Archive for the ‘CD-Reviews’ Category
KATATONIA-”Dead End Kings”
KATATONIA â âDead End Kingsâ
âGleichgĂŒltig thronend,
schĂŒchtern zerstörend,
mit Anmut herrschend,
sich im Gehirn windend.
Wenn Musik mit der Seele sanft verschmilzt
und den Geist ĂŒber jedes Fleisch erhebt, um
jede Dimension mit jenen KlĂ€ngen zu umspannen.â
Sebastian Radu GroĂ
Es gibt verschiedene Wege âDead End Kingsâ zu beschreiben und ungewöhnliche Alben erfordern ungewöhnliche Reviews. Wer KATATONIA bereits seit den Anfangstagen hört wird mir zustimmen, dass die musikalische Entwicklung einzigartig ist. Angefangen von der ersten EP, ĂŒber das Meisterwerk âDance Of December Soulsâ, das Grenzen auslotende âBrave Murder Dayâ, GroĂtaten wie âViva Emptinessâ, die bahnbrechende âGreat Cold Distanceâ oder die wegweisende âNight Is The New Dayâ. Ich hatte nach jedem Album das GefĂŒhl, dass die Jungs nun ihr Maximum an musikalischer KreativitĂ€t rausgeholt haben und doch hat sich die fleischgewordene Katatonie immer weiter entwickelt. Um so gespannter war ich auf âDed End Kingsâ, wobei allein der Albumname nicht passender hĂ€tte sein können.
Der Opener `The Parting` macht bereits im Vorfeld alles klar, denn Streicher beschwören gemeinsam mit Jonas` Stimme den Song herauf, der von Loopeffekten getragen wird, bis er explodiert. Die GĂ€nsehaut, die sich jetzt bereits einstellt, wird auch in den weiteren 10 StĂŒcken nicht verschwinden, allerdings werden die Songs auch unterschiedliche EindrĂŒcke hinterlassen. Hier die Quickversion der Songs: Silje Wergeland (The Gathering) beschert uns mit Jonas bei âThe One You Are Looking For Is Not Hereâ ein Gesangsduett, das den kompletten Song trĂ€gt und schweben lĂ€sst. Untermalt von Streichern und abgehackten Riffs wird die BrĂŒcke zwischen Ruhe und Melancholie gespannt. `Hypone` wird durch ein Piano durch den gesamten Song gefĂŒhrt, wĂ€hrend seine Umrisse abwechselnd neu erblĂŒhen und erneut in der Dunkelheit verschwinden. Bei âThe Racing Heartâ sinkt der Hörer endgĂŒltig auf die Knie, denn hier wurden die Magie von `Unfurl` zusammen mit den bedĂ€chtig voranschreitenden Momenten kombiniert, ohne in brachialen Riffs zu verfallen. `Buildings` zeigt auf, dass es weder in Sachen GĂ€nsehaut, noch beim LautstĂ€rkeregler zufrieden stellende Grenzen gibt. Brachial knallt ein Götterriff aus den Boxen, das alles um sich herum niederwirft, um sich selbst zum König zu krönen. Krasse Kontrastarbeit wird bei `Leech` geleistet, denn Pianoarrangement und wachsende Riffs dominieren den Song, bevor er mit Gitarrensoli und cleanen Riffs in ungeahnte Höhen klettert. `Ambitions` lĂ€sst den Hörer hinter jede menschliche Maske blicken, denn aus schĂŒchternder Introversion erwĂ€chst eine charismatische Kraft, die seinesgleichen sucht. Die AtmosphĂ€re der âFor Funerals To Comeâ EP wurde in das Jahr 2012 mit dem Song `Undo You` katapultiert. `Lethean` beschreibt den emotionalen Befreiungsschlag von allen menschlichen Ketten, dynamisch, selbstbewusst und auf eigene Weise stolz. Jonas wirft sich direkt in `First Prayer` hinein, der sĂ€mtliche Elemente KATATONIAS vereint, eingebettet in nachdenklichen Momenten, vorpreschenden Elementen, bis hin zu nackenbrechenden Moshriffs. Mit `Dead Letters` schlieĂt sich der Kreis, wobei augenzwinkernd das musikalische Level von âNight Is The New Dayâ weiterentwickelt wird.
Was hat sich insgesamt getan? Die Songs gehen sofort ins Ohr und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Allerdings ist das nur der oberflĂ€chliche Eindruck, denn erst nach mehrmaligen DurchlĂ€ufen begreift der Hörer erst die Songstruktur umfassend und findet sich in einer tieferen emotionalen Ebene wieder. Der erste Eindruck lockt zwar bereits, doch der volle Umfang erschlieĂt sich erst nach mehrmaligem und intensiven Durchhören. Zur WeiterfĂŒhrung des Sounds wurden Streicher, Piano und nicht zuletzt Gastmusiker (The Gathering) eingesetzt. Dadurch schaffen es KATATONIA ihre Musik vielschichtiger zu gestalten und den Hörer auf unterschiedlichen Weisen und Ebenen anzusprechen. Mittlerweile haben die Jungs einen musikalischen Level erreicht der es ihnen erlaubt, sĂ€mtliche menschlichen GefĂŒhle zu erkunden und zu vertonen. So VielfĂ€ltig wie die Emotionen, so tiefgrĂŒndig sind die Songs auf âDead End Kingsâ. Altbekannte Trademarks wie die zerbrechliche Stimme von Jonas, die innovative und gleichzeitig kraftvolle Gitarrenarbeit Blackheims, aber auch das stilĂŒbergreifende Schlagzeugspiel hilft Fans sich in den Songs zurechtzufinden.
Im Netz kursieren bereits die ersten Reviews mit unterschiedlichen Reaktionen und das ist auch gut so. Einige Fans dĂŒrften die Scheibe als zu weit entfernt von den Wurzeln empfinden, anderen dĂŒrfte es zu viele bekannte Elemente geben, das muss jeder fĂŒr sich entscheiden. Fakt ist, dass man âDead End Kingsâ weder mit anderen Bands oder Alben vergleichen, noch in eine stilistische Sparte schieben kann. Deshalb sind KATATONIA auch Leaders, not followers, denn nur so können auch Meilensteine wie das aktuelle Album entstehen. Sie versuchen erst gar nicht eine bestimmte Musikrichtung anzusteuern, sondern konzentrieren sich stattdessen auf das, was heutzutage leider viel zu selten geworden ist: das GefĂŒhl, wenn man die Augen schlieĂt und in Klangwelten komplett versinkt, um tief in GefĂŒhlswelten einzutauchen.
Fazit: KATATONIA haben mit âDead End Kingsâ mehr getan, als man erwarten kann. Die Songs umgarnen den Hörer bereits beim ersten Durchlauf, setzen sich nach einiger Zeit tief in den Hirnwindungen fest und explodieren dann, um den Blick auf sĂ€mtliche Emotionen freizugeben, die einem durch Musik vermittelt werden kann.
6/6 Punkten
Radu
LEVIATHAN “Beyond The Gates Of Imagination Pt. 1″
LEVIATHAN â âBeyond The Gates Of Imagination Pt. 1â
Seit 2007 gibt es die junge Melodic Death Formation LEVIATHAN aus Bonn nun und bereits ihre erste EP bescherte den Musikern einen Plattenvertrag mit âBret Hard Recordsâ. Mit âBeyond The Gates Of Imagination Pt. 1â wurde nun das erste Album veröffentlicht, bei dem das Mastering durch keinen Geringeren wie Waldemar Sorychta (MOONSPELL, ENEMY OF THE SUN) erfolgte. Man darf gespannt seinâŠ
Los gehtâs mit einem âPrologueâ, der zwar ĂŒberzeugen kann, jedoch mit gut drei Minuten etwas lang geraten ist. Kurzweiliger wird es ab den nĂ€chsten Songs, wo ordentlich geknĂŒppelt wird. Abwechslung wird hier durch liebliche Keyboard-KlĂ€nge und Akustikgitarren geschaffen. Gerade die akustischen Gitarrenmelodien stellen einen guten Kontrast zu den harten Riffs da, doch besteht hier, vor allem durch die Keys, die Gefahr ins Kitschige abzuschweifen. Und dieser rote Faden zieht sich durch das ganze Album: LEVIATHAN befinden sich auf âBeyond The Gates Of Imagination Pt. 1â immer knapp an der Kitschgrenze. Zwar schaffen sie es meist, wieder den Weg zurĂŒck in die hĂ€rteren Breitengrade zu finden, doch sei ihnen hiermit ans Herz gelegt, die synthetischen Keyboard-Sounds in Zukunft etwas sparsamer einzusetzen. Ein groĂes Plus gibt es dagegen fĂŒr die Drums und den Gesang, der meist ziemlich fies keifend, aber auch in Form aggressiver Growls aus den Boxen dröhnt.
Ein weiteres Plus, das LEVIATHAN sich verdient haben, ist die Abwechslung und die Vielfalt, die sie auf âBeyond The Gates Of Imagination Pt. 1â zeigen. Neben harten Riffs und donnernden Drums, finden sich auch mittelalterliche KlĂ€nge, wie beispielsweise bei den stark folkloristisch angehauchten StĂŒcken âServants Of The Nonexistentâ und âAbout Fangs And Feathersâ. Abwechslungsreich wird es auĂerdem bei âThe Scourge We Wieldâ, wo man sich weibliche Gastvocals hinzugeholt hat. Mit dem neunminĂŒtigen (!) letzten Song âSway Of The Starsâ findet das Album schlieĂlich einen Abschluss, wie er epischer kaum sein könnte.
Fazit: AbzĂŒge gibtâs fĂŒr die zu hĂ€ufig eingesetzten, recht kitschigen Synthie-Keys, aber sonst kann man LEVIATHAN hier nicht viel ankreiden. Mit âBeyond The Gates Of Imagination Pt. 1â ist den Bonnern ein abwechslungsreiches Werk gelungen, das die Grenzen des Melodic Death nicht ganz so eng fasst und auch mal ĂŒber den Tellerrand hinausschaut. Bestimmt nicht jedermanns Sache und gerade AnhĂ€nger des klassischen Melodic Death Metal könnten etwas brauchen, um mit LEVIATHAN warm zu werden. Wer jedoch offen fĂŒr Neues ist, der sollte dieser Scheibe auf jeden Fall seine Aufmerksamkeit gönnen.
4,5/6 Punkten
Anna
BATTUE “The Subliminal Fears”
BATTUE â “The Subliminal Fears”
BATTUE aus Norddeutschland bewegen sich musikalisch im Bereich des Death und Thrash Metal und legen mit “The Subliminal Fears” nun ihr zweites Album vor, das im MĂ€rz dieses Jahres via Ultimhate Records erschienen ist. Und was 2010 auf “Deathinfection” angefangen wurde, wird hier konsequent weitergefĂŒhrt und weiterentwickelt. Ihrem Stil sind BATTUE seit dem letzten Output treu geblieben, wohingegen in Sachen Songwriting deutliche Fortschritte zu erkennen sind. Die Niedersachsen wissen noch immer, wie man dem Hörer so richtig in den Arsch tritt, jedoch wirkt das âDrumherumâ durchdachter und vielseitiger als bisher.
Von melodisch bis hin zu geradlinig brutal ist auf “The Subliminal Fears” alles dabei. WĂ€hrend bei ‘Nuclear Death’ und ‘Facing Reality’ der Death-Anteil ĂŒberwiegt, liegt sonst der Fokus eher auf dem Thrash Metal. Doch Schubladendenken ist hier sowieso nicht angebracht. BATTUE zeigen auf “The Subliminal Fears”, wie wandelbar sie sind, wodurch jeder Song seine eigene Note bekommt und das Anhören des Albums zu einer wirklich kurzweiligen Sache wird.
Ein besonderes Kompliment geht auch an den Gesang, der perfekt auf das abgestimmt ist, was die Instrumentalfraktion liefert. Mal barbarisch grunzend, mal fies keifend, aber immer genau auf den Punkt.
Fazit: Mit “The Subliminal Fears” ist BATTUE ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter gelungen. Die Niedersachsen zeigen, dass sie sich in den letzten Jahren weiterentwickelt haben – und das in die genau richtige Richtung. Weiter so!
Tracklist:
1. Annihilation Anthem
2. Slaves Of Fate
3. Hallowed Souls
4. Highest Art Of Illusion
5. Beyond The Veil
6. Chaos (’til the end)
7. Modern Slavery
8. Nuclear Death
9. Blistered Mind
10. Facing Reality
11. You Are Dead Before You Die
5/6 Punkten
Anna
TO DIE FOR “Samsara”
TO DIE FOR ââSamsaraâ
Nach sechs Jahren und einer vollstĂ€ndigen Frischzellenkur im Bandkarussell (lediglich SĂ€nger Jape von Crow ist von der Urbesetzung am Start) melden sich TO DIE FOR mit ihrem aktuellen Longplayer zurĂŒck.
Das erste Lebenszeichen kracht in Form von âKissing The Flamesâ aus den Boxen, bei denen geschickt mit den 80ern, SISTERS OF MERCY und Gothic-Elementen jongliert wird. Ein super Start, bei dem die Finnen alle StĂ€rken ausspielen. Bereits beim zweiten Track wird die Handbremse gezogen und die Soundachterbahn pendelt sich irgendwo zwischen Melancholie und doomigen Gefilden ein und verliert dabei mĂ€chtig an Fahrt. Mit âCry For Loveâ bekommt man wieder die Kurve und zollt musikalisch und atmosphĂ€risch IGGY POP Tribut. Der Totalausfall der Platte folgt mit âDeath Comes In Marchâ: Hier sollte ein rein akustischer Titel fĂŒr schmerzerfĂŒllte Melancholie sorgen, was leider nicht geklappt hat. Zu ĂŒbertrieben und berechnend klingt das schwĂŒlstige und trĂ€nendurchtrĂ€nkte StĂŒck, bei dem ich zum ersten Mal seit der BandgrĂŒndung Zweifel an der QualitĂ€tsarbeit am Mikro habe. âFolie a Deuxâ schlĂ€gt leider in die gleiche Kerbe, wurde aber etwas entspannter angegangen, was wieder fĂŒr etwas AtmosphĂ€re sorgt. Zum GlĂŒck finden die Jungs mit âHail Of Bulletsâ wieder den Weg zum Gaspedal und so wird im Midtempo eine astreine Gothic/Metal-Nummer hingelegt. SpĂ€testens danach wird das Kochrezept leider weiter fortgefĂŒhrt und es folgen Wechsel zwischen griffigen Midtempo-Nummern und (mal mehr, mal weniger) schwachen balladesken Sounds, bei denen sich keine AtmosphĂ€re einstellen will und die zu schwĂŒlstig rĂŒberkommen.
Das Wechselspiel zwischen Höhen und Tiefen reiĂt den Schnitt leider runter, obwohl die Rahmenbedingungen eigentlich stimmen; kraftvoller Sound, eine gute Banderfahrung und auch das musikalische Können sind vorhanden. Auch das Coverartwork macht einiges her, um den Hörer zu locken, nur scheinen die neu zusammengewĂŒrfelten Finnen noch in der Selbstfindungsphase zu stecken.
Fazit: Ich wĂŒnsche den Jungs, dass sie beim nĂ€chsten Longplayer entspannter zu Werke gehen und sich nicht darauf konzentrieren, was vielleicht von ihnen erwartet wird. Sie sollten Ihre StĂ€rken weiter ausbauen und die langsamen Experimente eher einstreuen als auswalzen, dann finden sie auch zur alten StĂ€rke zurĂŒck und entwickeln sich hoffentlich weiter. Dieses Mal kratzt man leider am unteren Ende des Durchschnitts.
2,5/6 Punkten
Radu
DĂMMERFARBEN “Herbstpfad”
DĂMMERFARBEN â âHerbstpfadâ
Kaum ein Jahr ist es her seitdem der VorgĂ€nger das Licht der Welt erblickte. Mit âHerbstpfad” fĂŒhrt man hier das Konzept des Erstlings konsequent fort. Die akustischen Passagen wurden vertieft und bereits das Intro könnte glatt von einem Filmsoundtrack sein. Episch beginnt das Album, allerdings schleicht sich hier ein steriles GefĂŒhl ein. Obwohl die Zutaten des Erstlings alle prĂ€sent sind (variable Stimme, eingĂ€ngige Gitarrenmelodien, stimmige Tempowechsel) braucht man dieses Mal etwas mehr, um mit dem Songmaterial warm zu werden. Vergleiche zu EMPYRIUM fallen einem hier als erstes ein, was jedoch den eigenen Bandcharakter etwas in den Hintergrund rĂŒckt. Sobald man einmal im Soundgeflecht gefangen ist, stehen die Zeichen wieder auf grĂŒn und man kann sich wieder zurĂŒcklehnen und genieĂen.
EinfĂŒhlsame Melodien verleihen den Songs einiges an Tiefsinnigkeit und obwohl zwischendurch auch mal der Black Metal Kobold reinschaut, um sich mal kurz auszuschreien und zu knĂŒppeln, bleibt der Schwerpunkt auf Midtempo und Erhabenheit. Gerade im akustischen Bereich gibt man Vollgas: Cello, Percussion, weibliche Vocals – alles wird hier bis zum Anschlag kredenzt. AuĂerdem gibtÂŽs zwei vollstĂ€ndig instrumentale StĂŒcke, die jedem folkloristisch angehauchten Schwarzmetaller die FreudentrĂ€nen ins Gesicht treiben dĂŒrften. Mein persönlicher Höhepunkt ist der Abschluss des Albums âVintervisaâ, bei dem Emma Börling mit ihrem Gesang den Hörer in knapp fĂŒnf Minuten in eine Parallelwelt fĂŒhrt, voller BĂ€ume, Vögel und einem Sonnenuntergang, der den Hörer auf seinem Herbstpfad begleitet.
Fazit: Gute Scheibe fĂŒr Freunde des akustisch orientierten Schwarzmetalls. TiefgrĂŒndig und schillernd vielfĂ€ltig.
4,5/6 Punkten
Radu
HERETOIR “Substanz”
HERETOIR â âSubstanzâ
Bereits mit ihrem DebĂŒt-Album âHeretoirâ stieĂ die Band auf neugierige Ohren. Nach einigen Liveauftritten (u.a. mit ALCEST und LES DISCRETS) ging es an die Wiederveröffentlichung alter Tracks, der âExistenzâ EP und einigen Bonustracks. Herausgekommen ist dabei eine weitere Perle fĂŒr alle avantgardistischen Black Metal Fetischisten.
Gleich zu Beginn stellen HERETOIR den Hörer auf eine Geduldsprobe und trennen auf ihre Art die Spreu vom Weizen. OberflĂ€chliche Hörer stempeln den ersten Eindruck als 08/15 Black Metal ab, wĂ€hrend man sich bei genauerem Hinhören innerhalb weniger Sekunden in dem hypnotischen Songgeflecht von âErwachen im Dunkelâ verliert. Die dreckige Produktion ist bewusst gewĂ€hlt und verleiht der Melancholie einen guten Schwung HĂ€rte. Zwischendurch wird sich auch mal in einen Song reingeblastet, um den Hörer aus einer vertrĂ€umten AtmosphĂ€re herauszureiĂen und die Matte zum Kreisen zu bringen. Am Mikro gibt es alles, was das Herz begehrt: krankes Geschrei, mystisches FlĂŒstern, aber auch richtig geilen GĂ€nsehautgesang. Verteilt auf zwei CDs macht die Compilation auch vom Umfang einiges her, wobei auch auf die Stimmigkeit geachtet wurde: Auf der ersten Scheibe gehtÂŽs rĂ€udiger zur Sache, wĂ€hrend man bei dem zweiten Silberling auf eine saubere Produktion gesetzt hat.
Die Musik erschlieĂt sich bereits beim ersten Durchhören, entfaltet ihre Wirkung allerdings gerade bei mehrmaligem Hören. SpĂ€testens nach dem zweiten Durchlauf bemerkt man die Mischung aus GĂ€nsehaut, Aggression und Melancholie und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hypnotische Gitarrenmelodien, rabiates Hasenfick-Drumming, Schreie und gesprochene Passagen, aber auch erhabene Momente geben sich hier die Klinke in die Hand. Jeder Song fĂŒr sich ist Stimmung, aber HERETOIR beherrschen zusĂ€tzlich die Kunst auf den Gesamteindruck zu achten und der ist einfach nur grandios. Die aktuelle Scheibe ist ein Bastard aus ULVER und KATATONIA, der mit einem eigenen Herzschlag aufwarten kann und somit absoluter Pflichtkauf ist. Anspieltipps sind von der Laune des Zuhörers abhĂ€ngig, aber hier wird definitiv jeder bedient. Freunde der vorher genannten Bands sollten einfach nur den Song `Aura` antesten, der fĂŒr sich alleine schon Grund genug ist, sich diese Scheibe zuzulegen.
Fazit: Was bereits beim DebĂŒt-Album angedeutet wurde, verfestigt sich in dem aktuellen Output. HERETOIR stehen fĂŒr mich ab sofort fĂŒr emotionalen und genreĂŒbergreifenden Metal der eigenen Sorte. In ihrer Musik spiegeln sich viele Facetten des Lebens wider und die Jungs konzentrieren sich auf das, was bei den meisten Outputs leider fehlt: das GefĂŒhl, das man bei der Musik verspĂŒren kann, in seiner eigenen Welt versunken und sich seiner âExistenzâ bewusst werden.
6/6 Punkten
Radu
DORO “Under My Skin”
DORO â âUnder My Skin (A Fine Selection Of Doro Classics)â
Ăber DORO viele Worte zu verlieren wĂ€re so sinnvoll, wie einem Gitarristen das Trompetenspielen beizubringen. Seit den 80ern mischt sie die Metalszene auf und gestaltet sie mit; anfĂ€nglich mit WARLOCK, spĂ€ter dann auf Solopfaden. Jetzt folgt der Rundumschlag mit einer Best Of Collection im edlen Digipack, wobei auf zwei Silberlinge ganze 32 Tracks gebannt wurden.
Inwieweit dieser Output sinnvoll ist, muss jeder fĂŒr sich entscheiden, denn entweder besitzt der Sammler bereits alles von DORO, oder er kauft sich die Scheiben nach. InhaltsmĂ€Ăig stehen die WARLOCK-Phase und die 90er Jahre eher hinten an und man konzentriert sich auf die jĂŒngere Solokarriere der Rockröhre. Einige Tracks wurden mit dem Classic Night Orchestra neu eingespielt, um etwas WĂŒrze in die Compilation hineinzubringen. AuĂerdem gibt es Videos zu den StĂŒcken âWarrior Soulâ, âLet Love Rain On Meâ und âHerzblutâ, was besonders den Die Hard Fans zugute kommen dĂŒrfte. Andere Gimmicks (fettes Booklet, Flagge und Armband) gibtÂŽs bei der Collectors Edition oben drauf und insgesamt wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet.
Die Songs sind allesamt stimmig und bilden einen guten Querschnitt des 30-jĂ€hrigen Schaffens von DORO. Zwar sind die Titel bereits alle in irgendeiner Form veröffentlicht worden, aber sowohl Die Hard Fans, als auch Sammler dĂŒrften mit der Best-Of-Veröffentlichung gut bedient werden.
-ohne Wertung-
Radu
NILE “At The Gate Of Sethu”
NILE â âAt The Gate Of Sethuâ
Ein dĂŒsteres Intro, wie man es von Nile gewohnt ist, ertönt aus den Boxen und lĂ€sst die Spannung ins unermessliche steigen. Dann geht es auch schon los: Das erste Riff, untermalt von flotter Doublebass, ertönt, um nach kurzer Zeit in ein Blastbeatinferno zu mĂŒnden. Alles klar, NILE sind wieder da, und mein Grinsen im Gesicht ebenso. Ich lasse den ersten Song, ÂŽEnduring The Eternal Molestation Of FlameÂŽ, auf mich einwirken.
Extrem abwechslungsreiches Drumming, viele Tempowechsel und trotzdem immer nachvollziehbar und eingĂ€ngig. Dieses Niveau wird auf dem ganzen Album problemlos gehalten. Was die drei Ăgyptologen an ihren Instrumenten abziehen, ist einfach der schiere Wahnsinn, und George Kollias haut dem Hörer im Minutentakt Fills und Breaks um die Ohren, bis auch dem Letzten schwindelig wird.
AuffĂ€llig ist auch die Weiterentwicklung im sehr abwechslungsreichen Gesang. Hier wird gegrowlt, gekeift und teilweise richtig fies geschrien, was das Ganz nochmals auf ein neues Level bringt. ErwĂ€hnenswert ist auf jeden Fall noch die Produktion, die sehr basisch daherkommt. Die Gitarren sind ziemlich roh und trotzdem stets klar definiert zu hören. Fast ein Novum im extremen Sektor heutzutage sind die Drums ohne Trigger, was der abwechslungsreichen Spielweise von Mr. Kollias sehr zu Gute kommt. Man hört jede einzelne Nuance und alles wirkt viel lebendiger als die gĂ€ngigen Plastik-Computer Produktionen der meisten Bands. Ich hoffe, das macht Schule und andere Musiker lassen sich davon beeinflussen. Die Aufmachung ist wie gewohnt sehr gut. Es gibt zu jedem Song neben dem Text noch sehr ausfĂŒhrliche Liner Notes, die das das Paket perfekt abrunden.
Also mein Fazit: Bestes NILE-Album neben der âAnnihilation of the Wickedâ und absoluter Pflichtkauf. Volle Punktzahl!
6/6Â Punkten
Christian
ADRENALINE MOB “Omerta”
So verschieden der musikalische Background von Russel Allen (SYMPHONY X), Mike Portnoy (Ex-DREAM THEATER), Rich Ward (STUCK MOJO) und John Moyer (DISTURBED) auch ist, eines haben sie zweifelsohne gemeinsam: Sie sind allesamt herausragende Musiker und Songwriter. Passend zu diesem Umstand teilen die genannten Herren seit letztem Jahr noch eine ganz konkrete Gemeinsamkeit. Die Rede ist natĂŒrlich von ihrem musikalischen Projekt ADRENALINE MOB.
Nachdem man bereits eine selbstbetitelte 5-Track-EP auf die Menschheit losgelassen hatte, legt man in diesem FrĂŒhjahr mit dem Longplayer âOmertaâ erstmals die volle Distanz zurĂŒck. Hierbei fĂŒhrt das DebĂŒtalbum den letztjĂ€hrig eingeschlagenen Weg eindrucksvoll fort. Ein weiteres Mal verbindet man die besten Elemente aus progressiven und neumodischen Metalbereichen. Erstgenannten wird vor allem durch Russel Allenâs tolle Stimme Tribut gezollt, welche den den Zweitgenannten entspringenden Grooves und fetten Riffs Tiefgang, GefĂŒhl und Seele zu verleihen mag. Die nicht ganz alltĂ€gliche Mischung bringt 11 dynamische Perlen hervor, von denen aber ganze vier StĂŒck schon von der EP bekannt sind.
Besondere ErwĂ€hnung verdienen neben den nach wie vor bĂ€renstarken EP-Songs der Opener âUndauntedâ, der mit dem ungewohnt kehligen Gesang von Herrn Allen verblĂŒfft, das treibende âIndifferentâ mit seinen HitsinglequalitĂ€ten sowie das abschlieĂende, kraftvoll-pumpende âFreight Trainâ. Mittendrin kann sich auch das leicht melancholische DURAN DURAN-Cover âCome Undoneâ mit krĂ€ftigem weiblichen Gastgesang von Lzzy Hale (HALESTORM) sehr gut hören lassen.
Die gröĂte StĂ€rke von âOmertaâ stellt aber aller Voraussicht nach zugleich auch ihre gröĂte SchwĂ€che dar. Leider! Das Album wird sich womöglich zu sehr zwischen die StĂŒhle setzen. Progheads dĂŒrften die Songs etwas zu bieder und geradlinig sein, wĂ€hrend New Metal-Maniacs die bedingungslose BrachialitĂ€t ein wenig vermissen könnten. Wer aber eine Extraportion musikalischer Offenheit mitbringt, der wird am DebĂŒt von ADRENALINE MOB seine helle Freude haben. Denn unterm Strich ist âOmertaâ ein hochklassiges Album, welches wesentlich mehr Freunde verdient hĂ€tte als es am Ende vermutlich finden wird.
5/6 Punkten
Thomas
INFECTED AUTHORITAH “Shadows In Me”
INFECTED AUTORITAH, eine junge Thrash-Metal-Formation aus Lichtenfels in Oberfranken, servieren mit âShadows In Meâ ihre erste eigenproduzierte EP. FĂŒnf Songs mit einer Spielzeit von knapp 25 Minuten erwarten den Hörer.
Gleich zu Beginn lĂ€sst sich sagen, dass die vier Jungs und die Dame am Bass definitiv etwas davon verstehen, wie man dem Hörer mit der Faust direkt in die Magengrube schlĂ€gt â und das im positiven Sinne! Die fĂŒnf Tracks glĂ€nzen durch eingĂ€ngige Melodien, die gut ins Ohr gehen und zum Headbangen animieren. Man hĂ€tte sich zwar noch etwas mehr KreativitĂ€t im Bereich des Riffings wĂŒnschen können, aber was hier âfehltâ, wird durch die Gitarren-Soli des Gitarristen-Duos Manu und Daniel wieder wettgemacht. Starke Leistung!
Insgesamt fĂ€ngt das Debut der Thrasher mit âInfectionsâ eher schwach an, steigert sich jedoch zum Ende hin. Besonders der Song âLast Days On Earthâ und der Titeltrack âThe Shadows In Meâ stechen durch professionelles Songwriting heraus.
Und auch die Produktion kann sich fĂŒr die Liga, in der die Oberfranken spielen, auf jeden Fall hören lassen. Lediglich Unterschiede hinsichtlich der LautstĂ€rke sollten nicht vorkommen (zweiter Song deutlich leiser als der Rest)! Ebenso ist es schade, dass die Songs am Ende etwas schnell ausgeblendet werden.
Alles in allem ein solides Erstlingswerk, das jedoch etwas mehr KreativitÀt und eine persönlichere Note hÀtte vertragen können. Trotzdem lohnt es sich, die Lichtenfelser im Auge und Ohr zu behalten. Sie sind auf jeden Fall schon mal auf dem richtigen Weg.
4,5/6 Punkten
Anna



