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PORCUPINE TREE BOCHUM REVIEW

Posted by admin On November - 15 - 2010

Porcupine Tree, RuhrCongress Bochum 7.10.10

Donnerstag, 7.10.10, 19.30 – Der Ruhrschnell weg wird  mal wieder zum Ruhrlangsamweg bzw. zum Ruhrstandweg. Bleiben noch 20 km und 30 Minuten bis zu den ersten Noten von PORCUPINE TREE – mĂŒsste zu schaffen sein. Da erreicht mich die freudige Botschaft, dass OCEANSIZE den Anheizer geben werden – auch nicht schlecht.

Die ersten 2 Songs verpasst, stelle ich fest, dass OCEANSIZE im Gegensatz zum “Frames“-Album richtig Eier haben. Kontrollierte epische Explosionen wie COLDPLAY – nur eben mit Eiern. Aufgrund des noch zu frischen neuen Materials kann ich leider nur einige Nummern des grossartigen „Frames“-Albums identifizieren. Als Zugabe zerlegt das Schlagzeugtier noch fachgerecht seinen Schemel – dĂŒrfte aus Wut ĂŒber den katastrophalen Sound geschehen sein.

Steve Wilson sieht aus wie einer meiner zahllosen verschlissenen Mathe-Nachhilfelehrer: Nickelbrille, Spaghettihaare und nackige  FĂŒĂŸe. Auch heuer verzichtete Mr. Wilson wie gewohnt auf  Schuhwerk, was wie immer durch den Staubsaugerroadie auf der BĂŒhne und die entsprechenden Einblendungen auf den LeinwĂ€nden  angekĂŒndigt wurde.

Keyboarder Richard Barbieri trug eindeutig das T-Shirt des Abends – Kinski als Fitzcarraldo. Wo Fitzcarraldo verbissen und unter Aufwendung aller KrĂ€fte sein Schiff durch den Urwald zieht, durchpflĂŒgt der Tastenmann seine Soundlandschaften mit unglaublicher Leichtigkeit. Bassist Colin Edwin ist aus Ă€hnlichem Holz geschnitzt, man könnte ihm einen 10000-Seiten-Sudoku-Schmöker unter die Nase halten – den wĂŒrde er zwischen seinen BasslĂ€ufen  auch noch entwirren.

Im Vergleich  zu den Live Sets  der  vorangegangenen “Anesthetize“ -Tour gab es ein ziemlich aufgedröseltes  Best Of Set zu hören, welches  mit “Even Less“, “Open Car“ und “Lazarus“ eher verhalten begann.  NatĂŒrlich wurde aus dem Publikum  mal wieder  “Trains“ gefordert, was vom sehr gut aufgelegten Meister mit einem “Oh, not ‚Trains‘ again!” abgefrĂŒhstĂŒckt wurde. Zug also abgefahren, aber zu verkraften – hatte man doch mit den beiden epischen Übersongs  “Anesthetize“ und “The Sky Moves Sidewards“ genug GĂ€nsehautmomente im GepĂ€ck.

Dem jungen Herrn, der einige Meter entfernt der begeisterten Masse das Konzert leicht weggetreten in der Waagerechten „verfolgte“, entgingen dann möglicherweise die großartigen “The Blind House“, “Great Expectations“ und “Drawing the Line“. Möglicherweise aber auch nicht.

Auch die technische  Komponente  passte wieder – jedes Instrument erreichte  klar und perfekt abgemischt die GehörgĂ€nge – manchmal etwas zu perfekt und kalt. Doch diese klangliche KĂ€lte passt perfekt zu dem Bild, das Wilson mit seinen Songs und Texten malt – das Bild einer leeren Jugend, die abgestumpft vor der Glotze ihrem Schicksal entgegen dĂ€mmert. „X-box is a god to me – A finger on the switch – My mother is a bitch – My father gave up ever trying to talk to me“  Das ist Kunst. Ganz große Kunst.

Im Gegensatz zu ihren großen BrĂŒdern PINK FLOYD, welche bei ihren Konzerten allzu exakt tönen, lĂ€sst Wilson seinen StĂŒcken mehr Luft zum atmen. Besonders deutlich wurde dies bei dem unglaublichen “Time Flies“ und dem ĂŒberlangen Rausschmeißer “Arriving Somewhere“.

Verwunderlich war dann allerdings, dass Wilson seine ihm  ergebenen AnhĂ€nger mit der ĂŒberraschenden  Feststelllung, dass Bochum eine “beautiful city” sei, in die laue Oktobernacht entließ.

Sebastian Freitag

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