ANVIL – Konzertreview

Posted by Stefanie On April - 8 - 2018

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Im Zuge ihrer `Pounding The Pavement´ Tour machten ANVIL Halt in der wunderschönen Hansestadt Hamburg. Wo auch sonst macht man am liebsten Halt, wenn nicht in der Perle des Nordens. Und noch dazu in der Markthalle Hamburg. Mehr geht ja gar nicht.

Als Supportbands für diesen Abend waren Grey Attack und Neonfly angekündigt. Mir war jedoch schon während meiner Autofahrt klar, dass ich Grey Attack nicht sehen werde, da ein Schwertransporter sich ausgerechnet am Tage des ANVIL-Konzertes (ja weiss der das denn nicht?) auf der A 7 tummelte und alles lahm legte. Na toll ! Gut, zumindest erreichte ich mit ganz viel Glück und ein wenig Hackengas die Markthalle um 20:00 Uhr und konnte noch einiges von Neonfly erleben.

Zuvor hatte ich diese Band nur kurz über YouTube wahrgenommen und dachte mir „nunja“. Aber live muss ich gestehen, waren die echt stark. Melodischer Metal, ein wenig hymnenhaft, aber gut. Sauber gespielt und sehr guter Gesang des Leadsingers Willy Norton. Die Truppe war auch von der Performance her sehr wendig. Sie wirbelten auf der Bühne der Markthalle wild hin und her. Mir fiel es teils schon schwer ein Foto innerhalb des aktiven Treibens zu schießen. Alles in allem aber ein guter Einheizer für die nachfolgenden Hauptakteure des Abends. Nun aber verabschiedete man sich von NEONFLY mit einem gebührenden Applaus. Danke NEONFLY! Eine Band, die ich mir gerne wieder ansehen würde und die ich live guten Gewissens weiter empfehlen kann.

Kurze Pause nun und dann ging es pünktlich um 21:00 Uhr weiter mit ANVIL. Mittlerweile hatte auch jeder ein Bier in der Hand, die Kippe vor der Tür zu Ende geraucht und war dicht zur Bühne geeilt, um die Helden des Events zu feiern. 41 Jahre sind ANVIL nun schon „on stage“. Wahnsinn! Und wenn ich Euch dann von den nachfolgenden zwei Stunden berichte, ist das Alter der drei Kanadier nicht annähernd zu erahnen.

Es erschienen nun locker und lässig auf der Bühne Steve Kudlow, alias „Lips“ und Chris Robertson auf der Bühne, stöpselten Gitarre und Bass kurz in die Amps und los ging es. Im Hintergrund erschien Robb Reiner und ab ging die Luzie mit `March of crabs´. Lips turnte über die Absperrung, sprang in die Mitte des Publikums, welches sich kreisförmig um diesen herum einfand und es folgte nun das allseits bekannte Gitarrensolo mit dampfender Klampfe inmitten der feiernden Fans. So nah war man nun Lips. Auch mich trennten nur zwei bis drei Personen von ihm. Woohooo! Eine geile Nummer war das schon einmal gleich zu Anfang. Danach sprang das 62jährige Kerlchen „schwupps“ wieder auf die Bühne und gab richtig Gas. Die ANVIL-Reise begann!

Setlist des Abends:

March of the Crabs / 666 / Ooh Baby / Badass Rock ‘n’ Roll / Doing What I Want / Winged Assassins / Free as the Wind / On Fire / This Is Thirteen / Mothra / Bitch in the Box / Daggers and Rum / Swing Thing / Ego / Die For a Lie / Metal on Metal / Running (Zugabe) / Born to Be Wild (Zugabe)

18 Songs aus diversen Alben der nunmehr 41jährigen musikalischen ANVIL-Geschichte erklangen an diesem Abend. Ich muss gestehen, dass – auch wenn wir Fotografen bzw. Redakteure viel sehen und hören in all unserer Schaffenszeit – ich nach langer Zeit einmal wieder richtig „geflashed“ war. Das war richtig starker Badass Rock´n Roll, gemixed mit Lips unterhaltsamer Plauderei, über alte Geschichten mit Lemmy Kilmister uva.. Man lachte, man sang all die Songs fehlerfrei mit, kein Fuß konnte stillstehen. Überall ein Lächeln in den Gesichtern der Ära „40 Plus“. Sicherlich hatte der eine oder andere Hamburger ANVIL schon einige Male live erlebt, aber ich sah und spürte vor allem diese ewig andauerende positive Energie und Vertrautheit mit diesen drei Mannen, die schon mit den ersten Klängen des einmaligen ANVIL-Sounds entstand. Lips scherzte schon anfangs auf der Bühne, er treffe nun all seine „Zeitgenossen“, schaute ins Publikum und freute sich, dass der eine oder andere wenig, gar keine oder graue Haare hatte und er noch mit einer solchen „Matte“ aufwarten konnte. Spaßiges Kerlchen; die Hamburger teilten diesen Humor.

Natürlich wartete man u.a. auch auf das Gitarrensolo des „Masters of Vibrator“. Und natürlich brachte er seine Lady mit dem vibrierenden Teilchen bei `Monthra´auf Hochtouren. „Good vibrations“ sozusagen.

Während dessen Lips und Chris als Spaßvögel während des Konzertes fungierten, bearbeitete Robb Reiner mit altersgemäßer Coolness die Drums. Begeistert war ich dann einfach nur noch von dem Drumsolo zum Song `Swing Thing´. BAMM, was war denn da los? Gut 330 Leute standen da, wie angewurzelt. Der Fokus richtete sich auf Robb Reiner, der nun in wundervollem Licht auf seinem Podest zauberte. Ein absolut hammermäßiges, gut 10minütiges Drum-Solo. Auch ich legte nun die Kamera zur Seite und schloss die Augen und war einfach in einem totalen Tunnel voller Emotionen. Man, die alten Hasen können es einfach!!! Das ist Leben, das ist das Leben des Rock´n Roll, das Leben auf der Bühne, die Leidenschaft in alledem. Hut ab! Lange nicht solch einen Moment „with goosebumps“ erlebt. Zum Piratensong `Daggers and Rum´ setzte sich Chris Robertson dann eine Sonnenbrille mit neongrünen Pirates-Skulls auf. Witzig all die Szenerien,  die uns an diesem Abend von ANVIL geboten wurden.  Bei meinem liebsten Song `Bitch in The Box´ des aktuellen Albums Pounding The Pavement, kam dann die headbangende Martina auf die Bühne und sang den Refrain mit Lips zusammen. Wo Martina nun herkam so aus dem Nichts, wird uns ein Rätsel bleiben. Lips witzelte jedoch, dass man sich überlege, sie demnächst öfter gesanglich einzusetzen.

Ja, was bleibt mir nach diesem Abend, mit dieser Songauswahl und dieser Show noch zu sagen? Eigentlich kann ich nur jedem, dem bisher ANVIL live noch nicht vergönnt war, empfehlen: GEHT HIN ! Ende Juli 2018 bekommt Ihr noch einmal die Chance, sie in norddeutschen Gefilden, genau genommen beim Headbangers Open Air, zu sehen.

Zusammenfassend muss ich sagen, war es ein großartiger Abend, mit großartigen Bands und für mich ein wahrliches Fest, ANVIL endlich live erleben zu können. Zu Hause angekommen, musste ich erst einmal all das verarbeiten. Diese Band hat nach all den Jahren noch BOCK auf Rock´n Roll. Das ist so sehr zu spüren, dass es auf das Publikum in Sekundenschnelle übergreift und jeden einfach mitnimmt. Das war mit Sicherheit nicht mein letztes Mal ANVIL. Gerne jederzeit wieder! Lips, Robb und Chris: Bleibt uns bitte noch lange auf der Bühne erhalten, denn das ist Euer Zuhause! Danke ANVIL !!!

Stefanie


Hier geht es zu den Fotos!

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