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Interview: INFERNO

Posted by Paola On Februar - 4 - 2018

15Ihr könnt euch bestimmt noch daran erinnern, als ich euch versprochen habe, ein Interview mit den  INFERNOs zu machen! Die Coverband, die alle anderen Coverbands in den Schatten stellt.

Es freut mich tierisch, dass es endlich geklappt hat und vor allem freut es mich, dass diesmal die  Kathrin dabei war.

Wie könnte man einen Sonntag auch schöner verbringen, als mit einem Proberaumkonzert…

Ihr seid eine wahnsinnig gute Coverband. So viel Talent gehört aber auch trainiert.
Nehmt ihr dafĂŒr noch irgendwo Unterricht?

Tobi Koch:
Teils, Teils. Also zu Aufbau-Zeiten hab ich schon Unterricht gehabt. Inzwischen sind wir auf dem Niveau, dass wir schon selber Unterricht geben könnten. (Lacht)

Tobi Schwenk:
Gesangsunterricht hatt ich eigentlich nie richtig. Also damals, wo ich das Singen angefangen habe, hab ich mir halt viel selber beigebracht und ein Paar Tipps bei meinem VorgÀnger geholt. Ich war aber auch bei der Gesanglehrerin von Flo drei, vier Mal dabei.

Flo:
Also ich geh regelmĂ€ĂŸig. Gitarre hatte ich vor Jahren ein paar Unterrichtsstunden. Man tauscht sich halt immer mal wieder mit anderen Gitarristen aus. So ist das eben, man holt sich Tipps und wird so auch besser.

Kathrin:
Ich nehme regelmĂ€ĂŸig Unterricht. Bei mir gibt es aber auch viel Luft nach oben, da ich halt nicht nur in einer Band spiele, sondern auch ganz normal in der klassischen Schiene unterwegs bin.

Kathrin, wenn ich jetzt absolut keine Erfahrung habe, was Geige spielen betrifft, ist es schwer?

Kathrin: JA, absolut. Du hast keine BĂŒnde oder sowas, wo du dich dran richten könntest, du musst halt alles mit dem Gehör machen. Bei uns ist die Geige auch anders gestimmt. Wir sind alle einen Halbton tiefer, das ist dann eben ultra schwierig, weil wenn du es eben gewohnt bist, in ganzen Tönen zu spielen und jetzt dann Halbtöne hast, dass du das dann eben hörst und auch noch stimmt, das ist dann echt schwer.

Paddy:
Ich bin momentan noch beim Freedom Call Drummer zum trainieren, Ramy Ali, nach wie vor, also seit 15 Jahren. Ich unterrichte auch selber. Halt nicht nur im Metalbereich, sondern auch Jazz, Bossa, Funk
 alles mögliche.

Habt ihr vor, mal in s Studio zu gehen und eine EIGENE CD aufzunehmen? (Jungs, ich rate euch, jetzt diese Frage mit JA zu beantworten)

(Alle lachen)

Tobi Koch:
Es ist definitiv auf dem Schirm, ja. Es ist halt einfach auch die Zeit, die oftmals fehlt, weil immer wieder neue Sachen dazu kommen. Wir hatten ja jĂŒngst die Logo Umstellung, haben ein völlig neues Set einstudiert und dann kommt wieder was dazwischen
 dazu kommt der finanzielle Aspekt.

Tobi Schwenk:
Was bei Inferno ein großes Thema wĂ€re, wĂ€re ein Live Album, was aber leider wirklich sehr schwer umzusetzen ist. Technisch und auch finanziell. Aber wir haben es geplant, auf jeden Fall.

Nach welchen Kriterien sucht ihr die Songs fĂŒr eure Shows aus?

Flo:
Die, wo wir halt meinen, die am meisten Spaß machen!

Tobi Schwenk:
Genau, der gute Mittelweg daraus!
Wir spielen nur Sachen, wo wir auch selber Bock drauf haben. Wir spielen jetzt nix, wo wir halt sagen ja, wir alle finden es sch
 aber wir spielen es, weil es Fans anlocken soll

Wir suchen wirklich den Mittelweg. Bekannte Songs, wo man Party machen kann, ABER auch Sachen, wo nicht jede Coverband spielt, wo WIR eben Bock drauf haben. So bleibt Abwechslung drin, damit es nicht langweilig wird.

Tobi Koch:
Man hat halt immer Songs von Bands dabei, wo man denkt, ach, den wĂŒrd ich so gerne mal spielen, aber da ist dann auch das Problem, man kann eben keine komplett unbekannten Songs spielen.
Aber wir können mittlerweile sagen, dass wir an die 200 Songs schon durch haben.

Flo:
Das reicht gar nicht. Wir hatten schon viel mehr.
Bei uns ist halt das Einzigartige, dass wir eben nicht das spielen, was alle spielen. Wir sind einfach nicht vergleichbar. Wenn wir das machen wĂŒrden, hĂ€tten wir kein eigenes Bild mehr.

Paddy:
NatĂŒrlich ist es aber auch schwer, komplett neue Lieder zu bringen, da die Leute doch auch Klassiker wollen.

Seid ihr (als Inferno Coverband) auf Festivals anzutreffen? Tretet ihr viel auf?

Tobi Schwenk:
Festivals weniger. Ein paar Open Airs und Motorradtreffen.

Tobi Koch:
Bei Festivals ist es halt immer sehr schwer, als Coverband dort hinein zu kommen. Das ist eigentlich fast ein Ding der Unmöglichkeit.
Wobei ich sagen muss: SummerBreeze, Nachts um Drei, könnte man uns echt mal auf die BĂŒhne lassen. Das wĂ€r lustig, die Fans wĂ€ren bereit dafĂŒr und uns wĂ€re auch geholfen, wenn wir da mal zwei, drei Stunden spielen dĂŒrften.
Aber es ist halt immer so mit Partyzelten. Es kommen die DJs, man stöpselt das Kabel an und fertig.

Flo:
Wir haben auch schon mal als Schlussgig gespielt, so quasi als Rausschmeißer. Klar, spielen wĂŒrden wir sehr gern aber es ist sehr schwierig. Quasi unmöglich.

Habt ihr bestimmte Rituale vor einem Gig?

Tobi Schwenk:
Also Gruppenrituale jetzt nicht wirklich. Jeder bereitet sich da fĂŒr sich vor. Die einen gehen halt zu den Fans, quatschen, die andern ziehen sich eher zurĂŒck.
Ich sing mich warm.

Flo:
Ich geh aufs Klo.
Damit spÀter nix passiert.
Und ich mache Jack Black®s Motivationstraining! (Bekannt aus „Shool of Rock: let®s rock. Let®s rock.“)

Paddy:
Ich mach mich warm auf dem Übungspad.

Ich find das ja so cool, dass ihr so Fan bezogen seid. Habt ihr eine Story fĂŒr mich auf Lager zu diesem Thema?

Flo:
Also da hab ich was.
Das war mein zweiter Auftritt mit Inferno. Da war so ein MĂ€del unter den Fans, die hat mich halt immer so angehimmelt, so angeguckt und dann war der Gig halt rum und ich hab mich umgezogen, auf einmal stĂŒrmt die rein und schreit mich an: „HAST DU NE FREUNDIN!?“
Ich war sichtlich geschockt, habe aber dann – Gentleman wie ich eben bin – trotzdem mit ihr geredet.
Sie hat mich dann gefragt, wie alt ich bin und ich war halt damals 26. Sie sagte „so alt siehst aber nicht aus“ und dann hab ich sie halt gefragt „wie alt bist DU denn?“. Sie sagte, sie wĂŒrde in zwei Tagen 17 werden. Das war so gegen Ende September, also hatte ich das astronomisch korrekt durchdacht und geantwortet „dann bist du ja Jungfrau!“ Ich sah, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich und sie begann zu verneinen „nein! NEIN! NEIN! Schon LANGE nicht mehr!“ Und ich stand da, wusste nicht recht, was ich sagen sollte.

Kathrin:
Wir hatten auch schon mal eine Frau, die einen Kopfstand auf unserem Podest gemacht hat. Das war etwas komisch anzusehen, ja. Sozusagen eine Yoga – Performance. Ich meine, es war echt cool, nicht jede ist so gelenkig. Ich war begeistert.
Oder die Einlagen halt von unserem KĂŒbl Tobias, der immer den Flo auf die Schulter nimmt fĂŒr das Gitarrensolo. Das ist halt schon cool.

Immi:
Was auch geil war: Da waren mal zwei ganz leicht angetrunkene MÀnner, die haben dann unsere Girlie Shirts angezogen, nix drunter, dann sind sie in der ersten Reihe voll abgegangen, und irgendwann wollten sie sich dann INFERNO tÀtowieren lassen und haben sich dann beschwert, dass wir halt keinen TÀtowierer dabei haben.

Ihr macht privat auch viel miteinander?

Alle: wie es die Zeit halt zulÀsst.

Tobi Schwenk: Konzerte ja, einmal im Jahr wird gegrillt, wir gehen in den Asia Palast und schlagen uns die BĂ€uche voll, und natĂŒrlich den ĂŒblichen Blödsinn.

Wann habt ihr angefangen, Musik zu machen (generell, nicht Inferno direkt)?

Flo:
Also ich hab als Kind schon ziemlich laut geschrien.

Tobi Koch:
Bei mir waren’s 15 Jahre Klarinette und nebenher etwas Saxophon.

Tobi Schwenk:
Angefangen hat’s mit 4 Jahren auf den Kochtöpfen von der Oma. Dann Schlagzeug, anschließend Gitarre.

Kathrin:
Sieben Jahre Blockflöte, davor hatten wir aber auch ein Piano daheim.

Bei euch kann ja echt jeder alles irgendwie. Das ist unglaublich.

Alle:
Nö, nur der Tobias Schwenk kann alles. Der kann aber auch wirklich alles.
Außer Geige.

Kathrin:
Geige kann Flo auch noch. Smoke on the Water.

Welche sind eure Top 5 Bands?

Iron Maiden
Savatage
System of a Down
Children of Bodom
Blind Guardian

Wo seht ihr euch in fĂŒnf Jahren?

Flo:
Auf der BĂŒhne.

Tobi Koch:
Es ist schwierig zum sagen. Das ist genau das Thema, was wir vorher hatten mit der Songauswahl. Wenn du eigentlich das machst, wo du selber drauf Bock hast, und sagst, nein, ich geh nicht in den Mainstream, ich spiel nicht das, was mich selber ankotzt, wirst du immer irgendwo an der 1000 Mann Grenze spielen.

Tobi Schwenk:
Es ist eben nur ein begrenztes Publikum da fĂŒr die Schiene, die wir spielen.

Tobi Koch:
Es wĂ€r fĂŒr uns musikalisch kein Problem, wenn wir sagen wĂŒrden, wir machen jetzt mal was anderes. Bisschen lustige Sachen oder so, Mainstream eben. Dann hĂ€tten wir innerhalb ein, zwei Jahren mehr als 2000 Mann. Das ist klar. Aber will man das wirklich? Es ist ja auch so. Hier verdient niemand Geld damit. Wir investieren immer nur alle wie blöd. Alles, was rein kommt, fließt in die Instandhaltung der Instrumente und des Equipments.

Tobi Schwenk:
Ja, viele wissen halt einfach auch nicht, was dahinter steckt. Hinter dem Ganzen. Organisatorisch und technisch ist das schon der Wahnsinn.

Flo:
Ich wĂŒrd gerne mehr Open Airs spielen. Außerhalb bekannter werden. Umkreis erweitern, einfach um neue Fans dazu zu gewinnen. Es soll einfach auch nicht zu viel werden. Es soll so bleiben, dass es Spaß macht.

Tobi Koch:
Es ist halt wirklich ein Hobby. Es will keiner Geld damit verdienen, das hat niemand auf dem Schirm.

Tobi Schwenk:
Es hat halt jeder Job, Familie usw und das hat Vorrang.

Wollt ihr euren Fans noch was sagen? Euren treuen Fans, die „first Row Warriors“?

Flo:
Kommt zum nÀchsten Gig! Und bringt Durst mit!

Tobi Schwenk:
Danke natĂŒrlich. Vor allem ist beachtlich, welche Strecken Fans teilweise auf sich nehmen um uns live zu sehen. Das freut uns natĂŒrlich sehr.

Tobi Koch:
Auf jedenfall Danke.
Es sind auch die Sachen, so wie unser Proberaumkonzert. Da haben wir unsere treusten Fans halt gern dabei. Es ist auch nicht nur das Lob, was wir erwarten. Wir erwarten auch Kritik, deshalb sind sie ja unsere Fans, weil sie uns ehrlich beurteilen.

Kathrin:
Gerade bei Dingen wie dem Proberaumkonzert können wir wirklich an uns arbeiten. Man bekommt Feedback, ob es sich gut anhört oder eben nicht. Daran wachsen wir und werden besser.

Tobi Koch:
Es sind auch viele private Kumpels dabei. Und gerade, weil sie eben private Freunde von uns sind, können sie uns beurteilen und sind auch gnadenlos ehrlich. Viele Fans trauen sich das einfach nicht. Aber ehrlich sein ist uns auch wichtig. Das hilft euch und das hilft uns.

Kathrin:
Ich will einfach auch danke sagen fĂŒr die jahrelange UnterstĂŒtzung, wir haben einfach halt Fans, die sind von Beginn an bis jetzt da und das schĂ€tzt man sehr als Band. Danke Leute.

Und ich sag DANKE an euch alle, dass ihr mich zum Proberaumkonzert eingeladen habt. Das ist fĂŒr mich was ganz Besonderes und ich bin euch ewig dafĂŒr dankbar.

INFERNO lohnt sich halt immer. Es ist fĂŒr jeden was dabei.

Falls ihr die Jungs live sehen wollt, hab ich hier die nÀchsten Gigs:

10.02. – NachtschwĂ€rmer, 86720 Nördlingen

24.02. – Stern, 91572 Königshofen

01.04. – Doubles Starclub, 86609 Donauwörth

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Interview: SOIL

Posted by Paola On Januar - 24 - 2018

Eigentlich kann ich es ja selbst nicht glauben, dass das geklappt hat, aber ich habe hier exclusiv fĂŒr euch mein Interview mit einer meiner Lieblingsbands: SOIL! (Danke an dieser Stelle an Anna Walter von AFM Records, dass du mir das ermöglicht hast!)

Tim King, der Bassist, hat sich die Zeit genommen, und mir ein paar Fragen beantwortet.

Soil

2017 war das Jahr, in dem SOIL ihr 20 jĂ€hriges JubilĂ€um feierten. Wie fĂŒhlt sich das an, wenn man so weit kommt als Band?
20 Jahre sind so ein Meilenstein! Ich dachte nie, dass wir 5 Jahre bestehen wĂŒrden, geschweige denn 20! Es ist einfach so ein tolles GefĂŒhl und eine Ehre, dass wir das noch immer machen können.

Was wĂŒrdet ihr arbeiten, wenn ihr nicht Musik machen wĂŒrdet?
Wir alle machen heutzutage Dinge außerhalb von SOIL. Es ist zu schwer zu ĂŒberleben, nur Musik zu spielen, es sei denn, du tourst 9 Monate im Jahr und das ist einfach zu viel fĂŒr uns. Es gibt einige EinschrĂ€nkungen, die nach 20 Jahren kommen! hahaha
Ich habe ein Plattenlabel namens Pavement Entertainment, das ich mit meinem Label-Partner und einem guten Freund fĂŒhre. Mark Nawara. Ryan hat gerade ein Musikberatungsunternehmen namens “37 House” gegrĂŒndet und Adam besitzt ein BĂŒromöbelinstallationsfirma.
Aber wenn ich nicht Musik machen wĂŒrde, wĂŒrde ich zur Marine gehen oder ans Meer. Das ist eine Leidenschaft von mir außerhalb der Musik.

Denkt mal an eure frĂŒhen Jahre. Was wĂŒrdet ihr einem jungen Musiker sagen? Habt ihr irgend welche RatschlĂ€ge?
Die Dinge haben sich so sehr verĂ€ndert, seit wir junge Musiker waren, also was wir getan haben, um es damals “zu machen” funktioniert nicht in der heutigen Welt. Mein bester Rat ist, gute Musik zu machen. Nicht gute Musik. Tolle Musik. Dann ist es eine Unmenge an Kleinarbeit in Social Media und Marketing, um deinen Namen zu bekommen und gesehen zu werden.
Zweitens, nachdem du angefangen hast, loszulegen und eine Basis aufgebaut hast, brauchst du ein Team auf deiner Seite, um gefördert zu werden und das nÀchste Level zu erreichen. Ein Plattenlabel ist ideal, wenn ihr von einem signiert werden könnt. Jeder denkt, dass man das selbst hinbekommt und kein Label braucht, aber das ist nicht wahr. Label sind immer noch sehr brauchbar und notwendig.
Und ich sage das nicht nur, weil ich eins habe!

Was war das lustigste Ereignis auf Tour ĂŒberhaupt?
Oh, da sind so viel, da kann ich nicht mal sagen, welche Geschichte die beste ist. Touring ist, als wĂŒrdest du auf ein RockÂŽnÂŽRoll Sommercamp gehen, mit all deinen Kumpels, nur ohne elterliche Aufsicht.
Es wĂ€re einfach zu viel, darĂŒber zu schreiben, ĂŒber die lustigen, teilweise dummen Dinge, die wir gemacht haben im Laufe der Jahre.

Vermisst ihr das Tourleben wenn ihr wieder daheim seid?
Es ist so ein zweischneidiges Schwert. In diesen Tagen, wenn ich zuhause bin, möchte ich wieder auf Tour sein, weil ich es satt habe, das Gleiche jeden Tag zu tun. Die Routine. Dann, wenn ich unterwegs bin, möchte ich einfach zu Hause sein und wieder Struktur haben. Hahaha – es ist wie verhext!

Wenn ihr eine Person treffen wĂŒrdet, die eurer Album „SCREAM: The Essentials“ noch nicht angehört hat, was wĂŒrdet ihr dieser Person sagen, damit sie es kauft?
Es ist die gesamte SOIL-Erfahrung, alles in einer Version zusammengefasst. Es gibt euch Einblick in das, was wir von 1997 bis 2017 bisher erreicht haben. Alles in einem Paket.

Wo seht ihr euch in zehn Jahren?
Hoffentlich können wir uns immer noch als Band zusammenfinden und einige Shows hier und da zum Spaß spielen. Ich möchte an diesem Punkt weiterhin zum Spaß spielen.

Wollt ihr euren Fans noch was sagen?
Ja. Danke aus tiefstem Herzen fĂŒr 20 Jahre Wahnsinn, Chaos und Metal! Ich liebe euch. Wir wĂ€ren jetzt ohne euch nicht hier.

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zu Besuch: Metalfriseur

Posted by Paola On Januar - 20 - 2018

Jeder Rocker oder Metaller kommt in seinem Leben an gewisse Punkte, wo es schwierig wird.
Discos, wo schreckliche Musik gespielt wird, EinkaufslÀden, wenn man eine neue Hose braucht ODER

Der Frisör.

Es mag euch jetzt grausen, aber das ist auch ein Thema, mit dem wir uns – ĂŒber kurz oder lang – auseinandersetzen mĂŒssen, liebe Metalheads.
Aber ich kann euch ein Bisschen was von dem Grauen nehmen.
Es gibt da einen Laden mit einer Frau, die VerstĂ€ndnis zeigt dafĂŒr, wenn man sagt „aber bitte nur so viel weg!“.
Nina Wettemann von NinaÂŽs Secrects Hairstylez.

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Du bist die erste Anlaufstelle fĂŒr alle Metalheads in DinkelsbĂŒhl. Gibt es irgend einen Unterschied zwischen einem Metalhead und – ich sags jetzt mal vorsichtig – einem „Normalo“?

(Lacht)
Ich will jetzt echt nix sagen, aber Metaller sind penibler mit der HaarlÀnge! Sie sind echt penibler, pflegen sehr viel (vielleicht auch mehr!).
Es ist halt immer das FamiliĂ€re dabei. Sie sind einfach lockerer, man kann mit ihnen einfach mehr ĂŒber Gemeinsamkeiten reden.

Hast du Kundschaft mit speziellem Musikwunsch?
Also ich richte mich natĂŒrlich nach der Kundschaft, wobei ich sagen muss, dass jetzt nicht den ganzen Tag nur Metal lĂ€uft bei mir im Laden. Das kann man einfach nicht machen, da muss man schon auch schauen, wer jetzt auf deinem Frisörstuhl sitzt.
Man hat halt seine Pappenheimer, die Leute, die immer wieder kommen. Da weiß man eben, was sie am Liebsten hören und das kommt dann selbstverstĂ€ndlich in die Playlist.

Du hast immer vor dem „Summer Breeze Festival“ deine spezielle Aktion: Montags geöffnet (normalerweise ist Ruhetag am Montag). Wie kam es denn dazu?
Erst hatte ich ja am REWE Parkplatz einen Stand an diesem „Summer Breeze Montag“. Den hab ich vier Jahre lang gemacht.
Nachdem ich natĂŒrlich viele Metaller gekannt hab und selber auch immer aufs Breeze gehe, hab ich mich dazu entschlossen, sie in meinen Laden zu holen.
Jeder hat mich immer gefragt, ob ich eben auch aufs Breeze komme, aber wenn man dann 12 Stunden arbeitet am Stand, ist man halt einfach platt. Du siehst deine Freunde dann auf dieses Festival gehen und willst natĂŒrlich auch hin, aber wie gesagt, nach so einem Tag ist man einfach froh, wenn man auf die Couch kann.
Dadurch, dass ich halt selber die Woche dann Urlaub habe, hab ich gesagt, ich mache am Ruhetag auf – speziell fĂŒr meine Metalheads, damit die eben auch untereinander sind.
Jeder hat frei, kann auf den letzten DrĂŒcker kommen, kann feiern, sich hĂŒbsch machen lassen fĂŒr s Breeze. Ich hab da keine Termine, es ist quasi „frei fĂŒr alle“.
Es ist einfach eine Riesen große Familie, und ich freu mich so auf diesen Tag immer, jeder kommt, hat gute Laune, es lĂ€uft Musik und es wird gefeiert. Klar, ich hab schon Stress, aber die Leute verstehen das eben. Die sitzen draußen, trinken gemĂŒtlich, reden und sind einfach aufgerĂ€umt.

Was ich persönlich echt toll finde: du spendest dein Trinkgeld der Eichhörnchenhilfe DinkelsbĂŒhl. Wie kam es denn dazu?
Also ich hab mal am Summerbreeze eine kleine Maus gefunden.
Eine Babymaus, die die Mama in meinem Vorzeit vergessen hatte. Und da hat es so geregnet, und die Mutti hatte die BabymÀuse rumgetragen und die eine kleine vergessen.
Tierlieb wie ich bin, hab ich sie dann gerettet.
NatĂŒrlich stellst du dir die Frage „Was mach ich denn jetzt mit dem kleinen Ding“. Die Mutti kam ja nicht mehr zurĂŒck. Also hab ich sie eingepackt.

Mitten im Summerbreeze Stau hab ich dann dort angerufen, bei der Eichhörnchenhilfe und gefragt, ob ich sie bringen darf. Die haben sie dann tatsÀchlich auch genommen.
Ich fand das so toll. Die Maus ist innerhalb von drei Wochen fett, glĂŒcklich und gesund wieder ausgesetzt worden. Auch wenn es nur eine Maus ist, ich fand die Aktion so schön und so kam es dazu. Mir tut es ja nicht weh, wenn die kleine Spardose auf meinem Tisch da steht. Wenn man dann helfen kann, auch wenn es nur eine kleine Organisation ist, aber mir tut es nicht weh.

Was machst du in deiner Freizeit, wenn du die Schere nicht schwingst?
Feiern gehen natĂŒrlich. Metal hören, Konzerte oder Festivals besuchen.

Welches war das coolste Konzert, auf dem du in letzter Zeit warst?
Also ich bin ja wahnsinniger K0rn Fan. Seit Jahren. Seit drölfmillionen Jahren. Ich wĂŒrd sagen: Summerbreeze K0rn. Auch wenns viele schlecht fanden, aber fĂŒr mich sind sie einfach meine Jugendhelden. Ich war 14 oder so, wie ich angefangen hab, diese Musik zu hören. Und fĂŒr mich ist das das Non Plus Ultra.

HĂ€ttest du die Chance auf ein Meet and Greet mit einer Band/einem Star, wen wĂŒrdest du nehmen?
Ja, K0rn natĂŒrlich. Das steht außer Frage. K0rn, K0rn, K0rn.

Nina ist  auch so eine Frau, die wirklich drauf Acht gibt, dass „nur so viel“ weg kommt. Es gibt einfach – seinen wir ehrlich – wenig Frisöre, die wirklich drauf schauen, dass nur das ganz Kaputte weg kommt.

Nebenbei erwÀhnt sieht sie wahnsinnig gut aus, hat echt Humor und ist ein absoluter Herzensmensch.
Also falls ihr mal in der NĂ€he seid, sei es am Summerbreeze oder wann anders – besucht sie. Es lohnt sich.
Danke nochmal Nina, ich komm so gern bei dir vorbei!

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Interview DEMONS DREAM

Posted by Paola On Januar - 15 - 2018

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Am Freitag, 12.01.2018, wurde ich zu einer Bandprobe der Band DEMONS DREAM eingeladen.
Die Jungs hatten mir schon im Voraus eine CD zukommen lassen, die ich mir zu Ohren fĂŒhren durfte. Ich kann Euch sagen, dass diese Band ein absoluter Geheimtipp ist.

Bewaffnet mit CD, Kamera und ein paar Fragen bin ich los gefahren, um die Jungs zu besuchen.

Erst mal ein fettes Danke, dass ihr extra eure Probe unterbrecht und euch Zeit fĂŒr mich nehmt.

Wie seid ihr drauf gekommen, eine Band zu grĂŒnden? Hattet ihr schon lĂ€nger die Idee, war es ein Hobby oder sogar beruflich?

Wir erzĂ€hlen dir jetzt einfach die Version, seitdem wir aktiv auftreten. Die eigentliche Geschichte zur Band wĂŒrde den Rahmen sprengen.

Kiko und Marc haben sich damals Instrumente gekauft, Schlagzeug und Bass. Irgendwann wurde dann mit frĂŒheren Klassenkameraden eine Band gegrĂŒndet, was aber leider nicht so gut funktioniert hat. Schließlich haben wir uns bei unserem jĂŒngst ausgeschiedenen Gitarristen im Dachboden zusammengesetzt und einfach mal drauf los gespielt. Alle hatten Bock auf Metal und so haben wir einfach mal geschaut, was dabei raus kommt.

Wie kommen euch die Ideen zu euren Songs?
Das ist so ne Sache. Man sitzt zusammen, auf einmal kommt eine Idee und du sagst „die nehmen wir jetzt auf!“. Also komplett spontan. Wenn wir sagen, wir setzen uns zusammen und schreiben was, dann kommt meistens nix dabei raus. Es ist wirklich alles spontan, und anhand dessen bauen wir unsere Songs dann auf.


Nehmt ihr das alles auch selber auf? Mixt ihr das auch selber?

Ja, dafĂŒr ist Marc der Ansprechpartner. Wir nehmen alles selber auf.

Wie sieht es aus mit Hobbies? Ist dafĂŒr noch Zeit?
Also es bleibt irgendwie keine Zeit fĂŒr ein Hobby. Die Musik ist alles fĂŒr uns. Wir gehen ja alle arbeiten, ein Bandkollege hat ein Kind, also da bleibt keine Zeit fĂŒr Hobbies.

Gibt es Lieblingslocations fĂŒr euch?
Eine Zeit lang hatten wir echt eine Lieblingslocation, inzwischen waren wir da halt schon eine Weile lang nicht mehr.
2016 waren wir zwei mal in TĂŒbingen bei Kumpels, die haben eine kleine Location und veranstalten dort auch regelmĂ€ĂŸig Konzerte. Einmal haben sie auch ein kleines Open Air veranstaltet, bei denen war es immer klasse aufzutreten.
Im Februar spielen wir wieder in TĂŒbingen, allerdings nicht dort.
Wo wir auch viel aufgetreten sind, gerade im letzten Jahr, war MĂŒnchen. Was wir halt schade finden, egal wie viel MĂŒhe man sich gibt, man ist in der Anfangsphase halt immer der „undankbare Opener“, was uns jedoch egal ist – Hauptsache wir können auftreten.
Wenn die Leute was trinken, ist es halt einfach eine andere Stimmung. Jeder ist locker, jeder hat Bock. Das ist klasse!
Drei Auftritte in MĂŒnchen waren mit einem super Publikum, einmal waren wir sogar der Headliner.
Zu diesem Gig sind wir echt spontan rein gekommen. Das war auch ĂŒber Social Media, da hatte ein Musiker gesagt, er braucht eine Band in MĂŒnchen. Den haben wir dann angeschrieben, gesagt dass wir kommen. Zwei Tage vor dem Auftritt!
Nach der Frage „wie viel Spielzeit habt ihr?“ Haben wir gemeint „so viel du willst“. Er antwortete „Ja, so eine Stunde schon“. Dann stellten wir uns die Frage, seit wann ein Opener so lange spielt, woraufhin er sagte „ja ihr spielt als Headliner!“.

Wir sind dann da hin gefahren, haben uns echt mit den anderen Bands super verstanden. Und das war einer der Abende, wo man sagen kann, dass er perfekt war. Wir haben alle unterschiedliche Musik gemacht, wir Heavy, die anderen Metalcore, wir saßen backstage zusammen, es war einfach perfekt. Das war einer der besten Gigs bisher.


Seid ihr nervös vor dem Gig? Lampenfieber?

Auf jeden Fall ist da noch Lampenfieber.

Marc:
Ja, ich glaub, wenn das mal weg ist, dann hat es eh keinen Sinn mehr, aufzutreten.

Kiko:
Also ich hab mega Lampenfieber. Immer. Vor jedem Auftritt. Oder ich trink halt ein paar Bier, dann geht das auch.
Es ist schon irgendwie komisch. Man ist irgendwo in einer Kneipe, hat ein Publikum von vielleicht fĂŒnfzig Leuten und ist nervös. Aber das ist nunmal so, das macht es auch aufregend.

Ihr seid Kumpels oder? Verbringt ihr privat auch viel Zeit miteinander?

Wenn wir jetzt an dem Punkt mit Freundschaften sind: als wir die Band gegrĂŒndet hatten, war der Großteil jemand anders, weil wir ja als Kumpels auch angefangen haben. Man hat sich dann auch ein bisschen auseinandergelebt, die Interessen sind auseinander gegangen, manche hatten keine Zeit mehr wegen beruflichen GrĂŒnden. Deshalb haben wir auch momentan UnterstĂŒtzung von Marius und Kai von der Band STEEL MESSIAH. Wir haben die Jungs gefragt, ob sie nicht Lust hĂ€tten, bei uns auszuhelfen. (temporĂ€r, nicht auf Dauer.)
Sozusagen retten sie uns gerade, sie sind die Söldner, die uns helfen, dass wir ĂŒberhaupt auftreten können.

Marc: Ja, bei meinem Bruder ist es sehr schwierig, da er in MĂŒnchen wohnt. Man trifft sich klar um zu proben, aber es ist definitiv mehr als nur eine Band. Es ist Freundschaft. Man schließt ja auch neue Freundschaften, lernt neue Leute kennen.

HĂ€ttet ihr die Wahl, fĂŒr eine bekannte Band als Vorband aufzutreten, wen wĂŒrdet ihr nehmen?
IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, ENFORCER.

Wir haben im Backstage beim Warm Up fĂŒr das Trveheim Festival mit STALLION gespielt, das ist eine Band, die wir echt super finden. Das sind halt die Szene Bands. Die sind wirklich in der Szene bekannt, und da ist man dann echt stolz drauf.

Das sind dann auch Eure Ziele?
Ja, als wir unsere CD rausgebracht haben, hatten wir auch mal ein Interview, wo wir gefragt wurden, was unsere Ziele sind.
Da haben wir gesagt, irgendwo auf einer großen BĂŒhne abrocken, einfach mal vorankommen. Weg von den Kneipenauftritten. Klar haben die ihren Charme, diese Auftritte. Jedoch ist es doch immer der Traum, auf eine große BĂŒhne zu gehen. Allein schon deshalb, weil wir eine sehr hyperaktive Band sind. Wir geben immer hundert Prozent.

Habt ihr eine lustige, coole Story auf Lager?
Also da gibt es so viel.
Also technische Probleme sind meistens mit dabei. Es reißen Saiten, es fallen Sachen runter. Das passiert. Man muss das dann auch mit Humor nehmen und darĂŒber lachen können.

„Beim letzten Gig im T9 (Jugendzentrum in Heidenheim) hatten wir die glorreiche – betrunkene – Idee, alle Bands auf die BĂŒhne zu holen und den Song „PARANOID“ zu spielen. Das haben wir natĂŒrlich total versemmelt. Es war jedoch witzig, da wir vor dem Gig wussten, wir wĂŒrden uns zum Deppen machen. Gesagt, getan. Alle haben sich zum Deppen gemacht, aber alle hatten spass. Das zĂ€hlt.

Wir haben dann auch mal gemeint, wir mĂŒssten jetzt unser eigenes Underground Festival machen. Vorletztes Jahr war dann der Startschuss, und es kam eine Zeitung aus Aalen (ich will keine Namen nennen jetzt ), hat gemeint, sie tun uns was Gutes und schreiben einen Artikel ĂŒber uns.
Als wir das gemacht hatten, hatte die Dame wohl am Handy mit Autokorrektur geschrieben. Furchtbar. Also im Endeffekt hatte der Artikel dann einen „Stahlmessias“ (statt STEEL MESSIAH) drinnen, aus „DEMONS DREAM“ wurde der „Demons Drehmoment“ und so ging es dann mit allen Bands durch. Die Orte waren falsch, wir haben dann nicht in Elchingen gespielt, wie es eigentlich heißen sollte, sondern in Ellwangen, das Datum war falsch, also eine komplette Katastrophe. Wir wollten eigentlich auch schon einen Song danach schreiben: von Restless Dead zu Werkzeugkiste. Die Idee wĂ€r eigentlich gut.

Kiko:
Unser frĂŒherer Gitarrist, der hatte stĂ€ndig technische Probleme. Ich hab ihm dann auch schon mal gesagt „das kann ja nicht sein, stĂ€ndig ist irgendwas mit deinem Equipment!“. Dann war es so weit: wir standen im Backstage auf der BĂŒhne, ich am posen, hau in die Saiten meines Basses und der Gurt reißt.
Der damalige Gitarrist war sichtlich zufrieden, dass es jetzt mal mir passiert war und nicht ihm. Genugtuung pur.

Im T9 (Jazze Heidenheim) wollt ich mal ins Mikrofon plaudern, wÀhrend das Schlagzeug gelaufen ist, hab das Mikro vom StÀnder genommen, aber vergessen, das Kabel abzuwickeln und fang an rumzulaufen, und hab dann halt geredet und geredet und niemand hat mich gehört.

Pannen gehören sicherlich dazu, wir hoffen dennoch, dass es beim nÀchsten Gig funktioniert!
Falls ihr die Jungs mal live sehen wollt, habt ihr im Februar die Chance dazu.

Am 03.02.2018 spielen die Jungs in TĂŒbingen, das dĂŒrft ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen!

Danke an DEMONS DREAM fĂŒr das lustige Interview, und danke an METAL_IMP fĂŒr die Fotos!

demon

INTERVIEW RAIN (ITALY)

Posted by P e t e r On Dezember - 18 - 2017

Rain BandInterview mit Andrew Gunnar, Drummer der italienischen Metal Band „RAIN

Hallo Andrew, erstmal GlĂŒckwunsch zum gelungenen Support fĂŒr W.A.S.P. Ich hab Euch in Oberhausen gesehen und war angenehm  ĂŒberrascht.  Klasse  dass Du die Zeit gefunden hast, mir ein paar Fragen zu beantworten. Read the rest of this entry »

INTERVIEW: HIGHRIDE (SCHWEDEN)

Posted by Paola On Dezember - 18 - 2017

highride2Als ich wieder mal durch das Internet surfte, auf der Suche nach neuer – guter – Musik, bin ich durch Zufall und Dank Facebook auf eine tolle Gruppe gestoßen: HIGHRIDE.

Highride ist eine Band, welche 2006 in Stockholm / Schweden gegrĂŒndet wurde. Ihre erste offizielle Single „Song of your Decay“ erschien im September 2012, im August 2013 folgte ihre zweite Single „Bad Habit“ und als Krönung gab es im Dezember 2013 ihr erstes Album „Highride“ mit anschließender erster Tour.

„Sex is my Substitute“, die aktuelle Single, geht mir persönlich nicht mehr aus dem Kopf. Das Video dazu ist ebenfalls der Knaller.

Also habe ich mich dazu entschlossen, den Jungs per Chat ein paar Fragen zu stellen.

Bevor wir starten, wollte ich mich im Voraus bei Euch bedanken, dass Ihr Euch Zeit nehmt fĂŒr dieses Interview.

Im Moment seid Ihr total in der Arbeit an Eurem zweiten Album vertieft. Könnt Ihr Euren Fans schon verraten, was sie erwartet?

Peter:

Ich denke, man könnte sagen, dass das Album zu 75% fertig gestellt ist und jetzt, wo wir endlich unser eigenes Studio haben, können wir es kaum erwarten, einen Song aufzunehmen, sobald er fertig geschrieben ist. Eigentlich lassen wir die Demoaufzeichnungen sein und produzieren den Song sofort. Unser DebĂŒtalbum „Highride“ wurde damals von Tomas Skogsberg im Sunlight Studio produziert und aufgenommen, wir hatten jedoch das GefĂŒhl, dass wir die technischen und musikalischen FĂ€higkeiten erworben haben, die eben heute notwendig sind, um selber zu produzieren. Also haben wir es versucht und es stellte sich heraus, dass es ziemlich gut funktioniert.

Kriss:

Was unsere Fans erwartet, ist purer, dreckiger RockÂŽnÂŽRoll (oder Glam-Punk, wenn wir es beim Namen nennen wollen). Volle Geschwindigkeit von Anfang bis Ende!

Mille:

„Glam-Punk“ hört sich gut an.

Peter:

Ihr werdet merken, dass es eine HIGHRIDE-Platte ist, aber seit Mille und Kriss in der Band sind, geht es mehr in Richtung Hardrock-Arena Punk. Die alte Platte war mehr Action-Rock.

Aber nennen wir es ruhig Glam-Punk. Das ist okay. Haha.

Und was unterscheidet euch von anderen Bands?

Peter:

Kriss, Mille, wollt ihr diese Frage ĂŒbernehmen?

Kriss:

Ich weiß nicht genau, was uns von anderen Bands unterscheidet, was ich aber sagen kann ist, dass wir ein extrem energetischer Live Act sind. Und wir nehmen uns selber nicht zu ernst! Wir schreiben nicht ĂŒber politische Themen oder irgendwas in dieser Richtung, unsere Songs erzĂ€hlen von einer super Zeit und guten GefĂŒhlen.

Peter:

Oder richtigen miesen Zeiten und wie man wieder von diesen GefĂŒhlen weg kommt.

Die Hochs und Tiefs des Lebens eben!

Kriss:

Genau!

Wenn ihr die Wahl hĂ€ttet, als Vorband fĂŒr eine berĂŒhmte Band aufzutreten, fĂŒr wen wĂŒrdet ihr spielen wollen?

Mille:

KISS!

Nicke:

GUNS `N ROSES (oder die Band mit der grĂ¶ĂŸten Fanbase)

Peter:

Solange wir neue Fans dazu gewinnen können, spielen wir, egal wo.

Aber die BĂŒhne mit der Band SOCIAL DISTORTION zu teilen, wĂ€re schon sehr cool.

Was war das Nervigste, dass ihr in Eurer bisherigen Musiklaufbahn erlebt habt?

Peter:

Die frĂŒheren Jahre der Band, als (beschissene) Promoter ihre Versprechen nicht gehalten haben. Das ist wohl in Schweden weiter verbreitet


Im Ausland wird es dann besser, denke ich. Zum Beispiel lieben wir Deutschland! Immer super organisiert, professionelle Kollegen und Leute, egal wie groß oder klein die Location ist.

Kriss:

Das Nervigste? Peter! Haha!

Scherz.

Ich denke mal, das Ärgerlichste fĂŒr jeden Musiker ist der stĂ€ndige Kampf und die harte Arbeit fĂŒr wenig Anerkennung. Du kĂ€mpfst jahrelang und kommst keinen Schritt weiter, Dank des heutigen GeschĂ€ftsklimas.

Peter:

Kriss scherzt von Zeit zu Zeit ein Bisschen. Er ist der Banddiktator haha.

(Ich liebe deren Humor!)

Was macht ihr gegen NervositĂ€t vor Auftritten? Seid ihr ĂŒberhaupt nervös?

Mille:

Ich bin nicht nervös, muss aber sagen, dass ein paar Drinks vor der Show schon helfen, das Adrenalin zu heben und in den „KĂ€mpfermodus“ zu gehen.

Peter:

Ich werde auch selten nervös, eher aufgekratzt. Diese 45 Minuten auf der BĂŒhne, oder wie lange es auch ist, sind das, wofĂŒr man sich vorbereitet. WofĂŒr man arbeitet. Es ist einfach das Beste, wenn man live auftreten darf, es ist das, was wir am Besten können.

Kriss:

Ich persönlich bin immer sehr nervös vor einem Auftritt. Ich versuche immer, mich auf meinen Part zu konzentrieren. Die Setlist zu können, zu wissen, wie man sich auf der BĂŒhne zeigt, meine Background Vocals (Hintergrundgesang) und natĂŒrlich mein Make-up.

Wenn du die ersten Töne spielst, wandelt sich die NervositĂ€t in Adrenalin um und du kommst automatisch in den „KĂ€mpfermodus“.

Wie sieht euer Aftershow-Abend aus? Party oder Couch?

Alle:

PARTY!

Einer der HauptgrĂŒnde, warum wir diese Band gegrĂŒndet haben, sind die Parties nach der Show.

Mille:

Wenn der Auftritt gut war, feiern wir. Wenn er schlecht war, trinken wir um unsere Sorgen zu ertrĂ€nken. Aber in 99% feiern wir und genießen gute Auftritte.

Kriss:

PARTY! Wir sind super in Sachen feiern, es ist sehr cool, wenn wir Fans treffen und hören, was sie ĂŒber unseren Auftritt zu sagen haben.

Wie sieht es privat bei Euch aus? Seid ihr vergeben?

Peter:

Wir sind alle glĂŒcklich vergeben. (Sorry MĂ€dels!)

Gibt es noch etwas, was Ihr Euren Fans sagen wollt?

Peter:

Danke fĂŒr all eure UnterstĂŒtzung, folgt uns auf den sozialen Medien und seid gespannt auf das neue Album (und alle anderen verdrehten Ausschweifungen unserer Karriere haha).

Und ich sage auch danke, das Interview war echt witzig. Die Jungs sind absolut cool drauf und die Musik ist sehr zu empfehlen.

Danke nochmal an

Kriss Keyes – Bass

Mille Lithander – Gitarre

Peter Waljus – SĂ€nger / Gitarre

Nicke Rosell – Schlagzeug

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INTERVIEW: ATROCITY

Posted by Radu On Dezember - 16 - 2017

ATROCITY logo_black background

Quasi aus dem Nichts klatschen uns ATROCITY ihre EP “Masters Of Darknes” in die Fresse. Der musikalische Arschtritt ist der Vorbote, des im Juli 2018 erscheinenden zweiten Albums der “Okkult” Trilogie” Mastermind Alex Krull und Tosso sprachen mit uns ĂŒber die EP, die Schatzsuche und ĂŒber LEAVES` EYES.

Hi Alex und erstmal herzlichen GlĂŒckwunsch zu eurer EP! Wie geht es dir zur Zeit?

Alex: Danke Dir, uns geht es sehr gut, immer viel los im Mastersound Headquarter! Tolles GefĂŒhl mit neuem Release von ATROCITY am Start zu sein!

Ehrlich gesagt war ich sehr ĂŒberrascht, quasi aus dem Nichts etwas von ATROCITY zu hören. Die erste Neuigkeit war der Wechsel zu Massacre Records. Wie kam es zu der Entscheidung und dem Wechsel?

Tosso: Es fĂŒhlt sich sehr gut und richtig an wieder bei Massacre zu sein und mit Thomas Hertler und Massacre zu arbeiten. Wir kennen uns seit vielen Jahren und haben von der BLUT-Platte bis zur WERK 80-Scheibe dort unter Vertrag gestanden. In gewissem Sinne schließt sich so der Kreis fĂŒr uns und Massacre Records“ Alte Liebe rostet nicht!

Alex: Massacre Records haben uns damals viele Ideen ermöglicht, sowas wie WERK 80 zum Beispiel. Ich habe ja frĂŒher selbst Mitte der 90er bei Massacre Records und zusammen mit Thomas als meinem Kollegen gearbeitet. Als Soulfood Music Massacre Records kĂŒrzlich ĂŒbernommen haben, war quasi mit Jochen Richert und seinem Soulfood Team die Sache perfekt! Jochen kenne ich seit meiner Jugend und er war damals schon in meiner Zeit bei Massacre Records erfolgreicher Vertriebspartner.

ATROCITY_MASSACRE

Eure EP „Masters Of Darkness“ hat fleißig in den Arsch getreten! Wie kam es zu dem EP Titel und was hat dich dazu inspiriert?

Alex: Als Geschichts-Nerd habe mich natĂŒrlich auch mit dem Okkultismus im Dritten Reich beschĂ€ftigt. Der Titeltrack “Masters of Darkness” umschreibt dessen kompletten Wahnsinn und der damit verbundenen menschenverachtenden Ideologie, der absurden Weltanschauung und Deutung der Weltgeschichte. Der “Schwarze Orden” vereint in der “Religion des Blutes” mit Schwur auf die “Blutfahne”.

Musikalisch machen bereits die ersten Töne klar, daß es zurĂŒck in die Vergangenheit geht; irgendwo zwischen „Willenskraft“ und den groovenden Parts der „Blut“ habt ihr noch die brachiale Epik von Atlantis“ eingestreut. Besonders der Einsatz der Chöre hat mich sehr gefreut. Wie kam es zu dieser Marschrichtung?

Alex: “Masters of Darkness” ist der dunkle und brachiale Vorbote von “Okkult II”, und ist somit Bestandteil der Okkult Trilogie. Im Juli nĂ€chsten Jahres erscheint „Okkult II“. Und klar, wer unsere letztes Album “Okkult” oder die harte Seite von Atrocity wie “Atlantis”, “Willenskraft” oder “Blut” mag, wird die neue EP lieben! Die Chöre könnten glatt aus einem Horror Streifen stammen, und passend zum textlichen Konzept um Mysterien der Weltgeschichte aus den dunkelsten Epochen der Menschheit und ihrer abgrundtiefen Bosheit.

`Menschenschlachthaus` zeigt ĂŒberdeutlich die hĂ€ssliche Fratze des Krieges. Was hat dich dazu getrieben, gerade diese Thematik zu verarbeiten?

Alex: Der Text von “Menschenschlachthaus” ist keine einfach zu verdauende Kost um den reallen Horror des maschinellen Krieges! Ein deutscher Lehrer hatte schon vor dem 1. Weltkrieg ein Buch verfasst, und ĂŒber einen derartigen maschinellen Vernichtungskrieg, der kommen wĂŒrde und darĂŒber bis ins Detail berichtet. Als viele der zum Teil blutjungen Soldaten dann tatsĂ€chlich 2 Jahre spĂ€ter als Marionetten der Obrigkeit und wie das Vieh zum Schlachthof dort hineingetrieben und zu hunderttausdenden in den SchĂŒtzengrĂ€ben durch die moderne Kriegsmaschine dahingerafft wurden, begann gleichzeitig die ganz große Tragödie des 20. Jahrhunderts mit den beiden Weltkriegen und den desaströsen Folgen fĂŒr die Menschheit spĂŒren wir bis heute.

`Gates To Oblivion` wĂ€lzt sich herrlich schwerfĂ€llig durch die Boxen und bedient mich mit einigen AusbrĂŒchen. Danke dafĂŒr :) Auch `DevilÂŽs Covenant` hat meinen Nackenmuskeln einige Schmerzen beschert. Man hat in der letzten Zeit eher etwas ĂŒber Leaves` Eyes, als ĂŒber Atrocity gehört. Wann habt ihr mit dem Songwriting begonnen und wie seid ihr da ran gegangen?

Tosso: Wir haben seit der OKKULT I Scheibe Konzerte und Touren mit beiden Bands weltweit gespielt. Europa, Nordamerika, Asien, Russland und Latein Amerika standen auf dem Programm und bevor wir uns ins Studio fĂŒr die finalen Aufnahmen begeben haben, waren wir letzten Sommer zudem das erste Mal in Weißrussland. Es stimmt, von Leaves’ Eyes hat man wahrscheinlich in letzter Zeit mehr wahrgenommen. Allerdings waren die vielen Live-Shows auch hilfreich, um eine genaue Idee zu haben, in welche Richtung wir mit dem neuen Song-Material gehen werden. Vom ersten OKKULT Album haben uns Songs wie “March of the Undying”, “Death by Metal” oder “Pandeamonium” live besonders gut gefallen, also StĂŒcke die eine gewisse Dramatik und Epik haben, aber eben auch sofort auf die 12 gehen!

Atrocity_Master_of_Darkness_Cover_MASDP1001

Ein Wort zur ATROCITY Schatzsuche; ist die CD mittlerweile gefunden worden? Hast du schon etwas gehört? In der Facebook Gruppe scheint sich mittlerweile Stille breit gemacht zu haben…

Alex: Haha ich weiss es leider nicht. Gemeldet hat sich bei uns zumindest noch niemand. Was ich aber mitbekommen habe, dass tatsÀchlich ein paar Leute losgezogen sind, um dem Schatz zu finden! Mir gefÀllt es ganz persönlich, dass um die Schatzsuche ein kleiner Mythos entsteht, und mich haben bereits mehere Leute darauf angesprochen. Mal sehen, wie das alles mal enden wird, und ob jemand die goldene CD finden wird!

Endlich wurde auch euer neues Album fĂŒr 2018 angekĂŒndigt. Was können wir vom zweiten Teil der Okkult Trilogie erwarten und wann kriegen die Fans es zu hören?

Tosso: Das OKKULT II Album wird im Juli 2018 auf den Markt kommen: Fett, fies und brachial. DEATH BY METAL!

Welche Themen werden dieses Mal beleuchtet werden?

Alex: Dazu verrate ich noch nicht viel. Nur vielleicht soviel, es werden ein paar herrliche Geschichten auf OKKULT II vertont!

ATRO_band_02

An welchen LokalitÀten habt ihr dieses Mal eure Inspiration gesammelt? Wird auch RumÀnien, was meiner Meinung die Wiege vieler okkulter Geschichten und des Vampirismus ist, eine Rolle spielen?

Alex: Kann gut sein…Radu, Du weisst ja mein Großvater entstammt von dort.

Habt ihr bereits PlĂ€ne fĂŒr ein Video und wie sehen diese aus?

Alex: Es wird definitiv einen Videoclip geben, das Konzept wird noch nicht verraten. haha

Mit der Schatzsuche habt ihr euch etwas sehr originelles einfallen lassen. Habt ihr auch eine Ă€hnliche Aktion fĂŒr die zweite Scheibe am Start?

Alex: Na klar, es wird zu allen drei OKKULT Alben eine Schatzsuche geben. Allerdings wird die Schatzsuche fĂŒr OKKULT II etwas einfacher werden.

Band Photo 2

Einige kurze Worte noch zu LEAVES’ EYES; mittlerweile gibt es eine „neue“ SĂ€ngerin an Bord. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Elina Siirala?

Tosso: Elina hatte LEAVES’ EYES bei 2 Shows in England mit ihrer Band „Angel Nation“ supportet. Als wir uns dann im April 2016 auf die Suche nach einer SĂ€ngerin machen mußten, fiel Elina uns als erstes ein. Wir hatten großes GlĂŒck. Elina war die erste und einzige SĂ€ngerin, die wir zu Sessions eingeladen haben und wir sind sehr froh sie in unseren Reihen zu haben. Sie hat auf 2 Nordamerika-Touren, Clubshows und Festivals einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, sowie beim neuen LEAVES’ EYES Album „SIGN OF THE DRAGONHEAD“ gesanglich eine Top-Performance vom Stapel gelassen.

NatĂŒrlich war die Aufregung ĂŒber den Besetzungswechsel groß, weil du und Liv fĂŒr die Fans als Einheit aufgetreten seid. Besteht noch Kontakt zueinander und in wie weit besteht die Chance, daß ihr noch einmal etwas gemeinsam macht?
(Über TrennungsgrĂŒnde und private Reibereien möchten wir hier nichts wissen, das geht uns schließlich nichts an; darum fragen wir ausschließlich nach weiteren, musikalischen Projekten)

Alex: Das kann ich mir nicht vorstellen. Kontakt gibt es natĂŒrlich bezĂŒglich unseres gemeinsamen Sohnes.

Euer neues Album kommt ebenfalls 2018 heraus. Gibt es hierzu bereits erste Reaktionen von der Presse?

Tosso: Die Feedbacks zum neuen Video und Titeltrack des kommenden Albums „Sign of the Dragonhead“ sind bisher ĂŒberragend! Die EP „Fires in the North“, die wir 2016 herausgebracht hatten, war sogar zwei Mal ausverkauft. Den Song haben wir live on Tour gespielt und ist auch auf dem neuen Album drauf. Wir freuen uns auf 2018 und die Veröffentlichung des neuen Leaves’ Eyes Albums „SIGN OF THE DRAGONHEAD“!

Danke fĂŒr deine Zeit und die Aussicht, endlich wieder okkulte Arschtritte zu kassieren ;) Noch einige abschließende Worte fĂŒr die Fans?

Tosso: Vielen Dank fĂŒr dieses Interview! Wir sehn uns live 2018

Alex: Wir bedanken uns fĂŒr die jahrelange UnterstĂŒtzung und lassen es 2018 richtig krachen – in doppelter Hinsicht!

Radu

BLIND GUARDIAN SPECIAL

Posted by Radu On November - 23 - 2017

30 Jahre BLIND GUARIDAN

Tolkien, Stephen King, Michael Moorcock. Dies sind thematisch die wohl grĂ¶ĂŸten EinflĂŒsse, die eine junge Band aus Krefeld einst inspiriert haben zu den Instrumenten zu greifen. Mittlerweile sind 30 Jahre vergangen; Grund genug einmal die Geschichte der blinden WĂ€chter Revue passieren zu lassen. Dabei ist uns Marcus Siepen in einem entspannten Telefonat behilflich. Vorhang auf fĂŒr BLIND GUARDIAN im Spiegel der Zeit.

BG Logo

Gleich zu Beginn ist ein GlĂŒckwunsch zur langjĂ€hrigen Bandgeschichte angebracht.

„Ich muss sagen, wir denken nicht wirklich in diesen Kategorien. Es kommt vor, daß Leute uns darauf ansprechen wie „30 Jahre BG“ oder „20 Jahre Nightfall“. Dad enkt man aber gar irgendwie gar nicht darĂŒber nach, wir sind mehr nach vorne orientiert. Blick nach hinten kann sehr schön sein , aber wir sind mehr nach vorne fokussiert. Es ist ein sehr schönes GefĂŒhl, auf so eine lange Karriere zurĂŒckblicken zu können. Heutzutage bist du ja schon eine alte Band, wenn du fĂŒnf Jahre auf den Buckel hast. Da sind wir ja schon Dinosaurier. Es ist ein schönes GefĂŒhl nach 30 Jahren noch am Start zu sein und relevant zu sein.“

Wir schreiben das Jahr 1983, in der Heavy Metal als Randerscheinung sein Dasein fristet. Die große Bandbreite der Gesellschaft zelebriert Popmusik und AnhĂ€nger des Metals werden von der großen Masse als asoziale Typen mit krankem Geschmack abgestempelt. Innerhalb der Metalszene frönt man jenen Bands, die heute Legendenstatus haben; kaum ein Jugendzimmer, das nicht mit Bruce Dickinsons Stimme beschallt wird, ohne ACDC Poster an der Wand auskommen und Black Sabbath haben gerade mal ein Viertel ihrer Besetzungswechsel am Mikro hinter sich. Langsam entstehen die ersten unterschiedlichen Stile, die man sowohl vom musikalischen, als auch von den Covern her erkennen kann. Kreator und Testament beispielsweise zelebrieren Thrash, wĂ€hrend Running Wild und Helloween ihre Geschwindigkeitsgrenzen ausloten. Cannibal Corpse schockieren mit fiesen Covern und extremen Texten, wĂ€hrend Metallica nicht nur durch ihren Namen, sondern aufgrund einer perfekten Setlist die Hallen fĂŒllen.

BG 1987
In diese Welt wird eine junge Band aus Krefeld hineingeboren, die auf den Namen LuciferÂŽs Heritage hört. Auch anno 2017 hat der Name nichts von seinem Charme verloren. „Angestaubt ist der Name nicht, ich mag ihn genauso wie damals“ erinnert sich Marcus Siepen „Mit unserem damaligen Namen sind wir in die falsche Schublade gesteckt worden. Viele Leute, die unsere Musik nicht kannten und nur unseren Namen hörten, haben uns in die Black Metal Schublade gesteckt, in der wir nicht reingehören. Uns ist schnell klar geworden, daß wir schnell einen anderen Namen brauchen. Wir mögen Schubladendenken generell nicht, aber dann in eine Schublade gesteckt zu werden, in die man gar nicht rein gehört, ist nicht schön.“

Man probt zusammen und wohnt teilweise in einem alten Kellerraum, den man sich mit einem fiesen Gummiteppich und Kellerasseln teilt. Hier entsteht die erste Demo und man will das erste Album aufnehmen. So betritt LuciferÂŽs Heritage das Aufnahmestudio, den es nie mehr verlassen soll. Drei Wochen Zeitfenster, um die Songs einzuspielen, können eine sehr lange Zeit ist sein. Man spielt also einfach drauf los und hofft, daß es besser klingt, als im Proberaum. „Wir sind noch als LuciferÂŽs Hertitage ins Studio gegangen, um die „Batallions“ aufzunehmen und saßen abends noch in der StudiokĂŒche. Jeder hatte einen großen Zettel vor sich, mit tausenden von NamensvorschlĂ€gen von möglichen und unmöglichen Namen. Der Bandname kommt von dem Song `Guardian Of The Blind`, den wir bereits hatten. Ich glaube Hansi hatte damals die Idee dazu und der Name gefiel uns am besten. Es klang gut und hatte etwas von Fantasy, was sich auch in unseren Texten wiederspiegelt.“ Das ist das Ende von LuciferÂŽs Heritage und der Beginn einer langen Reise fĂŒr die blinden WĂ€chter. Der erste Schritt ist der Erstling „Battallions Of Fear“, der musiktechnisch eine Hommage an Iron Maiden und alte Helloween auf Speed ist.

Battallions Of Fear

Blind_guardian_battalions_of_fearDie Drehorgel zu Beginn von `Majesty`wiegt mit einem Walzer in Sicherheit, ehe es lauthals aus den Boxen hervorprescht. Geschwindigkeit, HĂ€rte und straight in die Fresse sind dabei die Hauptzutaten, die lediglich von Gesangslinien umgarnt werden, die sich bereits nach dem ersten Durchlauf langfristig in die Hirnrinde frĂ€sen. Herrlich, wie sich die Jungspunde hemmungslos austoben und dabei auch noch interessante Texte verarbeiten. `Guardian Of The Blind` beackert die Geschichte von Stephen Kings „Es“ (deren Remake dieses Jahr die Kinos befallen hat) und ist gleichzeitig Schuld an dem Tod von LuciferÂŽs Heritage und die Geburt von BLIND GUARDIAN. SĂ€gende Riffs und frickelige Solis lassen in den ersten beiden Minuten die MĂ€hne kreisen, ehe man sich zum Refrain vorarbeitet, den man einfach nur noch lauthals mitschreien will. Die Solis verursachen GĂ€nsehaut und auch wenn Hansis Stimme fernab von seinem eigentlichen Potential ist, so gibt es keine bessere Stimme, die zu dem Sound passen wĂŒrde. `Wizard’s Crown`ist ein rĂ€udiger Bastard aus Thrash und Speedelementen, der lediglich fĂŒr seinen Chorus die Geschwindigkeit drosselt. Das hymnenhafte `Run For The Night` poltert sich auch Jahre spĂ€ter als Live Bonustrack beim „Tales From The Twilight World“ Album durch die GehörgĂ€nge. Hier prasseln Hansis Worte in Dauerfeuer auf die Lauscher ein, ehe der Chorus alles beflĂŒgelt. Mit `The Martyr` begleiten wir die Leidensgeschichte von Jesus, bei denen die WĂ€chter sehr vielschichtig zu Werke gehen. Midtempo hier, Geschwindigkeitsrausch da und eine Herausforderung fĂŒr Hansis Stimme, die mal bellend, mal klagend und auch fordernd aus den Boxen schallt. Der Titeltrack prescht aggressiv aus den Boxen und bietet das volle Moshprogramm, verteilt auf ĂŒber sechs Minuten. Das Schlagzeug kommt hier besonders gut zur Geltung, denn neben stumpf auf die Zwölf wird hier fleißig variiert, so daß spĂ€testens an dieser Stelle des Albums keine Zweifel mehr an den Ideenreichtum der noch jungen Band bleiben. `Trial by the Archon`, `By the Gates of Moria` und `Gandalf’s Rebirth`sind drei InstrumentalstĂŒcke, die geschickt zwischen den Hochgeschwindigkeitsattacken eingestreut werden. Textlich setzt man hier den Grundstein fĂŒr die Herr der Ringe Thematik, ohne jedoch den Weitblick fĂŒr andere Themen außen vor zu lassen. Das Cover ziert zwei verhĂŒllte Kapuzengestalten beim Schachspiel; die Metaphorik des verhĂŒllten Kapuzenmannes als BLIND GUARDIAN findet hier seinen Ursprung und begleitet die Band bis heute auf diversen Merchandise Logos.

Das zweite Album

Mit dem ersten Album verbucht man bereits einen amtlichen Erfolg; die Mischung aus Speed und Thrash geht auf und beschert den WĂ€chtern ein gutes SelbstwertgefĂŒhl. Wie alles im Leben, hat zu viel davon auch seine Kehrseite. So erklĂ€rt Hansi in einem Interview zur JubilĂ€umsbox, daß man zu der Zeit doch extrem undiszipliniert ist. Man trifft sich zwar tĂ€glich, zockt jedoch meistens Karten und frönt dem Alkohol. Man ist von seinen SongwritingqualitĂ€ten zu sehr ĂŒberzeugt und lĂ€sst die ZĂŒgel schleifen. Das fĂŒhrt dazu, daß man die Songs fĂŒrs Folgealbum hastig zusammenschustern muss und der rote Faden teilweise auf der Strecke bleibt. Die EinflĂŒsse unterschiedlicher Kapellen werden erneut zu einer Symbiose zusammengeschmiedet, ergeben jedoch laut Hansis Meinung teilweise keinen Sinn. Neben dem gesteigerten SelbstwertgefĂŒhl kommen noch die LebensumstĂ€nde dazu, die den Barden in die Parade fahren; Hansi hat einen Job, Marcus und AndrĂ© leisten den Zivildienst ab und somit gleitet die Band in die HĂ€nde von Hobbymusikern, die sich lediglich nach Feierabend treffen können. „Follow The Blind“ ist somit das einzige Album in der Bandgeschichte, bei denen man nicht 100% geben kann.

Follow The Blind

BG FollowMan verpflichtet Kalle Trapp in den Hamburger Karo-Studios fĂŒr die Aufnahmen. Das Cover wird, wie beim VorgĂ€nger, von Van Waay Design erstellt. Das Intro `Inquisition` soll spĂ€ter auch als Konzertintro herhalten, ehe `Banish from Sanctuary `aus den Boxen kracht. Man legt sofort die Karten auf den Tisch und hĂ€mmert alle VorzĂŒge der Band ins LangzeitgedĂ€chtnis: schnelles Riffing, galoppierende Vocals, die in einem Ohrwurmrefrain enden, variables Schlagzeugspiel und knackige Gitarrenduelle wetteifern um die Gunst des Hörers. `Damned for all Time`ist ein aggressiver Speedbastard, der durch einige Thrashanleihen durchgeboxt wird. Schnell, aggressiv, allerdings im LangzeitgedĂ€chtnis eher im Hintergrund existent. Der Titeltrack ist wahrscheinlich der am meisten unterbewertete Song dieser Band, obwohl er durch seine Vielseitigkeit das Potential auslotet, mit dem man spĂ€ter die LĂ€nder dieser Erde bereisen soll. Ungewöhnlich bereits durch sein langsames und erhabenes Tempo, schimmern Akustikgitarren durch die Soundwand, ehe Hanis rauhe Stimme „Follow The Blind“ in die Welt hinausschreit. Im Verlauf des Songs passiert so einiges: Tempowechsel, beschwörende Soli, Doublebassgewitter und sogar Keyboards legen den Grundstein fĂŒr die Beschreibung „episch“, die BLIND GUARDIAN weiter verfolgen soll. Thematisch hat man sich ĂŒber Stephen Kings „Der Talisman“ ausgelassen. Auch die Mitgröl Fraktion wird im Refrain von `Hall of The King` bedacht, der ansonsten die Geschwindigkeitsfreunde auf eine atemberaubende Reise mitnimmt. Der ursprĂŒnglich als LĂŒckenfĂŒller gedachte Song `Valhalla` entwickelt spĂ€ter im Live Set rasch ein Eigenleben und ist mittlerweile fester Bestandteil jeder Live Show (einige Granaten zĂŒnden einfach immer). Kai Hansen hat dafĂŒr ebenfalls die Gitarre in die Hand genommen und einige Vocals beigesteuert. Die Coverversionen von `Don’t Break the Circle` (Demon) und `Barbara Ann` (Beach Boys) zeigt ein gutes HĂ€ndchen fĂŒr Coverversionen, das spĂ€ter noch um einiges an Repertoire erweitert werden soll. Die InstrumentalstĂŒcke halten sich in Grenzen und so gibt es hier lediglich einen Vertreter in Form von ` Beyond the Ice` zu hören, der das auditive Muskelspiel der Truppe gut abfeiert. Auch bei der Produktion wurde eine Schippe draufgelegt und auch wenn die Hitdichte etwas geringer ist als beim VorgĂ€nger, so glĂ€nzen die Höhepunkte unverstaubt auch heute noch in den heimischen Lautsprechern..

Alles auf eine Karte

Jede Band ist einmal an einem Punkt, an dem ĂŒber Sieg oder Niederlage entschieden wird. Hatte man sich mit jugendlichem Leichtsinn noch unverblĂŒmt durch die „Battallions“ Scheibe gepflĂŒgt, musste man fĂŒr die „Follow The Blind“ andere LebensumstĂ€nde in Kauf nehmen und sich seinem inneren Schweinehund in Form von Disziplin stellen.


Tales From The Twilight World

BG TalesMit „Tales From The Twilight World“ treten BLIND GUARDIAN endgĂŒltig aus dem Schatten anderer Bands und erspielen sich eine musikalische IdentitĂ€t, die bis heute einzigartig und unverkennbar ist. Auch wenn sich noch die Hochgeschwindigkeitsrausche und das Aggressionspotential auf der Scheibe befinden, liegt hier der Schwerpunkt auf Melodik, Abwechslung und OhrwurmqualitĂ€ten. Der Chorgesang leitet `Traveller In Time` ein, der uns thematisch auf den Planeten Dune verbannt. Hansis Gesang hat mittlerweile einiges an Erfahrungspunkte auf dem Charismapunktekonto zu verbuchen, so daß die Hörer der Truppe schnell aus der Hand fressen. Das trotz der aggressiven Momente zu jeder Zeit die Spielfreude exzessiv ausgelebt wird, spielt den WĂ€chtern nur noch intensiver in die Karten, was bis heute gerade bei Live Auftritten fĂŒr Alarm in der Moshpit sorgt. Wer den Song kennt, wird alleine schon bei der ErwĂ€hnung von `Welcome to Dying` eine GĂ€nsehaut bekommen, weil der Refrain sofort aus dem LangzeitgedĂ€chtnis in die AdrenalinkanĂ€le gedrĂŒckt wird. Bereits nach weniger als einer Minute schraubt man sich auf Höchstleistungsnivau und prĂŒgelt komprimiert alles auf den Hörer ein, wofĂŒr man auf den VorgĂ€ngeralben vielleicht noch zwei Songs benötigte.

Mit `Lord of the Rings` legt man auch seine erste Ballade auf den Tisch, die von der Tolkien Thematik her spĂ€ter noch ganz große Wellen schlagen soll. `Good bye My Friend ` feuert zwar ebenfalls aus allen Rohren, sprintet jedoch in erster Linie aufgrund seiner packenden Gesangslinien durch die Ziellinie und hinterlĂ€sst den Wunsch, „nur noch einmal“ die Repeat Taste zu drĂŒcken.

Auch die Instrumentalfraktion wird mit `Weird Dreams ` bedacht, wĂ€hrend man einen Mix aus Instrumental und Mini Song auf `Altair 4 ` abliefert; eigentlich „nur“ ein LĂŒckenfĂŒller, der aber atmosphĂ€risch derart auffĂ€hrt, daß schnell ein ganz großes Kopfkino entsteht. Die Stephen King Verbeugung `Tommyknockers ` fischt eher in alten Gefilden und man spĂŒrt, daß die WĂ€chter dieses Gewand langsam ablegen wollen und schließen das Kapitel damit ab. Bei `The Last Candle` kann ich keine ObjektivitĂ€t wahren, da ich diesen Song gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig ausschließlich mit Knieschonern hören kann; was soll ich ĂŒber die GĂ€nsehaut schreiben, die mich bei den ersten Chören von „Guardian, Guardian, Guardian of the Blind“ heimsuchen? Ich könnte den emotionalen Ausbruch in meinem Kopf beschreiben, wenn Hansi laut aufschreit und „Have You Forgotten Him?“ in die Runde fragt. Ich könnte auch die göttlichen Gitarrenlinien anpreisen, die mich sofort in meine Jugend katapultieren und mich wieder 15 sein lassen. Auch das Aufbegehren des Song und die stetige Steigerung der Dynamik könnte ich beschreiben, aber stattdessen lehne ich mich lieber kurz zurĂŒck und denke an den Moment, an dem ich das GlĂŒck gehabt habe, diesen Song einmal live zu hören. OK, Anbetungsmodus aus und weiter. Das Cover wurde dieses Mal von Andreas Marschall gezeichnet, der die Band auch weiterhin begleiten soll. Auch die Produktion konnte nochmal gesteigert werden und so markiert die „Tales…“ Scheibe nicht nur den Wendepunkt, sondern den Aufstieg einer Band, die neben dem inneren Hunger auch zusĂ€tzlich mit einem Plan an den Start geht, der stets nach Perfektion schreit.

Irgendwo weit weg

Die Promotion der Scheibe wird in der JubilĂ€umsbox als sehr abenteuerlich beschrieben; eine Promo-Straßenbahnfahrt mit Wurstbrötchen und Bier durch Gelsenkirchen (2 Journalisten, der Rest Kumpels der Band) und eine Release Party mit ca. drei Journalisten und einem Mob, der das neue Studio in Grund und Boden feiert. Es folgt eine Tour mit Iced Earth, bei der Party und MĂ€nnerfreundschaften ausgiebig zelebriert werden. Wie soll man eine Platte wie die „Tales…“ noch steigern? AndrĂ© erinnert sich in der JubilĂ€umsbox daran, daß die Songwriting Phase bis dato die hĂ€rteste ist. Kreativ surft man bereits am Limit, schmeißt jedoch weiterhin alles in die Waagschale, um ein rundes Ergebnis raus zu bekommen. Eines Tages kommt Hansi mit irischen Folk-EinflĂŒssen um die Ecke, was den entscheidenden Wendepunkt im Songwriting Prozess markiert. So integriert man beispielsweise DudelsĂ€cke in das Songwriting oder beißt sich teilweise die ZĂ€hne an `Theatre Of Pain` aus. Was ist aber unter dem Strich dabei raus gekommen?

Somewhere Far Beyond

BG Somewhere„Die beste BLIND GUARDIAN Scheibe aller Zeiten“, werden viele Fans sofort unterschreiben, Ein Meilenstein werden ebenfalls alle abnicken. Fakt ist, daß spĂ€testens hier die BandidentitĂ€t gesichert ist. Die WĂ€chter entpuppen sich als wahre Paradiesvögel des Metalsektors, die nichts nach Schema F machen, sondern eigene Ideen haben und diese konsequent in ein eigenes Soundgewand einschmieden. Das Cover wurde erneut von Andreas Marschall beigesteuert und bereits der Opener `Time What Is Time `lotet die QualitĂ€ten aus, die auf der „Tales…“ Scheibe ausgiebig zelebriert wurden. Akustikgitarren ebnen den Weg zum schnellen Galopp, der aber rechtzeitig in packende Gitarrenlinien abbiegt, ohne in Raserei zu verfallen. Auch wenn im direkt im Anschluss das Gaspedal wieder durchgetreten wird, hat man mit jeder Sekunde das GefĂŒhl, daß diese Truppe genau weiß, was sie wie zu tun hat. Nichts wirkt aufgesetzt, alles durchdacht und das Album insgesamt atmet Spielfreude aus jeder Pore. `Journey Through the Dark `ist ein sehr schönes Beispiel zwischen HĂ€rte und Melodik; Stakkato Doublebass, griffige Gitarrenlinien, herrliche Moshparts und stets nachvollziehbare Vocals, die danach schreien, mitgesungen zu werden.

`Black Chamber `wird ausschließlich durch Hansis (mittlerweile sehr gut weiterentwickelten) Stimme und einem Klavier getragen, ehe sich das bombastische `Theate Of Pain` aus den Boxen schlĂ€ngelt. Hier wird bereits der Grundstein fĂŒr spĂ€teren Bombast und epischere StĂŒcke gesetzt, der andeutet, was noch kommen soll. `The Quest for Tanelorn` wird in erster Linie vom bombastischen Gesang getragen, ehe `Ashes to Ashes` den ursprĂŒnglichen Thrash Vorbildern einen finsteren Gruß sendet, ohne dabei auch nur eine Sekunde von charismatischem Gesang oder OhrwurmqualitĂ€ten abzuweichen.`The Bard’s Song (In the Forest) `dĂŒrfte jedem ein Begriff sein; dieser Gassenhauer ist Höhepunkt eines jeden Konzertes, weil das Publikum hier (zumeist im Alleingang) jede Textzeile mitschmettert. Eigentlich“nur“eine Ballade, die jedoch ein derartiges Eigenleben entwickelt hat, daß sie den Fans schon manche Sternstunde beschert hat. `The Bard’s Song (The Hobbit) `kommt eher etwas sperriger um die Ecke, allerdings mĂŒnden die Gesangslinien derart genial in den Midtempo Part ein, daß ich mir diesen Song einmal live wĂŒnsche. Besagte DudelsĂ€cke erledigen bei `The Piper’s Calling` den Instrumentaljob der Scheibe, eher der Titeltrack auf siebeneinhalb Minuten verteilt sĂ€mtliche Register der Bandgeschichte zieht. Schnelle Passagen, erhabene Gitarrenlinien, Mitschreitexte? Alles an Bord und garniert durch irische FolkeinflĂŒsse. SpĂ€testens hier ist man Fan dieser Band geworden, die ihren Siegeszug weiter ausbaut. Über die Bonussongs `Spread Your Wings `(Queen), `Trial by Fire`(Satan) und die Orchester Version von `Theatre of Pain kann man streiten, muss man aber nicht. Sie runden lediglich das ab, was dieses Album ausmacht. Ein Meilenstein in der Bandgeschichte.

Toky Tales

BG TokyoIm Lager der Barden herrscht Euphoriealarm; denn es geht nach Tokyo. WĂ€hrend des Trips herrscht ausgelassene Stimmung, sowohl , als auch auf der BĂŒhne. Das hört man der Tokyo Tales auch an, denn die Meute rastet gepflegt aus und gibt sich extrem textsicher. Nach dem “Inquisition” Intro feuert man auch eine gutgelaunte Version von `Banished From Sanctuary` in die feierwĂŒtige Menge. Hansis Vocals hĂ€mmern sich schnell durch die ersten Reihen und zusammen mit der Spielfreude und den Soundwand beschwört er rasch die Euphorie der Meute hinauf. Auch seine Ansagen sitzen und so hat man wĂ€hrend des gesamten Konzerts das GefĂŒhl, daß die Stimmung zwischen Band und Publikum perfekt harmoniert. Songtechnisch hat es neben den beiden voran genannten Nummern noch lediglich `Barbara Ann`und `Valhalla`(das eine konstante Live Granate bleiben wird) von den ersten beiden Alben auf die Setlist geschafft. Ansonsten konzentriert man sich ausschließlich auf die “Tales…” und “Somewhere…” Ära, was dankbar angenommen wird.

Gerade die auf den Alben vorhandenen Chöre werden vom Publikum begeistert mitgeschmettert und so entwickelt sich beispielsweise `Traveller In Time` rasch zum SelbstlĂ€ufer, `Quest For Tanelorn` zum erhabenen Moment und `Journey Through The Dark` erhĂ€lt seine Live Taufe. Balladen wie `Lord Of The Rings` und `BardÂŽs Song` fehlen bei der Veröffentlichung völlig, man konzentriert sich hier auf die volle Durchschlagskraft und vertraut auf die Melodien, die das Live Album zusammen mit der Live Stimmung tragen, was auch sehr gut funktioniert. Erst in der remasterten Version wird `Lord Of The Rings nochmal nachgereicht. So herrlich der Live Mitschnitt ist, um so unerfreulicher ist die Tour, die teilweise von schweren Differenzen zwischen der Band und Kalle Trapp geprĂ€gt ist. Als Livemischer beklagt die Band einen zu leisen Sound, was spĂ€ter zu einem ZerwĂŒrfnis fĂŒhren soll.

Der Tod der Kindheit

Wir schreiben das Jahr 1995 und mittlerweile hat sich einiges in der Band getan; man blickt auf eine amtliche Live Erfahrung zurĂŒck, weiß genau was man will und hat einen amtlichen Songkatalog am Start. Das fĂŒhrt dazu, daß man sich intensiv nach einem Studio umschaut und letzten Endes bei Flemming Rasmussen als Produzenten landet, der bereits fĂŒr Metallica (`Ride The Lightning`, `Master Of Puppets`, `…And Justice For All`) die Regler bedient hatte. Mit dieser RĂŒckendeckung an Erfahrung wird der Wendepunkt der Band eingelĂ€utet, die das Songwriting von schnell und melodisch in die opulente und progressive Schiene anheben. Wenn man sich die vorangegangenen Scheiben, die bereits Meisterwerke waren, nochmal anhört muss man sich ernsthaft fragen, was bei der Produktion zu dieser Scheibe alles im Spiel war. Hektoliterweise Kaffee, tagelange Abstinenz von jeglichem menschlichen Kontakt oder einfach hemmungslose Arschtritte untereinander, bis man das Maximum aus jedem Detail rausgeholt hat.

Imaginations From The Other Side

BG ImginationsDas Album ist bis dato das perfektionistischste Werk der Barden, denn es strotzt an allen Ecken und Kanten voller Ambitionen. Man gibt sich mit nichts außer dem Besten zufrieden und klatscht gleich zu Beginn den Titeltrack auf den Tisch, der sich langsam aufbaut, um sich episch zu entfalten. Grund zur Ruhe hat man jedoch nicht, denn er galoppiert dann vorwĂ€rts, um seine AtmosphĂ€re in jeden Zentimeter der Hirnrinde einzubrennen, ohne auch nur einen Hauch seiner Epik einzubĂŒĂŸen. Das ganze mĂŒndet in einem Refrain, den man mental heute genauso laut mit schreit, wie bei der Veröffentlichung; noch nie gingen 7 Minuten so schnell vorbei, wobei man sich unter anderem an Hansis ausgeprĂ€gtem Organ ergötzen kann, das eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat. `IÂŽm Alive` prĂŒgelt noch einmal in Richtung Anfangstage, nur mit knackigerem Riffing und einprĂ€gsamerem Refrain. Mit `A Past and Future Secret` wird Hansis beste Gesangsleistung hingelegt, eingebettet in einer geheimnisvollen Ballade, die das GefĂŒhl des `BardÂŽs Song` in ein neues Zeitalter transportiert. Wer das Lied in Dauerschleife gehört hat und dabei auf das Cover der Maxi CD gestarrt hat, weiß wovon ich spreche. `The Script For My Requiem `ist quasi der heilige Gral in Sachen Geballer, epischem Refrain und Abwechslung. `Mordred’s Song `erzĂ€hlt die Geschichte einer Figur, um die sich viele (unterschiedliche) Sagen und Legenden ranken. Neid, Ungerechtigkeit und Verrat wurden hier gekonnt vertont und eine Halbballade eingestampft, die sowohl introvertiert, als auch aufbegehrend fesselt.

`Born in a Mourning Hall `tritt das Gaspedal durch und schreit besonders live nach Reaktionen des Hörers im Refrain. Egal wie oft man es versucht, man kann es nicht ruhig hören, dafĂŒr drehen die WĂ€chter zu sehr an der Adrenalinschraube. Schluss mit Epik und Geballer, ich will einen Song, den ich von Anfang bis Ende durch singen kann, auch wenn ich mal 80 Jahre alt werde! Meine Gebete werden erhört und `Bright Eyes` ist das perfekte Beispiel, wie sich ein Song um eine Gesangslinie herumbauen lĂ€sst und wie geschickt die Instrumente sĂ€mtliche Facetten ausloten, die man dabei fĂŒhlen möchte. Einmal ins geile Riffing gerutscht, Tapping durchgezogen und auf geht’s bei `Another Holy War` auf die Überholspur. Gradlinig und mit geilen Solis versehen fĂ€hrt man auf Hochbetrieb, der lediglich vom vielstimmigen Refrain kurz gebremst wird. Kann man ein Album besser beenden, als mit `And the Story Ends`? Nicht wirklich, denn hier wird alles auf Abwechslung geschaltet; Geschwindigkeit, Gesangsdarbietung und Songwriting. Mal etwas schneller und rauher, dann wieder langsam und feinfĂŒhlig. Der perfekte Abschluss eines perfekten Albums. Obwohl, was ist mit der Produktion und den Rahmenbedingungen? Die Produktion ist wuchtig und erhaben, als wĂŒrde man vor einem riesigen Berg stehen, der in Dauerfeuer herrlichen Sound ausspuckt. Das Cover von Andreas Marschall ist meiner Meinung nach das beste in der Diskographie der Barden und die Themen beackern Fantasy, die Artus Saga und erzĂ€hlen eine Geschichte im Tiefflug, die noch viele weitere Figuren beinhalten. Die Hitdichte ist bis zum Anschlag gefĂŒllt und man könnte beim Vergleich meinen, daß es wie Metallicas schwarzes Album sein wĂŒrde; ungewöhnlich, kommerziell erfolgreich und an allen Ecken perfektioniert.

Forgotten Tales

BG ForgottenÄhm, nun ja, wie soll man dieses Kapitel der Barden am besten beschreiben? Angefangen hat das Projekt mit der Coverversion von `Mr Sandman`zu der auch ein Video gedreht wurde. UrsprĂŒnglich war geplant, es auf dem Fernsehsender Viva laufen zu lassen (ja, damals gab es noch kein Youtube, weil das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Wir hatten tatsĂ€chlich noch Röhrenfernseher und waren auf die Uhrzeiten des Senders angewiesen). Das Video wird allerdings nicht fĂŒr Kinder geeignet empfunden und somit wird es aus dem Nachmittagsprogramm verbannt und landet im Nachtprogramm, wo die Sendung Metalla mit Markus Kavka ausgestrahlt wird. Dort warten bereits Bands wie Sepultura, Pantera und Carcass darauf, diesen Clip zum FrĂŒhstĂŒck zu verspeisen. Anno 1998 wird außerdem noch eine Abschiedssendung mit Kavka und Blind Guardian gedreht (Blind Guardian vs. Markus Kavka) , die ich den Lesern und den Barden gleichermaßen heute ersparen möchte. Jedenfalls erblickt „Forgotten Tales“ 1996 das Licht der Welt und besteht aus Coverversionen und neu aufgemachten Gassenhauern der Truppe. Das Cover sieht chic aus, die Produktion ist natĂŒrlich im grĂŒnen Bereich und die Songs sind natĂŒrlich auch gut. Als Album kann man es aber nicht wirklich bezeichnen, denn es ist eher ein LĂŒckenfĂŒller, um die Wartezeit auf den nĂ€chsten großen Wurf zu verkĂŒrzen. B-Seiten von dem Maxis und `Surfin USA`, sowie `To France` vervollstĂ€ndigen die Sammlung der Fans, ist aber nicht gerade zwingend ein Pflichtkauf. Weiter im Text.

Mittelerde in XXL

„Einmal Vollkatastrophe zum Mitnehmen bitte. Wenn es geht noch mit Pannen, eiserner Deadline und gefĂŒhlten 20 Herzklappenabrissen.“ So ungefĂ€hr muss es sich rĂŒckblickend angefĂŒhlt haben, als das Album endgĂŒltig im Kasten ist. In der JubilĂ€umsbox beschreiben die Barden einen Wasserschaden, der das Studio flutet und mal eben zwei Monate an Zeit kosten. Hinzukommt der zweimalige Riss des Bandes einer 24 Spur Analogmaschine und immenser Zeitdruck; quasi zwischen TĂŒr und Angel werden am letzten Tag mal eben Gesangsparts eingesungen, Sprechparts fertiggestellt und Akustiksequenzen abgemischt, ehe es direkt zur Promo Tour geht. War der Drang nach Perfektion bei der „Imaginations…“ schon sehr stark ausgeprĂ€gt, nimmt es bereits bei der Diskussion um Kleinigkeiten extreme Formen an. „Bei den Aufnahmen zu „Nightfall..:“ war Charlie der einzige mit uns arbeitende Engineer, der nicht den Überblick und die Nerven verloren hat. Das hat uns mehr als einmal das Leben gerettet“ erinnert sich Hansi in der JubilĂ€umsbox. Textlich geht es um das „Quenta Silmarillion“, den Mittelteil des „Silmarillions“ von J.R.R. Tolkien. Die Geschichte wird jedoch nicht zuende erzĂ€hlt; es existieren immer noch Aufnahmen, die den damaligen AnsprĂŒchen nicht gerecht werden und in der Schublade gelandet sind. Unterm Strich ist das Album ein Meilenstein geworden, mit dem sich BLIND GUARDIAN das Ticket fĂŒr ihre erste Mammut Tour abknipsen. Hansi gibt den Bass an Oliver ab, der als Gasbassist fungiert, damit er sich mehr auf den Gesang konzentrieren kann. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellt, denn die ersten Shows in Russland und SĂŒdamerika lassen eine Ă€hnliche Euphorie aufkommen, wie zur „Tokyo Tales“ Zeiten. Thomen fĂ€llt kurzfristig und vollkommen unerwartet fĂŒr unbestimmte Zeit am Schlagzeug aus. Innerhalb von drei Tagen verbringt Alex Holzwarth das Wunder, sich fĂŒr die zweite SĂŒdamerika Tour ein nicht unkompliziertes Live Set anzueignen.

Nightfall In Middle Earth

BG NightfallAuch wenn die WĂ€chter sich in ihren Alben mit mehren Themen und BĂŒchern diverser Autoren (Stephen King, Michael Moorcock,etc.) beschĂ€ftigt haben, bleibt die Liebe zu Tolkiens „Herr der Ringe“ untrennbar mit BLIND GUARDIAN verbunden. In den VorgĂ€ngeralben wird viel angedeutet, was anno 1998 als auditiver Kniefall exzessiv zelebriert wird. Hier werden sĂ€mtliche Regler auf Perfektion aufgerissen, was beim atemberaubenden Cover von Andreas Marschall beginnt, ĂŒber die bombastische Produktion weitergeht und in zeitlosen Klassikern verteilt auf knapp 66 Minuten und 23 (!)Songs endet. „Nur“ ein Album aufzunehmen ist zu wenig, deshalb werden kurze ErzĂ€hlpassagen in Form von `War of Wrath`, `The Minstrel` oder `Face the Truth` eingestreut, womit eine Symbiose aus Album und Hörspiel erschaffen wird. `Into The Storm` soll lange Zeit als Opener auf jedem Konzert der Barden dienen, denn warum langsam anfangen, wenn man auch direkt auf Hochgeschwindigkeit machen kann? `Nightfall` beginnt elegisch, steigert sich jedoch rasch zu einer aufbegehrenden (Halb-) Ballade, die gerade live ihre volle Wirkung entfaltet und aus allen Kehlen leidenschaftlich mitgetragen wird.

`The Curse of Feanor `prescht schnell vorwĂ€rts und ist eine perfekte Symbiose alter Tage mit dem „Imaginations…“ Flair. `Blood Tears `unterstreicht die ĂŒberwiegend finstere und nachdenkliche Stimmung des Albums; unverzerrte Gitarren stimmen sehr ein und auch wenn sich der Song spĂ€ter in Geschwindigkeit und IntensitĂ€t steigert, wird die Stimmung des Verlustes in keiner Sekunde geschmĂ€lert. Lange habe ich ĂŒberlegt, etwas ĂŒber `Mirror Mirror` zu schreiben, aber ich wĂŒrde nur ins Schwelgen geraten, wie bei `Last Candle`. Packendes Einstiegsriff, nach vorne prĂŒgelnder Hochgeschwindigkeitszug, griffige Melodien und ein Refrain, den man nicht nur stumm mithören kann. Ich schenkÂŽs mir und fĂŒge dafĂŒr lieber ein Video ein.

`Noldor (Dead Winter Reigns)` beginnt Ă€hnlich elegisch wie `Blood Tears `, mĂŒndet jedoch in progressivere Passagen, ehe es in den Ohrwurmrefrain abbiegt. Komplex, sperrig und irgendwie seltsam eigenbrödlerisch. Kritisch kann man nichts halbes und nichts Ganzes hinterfragen, aber unterm Strich will man ihn immer wieder hören. Bereits beim ersten Durchlauf von `Time Stands Still (at the Iron Hill)`marschieren vor dem inneren Augen Orkhorden durch Mordor und man wird tief in die Welt Tolkiens katapultiert. Lediglich beim Gesangspart wird man kurz rausgerissen, ehe es wieder zurĂŒck nach Mittelerde geht. Genau dieser Gesangspart ist es, das bei jedem Konzert fĂŒr GĂ€nsehaut und Partytimmung in der Moshpit sorgt. `Thorn ` besticht besonders durch seinen mehrstimmigen Gesang, wĂ€hrend `The Eldar` lediglich von Klavier und Hansis Stimme getragen wird. Das Kochrezept hat bei `Black Chamber` auf der „Somewhere…“ bereits funktioniert und verfehlt auch hier seine Wirkung nicht. `When Sorrow Sang` ist eine Ă€hnliche Granate wie `Mirror, Mirror`; fix auf dem Griffbrett hantiert, herrlich nach vorne in die Fresse und mit Götterrefrain ausgestattet bietet er alles, was live alles abreißen dĂŒrfte. `A Dark Passage ` hat sich bei mir bis heute nicht vollends erschlossen und ich staune immer wieder, wie gut der Song eigentlich ist, obwohl er in meinem Kopf total unterbewertet ist. Es unterstreicht allerdings auch die Tatsache, daß das gesamte Album nicht leicht zugĂ€nglich ist. Mit diesem Album in die BLIND GUARDIAN Diskographie einzusteigen wĂ€re nicht gerade ratsam, denn es ist komplex, opulent und voller Überraschungen, die einen noch Jahre spĂ€ter verfolgen. Textlich gesehen gibt es viel zu entdecken; Autor Christian Krumm ( den einige von seinen BĂŒchern „Kumpels in Kutten“, „At Dawn They Sleep“ und „Traumschrott“ bereits kennen dĂŒrften. Wenn nicht: antesten!) hat sich in seinem Artikel (ab Seite 97) explizit damit und mit der Geschichte der Band generell beschĂ€ftigt.

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Der „Herr der Ringe“ Hype

Zur Jahrtausendwende erblickt Peter Jacksons Verfilmung von „Herr der Ringe“ die Welt. Im Fansektor bricht stellenweise die Diskussion aus, warum BLIND GUARDIAN keinen Soundtrack dazu beisteuern. In derselben Diskussion kommt auch die Antwort auf, daß es sinnlos wĂ€re, weil die Krefelder das Thema spĂ€testens mit „Nightfall in Middle Earth“ ausgiebig zelebriert haben. Marcus bricht dabei in schallendes GelĂ€chter aus. „Gar nicht mal so falsch. Über diese Diskussion habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Das witzige ist ja, daß wir zig „Herr der Ringe“ Sachen hatten: das fing bei `Majesty`an, ging ĂŒber `Lord Of The Rings` bis hin zum ganzen „Nightfall“ Album. Das war alles vor den Filmen. Wir haben, seitdem dieser Megahype um die Filme herauskam, glaube ich auch keine Tolkien Texte mehr gehabt. Das war damals eine bewusste Entscheidung die nicht kam, weil wir Tolkien nicht mehr mögen. Wir hatten aber auch keinen Bock darauf, Teil eines Tolkien Hypes mit den Filmen zu sein; wir sind auch nicht die Tolkien Band. Ja, wir hatten StĂŒcke darĂŒber, aber es war auch nie Hauptbestandteil von BLIND GUARDIAN. Wir haben uns nie vor Tolkien definiert, sondern das war halt ein Thema von vielen, das wir mochten. Da war Michael Moorcock, Stephen King und König Artus beispielsweise auch dabei. Als im Internet der ganze Hype losging, gab es auch Kontakt mit Jacksons Team. Wir haben allerdings noch nicht einmal Demos losgeschickt, weil wir mitten in den Arbeiten zum „Opera“ Album steckten. Ein kompletter Soundtrack hĂ€tte das regulĂ€re Album mal eben einige Jahre nach hinten geschoben, weil wir nicht die typische Band sind, die mal eben einen Soundtrack komponiert. Deshalb haben wir uns auch nie ernsthaft darum bemĂŒht, diesen Job zu kriegen.“

A Night At The Opera

BG Opera„Was zum Teufel ist denn das?“ So oder Ă€hnlich dĂŒrfte es einigen Fans bei der Veröffentlichung 2002 ergangen sein, wenn sie das erste Mal das Cover erblickten. Keine mystische AtmosphĂ€re, sondern eher seltsam anmutende Karikaturen von Fabelwesen, die eine Fantasy Oper bekleiden. Der Blick geht mehrfach auf den BLIND GUARDIAN Schriftzug um sicherzugehen, das man auch wirklich das richtige Album auf dem Tisch hat. Sehr seltsam, aber erstmal schauen, was die Musik so kann. Der Opener `Precious Jerusalem` entlĂ€dt in einer opulenten ReizĂŒberflutung alles, was sich in der langen Wartezeit seit der „Nightfall…“ in den Köpfen der Barden abgespielt hat…und ĂŒberfordert auch schnell. Spieltechnisch ist alles an seinem Platz, die Produktion ist auch top, also was fehlt mir eigentlich? Richtig, die Seele bleibt komplett auf der Strecke! Wo sind die messerscharfen Riffs, die genau auf den Punkt kommen? Wo die epischen Refrains, die sich aus dem Hochgeschwindigkeitsrausch heraus schĂ€len, um sich ins LangzeitgedĂ€chtnis zu fressen? Und warum eigentlich kein Fantasy, sondern ein biblisches Thema? Die Erwartungshaltung wird enttĂ€uscht und hier lernt man eine (teils bittere, teils sĂŒĂŸe) Lektion; erwarte bei dieser Band nichts, denn du weißt nie, worauf sie Lust hat! Wo ist hier mein nĂ€chstes `Past And Future Secret`? Obwohl alle Elemente vorhanden sind, gibt es keinen Dauerbrenner beim ersten Hören. Zu perfekt, zu episch, ich bin raus! Auch wenn sich die Mammutnummer `And Then there Was Silence` irgendwie seinen Weg in mein GedĂ€chtnis bahnt, sind die guten alten Tage der Barden hiermit wohl vorbei.

Ein kleiner Zeitsprung; wenige Jahre spĂ€ter höre ich erneut in das Album rein, weil ich alle anderen Klassiker bereits bis zum Ohrenbluten gehört habe. „Gib der Platte nochmal eine Chance“ denke ich mir,drĂŒcke die PLAY Taste und siehe da, es funktioniert! Die ersten Rhythmen des Schlagzeugs trommeln mich in den WĂŒstensand Jerusalems, wĂ€hrend die Gesangslinien sich durch arg verĂ€steltes Songwriting arbeiten. Chöre vor dem Refrain? Egal, die Reise geht weiter, bis ich mir endlich meine wohlverdiente GĂ€nsehaut bei der Textpassage „I turn to you, oh my precious Jerusalem“ abhole. Wow, da ist ja noch ein Break, das ich noch nie gehört habe und schau mal hier, die geilen Gitarrenlinien und bĂ€hm was fĂŒr ein Solo! Leichte ReizĂŒberflutung, aber irgendwie geil. `Battlefield ` beginnt eher ruhiger, trĂ€gt mich jedoch auf seinen Schwingen schnell ĂŒber den unĂŒbersichtlichen Wald der Songstrukturen hinweg und lĂ€sst mich endlich wieder die Luft atmen, die ich bei BLIND GUARDIAN so liebe. Von oben sehe ich epische Passagen, endlose Gitarrenlinien und eine Soundwand, die sich ihren Weg ĂŒber jene Köpfe hinweg bahnt, die nicht willens sind, ihr von einer anderen Perspektive zu zu hören. Seltsamer Anfang, aber mal schauen, was `Under the Ice ` so drauf hat. OK, recht stakkatomĂ€ĂŸig angehaucht, aber prescht trotzdem gut nach vorne und irgendwie doch gut. Hey, ist das gerade mal die Zwischenpassage? Geil, die hĂ€tte ich fĂŒr den Refrain gehalten. Mein Gott, wie viele Finger haben eigentlich die Gitarristen? Oh mein Gott, DAS ist also der Refrain.So wirklich raus kommt man aus dem Staunen nicht mehr, denn versteckt hinter der dichten Soundwand und dem verĂ€stelten Songwriting erarbeitet man sich Songs, die sowohl beeindruckend, als auch episch und packend sind. Bestes Beispiel dafĂŒr ist `Sadly Sings Destiny` , bei dem der Song um ein charismatisches Gesangskorsett herumgebaut wurde.

Den Job der (Halb-) Ballade ĂŒbernimmt `The Maiden and the Minstrel Knight` , wobei man im Midtempo bleibt, sich aber seiner stetigen Steigerung bewusst ist und letzten Endes die Äste in alle Himmelsrichtungen ausstreckt, um alle Facetten der Band abzuliefern. `Wait for an Answer` erschließt sich mit immer noch nicht, aber allein die Konzentration auf den immens variablen Gesang hinterlĂ€sst bei mir bleibenden Eindruck. Mit `The Soulforged` hat man meiner Lieblingsfiguren der Drachenlanze auditives Leben eingehaucht; entsprechend groß ist meine Begeisterung ĂŒber die filigranen GitarrenlĂ€ufe, das bombastische Gesamtarrangement und die vielen GĂ€nsehautmomente. Von den Gesangslinien will ich gar nicht erst anfangen, sonst zitiere ich hier den gesamten Text. FĂŒr `Age of False Innocence` muss ich noch bereit ein, denn bis jetzt ist es „nur“ ein gutes, aber nicht ĂŒberragendes StĂŒck. `Punishment Divine` ist ein kranker Bastard aus Aggression und Bombast geworden, der mir an manchen Tagen immer noch zu progressiv ist. Vom Adrenalinpegel her bleibt nichts zu meckern. Muss ich ĂŒber `And Then There Was Silence` Worte verlieren? Alleine diesen 14 minĂŒtigen Schinken live zu spielen und Stimmung rĂŒber zu bringen ist eine Kunst. Zum GlĂŒck hat der Song bereits beim ersten Durchlauf irgendwie gezĂŒndet, erschließt sich jedoch nach mehren DurchlĂ€ufen immer mehr und unterstreicht die GenialitĂ€t, mit der man hier zu Werke gegangen ist. Im großen und Ganzen ist die Scheibe anno 2002 ihrer Zeit weit voraus und fordert diese auch ein. Wenn man sich intensiv damit beschĂ€ftigt, null Erwartungshaltung anhand der VorgĂ€nger schĂŒrt und sich Zeit nimmt, wird man mit einem weiteren Meisterwerk belohnt, das es in sich hat. Trotz des Covers, das wohl den Titel „HĂ€ĂŸliches Entlein“ verdient, hinter dem sich aber ein erhabenes Album verbirgt.

Das zweite Live Album

BG LiveEs folgt eine Tour, um die Werbetrommel fĂŒr das Album fleißig zu rĂŒhren. Live hat man sich mittlerweile zu einer Kultband mit brachialer Durchschlagskraft und guter Laune Faktor gemausert. Also wird mal eben ein großer Teil der Landkarte beackert und mit den KlĂ€ngen der Barden beglĂŒckt. Nebenbei erwĂ€hnt man dann wĂ€hrend der Konzerte, daß die Tour aufgezeichnet wird, was das Publikum zu Höchstleistungen anstachelt. Das Ergebnis soll auf den schlichten Namen „Live“ hören, wobei man auf zwei CDÂŽs etliche Klassiker verteilt hat. Besonders gelungen ist die Mischung zwischen wuchtiger Produktion und den Publikumsreaktionen, die die Live AtmosphĂ€re herrlich authentisch in die Synapsen schießen. Gibt es eigentlich irgendwo auf diesem Planeten wirklich diese Barden Taverne, die auf dem genialen Cover von Andreas Marschall abgebildet ist? Falls ja, wĂ€re ich dort bestimmt Dauergast; mit dem Cover besinnt man sich zurĂŒck zu den (optischen) Wurzeln und macht den Ausrutscher zum vorangegangenen Cover wieder wett.

Bei der Auswahl der Songs kann man aus den Vollen schöpfen und so schraubt man zuhause schnell die SKIP Taste vom CD Player ab, denn einen DurchhĂ€nger gibt es nicht. Egal, ob man mit `Into The Storm` gleich loslegt, sich von `Welcome To Dying` in seine Jugend katapultieren lĂ€sst, oder hemmungslos `Nightfall`mitsingt, die Gassenhauer halten den Adrenalinpegel konstant oben. Auch sehr schön, daß es mit `Harvest Of Sorrow `, `The Bards Song (In The Forest)`, `A Past And Future Secret `und `Lord Of The Rings` auch die Balladen auf die Live Scheibe geschafft haben, denn dadurch wird die Abwechslung von hart bis zart komplett abgerundet. Die Live Scheibe bringt schnell Erinnerungen an geile Konzerte zurĂŒck und von der IntensitĂ€t her kann man, nachdem man sich die Platte komplett reingedrĂŒckt hat, erstmal duschen gehen, denn still sitzen und genießen ist nicht drin.

Lost in the Philipshall

Jede Band hat irgendwo ein Heimspiel; sei es, weil sie aus der Region kommt, großartige Erinnerungen damit verknĂŒpfen oder einen Kultstatus aus sonstigen GrĂŒnden genießen. Bei den Barden ist es die DĂŒsseldorfer Philipshalle (heute: Mitsubishi Halle). Bereits in den 90ern wurde eine Live Version des `BardÂŽs Song` aufgenommen, die auf der „Forgotten Tales“ gelandet ist. Dabei hĂ€tte man Hansi teilweise das Mikro wegnehmen können, weil das Publikum einfach mal gemacht hat und eine amtliche Performance hingelegt hat. Anno 2002 soll es dann soweit sein und BLIND GUARDIAN gastierten erneut in ihrem gefĂŒhlten Wohnzimmer der Philipshalle. Nachdem man bereits einige Gassenhauer zum besten gegeben hatte, schallt es aus den Boxen. „Jetzt habt ihr und wir, beide, eine Ruhepause verdient. Magic Moments kann man bekanntlich nicht wiederholen. Gebt euch alle MĂŒhe; hier kommt der `BardÂŽs song®“. Eine simple Ansage, der eine Großtat folgen sollte; frenetischer Jubel, Mitklatschen und nach der Eingangspassage ĂŒbernimmt eine restlos glĂŒckliche Philipshalle den Gesangspart. SĂ€mtliche Kehlen schmettern inbrĂŒnstig jede Textzeile aus dem Herzen in die Menge, die Akustikgitarre setzt sich mit MĂŒhe gegen den lautstarken Beifallsregen durch und sowohl vor, als auch auf der BĂŒhne herrscht GĂ€nsehautstimmung aus allen Poren. Magic Moments kann man nicht wiederholen, aber es gibt im Leben ein Konzert, das absolut alles topt und fĂŒr viele Anwesenden ist es (auch in vielen GesprĂ€chen Jahre spĂ€ter) genau dieser Moment, in dem der `BardÂŽs Song` angestimmt, hemmungslos zelebriert und im Nachgang frenetisch abgefeiert wird. In einem Jubelsturm werden Hansi BemĂŒhungen eine Ansage zu machen gleich mehrfach niedergebrĂŒllt und noch wĂ€hrend man in allen anwesenden Gesichtern das Dauergrinsen sieht, attestiert uns Hansi den vollkommenen Wahnsinn. Eben dieser Moment hat es auch auf das „Live“ Album aus dem Jahr 2002 geschafft, der natĂŒrlich auch die anderen Granaten wie `Valhalla`, `Lord Of The Rings` oder `Mirror, Mirror` (und viele andere) enthĂ€lt.

Live BEyondMarcus erinnert sich. „Oh ja die Philipshalle. Das Konzert war wirklich unglaublich! Der Witz ist: das, was auf dem Album ist, ist schon die gekĂŒrzte Version, es war im Endeffekt lĂ€nger. Der Ausraster ging so um die 12 Minuten oder Viertelstunde. Wir haben gesagt „Das muss irgendwie mit auf das Live Album“, das ist schließlich etwas einzigartiges und passiert nicht jeden Tag. Aber eine Viertelstunde Leerlauf auf dem Album war uns zu viel;man sollte auf jeden Fall hören, was da passiert ist. Wenn ich daran zurĂŒckdenke, hab ich immer noch GĂ€nsehaut. Das hat uns auch sehr unvorbereitet erwischt, denn daß der `BardÂŽs Song` live funktioniert ist kein Geheimnis. Es gab Shows, wo wir den Song nicht gespielt hatten, weil wir keinen Bock hatten. Im Endeffekt wissen wir aber, daß die Nummer ankommt, wenn wir sie spielen. Die Leute singen mit und Hansi könnte die Nummer auch als InstrumentalstĂŒck ankĂŒndigen und es wĂŒrde trotzdem sehr gut funktionieren. Diese Reaktionen, wie sie an diesem Tag in DĂŒsseldorf passiert sind, das ist sonst bis jetzt nirgendwo passiert. Sowas kannst du auch nicht nochmal wiederholen. Die MĂŒhe der Fans hat sich absolut gelohnt, es war ein absoluter GĂ€nsehautmoment!“

Mittlerweile steht das dritte Live Album „Live Beyond The Spheres“ in den Regalen und neben den alten Klassikern, dem `BardÂŽs Song`aus der Philipshalle (es bleibt bei dem Namen, die Mitsubishi Hall bleibt die Philipshalle) kommen auch die neuen StĂŒcke wie beispielsweise das Epik Monster `Ninth Wave` zum Zuge, die sich perfekt in die Klassiker einreihen.

Imaginations Through The Looking Glass

BG Imaginations ThroughZwei Tage lang nur BLIND GUARDIAN live, das wĂ€re mal ein Traum! Dieser Traum soll 2003 in Coburg Wirklichkeit werden. Wer es nicht zu dem Live Gig schafft, wird ein Jahr spĂ€ter mit der Live DVD beglĂŒckt, die neben einer herrliche brachialen Soundwand auch mit gstochen scharfem Bildmaterial aufwarten kann. Bei der Produktion wird Perfektion erneut groß geschrieben und das Ergebnis wird auch noch in einer liebevollen Verpackung auf 2 DVDÂŽs verteilt, die zusĂ€tzlich einen Mitschnitt vom Wacken und ein Making Of enthalten. Als Fan braucht man das Teil ebenso, wie jedes Album, um sich die komplette Vollbedienung zu gönnen (vergesst Youtube, es muss das Original sein). Da ist die logische Konsequenz, das man als Fan eine Wiederholung wĂŒnscht.

Allerdings steht und fĂ€llt das zweite Festival mit der Veröffentlichung des (bereits etwas lĂ€nger angekĂŒndigten) Orchester Albums. „Das wĂ€re natĂŒrlich eine schöne Möglichkeit, weil es auf Tour Blödsinn wĂ€re. Das schöne an unserem eigenen Festival damals war, daß es uns Möglichkeiten eröffnet hatte, die wir auf keinem anderen Festival der Erde gehabt hĂ€tten. Selbst wenn wir Wacken headlinen kannst du nicht tun und lassen, was du willst, weil noch gefĂŒhlte 700 andere Bands da spielen. Du musst bestimmte Vorgaben einhalten, ganz egal ob du Headliner oder Opener bist. Mit unserem eigenen Festival haben wir die Regeln aufgestellt und konnten einfach tun und lassen, was wir wollten. Das bot sich damals fĂŒr die DVD Produktion an und bietet sich natĂŒrlich auch dafĂŒr an, wenn man sowas mit Orchester durchziehen wĂŒrde. Es gibt zur Zeit nichts konkretes, aber das wĂ€re so eine Option, daß ,am das Orchester Album rausbringt und dann pĂŒnktlich mit dem Festival antritt.“

Wir unterbreiten Marcus die Idee, das zweite Festival zu splitten; erster Tag: Orchester Set, zweiter Tag: old school Set mit Speed Klassikern, die man selten live zu hören bekommt ( Beispiel: The Martyr; Tieteltrack Follow the Blind).

„Aufsplitten in Orchestertag und Nichtorchester Tag macht generell schon Sinn, weil wir auch viele „normale“ StĂŒcke haben, die man mit dem Orchester unterbringen könnte. Zweiten Tag dann KnĂŒppel aus dem Sack oder schnelle Nummern wĂ€re auch denkbar. Was man dann spielt, mĂŒsste man dann natĂŒrlich sehen. „Follow The Blind“ beispielsweise haben wir seit gefĂŒhlten 137 Jahren nicht mehr gespielt. Ich mĂŒsste diese Nummer erstmal wieder lernen. Ich wĂŒrde aus dem Stehgreif wahrscheinlich bis zum ersten Refrain kommen und dann mĂŒsste ich wohl nochmal in die CD reinhören um rauszukriegen, was wir denn damals so gemacht haben (lacht) Bis jetzt haben wir uns noch ĂŒberhaupt keine Gedanken darĂŒber gemacht. Auf Tour ist es bei uns so, daß wir uns die Setlist immer vor oder nach dem Soundcheck ĂŒberlegen, aber das warÂŽs dann auch, da sind wir relativ spontan. Es ist nicht so, daß wir bereits ein Jahr vorher wissen, was wir genau wie und wann spielen. Aber so ein Event wie unser Festival bietet sich natĂŒrlich an, um auch mal wieder seltene Sachen rauszupacken. „Follow The Blind“ haben wir bis heute glaube ich einmal live gespielt.“-

BG Band 2005

Ein neues Kapitel

Wir schreiben das Jahr 2005 und die Barden haben einiges an Live Auftritten hinter sich. Man hat sich durch seine Erfahrungen bereits einen Veteranen Status erarbeitet; erst Album, dann Tour, dann kurze Pause, dann wieder Album. Dieser Rhythmus wird beibehalten, um einerseits die KreativitĂ€t aufrecht zu erhalten und andererseits auch jederzeit volle Leistung abzuliefern. Dennoch sind die Jungs auch nicht vor den ganz normalen Gefahren einer Band gefreit und so verlĂ€sst Drummer Thomen „The Omen“ Stauch die Band. Stattdessen widmet er seine gesamte Kraft seiner Band Savage Circus, die er anno 2004 gegrĂŒndet hat. Musikalisch geht es eher zurĂŒck zu den Wurzeln, wobei man sich stark an die „Battallions…“ Phase erinnert. Hier kommt es spĂ€ter zum Eklat und er wird von der Band rausgeworfen, was sich 2012 jedoch wieder legen soll. Nicht unerwĂ€hnt soll die Tatsache sein, daß er als Sessiondrummer das Album „The Path of Salvation“ von Stormrider eingetrommelt hat. Neues Tier an der Schießbude ist Frederik Ehmke, der sich in kurzer Zeit die Diskographie aneigent; trotz eines eigenen Drumstils, bringt er live die alten StĂŒcke gut nach vorne, verfeinert sie allerdings noch zusĂ€tzlich mit kleinen Nuancen. Gerade zum Einstieg dĂŒrfte so eine Nummer wie `Punishment Divine` mit seinen Doubelbassgewittern eine echte Herausforderung gewesen sein. Menschlich integriert er sich ebenfalls schnell in die Band und so werkelt man an dem neuen Output, das um einiges moderner klingt. 70er Jahre Elemente, stark Gitarrenorientiertes Songwriting und moderne Soundsamples verschmelzen hier zu einer Symbiose, die ein neues Level ankĂŒndigen. Bereits der „Testluftballon“ in Form der Single `Fly`, die ein sehr geiles Cover ziert, ist ein klares Statement zum Songwriting und wird im Fanlager heiß diskutiert. Von „Das ist doch kein Blind Guardian mehr“, ĂŒber „Ich weiß nicht so recht“, bis zum „Hör es dir mehrmals an, das zĂŒndet danach richtig“ ist alles dabei. Fakt ist, daß man sich erneut auf unbekannte Pfade begibt, die epische Wirkung zwar beibehĂ€lt, aber nicht mehr so in den Mittelpunkt stellt und leicht verdaulichere Songs erschafft, als beim VorgĂ€nger.

A Twist In The Myth

BG Twist`This Will Never End `eröffnet mit sĂ€genden Gitarren und bis zum Anschlag ausgereizten Vocals die Reise. Stakkato Riffing, umschmeichelnde Gitarrenlinien und einprĂ€gsamer Refrain lassen den Hörer schnell nach hause kommen und empfangen ihn mit mehren Überraschungen. `Otherland` besticht durch Hansis entblĂ¶ĂŸten Vocals, die den Song quasi von alleine tragen. Der Rest entfĂŒhrt schnell in das alte Guardian Feeling, das man sich bei der „Opera“ noch hart erarbeiten muss. Hier geht’s schnell; GĂ€nsehaut, hochschrauben und lauthalt mitsingen ist angesagt. Gerade die leicht vollziehbare Gitarrenarbeit spielt alle TrĂŒmpfe aus und man staunt abwechselnd ĂŒber die Instrumentierung und den herrlichen Text. Episch geht es mit `Turn The Page` weiter, der zwar auch leicht nachvollziehbar ist, von der Epik aber mal eben einen Mix aus guter Laune und `And Then There Was Silence` transportiert. Es folgt `Fly` , das ein progressiver Brocken mit modernen Synthisounds geworden ist. Nach einigen DurchlĂ€ufen bei mir als Single, ist er schnell der SKIP taste zum Opfer gefallen, denn er ist weder Fisch noch Fleisch (kein „Nightfall“ und auch kein „Opera“). Leider verhĂ€lt es sich mit den anderen Songs stellenweise Ă€hnlich, denn auch wenn das Können der Musiker gut zur Schau gestellt wird, stehe ich stellenweise ratlos vor den Boxen und weiß nicht, was ich davon halten soll. `Carry the Blessed Home ` ist eine 70er Jahre Ballade, die auch problemlos auf Dan Swanös Nightingale Album gepasst hĂ€tte; erst in der zweiten HĂ€lfte entfaltet sich das Flair und man weiß wieder, welche Band da spielt. Insgesamt ist die Produktion deutlich dĂŒnner und man könnte meinen, der Perfektionismus sei erloschen. Allerdings sprechen die Songs hier fĂŒr sich; stellenweise sperrig und auf ĂŒbersichtlichem Bombast getrimmt, aber gerade in der Langzeitwirkung extrem effizient. Es soll bei mir noch Wochen dauern, bis ich mir den Kultstatus dieser Scheibe erarbeite. Optisch hat Nuclear Blast mit der limitierten Buchbox (inkl. Großem Booklet und Stempel) alles richtig gemacht, denn es sieht chic aus,

At The Edge Of Time

BG Edge Of TimeNach 4 Jahren Sendepause beglĂŒcken uns die blinden WĂ€chter mit einem ganz großen Wurf ihrer Karriere. In der Vergangenheit mussten sich BLIND GUARDIAN viele VorwĂŒrfe aufgrund ihrer Experimentierfreudigkeit gefallen lassen, weil die HĂ€rte auf Kosten der symphonischen Schiene verloren ging.
Zwar wartet „At The Edge Of Time“ auch mit vielen bombastischen Parts auf (schließlich wurde ein komplettes Orchester dafĂŒr integriert), aber auch KnĂŒppelfans der ersten Stunde und Hymnenliebhaber treibt es hier die FreudentrĂ€nen in die Augen; selten klang Hansis Gesang frischer, die Gitarren aggressiver und das Schlagzeug dynamischer. Hatte man bei „A Twist in the Myth“ noch einige MĂŒhe sich auf die zukĂŒnftige Richtung einzuspielen (obwohl der neue Schlagzeuger einen guten Job gemacht hatte), so sind sie anno 2010 zu einer richtig starken Einheit zusammengewachsen.

Als Opener kracht `Sacred Worlds` durch die Boxen, den Computerspieler kein unbekannter Titel sein dĂŒrfte. Die orchestralen Arrangements wurden erweitert und der Chorus bedient sofort mit einer GĂ€nsehaut deluxe. Wahnsinn, wie man Metal mit Klassik verbinden kann; mittlerweile kein neues Kochrezept, aber hier genial umgesetzt. Old School Fans lassen die Matte zu `Tanelorn (Into the Void)` wieder kreisen und vor dem inneren Auge sieht man schon die Massen den Refrain mitsingen. Den GĂ€nsehautfaktor spare ich mir einfach mal, weil er sich sowieso durch das komplette Album durchzieht. Mit `Road To No Release` gehtÂŽs gemĂŒtlicher zur Sache. So hĂ€tte das komplette „A Twist In The Myth“ klingen mĂŒssen, dann hĂ€tte es auch mit dem Nachbarn geklappt: eine Midtemponummer, vom Klavier unterstĂŒtzt und dynamisch in Szene gesetzt. Danach habe die Krefelder anscheinend keine Zeit mehr, denn im Volltempo jagt `Ride Into Obsession` durch die Speaker und katapultiert uns irgendwo zwischen den Jahren von „Somewhere Far beyond“ und „Imaginations From The Other Side“.
Nach dem Song bekommt die Nackenmuskulatur erstmal eine kleine Pause, denn die mittelalterliche Ballade `Curse my name` lĂ€sst uns weiterhin vor den Boxen knien und jede Textzeile ehrfĂŒrchtig mitsingen. Nach der kleinen Verschnaufpause, gibtÂŽs das atmosphĂ€rische `Valkyries`, das mit einem Gewitter eingeleitet wird. BLIND GUARDIAN ziehen hier ihr progressives Ding durch, und bleiben auf der Midtemposchiene. Der Song geht sofort ins Ohr und hĂ€tte auch auf der „Nightfall In Middle Earth“ zu finden sein können. Eine Runde Gott gespielt wird mit `Control the divine`, der uns wieder zu den „A Night At The Opera“ Zeiten zurĂŒckfĂŒhrt, ohne jedoch stumpf zu kopieren. Mit `War Of The Thrones` ist es dann endgĂŒltig Zeit die Knieschoner aus dem Schrank zu holen, und den Volume Regler bis zum Anschlag aufzureißen; gab es auf der Single „A Voice In The Dark“ die Akustik Version, gibtÂŽs hier eine bombastischere.

Der Arsch wird dann noch mal richtig mit `A Voice In The Dark` versohlt; der schnellste Song des Albums bringt uns zu den Anfangstagen von BLIND GUARDIAN und es wird gezeigt, dass sie die Spielart noch lĂ€ngst nicht komplett abgelegt haben. Ein weiterer Nackenwirbelarmageddon, bevor es zum krönenden Abschluss kommt. Als Nachtisch wird `Wheel Of Time` serviert, dass mit Ă€gyptischen KlĂ€ngen eingeleitet wird. Auf diesem StĂŒck kann man das Zusammenspiel von einer dynamischen Metalband und einem symphonischen Orchester hören, wie es in Perfektion klingen muss. Die Symbiose beider Stilrichtungen ist hier dermaßen gelungen, dass man glaubt BLIND GUARDIAN wĂŒrden seit dem Beginn ihrer Karriere auf diese Weise komponieren.

Nachdem ich mir die ersten FreudentrĂ€nen weggewischt habe, nun noch einige Worte zum Gesamteindruck; die Produktion ist fantastisch ausgefallen. Die Speed Metal Parts kommen aggressiv und die orchestralen Arrangements extrem bombastisch rĂŒber. Auch die mit Liebe eingeflochtenen Gastauftritte (Prager Philharmonic Orchestra, Flöten, Geigen) kommen sehr gut zur Geltung, ohne in den Songs zu verschwinden. Auch Layouttechnisch ist man hier auf der sicheren Seite und so ist das neue Album eine wahre Augenweide fĂŒr Fantasy Fans; gelungene Zeichnungen und die Aufmachung des Digipacks (von der limitierten Pyramide will ich erst gar nicht anfangen zu schwĂ€rmen) runden den Gesamteindruck ab. Auch ist eine Version mit Bonus CD (inklusive Demo Aufnahmen und einer 20 minĂŒtigen Studiodokumentation) und eine Vinyl Auflage am Start, es wurde wirklich an alles gedacht!

Danach geht es fĂŒr die WĂ€chter auf Tour. Kollege Dirk hatte das GlĂŒck, zum Auftakt mit Marcus zu telefonieren. Das Interview könnt ihr HIER lesen.

PĂŒnktlich zum BandjubilĂ€um erscheint die Box “A TravellerÂŽs Guide To Space And Time”. An dieser Stelle könnten wir euch ein weiteres Review prĂ€sentieren. Stattdessen verweisen wir an dieser Stelle auf unseren Artikel, in dem wir die AnkĂŒndigung der WĂ€chter besprochen hatten.

Das Orchester Album

Fans werden diesen epischen Running Gag mittlerweile lieben, denn es wurde aus heutiger Sicht vor 7 Jahren angekĂŒndigt. Die AnkĂŒndigung findet ihr nochmal HIER auf unserer Seite. Fakt ist, daß ein komplettes Orchester am Start ist und die WĂ€chter mit Markus Heitz zusammenarbeiten. Das verspricht wahrlich etwas sehr großes, das natĂŒrlich auch seine Zeit braucht, um zu wachsen. Wir fragen Marcus, wie es nach der Veröffentlichung mit einer Tour aussieht. „Das wĂ€re schön; das stelle ich mit auch sehr spannend vor, aber das ist natĂŒrlich nichts, was man im Rahmen einer Tour machen kann. Wenn du jetzt 90 Leute mehr fĂŒr das Orchester mitschleppen möchtest, brauchst du mehr Nightliner, mehr Crew, du brauchst mehr alles. Das ist allein schon ein Logistik- und Kostenfaktor, der im Rahmen einer Tour nicht funktioniert. Ich könnte mir vorstellen, daß wir sowas mal FestivalmĂ€ĂŸig angehen, wobei es noch keinen konkreten Zeitplan gibt. Es wĂ€re natĂŒrlich spannend; speziell wenn das Orchesteralbum draußen ist, bietet sich sowas natĂŒrlich an.“

Wie und wann es damit weitergeht, lest ihr im unteren Abschnitt zu den ZukunftsplÀnen.

Memories Of A Time To Come

BG MemoriesBraucht man eigentlich eine Best Of Compilation, wenn man doch alle Klassiker im Original im Regal stehen hat? Eigentlich ĂŒberflĂŒssig denke ich mir und lasse die auf 3 CDÂŽs verteilte Perle jahrelang links liegen. So ganz außen vor fĂŒr dieses Special möchte ich es aber nicht lassen, also einfach mal zur VervollstĂ€ndigung kaufen und gut ist. Das Cover ist natĂŒrlich eine wahre Augenweide und die Songauswahl ist natĂŒrlich gut, aber auch zu wenig; ein Best Of BLIND GUARDIAN beinhaltet Material, mit dem man sich eigentlich problemlos mehrere Tage in seiner Kammer verschanzen kann. Die Produktion ist optimal, schließlich wurden sĂ€mtliche StĂŒcke nochmal einer Frischzellenkur unterzogen und neu remastered. Bei `Valhalla`und `And Then There Was Silence` horcht man auf, denn sie wurden auch neu arrangiert. Gleiches gilt fĂŒr den `BardÂŽs Song- In The Forest`, der jetzt die BrĂŒcke zwischen Klassik und Mittelalter schlĂ€gt. Den Vogel abgeschossen hat man mit `The BardÂŽs Song – The Hobbit`, ein meiner Meinung nach viel zu unterbewerteter Song. Auch hier wurde komplett neu aufgenommen und alleine das Doublebassgewitter zu Beginn lĂ€sst mich schnell die Boxen quĂ€len. Alleine dafĂŒr lohnt sich der Kauf schon! Auf der dritten CD befinden sich Demotracks aus den Tagen von LucferÂŽs Heritage, was die Sache abrundet. Pflichtkauf ist hier Ansichtssache, aber zur VervollstĂ€ndigung der Sammlung sollte man es sich gönnen. Außerdem ist es interessant, die alten SchĂ€tzchen mal mit neuer Produktion zu hören.

Die Zwerge

Mit `Sacred Worlds`, aus dem Computerspiel Sacred 2, wurde die Gaming- und Nerdgemeinde beglĂŒckt. Wer Ende 2016 die Computerspieladaption „Die Zwerge“, angelehnt an der Buchreihe vom Autor Markus Heitz, gespielt hat, wird wĂ€hrend des Abspanns mit einer schönen Überraschung konfrontiert, denn die Barden haben erneut einen Song zu einem Spiel beigesteuert. „Beigesteuert ist so nicht ganz richtig, weil der Song nicht von uns ist. Das Produktionsteam hat uns damals im Studio besucht und uns ihr Projekt vorgestellt. Wir konnten schon in frĂŒhen Alpha Versionen reinspielen, um halt einen Eindruck zu kriegen und wir wurden dann auch gefragt ob wir Bock hĂ€tten, einen Song fĂŒr das Spiel zu schreiben. An Bock ist es nicht gescheitert, gescheitert ist es schlicht und ergreifend an der Zeit. Ich glaube wir waren kurz vor der Endproduktion zum letzten Album und waren zeitlich so ausgebucht, daß wir keine Möglichkeit hatten, wieder in das Songwriting zu gehen und ein StĂŒck zu schreiben. Wir haben dann angeboten, daß wir nur performen und nicht schreiben, weil wir schlicht und ergreifend keine Zeit haben. Das heißt, daß der Song nicht von uns geschrieben wurde, sondern von deren Team und Hansi hat praktisch gesungen und ich hab alle Gitarren gemacht. Es sind also auch nicht komplett BLIND GUARDIAN involviert gewesen, sondern nur Hansi und ich. Im Endeffekt hat es sehr großen Spaß gemacht und es ist eine sehr spannende Erfahrung, mit Leuten zusammen zu arbeiten, mit denen du noch nie etwas gemacht hast und die du auch nicht kennst. Innerhalb der Band kennen wir uns alle in und auswendig. Wir machen das schon seit 30 Jahren und auch Frederik ist schon seit 12, 13 Jahren dabei. Bei uns ist es ein blindes VerstĂ€ndnis, ein blindes Zusammenarbeiten, das einfach lĂ€uft. Wenn du dann auf einmal mit Leuten zusammenarbeitest, die du nicht kennst und die eine andere Arbeitsweise haben, und von mir aus auch noch aus einem ganz anderen Lager kommen, kann das sehr interessant sein und macht auch enorm viel Spaß. Wir haben damals die Demos bekommen und Hansi und ich haben dann etwas umarangiert, den Kram eingespielt und es ist schön geworden. Ich muss aber betonen, daß es keine BLIND GUARDIAN Nummer ist. Das wird immer wieder fĂ€lschlicherweise gesagt, wenn man im Netz schaut; dann stellen sich die Leute die Frage, warum wir diese Nummer nicht aufs Album gepackt haben oder warum wir das StĂŒck nicht live spielen. Es ist schlichtweg nicht unser Song.Wir haben nicht komponiert, sondern nur arangiert“ Eigentlich sehr schade, denn der Song ist gut geworden. Bleibt die Frage, ob er wirklich niemals live gespielt werden wird. „Unwahrscheinlich. Man soll ja niemals nie sagen; wir haben in unseren frĂŒheren Jahren ja auch mal Coverversionen gespielt, die wir rausgebracht haben, weil wir da Bock drauf hatten. Ich wĂŒrde es jetzt nicht pauschal ausschließen, daß das jemals passieren könnte, aber ich wĂŒrde auch keine all zu großen Erwartungen darauf setzen. Wenn wir jetzt damit anfangen wĂŒrden, fremde Nummern in unsere ohnehin volle Setlist rein zu setzen, wĂŒrden wir Probleme bekommen. Wir spielen bereits im Schnitt zweieinhalb Stunden und du bekommst trotzdem nur 18 Nummern unter.“

Gaming Corner- ein NerdgesprÀch

BLIND GUARDIAN haben viele EinflĂŒsse; Herr der Ringe, Stephen King und König Artus sind nur einige Gebiete, aus denen Songs entstanden sind. ZusĂ€tzlich zu BĂŒchern und Filmen gesellt sich noch eine andere Leidenschaft. Marcus ist ein Fan von Computerspielen, womit er bei mir offene TĂŒren einrennt. Ab dieser Stelle ein kurzes Wort der Warnung: wer mit Spielen nicht anfangen kann, sollte nun zum nĂ€chsten Abschnitt skippen. Auf geht’s in den Spielewahnsinn:

MI: Welche Spiele zockst du zur Zeit?

Marcus: „In den letzten 12 Jahren war sehr viel World Of Warcraft am Start (lacht); im Moment spiele ich sehr gerne und oft „Zelda- Breath Of The Wild“ auf der Switch. Diablo 3 spiele, aber ich muss zugeben, daß ich das nicht so spiele, wie ich damals Diablo 2 gespielt habe. Den Suchtfaktor fand ich bei 2 einfach höher als bei 3. Ist zwar ein gutes Spiel, hat mich allerdings nicht so motiviert, wie es bei Teil 2 der Fall war. Das Tombraider Reboot fand ich auch sehr gut; ich hab mir auch schon die Fortsetzung davon gekauft, aber noch nicht angefangen. Resident Evil fand ich auch immer großartig. Da habe ich letztens mit Teil 7 angefangen, wobei das non plus Ultra fĂŒr mich immer noch Teil 4 ist. Ich zocke alles quer durch den Garten, wobei es leider einige Spiele in der Art nicht mehr gibt. Beispielsweise „The Secret Of Monkey Island“ von Lucas Arts und alte Rollenspiele.“

MI: Man kann sich die alten SchĂ€tzchen noch ĂŒber GOG (Good Old Games) fĂŒr aktuelle Rechner kaufen.
Marcus: „Ich hab noch die ganzen alten Originale hier im Schrank stehen. Aber die Art von Spielen vermisse ich irgendwie. Es war mal das Ding und ist irgendwann aus irgendeinem Grund ausgestorben. Eine Zeit lang habe ich auch Shooter und Strategiespiele gespielt, worauf ich halt gerade Bock hatte.“

MI: Was ist mit Elex, dem neuen Spiel von Piranhya Bytes (Den Machern von Gothic)?
Marcus: „Piranhya Bytes kenn ich, wie heißt das Spiel?“
MI: Elex. Ist eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy; man spielt erneut einen Helden, der sich von ganz unten nach oben kĂ€mpfen muss. Es hat genau den Ruhrpott Flair von damals; harte Spielwelt, unzĂ€hlige Quests und humorvolle Dialoge. Keine Grafikhure vor dem herrn, aber die AtmosphĂ€re ist sehr geil. Du hast erwĂ€hnt, daß due Resdient Evil Fan bist. Wie schautÂŽs dann bei dir mit The Evil Within 2 aus?
Marcus: „Den ersten hab ich auch auf den Rechner, aber noch nicht gespielt. Den zweiten hab ich gekauft, aber installiere ich erst, wenn ich den ersten durch habe. Ich erwarte hier großartiges, denn Trailer und Bilder haben mir sehr gut gefallen.“

An dieser Stelle bremsen wir uns beide zu dem Thema, da es ansonsten ein reines Gaming Special werden wĂŒrde. Es geht weiter mit BLIND GUARDIAN.

Beyond The Red Mirror

BG MirrorNeues Album, neue Wege, oder doch wieder ein Schritt zurĂŒck in die glorreiche Vergangenheit? Nach mehrmaligem Hören hat das Album fĂŒr mich eine sehr persönliche Botschaft an Bord: Schluss mit Nostalgie und ran ans Erwachsen werden!
Mit „Beyond The Red Mirror“ halten sich BLIND GUARDIAN auch selbst den Spiegel vors Gesicht, mit allen Facetten, Narben und einem zeitlosen Blick in den Augen. Obwohl dieses Mal auf vielen Baustellen mehr und intensiver gearbeitet wurde, hat man sich auch den kleinen Dingen mit viel Liebe gewidmet. Das beginnt beim opulenten Gesamteindruck (das Album beim ersten Durchhören verarbeiten? Vergesst es!), geht ĂŒber bereits bekannte (und doch intensiv spĂŒrbare) Gitarrenduelle, bis hin zu den gĂ€nsehautartigen Gesangspassagen, die (man mag es kaum glauben) wirklich noch intensiviert werden konnten. Das Album ist eine Reise, die man mit jedem Durchlauf neu und intensiver erleben kann.

Bereits der orchestrale Opener entlĂ€dt seine gesamte Urgewalt in den Boxen. Dabei zeigen die Barden auch den Mut, mittels moderner Effekten die BrĂŒcke zwischen old school Fans und modernen Fans zu spannen. Die SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der dies gelingt, ist dabei genauso beachtlich wie die Tatsache, das 9 minĂŒtige UngetĂŒm bereits zu Beginn abzufeuern.Die Singleauskopllung `Twilight Of The Gods` kommt direkt auf den Punkt, wĂ€hrend sich mit `Prophecies` der erste Song ins LangzeitgedĂ€chtnis schmilzt; mal im Ernst, wer hier nicht genauso glĂŒcklich grinst, wie beim ersten Durchlauf der „Nightfall
“ muss definitiv zum Ohrenarzt. EinprĂ€gsame Gitarrenschlangen, treibendes Drumming und Gesanglinien, die tiefer in den Spiegel zerren. Dreckige Riffs und opulente Orchesterpassagen vereinen sich in `At The Edge Of Time` und gehen den Weg des VorgĂ€ngeralbums imposant weiter. `Ashes Of Eternity` knurrt bösartig aus den Boxen, kratzt am Trommelfell entlang, ehe es sich wieder (unberechenbar) versöhnlich dem Hörer anbietet. Mit `Distant Memories` fĂŒhlte ich mich im Verstand eines Königs gefangen, ehe mich GĂ€nsehautwellen tiefer in den Spiegel zerrten. Episch und gleichzeitig AushĂ€ngeschild fĂŒr den Weg, den die Krefelder eingeschlagen haben. Sie experimentierten und webten ihre alten Tugenden mit ein, was hier sehr gut zur Geltung kommt.

Macht das Licht an, stellt das Bier weg, denn spĂ€testens mit ÂŽThe Holy Grail` warÂŽs das mit dem GrĂŒbeln, was man ĂŒber die neue Platte denken soll. Der Song killt, treibt die Lautsprecher an ihre Grenzen und lĂ€sst mich beten, dass dieser Song live gespielt wird und tausende Kehlen den Refrain mittragen! Ein Schlachtfeld entsteht schnell vorm geistigen Auge und schmiedet sĂ€mtliche GefĂŒhle, die bei Manowar oder Bathory je aufgekommen sind, in einen Song. Keine Schnell-ins-Ohr-Killer? Ich verneige mich ehrfĂŒrchtig vor dieser Antwort zum eigenen „Mirror Mirror“ und anderen Klassikern. Das Stakkato Gewitter flirtet mit dem Orchester unter dem Banner `The Throne`, ehe `Sacred Mind` wieder Geschwindigkeit auf dem Programm steht. Mit der Ballade `Miracle Machine`haben es die Barden geschafft, ihren Namen neben Legenden wie Queen einzumeißeln. Hansis Stimme geht direkt unter die Haut, das Klavier erschafft eine nachdenkliche (jedoch nicht melancholische) Stimmung und der Wunsch nach einem Wunder keimt schnell in einem selbst auf. Diese Nummer lief beim Test einen halben Tag in Endlosschleife, ohne eine Spur seiner Magie zu verlieren. `Grand Parade` strotzt vor dem Perfektionismus, der hier an den Tag gelegt wurde, um eine kraftvolle Symbiose aus Klassik und Metal zu erschaffen. Wer `Sacred` mochte, wird diesen Song lieben und selbst die Black Metal Fraktion dĂŒrfte sich hier an einige Sternstunden wie alte Dimmu Borgir erinnert fĂŒhlen, ehe mit dem Bonussong (in dem limitierten Buch)`Doom`die Reise unter „We will Remember“ Rufen und herrlichen GitarrenlĂ€ufen endet.

Statt Erinnerungen hinterher zu hĂ€ngen, fĂŒhrt dieses Album das fort, was bei der „Imaginations“ endete. Dabei bedient man sich der Erfahrungen der letzten Jahre und erschafft ein Album mit einem Charakter, der mir ehrlich gesagt in den letzten Jahren etwas gefehlt hat. Wer sich die volle Dröhnung gönnen möchte, sollte sich die Buchedition gönnen, auf der die AtmosphĂ€re des Albums mit den gelungenen Zeichnungen von Felipe Machado Franco perfekt eingefangen wurde. Als BLIND GUARDIAN Fan ist man erwachsen geworden und verdient auch ein reifes und gleichzeitig kraftvolles Album. Ich habe das Album noch nicht bis in den letzten Winkel ergrĂŒndet, aber gerade diese Tatsache rundet den Gesamteindruck ab. Die Reise endet und beginnt mit jedem neuen Hören


blindguardian2016

ZukunftsplÀne

Wir schreiben das Jahr 2017. Die WĂ€chter haben das Ende ihrer Tour angekĂŒndigt und begeben sich nun in ihr Studio, um ihr neues Album aufzunehmen. Die GerĂŒchte verdichten sich, daß es dieses Mal das lang angekĂŒndigte Orchester Album werden wird. „Ja, das Orchester Album wird es geben, tatsĂ€chlich. Die Live Abstinenz wĂŒrde es auch geben, wenn wir nicht mit dem Orchester arbeiten wĂŒrden. Wir arbeiten immer in diesen Zyklen; wenn ein Album rauskommt gehen wir auf Tour, schreiben in der Zeit auch nicht wirklich neue StĂŒcke, weil wir das nicht können. Wir brauchen den Abstand. Wenn wir auf Tour komponieren wĂŒrden, wĂŒrde das neue Zeugs genauso klingen, was wir live auch spielen, weil das ist automatisch die Musik, die du den ganzen Tag auch hörst. Das wĂŒrde automatisch zu Wiederholungen fĂŒhren und da haben wir keinen Bock drauf. Deshalb splitten wir das in eine Tour- und Songwritingphase. Jetzt sind wir halt in der Sogwritingphase; wir waren jetzt zweieinhalb Jahre auf Tour und irgendwann muss auch mal gut sein (lacht) . Irgendwann schlĂ€ft man auch gerne wieder zuhause und sieht seine Familie. Wir haben jetzt mit dem Songwriting fĂŒr das nĂ€chste, regulĂ€re Album begonnen, aber auch das legendĂ€re Orchester Album wird jetzt endgĂŒltig fertig gestellt. Das heißt, Hansi muss jetzt eine ganze Menge singen. UrsprĂŒnglich sollte das wĂ€hrend der Tourpausen passieren, aber den Plan mussten wir relativ schnell verwerfen, weil der Touralltag viel zu anstrengend fĂŒr Hansis Stimme ist. Wenn du also mal eine 2 Wochen Pause zwischen einer Europa- und einer Amerikatour hast, ist deine Stimme nicht wirklich fit fĂŒr eine Studioaufnahme. Es macht hier auch keinen Sinn irgendwas zu erzwingen, denn das wĂŒrde bedeuten, daß die Studioaufnahmen vielleicht mit viel GeprĂŒgel funktioniert und danach ist seine Stimme durch und hĂ€lt die nĂ€chsten Konzerte nicht mehr durch. Das ist Blödsinn; ein SĂ€nger braucht, wie jeder andere Musiker auch, definitiv zwischen den sehr anstrengenden Tourblöcken seine Pausen. Hansi kann also jetzt in aller Ruhe alles einsingen und dann können wir mixen und mastern und dann kommt das Album tatsĂ€chlich auf den Markt.“

Die klare Trennung von Tour und Albumphase hat bisher immer FrĂŒchte getragen. Hinzukommt eine innovative Idee, mit der man sich (und den Fans) Abwechslung auf den Konzerten gönnt. „Wir geben uns schon ein wenig MĂŒhe. Wir spielen am Abend um die 18 StĂŒcke, haben aber fĂŒr die Tour so um die 45 StĂŒcke geprobt. Jedes StĂŒck wird auch im Rahmen der Tour gespielt, weil sich jeden Tag zwei bis vier Nummern im Vergleich zum Vortag Ă€ndern. Dadurch konnten wir natĂŒrlich auch aus einem großen Fundus schöpfen, den wir fĂŒr das Live Album gebraucht haben. ZusĂ€tzlich kommen die Leute auch zu mehr, als nur zu einer Show; sie haben also eine Garantie, daß sie unterschiedliche Sets sehen. Außerdem ist es fĂŒr uns auch wichtig, denn wenn du zweienhalb Jahre auf Tor bist und immer die gleichen 18 StĂŒcke spielst, drehst du irgendwann durch. Das mĂŒndet dann in eine tödlich, langweilige Routine, was wir logischerweise auf gar keinen Fall wollen. Es soll auch fĂŒr uns spannend und vor allem spaßig bleiben.“

Das Warten auf das nĂ€chste Album dauert bekanntlich lĂ€nger. Vorher gibt es einen Appetizer, der aber noch lange nichts ĂŒber das gesamte Album aussagt.

„Das wird bei uns nie möglich sein, weil wir stilistisch sehr breit aufgestellt sind. Ich habe mal eine interessante Diskussion mitverfolgt, wobei man versucht hat, unseren Stil zu nennen. Es wurde von Speed-, ĂŒber Power- bis zum Progressive Metal alles genannt und alles stimmt. (außer Black Metal bei LuciferÂŽs Heritage). Das ist auch ein Grund, warum wir die Einstellung nicht mögen, denn wenn wir uns auf einen Stil beschrĂ€nken wĂŒrden, dĂŒrften wir ja nichts anderes machen. Dieses Schubladendenken engt dich nur ein und deshalb interessiert uns das auch nicht; wenn wir eine Idee gut finden und sie zu uns passt, dann machen wir das, worauf wir Bock haben. Schnell, hart, langsam, episch ist völlig egal; solange es uns gefĂ€llt und es nach BLIND GUARDIAN klingt, ist alles gut. Deshalb kann ein Appetizer in Form einer Maxi oder eines einzelnen Songs nur einen Teilaspekt beleuchten, was auf dem Album ist. Gerade das macht aber fĂŒr mich auch den Reiz aus, weil es immer etwas neues zu entdecken gibt.“

BG Ending

And The Story Ends…

Wir sind am Ende einer langen Reise angekommen. Herzlichen GlĂŒckwunsch und vielen Dank an jene, die sich bis zu dieser Stelle durchgekĂ€mpft haben. Am Ende stellen wir Marcus eine Frage, deren Antwort besonders jungen, aufstrebenden Bands Mut machen dĂŒrfte:Seit wann macht ihr das eigentlich hauptberuflich? „Seit Anfang an; wir haben den Plattenvertrag unterschrieben, da war ich noch in der Schule. Wir haben vom Timing GlĂŒck gehabt, denn ich hab die Schule abgeschlossen, als die „Follow The Blind“ gerade draußen war. Danach kam der Zivildienst fĂŒr mich und Andre und im Anschluss haben wir die „Tales“ rausgebracht und ab da haben wir davon gelebt. Keiner der Band hat jemals etwas anderes gemacht; wir haben seit dem ersten Tag an das erklĂ€rte Ziel gehabt „Das ist es, was wir machen wollen“ und wir haben auch immer daran gezogen. Wir haben jeden Tag geprobt, außer manchmal Sonntags, wenn wir am Samstag zu viel gesoffen hatten (lacht). Im Normalfall standen wir jeden Tag im Proberaum und haben versucht uns als Musiker und Songwriter zu verbessern. Wir haben alles Geld, was wir bekommen haben, in unsere Musik investiert; sei es in Instrumente, Studioequipment usw. Wir haben sehr frĂŒh angefangen uns Studioequipment zu kaufen. Irgendwann haben wir den Schritt gemacht, uns unser eigenes Studio zu bauen, in dem wir unsere Platten aufnehmen. Wir haben immer daran gezogen und es gab auch nie einen Plan B. Sowas lenkt dich nur ab und fĂŒr uns war ganz klar „Das ist das, was wir beruflich machen werden“. Unser Ziel war es, daß wir professionell Musik machen, Alben aufnehmen und touren. Das war unsere klare Vision und in unseren Köpfen gab es auch nie eine Alternative dazu. Es gab auch nie die Möglichkeit, daß das nicht klappen könnte, denn wir wollten es ja. (lacht) Also haben wir es umgesetzt.“

Zu Guter Letzt hat Marcus noch einige abschließenden Worte fĂŒr die Fans, die sich nun in Geduld auf das kommende Album ĂŒben mĂŒssen:

„GlĂŒckwunsch dazu das ihr BLIND GUARDIAN hört, ist die richtige Entscheidung (lacht) Vielen, vielen Dank fĂŒr 30 jahre Support und auch an alle, die spĂ€ter eingestiegen sind. Wir hatten einen Mega Spaß auf der letzten Tour, das hört man glaube ich wohl dem Live Album an. Wir sind jetzt in der Songwriting Phase, die Tour danach kommt bestimmt und dann geht alles von vorne los und wir freuen uns schon darauf. Dauert ein bisschen, als bitte etwas Geduld haben, im Endeffekt wird es sich hoffentlich lohnen. NĂ€chste Tour kommt garantiert und dann können wir hoffentlich wieder zusammen feiern.“

Sebastian Radu Groß

INTERVIEW: ARCH ENEMY

Posted by Radu On September - 17 - 2017

Mit ihrem aktuellen Album „Will To Power“ ĂŒberschreiten ARCH ENEMY ihre musikalische Grenzen und loten das bereits opulente Potential weiter aus. Im Century Media Hauptquartier sprachen wir mit Alissa White-Gluz ĂŒber Entstehung der Texte, Neuzugang Jeff Loomis und der eigenen Verantwortung gegenĂŒber der Welt, die uns umgibt.

ARCH ENEMY BANDDer Albumtitel könnte eine Kampfansage sein; anders jedoch als beispielsweise Panteras „Vulgar Display Of Power“ beschrĂ€nkt sich das Album nicht nur darauf, musikalische Aggression auf die Außenwelt zu hetzen. Das Album erzĂ€hlt viel mehr unterschiedliche Geschichten, die sowohl persönlicher, als auch philosophischer Natur sind. „ Der Albumtitel vermittelt viele Botschaften auf unterschiedliche Weise. „Will To Power“ bedeutet, daß etwas existiert und nach mehr strebt. Kleine MolekĂŒle formen sich zu einem großen Ganzen und es wird Leben erschaffen. Ähnlich sieht es im Kosmos generell aus. Wenn man die Evolution nach Charles Darvin betrachtet, strebt alles danach, sich weiter zu entwickeln, um immer mehr zu wachsen. Ähnlich geht es uns sowohl körperlich, als auch psychisch, wenn wir uns weiter entwickeln. Man kann es auch auf unsere Umwelt mĂŒnzen und die Entwicklung betrachten, was eine extrem spannende Sache ist. Wir wollten kein Konzeptalbum um ein Thema herum bauen; ich denke daß „Will To Power“ viele Facetten mit einer Ă€hnlichen Botschaft erzĂ€hlt.“

Beim Thema “Texte” spielt man im Haus ARCH ENEMY sich gegenseitig den Ball zu. „Michael und ich schreiben beide gerne Texte. Auf dem letzten Album war ich bereits an Bord und dieses Mal haben wir uns die Aufgabe erneut geteilt. Manchmal schreibt er, manchmal nur ich und manchmal gehen wir es gemeinsam an. Das Album startet mit „The Race“, einer old school Death Metal-/Thrash-/ Punknummer. Wir haben dem Songnamen bewusst eine Doppeldeutigkeit verpasst; einerseits ist es wie ein Rennen, weil es auch eine schnelle Nummer ist, andererseits trĂ€gt es auch die Bedeutung der Rasse bzw. der Menschheit allgemein in sich. Ich wollte mit der Nummer Leute dazu bringen, mehr ĂŒber sich und die Leute nach zu denken, die anders sind. Gerade die SchwĂ€cheren brauchen den Schutz der StĂ€rkeren. Es gibt immer Leute, die jene unterdrĂŒcken, die anders sind. Ich habe immer daran geglaubt, daß jeder die gleichen Rechte hat. Nicht nur die Gleichstellung von Frauen und Tieren, sondern von allem was uns umgibt geht es maßgeblich auf „Will To Power“. Es geht darum, ein lebenswertes und friedliches Leben fĂŒhren zu dĂŒrfen. Dabei konzentriere ich mich auf `The Race` auf die negative Seiten, wie z.B. jemand der Amok lĂ€uft und so etwas. Es klingt aggressiv und das ist es auch, denn es ist die negative Seite, die wir alle in uns tragen.“ Durch das Ausleben der negativen Seite in der Musik, soll die Balance zwischen den positiven und negativen Energien wieder hergestellt werden. Allerdings bedarf es auch dem Bewusstsein, das zu erkennen und die Lethargie der GleichgĂŒltigkeit abzuschĂŒtteln. „Die meisten Leute verschließen die Augen vor negativen Ereignissen, bis sie einen persönlich betreffen. Wenn du z.B. aus dem Fenster schaust und ein Haus in der Nachbarschaft brennen siehst, machen einige das Fenster zu und denken, daß Problem ist aus der Welt. Erst wenn sie die Rauchentwicklung mitbekommen, ist das Problem wieder in ihren Köpfen prĂ€sent. Ich denke, daß viele Leute ihre Fenster öffnen sollten, bevor es zu einem unlösbaren Problem kommt.“

Arch Enemy Video`Murder Scene war der letzte Song des Albums, der seinen Weg aus Alissas Kopf auf das Papier gefunden hat. „Ich hatte mal ein Gedicht geschrieben und dachte, daß es gut zu dem Song passen wĂŒrde. Ich war mir aber nicht sicher und fragte mich einige Wochen lang, wie ich den Text mit dem Song verbinden könnte. Eines Tages saß ich einfach da, fing an zu schreiben und sagte danach: „ThatÂŽs it. Perfect!“ Ich denke daß dieser Song einigen aus der Seele sprechen wird, denn jeder von uns kennt Personen, die uns verlassen oder verraten haben. Es muss nicht mal eine Person sein, es kann auch eine Situation oder auch ein Teil von uns sein, von dem wir uns verabschieden mussten. Vergeben und vergessen ist einfacher gesagt als getan und deshalb bin ich der Meinung, daß man einige Dinge einfach radikal abschneiden muss. Wir gehen in unserem Leben durch mehrere Situationen und erschaffen mehrere Tatorte, die uns letzten Endes zu dem machen, was wir heute sind.“ Man muss erst durch mehrere Höllen gehen, um daran zu wachsen und stĂ€rker zu werden. Letzten Endes sind es die vielen SchicksalsschlĂ€ge, die unsere Aufmerksamkeit auf unsere innere Kraft lenken und dabei helfen, weiter zu machen. Jede (mentale oder körperliche) Narbe könnte daher eine `Murder Scene` darstellen. Das Prinzip könnte man auch auf die Evolution ausbreiten, bei dem sich das Leben seinen eigenen Weg gesucht und den Menschen aktuell auf das obere Podest gesetzt hat. Auch wenn es ebenfalls den Antrieb zu Wachsen beinhaltet bremsen wir uns an dieser Stelle, weil das GesprĂ€ch ansonsten leider den Rahmen sprengen wĂŒrde.

Respekt gegenĂŒber den Mitmenschen und der Welt, die uns umgibt, sind Merkmale, die bei ARCH ENEMY ausgelebt werden. „Unsere Band und Angela haben was das angeht einen Ă€hnlichen Standpunkt. Wenn du dir unsere Erde vorstellst, ist der Mensch lediglich ein Parasit. Wir sind schließlich Schuld daran, daß es zur Zeit so viel Zerstörung gibt. Vor der Menschheit wurde alles recht gut ausbalanciert. Mittlerweile wird die Welt an einigen Ecken ĂŒberbevölkert und einige entscheiden, wer etwas zu essen bekommt und wer nicht. ZusĂ€tzlich wird entschieden, wer mehr Rechte hat und wer weniger, ohne eine logische Grundlage zu haben. Zur Zeit geht es außer Balance und wenn du dir das bei einem menschlichen Körper vorstellst, ist es wie eine Krankheit. Es gibt in der Natur die Möglichkeit, eines symbiotischen Zusammenlebens. Nimm z.B. einen Fisch auf einem Hai; der Fisch nutzt den Hai, um schnell vorwĂ€rts zu kommen und frisst im Gegenzug seine Parasiten. Das ist eine Lebensweise, die wir als Menschen schnellstmöglich benötigen, um auf dieser Welt zu ĂŒberleben.“

Über den Text von `First Day In Hell` wird der Mantel des Schweigens gelegt, weil sich hier der Hörer selbst ein Bild machen soll. Einen kleinen Ausblick gibt uns Alissa dennoch: „Der Song beinhaltet eine Situation aus meiner Kindheit, als ich meine Großeltern ĂŒber deren Kindheit sprechen gehört habe. Die Geschichte findet wĂ€hrend eines historischen Ereignisses statt. Es ist persönlich, aber auch gleichzeitig eine globale Situation, die ich aus einer Ego-Perspektive beschreiben wollte. Es ist ein Song, den ich schon sehr lange machen wollte und bei dem mir viele Ideen kamen. Jedes Wort, jede Silbe sind fĂŒr mich hier sehr intensiv, denn es ist ein sehr finsterer Song.“

Arch Enemy closeDie Zeilen zu `A Fight I Must Win` sind die gemeinsamen Kinder von Alessa und Michael und beschĂ€ftigen sich mit dem inneren Kampf und Depressionen. „Der Song ist ein gutes Beispiel wie gut Michael und ich harmonieren. Er hatte den Text bereits fertig, war sich aber an einigen Stellen nicht sicher. Also habe ich hier etwas ergĂ€nzt, dort etwas gestrichen, bis wir beide zufrieden waren. Einer der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen der Menschheit ist der innere Kampf mit sich selbst. Auch wenn ich es niemandem wĂŒnsche, so trĂ€gt jeder von uns einen inneren DĂ€mon in sich. Wer jemals dieses GefĂŒhl erfahren hat, wird sich in diesem Text wahrscheinlich gut wiederfinden. Es ist wie brodelnder Sturm, der einen dazu veranlassen könnte, sofort zu den Waffen zu greifen und Amok zu laufen. Du kannst jemandem auf der Straße begegnen und hast keine Ahnung, welchen inneren Kampf die Person vielleicht gerade in sich trĂ€gt. Ich denke, daß wir dieses GefĂŒhl in dem Sound und in dem Text sehr gut eingefangen haben.“ Auch wenn der innere Kampf mit dem DĂ€mon die GefĂŒhle aufwirbeln lĂ€sst, so ist es doch an jedem von uns zu entscheiden, in wie weit wir mit diesen GefĂŒhlen umgehen. Statt körperlicher Gewalt, kann man die Energien entsprechend kanalisieren, um beispielsweise etwas kreatives zu erschaffen. Der Song dazu ist das beste Beispiel dafĂŒr.

arch-enemy-2017`Reason to Believe` markiert fĂŒr ARCH ENEMY eine Premiere, denn erstmals sind Alissas klare Vocals zu hören. Wer jedoch nun Angst bekommt, daß man sich dem Kommerz öffnet und sich dem (durch die Massentauglichkeit teils verseuchte) Beauty and the Beast Gesang öffnet, kann beruhigt aufatmen. Hier wurde lediglich auf die gleiche Methode gesetzt, mit der bereits Metallica, Pantera oder Testament in ihren (Halb-) Balladen den Kontrast von introvertierten Momenten zu Aggressionseruptionen beackert haben. Dies wird durch die Tatsache unterstrichen, daß mehrere, unterschiedliche Gesangslinien ĂŒbereinander gelegt wurden. “Michael hat den Text geschrieben und als er die Idee in den Raum warf, mit klarem Gesang zu arbeiten, standen wir erstmals alle da und dachten uns: “OK, das könnte episch werden”. Allerdings brauchte ich dafĂŒr einiges an Hintergrundinformationen. Worum geht es, wer ist die Person, was fĂŒhlt die Person? Ich wollte hier sicher sein, daß meine Stimme genau das wiederspiegelt, was die Person auch fĂŒhlt. Ich sperrte mich stundenlang in einen Raum ein und ging mit meinem Gesang den Text immer wieder und wieder durch, wobei auch einige TrĂ€nen flossen. Ich wollte unbedingt, daß meine Stimme im Kopf des Hörers etwas bewegt und ihn wach rĂŒttelt. Letzten Endes ist es ein sehr persönlicher Song geworden. Ich wollte, daß der Schmerz und die Qual direkt in meine Stimme ĂŒbergeht und ich denke, daß wir dem Song eine eigene Magie gegeben haben. Es ist der erste ARCH ENEMY Song mit klaren Vocals und gleichzeitig unser erster Midtempo Song. Wir machen generell sehr heftigen Stoff: EinprĂ€gsame Melodien, ehe es wieder in den harten Stoff mĂŒndet. Dieser Song ist ebenfalls heftig, allerdings auf seiner eigenen Art und weise.” Das Prinzip zwischen leisen Tönen und brachialen AusbrĂŒchen kommt hier besonders zur Geltung.

Mittlerweile können sich ARCH ENEMY ĂŒber eine Millionen Zuschauer des Videos zu `The World is Yours`(innerhalb von zwei Tagen) erfreuen. Gerade die zugĂ€nglichen Riffs und vielen Überraschungsmomente wurden hier gebĂŒndelt. Doch wie funktioniert eigentlich das Songwriting generell? “Michael ist unser Hauptsongwriter. Er macht die gesamte Vorarbeit und schickt mir dann seine Ideen, damit ich bescheid sage, was ich darĂŒber denke. `The World Is Yours` ist quasi als erstes entstanden. Der Song ist sehr packend, heavy und vor allem sehr ARCH ENEMY.”

Wem die bisherige Gitarrenarbeit “nur” gefallen hat, dĂŒrfte ĂŒber den Einstieg von Jeff Loomis die Augenbrauen hochziehen. Neben den gewohnten Trademarks, kommt nun noch einge Steigerung in Sachen Griffbrettakrobatik hinzu, die man bei “Burning The Stages” bereits bewundern kann. Auch innerhalb der Band freut man sich ungemein ĂŒber den festen Einstieg des Saitenhexers.”Jeff ist einer der nettesten Typen ĂŒberhaupt! Super talentiert, sehr geerdet und absolut nett. Es war schon unglaublich, ihn auf Tour zu haben und es ist genauso herrlich, mit ihm an einem Album zu arbeiten. Er hat einen andren Stil auf der Gitarre als Michael, was sich gegenseitig sehr gut ausbalanciert. Jeff ist ein professioneller Gitarrist, der das Instrument bis an seine Grennzen fordert. wĂ€hrend Michael auch technisch, aber sehr viel emotionaler unterwegs ist. Er schaut eher, wie er die GefĂŒhle mit jeder Note transportiert. Als ich die Songs erstmals im Groben gehört habe, dachte ich an einigen Stellen, daß dort ein Solo hin sollte. SpĂ€ter hat Jeff dann auch seine Soli genau dort eingebaut. er ist ein unglaublicher Gitarrist, Perfomer und Persönlichkeit!”

Arch Enemy Cover smallAuch beim Cover wurde nichts dem Zufall ĂŒberlassen. “Das Cover wurde erneut von Alex Reisfar gestaltet. Wir haben ĂŒber die Möglichkeiten des Covers diskutiert. Michael hatte eine eher symbolische Vorstellung davon, wĂ€hrend ich eigentlich mehr auf abgedrehte Sachen wir Hieronymus Bosch stehe. Ich mag es, wenn man stundenlang auf ein Bild starrt und immer noch neue Details erkennen kann. Bei einem guten Albumcover sollte etwas charismatisches dabei sein, was man beispielsweise auch als Tatoo tragen kann. Bei dem Cover von “Will To Power” kann man noch einige Details ssehen,weil es ein ÖlgemĂ€lde ist. gleichzeitig hat es aber auch diesen symbolischen Charakter, der einem schnell im GedĂ€chtnis bleibt. Jedes Detail ist hier sehr ausgeprĂ€gt und fĂŒr mich ist es ein interessanter Aspekt zu sehen, was ein anderer KĂŒnstler bei unserer Musik gefĂŒhlt hat und wie er seine Arbeit umgesetzt hat.” Musik kann also hier als Gesamtkunstwerk verstanden werden, inklusive Texten und Albumcover.

Dies ist auch der große Unterschied zu Stream und MP3 Plattformen, auf denen ganze Diskographien teilweise ungehört auf der Festplatte verrotten. Wie viel Arbeit dahinter steckt, wird bei der Entstehung eines Abums erst wirklich bewusst. Dabei setzt Alissa noch auf alte Methoden. “Ich schreibe meine Texte immer noch in ein altes Skizzenbuch. Einige meiner Texte habe ich nie abgetippt oder irgendwo ĂŒbertragen. Ich kann mich mit Worten eher ausdrĂŒcken, wenn ich etwas per Hand schreibe, weil das GefĂŒhl besser transportiert wird.” Letzten Endes ist es mit den Texten genauso, wie mit der Musik: eingekerkert in seiner Form wartet es nur darauf andere Menschen in ihrer Welt zu treffen und zu grĂ¶ĂŸerem zu inspirierren. Der “Will To Power” hat viele Gesichter, trifft bei ARCH ENEMY in Sachen PrĂ€zision und Aggression voll ins Schwarze.

Radu

Interview: ARKUUM

Posted by Radu On August - 18 - 2016

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Durch Zufall entdeckte ich den Sticker von ARKUUM auf dem diesjĂ€hrigen Prophecy Fest und hörte mir zuhause einige Songschnipsel an. Innerhalb weniger Sekunden war klar: ich brauch mehr von dem Stoff! Also kurzerhand Mastermind David „Arkas“ kontaktiert und ĂŒber frisch geborene Live Band, emotionalen Tiefgang und Arschpromo geplaudert.

Arkuum StickerHallo und erstmal vorab danke fĂŒr deine Zeit.
Bitte stell dich und ARKUUM unseren Lesern kurz vor.

Ich danke auch fĂŒr die tolle Gelegenheit. Angefangen hat die ganze Geschichte um 2013, als ich meinen eigenen musikalischen Weg einschlagen wollte. Ich wollte unabhĂ€ngig sein und meine eigenen Ideen und Konzepte verwirklichen, ohne Kompromisse. Da lag die GrĂŒndung eines Soloprojekts wie so hĂ€ufig ĂŒblich in dem Genre sehr nahe. Ich denke ARKUUM zeichnet sich besonders durch die instrumentale und emotionale Tiefe aus.

Welche Bedeutung hat der Bandname und welche Geschichte steckt dahinter?

Nach der Bedeutung werde ich sehr hĂ€ufig gefragt, jedoch versteckt sich hinter dem Namen ARKUUM keine geheime Botschaft, wie es vielleicht der ein oder andere vermuten wĂŒrde. Der Ursprung liegt allerdings nicht bei mir selbst, sondern den habe ich einem Freund zu verdanken. Ich finde ARKUUM klingt nach etwas Mysteriösem und UnerklĂ€rbarem, dazu hat er auch eine recht harte Aussprache, weshalb ich der Meinung bin, dass der Name perfekt zu dem ganzen Projekt passt.

Die Texte malen ein zerstörtes Bild dieser Welt, ĂŒber die der Mensch als Übel wandelt. Welche Rolle fĂ€llt ARKUUM dabei zu? Ist es eine Art Gegenpol, um darauf aufmerksam zu machen oder welche Bedeutung hat dein Projekt fĂŒr dich persönlich?

In erster Linie sind das persönliche Gedanken die ich damals wie auch heute noch habe. Wenn man sich nĂŒchtern mit der Menschheit auseinander setzt kommt man doch recht schnell zu der Erkenntnis, dass der Mensch das Übel der Erde ist. Die Welt ist nun mal voller Hass, Elend und Gier, weil es einfach in der Natur des Menschen liegt. Vielen ist diese Erkenntnis sogar bewusst und trotzdem Ă€ndern wir nichts bzw. zu wenig, wie uns eigentlich möglich wĂ€re. Ich möchte mich hierbei auch auf keinen Fall ĂŒber andere Stellen und sehe mich selbst auch nicht besser als andere, weshalb ich auch die Worte in TrĂŒbsinn passend dazu gewĂ€hlt habe: „Du bist genau wie ich, nur ein Fehler der Natur.”

`Abgrund der Einsamkeit` behandelt das Thema Verlust. Ist es eine persönliche Erfahrung, die du mit den Texten verarbeitest oder versetzt du dich in eine bestimmte GefĂŒhlslage?

Ich hatte frĂŒher ein paar prĂ€gende Erlebnisse, weshalb ich mich schon ziemlich frĂŒh mit dem Tod und Verlust auseinander setzte. Mit anderen darĂŒber gesprochen habe ich nur sehr selten, weshalb ich die GefĂŒhle in dem Album verarbeitet habe.

Wie kann ich mir den Songwriting Prozess bei „Trostlos“ vorstellen? Nimmst du Gitarren als GrundgerĂŒst auf und baust den Song drumherum oder funktioniert es anders?

Was ich mit einem Song ausdrĂŒcken möchte, welche GefĂŒhle darin verarbeitet werden und welche Inhalte die Texte haben sollen, steht bei mir schon von Anfang an fest. Dementsprechend lege ich auch das Songwriting darauf aus, die entsprechenden GefĂŒhle hervorzurufen. Die endgĂŒltigen Texte entstehend dann meist erst nach der instrumentalen Arbeit aus den Notizen, die ich mir zuvor fĂŒr das instrumentale Songwriting gemacht habe.

Besonders die Vorgehensweise bei den Drums interessiert mich; meistens ist es ja so, dass man entweder Drummer ist und sich Gitarre aneignet oder umgekehrt. Wie ist das bei dir und mit welchem Programm arbeitest du?

Als Kind habe ich mit dem Bass angefangen und erst zu der Zeit als ich mit ARKUUM begonnen habe, habe ich mir mal eine Gitarre in die Hand genommen. Ich hatte damals auch ein Schlagzeug von einem Freund bei mir im Elternhaus stehen, da er nicht mehr den nötigen Platz dafĂŒr hatte. Darauf spielen durfte ich allerdings nie, wenn noch jemand zuhause war, weshalb ich nur selten ĂŒben konnte. Zuvor habe ich auch noch nie Schlagzeug gespielt, geschweige denn Unterricht gehabt. Allerdings hat es ausgereicht, um ein GefĂŒhl fĂŒr das Instrument zu bekommen, was ich dann auch spĂ€ter fĂŒr ARKUUM anwenden konnte. Gearbeitet habe ich damals noch mit Tuxguitar, dort habe ich alle meine Spuren und Noten festgehalten, auch die Drums, die dann spĂ€ter im Studio daraus exportiert wurden, da mein Können am Schlagzeug bei weitem nicht fĂŒr eine Session im Studio ausreichen wĂŒrde. Der Drumcomputer ist auch einer der negativen Punkte, die ich selbst an dem Album zu bemĂ€ngeln habe, aber damals war es mir nicht anders möglich.

Arkuum TrostlosSeit dem FrĂŒhjahr 2016 seid ihr mit mehreren Leuten unter dem ARKUUM Banner vereint. Wie kam es zu der Entscheidung und welche Auswirkungen hat es auf die neuen Songs?

Das ich ARKUUM irgendwann mal auf die BĂŒhne bringen wollte, wurde mir relativ schnell nach dem Release und dem tollen Feedback darauf bewusst. Es hat sich allerdings schneller ergeben als geplant, da der jetzige Gitarrist und Freund von mir, aus seiner ehemaligen Band geworfen wurde. Die anderen Musiker habe ich dann unerwarteterweise sehr schnell gefunden. Denny von Zeugen der Leere, der mich bis dahin mit seinen Vocals tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzt hat, wollte jedoch nicht an dem Liveprojekt teilnehmen, weshalb ich nach einem neuen SĂ€nger Ausschau hielt. Von dem ersten SĂ€nger, mit dem wir auch unser erstes Konzert gespielt haben, mussten wir uns allerdings schon nach einigen Wochen aus persönlichen GrĂŒnden trennen. Doch in meinen Augen sieht das jetzige Lineup sehr bestĂ€ndig aus. Auswirkungen auf neues Material hat es keins. Ein Kriterium bei der Musikersuche war, dass ich weiterhin das Songwriting ĂŒbernehmen werde.

Ein Wort zum Cover: wer das das geile Cover des Stickers entworfen? Mehr davon!

Danke, ich bin von dem Cover auch sehr begeistert! Unter dem Namen Ceethava könnt ihr die KĂŒnstlerin finden, kann ich nur weiterempfehlen.

Jemand hat ĂŒbrigens sehr geile Promo fĂŒr dich gemacht; ich war auf dem Prophecy Fest in der Balver Höhle. Dort lagen einige deiner Sticker rum, auf die ich bereits aufmerksam wurde. Am zweiten Tag sah ich dann ein MĂ€del, das sich den Sticker auf den Arsch geklebt hatte. So muss Promo laufen :) Machst du sonst irgendwelche Aktionen oder eher ĂŒber Facebook und fertig?

Ich war selbst auch auf dem Prophecy Fest und dachte mir ein paar Sticker im GepĂ€ck können nicht schaden. Mit dem Arsch von dem MĂ€del habe ich allerdings nichts zu tun, habe sie aber auch gesehen *lach*. Aktive Werbung mache ich eigentlich sehr wenig, wenn es sich nicht gerade, wie auf dem Prophecy Fest, anbieten. Ich halte sehr wenig von nervender Werbung und Leute direkt darauf ansprechen mache ich auch ungern, zumal ich sowieso ziemlich schĂŒchtern bin. Facebook ist dahingehend schon das passende Werkzeug.

Mittlerweile ist auch das neue Album in der Mache. Was erwartet uns musikalisch und thematisch? Gibt es schon einen Veröffentlichungstermin, der angepeilt ist?

In meinen Augen wird es auf alle FĂ€lle wieder dĂŒster und sogar noch emotional mitreißender als Trostlos. Es bietet eindeutig mehr Facetten als das DebĂŒt und beinhaltet weitaus mehr Tiefe, alleine schon durch die Tatsache, dass es sich dieses Mal um ein Konzeptalbum handelt. Generell kann ich sagen, dass es ein wenig mehr EinflĂŒsse aus dem Doom und Ambient Bereich gibt, aber auch der ein oder andere Blastbeat findet auf der neuen Scheibe Platz, was der ein oder andere vermutlich vergebens bei Trostlos gesucht hat. Einen Veröffentlichungstermin gibt es noch keinen, allerdings ist der Release zum Herbst nĂ€chsten Jahres angepeilt.

ARKUUM ist bis vor kurzem dein Solo Projekt gewesen. Warst oder bist du noch woanders aktiv?

Momentan arbeite ich gemeinsam mit Fabian von Odium Immortalis an einem Abschiedsalbum. Mit daran beteiligt sind unter anderem Dominik von Winterblood und JP von Hallig. An einen Veröffentlichungstermin ist hier aber auch noch lange nicht zu denken.

Welches sind deine grĂ¶ĂŸten EinflĂŒsse und warum?

In Trostlos habe ich zum grĂ¶ĂŸten Teil meine persönlichen Gedanken verarbeitet, weniger gezielt auf bestimmte Inspirationsquellen geachtet. Auf jeden Fall beeinflusst mich alles, was mich auch emotional bewegt, egal durch welches Medium oder aus welcher Richtung. Wenn mich etwas emotional berĂŒhrt, egal in welcher Hinsicht, hat es auch etwas in mir ausgelöst. Ich denke davon fließt bewusst oder auch unterbewusst viel mit ein.

Danke fĂŒr deine Zeit, ich freu mich schon auf die neue Scheibe!

Jederzeit gerne wieder. Vielleicht sieht man sich ja auf dem nÀchsten Prophecy Fest.

Hier geht’s zur Rezi von „Trostlos“

Radu