Archive for the ‘CD-Reviews’ Category
SINISTER “LEGACY OF ASHES”
SINISTER – „Legacy Of Ashes“ Die holländische Dampframme schlägt wieder zu und bittet zum zehnten Mal zum Totentanz in heimischen CD Playern. Mit „Legacy Of Ashes“ kommt nach dem „Silent Howling“ Album wieder frischer Wind unter den dämonischen Flügeln auf, denn stilmäßig wird hier wieder auf die Old School Schiene im Stil von „Cross The Styx“ oder „Diabolical Summoning“ abgezielt. Auch wenn leider qualitätsmäßig nicht an die beide Kultalben ranzukommen ist, wird hier der Weg klar: groovende Bassläufe und straightes Drumming verursachen schon ein ordentliches Feuerwerk. Die Gitarrenarbeit ist hier jedoch weitaus verspielter ausgefallen, was gleich zwei Fanlager ansprechen könnte: die progressive und gleichermaßen straighten Freunde des Musikgeschmacks dürften aufhorchen. Leider klingt es stellenweise eher nach einem Spagat von beiden Sachen und es kommt der Eindruck auf, als könnten sich SINISTER nicht für eine Marschrichtung entscheiden.
Trotz einiger Besetzungswechsel hört man SINISTER jedoch noch das Qualitätssiegel an, für das sie stehen, nämlich Todesmetall mit „In-die-Fresse-Garantie“. Auch wenn es an einigen Stellen etwas ungewöhnlich rumpelt, mach man hier mit einigen Uptempo Nummern („Into The Blind World“) wieder alles wett. Auch der betont groovende Titelsong frisst sich schnell in die Hirnströme und gesanglich ist es immer wieder eine Freude SINISTER zu hören, weil ich die Stimme einfach nur geil finde! Die Tatsache, dass die Jungs immer ihr eigenes Ding machen steht ihnen auch gut zu Gesicht, so dass man hier keine fremdartigen Einflüsse hört, sondern tatsächlich 100% Bandarbeit.
Fazit: Freunde vom Death Metal Brett können hier bedenkenlos zugreifen, es gibt bei diesem Album nur 2 Gebrauchshinweise: man muss es mehrmals hören (obwohl einige Songs sofort knallen) und man muss es definitiv LAUT hören.
4,5/6 Punkte
Sebastian GroĂź
LIFELOVER ” SJUKDOM”
LIFELOVER – „Sjukdom“ Inmitten von Schattenlichtern tanzt eine Seele hilflos zwischen den Tönen. Melodien grenzen ihre Welt ein und versuchen, den Gedanken freie Bahn zu geben, doch die Trauer zerfrisst den Geist. Doch die Trauer ist nur einen Augenblick lang teil des großen Ganzen, denn schon im nächsten Augenblick vereinen sich Hoffnung, Lust und Hass in ihrem eigenen Tanz eng umschlungen. Voller Zorn blickt diese Welt auf den Hörer hinab um ihn, nach einem einzigen Herzschlag, zum neuen Gott zu krönen. Sobald sich der Rhythmus eingefunden hat und man sich sicher glaubt, durchbricht die Kälte jenen Ort, um die Klänge rückwärts tanzen zu lassen.
Zwischen den Tönen, eine Seele, die inmitten von Schattenlichtern tanzt.
Mit ihrem aktuellen Album „Sjukdom“ (zu Deutsch:“Krankheit“) geben uns die avantgardistischen Jungs von LIFELOVER einen Einblick in ihre eigene Welt, die sie bereits auf ihrem Album „Konkurs“ beschritten haben. Hierbei wird der Gedanke des Vorgängeralbums aufgegriffen, und fortgeführt, jedoch nicht noch einmal warmgespült oder stumpf wiederholt. Songwritingtechnisch wird hier auch wieder extrem verwirrend zu Werke gegangen; eingängige Melodien wechseln sich hier mit schrägen Passagen ab und der Gesang umspannt von dilletantischem Geröchel bis zu makabrem Geschrei alles.
Die Musik von LIFELOVER zu beschreiben ist genauso leicht, wie einer Ziege das Fechten beizubringen, deshalb erspare ich mir weitere Details, denn hier sollte die Neugierde einfach mal der Herr sein. Eine besondere Fangruppe wird hier nicht angesprochen, doch freunde extremer Klänge und experimenteller Geräusche sollten auf jeden Fall ein Ohr riskieren, denn entweder man kann dem Sound überhaupt nichts abgewinnen, oder man liebt ihn abgöttisch. Anhand meiner ersten Zeilen ist es einfach zu erraten, das ich der zweiten Kategorie angehöre.
Fazit: Mit ihrer aktuellen Krankheit entlassen LIFELOVER wieder einmal ein stimmungsgeladenes Album aus den Boxen, das einen Trip durch die Abgründe der menschlichen Seele bereithält. Bestimmt nicht jedermanns Geschmack, aber durchaus interessant anzuhören.
5/6 Punkte
Sebastian GroĂź
DORNENREICH “FLAMMENTRIEBE”
DORNENREICH – „Flammentriebe“ 2,5 Jahre nachdem „In Luft Geritzt“ die Hörerschaft akustisch schmeichelte, erscheint nun das aktuelle Album „Flammentriebe“ von DORNENREICH. In ihrem 15 jährigen Bestehen schafften es die Jungs immer wieder Fans und Kritiker zu ĂĽberraschen und so legt sich auch eine andächtige Stille ein, während die CD in meinen Player gleitet…
Nach einem kleinen Geigeneinstieg explodiert „Der Wunde Trieb“ in meinen Ohren und lässt mich erstarren, staunen und gleichzeitig über dem Erdboden schweben, denn DORNENREICH haben ihre Black Metal Wurzeln mit ihrer Erfahrung in akustischen Gefilden in diesem Stück bis zur Perfektion vereint: eingängige Melodien treffen auf sägende Gitarrenlinien und zerschmetterndem Schlagzeug. Die Leidenschaft, mit der hier zu Werk gegangen wird, setzt sich glücklicherweise über das gesamte Album fort, so dass man keine Zeit hat auch nur ansatzweise an etwas anderes zu denken, denn die Musik von DORNENREICH vereinnahmt einen von der ersten bis zur letzten Sekunde!
Auch in ruhigeren Gefilden („Wandel Geschehe“) nimmt die Musik den Hörer mit auf die Reise, um im nächste Augenblick auszubrechen. Eingängige Akustikmelodien wechseln sich hier mit brachialen Gitarren und progressiven Rhythmen ab, ohne den Gesamteindruck auch nur im Ansatz zu schwächen. Die Mischung zwischen brachialen Stücken insgesamt („Flammenmensch“) und ruhigeren Liedern ist hier ebenfalls bis zur Perfektion durchdacht worden.
Man hat den Eindruck, als würde man 10 Jahre in die Vergangenheit geschossen werden, als „Her Von Welken Nächten“ das Licht der Welt erblickt hat und nun in erwachsener Version weiter fort geführt wird. Auf dem siebten Album wird eine Feuerwalze entfacht, die mit Leidenschaft und Intensität glänzt, wie ich sie seit Jahren nicht mehr im Black Metal Sektor gehört habe. Der durchgehen klare Gesang vermittelt eine einzigartigen und intimen Einblick in die Lebensphilosophie des Menschen. Egal, ob beim ersten Mal Durchhören, oder beim 20. Mal, das Album erschließt sich auch im Langzeitrhythmus dem Hörer immer neu und eröffnet neue Perspektiven.
Fazit: „Flammentriebe“ verdient diesen Titel, denn hier treffen Leidenschaft zur Musik, auf Philosophie. Mit diesem Album haben sich DORNENREICH ein eigenes Denkmal gesetzt und die Black Metal Szene ordentlich in Brand gesteckt, denn hier wird Musikgeschichte geschrieben. Absolute alle Daumen hoch und ein ehrfürchtiges Verneigen!
6/6 Punkten
Sebastian GroĂź
BELPHEGOR REVIEW
Blut, Leichen und Sex! BELPHEGOR`S – “Blood Magick Necromance”
Ein neues Jahr, ein neues BELPHEGOR Album. Am 14 Januar erschien nun das neue Werk der österreichischen Brachilisten mit dem wieder mal extravaganten Titel „Blood Magick Necromance“. Eingespielt wurde es in Peter Tägtgren´s Abyss Studios in Schweden und das hört man auch sofort.
Die ersten Klänge des ersten Songs „In Blood – Devour this Sanctity“ dröhnen schwer und mächtig aus den Boxen. Ein geiler Opener mit typischen BELPHEGOR Trademarks aber auch für diese Band neuen Einflüssen. Vor allem der Refrain bietet starke Melodien. Ein wenig vom Gas geht’s dann mit „Rise To Fall And Fall To Rise“. Eine interessante Midtemponummer, die jedoch wahre Highlights vermissen lässt. Der Titeltrack bietet da schon mehr Abwechslung und starke Riffs. Ein gelungener Mix aus Midtempo und Highspeed-Geballer mit geilem hymnenartigen Refrain. Man fühlt sich zu Anfangs wegen dem wirren Ablauf doch stark an alte Instrumentals der Marke „Pesthaus“ erinnert. „Discipline Through Punishment“ schlägt dann wieder in die Kerbe Bondage und Sex und wandert in Sachen Lyrik in deutsche Gefilde. Inhaltlich geht es generell mal wieder um Sänger Helmuth´s Lieblingsthemen wie Ficken, Schlachten und Satan. `Angeli Mortis De Profundis` zeigt dem Hörer dann ganz klar wo der Hammer hängt.
BELPHEGOR liefern hier genau das, wofür sie berühmt sind. Hyperspeed Blastbeats und brachiale Riffs fast den ganzen Song hindurch. Mit `Impaled Upon The Tongue Of Sathan` kommt dann nun nach meiner Meinung der beste Song der Scheibe. Hier vereinen die Jungs groovendes stakkato-Riffing mit atmosphärischen Lead Parts und starkem Refrain. Ich fühle mich bei diesem Song irgendwie an die „Pestapokalypse“ CD erinnert, was mir sehr gefällt. `Possessed Burning Eyes` vereint dann wieder ruhigere Klänge mit Brachialparts, bevor es dann mit `Sado Messiah` einen saugeilen Rausschmeißer gibt. Hier wird in bester BELPHEGOR-Manier alles über den Haufen geknüppelt. Ein im Aufbau eher standardmäßiger Song, der aber dennoch zu begeistern weiss.
Was bleibt also über „Blood Magick Necromance“ zu sagen?
Ich empfinde das Album nach dem total enttäuschenden „Walpurgis Rites – Hexenwahn“ als einen groĂźen Schritt in die richtige Richtung. Gutes Songwriting und keine Scheu vor starken Melodien, machen diese Scheibe zu einem echten Highlight in diesem Winter. Hell Yeah
5/6 Tobi
BELPHEGOR – “BLOOD MAGICK NECROMANCE”
Und wieder einmal ist es soweit: Die österreichischen Black/Death Metal Fetischisten von BELPHEGOR erfreuen ihre Fangemeinde mit einem neuen Album. Erwartungsgemäss wird qualitativ hochwertige Ware abgeliefert. In typischer BELPHEGOR-Manier wird geshreddert was das Zeug hält. Leider offenbart sich gleich zu Beginn ein Schwachpunkt des Albums. Die ersten beiden Songs sind zwar technisch einwandfrei und teilweise schon fast ungewohnt vielseitig, jedoch überhaupt nicht eingängig. Sie ziehen relativ unspektakulär am Hörer vorbei. Man muss sich teilweise schon fast konzentrieren um nicht abzuschweifen. Dies ändert sich schlagartig mit dem namensgebenden `Track Blood Magick Necromance´. Der Song nistet sich unweigerlich im Gehörgang des Hörers ein. Ziemlich monumental – ja schon fast episch kommt das Stück daher. Der äusserst eingängige Refrain tut sein Übriges dazu. Im balladesken `Discipline Through Punishment` geht es in bester BELPHEGOR-Manier weiter. Im teilweise deutsch gesungenen Text geht es unter anderem darum in welche Körperöffnungen man sich religiöse Artefakte stecken kann. Satan selbst hätte den Text nicht besser schreiben können. Mit `Impaled Upon The Tongue Of Sathan` folgt ein weiteres Highlight des Albums. Der Song besticht durch den gekonnten Mix aus tragenden Passagen im Midtempo und typischen Doublebass Attacken. Die beiden letzten Tracks bringen das Album solide zu Ende.
Alles in allem kann man sagen, dass BELPHEGOR mit „BLOOD MAGICK NECROMANCE“ ein starkes Album erschaffen hat, welches trotz kleiner Schwächen in Eingängigkeit und Konstanz zu überzeugen weiss. Auch die Produktion sollte noch erwähnt werden. Nicht zuletzt ihr ist der wunderbare Klang und die enorme Wucht zu verdanken mit der die Scheibe daherkommt.
5/6 Punkten
Ron
MYGRAIN REVIEW
Wie einige sicher schon einmal gehört haben, ist das dritte Album einer Band von besonderer Wichtigkeit. Das haben scheinbar auch die 6 Jungs aus der finnischen Hauptstadt gehört und sich fĂĽr die betroffene, selbstbetitelte Scheibe ordentlich ins Zeug gelegt. Da deren zweites Album leider völlig an mir vorbeigegangen ist, beziehe ich mich bei Vergleichen auf ihr Debut “Orbit Dance”, welches mich auf die Band aufmerksam gemacht und entsprechendes Interesse fĂĽr die aktuelle Neuerscheinung bei mir geweckt hat.
Los geht’s – wie so oft – mit einem ruhigen Keyboard-Intro, welches genau die richtige Länge hat. Nach einer kleinen Steigerung und dem Einsetzen der Instrumente leitet der Gesang auch schon das ein, weswegen wir alle die Play-Taste gedrĂĽckt haben: technisch einwandfreien Melodic Death Metal. Wobei hierzu gesagt sein sollte, dass sich MyGrain wie immer in einer Grauzone irgendwo zwischen Melodic Death und Metalcore bewegen. Was die Technik angeht wird hier zwar nicht rumgeprollt, allerdings fällt sofort auf, dass hier jeder sein Instrument voll unter Kontrolle hat.
Kennern der Band dürfte der mittlerweile noch etwas mehr weichgespülte Cleangesang von Tommy auffallen. Dieser ist zwar stellenweise höher als gewohnt, allerdings fügt er sich gut in die Songstruktur ein und wirkt selten deplaziert, sodass der Rest lediglich eine Geschmacksfrage bleibt.
Aber selbst ich, als nicht-BefĂĽrworter von Cleangesang muss gestehen, dass dieser in den Refrains so manchen Ohrwurm bei mir verursacht hat. Ganz besonders beim eingängisten (und fĂĽr Viele eventuell auch besten) Song des Albums ‘Cataclysm Child’ ist dies der Fall. Ăśberhaupt bietet der Gesang eine wirklich groĂźe Vielfalt, wie sonst auch wurden stellenweise noch nette Effekte verwendet, die das Gesamtpaket noch einmal aufwerten.
Generell lässt sich die Tendenz feststellen, dass die Songs mit steigender Tracknummer zunehmend mainstreamiger rĂĽber kommen. Gerade bei ‘Trapped In An Hourglass’, Of Immortal Aeons’ und ‘Xenomorphic’ stößt diese Tatsache bei mir an eine Schmerzgrenze. Allerdings ist dies nunmal der Sound der Band und flieĂźt kaum in die Bewertung mit ein.
Besonders hervorzuheben ist das wirklich symbiotische Zusammenspiel zwischen Gitarre und Keyboard. Letzteres drängt sich trotz seiner eher synthetischen Sounds nicht zu sehr in den Vordergrund und verwirrt den Hörer somit nicht durch zu große Dominanz.
Die Songstrukturen sind weder zu linear noch unübersichtlich und rhythmisch wird in den meisten Songs viel Abwechslung geboten. Mit bereits erwähntem Gesang wird hiermit ein recht hoher Wiedererkennungswert erzeugt, den heutzutage leider nicht mehr allzu viele Bands aufweisen.
Abschließend möchte ich ein Lob für ein gut gelungenes, drittes Album aussprechen. Es macht wirklich den Eindruck, als hätte man hier viel Zeit und Liebe investiert, um noch einmal einen draufzusetzen. Für Genrefans ist Reinhören angesagt, alle anderen können aber natürlich auch mal einen Blick riskieren, es lohnt sich!
5/6
Christian
LEGION OF THE DAMNED
LEGION OF THE DAMNED – DESCENT INTO CHAOS Kaum hat das neue Jahr begonnen wird es auch schon ordnungsgemäss eingeläutet: LEGION OF THE DAMNED sind mit ihrem neuen Studioalbum da! Die holländischen Todesmetaller sind für ihren brachialen Sound bekannt – und der neue Silberling macht da keine Ausnahme.
Nach einem äusserst stimmungsvollen Intro wird im Opener in gewohnter Weise drauflosgebolzt. Ab dem ersten Ton ist klar wem man hier zuhört. Schnell, rau und brutal. So soll es sein! Bereits im zweiten Track wird teilweise etwas Tempo rausgenommen, um äusserst brutale Breakdowns zum Besten zu geben. Die Abwechslung der Geschwindigkeit macht den Song extrem dynamisch und sollte definitiv von unschlüssigen (und somit Ungläubigen) Metalheads angehört werden (War Is In My Blood). Es geht ähnlich weiter. Die zum Teil einfachen aber nicht minder einprägsamen Gitarrenläufe werden zeitweise schon fast pervers langsam gespielt. Allzu lang wird der Hörer aber nie auf die – in diesem Fall angenehme – Folter gespannt. Befindet man sich in einem langsamen Part, lässt das nächste Doublebaseinferno ganz bestimmt nicht lange auf sich warten. Zur Mitte des Albums laufen die Songs ins altbekannte LofD-Schema zurück: Schnell, einfach und heftig. Die Songs sind zu keinem Zeitpunkt langatmig oder gar langweilig.
Mit `Lord Oft He Files wird ein weiteres Meisterwerk betreffend Aggressivität vom Stapel gelassen. Kaum eine andere Band versteht es so gut sich so geschickt durch die verschiedensten Tempolagen zu spielen. Das Album hält zum Ende hin das Niveau und drückt gradlinig alles weg was im Weg steht. Einziger Negativpunkt: Wer ein wirklich innovatives Death Metal Album erwartet mit vollen Songs und anspruchsvoller Technik ist hier vermutlich falsch. Wer LotD kennt weiss genau auf was er sich einlässt – und genau das bekommt er auch. LEGION OF THE DAMNED at it’s best.
Für alle Fans ein Pflichtkauf – wer sich aber bisher nicht für LofD begeistern konnte wird mit dem neuen Album seine Meinung nicht ändern können.
5/6 Punkten Ron
HERETOIR – HERETOIR”
Northern Silence Productions presents: HERETOIR mit ihrem gleichnamigen Album. Der Name leitet sich aus der englischen Silbe „Here“ (von „Heretic) und dem französischen „toir“ ab, was einen Fantasienamen bildet, der im übertragenen Sinne „Wegbereiter“ bedeutet. Seit 2006 wird unter diesem Banner schon Musik gemacht, wobei in den Anfängen eher die akustischen Kompositionen im Vordergrund standen. Mittlerweile hat man Black Metal Elemente hinzugefügt und der geneigte Leser kennt bereits zwei Möglichkeiten: entweder es klingt gut, oder es klingt dürftig. Dass man aber auch neue Soundcoullagen bauen kann, beweisen HERETOIR mit ihrem aktuellen Album.
Auf diesem, mit satten 9 Songs bestücktem, Silberling entfaltet sich sofort eine eigene Atmosphäre; auch wenn das Intro noch lediglich eine Soundkulisse ohne erkennbare Richtung erzeugt, wird hier der Hörer sofort bei der Hand genommen und es geht los in eine andere Welt. Thematisch wird der Protagonist eines geliebten Menschen beraubt und erfährt unterschiedliche Seelenstürme, von Trauer, Angst, Schmerz, Hass und Liebe gleichermaßen umschlungen. Die Kompositionen sind so geschickt aufgebaut, das Abwechslung im ganz großen Stil vorgenommen wird. Mal verträumt, mal straight in die Fresse, mal mystisch (stellenweise sogar psychedelisch) und teilweise einfach nur brachial hasserfüllt entladen HERETOIR ihr gesamtes Repertoir auf neugierige Ohren und ich muss sagen: Sie machen ihre Sache wirklich sehr gut!
Vor dem Mikro wird sowohl gesungen, geknurrt aber auch ordentlich vom Leder geschrien, dass es nur so eine Freude ist. Man findet schnell Zugang und die Songs setzen sich fleiĂźig ins Ohr fest, ohne nach dem 8. Mal langweilig zu werden. Was Neues gibt es auch immer wieder zu entdecken, so dass hier auch auf Langzeit hingearbeitet wurde.
Das Kochrezept wird zwar von Bands wie ALCEST oder LES DISCRETS zelebriert, und doch wird hier das eigene Süppchen gekocht. Anhängern oben genannter Bands werden HERETOIR sofort ins Herz schließen, ansonsten sei jedem Melancholiker oder Black Metal Fan diese Platte ans Herz gelegt, um sie anzutesten und für sich die besten Elemente rauszuhören. Und davon gibt es hier viele zu hören!Fazit: Restlos begeistert, endlich mal wieder ein richtig geiler Geheimtipp! Das gute Musik auch aus Deutschland kommen kann, wird hier eindrucksvoll bewiesen. Vielen Dank, für diese geile Platte!
6/6 Punkte
Radu
GOD DETHRONED REVIEW
GOD DETHRONED – „Under The Sign Of The Iron Cross“ KnĂĽppelpackung, erster Weltrieg als Thema und eine geschmeidige Produktion… Das Konzept klingt simpel und wurde bereits mehrfach von diversen Bands durchgespĂĽlt, aber selten wurde hier die Messlatte so hochgelegt…
Thematisch hat man sich mit dem Kriegstagebuch „In Stahlgewittern“ von Ernst Jünger auseinandergesetzt. Nach einem kleinen Intro knallt auch schon die Platte mit einem Donnerschlag durch die Boxen. Als erstes fällt das ballernde Schlagzeug ins Gewicht, das den Hörer sofort mit aufs Schlachtfeld nimmt. Während des ersten Durchlaufs schwankt die Aufmerksamkeit zwischen dem präzisen (und rasant schnellem) Drumming und den eingehenden Gitarrenmelodien. Die charismatische Stimme, die trotz des Geröchels sehr einfach zu verstehen ist, zeigt ganz klar, das hier auch an der textlichen Thematik akribisch gefeilt wurde.
Neben dem Kriegsgeschehen wird auch dem berüchtigtem Roten Baron Manfred von Richthofen das Stück „Red Baron“ gewidmet. Die Songs knallen präzise, weisen aber auch verspielte und abwechslungsreiche Passagen auf (sogar über etwas cleanen Gesang darf man sich hier freuen). Hier gehen brachiale Härte mit eingehenden Melodien Hand in Hand und entführen den Hörer wirklich in eine andere Dimension.
GOD DETHRONED haben sich eineinhalb Jahre Zeit gelassen und auch ein neues Tier hinter der Schießbude; aber was Mike van der Pflicht da abliefert, lässt seit der „The Grand Gremoire“ das Herz jedes Fans dieser Band höher schlagen.
Fazit: Hier wurde alles richtig gemacht, ein geiles Album, das jeden Freund schnellerer Gangart komplett glĂĽcklich macht. Mein Tipp: Perfekt Autofahr- und Zockermucke! Daumen hoch und ein fettes Danke an GOD DETHRONED!
6/6
Radu
MOTĂ–RHEAD CD-REVIEW
Seit Jahrzehnten sind sie eine feste Größe der internationalen und harten Musikwelt, genauer seit 35 Jahren. Ihr Protagonist, Ian „Lemmy“ Kilmister und dessen whiskygeölte Reibeisenstimme, ist mittlerweile 65 Jahre alt und auch in der jetzigen Besetzung sind sie schon seit 18 Jahren unterwegs. Die Rede ist von MOTÖRHEAD. Mit „The Wörld Is Yours“ haben die Briten dieser Tage zu den 20 bisherigen Studioalben ein weiteres auf den Markt gebracht. Und auch hier geben sich die „smarten“ Burschen, wie ein edler Französischer Wein: Sie werden mit den Jahren immer besser.
Über ihren musikalischen Stil müssen wohl keine Worte mehr verloren werden. Der musische Inhalt dieser Scheibe unterscheidet sich auch stilistisch nicht großartig von seinen Vorgängern. Lediglich wird das Bremspedal hier und da ein wenig getreten, sodass das Ganze immer noch sehr gut rockt, man sich aber dennoch nicht gerade von einer Dampfwalze überrollt fühlt, wenn die Scheibe ausklingt.
Mit einem der besten Stücke, `Born To Lose`, startet das Album. Hitverdächtig, hoher Wiedererkennungswert, starke Instrumentierung und eine gehörige Portion Ohrwurmpotential vereinen sich zu einem heftigen Rocksong. Auch die drei weiteren Stücke `I Know How To Die`, `Get Back In Line` und `Devils In My H ead“ lassen dem Hörer keine Atempause und ziehen mit heftigem Dampf durch die Lautsprecher, bevor dann mit `Rock´n´Roll Music` eine etwas ruhigere musikalische Form zur Ehrerbietung an die Musik selbst gewählt wird.
Damit man sich aber nicht in die ruhigere Sparte verliert, wird anschließend mit `Waiting For The Snake` gleich wieder die Wuchtbrumme herausgeholt und ordentlich abgerockt. `Botherhood Of Man` verfügt dann wieder über ausgesprochenen Ohrwurmcharakter und gehört mit dem folgenden `Outlaw`, ein ideales Livestück zum mit schreien, zu den Highlights des Albums.
Doch auch die letzten beiden StĂĽcke `I Know What You Need` und insbesondere `Bye Bye Bitch Bye Bye` unterstreichen noch einmal die qualitativ gute musikalische Ausrichtung und bilden einen mehr als wĂĽrdigen Abschluss.
Über Nachwuchsprobleme in der Fangemeinde müssen sich die Rock´n´Roller seit jeher kaum Sorgen machen. Mit diesem Album werden sie mit Sicherheit wieder viele neue gewinnen.
Ludger
ODYSSEY CD-REVIEW
ODYSSEY – „Reinventing The Past“ Och nööö, nicht noch ein Cover Album…mag der geneigte Hörer denken, wenn er sich die Tracklist durchliest. Lediglich die letzten drei Songs dĂĽrften nicht jedermann bekannt sein, und ein Blick auf das Cover lässt auch noch nicht wirklich erahnen, was den Hörer so erwarten mag. Also rein in den Player, Kopfhörer auf und ab dafĂĽr…
Als erstes donnert der RAINBOW Klassiker `In The Eyes Of The World` aus den Boxen und man kann es kaum glauben, wie frisch der Song klingt; als hätte er das erste Mal das Licht der Welt erblickt und nur darauf gewartet, endlich auf die Gehörgänge losgelassen zu werden. Doch es bleibt nicht bei Rock Klassikern, sondern auch `In The Heat Of The Night` von Sandra und `Shake The Disease` von DEPECHE MODE werden hier durch den Cover Wolf gedreht und klingen überraschend originell. URIAH HEEP und CANDLEMASS werden hier ebenfalls ordentlich abgefrühstückt und selbst UFO dürften sich bei dem Hörgenuss über die Coverversion fleissig freuen. Insgesamt kommen die Stücke recht progressiv und rockig, doch mit einer ordentlichen Packung Härte rüber. Auch soundtechnisch schreien die Boxen nur noch nach mehr Lautstärke, so dass hier alles am rechten Platz ist.
Was aber verbirgt sich hinter den drei unbekannten Stücken? Das Projekt ODYSSEY hatte lediglich 3 Songs abgeworfen, die nun noch einmal neu abgemischt und aufgenommen wurden und dabei fällt dann auch das letzte Stück Selbstbeherrschung, die man vor dem heimischen CD Player aufbringen kann ab, denn hier wird ganz großes Kino geboten; melodische Gitarrenlinien, die soundtechnisch einfach nur knallen, ein ordentlich klingendes Schlagzeug und dabei eine Gesangsstimme, die sofort durch die Ohren ins Gehirn jagt, um eine Gänsehaut nach der anderen zu erzeugen. „Intensiv“, „Geil“ und „Wow“ sind die ersten Worte, die mir einfallen.
Ein Blick auf die Albumdetails verrät dann allerdings, was erfahrene Ohren bereits wissen, denn hierbei handelt es sich um ein neues Werk von Altmeister DAN SWANÖ, der bereits Bands wie EDGE OF SANITY, NIGHTINGALE, DISSECTION, MARDUK, BLOODBATH, OPETH und unzählige andere Extrembands auf den rechten Weg gebracht haben. Er selbst hat sich musikalisch mittlerweile ganz der progressiven Schiene verschrieben (neben seinen unzähligen Produktionsprojekten) und das ist auch gut so, denn hier bekommt man noch ordentlich Musik fürs Geld! Auch wenn ich mir teilweise wieder seine Growl Stimme und einige Knüppelorgien wünsche, so hat er mich mit diesem Album endlos glücklich gemacht. Für Einsteiger und für nostalgische Altmetaller ist das Album gleichermaßen zu empfehlen. Wer noch nie etwas mit dem Namen „SWANÖ“ anfangen konnte, sollte sich schleunigst das Album besorgen und sich endlos freuen, das heutzutage noch richtig geile Musik gemacht wird.
6/6 Punkten
Sebastian GroĂź



