CASTLE ROCK 2018

Posted by P e t e r On Juli - 17 - 2018

imgCASTLE ROCK 2018 Freitag 1. Tag

Es ist kurz vor 16.00 Uhr, die Sonne brennt, der einzige Baum im historischem Innenhof des Schlosses zu Broich spendet ein wenig Schatten. Die Bierstände sind von in schwarz gehüllten Fans aus den verschiedensten Lagern umringt. Gute Vorrausetzungen für den perfekten Einstieg zum 19. CASTLE ROCK.

Den Anfang pĂĽnklich um 16.30 machen MICRO CLOCKS aus Hattingen. Guter chilliger Einstieg!!! Ein an seelige 80er Jahre erinnernder Synthiepop/Rock mit gelegentlichen hart riffenden Gitarrensalven.

Zweite Band ist HARPYIE aus Bad Oynhausen. Erstmal Respekt! In voller Montur, das heisst in Fell, Maske und Leder bei gefĂĽhlten 40 Grad auf die BĂĽhne zu gehen. Eigentlich, da bin ich mal ganz ehrlich, steh ich nicht unbedingt auf Mittelalter-Folk Metal mit deutschen Texten, aber live hat es mir doch sehr gefallen. Alle Musiker geben Vollgas (hatten sich auch von ein paar Klamotten getrennt) haben sichtlich Spass und nehmen das Publikum mit auf ihre Reise.

Die für DEADLOK ins Billing gerutschten CYPHERCORE überraschen mich zuerst mit ihrem postapokalyptischen Bühnenbild und ihren coolen Kostümen, eine Mischung aus Mad Max und Predator. Musikalisch gibt es voll auf die Fresse. Heisst: Melodic Death Metal mit FEAR FACTORY Breitseite. Nur eine Frage beschäftigt mich während des gesammten Gigs! Warum zum Teufel leuchtet das Kostüm vom linken Gitarristen nicht? Batterie/Birne kaputt? Aushilfsgitarrist im Sabaton Kostüm? Wenn jemand etwas darüber weiß, bitte ne kurze Mail an mich!

Nun folgen STAHLMANN. Unter Einsatz von Feuerbällen heizen die an OOMPH, RAMMSTEIN, MEGAHERZ erinnernden Deutschrocker den schwitzenden Fans richtig ein. Auch wenn ich da eher die Originale bevorzuge kamen STAHLMANN bis jetzt am besten an. Kein Wunder bei harten Gitarrensalven, leicht mitzusingenden Refrains und zum jetzigen Zeitpunkt auch schon leicht beschwippsten Fans.

Pain (1 von 15)Endlich ist es Zeit fĂĽr den heutigen Headliner. PAIN!! Was soll man zu Peter Tägtgren und seiner mega eingespielten Mannschaft noch schreiben. Anders als bei seiner Deathmetal Kapelle HYPOCRISY knallt uns Peter hier super melodische Industrial/Alternative Rock Perlen vor die FĂĽsse. Super symphatisch und immer in Bewegung folgt ein Hit auf dem nächsten. Egal ob “Dancing With The Dead”,”Suicide Machine”,”Same Old Song” oder “End Of The Line”.

Ein wĂĽrdiger Headliner fĂĽr ein mega chilliges Festival bei sehr gutem Wetter und super Soundbedingungen fĂĽr alle Bands. Da ich leider aus terminlichen GrĂĽnden den zweiten Tag nicht besuchen kann springt die nette Kollegin Ulli fĂĽr mich ein.

Peter


CASTLE ROCK 2018 Tag 2:

Da das Festival durch seine Zentrale Lage im Schloss Broich der Stadt Mülheim die Auflage hat, dafür Sorge zu tragen, dass die umgebenden Anwohner recht frühzeitig ohne Ohrenstöpsel ins Bett gehen zu können, kommt es dann doch vor, dass man am Folgetag pünktlich um zwölf Uhr zum Startschuss anwesend ist.

Somit eröffnen die Gothrocker SEELENSTURM aus Düsseldorf den zweiten Tag des Festivals. Die anfänglich verhaltenen Reaktionen des Publikums aufgrund eines eventuell doch längeren Freitagabends oder der prallen Mittagssonne vermag die Band durch flotte Sprüche, und animierendem Sound dann doch vor die Bühne zu locken.

ANOTHER TALE setzen 15 Jahre nach dem Tod ihres Frontmann Frank Peter Hermsen und der darauffolgenden Bandauflösung nun mit neuem Elan und Sänger dazu an, ihre alten Songs mit Hingabe zu präsentieren. Viele alte Fans haben sich für diesen Moment vor der Bühne versammelt um die Klassiker der Band zu zelebrieren.


_MG_3247-satt-CodeXVeranstalter Michael Bohnes hat sich schon seit Beginn des Castle Rocks auf die Fahnen geschrieben, die junge Szene und den Nachwuchs der Region zu unterstützen und gibt somit auch den Hattingern von GODEX die Möglichkeit, sich auf der Bühne zu präsentieren. Die Stimme von Sänger Tommy erinnert streckenweise sehr an Ville Valo, und gewisse Einflüsse dessen lassen sich nicht von der Hand weisen. Guter eingängiger Dark Rock, jedoch fehlt leider das gewisse Etwas, um den Funken beim Publikum zu entfachen.

_MG_3357-satt_HeimataerdeDamit hatten HEIMATAERDE jedoch leichtes Spiel. Die Lokalmatadore bieten nicht nur den Augen und Kameras der anwesenden Fotografen viel, auch die Ohren bekommen eine dĂĽstere Mischung aus EBM, Electro und mittelalterlichen EinflĂĽssen ab. Die Tempelritter von HEIMATAERDE wissen gekonnt, mit dem Publikum zu spielen, und von der ersten Minuten an mitzureissen.

Man möchte meinen, dass THE BEAUTY OF GEMINA mit ihrem klaren und strukturiert anmutenden Gothic Rock anschließend einen schweren Stand haben könnten, aber weit gefehlt. Die Schweizer um den charismatischen Sänger Michael Sele verstehen es, mit ihrer Melange aus Dark Wave, Alternative und Indie das Publikum zu bezaubern. Sie kreieren eine ganz eigene Klangmelange, die keiner weiteren optischem Showeffekte bedarf um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

_MG_3479-Tanzwut_sattIm Gegensatz dazu kommen TANZWUT in gewohnter Manier in Kostüm und Körperhaltung auf die Bühne um ihren Mittelalterrock darzubieten. Sänger Teufel und seine Mannen scheinen wohlgelaunt zu sein, und so strahlen sie mit der Nachmittagssonne um die Wette und geben ihr Bestes, um das Publikum noch vollendens zum Schwitzen zu kriegen. Wo die Sonne und das Tanzbein es noch nicht schafften, die Transpiration in Gang zu kriegen, so hilft Pyrotechnik ungemein. Die anwesenden Fotografen haben ihre Mühe, beim Festhalten des bunten Treibens auf der Bühne nicht flambiert zu werden, aber ein bißchen Schwund ist ja bekanntlich immer vorhanden. Die Berliner liefern souverän eine tolle Show ab, und das Publikum dankt es mit frenetischem Jubel.

Da im Vorfeld gemunkelt wurde, dass das Castle Rock im nächsten Jahr nicht stattfinden würde, lässt es sich Veranstalter Michael Bohnes nicht nehmen, hierzu Stellung zu nehmen. Das Castle Rock 2019 kann aufgrund anberaumter Renovierungsarbeiten nicht in der traditionellen Location stattfinden, und somit wird es im nächstens Jahr zu einem Auswärtsspiel kommen, das unter dem Motto „Out Of Castle Rock“ stattfinden wird.

_MG_3593-Evergrey_sattMit EVERGREY wird der Endspurt des Festivals eingeläutet. Die sympathischen Schweden um Sänger Tom Englund spielen in unnachahmlicher Weise ihre Mischung aus melodischem und progressivem Metal. Stahlharte Riffs treffen auf eingängige Melodien und die absolut tighte Spielweise mit treibenden Grooves sucht in der Szene ihresgleichen. Der Band ist anzumerken, dass sie den Auftritt genauso feiert wie das Publikum selbst und hinterlässt einen durchwegs positiven Eindruck.

Aber man wäre ja nicht Headlines des Abends, wenn man das nicht toppen könnte, und so mobilisieren die Italiener von LACUNA COIL die letzten Energiereserven des Publikums. Die Mannen um Frontfrau Cristina Scabbia scheinen noch tiefer in den Schminktopf gefallen zu sein als sie selbst, aber das Auge hört ja bekanntlich mit. Jedoch auch Blinden würde hier klar werden, dass die Mailänder, die seit mehr als 20 Jahren in der Szene aktiv sind, ihren Status nicht von ungefähr haben.

_MG_3645-V1--LacunaCoil_-satt-redCristina versteht es nicht nur durch ihr Erscheinungsbild als auch mit ihrer kraftvollen Stimme das Publikum in ihren Bann zu ziehen und die Gesangsduelle mit Sänger Andrea Ferro werden in harten und zugleich harmonischen Metallklängen eingebettet. Zwischen knallharten und gefühlvollen Songs kommt in keiner Sekunde Zweifel auf, dass sich LACUNA COIL die Headlinerposition nicht redlich verdient hätten. Mit frenetischem Applaus werden die Italiener verabschiedet, und das Castle Rock 2018 würdig und erfolgreich beendet.

Wir bleiben gespannt, wo das Out of Castle im Jahr 2019 stattfinden wird – aber eines ist sicher: Wir werden dabei sein!

Ulli


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