REVIEW: DORNENREICH

Posted by Radu On Mai - 4 - 2014

Dornenreich - Freiheit - CoverFreiheit

Nach 18 Jahren kĂŒnstlerischen Schaffens vertrauen uns DORNENREICH ihr vorerst letztes Album an. Im Gegensatz zu anderen Acts geschieht dies jedoch auf sehr introvertierte Weise, wobei sich (thematisch und musikalisch) viele Kreise schließen. Dabei erwartet sowohl langen WeggefĂ€hrten, als auch Neulingen dieser Band eine authentische Reise nach Hause…

Statt den Abschied mit aggressivem Geballer aus den Anfangstagen zu eröffnen, wird die (recht hohe) Erwartungshaltung mit Gitarre und Geige ausgebremst. Allerdings beschrĂ€nkt man sich nicht auf balladeske Töne, sondern braust im Laufe des Songs mit minimalistischen Mitteln derart auf, dass der Flair der Anfangstage sehr dynamisch rĂŒber kommt. Man geht den akustischen Weg weiter, wobei die Idee von „In Luft geritzt“ weitergefĂŒhrt wird. Die Kraft der Natur und innere Sehnsucht wurde mit `Des Meeres Atem` eingefangen und man bekommt hier zum ersten Mal eine Ahnung, welche Bedeutung der Albumtitel wirklich beinhaltet; Erwartungshaltungen verschwimmen in der gĂ€nsehautartigen AtmosphĂ€re, die mit Meeresrauschen ein GefĂŒhl des Abschieds hinterlĂ€sst. Wie man mit wenigen Worten und den richtigen Riffs sofort das Innere des Hörers erreicht beweist `Das Licht vertraut der Nacht`, bei der auch die metallische Seite nach außen gekehrt wird. Hier wird „Her Von Welken NĂ€chten“ ein Spiegel vorgehalten, wie es 13 Jahre nach seiner Erschaffung wohl klingen wĂŒrde. Im Anschluss daran beginnt der wilde Tanz , bei dem `Aus Mut` gewirkt wird. Mutig fließt der Song mit gehauchtem Gesang vorwĂ€rts und baut gleichzeitig die BrĂŒcke zwischen dynamischem Akustikspiel und metallischem GrundgerĂŒst, die sich auf DORNENREICHSÂŽs Reise gĂŒtig vereinen. Die gehauchten Worte „Selbstvertrauen“ und „Hingabe“ treffen dabei die Stimmung des Albums sehr gut. Kann man einen Hauch 80er Jahre, AkustikstĂŒck und Philosophie eigentlich verbinden? Die Antwort findet man, `Im Fluss der Flammen`, wobei ruhige Momente sich mit der inneren Sehnsucht entspannt die Klinke in die Hand geben. `Traumestraum` bietet sehr guten Stoff fĂŒr ein TheaterstĂŒck, grast es nĂ€mlich die komplette Diskographie DORNENREICHÂŽs mit wenigen Riffs ab und schafft das KunststĂŒck, dem Hörer jede Facette ihres Schaffens in einer musikalischen Verbeugung nochmal zu prĂ€sentieren, ehe der endgĂŒltige Abschied naht. `Blume der Stille` begleitet den Hörer ein StĂŒck durch die bereits erlebten Klanglandschaften und lĂ€sst in einer sehr intimen AtmosphĂ€ren alles Revue passieren, ehe die Hand losgelassen wird und man seine persönliche Freiheit entdecken darf.

„Freiheit“ kann kurzfristig nett unterhalten und auch fĂŒr den Hintergrund eignet es sich gut. Neulinge dĂŒrften die Band als akustisch interessant mit metallischen Facetten erleben, wĂ€hrend alte WeggefĂ€hrten gespalten sein dĂŒrften: kein großer Abschiedsknall in Form einer schwarzmetallischen Keule, aber auch kein reines Akustikalbum sondern irgendwas zwischen drin. DORNENREICH geben dem Hörer hier die „Freiheit“ selbst zu entscheiden, was man von der Band und dem aktuellen Album hĂ€lt, bei dem sich viele Kreise schließen. Meine eigene Wahrheit liest sich folgendermaßen: was in der Bandgeschichte mit Geballer und experimentellen Klanglandschaften begann, findet hier seinen Abschluss. „Freiheit“ hat mich daran erinnert, das man sich (besonders heute) die Zeit nehmen sollte, um ganz in der Musik zu versinken und darin einzutauchen. Ich wurde dadurch mit einem sehr emotionalem, facettenreichen und tiefgrĂŒndigen Ende einer Reise belohnt. Bleibt nur die Frage, wie die eigene Wahrheit wohl aussehen mag?

5/6 Punkten

1 Response so far
  1. » Blog Archive » BEST OF 2014 Said,

    [...] 4. Dornenreich – Freiheit [...]

    Posted on Dezember 27th, 2014 at 16:01

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