Archive for the ‘Konzertberichte’ Category

Das Rock The Nation Festival war eigentlich gar nicht geplant, denn der Headliner WHITESNAKE sollte an diesem Tag in der Dortmunder Westfalenhalle auftreten. Nun denn, das Konzert wurde in die KÖPI-Arena nach Oberhausen verlegt. Mit im Programm standen noch weitere hochkarätige Bands: WE aus Norwegen als Opener, QUEENSRYCHE mit ihrem neuesten Werk “Operation Mindcrime II”, die alten Rock-Heroes JOURNEY, lang erwartet, jetzt, nach 20-jähriger Bühnenabstinenz, endlich mal wieder live im alten Lande, die NWoBHM-Legende DEF LEPPARD und natürlich WHITESNAKE.

Das Publikum kam aus aller Herren Länder, ich habe sogar Fans aus Griechenland gesehen, die ihre Heroen noch einmal live erleben wollten. Bunt gemischt war es, aber es kamen nicht allzu viele, denn die Arena war nur zu etwa zwei Drittel gefüllt. Aber das mal nur nebenbei erwähnt.

Los ging es mit den hoch gelobten WE aus Norwegen, die mit einem miserablen Sound zu kämpfen hatten, so dass man die Soundstrukturen gar nicht richtig erkennen konnte. Auf der Bühne war leider nicht viel los. Der Sänger hopste mit einem Inka-Federschmuck auf dem Kopf herum. Der Rest der Band wirkte sehr unmotiviert. Auch das Publikum stand ziemlich ungläubig da und spendete gelegentlich einen Höfligkeitsapplaus. Das zum Thema WE.

So, kommen wir nun zum ersten Highlight: QUEENSRYCHE.
Nach kurzer Umbaupause legten dann die Herren aus Seattle mit einem weitaus besseren Sound gleich fulminant los. Sänger Geoff Tate war stimmlich sehr gut drauf, ebenso die restlichen Mitstreiter, die wie immer perfekt göttlich spielten. Unterstützt wurde die Band von der charismatischen Sängerin Pamela Moore, die schon ihr Können auf dem “Operation Mindcrime”-Album zum Besten gab.
Die Setlist kam nur von den Alben “Operation Mindcrime” und “Operation Mindcrime II”, wobei die Stücke vom neuen Album gar nicht so gut ankamen. Showtechnisch wurde einiges geboten, Geoff Tate in der Zwangsjacke oder gefesselt im Rollstuhl. Aber der Funke wollte nicht so richtig überspringen. Irgendwie fehlte etwas, ihre technische und musikalische Versiertheit stand nicht zur Debatte. Vielleicht hätte man die Setlist noch erweitern oder umschreiben sollen. Eigentlich fehlten so richtige Knaller wie z.B. ‘Queen Of The Reich’.

Jetzt waren wohl alle im Publikum gespannt was nun kam – JOUNRNEY.
Vom ersten Ton an war klar, was hier auf der Bühne geschah. Hochexplosiver Rock aus den Vereinigten Staaten. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich an dieses Konzert denken muss. Ich habe JOURNEY heute das erste Mal live gesehen, sie haben mich und das gesamte Publikum von der ersten bis zur letzten Minute überzeugen können. Was da für ein Feeling von der Bühne herunterkam kann man nicht beschreiben. Was soll ich noch großartig sagen: Die Superlative schlechthin. Hier stimmte alles. Von dem Opener ‘Seperate Ways’ bis hin zu ‘Wheel In The Sky’ und ihren anderen großartigen Hits.
Sänger Seve Augeri war phantastisch gut bei Stimme, Ausnahmegitarrist Neil Schon cool wie eh und je, der Rest der Band traumhaft.
Das Publikum war von Anfang an aus dem Häuschen und feierte die Band lautstark bis zum Ende. Im Publikum habe ich selbst Leute gesehen, die keinesfalls älter als zwanzig Jahre waren und die Texte lautstark mitsangen. Und das heißt doch schon was. Was ich nur noch sagen kann: Liebe Musiker von JOURNEY! Kommt bitte, bitte bald wieder, aber dann auf Headlinertour. Und das wünschen sich wohl noch einige andere mehr.

Nach diesem furiosen Gig enterten nach einer kurzen Umbaupause dann die Briten DEF LEPPARD die Bühne und begannen ihr Konzert mit dem Opener ‘Hell Raiser’ von
SWEET. Hallo, gehts noch? Eine Band die unzählige Hits auf Lager hat, beginnt mit einer Coverversion? Aber danach kamen sie, all ihre Granaten. Doch der Funke wollte nicht so recht überspringen. Das Publikum ging nicht so richtig mit, denn viel kam von der Band auch nicht rüber. Sänger Joe Elliott hat seinen Zenit schon längst überschritten, sein Gesang kam nicht mehr wie früher rüber und er wirkte etwas hüftsteif. Aber er ist ja auch nicht mehr der Jüngste.
Die restlichen Musiker wirkten auch nicht so sonderlich motiviert, die alte Leidenschaft fehlte…kein kick ass mehr, wie man es von ihnen kannte. Vielleicht hatten sie einen schlechten Abend, oder die Power ist vollständig raus. Schade eigentlich, denn die Live-Qualitäten waren bei ihnen immer auf höchstem Niveau.

Endlich nun zum Headliner dieses Abends. Nach einer etwas längeres Umbaupause, erschienen dann Punkt 22.45 Uhr WHITESNAKE auf der Bühne und legten mit ‘Burn’ fulminant los. Der Sound kam glasklar und druckvoll aus den Boxen, und über allem David Coverdales markante Stimme, die aber heute wohl nicht ihren Tag hatte. Die Band war unglaublich präzise eingespielt, aber was will man von WHITESNAKE anders erwarten. Allen voran das Gitarrenduo Reb Beach und Doug Aldrich, Neuzugang Basser Uriah Duffy und Tommy Aldridge, das Tier an den Drums. High Voltage. Zur Setlist kann ich nur sagen, es wurde Perle an Perle gespielt. All ihre größten Hits wurden souverän herübergebracht, so dass es eine reine Freude war, hier im Rund zu sein. Die Band wurde vom Publikum lautstark gefeiert, und es wurde auch dementsprechend mitgesungen. David feuerte das Publikum immer zu Mitsingspielchen an und schrie immer wieder: “Are you ready?” Und aus tausend Kehlen ertönte dann: “Yeah!”
Und um Punkt O.15 Uhr endete das Konzert dann mit ‘Still Of The Night’.

Es war schon ein toller Abend. Okay, es gab ein paar Abstriche, aber die gibt es auf jedem Festival. Sieger an diesem Abend waren eindeutig JOURNEY, gefolgt von WHITENAKE. Eine solche Zusammenstellung wird man so lange nicht mehr auf einem Festival zu sehen bekommen.

In diesem Sinne: Rock on!

Ulrich Bechstein

Auf ihrer diesjährigen „Attera Totus Sanctus World Tour“ machte die schwedische Black Metal Legende DARK FUNERAL auch in Essen ihre Aufwartung. Mit im Gepäck hatten sie die Black Metaler NAGLFAR, ebenfalls aus Schweden, ENDSTILLE aus Kiel und die finnischen Death/Trasher von AMORAL.

Passend zum nordischen Black Metal, der ja immer eine gewisse Kälte ausstrahlt, stand das Publikum an diesen Donnerstag  Abend in Essen in klirrender Kälte im Schneegestöber und wartete vor dem Turock auf Einlass.

Im überraschend gut besuchten Turock enterten um zwanzig Uhr die Youngsters von AMORAL die Bühne und hatten zu Beginn erst einmal mit Soundproblemen zu kämpfen, denn der Gesang von Frontmann Niko kam überhaupt nicht durch. Die Band legte sich mächtig ins Zeug, aber ihre Mischung aus Death/Trash kam auf das Black Metal eingestimmte Publikum überhaupt nicht an.

Nach einer halben Stunde Spielzeit verließen sie dann die Bühne, ohne das Publikum richtig eingeheizt zu haben. Schade eigentlich, denn in einem anderen Tourpackage wäre die Band besser aufgehoben gewesen.

Und nach kurzer Umbaupause betrat dann das Kieler Kampfgeschwader ENDSTILLE unter Jubel die Bühne und knüppelte sich bösartig, alles zermalmend durch ihr Programm. Frontmann Iblis stand meist im Dunkeln am Bühnenrand, rührte sich kaum, während Basser Cruor der einzige der Band war, der sich über die Bühne bewegte.

Die Temperaturen stiegen merklich an, im Publikum kreisten die Matten, und die Pommesgabeln wurden in Richtung Band gestreckt. Auf der Bühne floss sichtlich der Schweiß, wobei das Corpsepaint langsam verlief. Dann, nach 35 minütiger Spielzeit verließ  ENDSTILLE ohne Zugabe die Bühne.

Nach einer erneuten kleinen Umbaupause ging das Licht wieder im Turock aus, ein kurzes Intro ertönte, und dann standen NAGLFAR aus Schweden auf dem Programm. Hier wurde moderner Black Metal zelebriert, der laut und klar aus den Boxen kam, fernab des Old School Black Metals.

Sänger Kristoffer hat sich mittlerweile zu einem herausragenden Shouter entwickelt, der das Publikum zu dirigieren wusste. Dieses ging voll mit. Die ersten Crowdsurfer erschienen, und es machte allen sichtlich Spaß.  Der Rest der Band bestach durch eine herausragende Performance, spielte vollkommen tight, so dass es wirklich eine Freude war, diese Band live erleben zu dürfen. Aber nach fünfundvierzig Minuten war dann der Spaß auch schon leider vorbei, und NAGLFAR verließen ebenfalls ohne Zugabe die Bühne.

Na ja, fünfzehn Minuten später betrat die Black Metal Legende DARK FUNERAL aus Schweden, nunmehr seit zwölf Jahren existent, in voller Kriegsbemalung die Bühne, um das Turock in Schutt und Asche zu legen. Ihr traditioneller Black Metal wurde schnörkellos vorgetragen….brachial, infernal, ohne wenn und aber.

Auf der Stage war viel los. Sämtliche Musiker waren ständig in Bewegung – bis auf Sänger  Emporer Magus Caligula, der auf der Bühne wie festgefroren dastand, und seine Texte ins Publikum keifte. Highlight an Highlight wurden gespielt, und das Publikum feierte die Band. Doch schon nach knapp einer Stunde Spielzeit war auch dieses Konzert vorbei.

Nun, ein Fazit zu diesem Tourpackage zu ziehen ist nicht schwierig. Gewinner des Abends war eindeutig der Co-Headliner NAGLFAR aus Schweden. Spritzig, unverbraucht, ohne jeglichen Firlefanz räumten sie im Turock ab.
Links:

STEVE VAI E-WERK, Köln, 29.09.05

Posted by admin On Oktober - 29 - 2009

Endlich ist er wieder im Lande! Nach dreijähriger Wartezeit ließ sich Gitarrengott STEVE VAI wieder einmal im alten Lande blicken. Mit seinem neuen Longplayer “Real Illusion: Reflections” im Gepäck und einer exquisiten Mannschaft am Start, gab der Meister in Köln seine Aufwartung. 2500 zahlende Gäste (fast ausverkauftes Haus) kamen, um ihm zu huldigen.

Aber zuvor kam erst einmal STEVE VAIs Freund ERIC SARDINAS mit seiner Band zu Wort, der ihn schon jahrelang als Support begleitet. Knüppelharter erdiger Bluesrock vom Feinsten. ERIC SARDINAS lebt und liebt den Blues, und das kann man merken. Gewappnet ist er mit einer silbernen Dobro, dazu ein Bottleneck. Heraus kommt eine Symbiose aus hartem Rock gekoppelt mit einer dreifachen Dosis Blues, dazu noch seine markante Stimme, die sowohl bei harten, als auch bei ruhigeren Passagen sehr angenehm klingt.

Dem Publikum gefiel es sehr gut. Während des fünfundvierzigminütigen Auftritts wurden alle Highlights seiner bisher drei erschienenen Lonplayer gespielt. Und nach diesem Konzert hat er bestimmt neue Freunde gefunden. Daumen hoch! Außerdem zeigte sich Eric wie immer betont fanfreundlich. Kurz nach dem Konzert erschien die komplette Band im Foyer, gab Autogramme und ließ sich fotografieren.

Nach einer 45-minütigen Umbaupause ging dann endlich das Licht aus, und nach einem Intro erschien dann der Meister höchstpersönlich im langen, wehenden Mantel und einer doppelhalsigen, silbrig gespiegelten Yamaha, um mit ‘Glorious’ von seinem neuesten Werk loszulegen. Das Konzert war in drei Teile aufgeteilt. Erster und letzter Teil waren elektronisch verstärkt, während der mittlere Teil unplugged gespielt wurde. Begleitet wurde Steve von seinen langjährigen Mitstreitern: Billy Sheehan (DER Bassgott schlechthin), Tony MacAlpine (git., keyb.), Dave Weiner (git.) und last but not least schließlich Jeremy Colson (dr.).

Im ersten Teil lieferten sich Steve und Billy regelrechte Duelle an Gitarre und Bass. Sie spielten unisono, Steve spielte auf Billys Bass und umgekehrt, obwohl beide Musiker ihre Instrumente umhatten, trieben sie sich gegenseitig in ungeahnte Höhen. Während seiner ganzen Soli wurde Steve von einem Ventilator angeblasen, so dass seine Haare wild durch die Gegend wirbelten. Das zusammen mit seiner unverwechselbaren Mimik machte das Ganze zu einem Augenschmaus. Jeder einzelne Musiker brillierte durch kurze Einlagen oder im gemeinsamen Zusammenspiel aller Gitarristen und des Bassisten, während letzterer ein Bass-Solo von sich gab, das im Publikum für herunter geklappte Kinnladen sorgte und Billy sich wirklich als der “Bassgott” bezeichnen kann.

Das letzte Stück des ersten Teils hörte mit einem Keyboardsolo von Tony MacAlpine auf, ein guter Übergang zum nun folgenden akustischen Teil, in dem es dann ruhiger und relaxter zuging. Zehn akustische Nummern wurden aus allen Veröffentlichungen Vais gespielt.Der Unplugged-Part endete mit einem tollen Schlagzeugsolo von Jeremy Colson. Und danach ging es wieder zu Sache…

Die Setlist ließ wirklich keine Wünsche offen. Alle wichtigen Stücke aus Vais Schaffen wurden gespielt. Aberwitzige Gitarrensoli wechselten sich mit verträumten Melodien ab, vertrackte Jazzimprovisationen (hier merkt man die Lehrjahre bei Frank Zappa) mit knallharten Metalriffs und einer Prise Blues dazu. Auch hier merkt man, dass dieser Mann seine Musik lebt und liebt. Mit ‘I’m The Hell Outta Here’ endete nach fast drei Stunden (!) das Konzert. Natürlich nicht ohne die lautstark vom Publikum geforderten Zugaben, wobei auch bei einem Stück natürlich wie immer noch einmal Eric Sardinas erschien und mitjammte. Mit dem Song ‘For The Love Of God’ endete dann dieses überragende Konzert, nicht ohne das Publikum noch einmal in höhere Spähren gebracht zu haben.

Was soll ich über dieses Konzert noch sagen: Wahnsinnig, einmalig, genial, die Superlative schlechthin. Wer nicht da war, hat was verpasst – und drum gehet hin, wenn der Meister wieder seine Aufwartung macht!