Archive for the ‘CD-Reviews’ Category
MY DYING BRIDE – “A Map Of All Our Failures”
MY DYING BRIDE – „A Map Of All Our Failures“
Vertonte Melancholie, die gütig von der bittersüßen Illusion der Hoffnung erstickt wird; soweit die Kurzversion des aktuellen Albums. Nach der orchestralen Retrospektive „Evinta“ und dem old schooligen Lebenszeichen „The Barghest O` Whitby“ wird hier das Konzept der „For Lies I Sire“ fortgeführt und vertieft. Hat man bereits bei dem Vorgänger die menschliche Psyche ordentlich durchgeschüttelt, so dringt man jetzt weiter zum Kern vor und setzt das volle Arsenal in Sachen depressiver Tonkunst ein.
Auch beim aktuellen Album ist wieder alles da, wo es hingehört: tonnenschwere Riffs wälzen sich klaustrophobisch aus den Boxen, das Schlagzeug führt den Hörer an nachdenklichen , melancholischen und aggressiven Momenten vorbei und am Mikro stirbt Aaron den Märtyrertod auf jede erdenkliche Weise unter Jammern, Flüstern und Grunzen. Mittlerweile hat die sterbende Braut die perfekte Symbiose aus Härte und Melancholie gefunden, was sowohl neuere, als auch old school Fans gleichermaßen begeistert. Was also könnte die aktuelle Scheibe neues bringen? Die Antwort ist einfach: Intensität! Wo sich andere Bands auf Experimente beim Songwriting einlassen, setzen MY DYING BRIDE auf altbewährtes, führen es konsequent fort und vertiefen es emotional noch um einiges mehr. Dafür lassen sie sich Zeit, geben dem Hörer durch einprägsame Gitarrenmelodien einen guten Einstieg in die Songs und zerren ihn dann in einen Abgrund der Verzweiflung. Vom tiefsten Mollwalzer im Herzschlagtakt, über hoffnungsvolle Midtempopassagen, bis zur hasserfüllten Aggression werden alle Emotionen raus gelassen, so dass unterm Strich eine kontrollierte Zerstörung jeder Hoffnung übrig bleibt.
Die über zwanzigjährige Banderfahrung lässt jeden Song mit einer derart präsenten Atmosphäre auf den Hörer los, wie es ausschließlich die sterbende Braut vermag. Allein das Wechselspiel von Gitarren, Violine und eingestreuter Akustikgitarre auf `The Poorest Waltz` lassen mich auf die Knie sinken, während die Gitarrenmelodie zu Beginn von `Abandoned As Christ` ohne Gänsehaut nicht existiert. Zwischendurch blitzen einige Momente von „A Line Of Deathless Kings“ und „Turn Loose The Swans“ durch, ohne sie jedoch zu kopieren. Abgrundtiefe Finsternis bricht über den Hörer herein und lässt ihn mit jeder Faser die Verzweiflung spüren, während man sich an eine ferne Illusion der Hoffung klammert. Vertonte Verzweiflung und hinreißende Melancholie, so und nicht anders muss sie klingen!
5/6 Punkten
Radu
Erben des Zorns – Krieg
Deutschsprachiger Metal ist und bleibt eine Seltenheit. Bei deutschsprachigem Thrash Metal fallen einem lediglich einzelne Lieder wie Sodoms “Ausgebombt” ein. Erben des Zorns versuchen diese LĂĽcke nun zu schlieĂźen. Die FĂĽnf aus Kiel legen mit “Zweitens: Krieg”, wie es der Titel bereits verrät, ihr zweites Werk vor.
Thematisch ist aber, wie man zunächst vermutet, nicht nur Krieg im eigentlichen Sinn gemeint, sondern auch beispielsweise der persönliche und psychische. Dieses Themengebiet wird von den Norddeutschen konsequent und schonungslos angegangen und aufgearbeitet. Hierbei geraten die Lyrics nie in das Peinliche, was leider bei deutschen Texten oft der Fall ist.
Musikalisch wird die Band zwar als Thrashcore angegeben, doch sind in der Musik nur selten moderne Core Elemente zu finden. Eher wird hier Thrash Metal der alten Schule, gemischt mit Death Metal und leichten Anleihen von Oldschool Hardcore, gespielt.
Mit “Krieg” liefern die Jungs einen absoluten Ohrwurm gleich zu Anfang des Albums ab, dessen Qualität im weiteren Verlauf des Albums von “”Das Ende” wiederholt und sogar gesteigert wird. Dieser Song stellt das absolute Highlight des Albums dar und vereint stampfende Aggression von Warbringer mit harmonischen Passagen.  Auch die anderen Songs des Albums wissen mit etwas Eignem zu begeistern, wie beispielsweise das stampfende “Mein Reich” oder das modern angehauchte “Kontrollierte(s) Chaos”.
Die Produktion ist klar und transparent, doch wĂĽnscht man sich hier an einigen Stellen ein bisschen mehr Druck, um die groovigen Parts der Songs zu unterstreichen.
Das Cover ist mit einem Chaosstern sehr schlicht gehalten, doch passt dieser wie die Faust aufs Auge zu dem Konzept der Band.
Fazit: Erben des Zorns legen mit “Zweitens: Krieg” ein beachtliches Werk ĂĽber Konflikte aller Art hin. Thrash Metal Fans sollten dieses Album definitiv kaufen, doch auch alle anderen können mit gutem Gewissen mal reinhören.
5/6 Punkten
Stone Sour – House Of Gold & Bones Part 1
Heutzutage ist es in Musikerkreisen keine Seltenheit mehr, ein Album in mehrere Teile zu splitten. Was bei manchen CDs tatsächlich Sinn macht, ist oftmals einzig und allein die Gelegenheit, doppelt Kapital aus einem Album zu schlagen. Doch was trifft auf das neuste Werk von Stone Sour zu? Die Amerikaner entschieden sich “House Of Gold & Bones” in zwei Alben aufzuteilen, Part 1 erschien nun am 19.10., der zweite Teil wird 2013 folgen.
Das wichtigste sei vorab gesagt, “House Of Gold & Bones” ist in keiner Weise enttäuschend. Es wird die Geschichte eines jungen Menschen erzählt, der sich einer Herausforderung stellen muss, die vielen bekannt ist, nämlich die des Erwachsenwerdens und des Abschieds von jugendlichem Leichtsinn. Dieses Konzept ist konsequent, intelligent und eindringlich umgesetzt, sei es musikalisch, lyrisch, oder auch in der Covergestaltung. Dass Ausnahmetalent Corey Taylor hier in weiten Teilen sein eigenes Leben widerspiegeln lässt, merkt man an der Intensität, mit der er die Thematik behandelt.
Auch musikalisch legen Stone Sour ihr bisher bestes und variabelstes Werk vor und steigern, im Gegensatz zu vorherigen Veröffentlichungen, auch wieder den Härtegrad. Mit “Gone Sovereign” wird den Fans zu Anfang eine solide Alternative Nummer geboten, die vor allem durch ein herrliches Solo zu ĂĽberzeugen weiĂź. “Absolute Zero” schlieĂźt sich nahtlos an den Opener an und fĂĽhrt diesen weiter.
Nach dem etwas schwächeren “Rumor Of Skins” folgt mit der Ballade “The Travelers Part 1″ ein absolutes Highlight, welches beweist, dass der Stone Sour Frontmann einer der besten Sänger dieses Planeten ist. Im späterenVerlauf des Albums wird der Song mit “The Travelers Part 2″ etwas druckvoller, jedoch nicht weniger gefĂĽhlvoll, weitergefĂĽhrt
Im Laufe des Albums werden weitere Facetten des Konzepts eindrucksvoll musikalisch unterlegt. Sei es der typische Stadion Rock von “Taciturn”, ein Thrash Gewitter wie in “RU486″ , der elektronisch angehauchte Rock vom “Influence Of A Drowsy God”, oder eine astreine Alternative Nummer á la “Last Of The Real”. Jeder Song bildet sein eigenes Fundament und weiĂź durch Einzigartigkeit zu ĂĽberzeugen.  Corey Taylor ĂĽberzeugt hierbei weiterhin durch eine stimmliche Bandbreite, die er auf frĂĽheren Veröffentlichungen bereits andeutete, jedoch noch nie so eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.
Eine weitere Besonderheit dieses Album liegt im Facettenreichtum der Aufnahmen. Mit jedem durchlauf erkennt man neue Kleinigkeiten, die sich in das Gesamtkonzept einfügen und somit um eine weitere Komponente ergänzen.
Fazit: Stone Sour legen mit “House Of Gold & Bones Part 1″ ihr bisher stärkstes Werk vor und treten endgĂĽltig aus dem Schatten von Slipknot hervor. Das Konzept ist absolut stimmig, brilliant umgesetzt und lädt zum mehrmaligen Hören ein. Bleibt zu hoffen, dass auch mit dem zweiten Teil ein solch groĂźer Wurf gelingen kann.
5,5/6 Punkten
Gojira – L´enfant sauvage
Gojira zu beschreiben fällt nicht leicht. Offiziel sind sie zwar dem Death Metal zugeordnet, doch zu oft brechen die Franzosen mit den Konventionen des Genres und verleihen ihm mehr als einen Hauch Progressivität. Sei es durch häufige Tempo- und Taktwechsel,  Blast-Beats und Doublebase, die in 32teln gespielt werden, oder auch ruhigere Passagen, Gojira wissen zu ĂĽberraschen. Mit ihrem fĂĽnften Studioalbum “L´enfant sauvage”, welches zugleich ihr DebĂĽt bei Roadrunner Records darstellt, setzen die Vier ihren eingeschlagenen Weg kompromisslos fort und versuchen an das vorangegangene Meisterwerk  ”The Way Of All Flesh” anzuknĂĽpfen.
Dass sie es ernst meinen, beweist “Explosia”. Gnadenlos wird hier durch den sechs Minuten Song geholzt und mit zahlreichen Tempowechsel einer der besten Extreme Metal Songs dieses Jahres geliefert. Abgerundet wird das ganze durch ein bedrohliches Outro und macht Lust auf mehr.
Mit dem Titeltrack wird direkt nachgelegt. Ein ruhiger Anfang geht in furioses Geprügel über, um dann erneut durch einen harmonischen Part unterbrochen zu werden. Absolutes Highlight ist der Breakdown in der Mitte, den jede Metalcore band nicht besser hätte hinkriegen können.
Das hohe Niveau der ersten beiden Lieder wird in den nachfolgenden Songs leider nicht erreicht, doch schlecht sind sie deswegen noch lange nicht.”Liquid Fire” besticht mit einem sehr guten Refrain, “Mouth Of Kala” mit einem ĂĽberraschenden Ende und “Pain Is A Master” mit verzerrter Stimme. Einziger Totalausfall  ist “Planned Obsolescence”, da der Song viel zu berechenbar und schlicht ist.
Mit “Born In Winter” wird als vorletzter Song ein weiteres Highlight aus dem Hut gezaubert. Starke Gitarrenmelodie bilden den Anfang um gegen Mitte die GeschĂĽtze auszufahren . Es wird bretthart, stellenweise haut die Doublebase alles kurz und klein, um sanft zum Ende zu kommen.
“The Fall” setzt den dĂĽsteren Schlusspunkt zu einem Album, welches vom Hörer das Ă„uĂźerste fordert, ohne unnötig zu frickeln,
Fazit: Nach stolzen 4 Jahren Produktionspause ist L’Enfant Sauvage ein gelungenes Album mit kleinen Schönheitsfehlern. Die vier Franzosen sind zweifelsohne Meister ihres Schaffens,  sind ihrer Musik treu geblieben und liefern Songs, die sich jeder Fan anspruchsvollen Metals nicht entegehen lassen sollte.
4,5/6 Punkten
Varg – Guten Tag
Varg polarisieren! Was sich schon während der vergangenen Alben “Blutaar” (2010) und “Wolfskult” (2011) um die Band abspielte, wird sich auch bei dem neuen Werk “Guten Tag” nicht ändern. Doch kann das Varg nur Recht sein, wuchs ihre Fanbase trotz oder wegen dieser Diskussionen um ihre Band stetig weiter und bildet zur Zeit eine der treusten und aktivsten im deutschen Metalbereich. Dies ist nicht zuletzt an der Chartplatzierung 33 ihres letzten Albums zu sehen. Somit liegen aber auch hohe Erwartungen an das neue Album.
Mit “Willkommen”, dem sehr gut gemachten Intro, und “Guten Tag” wird der Hörer gleich doppelt begrĂĽĂźt und die Coburger legen von Anfang an mit Vollgas los. Das Lied vereint EinflĂĽsse aus dem Deutschrock und Death Metal mit einer Spur modernem Metal und bildet einen gelungenen Einstieg in das Album. Abgerundet wird das Ganze durch ein sehr gutes Solo, dass ich so nicht auf dem Album vermutet hätte. Auch lyrisch gefällt das Lied, behandelt es nicht die typischen Helden-, Kriegs- und Blutgeschichten, die man sonst von Varg und anderen Vertretern des Viking Metals kennt.
Doch die auftretende Euphorie wird mit “Frei wie der Wind” gleich wieder getrĂĽbt. Erinnert der Titel schon sehr stark an Saltatio Mortis, so ist das Lied eine Zusammenstellung verschiedener Elemente von Mittelalter und Pagan Bands. Das gab es schon tausendmal zuvor in besserer AusfĂĽhrung und ist damit absolut ĂĽberflĂĽssig.
“Was nicht darf” bildet anschlieĂźend die nächste Kopie, diesmal ist Rammstein an der Reihe. Der Song bedient sich an sämtlichen Elementen der Neuen Deutsche Härte und wirft die Frage auf, warum Varg es nötig haben die erfolgreichste Band Deutschlands so nachzumachen. Einzig und allein die Lyrics retten das Lied etwas, behandeln sie doch auf recht eindeutige Weise die Misshandlungen innerhalb der Kirche. Dieser Song und auch das folgende “Blut und Feuer” erinnern stellenweise an die Zweitband des Bassisten und Songwriters Managarm, Sintech und deren letztes Album. Doch leider haben Sintech diese Lieder auf “Schlampenfeuer” wesentlich besser umgesetzt.
Den Fans wird AnschlieĂźend mit “Angriff” nun ein typischer Varg Song serviert, inklusive oben erwähnter, platter Lyrics. Mit “Horizont” gelingt dem FĂĽnfer ein erneute Steigerung. Angefangen mit Crematory- ähnlichen Vocals, gipfelt das Lied in einen beschwingten Mitgröl- Song, der live bestimmt sehr gut ankommen wird.
Doch folgen darauf erneut Songs, die man so nicht braucht. “A Thousand Eyes” ist ein absoluter Korpiklaani-, und “Wieder verloren” ein In Extremo Abklatsch. Innovation ist hier absolut keine vorhanden.
“Gedanke und Erinnerung” und “Anti” bedienen nochmals alle Varg Fans mit Viking Kost, wohingegen “Leben” den Weg des Titeltracks weitergeht. Dabei ist der Grundgedanke richtig, nur erinnert das Riff der Strophe zu sehr an “Guten Tag”.
Doch nachdem eher durchwachsenen GroĂźteil des Albums packen die Wölfe zum Schluss nochmal ein Highlight aus. “Apokalypse” fährt mit einem fetten Riff auf, dass Endzeitstimmung aufkommen lässt und durch drĂĽckenden Gesang unterstĂĽtzt wird.
Produktionstechnisch liefern Varg ihr bisher mit Abstand bestes Werk ab. Was AndrĂ© Hofmann in seinem ForteFortissiomo Studio gezaubert hat, ist absolut erstklassig. In den stampfenden Liedern wie “Apokalypse” ist der Sound drĂĽckend und an den richtigen Stellen glasklar. Auch ruhige Passagen werden bestens in Szene gesetzt und somit braucht sich die Produktion vor keinem der groĂźen Studios zu verstecken.
Fazit: Varg versuchen auf dem neuen Album neue Wege zu gehen. Das ist grundsätzlich positiv zu sehen, doch bedienen sie sich hierbei zu sehr an verschiedenen Genres ohne wirklich eigene Innovationen einzubringen. Die eingefleischten Fans werden das Album dennoch kaufen und lieben. Allen Anderen, wie mir, bleiben immer noch die positiv erwähnten Songs und die absolut erstklassige Produktion, die das Album enorm aufwertet.
3/6 Punkten
Devin Townsend Project – Epicloud

“It´s epic! It´s loud! It´s Epicloud!” Mit diesen Worten wird das neue Album des musikalischen Genies Devin Townsend, diesmal wieder unter dem Deckmantel des Devin Townsend Projects, angepriesen. Und vorab sei schon gesagt, es ist beides, episch und laut, aber auch noch so viel mehr. Die Genialität des Sängers, Gitarristen, Produzenten und Vordenkers Devin Townsend wurde in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, doch stehen sich ja bekanntermaĂźen Genie und Wahnsinn sehr nahe.
Zu Beginn des Albums bekommt man zunächst den Eindruck die falsche CD eingelegt zu haben, tönt doch der Opener “Effervescent” fast wie Queen durch die Boxen. Auch im darauffolgenden “True North” werden poppige Melodien ausgepackt und sogar ein Kirchenchor mit passendem Glockenschlag verwendet.
Weiter gehts mit dem kabarettwĂĽrdigen “Lucky Animals” und es ist bereits nach drei Songs wieder klar, dass Devin Townsend keine Genres kennt, sondern einfach Musik macht, die er mag. Dieser Eindruck wird bei “Liberation” weiter untermauert. Aus einer im Grunde soliden Stadionrocknummer wird bei Devin Townsend ein vielschichtiger Song, bei dem man auch nach mehrmaligem Hören neue Facetten erkennen kann. Mit “Where we belong” macht sich nun der erste richtige Durchhänger des Albums erkennbar. Das Lied plätschert mit ĂĽberladenem Chorus einfach vor sich hin, ohne dass die beabsichtigte Atmosphäre aufkommen mag. Besser wird das Ganze anschlieĂźend bei “Save Our Now” gemacht, einer majestätischen Midtempo Nummer. Mit “Kingdom” wird endlich mal das Tempo angezogen, um in “Divine” umso harmonischer und fast schon meditativ einen kompletten Kontrast zu bilden. Mit “Grace” schleicht sich leider erneut ein Song auf die CD, den man so nicht gebraucht hätte, denn hier wird erneut mit dem darauffolgenden “More!” alles besser gemacht was gefehlt hatte. Nach dem kurzen, ruhigen ZwischenstĂĽck “Lessons” werden nun die letzten beiden Songs eingeläutet.
Während “Hold On” wiederum eine grundsolide Rocknummer mit Gospelchor ist, wird mit “Angel” das epische Highlight zum Schluss kredenzt. Majestätischer kann ein Album nicht zu Ende gehen.
Fazit: Mit seinem 15. Studioalbum gelingt es Devin Townsend seiner Hörerschaft epische Rocknummern mitsamt Chor um die Ohren zu hauen, jedoch mit ein paar Ausrutschern. Das dabei nur selten die volle Metalkeule ausgepackt wird ist vom Meister gewollt, jedoch sehr schade, da er sie wie man weiß sehr gut einsetzen kann. Was bleibt ist also eine neue Facette des musikalischen Spektrums des Musikers, bei der man nicht wissen kann wie sie bei seinen Fans ankommt. Doch sind diese von ihm ja auch schon ganz andere Sachen gewohnt.
4/6 Punkten
Give Em Blood – Seven Sins
Metalcore Bands haben es schon nicht leicht. Auf der einen Seite werden sie oft wegen ihrer modernen Ausrichtung von Oldschool Metallern belächelt und gemieden, auf der anderen Seite gibt es in ihrem Genre eine solch große Auswahl an Bands, dass es schwer ist aus der Masse hervorzustechen. Give Em Blood aus dem österreichischen Graz wagen nun mit ihrem Debüt „Seven Sins“ den Versuch, es den großen Vorbildern wie Emmure oder Deez Nuts gleich zu tun und eines sei vorab schon verraten, Oldschool Metaller bekommen hier erneut Diskussionsstoff.
„Seven Sins“ behandelt die Geschichte einer Beziehung, wobei jeder Song auch eine der sieben Todsünden repräsentiert. Die Idee ist zwar gut gedacht, jedoch ist die Mischung aus Beziehungsdrama und den Sünden etwas zu viel des Guten. Hätte man sich lediglich auf eines der beiden großen Themen gestürzt, hätte das voll und ganz gereicht. Dies ist jedoch im fast das Einzige, was an diesem Album zu bemängeln ist.
Der Hörer wird mit „Introduction“ von den Straßen in eine Bar genommen, in der der Protagonist seine Partnerin kennelernt und sich mit „Beautiful Black Heart“  in sie verliebt. Musikalisch untermalt wird das Ganze von der vollen Breitseite Metalcore, inklusive Breakdowns und fast schon hysterischem, aber auch sehr druckvollem Gesang. Das gleiche gilt für „Lifeless“.  Auch hier wird harter Metalcore mit melodischen Gitarren und teilweise elektronischen Beats gemischt, wobei der Gesang gelegentlich zum Growling wechselt und den Song damit noch eine Spur härter wirken lässt. Mit „Interlude“ wird dem Hörer eine kurze Verschnaufpause gegönnt. Akkustische Gitarren und Streicher bilden eine harmoische und fast schon folkloristische Atmosphäre, die jedoch durch die Freundin des Protagonisten und das anschließende „Love 2.1“ jäh unterbrochen wird. Es folgen weitere Episoden der Beziehung, die von Wut und Hass geprägt sind und sich somit mit der Musik sehr gut vertragen. Dabei ist zu bemerken, dass die jungen Österreicher keinen einzigene Totalausfall auf dem Album haben, sondern alle Songs stimmig sind und etwas Eigenes haben.
Fazit: Give Em Blood erfinden auf keine Fall das Genre neu, sondern folgen Bring Me The Horizon und Konsorten. Dies machen sie aber auf sehr hohem Niveau und mit einer gewissen Eigenständigkeit und Frische, so dass ein Album enstanden ist, dass jedem Metalcore Fan problemlos empfohlen werden kann! Von dieser Band wird noch Einiges zu Hören sein!
5/6 Punkten
Illdisposed – Sense The Darkness
Gerade einmal ein Jahr nach ihrem letzten Album “There is light (but it’s not for me)” sind Illdisposed wieder zurĂĽck, und das brutaler denn je. Man könnte aufgrund der kurzen Zeit zwischen den beiden Alben jetzt einen Schnellschuss vermuten, doch was die Dänen mit “Sense The Darkness” abliefern ist nichts anderes als eine Lehrstunde fĂĽr alle modernen Extreme Metal Bands.
Nach einem kurzen und ruhigen Einstieg brettert der Fünfer mit dem Titeltrack los, um im Laufe des Albums die Brutalität konsequent aufrecht zu erhalten. Laut Label spielt die Band Neo Thrash Metal, doch ist dieses Album meiner Meinung nach melodischer Death Metal der Machart Hypocrisy. Lediglich bei ein paar Songs sind Einflüsse aus dem Thrash Metal erkennbar (z.B. She´s undressed), was aber hier sehr gut als Abwechslung zu dem ansonsten sehr groovenden Rest des Albums passt.
Illdisposed schaffen es mit ihrem mittlerweile 12. Studioalbum die Mischung aus knallhartem Death Metal und eingängigen Melodien weiter zu verfeinern und so selbst den eigenen Klassiker “Burn me wicked” zu ĂĽberbieten. Dies gelingt hier auf allen elf Tracks des Albums, sowie auf beiden Bonustracks, die bei anderen Bands dieses Genres wahrscheinlich schon Highlights des regulären Albums wären. Sänger Bo Summer growlt im Vergleich zu allen vorangegangenen Alben noch tiefer, und verdient sich so auch wieder die Bezeichnung “Subwoofer”, die ihm seine Mitmusiker verliehen haben.
Das Gesamtwerk wird durch die rauhe, druckvolle aber dennoch definierte Produktion von Tue Madsen (u.a. Suicide Silence und Heaven Shall Burn) und das absolut stimmige Artwork von Mircea Gabriel Eftemie abgerundet.
Fazit: Illdisposed schaffen es mit “Sense The Darkness” ihr brutalstes, aber auch stärkstes Album abzuliefern. Groove und Eingängigkeit trifft auf Komplexität und spielerische Finesse. FĂĽr mich bis jetzt das Album des Jahres!
6/6 Punkten
Samir
THRESHOLD – March Of Progress
„Je mehr sich Dinge ändern, desto mehr bleibt alles beim Alten.“ Hierbei handelt es sich nicht nur um ein äußerst bekanntes Zitat von John Maxwell Coetzee, sondern auch um die perfekte Beschreibung der Beziehung zwischen der britischen Progressive Metal-Institution THRESHOLD und ihrem ursprünglichen Sänger Damian Wilson. Schon zwei Mal kehrte das Ausnahmetalent den Jungs den Rücken, um letztendlich doch immer wieder zu dem Sextett zurückzustoßen. So zuletzt geschehen, nachdem sein Vorgänger Andrew „Mac“ McDermott (R.I.P.) während der laufenden Tournee zum 2007er Werk „Dead Reckoning“ plötzlich das Handtuch warf. Damian sprang kurzerhand ein und rettete THRESHOLD damit aus einer ziemlich unangenehmen Situation. Seitdem wurden etliche Konzerte zusammen gespielt und Mr. Wilson ist bei THRESHOLD wieder fest im Sattel. Kein Wunder, dass es endlich an der Zeit für heiß ersehntes neues Studiofutter ist. Schließlich gingen seit Veröffentlichung des besagten „Dead Reckoning“ schon satte fünf Jahre ins Land.
Das Fazit vorweg: Die unerträglich lange Wartezeit hat sich so was von gelohnt! Mit „March Of Progress“ werfen die Briten mal eben das bis dato beste Album ihrer nicht gerade highlightarmen Karriere auf den Markt. Alleine das Eröffnungstrio hinterlässt offene Kauleisten und zwingt alles was Ohren hat auf den Gebetsteppich. Denn die musikalische Dichte von THRESHOLD hat wahrlich anbetungswürdige Züge erreicht. Der einigen als Vorabtrack bereits bekannte Opener ‚Ashes’ begeistert als dynamischer, eingängiger Progressive Metal-Track unterlegt von schmeichelnden Keyboardsphären und einem Gänsehaut-Chorus als dramaturgischer Klimax. ‚Return Of The Thought Police’ zeigt die Band von ihrer etwas getrageneren Seite. Der atmosphärisch dichte Midtempo-Groove bietet das perfekte Biotop für Damian’s emotionalen Gesang, welcher eindringlich die intelligenten, sozialkritischen Lyrics umsetzt. Das jazzig angehauchte ‚Staring At The Sun’ ist eine weitere Sternstunde auf „March Of Progress“. Insbesondere der superbe Chorus mit seinem Wahnsinnsgesang stellt dem Hörer jede Behaarung auf, die der Körper noch anzubieten hat. Besser kann man modernen Progressive Metal nicht umsetzen.
Bei ‚Liberty Complacency Dependency’ kommen verstärkt technische Spielereien zum Einsatz, ‚Colophon’ begeistert durch abwechslungsreiche Bassarbeit und umfangreiche Dynamik. Mit ‚The Hours’ legt man eine weitere hypereingängige Hymne vor, die einen sofort gefangen nimmt und in fremde Traumwelten entführt. Ein besonderes Schmankerl stellt auch das klassische Interludium gegen Ende des Songs dar. Weiterer Höhepunkt dieser ereignisreichen 70 Minuten.
‚That’s Why We Came’ hingegen ist eine stimmungsvolle Halbballade, bei ‚Don’t Look Down’ geht es noch mal in die Vollen, während ‚Coda’ schon fast thrash-artig beginnt und danach in einer pfeilschnellen Abfahrt voller Breaks gipfelt. Krönender Abschluss ist der feierliche Longtrack ‚The Rubicon’, welcher auf geschickte Art und Weise noch mal alle Stärken von THRESHOLD in einem Track aufzeigt.
„March Of Progress“ hat demnach die kühnsten Hoffnungen aller Fans noch übertroffen. Mit diesem Album setzen THRESHOLD sich selbst ein Denkmal. Hier gibt es ganz großes Kino über die volle Distanz. Gekonnt gelingt der Spagat zwischen unwiderstehlicher Eingängigkeit und unaufdringlicher Komplexität, durch die der Hörer immer wieder Neues auf diesem Wunderwerk entdecken kann. Es muss ja fast schon nicht mehr erwähnt werden, dass die melodischen Duelle zwischen Keyboarder Richard West und den Gitarristen Karl Groom und Pete Morten zwar in jedem Track, aber stets absolut songdienlich zum Einsatz kommen. Genauso ist man es von THRESHOLD bereits gewohnt, dass Karl Groom und Richard West dem eigenen Schaffen soundtechnisch genau den Raum geben, den dieses zum Atmen und Wachsen braucht. Auch dabei hat man sich auf dem neuen Opus ein weiteres Mal selbst übertroffen.
So kann es am Ende zu keiner anderen als der folgenden Einschätzung kommen. „March Of Progress“ ist einer der heiĂźesten Anwärter auf das Album des Jahres. Und das nicht nur im eigenen Genre. Mal ganz ehrlich: Kann es denn ein größeres Kompliment fĂĽr eine Prog-Band geben…?!
Eben!
6/6 Punkten
Thomas
KAMIKAZE KINGS – THE LAW
Frontsau Elmo Kamikaze wird uns von der PR-Abteilung als eine Mischung aus „The Rock“ und „Rob Halford“ angedient. Zum Glück geistert die Frage, welche Zielgruppe dieser Nonsens wohl ansprechen soll nicht sonderlich lange im Kopf herum. Denn dazu zieht einen der kernige und gut gelaunte Hard Rock der Newcomer aus Berlin viel zu schnell in seinen Bann.
Die KAMIKAZE KINGS feuern uns mit ihrem Debüt „The Law“ eine kraftvoll-räudige Rockkeule um die Ohren, die uns umgehend auf die Bretter schickt. Stilistisch bewegt man sich unweit legendärer Acts wie MÖTLEY CRÜE oder auch TWISTED SISTER (der Vergleich mit STEEL PANTHER hingegen ist allenfalls optisch nachvollziehbar), kann aber erfreulicherweise auch eigenständige Trademarks vorweisen. So ist es insbesondere der charismatische Gesang von Elmo, der die Kings vom Gros der Konkurrenz abhebt. Denn der muskelbepackte Wrestlingfan gefällt mit einem rauen Organ, welches auf nervig hohes Gekreische verzichtet und lieber unten rum für genug Druck sorgt. Das an sich ist schon sehr angenehm, aber auch musikalisch machen die KAMIKAZE KINGS wenig bis gar nichts falsch.
Während der Opener ‚Burn Baby Burn’ zwar dynamisch, doch leider auch etwas beliebig aus den Boxen dröhnt, wissen der Quasi-Titeltrack ‚I Am The Law’, die Mitsinggranate ‚Boys’n’Men’, das doomige ‚Bible Black’ oder auch das flotte ‚Boneshaker Boogie’ wesentlich mehr zu begeistern. Zudem gefallen auch die bluesigen ‚Too Late’ und ‚Hard Times’ in besonderem Maße. Im Übrigen gibt es launigen Hard Rock in all seinen Facetten auf die Lauscher. Und auch wenn die Produktion der Scheibe nicht zur Gänze höchsten Ansprüchen genügen kann, so bringen die Hauptstädter ihr Rockfeeling derart überzeugend an den Mann, dass der Hörer sofort von einer fetten Bier- und Partystimmung ergriffen wird. Da das Ganze schon aus der Konserve derart gut funktioniert, möchte man sich kaum ausmalen wie hier live die Luzie abgeht.
Lasst Euch von den schrägen Bandfotos nicht abschrecken: „The Law“ ist ein gelungenes Hard Rock-Album mit Eiern und einem sehr hohen Unterhaltungswert. Diese Berliner Straßenköter werden uns auch in Zukunft noch aufmischen. Ganz bestimmt.
5/6
Thomas





