zurück nach Deutschland… und über mich reden wir mal ausnahmsweise nicht. ;)
Und jetzt die standardisierte Promo-Antwort: Heeeey, alles total großartig, wir sind so happy, dass unsere neue EP endlich veröffentlicht und sind wir sind ready to take the world und alles.

Die EP ist eine Hommage an das Bild von Caspar David Friedrich – „Dem Wanderer über dem Nebelmeer“ Wie kam es zu der Vertonung des Bildes?

Alboin: Ist sie eigentlich nicht, nur das TitelstĂĽck habe ich ganz allgemein allen Wanderern ĂĽber dem Nebelmeer gewidmet, was natĂĽrlich metaphorisch gemeint ist. Auch haben wir nicht das Bild vertont, es hat mich nur in gewissen Dingen inspiriert. Beispielsweise habe ich mich gefragt, wie wohl der Weg hoch ĂĽber das Nebelmeer gewesen sein mag, und im Zuge dessen auch vieles ĂĽber meinen eigenen Lebensweg und wie ich dorthin gekommen bin, wo ich jetzt stehe. Oft sieht man ja nur das Ergebnis, selten aber, wie es dazu kam. Von daher ist das Bild wirklich nur ein Ausgangspunkt und eine Inspirationsquelle gewesen.

Nebelmeer

Wie seid ihr an das Songwriting ran gegangen? Hattet ihr im Vorfeld eine grobe Idee, oder ist das meiste spontan im Proberaum entstanden?

Alboin: Letzteres. Torrent und ich haben uns, ohne den beiden Gitarristen davon zu erzählen, für ein Wochenende im Proberaum eingeschlossen und einfach drauflos gespielt, und was man jetzt hören kann ist das, was nach zwei Tagen dabei herausgekommen war. Wir wollten auch gar nicht unbedingt Musik für EIS machen, sondern einfach nur zusammen spielen und uns von ein paar Dingen ablenken. Das Ergebnis war dann tatsächlich für uns alle so überzeugend, dass wir uns entschieden haben, die beiden Stücke noch vernünftig aufzuarbeiten und zu veröffentlichen.

Die EP zeigt sehr gut, daß Black Metal mehr kann, also sinnlos dahin zu feuern oder nur verschachtelte Songstrukturen eigenbrödlerisch zu verteilen. Besonders die Emotionen kommen meiner Meinung nach hier sehr eindrucksvoll zur Geltung. Was war euch wichtig, beim Erschaffen dieser EP?

Alboin: Ich kann da nur für mich sprechen, aber mir war tatsächlich nur wichtig, musikalisch aktiv zu sein, mich abzulenken, irgendetwas herauslassen zu können, das ich zu dem Zeitpunkt gefühlt habe. Textlich habe ich versucht, Botschaften zu formulieren, Gedanken zu verpacken, die ich gequält haben, und irgendwie auch loszuwerden. Ja, diese Aufnahme ist für mich tatsächlich die pure Emotion, da ist kein Stück Kopf dabei, keine Ratio, die mich zensiert oder mir etwas verboten hat, und ich freue mich, dass du das offenbar so auch hören kannst.

Gerade im Bezug des Abwendens von der Menschheit und den Rückzug in die innerer Isolation hat mich die eure Musik sehr berührt. Da stellt man sich natürlich die Frage; welche Lebensumstände veranlassen den Künstler dazu, diese Art (in der Intensität) von Musik zu schreiben?

Alboin: Ich fürchte, diese Frage wirst du dir, genau wie alle anderen Hörer, die das beschäftigt, auch weiterhin stellen müssen. Darüber möchte ich nicht sprechen. Allerdings glaube ich, dass man durchaus verstehen kann, was das für eine Situation gewesen sein muss. Es war eine der schlimmsten meines nicht mehr ganz so jungen Lebens, und ich wusste zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nicht weiter. Deshalb habe ich die Musik in diesem Moment mehr denn je gebraucht.

Stillstand ist bekanntlich der Tod für die Weiterentwicklung; sei es für die Seele oder die Gesellschaft an sich. Was bedeuten für dich persönlich die Worte „Stillstand“ und „Heimkehr“? Ist Heimat ein Ort, oder ein Gefühlszustand für dich?

Alboin: Stillstand ist aber auch ein Innehalten im Moment. Ich musste lernen, und kann es vermutlich immer noch nicht so richtig, in jeder einzelnen Situation auf mich zu hören, zu fühlen, wie es mir gerade geht, was ich brauche, was ich will und was ich nicht möchte. Immer nur weiterzumachen im Leben, Anforderungen zu erfüllen, Ansprüchen zu genügen, Dinge zu „müssen“ und sich immer irgendwo unwohl zu fühlen… das ist kein Zustand. Am Ende stehst du in einer Sackgasse, fragst dich, wo du falsch abgebogen bist in deinem Leben und warum du das nicht gemerkt hast. Das möchte ich nicht. Bevor ich immer weiterlaufe, bleibe ich lieber stehen und versuche, den Moment wahrzunehmen.

Heimkehr ist im Gegenzug eher ein Ankommen an einem richtigen Ort, aber keinem geografischen Ort, sondern wohl eher einem Inneren. Ich glaube nicht, dass man das mit „Heimat“ übersetzen kann, das ist für mich absolut nicht dasselbe. Es ist mehr ein Gefühl, zu etwas zurückzukehren oder etwas zu erreichen, das einem Glückseligkeit verspricht, oder auch nur Zufriedenheit. Ich hatte das einmal, da bin ich mir sicher, aber habe es irgendwo verloren. Das Gefühl kennen wahrscheinlich die meisten von euch Lesern auch, oder? Letztlich ist diese EP (m)ein Versuch, damit irgendwie umzugehen, das zu verarbeiten.

EIS VorschauDa es sich um eine EP handelt, wurde die Messlatte für ein Album sehr hoch gelegt. Wie ist aktuell der Stand? Seid ihr dabei und was könnt ihr uns über die Entwicklung des Albums sagen?

Alboin: Die Messlatte liegt bei mir nach jeder Veröffentlichung hoch. Ich bin eigentlich immer der Ansicht, dass ich das Beste abgeliefert habe, dessen ich fähig bin und weiß meist nicht, was ich danach noch besser machen kann. Was anderes kommt für mich auch nicht infrage, dann brauche ich auch einfach gar nichts zu veröffentlichen. Von daher: Ja, die EP ist sicherlich gut, aber das heißt für die nächste Veröffentlichung nichts.

Ein Album ist aktuell nicht in Sicht. Im letzten Herbst habe ich mich mehrere Wochen in eine Hütte in Norwegen zurückgezogen und dort Musik gemacht. Es sieht danach aus, als liefe es auf Material für zwei ganz verschiedene Alben hinaus. Eines wird sehr norwegisch und nach den 90ern klingen, aber anders als „Wetterkreuz“ eher warm, weich und melancholisch. Das andere Album wollte ich schon vor „Bannstein“ machen, war aber dann musikalisch nicht inspiriert, oder vielleicht auch technisch noch nicht soweit. Das ist konzeptionell und musikalisch sehr ungewöhnlich und eine echte Herausforderung für mich.

Von beiden Alben ist knapp die Hälfte fertig, und ich weiß noch nicht, wann ich daran weiterarbeiten werde. Ich denke, 2018 werden wir nichts weiter veröffentlichen.

Im Internet liest man in erster Linie von euch als Duo, obwohl ihr mittlerweile mehr Leute seid. In wie weit tragen die anderen bei euch zum Songwriting bei?

Alboin: Das liegt daran, dass wir offiziell immer noch mit Dante und Torrent als Live-Musikern arbeiten. Eigentlich ist die Unterscheidung aber hinfällig, wir machen derzeit wirklich fast alles zusammen und sind eine echte Band. Müssten wir einfach mal bei Facebook posten, denn was bei Facebook steht, ist bekanntlich wahr.
Was wir nachwievor nicht zusammen machen, ist die Musik. Die mache ich weiterhin alleine, und das wird wohl auch so bleiben. Wobei… für die EP hat Torrent einen großen Teil der Drumtracks und damit teilweise auch die Struktur der Songs beigesteuert, das ist ein Novum. Alles andere habe ich nachwievor unter meiner Fuchtel, um ehrlich zu sein halte ich das auch für eine Idee, wenn eine Vision eines Stückes oder Albums rein und klar bleibt. Dante hat ja mit Infesting Swarm, theoretisch, sein eigenes Betätigungsfeld, und Abarus ist mit Ferndal als zweiter Band ausgelastet, denke ich.

Eine Frage an Dante: Infesting Swarm wurde vor kurzem aufgelöst. Wie geht es dir aktuell damit und wirst du dein Hauptaugenmerk auf EIS konzentrieren, oder gibt es noch weitere Projekte?

Dante: Hey Radu, aufgelöst haben wir Infesting Swarm so direkt nicht. Die Band gibt es schon noch, aber wir haben uns dazu entschieden gerade erstmal eine Pause einzulegen. Unser Sänger Tim und Drummer Johnny haben sich aus persönlichen Gründen dazu entschlossen die Band zu verlassen.
Da wir in dieser Konstellation nun schon sehr lange Musik zusammen gemacht haben, ist es fĂĽr uns als verbliebenen Mitglieder nicht einfach sich direkt wieder auf neue Menschen einzulassen. Daher nehmen wir uns jetzt einfach die Zeit, die wir brauchen um das ganze zu verarbeiten und neue Musik zu schreiben.
Zur Zeit habe ich viel mit EIS zu tun ja, aber ich werde definitiv weiter Musik machen. In welcher Form und mit welcher Band, das ist noch nicht ganz klar.

Welche Live Aktivitäten sind bei euch geplant?

Alboin: Eine ganze Menge einzelner Konzerte und Festivals in diesem Jahr (unter anderem Ende März in der Schweiz, auf dem Dark Easter Metal Meeting, dem Metal Frenzy, dem Rock for Roots, dem Barther Metal Open Air, dem Black Fall Fest in Bremen usw.), wobei wir keine Band sind, die jedes Wochenende überall spielen kann. Wollen wir auch nicht. Das geben unsere Jobs und privaten Situationen aber auch einfach nicht her, und wir haben nicht den Anspruch, mit der Band unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir freuen uns über tolle Konzerte, wissen aber auch, dass das sehr anstrengend ist und wir diese Band letztlich machen, um Spaß daran zu haben. Deshalb rennen wir nicht jedem Angebot hinterher.

Ihr seid bei Prophecy unter Vertrag; bis letztes Jahr gab es noch das Prophecy Fest, das leider zur Zeit auf Eis liegt. Falls es wiederkommt, könntet ihr euch vorstellen, dort zu spielen? Was wäre das perfekte Setting für euren Live Auftritt?

Alboin: Das Label hat den Anspruch, dass das Festival nach Möglichkeiten ausverkauft sein sollte, was natürlich auch finanzielle Gründe hat, und das war nach dem ersten Jahr dann nicht mehr der Fall. Daher ist die Entscheidung verständlich, ein Jahr auszusetzen und vielleicht mit einem überarbeiteten Konzept 2019 weiterzumachen. Wir würden, wie in allen anderen Jahren zuvor, gerne spielen. Leider sind wir bis jetzt nicht berücksichtigt worden.

Danke für deine Zeit und die Antworten. Die letzten Worte an unsere Leser gehören dir.

Alboin: Ich bin kein Mensch für letzte Worte und „jetzt sag mal das und das“-Situationen. Danke für deine Zeit, Mühe und Unterstützung! Wir freuen uns über jeden, der sich mit unserer Musik beschäftigt, dem oder der sie etwas bedeutet, und auch über Rückmeldungen jeder Art. Wir sind eine der Bands, die darauf auch noch antworten. ;)

Radu

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