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Wacken 2018 – Auf der Suche nach dem Schlamm

Posted by Etienne On August - 13 - 2018

38404589_2286452341371851_1540141028571348992_oWas erwartet man am wenigsten, wenn 75.000 Fans aus aller Welt wie jedes Jahr nach Wacken pilgern? Richtig, eine Staubwüste! Aber zum Glück sind Metalheads anpassungsfähig und so war auch die 29. Ausgabe des größten Metal-Festivals der Welt ein voller Erfolg. Auch dieses Jahr war die ehemalige „Frühanreise-Gebühr“ im Ticketpreis enthalten und so stürmten bereits am Montag große Teile der Besucher die Camping Plätze. Doch durch die jahrelange Erfahrung der Veranstalter lief alles in geordneten und zügigen Bahnen ab, sodass die ersten gegen Montagmittag ihre Zelte neben ihren Autos aufgeschlagen hatten und ihr kühles Bier genießen konnten. Metal Impressions erreichte das „Holy Land“ gegen 16.00 Uhr am Montag und gewann somit schon lange bevor die ersten Bands spielten die ersten Eindrücke. Für mich, als langjährigen Wackengänger, stellte sich direkt ein Gefühl von Heimat ein. Und so ließ ich mit meiner Gruppe und einigen hinzugekommenen Nachbarn, entspannt den Abend ausklingen. Am nächsten Morgen, viel zu früh von der brütenden Hitze geweckt, musste ich feststellen, dass die Bändchenausgabe für die Presse erst mittwochs öffnet und ich daher gezwungen war auf dem Campground zu verweilen. Also wurde die Zeit genutzt, um eben diesen zu erkunden. Bei gefühlt 40 Grad im Schatten lief ich also von Campground W, auf den es mich verfrachtet hatte, los um mir ein Bild von der allgemeinen Stimmung zu machen. Aufgrund des seit Wochen mangelnden Regens und der extremen Hitze fehlte der altbekannte und allseits beliebte Wackenschlamm, sodass die Schlammtaucher dieses Jahr vorerst ohne auskommen und anders für Abkühlung sorgen mussten. Wo das Auge auch hinblickte, waren entweder Wasserspritzpistolen oder gar unterwegs noch hastig gekaufte Pools zu sehen, um sich und den anderen das Wetter erträglicher zu machen. Netterweise spendeten auch die Händler mit einigen Wasserschläuchen eine kleine Erfrischung und sorgten dabei sogar für kleine Matschpfützen, welche auch schleunigst von eingefleischten Wackenfans genutzt wurden, welche ihre liebgewonnenen Schlammlöcher vermissten. Mittwochmorgen konnte ich dann endlich, nach einem abermals sehr heißen Marsch durch das ganze Dorf und zweistündiger Wartezeit, mein Bändchen abholen und endlich frei auf dem Gelände umherstreifen und so begab ich mich zum Infield. Trotz des Wetters war gefühlt schon die Hälfte der Besucher dort unterwegs und besuchten einen der vielen Händler, bestaunten die Metallskulpturen verschiedenster Metal-Größen oder standen, ebenso unentschlossen wie ich, auf der riesengroßen „Fressmeile“.

38452378_2286452518038500_4750645252883218432_oAuf den kleinen Bühnen hatten zwischenzeitig schon die ersten Bands angefangen und ließen die ersten metallischen Töne über dem Gelände erklingen. Wie es seit Jahren Tradition ist eröffneten im Bullhead Circus die Metalbattle–Gewinner aus verschiedensten Ländern die kleinen Bühnen. So spielten beispielsweise die Gewinner aus Indien, Israel oder der Karibik an diesem Tag und heizten der Menge weiter ein. Mein erstes Konzert für das Wacken 2018 war JESPER BINZER, seines Zeichens Sänger der Band D-A-D. Nach einer kurzen Suche nach der Beergarden-Stage, erreichte ich diese gerade noch rechtzeitig, um die ersten Klänge mit einer kleinen Traube von etwa 150 Menschen zu genießen. Nach einem gelungenen Start mit dem Titelsong seines Soloalbums „Dying Is Easy“, folgten sechs weitere Lieder, welche allesamt vom selbigen stammten. Unterbrochen wurden sie hierbei immer wieder von Jesper, der zwischen den Songs in etwas gebrochenem aber problemlos verständlichem Deutsch dem Publikum von der Entstehung seines Solo-Projekts erzählte und mit seinem schelmischen Lächeln alle Anwesenden für sich gewann. Nach einer kurzen Abkühlung an einer der Wasserstellen ging es für mich wieder ins Camp, um mich auf den Abend vorzubereiten und etwas zu essen. Erst gegen 22.55 Uhr ging es dann im Bullhead Circus mit den Brasilianern von SEPULTURA weiter. Nach knapp 24 Jahren Bandgeschichte und einigen Besetzungswechseln, inklusive dem ehemaligen Sänger Max Cavalera, zeigte sich die Truppe, trotz verhältnismäßig kleiner Bühne, wie immer energiegeladen. Die Fans dankten es ihnen mit einem erzwungenen Einlassstop am Circus wegen Kapazitätsmangel und ausgelassener Stimmung. Von insgesamt 13 Songs stammten dabei beachtliche vier Stück von der letztes Jahr erschienen Scheibe „Machine Messiah“ und mit dem Evergreen `Roots Bloody Roots´ fand der Abend einen krönenden und nochmal auspowernden Abschluss. Auch Donnerstags eröffneten wieder einige Metalbattle–Gewinner die kleineren Bühnen und so entschied ich mich mir BEHIND BARS aus Belgien und DIE FROM SORROW aus China anzuschauen, um im Circus der Hitze ein wenig zu entgehen. Der rapide Wechsel vom Gemisch zwischen Core und Thrash bei BEHIND BARS und den anschließenden Melodic Death Metal-Klängen bei DIE FROM SORROW war anfangs ungewohnt, aber beide Bands waren auf ihrem Gebiet absolut überzeugend und bildeten für mich einen super Start in den Tag. Trotz der frühen Uhrzeit war auch schon gefühlt das halbe Zelt gefüllt, was die Shows für Publikum und Bands natürlich umso erfreulicher und spaßiger machte.

Nachdem ich mich gezwungenermaßen wieder etwas abgekühlt hatte, begab ich mich auf das morgens mit hunderten Litern Wasser gesprengte Infield vor den Hauptbühnen, um dort VINCE NEIL, den ehemaliger Sänger von MÖTLEY CRÜE, zu bestaunen, welcher Großteils seine MÖTLEY CRÜE-Klassiker zum Besten gab. Für viele der Anwesenden ging dabei ein Traum in Erfüllung, die MÖTLEY CRÜE Hits `Shout at the Devil´ oder `Dr. Feelgood´, trotz der Trennung der Band vor zwei Jahren, nochmals live hören zu können. Auch das LED ZEPPELIN-Cover `Whole Lotta Love´ wurde vom Publikum mehr als freudig aufgenommen. Direkt im Anschluss lief ich im Eiltempo zur Wasteland-Stage, auf der die deutsche Horror-Rock ´n Roll-Band THE FRIGHT im kleinen Kreis spielte. Während die Fans vor der Bühne mit zwei riesig aufgeblasenen Bällen spielten oder einfach im Rhythmus mit dem Kopf nickten, wurde die Band auf der Bühne von zwei Damen der Wasteland-Warriors unterstützt, welche zur Musik tanzten und den Leuten mit (selbstverständlich im Endzeitdesign) angepassten Wasserpistolen oder Wasserbomben immer wieder eine kleine Abkühlung verpassten.

38297846_2284454424904976_4593545236210253824_oGekrönt wurde die Show von einer anschließenden Tour der Wasteland Warriors durch das Wackinger Village, wobei sie selbstverständlich auch ihre Wagen und Motorräder im Endzeitdesign zur Schau stellten. Weiter ging es für mich nach einer kurzen Pause auf der Hauptbühne mit der polnischen Metal-Gewalt von BEHEMOTH. Trotz der recht kurzen Spielzeit von einer Stunde und fünfzehn Minuten gaben sie hierbei 14 Songs zum Besten, welche durch die gewohnte Härte mit Klassikern wie `O Father O Satan O Sun!´ oder der Live-Premiere von `God = Dog´ den heiligen Wackenboden zum Beben brachten. Die Musik irgendwo zwischen Black und Death Metal sorgte hierbei für einige Haarventilatoren und auch sonst für ein Publikum, bei dem keiner still stehen konnte. Direkt im Anschluss übernahm DANZIG auf der zweiten Hauptbühne, auf die man auch von meiner Position einen nahezu perfekten Blick und Sound hatte. Nachdem DANZIG in gewohnter Manier mit Songs wie `Mother´ oder `How the Gods Kill´ überzeugt hatten, ging es für mich mit dem Highlight des Abends weiter: JUDAS PRIEST. Wie man es von ihnen gewohnt ist, begannen sie gleich mit einem Knaller und brachten mit dem Titelsong zur aktuellen Scheibe `Firepower“ direkt die ganze Menge in Bewegung. Es folgten eineinhalb Stunden Show, die mit Songs wie `Painkiller´, `Tyrant´ oder `Rising from Ruins´ eine wunderbare Reise durch die Bandgeschichte gaben. Zum Abschluss gab es nochmals eine besondere Überraschung für alte Fans der Band: Der aufgrund einer Erkrankung ausgetretene Glenn Tipton betrat für die drei Songs der Zugabe ebenfalls noch einmal die Bühne und spielte mit. So wurde aus den ohnehin gut gewählten Songs `Metal Gods´, `Breaking the Law´ und  `Living after Midnight´ nochmals etwas ganz Besonderes. Ich begab mich hiernach glücklich, erschöpft und immer noch überhitzt in mein Camp, um mich für die noch folgenden zwei Tage zu erholen.

Der Freitag begann für mich eher spät mit KORPIKLAANI, welche um 14.35 Uhr die Louder Stage bespielten. Erneut war ich erstaunt, wie viele Leute bereits in der Mittagssonne standen und dem Wetter zum Trotze zu `Lempo´,  `Man with a Plan´ oder `Vodka´ hüpften und mitsangen oder einfach nur ihr Bier genossen. Immer wieder wurde dabei von der Bühne zum Trinken animiert, während die Finnen ihre Lieder über das Feiern oder die finnischen Mythen sangen. Nach einem weiteren Stop auf der Fressmeile und den altbekannten Entscheidungsproblemen ging es weiter zur Louder-Stage auf der 2 CELLOS gerade begonnen hatten. Diese warteten mit absolut genialen Cello-Varianten der Songs ,Thunderstruck´ (im Original von AC/DC) und ,Seven Nation Army´ (Original von THE WHITE STRIPES) auf und ihre Mühe und Anstrengung war mehr als deutlich an den gerissenen Haaren ihrer Bögen sehen konnte. Durch eine Überschneidung musste ich leider nach diesem kurzen Einblick auch direkt weiter zur Faster-Stage auf der CHILDREN OF BODOM bereits begonnen hatten und die gerade den Albumtitel ihrer aktuellen Scheibe „I Worship Chaos“ von der Bühne erschallen ließen. Dies blieb im Anschluss aber auch ihr einziges aktuelles Lied und man konzentrierte sich auf die restlichen acht Alben, was die Fans mit großer Begeisterung aufnahmen. Mit Songs wie ,Towards Dead End´, ,Everytime I Die´ oder ,Downfall´ sorgte die Melodic Death Metal-Kombo für ausgelassene Stimmung und trotz einiger kurzer Verwehungen des Tons durch den kurzzeitig stärkeren Wind für ein Grinsen in den Gesichtern der Fans. Kurz nach Mitternacht begann dann für viele der Secret Headliner des Festivals: OTTO UND DIE FRIESENJUNGS. Zuvor gab Otto noch zu sehr unsicher zu sein, wie er und seine Musik auf einem Metal-Festival ankommt, stahl dann aber souverän IN FLAMES, welche gleichzeitig auf der Hauptbühne spielten, die Show. Gefühlt mindestens die Hälfte der Besucher drängte sich vor verhältnismäßig kleinen Louder-Stage und grölten aus voller Kehle zu seinen Hits wie ,Friesenjung´, ,Örtchen´ oder ,Wir haben Grund zum Feiern´. Selbst auf dem Weg zum Zelt ließen es sich die Fans nicht nehmen weiterhin lautstark ´Friesenjung´ weiter zu singen. Der letzte Tag begann nach einem mehr oder minder ausgewogenen Frühstück mit einer über eine Stunde zu frühen Ankunft an der Harder-Stage, um SKINDRED später aus der ersten Reihe zu sehen.

Somit konnte ich die ganze Show der Folk-Metal-Piraten von ALESTORM bestaunen, welche in dieser Zeit auf der Faster-Stage für Stimmung sorgten. Von der Seite sah das Infield vor der Stage nahezu vollständig gefüllt aus und bestand nahezu ausschließlich aus hüpfenden, trinkenden oder crowdsurfenden Menschenmassen. Mit ihren Songs `Drink´, `Fucked With an Anchor´ oder gar dem TAIO CRUZ Cover zu dessen Hit `Hangover´ und ihrer riesigen crowdsurfenden Gummiente fühlte es sich mehr nach einer ausgelassenen Partynacht für Metalheads an, als nach einem Metal-Festival, aber es war definitiv ein Spektakel für Jung und Alt. Nach einer kurzen Pause ging es dann mit SKINDRED auf der Harder-Stage weiter. Die den Fans durchaus bekannte schwarze Union Jack Flagge wehte einsam aber majestätisch im Wind, während mit AC/DC´s `Thunderstruck´ und dem `Imperial March´ aus Star Wars das Intro der Band aus den Boxen schallte. Kurz darauf erschienen die Bandmitglieder endlich auf der Bühne und brachten mit dem Titelsong zur aktuellen Platte “Big Tings” den Boden zum Beben. Es folgten neun weitere Songs aus allen Alben der Band, die immer wieder mit kleinen und größeren Gesangseinlagen durch das Publikum aufgelockert wurden. Und so starteten die Bandmitglieder nach einem simplen „I know you can do this next one!“ des Sängers Benji mit dem BLACK SABBATH Klassiker `War Pigs´ und währenddessen das Publikum im Chor mitsang, breitete sich auf ihren Gesichtern ein breites Grinsen aus, welches auch bis zum Ende des Auftritts nicht mehr verschwand.

38251056_2282768701740215_6819354540635062272_oDirekt im Anschluss folgte GOJIRA auf der Faster-Stage, es hieß also wieder wie ein Krebs zur Seite bewegen, nur um kurz vor der Bühne von einer mühevoll errichteten Sandburg aufgehalten zu werden. Mit den ersten Klängen ertönte noch ein lautes „Protect the Castle!“ und die Hälfte der Menge schien die Band völlig vergessen zu haben, um mühevoll (und erstaunlicherweise erfolgreich) Crowdsurfer und Leute auf der Durchreise aufzuhalten. GOJIRA hingegen legte eine solide Show hin, die mit Songs wie `Flying Whales´, `Shooting Stars´ oder `Backbone´ fast wirkte, als wolle sie die Burg allein durch Erschütterung zum Einsturz bringen. Insgesamt 14 Songs gaben die Franzosen zum Besten, was bei vielen Fans und auch bei mir für erhebliche Nackenschmerzen sorgte, die ich auch zwei Tage später noch spürte. Nach einer weiteren Pause auf der Shopping-Meile, ging es zu der für mich bei diesem Festival letzten Band, nämlich HELLOWEEN. Nach einer zweijährigen Pause kehrte die deutsche Power-/ Speed-Metal-Formation mit ihrer „Pumpkins United“ Tour zurück und dabei durfte selbstverständlich auch das WACKEN OPEN AIR nicht fehlen. Ganze 22 Songs aus der gesamten Bandgeschichte spielten sie dabei im Laufe der zweieinhalbstündigen Show. Auch die Gründungsmitglieder Kai Hansen und Michael Kiske sind für die “Pumpkins United” Tour mit an Bord und so ergab sich eine bunte Reise durch die Bandgeschichte, auf der jeder Winkel der langen Zeit einmal beleuchtet wurde. Für Fans der Band und Power-Metal-Fans bot sich so eine grandiose Show, die man so vermutlich noch nie gesehen hat und auch so schnell nicht vergessen wird. Alles in allem war es für mich wieder einmal ein absolut gelungenes Wacken, das trotz des für mich ungewohnten Wetters einfach grandios war. Die Art der Leute und der Bands hiermit umzugehen zeigt mir wieder einmal warum dieses Festival zu den bekanntesten und besten Festivals der Welt zählt. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist die Anzahl und die Beschilderung der Wasserstellen, sowohl auf dem Campingground, als auch auf dem Infield, was aber mit ein bisschen mehr Fußweg kein Problem darstellte. Trotz einiger Überschneidungen bei den Bands war es im Großen und Ganzen durchaus möglich das Meiste zu sehen, auch wenn mir am Ende hin und wieder wegen der Hitze ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde. Insbesondere den Abschluss mit HELLOWEEN und den von mir leider nicht mehr miterlebten Jungs von DIMMU BORGIR, finde ich persönlich absolut grandios und dies zeugt für mich von der jahrelangen Erfahrung der Veranstalter im Business und ihrem Geschick bei der Bandplatzierung. Und so wird es auch im nächsten Jahr, diesmal zum 30-jährigen Jubiläum, wieder heißen: “See you in Wacken – Rain or Shine!”

Wir danken an dieser Stelle Dirk Jacobs für die Zurverfügungstellung der Impressionsbilder vom Wacken Open Air !

Photo-Credits:  Bands & Fans Foto – Dirk Jacobs

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