MY DYING BRIDE – “A Map Of All Our Failures”

Posted by Radu On Oktober - 24 - 2012

MY DYING BRIDE – „A Map Of All Our Failures“

MY DYING BRIDEVertonte Melancholie, die gütig von der bittersüßen Illusion der Hoffnung erstickt wird; soweit die Kurzversion des aktuellen Albums. Nach der orchestralen Retrospektive „Evinta“ und dem old schooligen Lebenszeichen „The Barghest O` Whitby“ wird hier das Konzept der „For Lies I Sire“ fortgeführt und vertieft. Hat man bereits bei dem Vorgänger die menschliche Psyche ordentlich durchgeschüttelt, so dringt man jetzt weiter zum Kern vor und setzt das volle Arsenal in Sachen depressiver Tonkunst ein.

Auch beim aktuellen Album ist wieder alles da, wo es hingehört: tonnenschwere Riffs wälzen sich klaustrophobisch aus den Boxen, das Schlagzeug führt den Hörer an nachdenklichen , melancholischen und aggressiven Momenten vorbei und am Mikro stirbt Aaron den Märtyrertod auf jede erdenkliche Weise unter Jammern, Flüstern und Grunzen. Mittlerweile hat die sterbende Braut die perfekte Symbiose aus Härte und Melancholie gefunden, was sowohl neuere, als auch old school Fans gleichermaßen begeistert. Was also könnte die aktuelle Scheibe neues bringen? Die Antwort ist einfach: Intensität! Wo sich andere Bands auf Experimente beim Songwriting einlassen, setzen MY DYING BRIDE auf altbewährtes, führen es konsequent fort und vertiefen es emotional noch um einiges mehr. Dafür lassen sie sich Zeit, geben dem Hörer durch einprägsame Gitarrenmelodien einen guten Einstieg in die Songs und zerren ihn dann in einen Abgrund der Verzweiflung. Vom tiefsten Mollwalzer im Herzschlagtakt, über hoffnungsvolle Midtempopassagen, bis zur hasserfüllten Aggression werden alle Emotionen raus gelassen, so dass unterm Strich eine kontrollierte Zerstörung jeder Hoffnung übrig bleibt.

Die über zwanzigjährige Banderfahrung lässt jeden Song mit einer derart präsenten Atmosphäre auf den Hörer los, wie es ausschließlich die sterbende Braut vermag. Allein das Wechselspiel von Gitarren, Violine und eingestreuter Akustikgitarre auf `The Poorest Waltz` lassen mich auf die Knie sinken, während die Gitarrenmelodie zu Beginn von `Abandoned As Christ` ohne Gänsehaut nicht existiert. Zwischendurch blitzen einige Momente von „A Line Of Deathless Kings“ und „Turn Loose The Swans“ durch, ohne sie jedoch zu kopieren. Abgrundtiefe Finsternis bricht über den Hörer herein und lässt ihn mit jeder Faser die Verzweiflung spüren, während man sich an eine ferne Illusion der Hoffung klammert. Vertonte Verzweiflung und hinreißende Melancholie, so und nicht anders muss sie klingen!

5/6 Punkten
Radu

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