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KATATONIA INTERVIEW
INTERVIEW KATATONIA
An einem kalten Dezemberabend treten KATATONIA zusammen mit ALCEST und JUNIUS auf, um die Bretter der Welt zu rocken. Bevor es losgeht nahmen sich Hauptsongwriter Jonas und Anders (âBlakkheimâ) etwas Zeit, um mit uns ĂŒber Entwicklung, Live Action und Flugzeugerfahrungen zu plaudern.

Gleich zu Beginn geben sich unsere GesprĂ€chspartner entspannt und glĂŒcklich. âDiese Tour macht einfach SpaĂ; viele Leute haben uns positive Resonancen auf unser Album und unsere Live Auftritte gegeben, was uns sehr glĂŒcklich macht.â Dabei steht die Tour unter keine guten Stern, schlieĂlich wurden die Schweden bereits mehrfach vom Pech verfolgt und so können sie bereits einen ordentlichen VerschleiĂ in Sachen Tourbussen vermelden. âDas ist bereits der dritte Bus, den wir auf dieser Tour habenâ erlĂ€utert Blakkheim. âDie Tour scheint verflucht zu sein, mittlerweile ist alles kaputt gegangen, was kaputt gehen kann. Eine Klimaanlage hier, einige Bremsen da, alles schon gehabt. â Jonas fĂŒgt grinsend hinzu âDieses Mal ist es ein deutscher Bus. Wenn wir diesen also auch kaputt kriegen, ist es eure Schuld.â Insgesamt sind die beiden mit der Tour sehr zufrieden. Die Songs kommen gut an und das Publikum reagiert durchweg positiv sowohl auf die alten, als auch auf die neuen Songs. Auch Per (Gitarre) und Niklas (Bass) haben sich mittlerweile gut ins BandgefĂŒge eingelebt. âDie beiden haben uns ja bereits bei den Aufnahmen zu âNight Is The New Dayâ teilweise ausgeholfen, deshalb war es nicht schwer fĂŒr sie. AuĂerdem geben sie dem Live Auftritt frischen Wind, was uns sehr gut tut.â
Zeitsprung

Grund genug, um einen Zeitsprung in die ersten Jahre der Schweden zu wagen und nach dem Ursprung des Namens zu fragen. âEhrlich gesagt haben wir nach einem Namen gesucht, der cool klingt und unsere Musik widerspiegelt. Die Katatonie ist ein Wachkomazustand, in dem man zwischen Leben und Tod schwebt. Wenn man es genau nimmt, wird es im Lexikon anders geschrieben, aber wir fanden den Namen passend und haben ihn daher behalten. Auch wenn der Name schon alt ist, hat sich fĂŒr mich an der Bedeutung nichts verĂ€ndert. Er passt immer noch sehr gut in unser musikalisches Konzept.â Auf die Frage, was sich am Songwriting in den Anfangstagen geĂ€ndert hat, bekommen unsere GesprĂ€chspartner groĂe Augen. âZu Beginn haben wir uns im Proberaum getroffen und losgelegt. SpĂ€ter haben wir die technischen Möglichkeiten weiter ausgenutzt, indem man einen Vierspurrekorder zuhause hatte, um die Ideen aufzunehmen. Wir haben viel ausprobiert und sind heute auch sehr experimentierfreudig.â Das hat sich in der Vergangenheit bei der âFor Funerals To Comeâ EP gezeigt, auf dem die Schlagzeugspuren aus dem Rahmen fallen. âIch habe zum ersten Mal Schlagzeug spielen wollenâ erklĂ€rt Jonas. âWir hatten gerade mal einen Tag Zeit, um die EP fertig zu stellen, also haben wir Gas gegeben. Statt stundenlang ein Schlagzeug aufzubauen, habe ich mich kurzerhand hinter ein E – Drum Kit gesetzt und losgelegt. Aus heutiger Sicht klingt das Schlagzeug fĂŒr mich grauenvoll.â Allerdings macht gerade das sterile Schlagzeug zusammen mit den melancholischen Gitarrenlinien einen Charme aus, den andere Bands nicht erreichen.
Deadline Kings
ZurĂŒck in die Gegenwart wird kurz auf das aktuelle Album âDead End Kingsâ eingegangen. âWir haben das Album in einem Ratenloch aufgenommenâ erklĂ€rt uns Jonas. âEs war wirklich ein sehr schmaler Raum, in dem zwielichtige Gestalten rum liefen. So wirklich wohl haben wir uns nicht gefĂŒhlt, aber auf der anderen Seite hat es auch motiviert an der Sache dranzubleiben, um wieder aus diesem Loch raus zu kommen. Etwas von der AtmosphĂ€re hat es bestimmt auch auf das Album geschafft.â KATATONIA arbeiten mittlerweile professioneller als in ihren Anfangstagen. Gerade im Hinblick auf Deadlines fĂŒr ein Album haben sie dazugelernt. âWir sehen Deadlines als verbindliche Vereinbarungen an. Wir brauchen einen Arschtritt, weil wir sonst gar nicht aus den Hufen kommen wĂŒrden. HĂ€tten wir keine Deadlines, wĂŒrden wir wahrscheinlich endlos rumdĂŒmpeln und fĂŒr ein Album deutlich lĂ€nger brauchen.â Neben KATATONIA sind die beiden auch in diversen Nebenprojekten beschĂ€ftigt. Blakkheim war mit BLOODBATH und mit DIABOLICAL MASQUERADE zugange, ehe er zweiteres Projekt auf unbestimmte Zeit auf Eis legte. Auf die Frage, ob man auf die Reaktivierung hoffen darf, Ă€uĂert sich Blakkheim nachdenklich. âIn erster Linie sind beide Projekte auch Zeitfresser. BLOODBATH ist fĂŒr uns ein reines SpaĂ Projekt, zu dem wir einmal Lust hatten und was eine willkommene Abwechslung zu KATATONIA ist. Man muss sich nicht lange vorbereiten, sondern kann einfach nach Lust und Laune loslegen.â Auf unseren Vorschlag, BLOODBATH Shirts mit dem Zusatzaufdruck âDeath Metal Holiday â all inklusiveâ zu bedrucken bricht lautes GelĂ€chter aus. âBei Diabolical Masquerade ist es leider andersâ wird Blakkheim wieder ernst. âDas Projekt frisst extrem viel Zeit und Arbeit. Gerade suchen wir nach einem neuen SĂ€nger fĂŒr Bloodbath und sind mit KATATONIA gut beschĂ€ftigt. Die Hauptaufmerksamkeit gilt immer KATATONIA. Was von da aus an Seitenprojekten hervorgeht ist schön, aber nicht vorrangig.â
Flugangst vs. Metalheadz
Auf Tour kommt man gut rum und erlebt einiges. So können auch KATATONIA mit einigen Touranekdoten aufwarten. WĂ€hrend unseres Interviews findet sich der Rest der Band ein, die auch sofort in die Geschichte mit einsteigen. âWir waren auf dem Weg zu einem Festivalâ beginnt Blakkheim. âWir stiegen in den Flieger und sind gerade gestartet, als eine Stewardess zu uns kam und uns bat, alle aufzustehen und ins Cockpit zu kommen, weil der Pilot uns sprechen wollte. Wir haben uns ordentlich in die Hose gemacht weil wir dachten, etwas sei mit dem Flugzeug nicht in Ordnung oder wir wĂŒrden Stress bekommen. Als wir ins Cockpit kamen, drehte sich der Pilot um: ein langhaariger Metalhead mit einem Metalshirt! Wie sich herausstellte, war er ein groĂer Fan von uns und hatte uns an der Gangway gesehen; auĂerdem war er noch ein Bekannter von MOONSPELL, die auch gute Freunde von uns sind. Er fragte uns, wo wir sitzen und beförderte uns kurzerhand in die erste Klasse. Das war schon ein cooles GefĂŒhl, einmal in der ersten Klasse sitzen zu dĂŒrfen.â Daniel (Schlagzeug) setzt nach âSchön war auch, als wir zum Landeanflug ansetzten und wir ins Cockpit kommen durften um uns das von dort aus anzuschauen. Wir haben uns den Kopf an der Decke mit tausend Schaltern gestoĂen und schon Panik gehabt. Im Landeanflug zeigte der Pilot noch auf die die Landschaft, wĂ€hrend wir ihn alle voller Panik anschrieen, er solle sich auf die Landebahn konzentrieren. Was fĂŒr ein geiler Trip!â
The Future (of Speech)
Auf unsere Frage, welche ZukunftsplĂ€ne nach der Tour anstehen, grinst Jonas uns breit an âWeiter touren, was sonst? Neues Album ist im Kasten und jetzt mĂŒssen wir erstmal wieder unter die Leute kommen. Wir planen nĂ€chstes Jahr verstĂ€rkt auf Festivals in Europa durchzustarten. Ein Traum wĂ€re natĂŒrlich in Amerika oder Japan zu spielen, wo wir noch nicht waren.â Entsprechend gestaltet sich auch die Setlist. Konnten sich Fans der ersteren Stunden letztes Jahr ĂŒber alte SchĂ€tze aus der âDance Of December Soulsâ Zeit freuen, wird nun neueres Material gefahren. âIn den Orten, wo man uns noch nicht so kennt, spielen wir auch Ă€lteres Material. Hier bleibt es erstmal bei neuren Sachen, weil man uns hier schon kennt.â Was weiter ansteht, wird die Zeit zeigen. Zum Ende des Interviews zeigen sich die Schweden gutgelaunt und der Tourmanager wird noch kurzerhand als Fotograf umfunktioniert. Endlich normale Leute!
Radu & Chris

FORGOTTEN TOMB -”…And DONÂŽT DELIVER US FROM EVIL…”
FORGOTTEN TOMB â â…And DonÂŽt Deliver Us From EvilâŠâ
PĂŒnktlich zur dunkeln Jahreszeit reiĂen uns die Italiener in einen tiefschwarze Abgrund der Melancholie. Gleich der Opener `Adrift` glĂ€nzt in sĂ€mtlichen Facetten melancholischer Tonkunst: im Mitteltempo duellieren sich die hypnotischen Gitarren, wĂ€hrend kehliger und klarer Gesang gegenseitig miteinander flirten. Man fĂŒhlt sich schnell an Rapture und alte Katatonia erinnert, allerdings können FORGOTTEN TOMB ihren Bandstempel beibehalten.
Gelegentlich wird auch das Gaspedal durchgedrĂŒckt und aufgestauter Hass entlĂ€dt sich ruckartig durch die Boxen, um sich danach wieder zĂ€hflĂŒssig aus den Boxen zu ergieĂen. Abwechslung ist da und auch Spielfreude wird an den Tag gelegt. Zwischendurch dir auch die Sentenced Schiene gefahren, was einiges an Drive verschafft. Leider scheint den Jungs ab der Mitte des Albums die Puste auszugehen. Strotzte man innerhalb der ersten drei Songs voller Innovation, so siecht man danach bis zum Ende des Longplayers eher dahin. Manche mögen es als depressive Stimmung wahrnehmen, anderen wird es eher wie dahingeplĂ€tschert vorkommen.
Ganze sieben Songs werden mit einer wuchtigen Produktion auf den Hörer losgelassen und gerade im Hinblick auf die dunkle Jahreszeit und der beiden oben genannten Bands ist es ein sehr stimmiger Soundtrack fĂŒr die Dunkelheit. Auch die Tatsache, dass hier HĂ€rte nicht nur durch Geschwindigkeit erreicht wird, sondern auch mit vielen kleinen Nuancen (z.B. dezent eingestreuten Akustikpassagen) , fĂ€llt hier sehr positiv ins Gewicht. Im groĂen und Ganzen ein nicht gerade neues Kochrezept, aber sehr ĂŒberzeugend am Start. Wenn in Zukunft noch etwas and er Ausdauer der Songs gearbeitet wird, dĂŒrfen wir uns auf dĂŒstere Zukunft mit dem vergessenen Grab freuen.
4/6 Punkten
Radu
MY DYING BRIDE – “A Map Of All Our Failures”
MY DYING BRIDE â âA Map Of All Our Failuresâ
Vertonte Melancholie, die gĂŒtig von der bittersĂŒĂen Illusion der Hoffnung erstickt wird; soweit die Kurzversion des aktuellen Albums. Nach der orchestralen Retrospektive âEvintaâ und dem old schooligen Lebenszeichen âThe Barghest O` Whitbyâ wird hier das Konzept der âFor Lies I Sireâ fortgefĂŒhrt und vertieft. Hat man bereits bei dem VorgĂ€nger die menschliche Psyche ordentlich durchgeschĂŒttelt, so dringt man jetzt weiter zum Kern vor und setzt das volle Arsenal in Sachen depressiver Tonkunst ein.
Auch beim aktuellen Album ist wieder alles da, wo es hingehört: tonnenschwere Riffs wĂ€lzen sich klaustrophobisch aus den Boxen, das Schlagzeug fĂŒhrt den Hörer an nachdenklichen , melancholischen und aggressiven Momenten vorbei und am Mikro stirbt Aaron den MĂ€rtyrertod auf jede erdenkliche Weise unter Jammern, FlĂŒstern und Grunzen. Mittlerweile hat die sterbende Braut die perfekte Symbiose aus HĂ€rte und Melancholie gefunden, was sowohl neuere, als auch old school Fans gleichermaĂen begeistert. Was also könnte die aktuelle Scheibe neues bringen? Die Antwort ist einfach: IntensitĂ€t! Wo sich andere Bands auf Experimente beim Songwriting einlassen, setzen MY DYING BRIDE auf altbewĂ€hrtes, fĂŒhren es konsequent fort und vertiefen es emotional noch um einiges mehr. DafĂŒr lassen sie sich Zeit, geben dem Hörer durch einprĂ€gsame Gitarrenmelodien einen guten Einstieg in die Songs und zerren ihn dann in einen Abgrund der Verzweiflung. Vom tiefsten Mollwalzer im Herzschlagtakt, ĂŒber hoffnungsvolle Midtempopassagen, bis zur hasserfĂŒllten Aggression werden alle Emotionen raus gelassen, so dass unterm Strich eine kontrollierte Zerstörung jeder Hoffnung ĂŒbrig bleibt.
Die ĂŒber zwanzigjĂ€hrige Banderfahrung lĂ€sst jeden Song mit einer derart prĂ€senten AtmosphĂ€re auf den Hörer los, wie es ausschlieĂlich die sterbende Braut vermag. Allein das Wechselspiel von Gitarren, Violine und eingestreuter Akustikgitarre auf `The Poorest Waltz` lassen mich auf die Knie sinken, wĂ€hrend die Gitarrenmelodie zu Beginn von `Abandoned As Christ` ohne GĂ€nsehaut nicht existiert. Zwischendurch blitzen einige Momente von âA Line Of Deathless Kingsâ und âTurn Loose The Swansâ durch, ohne sie jedoch zu kopieren. Abgrundtiefe Finsternis bricht ĂŒber den Hörer herein und lĂ€sst ihn mit jeder Faser die Verzweiflung spĂŒren, wĂ€hrend man sich an eine ferne Illusion der Hoffung klammert. Vertonte Verzweiflung und hinreiĂende Melancholie, so und nicht anders muss sie klingen!
5/6 Punkten
Radu
TIAMAT NEWS
Neues Album der Schweden TIAMAT im Anmarsch! das gute StĂŒck hört auf den Titel “The Scarred People” und wird am 02.11.2012 ĂŒber Napalm records fĂŒr Furcht und Schrecken sorgen. Coverartwork und Tracklist wurdenf risch enthĂŒllt.
01. The Scarred People
02. Winter Dawn
03. 384 – Kteis
04. Radiant Star
05. The Sun Also Rises
06. Before Another Wilbury Dies
07. Love Terrorists
08. Messinian Letter
09. Thunder & Lightning
10. Tiznit
11. Born To Die [Bonus Track]
12. The Red Of The Morning Sun
13. Paradise [Bonus Track]
14. Divided [Live] [Bonus Track]
15. Cain [Live] [Bonus Track]
KATATONIA-”Dead End Kings”
KATATONIA â âDead End Kingsâ
âGleichgĂŒltig thronend,
schĂŒchtern zerstörend,
mit Anmut herrschend,
sich im Gehirn windend.
Wenn Musik mit der Seele sanft verschmilzt
und den Geist ĂŒber jedes Fleisch erhebt, um
jede Dimension mit jenen KlĂ€ngen zu umspannen.â
Sebastian Radu GroĂ
Es gibt verschiedene Wege âDead End Kingsâ zu beschreiben und ungewöhnliche Alben erfordern ungewöhnliche Reviews. Wer KATATONIA bereits seit den Anfangstagen hört wird mir zustimmen, dass die musikalische Entwicklung einzigartig ist. Angefangen von der ersten EP, ĂŒber das Meisterwerk âDance Of December Soulsâ, das Grenzen auslotende âBrave Murder Dayâ, GroĂtaten wie âViva Emptinessâ, die bahnbrechende âGreat Cold Distanceâ oder die wegweisende âNight Is The New Dayâ. Ich hatte nach jedem Album das GefĂŒhl, dass die Jungs nun ihr Maximum an musikalischer KreativitĂ€t rausgeholt haben und doch hat sich die fleischgewordene Katatonie immer weiter entwickelt. Um so gespannter war ich auf âDed End Kingsâ, wobei allein der Albumname nicht passender hĂ€tte sein können.
Der Opener `The Parting` macht bereits im Vorfeld alles klar, denn Streicher beschwören gemeinsam mit Jonas` Stimme den Song herauf, der von Loopeffekten getragen wird, bis er explodiert. Die GĂ€nsehaut, die sich jetzt bereits einstellt, wird auch in den weiteren 10 StĂŒcken nicht verschwinden, allerdings werden die Songs auch unterschiedliche EindrĂŒcke hinterlassen. Hier die Quickversion der Songs: Silje Wergeland (The Gathering) beschert uns mit Jonas bei âThe One You Are Looking For Is Not Hereâ ein Gesangsduett, das den kompletten Song trĂ€gt und schweben lĂ€sst. Untermalt von Streichern und abgehackten Riffs wird die BrĂŒcke zwischen Ruhe und Melancholie gespannt. `Hypone` wird durch ein Piano durch den gesamten Song gefĂŒhrt, wĂ€hrend seine Umrisse abwechselnd neu erblĂŒhen und erneut in der Dunkelheit verschwinden. Bei âThe Racing Heartâ sinkt der Hörer endgĂŒltig auf die Knie, denn hier wurden die Magie von `Unfurl` zusammen mit den bedĂ€chtig voranschreitenden Momenten kombiniert, ohne in brachialen Riffs zu verfallen. `Buildings` zeigt auf, dass es weder in Sachen GĂ€nsehaut, noch beim LautstĂ€rkeregler zufrieden stellende Grenzen gibt. Brachial knallt ein Götterriff aus den Boxen, das alles um sich herum niederwirft, um sich selbst zum König zu krönen. Krasse Kontrastarbeit wird bei `Leech` geleistet, denn Pianoarrangement und wachsende Riffs dominieren den Song, bevor er mit Gitarrensoli und cleanen Riffs in ungeahnte Höhen klettert. `Ambitions` lĂ€sst den Hörer hinter jede menschliche Maske blicken, denn aus schĂŒchternder Introversion erwĂ€chst eine charismatische Kraft, die seinesgleichen sucht. Die AtmosphĂ€re der âFor Funerals To Comeâ EP wurde in das Jahr 2012 mit dem Song `Undo You` katapultiert. `Lethean` beschreibt den emotionalen Befreiungsschlag von allen menschlichen Ketten, dynamisch, selbstbewusst und auf eigene Weise stolz. Jonas wirft sich direkt in `First Prayer` hinein, der sĂ€mtliche Elemente KATATONIAS vereint, eingebettet in nachdenklichen Momenten, vorpreschenden Elementen, bis hin zu nackenbrechenden Moshriffs. Mit `Dead Letters` schlieĂt sich der Kreis, wobei augenzwinkernd das musikalische Level von âNight Is The New Dayâ weiterentwickelt wird.
Was hat sich insgesamt getan? Die Songs gehen sofort ins Ohr und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Allerdings ist das nur der oberflĂ€chliche Eindruck, denn erst nach mehrmaligen DurchlĂ€ufen begreift der Hörer erst die Songstruktur umfassend und findet sich in einer tieferen emotionalen Ebene wieder. Der erste Eindruck lockt zwar bereits, doch der volle Umfang erschlieĂt sich erst nach mehrmaligem und intensiven Durchhören. Zur WeiterfĂŒhrung des Sounds wurden Streicher, Piano und nicht zuletzt Gastmusiker (The Gathering) eingesetzt. Dadurch schaffen es KATATONIA ihre Musik vielschichtiger zu gestalten und den Hörer auf unterschiedlichen Weisen und Ebenen anzusprechen. Mittlerweile haben die Jungs einen musikalischen Level erreicht der es ihnen erlaubt, sĂ€mtliche menschlichen GefĂŒhle zu erkunden und zu vertonen. So VielfĂ€ltig wie die Emotionen, so tiefgrĂŒndig sind die Songs auf âDead End Kingsâ. Altbekannte Trademarks wie die zerbrechliche Stimme von Jonas, die innovative und gleichzeitig kraftvolle Gitarrenarbeit Blackheims, aber auch das stilĂŒbergreifende Schlagzeugspiel hilft Fans sich in den Songs zurechtzufinden.
Im Netz kursieren bereits die ersten Reviews mit unterschiedlichen Reaktionen und das ist auch gut so. Einige Fans dĂŒrften die Scheibe als zu weit entfernt von den Wurzeln empfinden, anderen dĂŒrfte es zu viele bekannte Elemente geben, das muss jeder fĂŒr sich entscheiden. Fakt ist, dass man âDead End Kingsâ weder mit anderen Bands oder Alben vergleichen, noch in eine stilistische Sparte schieben kann. Deshalb sind KATATONIA auch Leaders, not followers, denn nur so können auch Meilensteine wie das aktuelle Album entstehen. Sie versuchen erst gar nicht eine bestimmte Musikrichtung anzusteuern, sondern konzentrieren sich stattdessen auf das, was heutzutage leider viel zu selten geworden ist: das GefĂŒhl, wenn man die Augen schlieĂt und in Klangwelten komplett versinkt, um tief in GefĂŒhlswelten einzutauchen.
Fazit: KATATONIA haben mit âDead End Kingsâ mehr getan, als man erwarten kann. Die Songs umgarnen den Hörer bereits beim ersten Durchlauf, setzen sich nach einiger Zeit tief in den Hirnwindungen fest und explodieren dann, um den Blick auf sĂ€mtliche Emotionen freizugeben, die einem durch Musik vermittelt werden kann.
6/6 Punkten
Radu
ALCEST NEWS
Neues aus den ProberÀumen von ALCEST. Mastermind Neige gab einige Details zu den aktuellen Arbeiten am neuen Album bekannt:
Hallo da drauĂen! Vor einigen Tagen haben Winterhalter und ich Demos fĂŒr das nĂ€chste ALCEST Album, fĂŒr welches wir mit dem Songwriting schon fast fertig sind, aufgenommen. Nur noch ein paar Arrangements wie auch die Lyrics fehlen uns noch … Die Lyrics schreiben wir immer erst am Ende des Prozesses. Wie ich schon kĂŒrzlich in Interviews gesagt habe, kann man sich etwas erwarten, das sich von den frĂŒheren ALCEST Alben unterscheiden wird. Ich glaube nicht, dass es noch [viele] metallische Elemente beeinhalten wird, obwohl es sehr viele intensive und dynamische Teile geben wird. Die Dinge wurden einfach auf eine andere Art und Weise gemacht, aber der Kern der Sache bleibt der selbe. Das Album wird zurĂŒckkehren zur nostalgischen Seite von ALCEST – es ist sehr vertrĂ€umt, aquatisch und etwas weniger progressiv als die letzten beiden Alben. Melodien brauchen ihre Zeit, um zu wachsen, wenn ihr versteht, was ich meine. Ich bin sehr aufgeregt, was diese neuen Songs betrifft und die neue Herangehensweise fĂŒhlt sich sehr erfrischend an. Ich kann auch schon sagen, dass das Album nĂ€chsten MĂ€rz in Island in den Sundlaugin Studios [das Studio von SIGUR ROS] aufgenommen werden wird. Produzent wird Birgir JĂłn Birgisson sein. Es wird auch verschiedene Gast-Auftritte geben – mehr Infos darĂŒber werde ich spĂ€ter bekannt geben. Ich werde euch auf dem Laufenden halten!
HERETOIR “Substanz”
HERETOIR â âSubstanzâ
Bereits mit ihrem DebĂŒt-Album âHeretoirâ stieĂ die Band auf neugierige Ohren. Nach einigen Liveauftritten (u.a. mit ALCEST und LES DISCRETS) ging es an die Wiederveröffentlichung alter Tracks, der âExistenzâ EP und einigen Bonustracks. Herausgekommen ist dabei eine weitere Perle fĂŒr alle avantgardistischen Black Metal Fetischisten.
Gleich zu Beginn stellen HERETOIR den Hörer auf eine Geduldsprobe und trennen auf ihre Art die Spreu vom Weizen. OberflĂ€chliche Hörer stempeln den ersten Eindruck als 08/15 Black Metal ab, wĂ€hrend man sich bei genauerem Hinhören innerhalb weniger Sekunden in dem hypnotischen Songgeflecht von âErwachen im Dunkelâ verliert. Die dreckige Produktion ist bewusst gewĂ€hlt und verleiht der Melancholie einen guten Schwung HĂ€rte. Zwischendurch wird sich auch mal in einen Song reingeblastet, um den Hörer aus einer vertrĂ€umten AtmosphĂ€re herauszureiĂen und die Matte zum Kreisen zu bringen. Am Mikro gibt es alles, was das Herz begehrt: krankes Geschrei, mystisches FlĂŒstern, aber auch richtig geilen GĂ€nsehautgesang. Verteilt auf zwei CDs macht die Compilation auch vom Umfang einiges her, wobei auch auf die Stimmigkeit geachtet wurde: Auf der ersten Scheibe gehtÂŽs rĂ€udiger zur Sache, wĂ€hrend man bei dem zweiten Silberling auf eine saubere Produktion gesetzt hat.
Die Musik erschlieĂt sich bereits beim ersten Durchhören, entfaltet ihre Wirkung allerdings gerade bei mehrmaligem Hören. SpĂ€testens nach dem zweiten Durchlauf bemerkt man die Mischung aus GĂ€nsehaut, Aggression und Melancholie und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hypnotische Gitarrenmelodien, rabiates Hasenfick-Drumming, Schreie und gesprochene Passagen, aber auch erhabene Momente geben sich hier die Klinke in die Hand. Jeder Song fĂŒr sich ist Stimmung, aber HERETOIR beherrschen zusĂ€tzlich die Kunst auf den Gesamteindruck zu achten und der ist einfach nur grandios. Die aktuelle Scheibe ist ein Bastard aus ULVER und KATATONIA, der mit einem eigenen Herzschlag aufwarten kann und somit absoluter Pflichtkauf ist. Anspieltipps sind von der Laune des Zuhörers abhĂ€ngig, aber hier wird definitiv jeder bedient. Freunde der vorher genannten Bands sollten einfach nur den Song `Aura` antesten, der fĂŒr sich alleine schon Grund genug ist, sich diese Scheibe zuzulegen.
Fazit: Was bereits beim DebĂŒt-Album angedeutet wurde, verfestigt sich in dem aktuellen Output. HERETOIR stehen fĂŒr mich ab sofort fĂŒr emotionalen und genreĂŒbergreifenden Metal der eigenen Sorte. In ihrer Musik spiegeln sich viele Facetten des Lebens wider und die Jungs konzentrieren sich auf das, was bei den meisten Outputs leider fehlt: das GefĂŒhl, das man bei der Musik verspĂŒren kann, in seiner eigenen Welt versunken und sich seiner âExistenzâ bewusst werden.
6/6 Punkten
Radu
KATATONIA TOUR
Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss und so beehren uns die schwedischen Melancholiekönige KATATONIA Ende des Jahres mit eienr Tour, die es in sich hat. Neben ihrem neuen Album “Dead End Kings” ( erscheint am 27. August 2012) haben sie als Wegbegleiter noch ALCEST und JUNIUS am Start. Also, Lieblingsshirt angezogen, Kumpels bescheid sagen und ab zum Pflichttermin!
16.11. Berlin - Huxleys 28.11. SaarbrĂŒcken - Garage 29.11. MĂŒnchen - Theaterfabrik 02.12. Köln - Live Music Hall 03.12. Stuttgart - Longhorn 05.12. Hamburg - Markthalle 06.12. Leipzig - Werk 2 07.12. Frankfurt - Batschkapp
KATATONIA NEWS
Das Warten hat ein Ende und KATATONIA lĂŒften das Geheihmnis um ihren neuen Longplayer! Einen ersten Eindruck vom neuen Album “Dead End Kings” gibtÂŽs in Form des Songs `Dead Letters`.
Watch below!
KATATONIA NEWS
Endlich ist es soweit: die Könige der Melancholie KATATONIA enthĂŒllen Tracklist und Cover des im August erscheinenden DĂŒsterlings “Dead End Kings”.
01. The Parting
02. Hypnone
03. Undo You
04. The Racing Heart
05. Buildings
06. Leech
07. The One You Are Looking For Is Not Here
08. First Prayer
09. Ambitions
10. Lethean
11. Dead Letters



