Varg – Guten Tag

Posted by Samir On Oktober - 9 - 2012

VARG_Guten Tag_Cover_high resVarg polarisieren! Was sich schon während der vergangenen Alben “Blutaar” (2010) und “Wolfskult” (2011) um die Band abspielte, wird sich auch bei dem neuen Werk “Guten Tag” nicht ändern. Doch kann das Varg nur Recht sein, wuchs ihre Fanbase trotz oder wegen dieser Diskussionen um ihre Band stetig weiter und bildet zur Zeit eine der treusten und aktivsten im deutschen Metalbereich. Dies ist nicht zuletzt an der Chartplatzierung 33 ihres letzten Albums zu sehen. Somit liegen aber auch hohe Erwartungen an das neue Album.

Mit “Willkommen”, dem sehr gut gemachten Intro, und “Guten Tag” wird der Hörer gleich doppelt begrĂĽĂźt und die Coburger legen von Anfang an mit Vollgas los. Das Lied vereint EinflĂĽsse aus dem Deutschrock und Death Metal mit einer Spur modernem Metal und bildet einen gelungenen Einstieg in das Album. Abgerundet wird das Ganze durch ein sehr gutes Solo, dass ich so nicht auf dem Album vermutet hätte. Auch lyrisch gefällt das Lied, behandelt es nicht die typischen Helden-, Kriegs- und Blutgeschichten, die man sonst von Varg und anderen Vertretern des Viking Metals kennt.

Doch die auftretende Euphorie wird mit “Frei wie der Wind” gleich wieder getrĂĽbt. Erinnert der Titel schon sehr stark an Saltatio Mortis, so ist das Lied eine Zusammenstellung verschiedener Elemente von Mittelalter und Pagan Bands. Das gab es schon tausendmal zuvor in besserer AusfĂĽhrung und ist damit absolut ĂĽberflĂĽssig.

“Was nicht darf” bildet anschlieĂźend die nächste Kopie, diesmal ist Rammstein an der Reihe. Der Song bedient sich an sämtlichen Elementen der Neuen Deutsche Härte und wirft die Frage auf, warum Varg es nötig haben die erfolgreichste Band Deutschlands so nachzumachen. Einzig und allein die Lyrics retten das Lied etwas, behandeln sie doch auf recht eindeutige Weise die Misshandlungen innerhalb der Kirche.  Dieser Song und auch das folgende “Blut und Feuer” erinnern stellenweise an die Zweitband des Bassisten und Songwriters Managarm, Sintech und deren letztes Album. Doch leider haben Sintech diese Lieder auf “Schlampenfeuer” wesentlich besser umgesetzt.

Den Fans wird AnschlieĂźend mit “Angriff” nun ein typischer Varg Song serviert, inklusive oben erwähnter, platter Lyrics. Mit “Horizont” gelingt dem FĂĽnfer ein erneute Steigerung. Angefangen mit Crematory- ähnlichen Vocals, gipfelt das Lied in einen beschwingten Mitgröl- Song, der live bestimmt sehr gut ankommen wird.

Doch folgen darauf erneut Songs, die man so nicht braucht. “A Thousand Eyes” ist ein absoluter Korpiklaani-, und “Wieder verloren” ein In Extremo Abklatsch. Innovation ist hier absolut keine vorhanden.

“Gedanke und Erinnerung” und “Anti” bedienen nochmals alle Varg Fans mit Viking Kost, wohingegen “Leben” den Weg des Titeltracks weitergeht. Dabei ist der Grundgedanke richtig, nur erinnert das Riff der Strophe zu sehr an “Guten Tag”.

Doch nachdem eher durchwachsenen GroĂźteil des Albums packen die Wölfe zum Schluss nochmal ein Highlight aus. “Apokalypse” fährt mit einem fetten Riff auf, dass Endzeitstimmung aufkommen lässt und durch drĂĽckenden Gesang unterstĂĽtzt wird.

Produktionstechnisch liefern Varg ihr bisher mit Abstand bestes Werk ab. Was AndrĂ© Hofmann in seinem ForteFortissiomo Studio gezaubert hat, ist absolut erstklassig. In den stampfenden Liedern wie “Apokalypse” ist der Sound drĂĽckend und an den richtigen Stellen glasklar. Auch ruhige Passagen werden bestens in Szene gesetzt und somit braucht sich die Produktion vor keinem der groĂźen Studios zu verstecken.

Fazit: Varg versuchen auf dem neuen Album neue Wege zu gehen. Das ist grundsätzlich positiv zu sehen, doch bedienen sie sich hierbei zu sehr an verschiedenen Genres ohne wirklich eigene Innovationen einzubringen. Die eingefleischten Fans werden das Album dennoch kaufen und lieben. Allen Anderen, wie mir, bleiben immer noch die positiv erwähnten Songs und die absolut erstklassige Produktion, die das Album enorm aufwertet.

3/6 Punkten

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