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Archive for the ‘CD-Reviews’ Category

Review: Boon

Posted by Etienne On Oktober - 4 - 2018

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BOON

„The Beatles have their legendary „White Album“, Metallica their „Black Album“ and now BOON have their “Red Album”.“, sind die großen Worte, mit denen BOON ihre aktuelle Scheibe, welche bereits am 04.05.2018 erschien, in den Promo-Informationen anpreisen. Metal-Impressions hat einmal reingehört und geschaut, ob sie dem auch gerecht wird.

Direkt die ersten beiden Songs ,Rise and Fall´ und die erste Singleauskopplung ,Overdrive´ bieten zum Einstieg kompromisslosen Rock, der einen jeden zum mitwippen motivieren sollte. Mit ,Shrouded in Silence´ folgt jedoch schon kurz darauf ein eher emotional anmutender Titel, der die zuvor aufgebaute Headbang-Stimmung unterbricht. Das nachfolgende ,Bleeding Out For You´ ist geprägt von intensiven Gitarrenpassagen und groovigen Geschwindigkeitswechseln. Etwas aus der Reihe sticht ,Geh Weida´, welches mit dem Songtext im Wiener Dialekt eher experimentell wirkt und daher durchaus gewöhnungsbedürftig ist. ,Way Too Far´ kehrt wieder zur gewohnten englischen Sprache zurück, wirkt jedoch eher wie ein Fill-Element. Weiter geht es mit ,Open Eyes´, einem Feature mit AMADEA, das ebenfalls wieder emotionaler Töne anschlägt. Als Konter hierzu folgt nun das Brett ,Furious´, welches definitiv das dreckigste und rockigste Lied des „Red Albums“ ist. Der Song ,Red Alert´, der zuvor schon auf der gleichnamigen EP veröffentlicht wurde, bietet einen ähnlichen, aber leider nicht ganz so schmutzigen Sound. Der vorletzte und wieder ruhigere Titel ,Curious Times´ wirkt  hingegen wieder eher innovationslos und wie ein Lückenfüller. Den Abschluss bildet ,Stand Your Ground´, welches aber durch viele Speed- und Stilwechsel und die daher mangelnde Eingängigkeit leider wenig Ohrwurmqualität aufweist.

Fazit: Alles in allem ein sehr durchwachsenes Album, das immer wieder seine Höhen hat und mit hartem, dreckigen Rock überzeugt, wie man es von BOON gewohnt ist und andererseits ruhigere, fast wie Balladen anmutende Songs bietet. Das Zusammenspiel der Stimme des Sängers Wolfgang Pendl und der Gitarren überzeugt absolut. Auch in den ruhigeren Songs zeigt er immer wieder sein Können. Leider nehmen diese jedoch den Wind aus den Segeln der zuvor aufgebauten Power. Diese ständigen ups und downs sind eher anstrengend als entspannend. Insbesondere „Geh Weida“ zeigt die Experimentierfreudigkeit der Band, ist aber leider mehr ein witziger Gag, als international taugliche Rockmusik. Auch das Feature mit der mir unbekannten AMADEA stellt sich für mich als missglücktes Experiment dar, da die Idee an sich super ist, die Stimmen in überlagerten Passagen aber wenig zusammen passen. Leider für mich nicht das Beste ihrer Alben, welches aber im Großen und Ganzen überzeugt und in einer gut sortierten CD-Sammlung einen Platz verdient hat.

4 von 6 Punkten

Etienne

REVIEW: FORTY SHADES

Posted by Radu On Oktober - 4 - 2018

FORTY SHADES

BLACK STAR DIAMOND

Crematory dürften jedem ein Begriff sein; verbanden sie in den 90ern sowohl Metal- als auch Gothic Szene miteinander und hauen auch heute noch ihre Alben raus. Auch Seitenprojekte, die aus der Hauptband entstammen, sind kein Novum. 1995 wurde Century aus der Taufe gehoben, die eine leichtere, teils poppigere Version von Crematory war, nur mit durchgehend cleanem Gesang. Mit FORTY SHADES gibt es ein weiteres Projekt, gegründet vom Sänger und Gitarristen Tosse Basler. Poppig und leicht geht es jedoch nicht zu, wie man dem Album schnell anhören wird.

Stilistisch geht es relativ bunt zu; mal progressiv, mal dynamisch und an einigen Stellen spuckt man sogar über die Power Metal Grenze drüber. Über die Stimme muss man keine großen Worte verlieren und auch die Professionalität an den Instrumenten ist hier selbstverständlich. Auch die Bandbreite deckt einen großen Umfang ab, so dass die Voraussetzungen gut für einen Dauerbrenner stehen. Auch wenn jeder Song an sich gut ist und auch das Album locker am Stück funktioniert, fehlt mir der Kick, der die Songs ins Langzeitgedächtnis katapultiert. Gerade die schnelleren Parts, epische Keyboardpassagen oder griffige Midtempo Riffs packen einen, sind aber viel zu weit auf unterschiedlichen Songs verteilt. Auch die Tatsache, gleich 5 Schmusenummern (oder Halbballaden) auf das Album zu packen, ist schon was für Genießer. So verpufft großes Potential an dem eigenen Anspruch, etwas ganz Großes zu erschaffen. Etwas mehr Lässigkeit und geballte Abwechslung innerhalb der Songs hätten der Scheibe gut getan; gute Qualität, die aber ohne Wiedererkennungswert in der Versenkung verschwindet.

Fazit: Wem Crematory zu hart, und Century zu soft waren, könnte mit FORTY SHADES glücklich werden. Fans der Band sollten grundsätzlich ein Ohr riskieren und entdecken vielleicht eine Perle, die sich mir auch nach mehreren Durchläufen leider nicht erschließen wollte.

3 von 3 Punkten

Radu

REVIEW: BEHEMOTH

Posted by Samir On Oktober - 2 - 2018

behemoth

I Loved You At Your Darkest

„The Satanist“ aus dem Jahre 2014 stellt für viele Metal-Fans eines der besten Alben der letzten Jahre dar. BEHEMOTH schafften es nach überstandener Krankheit von Frontmann Nergal ein durchgehend organisches und nahezu makelloses Werk abzuliefern, das im Anschluss ausgiebig live präsentiert wurde. Auch ansonsten lagen die Polen seitdem nicht unbedingt auf der faulen Haut und besonders Nergal erfreute die Fans in Form von ME AND THAT MAN mit einem wunderbaren Ausflug in Neo-Folk-Gefilde. Trotz aller Aktivitäten lechzen die Fans jedoch schon seit einiger Zeit nach neuem Material des Trios und kriegen nun mit „I Loved You At Your Darkest“ erneut einiges auf die Ohren. Doch gelingt hier erneut der große Wurf oder erwartet uns lediglich eine aufgewärmte Version des vorherigen Meisterwerks?

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REVIEW: VREID

Posted by Samir On Oktober - 1 - 2018

vreid

Lifehunger

Durch stete Qualität haben es VREID in 14 Jahren Bandgeschichte nach und nach geschafft aus dem Schatten WINDIRs, einstige Kultband und vorherige Truppe von Bassist und Bandkopf Hváll, Drummer Steingrim und Sänger Sture, zu treten und sich als feste Größe der Schwarzmetallszene zu etablieren. „Lifehunger“ stellt hierbei das mittlerweile achte Album dar und führt den Weg der Norweger konsequent fort.

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REVIEW: ABORTED

Posted by Samir On Oktober - 1 - 2018

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TerrorVision

Seit ihrer Gründung im Jahr 1995 mussten ABORTED stetig mit Wechsel im Line-Up kämpfen und können eine Liste von über 20 ehemaligen Mitmusikern vorweisen. Stetigkeit sieht bei weitem anders aus. Dennoch werden in einer angenehmen Regelmäßigkeit durchaus hochwertige Alben vorgelegt. Doch kann man das auch vom neusten Werk „TerrorVision“ behaupten?

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REVIEW: LORD OF THE LOST “THORNSTAR”

Posted by Andrea On September - 13 - 2018

38437690_10155688404296659_5419823882271981568_nAm 3. August 2018 ist das neue Album “Thornstar“ der Dark Rocker LORD OF THE LOST erschienen.  Nachdem sich LORD OF THE LOST mittlerweile mehr als eine Dekade lang in der Szene halten und sich mit ihren Werken immer wieder selbst ĂĽbertreffen und neu erfinden, folgte nunmehr der nächste groĂźe Coup. Das 8. Studioalbum der Lords hat das Licht der Welt erblickt. „Thornstar“ handelt von der mythischen Welt Pangaen und startet sofort mit einem Feuerwerk an Musik, welches eine sehr schöne Einstimmung auf ein groĂźes Meisterwerk ist. Der eingängige Sound von `On this rock I will build my church´ lädt ordentlich zum Abrocken  ein. Industrial-Rock vom Feinsten dieses StĂĽck, was ja aber auch die Lords ausmacht. Melodiöse Refrains, umzingelt von u.a. blechernd schepperndem Keyboard-Sound. Einfach gut gemacht. Dieses Album versteht sich als Konzeptalbum, zu dem nicht nur die Musik, sondern auch eine 22-seitige, gut recherchierte Hintergrundstory gehört. Diese steht zum Download auf der Website von LORD OF THE LOST zur VerfĂĽgung und sollte neben dem Hören des Albums, zum Verstehen des selbigen gelesen werden. AuĂźerdem gibt es groĂźartige Zeichnungen, die das Album ergänzen. Chris Harms Stimme – so unverkennbar-  trägt maĂźgeblich zur dunklen Stimmung, die solch alten Göttergeschichten anhaftet, bei.  Auf diesem Album sind groĂźe Melodien und Songs mit besten Ohrwurm-Qualitäten vorhanden. Je öfter man es hört, desto mehr Facetten erkennt man in diesen wunderbaren Melodien. Nicht umsonst ist „Thornstar“ auf Platz 6 der deutschen Charts eingestiegen. Man darf nun gespannt sein, wie die Umsetzung des Konzepts auf den BĂĽhnen Deutschlands und Europas gelingen wird. Dieses Album muss man einfach hören und lieben. Es ist eine sehr gelungene Mischung aus Industrial, Dark Rock und Metal. Unsere Anspieltipps: `On This Rock I Will Build My Church´, `The Mortarian´ oder aber `In Our Hands´. Alles in allem kommt “Thornstar” mächtig stampfend daher und trägt viel Power in sich.

Tracklist:

Disk 1

  1. On This Rock I Will Build My Church
  2. Loreley
  3. Black Halo
  4. In Our Hands
  5. Morgana
  6. Haythor
  7. Naxxar
  8. Cut Me Out
  9. The Mortarian
  10. Under The Sun
  11. In Darkness, In Light
  12. Forevermore
  13. Ruins

Disk 2

  1. Abracadabra (feat. Dero Goi)
  2. Voodoo Doll
  3. The Art Of Love
  4. Lily Of The Vale
  5. Penta
  6. Free Radicals
  7. Live Pray Die Repeat

Punkte fĂĽr dieses Album: 5/6

REVIEW: BENIGHTED

Posted by Radu On September - 7 - 2018

NECROBREED

Necrobreed

Frankreich: Heimat des Weins, Kultur und Grindcore. Moment mal, Grindcore? Ja tatsächlich, den auf dem diesjährigen Party San Festival sorgten die durchgeknallten Franzosen von BENIGHTED für offene Münder und staunende Gesichter. Grund genug, um sich einmal die aktuelle Schlachtplatte „Necrobreed“ näher anzuhören.

Das Intro `Hush Little Baby` stimmt schon gut auf den Geschmack eines soziopathischen Serienkillers ein, ehe `Reptilian` die Hütte abreisst- und zwar wörtlich! 200 Beats pro Minute, herrlich krankes Pigscream- und Tieftongeröchel plus Midtempo Grooves, der den Nacken bereits nach einem Durchlauf krankenhausreif prügelt. OK, im Death-/Grind Sektor klingt meistens alles gleich und man hat kaum Wiedererkennungswert. BENIGHTED machen sich das zunutze und garnieren ihre Prügelorgie mit kleinen Zwischenspielen (inklusive Klavier), haufenweise fetten Groovebreaks und mal eben drei Sprachen (deutsch, englisch und französisch). „Der Doppelgänger“ besticht durch seinen Mitshout Flair, während alleine schon das Zusammenspiel von Schlagzeug und Gitarren bei `Versipellis ` sämtliche Hirnzellen beim ersten Durchlauf schmelzen lässt. Der Titeltrack ist eine typische Spaßnummer (`Necrobreeeeeeed`), der sich genau wie Dying Fetus` KYMRYD` ins Langzeitgedächtnis grindet. Meine persönliche Lieblingsnummer `Cum With Disgust` ist eine Mischung aus Rotz und Dauerfeuer, wobei man den Refrain tatsächlich jedesmal erneut inbrünstig mitschreien kann, ohne den Spaß daran zu verlieren. `Mass Grave `hätte auch von Anaal Nathrakh geschrieben worden sein können; irre und gleichzeitig finster. Wer sich die Digipack Version des Albums holt, wird zusätzlich mit einer Coverversion von Sepultura (`Biotech Is Godzilla`- nett gemacht) und Marduk (`Christraping Black Metal`- wie das Original, nur schneller). Man muss für diese Art von Death Grind Musik ausgelegt sein, ansonsten macht es einem weder Spaß und ist anstrengend. Wer einen makabren Humor besitzt, sich mal wieder amtlich verdreschen lassen möchte und einfach mal alle mentalen Hebel auf maximum fahren möchte, sollte sich das Teil sofort bestellen.

Fazit: BENIGHTED haben mein Verständnis von Death- Grind auf eine neue Ebene geholt. Man kann ein abwechslungsreiches Knüppelalbum (inklusive großem Spaßfaktor) und gleichzeitig ein finsteres Album erschaffen. Die kranken Gesangslinien, Breakdowns und Grooveparts, sowie das herrlich perverse Schlagzeugspiel sind der beste Beweis, wie man es richtig macht. Besser geht es nur, wenn man die Jungs mal live erlebt hat. Knüppelfreunde, ihr habt eine neue Referenzscheibe!

5 von 6 Punkten

Radu

Review: HOPELEZZ

Posted by Samir On August - 20 - 2018

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Stories Of A War Long Forgotten

Mit ihrem 2016er Werk „Sent To Destroy“(Review hier) präsentierten HOPELEZZ in neuer Besetzung ihren Wandel vom melodischen Death Metal hin zum modernen Thrash  á la MACHINE HEAD und konnten im Anschluss durch zahlreiche Konzerte und Festivalshows ihre Fanbase weiter ausbauen. Auch Massacre Records wurde dadurch auf die Wuppertaler aufmerksam und nahm das Quartett unter Vertrag. „Stories Of A War Long Forgotten“ stellt somit die erste Veröffentlichung unter neuer Labelheimat und zugleich das erste Konzeptalbum der Bandgeschichte dar.

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REVIEW: QUEEN OF TIME

Posted by Ulli On Juli - 26 - 2018

amorphis-queen-of-time-coverDass die Erwartungen an ein neues Album vom AMORPHIS recht hoch gesetzt werden würde, ist nach den starken Vorgängeralben kein Wunder. Und ebenso ist es kein Wunder, dass AMORPHIS diesen Erwartungen meisterhaft gerecht werden. Schließlich haben die Finnen seit über einem Vierteljahrhundert ihren Platz auf den vorderen Rängen der Metal-Elite redlich erarbeitet und spielen seit Jahren auf namhaften internationalen Festivals in Headliner-Position. Stets schaffen es die Mannen um Tomi Joutsen noch eine Schippe auf den Vorgänger draufzulegen. Auch bei ihrem neusten Werk „Queen Of Time“? Ja, das können sie! Zum ersten Mal in der Bandhistorie arbeitet die Band bei der Produktion des neuen Albums mit Orchester und Chor. Diese werden jedoch so gekonnt ins Songwriting integriert, dass „Queen Of Time“ zu keiner Zeit überladen wirkt.

Schon der Album-Opener „The Bee“ wartet mit elfenhaftem Frauengesang auf, der perfekt mit Tomis Growls harmoniert. Auch die choralen Elemente ergeben eine neue Sound-Dimension im Songwriting, wobei die Melodieführung nach wie vor auf dem harmonisch-melodiösen Gitarrenspiel Esa Holopainens liegt. Der zweite Track „Message In The Amber“ schließt nahtlos an die Energie des Openers an und reitet auf einer wundervollen nordischen Melodie vom Galopp in die Mid-Tempo-Strophe, in der Tomi Joutsen vorerst sanfte Töne anschlägt, bevor er mit Growls wieder volle Fahrt in den eingängigen Refrain aufnimmt! Der erste Ohrwurm beginnt schon in den Gehörgängen zu nagen, aber bei AMORPHIS bleiben diese Tierchen seltenst lange allein. „Daughter Of Hate“ wartet mit einem musikalischen Ideenreichtum auf, aus dem manch andere Bands ein ganzes Album gestalten würden. Auch das Saxophon-Solo wirkt in dem metallischen Umfeld keineswegs deplatziert, schließlich ist es auch nicht das erste Mal, das AMORPHIS diesem Instrument eine Rolle auf einem Track gewähren. Orientalische Melodiegefüge finden sich auf „The Golden Elk“ wieder. Wem hier noch kein „Ohrgasmus“ die Gehörgänge füllt, dem ist leider nicht mehr zu helfen. Außer vielleicht bei „Wrong Direction“, einem Track, der geradezu nach Single-Auskopplung schreien würde, wenn er nicht so so selbstsicher und bodenständig auf spielerische Art und Weise die Genialität der Finnen untermalen würde. „Heart Of The Giant“ lässt es erst einmal langsam angehen, nimmt dann aber mit der nächsten ohrwurmverdächtigen Melodie Fahrt auf um auf dem richtigen Headbang-Tempo Rhythmusspiele für die Nackenmuskulatur bei einer Live-Darbietung zu sorgen. Folklastige Klänge erwarten bei „We Accursed“, während „Grain Of Sand“ nur ein wenig an Tempo zurück nimmt und wieder orientalische Melodiezüge aufgreift. Zu „Amongst Stars“ wird Tomi Joutsen von niemand Geringerem als der fabelhaften Anneke van Giersbergen (ehemals THE GATHERING) unterstützt. Ihre zauberhafte Stimme liefert die ihr eigene Symbiose aus Kraft und Leichtigkeit und harmoniert perfekt zu Tomis Gesang und Growls. Jedoch ist Anneke nicht die die einzige Gastmusikerin auf dem Album, auch ELUVEITIE-Frontmann Chrigel Glanzmann wurde dazu verpflichtet, als Flötenspieler auf „Queen Of Time“ zu glänzen. Abschließend zeigen die Finnen bei „Pures Of The Coast“ noch einmal eindrucksvoll, auf welch hohem Niveau sie sich songwriterisch bewegen und ziehen nochmal alle Register.

Wahrlich, mit „Queen Of Times“ haben sich AMORPHIS wieder selbst ĂĽbertroffen und sind sich doch treu geblieben. Es ist schwer, ein absolutes Highlight auszumachen, da sich das gesamte Album auf einem so hohen Niveau bewegt, dass man sich fragt, was wohl noch folgen mag? Garantiert wieder ein Hochkaräter – aber nun gilt es erst einmal, die neuen Songs live zu zelebrieren, etwa auf dem Wacken Open Air. Eine ausgedehnte Europa-Tournee mit SOILWORK steht fĂĽr den Jahresbeginn 2019 an – ein Muss fĂĽr jeden Fan und Pflichttermin im neuen Konzertjahr!

6 von 6 Punkten

Ulli

REVIEW: DIE LETZTE AGONIE

Posted by Radu On Juli - 18 - 2018

ARKUUMWas macht ein Album zu etwas Besonderem? Man könnte sich über raffiniertes Songwriting freuen, über atemberaubende Spieltechniken oder auch an bombastischen Produktionen. ARKUUM backen hier kleinere Brötchen und setzen gleich auf zwei andere Herzstücke: Atmosphäre und Authentizität.

Satte drei Jahre mussten sich die Fans gedulden, um den Nachfolger von „Trostlos“ in den Player zu schieben. Ein erster Blick auf die Tracklist zeigt, dass man sich thematisch auf die fünf Sterbephasen eingespielt hat, was für eine atmosphärische Black Metal Band eigentlich eine Steilvorlage ist. Bereits die ersten Sekunden von `Verleugnung` entführt die Fans direkt nach hause, in das typische ARKUUM Wohnzimmer: cleane Gitarren, charismatische Riffs und eine dichte Atmosphäre. Dennoch fühlt es sich irgendwie auch etwas fremd an, was sich im Laufe der 10 minütigen Spielzeit auch bestätigen soll. Am Gesang gab es Veränderung und auch die Riffs sind extrem doomiger ausgefallen. Egal, mit `Zorn` bekommt man es zur Abwechslung schnell und hart im Intro, während sich die Riffs ebenfalls wiederholen. Betrachtet man es von der analytischen Songwriting Sicht, merkt man bereits jetzt, dass der Nachfolger von „Trostlos“ eine völlig andere Atmosphäre besitzt und dürfte den einen oder anderen Fan nachdenklich stimmen. Der Eindruck setzt sich mit `Verzweiflung` weiter fort, auf denen zwei Riffs zähflüssig zelebriert werden. Doom Fans werden aufhorchen, Black Metal Jünger könnten sich abwenden und Freunde atmosphärischer Musik bekommen hier sehr viel Diskussionsstoff.

Und genau hier liegt die eigentliche Bedeutung des Albums (tief) begraben: nachdem man sich einmal durch die Scheibe gearbeitet hat ist klar, dass man sich songtechnisch keinen technischen Höhenflug geleistet hat. Auch die Erwartungshaltung an die Fans wurde nicht erfüllt und man fragt sich, welche Daseinsberechtigung die Platte hat. Die Antwort ist so simpel wie effektiv: Kopf ausschalten und sich einfach fallen lassen, dann funktioniert die Platte nicht nur, sondern sie belohnt auch mit einer intensiven und schon fast intimen Atmosphäre. Besonders über Kopfhörer oder bei einer einsamen Autofahrt zündet spätestens `Akzeptanz` und beschert einen emotionalen Trip in die Abgründe menschlicher Ängste, der vom wärmenden Mantel des Unausweichlichen schon fast liebevoll erstickt wird. Wenn man einmal das Geheimnis der Platte ergründet hat und seine Zeit ganz der Musik widmet, spielt jeder Song seine Trümpfe aus und die (teils zähflüssige) Doom Atmosphäre unterstreicht das Nachdenkliche, dem wir uns selbst im Alltag nur teilweise widmen. Der Gedanke an den eigenen Tod übt eine erschreckende Wirkung auf uns aus und „Die Letzte Agonie“ ist ein hingebungsvoller Soundtrack, um sich dem Thema in einer persönlichen Stunde zu widmen. Für mich ist es genau das, was Black Metal ausmacht: Atmosphäre, keine Erwartungshaltung erfüllen und fernab jeglicher Konventionen sein Ding kompromisslos durch zu ziehen. Die Platte hatte viele Ecken und Kanten und belohnt nur diejenigen, die sich darauf einlassen. Wenn man sich darauf einlässt, bekommt man allerdings seine persönliche, auditive Nahtoderfahrung.

4 von 6 Punkten

Radu

Weitere Details zur Platte lest ihr in unserem INTERVIEW