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LIVE REVIEW: RIP 2015

Posted by Samir On Juni - 15 - 2015

rip2015

Der Park hat Geburtstag! Mittlerweile zum zwanzigsten Mal findet Rock im Park im frĂ€nkischen NĂŒrnberg statt und dieses JubilĂ€um muss gefeiert werden. Auch die Sonne lĂ€sst sich da nicht lumpen und scheint was das Zeug hĂ€lt auf die Köpfe der Festivalmeute. Optimale Voraussetzungen also fĂŒr drei Tage voll Musik!

Freitag

Nach der gewohnt schnellen Abwicklung vor Ort (erneut vielen Dank an die Pressebetreuer) geht es sofort ab aufs GelĂ€nde, das trotz Temperaturen um die 30 Grad bereits am frĂŒhen Nachmittag prall gefĂŒllt ist. Die wenigen, die einen Schattenplatz ergattern können sich glĂŒcklich schĂ€tzen, da diese im Bereich der beiden AußenbĂŒhnen Ă€ußerst rar gesĂ€t sind. Seis drum, auf zur ersten Band.

Diese ist in meinem Fall GODSMACK und hat leider nicht den glĂŒcklichsten Tag erwischt. Erst nach 20 Minuten massiven Soundproblemen können die Amerikaner die BĂŒhne entern und glauben zu allem Überfluss auch noch, dass sie in Frankfurt sind. Musikalisch kann sich der Mix aus Nu Metal und Hardrock durchaus hören lassen, aber fĂŒr das ĂŒberlange Spiel mit zwei Drumsets hĂ€tte man auch noch einen weiteren Song spendieren können. Schade!

Wesentlich besser machen es da schon PAPA ROACH. Die Kalifornier sind einfach eine Live Macht und wissen wie man ein Publikum mitreißt. Egal ob ‘F.E.A.R.’, ‘Getting Away With Murder’ oder das finale ‘…To Be Loved’, jeder Song sitzt und wird von den Fans abgefeiert. ‘Last Resort’ setzt dem ganzen wie gewohnt die Krone auf und besiegelt den Triumphzug. Was bleibt ist nur die Frage, warum eine solche Band Nachmittags auf der Park Stage spielt obwohl sie wesentlich mehr Besucher anziehen als so mancher Act der Zeppelin Stage?

Nach viel amerikanischem Rock wird es hĂ€rter auf der zweiten BĂŒhne. LAMB OF GOD betreten die Stage und tun das was sie am besten können, grooven wie Sau. Frontmann Randy wandert von einer BĂŒhnenseite zur anderen und schreit was das Zeug hĂ€lt. Das Publikum ,im Vergleich zu PAPA ROACH stark dezimiert, findet jedoch nicht so recht Zugang zur Musik der Jungs aus Richmond und so bleibt es bis auf einen Circlepit eher ruhig.

Inmitten des derben Metal Programms an diesem Freitag geht es kurz zum Verschnaufen in die Halle. Dort warten ANNENMAYKANTEREIT aus Köln und prĂ€sentieren ihren poppigen Rock. Die Band hat sich in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Ruf erspielt, sodass die Halle aus allen NĂ€hten platzt und Songs wie ‘Es geht mir gut’ und ‘21,22,23!’ lauthals mitgesungen werden. Starker Auftritt!

PARKWAY DRIVE zĂ€hlen ohne Zweifel zu den erfolgreichsten Bands der heutigen Core Generation und beweisen bei Rock im Park erneut warum. Die Mischung aus melodischen Gitarren, derben Growls und fetten Breakdowns ist live einfach unglaublich druckvoll und rollt ĂŒber den Platz vor der Park Stage hinweg. Das Publikum ist mittlerweile auch wieder aufgewacht und honoriert die Leistung der Australier mit einer Wall Of Death und viel Bewegung.

Nach ein paar Liedern FOO FIGHTERS, die jedoch ungewöhnlich zahm und ohne rechten Zug dahinter daherkommen geht es erneut in die Halle. Hier zeigen MODESTEP eindrucksvoll, dass Rock und Elektro, beziehungsweise Dubstep, gut harmonieren können und diese Mischung besonders live Spaß macht! FĂŒr mich eine ungewöhnliche aber interessante Einstimmung fĂŒr den Headliner der Park Stage.

Dieser ist heute niemand Geringeres als SLIPKNOT, die sich anfangs noch bedrohlich hinter einem Vorhang verstecken und diesen direkt nach ‘XIX’ fallen lassen, um mit ‘Sarcastrophe’ das Chaos beginnen zu lassen. SpĂ€testens bei ‘The Heretic Anthem’ gibt es kein Halten mehr und es wird gemosht was das Zeug hĂ€lt. Die neun Berufsbekloppten sprinten ĂŒber die BĂŒhne und lassen diese durch eine riesige Kulisse wie eine Art kranken Zirkus wirken. Die beiden MaskenmĂ€nner an den Percussions werden immer wieder in die Luft befördert und stacheln sich und alle anderen Bandmitglieder immer weiter an.  Die Songauswahl lĂ€sst fast keine WĂŒnsche ĂŒbrig und deckt mit Songs wie ‘Killpop’, ‘Vermillion’, ‘Psychosocial’ und ‘Spit It Out’ jedes Album ab. Einzig ‘People=Shit’ wird von vielen Fans vermisst. Dennoch liefern SLIPKNOT und insbesondere Frontsau Corey Taylor eine absolut geniale Show ab und legen die Messlatte fĂŒr alle anderen Bands bereits am ersten Tag wahnsinnig hoch!

Samstag

Der Samstag beginnt mit einer Unwetterwarnung fĂŒr den spĂ€ten Nachmittag. Mittags ist hiervon jedoch nichts zu spĂŒren und die Sonne brennt gnadenlos auf die Köpfe der Festivalbesucher. Die Organisatoren versuchen immer wieder fĂŒr kleine Erfrischungen zu sorgen, jedoch kann man hier in Zukunft noch etwas mehr machen.

Erste Band des Tages sind fĂŒr mich BAD RELIGION.  Die Kult-Punker aus L.A. sind in Bestform und prĂ€sentieren einen Querschnitt aus ihrer 35 (!) jĂ€hrigen Karriere. Egal ob ‘Punk Rock Song’ oder ‘LA Is Burning’, jeder Song sitzt und macht einfach Spaß. Starker Auftakt in einen Festivaltag, der noch der noch einige Schmankerl bereithalten soll.

Anschließend geht es in die Halle, in der heute Metal und Metalcore das Geschehen bestimmen und sich die Senkrechtstarter von WHILE SHE SLEEPS ĂŒber jede Menge Publikum freuen dĂŒrfen. Die Briten wissen damit umzugehen und besonders Frontmann Lawrence kann nicht still halten. Er hĂŒpft, schreit und rennt was das Zeug hĂ€lt und die Fans feiern ihn dafĂŒr frenetisch ab.

Auf der Zeppelin Stage bleibt es anschließend Hardcore-lastig, jedoch mit einer gehörigen Portion Ohrwurmgarantie. A DAY TO REMEBER haben sich zu einer GrĂ¶ĂŸe ihres Fachs gemausert und können auch in NĂŒrnberg ĂŒberzeugen. Musikalisch sind die Jungs aus Florida hart genug um die Rocker zufrieden zu stellen und eingĂ€ngig genug fĂŒr die Mainstream-Fraktion, sodass sich die Stimmung im Verlauf des Auftritts immer weiter steigert und die Menge bestens fĂŒr BROILERS eingestimmt werden, die anschließend Ska-Fans zum Tanzen bringen.

Es wird Zeit fĂŒr den Co-Headliner des Tages, RISE AGAINST. Die Amerikaner legen sofort mit ‘The Great Die-Off’ los und eröffnen ihre 90 minĂŒtige Show. Leider fehlt dem Set ĂŒber die gesamte Dauer des Auftritts etwas  die Abwechslung und auch in Sachen Show bleiben RISE AGAINST gewohnt spartanisch. Insgesamt ein solider, aber nicht dem Slot entsprechender Auftritt!

Das Abendprogramm spielt sich heute komplett in der Halle ab, in der Metalcore vom Feinsten geboten wird. Den Auftakt machen ALL THAT REMAINS, die heute leider nicht ihren besten Tag erwischt haben, aber dennoch den ein oder anderen Zuschauer zum mitwippen bewegen können.

THE GHOST INSIDE legen anschließend ein ganz anderes Niveau vor und reißen von Beginn an bis zum finalen ‘Engine 45′ die gesamte Halle mit. Die Fans danken es ihnen mit zahlreichen Moshpits, Wall Of Deaths und einer Rudereinlage. Starker Auftritt, der den Erfolg der Kalifornier ein weiteres Mal unterstreicht.

CALLEJON haben heute einen schweren Stand. Zeitgleich spielen DIE TOTEN HOSEN und MARILYN MANSON (dessen Highlight der Show ist, dass er von der BĂŒhne fliegt) auf den beiden AußenbĂŒhnen, weswegen die Halle wesentlich zu dieser Zeit voller sein könnte. Die Kölner stört das jedoch nicht und sie ziehen ihre Show gnadenlos durch. Von ihren Live-QualitĂ€ten muss auch niemand mehr ĂŒberzeugt werden, da Songs wie ‘Sommer,Liebe,Kokain’ und ‘Porn From Spain’ einfach immer ziehen und die beiden Cover ‘Schrei nach Liebe’ und’ Schwule MĂ€dchen’ ohnehin die Stimmung zum Siedepunkt bringen. So feiern die anwesenden Hörer jede Minute, sodass dieser Auftritt am besten durch einen ihrer eigenen Songtitel beschrieben wird: veni, vidi, vici!

Es ist Zeit fĂŒr Ice MotherfuckinÂŽ T, Bitch! BODY COUNT sind in da House und sorgen fĂŒr echten Kultalarm. Die US-Amerikaner haben innerhalb der Crossover-Szene eine echte Ausnahmestellung und beehren Rock im Park mit einem ihrer seltenen Liveauftritte. Die Halle hat sich nach dem Ende der Show der TOTEN HOSEN recht schnell wieder gefĂŒllt, sodass es leider zu einem zwischenzeitlichen Einlassstop kommt und nicht jeder die Show von Ice TÂŽs Band sehen kann, der gern dabei wĂ€re. Was man zu sehen bekommt, lohnt sich auf jeden Fall, da Songs wie ‘Manslaughter’ und ‘Copkiller’ regelrecht zelebriert werden und BODY COUNT so der wĂŒrdige Headliner des Abends in der Halle sind!

Letzt Band des Abends sind heute ASKING ALEXANDRIA, die bereits auf einige Rock im Park- Erfahrung zurĂŒckgreifen können und die Menge gekonnt in den Festival-Feierabend entlassen. Dieser verzögert sich im Anschluss jedoch etwas, da aufgrund der Unwetterwarnung alle Besucher zunĂ€chst die Halle nicht verlassen sollen und sogar ein Campingplatz evakuiert wird. GlĂŒcklicherweise treten die BefĂŒrchtungen nicht ein und das Gewitter verschont das GelĂ€nde zu großen Teilen, sodass alle Besucher mit etwas VerspĂ€tung doch ihren geruhsamen Schlaf finden können.

Sonntag

Der letzte Festivaltag wird dominiert von deutschem Rap auf der Park Stage. Den Anfang machen ZUGEZOGEN MASKULIN aus Berlin, die sich in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Ruf in der Szene aufgebaut haben und ihre Mischung aus Rap und Dubstep mit sozialkritischen Texten prÀsentieren.

Es bleibt politisch, als die bekennenden Linken der ANTILOPENGANG die BĂŒhne entern und mit Songs wie ‘Beate ZschĂ€pe hört U2′ und ‘Outlaws’ ihre Einstellung in die Menge feuern. Die Festivalbesucher sind an diesem Sonntag noch nicht wieder ganz fit, sodass die Stimmung noch etwas verhalten ist und sich auch bei den nachfolgenden FEINE SAHNE FISCHFILET, die mit Pyros und Publikumsspielen alles versuchen, nur geringfĂŒgig verbessert.

Wie BILDERBUCH in den Raptag passen ist anschließend nicht nur mir schleierhaft. Die Österreicher wirken mit ihrem Mix aus FALCO und FRIDA GOLD heute fehl am Platz, da die anwesenden Besucher wohl eher auf nachfolgende Acts warten und nicht fĂŒr Maurice Ernst und seine Bandkollegen auf die Park Stage gekommen sind. Der eigenwillige Sound hilft auch nicht dabei, die Menge zu ĂŒberzeugen. Zu einer anderen Spielzeit wĂ€re hier mehr drin gewesen.

TRAILERPARK haben da schon wesentlich leichteres Spiel. Die Band/das Label rund um Sekrechtstarter ALLIGATOAH sind einer der Topacts der derzeitigen Sprechgesangsszene und fĂŒllen den Platz der Park Stage problemlos. Das textsichere Publikum ist vom ersten Moment an voll dabei und gröhlt Songs wie ‘Fledermausland’ und ‘Sexualethisch desorientiert’ aus tiefster Kehle mit. Der Hauptfokus der Setlist liegt dabei auf dem aktuellen Werk “Crackstreet Boys 3″, da der vorhergehende Teil der Reihe jedoch mittlerweile auch fast vollstĂ€ndig indiziert wurde. Starker Auftritt!

Kann PRINZ PI diese Stimmung halten? Der Berliner bemĂŒht sich redlich mit seiner Band an die VorgĂ€nger anzuknĂŒpfen, doch ist die melancholische Machart der Songs einfach nicht so gut tanzbar wie TRAILERPARKs ErzĂ€hlungen ĂŒber Drogen und Groupies. Dennoch sind Songs wie ‘3 Minuten’ und ‘Generation Porno’ eine Klasse fĂŒr sich und auch mit Bandbesetzung anstatt Beats im Hintergrund definitiv hörenswert.

Anschließend verteilt sich das Publikum auf die beiden HauptbĂŒhnen. Der eine Teil möchte zum punkig angehauchten Rap von KRAFTKLUB zur Zeppelin Stage, die anderen bleiben vor der Park Stage, wo K.I.Z. zur Revolution aufrufen und mit dem ‘Kannibalenlied’ aufmarschieren. Das Trio ist einfach eine Klasse fĂŒr sich und versteht es wie kein anderer Act, bissige Texte in Songs mit Ohrwurmgarantier zu verpacken. Egal ob ‘Abteilungsleiter der Liebe’, ‘Geld Essen’ oder das neue ‘Boom Boom Boom’, jeder Song sitzt und wird entsprechend gefeiert! Besonderes Highlight ist auch, dass auf dem ehemaligen ReichstagsgelĂ€nde der Song ‘Ich bin Adolf Hitler’ geschmettert wird und fĂŒr das ein oder andere Grinsen sorgt.

Nach dem Unwetter am Vortag zieht nun eine grĂŒne Wolke ĂŒber NĂŒrnberg auf. MARSIMOTO und seine Crew aus Green Berlin schweben auf die BĂŒhne und begrĂŒĂŸen ihre Marsianer mit dem Doppelschlag ‘Illegalize It’ und ‘Tijuana Flow’ vom neuen Album. Als Reaktion auf die gepitchte Stimme und das Auftreten vom Alter Ego Marterias gibt es nur zwei Möglichkeiten: die einen feiern Songs wie ‘GrĂŒner Samt’ ab, als gĂ€be es kein morgen, die anderen verlassen kopfschĂŒttelnd das GelĂ€nde. Wenn man das erreicht hat, hat man alles richtig gemacht und verdient den Headlinerposten der Park Stage.Das Festival findet anschließend mit DEICHKIND und ENTER SHIKARI ein wĂŒrdiges Ende und macht definitiv Lust auf das nĂ€chste Jahr.

Befragt man Besucher oder liest Kommentare auf Facebook fĂ€llt auf, dass oftmals fehlende Wasserstellen sowie die stellenweise eigenwillige Platzierung von Bands kritisiert werden. So wurde beispielsweise bei SLIPKNOT und PAPA ROACH das GelĂ€nde der Park Stage gesperrt und so mancher Fan musste draußen bleiben. NatĂŒrlich kann man hier die organisatorischen VerlĂ€ufe im Hintergrund nicht ĂŒberblicken, dennoch ist der Unmut einiger Besucher hier begrĂŒndet. Ansonsten bestach Rock im Park ein weiteres Mal durch ein absolut sehenswertes Line-Up, das fĂŒr Fans jeder Musikrichtung etwas parat hatte. Nur wenige Bands enttĂ€uschten und auch ĂŒber den Sound konnte man nur selten etwas Schlechtes sagen. Das reichhaltige Essensangebot sowie die ganze Organisation rundherum ist ohnehin seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Wenn die Kritik der Besucher noch ernst genommen wird, steht einer erfolgreichen Neuauflage im Jahr 2016 nichts im Wege!

Pro: Wetter, Slipknot, Papa Roach, Parkway Drive, Callejon, K.I.Z., EssensstĂ€nde, Mitarbeiter,….

Contra: Teilweise eigenwillige Spielslots, Bilderbuch, Godsmack, wieder ein Jahr warten

Fazit:

Rock im Park ist einfach immer ein Highlight. Hoffentlich kann man auch 2016 ein solches Line-Up wie in diesem Jahr verpflichten!

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