REVIEW:PARADISE LOST

Posted by Radu On Mai - 26 - 2015

Paradise Lost

The Plague Within

PARADISE LOST sind immer fĂĽr eine Ăśberraschung gut. Nachdem Nick Holmes sich bei Bloodbath wieder mit dem rauchigem Gesang angefreundet hat und Greg Mackintosh bei Vallenfyre fremdgegangen ist, war die ĂśberfĂĽhrung der aggressiven Schiene in das neue Album eigentlich schon fast vorhersehbar. Dennoch ging ein Ruck durch die Fangemeinde als angekĂĽndigt wurde, dass auch das Gesamtkonzept wieder eher an die „Lost Paradise“, „Shades Of God“ und „Gothic“ Zeiten angelehnt sein wird. Eine weitere old school Scheibe, um den Altersprozess aufzuhalten? Nicht ganz…

`No Hope In Sight` dürften bereits die meisten vom Video her kennen, markiert es doch einen simplen und gleichzeitig aggressiven Ohrwurm, der durch die Gitarrenläufe schnell injiziert wird. Damit begnügt man sich nicht, man ist für Überraschungen gut; das ballernde Rythmusmonster `Terminal` oder das Duett mit Gregs Frau `An Eternity Of Lies` zieren sowohl älteres Material, als auch teilweise moderne Gesangselemente. `Punishment Throgh Time` ist ein Bastard Riff aus Paradise Lost und Tony Iommi, das sich kurzfristig auf die `Pity The Sadness` Schiene einschießt. Zähflüssig kriecht `Beneath Broken Earth`aus den Boxen, eine Kathedrale der Verdammnis, in der die Wiedergeburt des Doom Einzug erhalten hat. Rock´n Growl wird mit `Cry Out`zelebriert, ohne dabei die Anleihen von Sisters Of Mercy auszulassen. Jeden Song der Scheibe zu analysieren würde dem Gesamteindruck jedoch nicht gerecht werden, denn dafür hat das Album etwas, das ich seit einigen Jahren vermisst hatte: ein extrem präsentes PARADISE LOST Feeling.

Es gibt viel auf der Scheibe zu entdecken, sehr viel, das sich beim ersten Durchlauf „nur“ sehr gut anhört. Die britischen Eigenbrötler limitieren sich jedoch nicht auf die Erwartungen der Fans, indem sich ausschließlich auf den old school Zug aufspringen. Den Tribut an die alten Tage überlassen sie Bands wie beispielsweise Entrails, während neben Gregs charismatischen Gitarrenläufen auch Nicks flexibler Gesang mühelos die Brücke zwischen legendären Alben und einem modernen Touch schlägt. Die Hitdichte ist auf „The Plague Within“ präsent, wie seit Jahren nicht mehr, während gleichzeitig die Langzeitwirkung Einzug in die Synapsen hält. Ich ertappe mich während des Hörens einige Male, wie ich Gefühlsregionen der „Icon“ oder „Draconian Times“ Phase einen Besuch abstatte und merke, dass ich älter geworden bin. Vielleicht ist es Nick & Co ebenfalls so gegangen, denn eine stumpfe Wiederholung der alten Glanztage gibt es nicht, sondern eine weitergedachte und gereifte Version der großen Alben. Man nehme die alten Tage, gieße einen Schuss der moderneren Alben „One Second“ und „Paradise Lost“ hinzu und lasse alles in einem Weinkeller einige Jahre reifen. Das Ergebnis dürfte „The Plague Within“ auf dem Etikett tragen, das an die unbekümmerten Tage der Briten erinnert und gleichzeitig einen eigenen Akzent in das Jahr 2015 transportiert.

Würde es ein Debütalbum einer jungen Band sein, wäre dieses Album definitiv der Durchbruch. Die Songs klingen frisch und unverbraucht und gleichzeitig gesetzt, ohne den Aggressionsfaktor zu schmälern. Als besonderes Zuckerl gibt es endlich auch mal ein aussagekräftiges Cover, das ich bei den letzten Veröffentlichungen vermisst habe. Es spiegelt sowohl die Stimmung, als auch den Stellenwert von PARADISE LOST wieder: alte und totgeglaubte Götter erheben sich neu, um ein zeitloses Werk abzuliefern, das den Alten einen neuen Frühling und den Küken eine Inspirationsquelle bescheren soll.

Fazit: jede weitere Beschreibung erübrigt sich, denn das Album ist schlicht und ergreifend Pflicht. Wer das Album (auch beim ersten Durchlauf) hören kann, ohne ein langanhaltendes Grinsen oder eine Gänsehaut zu bekommen, sollte sich dringend medizinisch untersuchen lassen. Aggressiv, modern und teilweise dreckig, so klingen PARADISE LOST anno 2015 und setzen damit ihre eigene Duftmarke im Metal Sektor, wofür sie auch schon seit ihren Anfangstagen bekannt sind. „The Plague Within“ markiert den zweiten Frühling einer Band, die sich durch Vielfältigkeit ausgezeichnet hat und dieses Mal den Nerv der Zeit exakt getroffen hat. Daumen hoch!

5/6 Punkten

Radu

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