There is something about me..

UNISOUND – DAN SWANÖ BACKSTAGE

Posted by Radu On Oktober - 24 - 2014

Unisound Chronicles – Backstage mit Dan Swanö

In den 90er Jahren experimentierten viele Extrem Metalbands mit ihrem Sound und prägten so die damalige Metallandschaft, die für uns heute fast schon selbstverständlich ist. Black Metal lotete seine Grenzen aus, Death Metal Band liebäugelten erstmalig mit progressiven Elementen und auch die Hochzeit von Gothic und Metalsounds prägten eine hungrige Szene in ihrem Wachstum. In all der Vielfalt gaben sich namenhafte Bands im Unisound Studio die Klinke in die Hand, in dem Dan Swanö die Regler bediente und unvergessliche Klassiker dem charakteristischen Sound verlieh. Neben der Arbeit als Produzent war er jedoch (teilweise gleichzeitig) mit vielen eigenen Projekten beschäftigt. Eine Auswahl seiner Projekte soll hier präsentiert werden; wer den Namen Dan Swanö noch nicht kennt, sollte sich auf eine Geschichtsstunde gefasst machen. Alle anderen dürfen gerne in Nostalgie schwelgen und die alten Scheiben beim Lesen entstauben und im Hintergrund laufen lassen.

EDGE OF SANITY
Edge Of SanityDas Aushängeschild schlechthin. Blubberte man zu Beginn mit zwei Demos eher im Untergrund vor sich hin, so verhalf die Demo „Kur-Nu-Gi-A“ (die im Jahr 2009 nochmal als Vinyl wiederveröffentlicht werden sollte) den Jungs zu einem Vertrag mit Black Mark Production. 1991 wurde „Nothing But Death Remains“ von der Kette gelassen, das im Ansatz bereits schwedentypische Earcatcher mit räudigem Riffing vereinte. Bereits hier wurden im Hintergrund einige Keyboards eingestreut, während neben räudigem Groove auch räudiges Geknüppel seinen Platz fand. `Angel Of Distress` und `The Dead` sollten hier stellvertretend der einstigen Demos für den Sound Pate stehen. Gerade mal ein Jahr später legte man mit „Unorthodox“ ein Album nach, das EDGE OF SANITY ein charakteristisches Alleinstellungsmerkmal bescheren sollte. Neben dem kultigen Cover, hatte man auch den Sound noch etwas effizienter gestaltet; weg von der Ursuppe, hin zu mutigem, entblößtem Soundgewand, inklusive ersten Loops und Halleffekten. Neben Death Metal lastigem Geballer wie `Everlasting`, hob man sich nicht zuletzt mit `Enigma`von der typischen Death Metal Szene ab, indem man neben Keyboards und griffigem Ohrwurmrefrain auch den Mut hatte, cleane Vocals zu benutzen. Dieses Novum sollte sich später in der Schwedentodszene durchsetzen und lange Zeit zum Markenzeichen von EDGE OF SANITY werden. Die üblichen Bausteine (Intro, Instrumentalstück) der damaligen Szene waren ebenfalls präsent, allerdings auch schon einen Schritt weitergedacht. So ebnete beispielsweise `When All Is Said` Bands wie Hypocrisy Tür und Tor, die sich aussschließlich dem schweren und gleichzeitig langsamen Sound verschrieben hatten. Wer im Jahr 1993 in der Dortmunder Discothek Spirit den ansässigen DJ Mimi auf einen Song angesprochen hat, der punkiges Schlagzeug, sägende Gitarrenriffs und räudige Vocals beinhaltet, dürft wohl `Darkday`vom folgenden Album „The Spectral Sorrows“ gehuldigt haben. Dan Swanö und seine Truppe hatte es irgendwie geschafft, die Härte des Todesmetalls in leicht zugängliche und gleichzeitig langfristige Wirkung in die Ohrmuscheln der Leute zu fräsen. Abwechslung wurde hier noch weiter zelebriert, und so posierte man zu der Manowar Coveversion `Blood Of My Enemies`, wirbelte die Mähne im Propellerstil zu `The Masque` oder freute sich in Werne am Bahnhof auf die Dauerschleife von `Jesus Cries`. Mit `Sacrificed` wurde auch ein musikalischer Kniefall vor den Sisters Of Mercy zelebriert, was den Gesamteindruck abrundete und den eigenwilligen Charakter von EDGE OF SANITY unterstrich.

Vor genau 20 Jahren erschien dann die „Purgatory Afterglow“, auf der Dan Swanö seine cleanen Vocals intensiver und sogar noch wirkungsvoller einsetzte. `Twilight` wurde zur Bibel von Bands wie Soilwork oder Scar Symmetry, während man mit Élegy` die Brücke zu den Wurzeln der Anfangstage problemlos schlug. `Black Tears`sollte zur Hymne schlechthin werden und neben einem speziellen Set im Live Set von Nightingale auch im Jahr 2014 für einen Kniefall von Heaven Shall Burn (inklusive Gastauftritt von Dan Swanö) sorgen. Der progressive Einschlag im Death Metal Gewand wurde in Form von `Velvet Dreams` zelebriert, so dass viele Fans dieses Album definitiv als Meilenstein betrachten. Wie kann man sowas noch steigern? Eigentlich gar nicht, möchte man meinen, wäre da nicht so eine Kleinigkeit wie „Crimson“ gewesen, was den Horizont nicht erweiterte, sondern einfach mal eben neu formte. Ein einziges Stück, 40 Minuten Spielzeit und innerhalb von 24 Stunden eingespielt lässt kaum noch Fragen offen. Die Variabilität wurde bis zum Maximum ausgereizt und man sprach von Marillion auf einem Death Metal Trip, inklusive Wechselgesang (clean und growl), epischem Gerotze und balladesken Momenten. Klingt crazy, gehört aber definitiv zum Pflichtkauf in jede Metalsammlung. Hatte Dan Swanö bereits bei der „Purgatory Afterglow“ den Großteil des Songwritings übernommen, musste er bei „Crimson“ seine Ideen durchdrücken, wobei es innerhalb der Band zu kriseln begann. 1997 verschanzte man sich in Peter Tägtrens Abyss Studio, um das wohl am meisten unterbewertete „Infernal“ auf Tontrräger zu bannen. Man hörte dem Album an, dass sich die Songs untereinander stark unterschieden und der rote Faden sehr lose angesetzt war. Nichtsdestotrotz strahlten Perlen wie `Hell Is Where The Heart Is`oder `Losing Myself` die Art von Magie aus, die man bei EDGE OF SANITY kennen und lieben gelernt hatte. Beim Songwriting beteiligten sich Peter Tägtren und auch anders Blakkheim von Katatonia, so dass es zwar an einigen Stellen wild zusammengewürfelt, dennoch ein gutes Album war. Es folgte die Trennung von Dan Swanö und EDGE OF SANITY; Dan Swanö widmete sich seinen Soloprojekten, während man unter dem Banner EDGE OF SANITY noch die „Cryptic“ aufnahm, die eher die rotzigen Anfangstage wiederzubeleben versuchte. Eine Best Of CD in Form von „Evolution“ sollte Fans nochmal besänftigen ehe eine ungewöhnliche Geschichte die Reaktivierung und gleichzeitg das Schlusskapitel besiegeln sollte: ein israelischer Fan bekniete Dan Swanö so lange, bis er sich dazu entschloss, unter dem Namen seiner ehemaligen Band ein letztes Album aufzunehmen. Ausgerechnet „Crimson II“ sollte es werden, was den episch-progressiven Gedanken seines Vorgängers weiterdenken und übertreffen sollte. Einbettet in einer wuchtigen Produktion, bekam man auf ganzen 43 Minuten einen Ohrgamsus einer Best- Of EDGE OF SANITY Elemente um die Ohren geballert, dass es eine wahre Wonne war. Danach wurde die Band offiziell zu Grabe getragen, während Dan Swanö sich seinen Solo Projekten, und seine einstigen Weggefährten anderen Bands (z.B. Incapacity) widmeten.

NIGHTNGALE

26991_nightingale_nightfall_overtureIm Jahr 1995 (irgendwann zwischen der „Purgatory Afterglow“ und „Crimson“) dachte sich Dan Swanö es wäre eine coole Idee, unter dem Namen NIGHTINGALE ein Projekt zu veröffentlichen, auf dem er seine Vorliebe zu Independent und Gothic Klängen ausleben kann. Seine cleane Stimme über den Erstling „The Breathing Shadow“ zu verteilen, Songelemente im Stile von Sisters Of Mercy/Fields Of The Nephilim mit den Gänsehautriffs seiner Hauptbands zu vermischen und gleichzeitig eine packende (damals noch ungeplante) Quadrologie über Tod und Wiedergeburt loszutreten sorgte für ordentlich Partyalarm in den Ohrmuscheln. So sollte der Schreiber dieser Zeilen beispielsweise mit seinem letzten Geld bei Idiots Records in Dortmund „nur mal eben reinhören“ wollen und innerhalb von 20 Sekunden die Scheibe gekauft und bis heute zu seinen Top 3 Alben zählen. Was ursprünglich als reines Spaßprojekt ausgelegt worden war, bekam einen ernsteren Touch, als sich Dan mit seinem Bruder Dag zusammensetzte, um mit „The Chlosing Chronicles“ den Nachfolger einzuspielen. Der Opener `Deep Inside Of Nowhere`dürfte eine sanftere Antwort zu `Twilight`sein und der passende Soundtrack, um von den Toten aufzuerstehen. Sollte es jemanden geben, der zu `Thoughts From A Stolen Soul`keine Gänsehaut bekommt, so möge er sich bitte bei seinem Ohrenarzt melden, denn dann dürfte defintiv etwas nicht OK sein. Auch 70er Jahre Elemente hielten beispielsweise mit `Steal The Moon`Einzug, ohne jedoch die mystische Atmosphäre zu unterbrechen. Ein würdiger Abschluss sollte man meinen, doch dann erschien die Vorgeschichte der Erstlings in Form von „I“ und präsentierte NIGHTNGALE im rockigeren gewandt, inklusive 70er und 80er Jahre Flair. Die Mystik rückte in den Hintergrund und machte einem erdigeren Sound Platz, wobei Dans Stimme immer noch das Aushängeschild für außergewöhnliche Qualität war. Die Tatsache, dass man hier einige Riffs der Vorgängeralben dezent einstreute und neu verarbeitete sorgte für einen konstanten roten Faden. Songs wie ´Scarred For Life`oder `Still In The Dark`entschädigten viele Anhänger seiner Ursprungsband für den Verlust, während balladeske Töne mit `Alonely`und `I Return` Dauerbrenner im heimischen Player wurden.

Mittlerweile zu einer richtigen Band zusammengewachsen, ließ man „Alive Again“ von der Kette. Obwohl die Produktion sichtlich softer geworden war, zündeten Granaten wie `Shadowman`und `Shadoland Serenade`bereits beim ersten Durchlauf und brannten sich langfristig ins Großhirn. `The Glory Days`wurde der lebendige Beweis dafür, dass NIGHTINGALE nicht nur dynamisch, sondern auch gleichzeitig eine derart positive Energie verströmen können, wie es in den 80er Jahren typische „Du-kannst-alles-schaffen- Hymnen“ zelebriert haben. Mit `Eternal` hatte man sich ein Denkmal in Sachen episches Songwriting gesetzt, ehe man mit dem Album die Geschichte des atmenden Schatten abschloss. Mystik ade hieß es, als „Invisible“ sich durch die Player schlich. Weg von Gothic Sound und deutlich rockiger führte man den Gedanken von „I“ weiter; `Atlantis Rising` lässt im Auto immer noch den Fuß aufs Gaspedal schnellen, während `The Wake` pure Rockromantik versprüht. Bodenständig und gleichzeitig progressiv sollte es werden, ehe man sich auf eine Tour machte. Auf der Tour brachte man eine Best Of In Form von „Nightfall Overture“ heraus, bei der von jedem Album 2 Songs neu interpretiert wurden (zusätzlich zum Bonustrack `Better Safe Than Sorry`). Danach ging es erneut ins Studio, um mit „White Darkness“ deutlich sanftere Töne anzuschlagen. Mehr Marillon Feeling war schlecht möglich, allerdings begann man die härteren Gitarren an vielen Ecken zu vermissen. Im November 2014 erblickt Retribution das Licht der Welt, wobei der Song `Forevermore` bereits angecheckt werden kann.

BLOODBATH
BloodbathKurz vor der Jahrtausendwende rafften sich Dan Swanö, Jonas Renske, Anders Blackheim und Peter Tägtren zu einem Spaßprojekt namens BLOODBATH zusammen. Dabei rausgekommen ist die EP „Breeding Death“, die den alten 80er Jahre Death Metal huldigt. Böllert der Titeltrack stumpf in die Fresse, so wartet `Furnace Funeral`mit einem waschechten Entombed Riff auf, dass die Nackenhaare rasch in Stellung gehen lässt. Aus Spaß wurde ernst, und so legte man im Jahr 2002 mit „Resurrection Through Carnage“ nach, wobei Mikael Akerfeldt von Opeth den Gesangsposten übernahm. Dan Swanö tobte sich derweil am Schlagzeug und an der Klampfe aus, wobei es noch für das Album „Nightmares Made Flesh“ reichen sollte, ehe es nach einem fulminantem Wacken Auftritt für ihn vorbei sein sollte. Im November 2014 erscheint das aktuelle Album, bei dem sich Nick Holmes am Gesangsposten austoben wird.

UNICORN
Kannten die meisten Dan Swanö in erster Linie aus der Röchel- und Progressive-Liga, verwundert es doch, dass er mit UNICORN in Marillion Gefilden gefischt hat. War es doch eine seiner großen Lieblingsbands, so eiferte man mit „Emotional Wasteland“ den großen Vorbildern nach, ohne dabei zu merken, das man rückblickend bereits deren Genialität gepachtet hatte. Schnell ins Ohr, eher sanfte als harte Töne, endlos viele Klangfarben, die es zu entdecken gab, sowie tagelange Ohrwürmer waren die Nachwirkungen dieser Scheibe. Der Vorgänger „Ever Since“ legte dabei den Grundstein, war jedoch deutlich progressiver angehaucht. Auch die große Bandbreite an Zusatzinstrumenten (Flöte, Cello und Klavier) machten Unicorn zu einem besonderen Projekt, in dem man sich nicht an dem großen Können der Musiker an den Instrumenten ergötzen, sondern über ein gut abgestimmtes Zusammenspiel erfreuen konnte.

ODYSSEY
Odyssey-Reinventing_The_Past-coverGanze drei Songs verbanden sich unter dem Banner ODYSSEY, die thematisch stark im alten Ägypten verwurzelt sind. Das Kochrezept war eine rein rockige Atmosphäre mit einem leichten Mystik Einschlag. Ausschließlich klare Vocals wurden mit stampfendem Riffing und epischer Atmosphäre in `Amon-Ra`vereinigt. Handbremsenriffing, schlängelnde Gitarrenlinien und ein leichtes Augenzwinkern in Richtung Edge Of Sanity wurde als `I Am Two` deklariert, während sich `I Carry A Secret`weiter aus dem Fenster lehnt und die Brücke zwischen Classic Rock und Metal spannt. Lange waren die Songs vergriffen und nur kurz auf der Homepage swano.com zum Runterladen verfügbar, ehe die Seite wieder dicht gemacht wurde. Im Jahr 2010 sollte jedoch die Wiederveröffentlichung erfolgen. Nur ein Album mit drei Songs aufzunehmen wäre jedoch nicht wirklich cool, daher fischte der Meister mal eben noch sieben Coverversionen raus, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Klassiker von U.F.O, Uriah Heep oder Rainbow waren zu erwarten, doch mit `In The Heat Of The Night`von Sandra oder `Shake The Desease`von Depeche Mode hätte wohl kaum jemand gerechnet. Das Metalgewand stand den Songs sehr gut, so dass man neben verloren geglaubten Songs zusätzlich noch einige Gimmicks obendrauf bekam. Das Album hörte auf den passenden Namen „Reinventing The Past“. Hier könnt ihr eine vorstellung des Meisters zum kompletten Album anschauen.

PAN THY MONIUM
Pan Thy Monium„Ach du scheisse, was ist das denn?“ so oder ähnlich dürfte es vielen Metalheadz ergangen sein, als sie das Album „Khaos And Konfusion“ 5 Minuten am Stück gehört haben. Vollgestopft in dem knapp 12 minütigen Opener schubste man Death Metal Elemente mit Prog Einflüssen, rührte das ganze nochmal mit freakigen Jazz Einlagen und perversen Breaks um, bevor man noch einmal oben drauf spuckte und es dann durch den Reißwolf drehte. Klingt pervers, ist es auch, aber neben einigen melancholischen Lichtblicken entschädigt das Nackenbrecher Riff kurz vor der zehnten Minute für alle vorangegangenen Schmerzen. Metal ist halt kein Kindergeburtstag, man muss sich die Perlen halt erarbeiten, was bei diesem Album sehr gut gelungen ist. An Bord befanden sich neben Swanö bereits Benny Larsson (Edge Of Sanity), sowie Dans Bruder Dag (Nightingale), die in der Zeit von 1990 bis 1996 gemeinsam, nun ja, nennen wir es mal „musizierten“. Der Name „Khaos“ ist hierbei wirklich wörtlich zu nehmen, denn das Album klingt krank und sollte nicht im Umkreis von zart besaiteten Menschen in den Player geschoben werden. Wirft man dann einen Blick auf die vorangegangene Diskographie zurück, bemerkt man eine große Experimentierfreude, die allerdings in erster Linie im Röchel- und Schredderkosmos stattfindet. Allerdings sind die schrägen Saxophon Elemente auch schon hier präsent und stellen den Hörer auf eine harte Geduldsprobe. Insgesamt 3 Alben zusammengewürfelt, wobei die (damals nur spärlich existenten) Metal Genres kurzerhand ausgehebelt und wild gemischt wurden. Krank, pervers, aber irgendwie doch zu geil, um es nicht gehört zu haben!

MOONTWOWER
moontower1998 sollte eine turbulente Zeit für Dan Swanö werden; Pan Thy Monium hatten sich aufgelöst, Edge of Sanity lagen auf Eis und Nightingale machten Pause. „Stillstand“ ist jedoch ein Fremdwort und so stampfte er einen Death Metallischen Bastard aus Rush und Dream Theater aus dem Boden. „Moontower“ war ein reines Solo Album, und zwar wörtlich, denn hier hatte der Chef selbst alles geschrieben, eingespielt und produziert. Spacige Keyboards wurden von grollenden Gitarrenwänden unterstützt, während überwiegend am Mikro gegrowlt wurde. Dennoch war genug Platz für cleane Passagen und mit `Sun OF The Night` wurde eine wahre Perle progressiver Extremkunst aus der Taufe gehoben. `Uncreation` liebäugelte mit verspielten Keyboards, während die volle Death Metal Breitseite an Vocals rausgeröchelt wurde. Mit `Add Reality` knüpfte man prinzipiell an `When All Is Said` an, gönnte sich jedoch den Luxus von Synthesizern und einer melodischen Abschlusspassage (inklusive klaren Vocals). Man hörte Moontowwer an, dass es seinem Schöpfer als Befreiungsschlag diente; alles war an seinem Platz und sowohl die melodische Basis von Nightingale, als auch die Härte Edge Of Sanitys wurden vereint, ohne jedoch weiteren Bezug zueinander zu nehmen. Ein weiteres Beispiel, wie man Death Metal mit wegweisenden Riffs kreieren kann.

WITHERSCAPE
witherscapeEs wurde still, sehr still um Dan Swanö in Sachen Alben und man hörte hier und da von einem Gastauftritt, oder von einem neu produzierten Album aus seinen Händen. Eigene Projekte oder Bands waren schwer zu finden und so kam schnell Edge Of Sanity Nostalgie auf. Im Jahr 2012 ließ Dan jedoch die Bombe platzen und kündigte gemeinsam mit Ragnar Widerberg die Band Witherscape an, die von einigen Fans als EDGE OF SANITY 2.0 trifft Moontower bezeichnet wurden. Ein weiteres Album ist zur Zeit in Arbeit und die EP dürfte Ende 2014/Anfang 2015 auch den Platzt in den heimischen Player finden.

Unsiound Studio – Klassiker der Metalgeschichte

Das Portfolio von Dan Swanö reicht von Classic Rock bis zum Death Metal. Neben seinen eigenen Projekten hat Dan durch seinen Sound beim entstehen der heutigen Metalszene mitgewirkt und diverse Stilrichtungen geprägt. Hier kommen 5 Alben, die man definitiv im CD Regal sein eigen nennen sollte, um die Entwicklung der Szene zu verstehen:

Top 1: KATATONIA – „Dance Of December Souls“
Katatonia DanceHeutzutage sind Jonas´ klare Gesangsstimme, wuchtige Gitarrenwände und melancholische Atmosphäre die Markenzeichen von KATATONIA. Der Startschuss fiel zwar mit der „
Jhva Elohim Meth“ EP, sollte sich aber auf dem ersten Longplayer richtig entfalten. Ursprünglich im Black- und Doom Metal verwurzelt rollte `Gateways Of Bereavement` aus den Boxen und hinterließ nur Staub und Schatten. `In Silence Enshrined` sowie `Velvet Thorns (Of Drynwhyl) meißelten sich durch unsterbliche Riffs in die Gedankengänge, wie es sonst nur Anathema oder My Dying Bride vermochten. Mit `Without God` setzte man jedoch seine eigenständige Duftmarke und tauchte leicht zugängliche Songs in schleppende Riffs, um sie mit einer melancholischen Stimmung und eine ordentlichen Packung Hass auf die Menschheit loszulassen. Dan Swanö verpackte das ganze in einen glasklaren Sound und bescherte uns damit ein Album, das jede Sekunde in voller Lautstärke noch die gleiche Kraft entfaltet, wie im Jahr 1994.

Top 2: OPETH – „Orchid“
Opeth_OrchidWer hätte ahnen können, dass die Schweden von OPETH 20 Jahre am Start sind und auf eine hochkarätige Karriere zurückblicken würden? In den Anfangstagen vielleicht niemand, obwohl der Erstling bereits eine solide Startposition zu verzeichnen hatte. Songs wie `The Twilight Is My Robe` brannten sich bereits beim ersten Durchlauf ins Gedächtnis und schickten den Hörer durch 10 minütige Songs, in denen es allerhand zu entdecken gab. Mikaels Wechselgesang zwischen perversem Geröchel und klarer Stimme ließ schnell Zweifel aufkommen, ob es sich hierbei um ein und dieselbe Person handelt. Die komplexen Stücke waren die Antwort des Extremsektors auf Dream Theaters „Images And Words“, wobei sich vertrackte Passagen, Griffbrettakrobatik und melancholische Momente die Klinke in die Hand gaben. Die Grundlage war definitiv im Extremsektor zu finden, doch bereits hier loteten OPETH schnell ihre Grenzen aus und strebten über das Schubladendenken hinaus.


Top 3: THEATRE OF TRAGEDY – „Theatre Of Tragedy“
Theatre of Tragedy-Theatre of TragedyMetal mit Frauengesang? Im Jahr 1995 ein Novum und noch längst nicht so verbreitet wie heute. Auch hier legte Swanö die Hand an die Regler und verpasste der siebenköpfigen Truppe einen drahtigen Gitarrensound, eingebettet in einer wuchtigen Produktion. Prägende Keyboardklänge tanzten zwischen den Zeilen, während am Mikro der Wechselgesang zwischen Raymonds Geröchel und Liv Kristines zerbrechlichen Stimme für großes Kopfkino sorgte. Das Album sollte später der Gothic Szene Tür und Tor öffnen und die Sparte Female Fronted Metal neu definieren. Es erfolgte eine Entwicklung von Gothic, über EBM lastig bis hin zum Synthie Pop, ehe Liv Kristine ausstieg und sich mit ihrem Mann Alex Krull (Atrocity) ihrer Solokarriere und Leave´s Eyes zu widmen. Die vertonten Shakespeare Stücke dieses Albums genießen heute noch Kultstatus.

Top 4: DISSECTION – „Storm Of The Light´s Bane“
Dissection-Storm-Of-The-Lights-BaneGibt es wirklich jemanden, der diese Scheibe noch nie gehört hat? Nun, im Jahr 1995 gallopierte `Night´s Blood` erstmals aus den Boxen und vereinte rasende Black Metal Wut mit melodischen Einschlägen. Hochkarätiges Songwriting auf Hochgeschwindigkeitstempo durchgerotzt und mit einer Stimme, die den Spagat zwischen kehlig und röchelnd spielerisch hinbekam. Das `Where Dead Angels Lie` zählt zu den bekanntesten Stücken und sorgte im Spirit in Dortmund, als auch in den heimischen vier Wänden für Nackenmuskeltraining in Extremform. Kein weiteren Worte notwendig, diese Scheibe muss man gehört haben.

Top 5: NOVEMBRE – „Wish I Could Dream It Again“
Wish I Could Dream it AgainHier scheiden sich die Geister in Sachen Produktion und Songwriting; beklagen einige den räudigen und mit Hall gemischten Sound, so singen andere Loblieder auf die Atmosphäre und die vielfältige Songs der querschießenden Italiener. So ganz in eine Schublade einordnen konnte man sie nicht, weder Fisch noch Fleisch, doch gerade der eigenständige Stil machte diese Scheibe aus. So vermischte man, zwar ähnlich wie Opeth, markante Parts mit melodischem Songwriting, konnte sich jedoch nicht einer so großen Qualität wie bei den Vorbildern erfreuen. Der Gesang war zwar qualitativ nicht wirklich toll, passte allerdings perfekt zu den Songs, die eine eigenständige Atmosphäre verströmten, und während die einen noch heftigst über die Band lästerten, erkannten andere die Genialität, die hinter dieser Scheibe steckt. Ein rauhes, verstaubtes Relikt aus den 90ern, ohne nennenswerte Bandgeschichte; doch wer beispielsweise `The Music`heute in voller Lautstärke durch seine Boxen Jagd, dürfte schnell anderer Meinung sein…

Es sind bei weitem nicht alle Alben oder Projekte von Dan Swanö aufgelistet, denn das würde ein ganzes Buch füllen. Interessierte Bands oder Fans können sich das Portfolio des Meisters auf seiner Unisound Homepage anschauen. Checkt auch unser Interview über seine aktuellen Projekte und Pläne.

Sebastian Radu Groß

4 Responses so far
  1. » Blog Archive » REVIEW: NIGHTINGALE Said,

    [...] Name Dan Swanö dürfte vielen bereits bekannt sein. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich unser Special gönnen. Mit NIGHTINGALE startete er ursprünglich solo. Ganze 18 Jahre später ist die Band [...]

    Posted on November 5th, 2014 at 07:18

  2. » Blog Archive » NIGHTINGALE NEWS Said,

    [...] alle Dan Swanö Fans wurde Weihnachten spontan vorgezogen; solange NIGHTINGALE Fans noch die aktuelle Scheibe [...]

    Posted on Dezember 17th, 2014 at 07:07

  3. » Blog Archive » LIVE REVIEW:EVIL HORDE METALFEST Said,

    [...] Swanö Worte zu verlieren ist überflüssig. Wem der Name noch nicht geläufig ist, dem sei unser Special wärmstens ans Herz gelegt, bei dem ein Bruchteil seines Schaffens beleuchtet wird. An diesem Abend [...]

    Posted on April 2nd, 2015 at 05:48

  4. » Blog Archive » DAN SWANÖ GEWINNSPIEL Said,

    [...] Telefonbuch. Wer sich einmal komplett mit seinen Arbeiten beschäftigen möchte, kann sich unser SPECIAL einmal zu Gemüte führen. Zusätzlich erzählte er uns in einem INTERVIEW über sein Baby [...]

    Posted on August 15th, 2017 at 12:19

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