LIVE REVIEW: LA DISPUTE + O’BROTHER + EUGENE QUELL

Posted by Anna On Mai - 14 - 2014

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Der Versuch, LA DISPUTE in eine Schublade zu stecken, irgendeinem bestehenden Genre zuzuordnen, ist völlige Zeitverschwendung. Reif und ausgefeilt, gleichzeitig jedoch wild und ungestüm zeigt die Post Hardcore Band aus Michigan mit jedem Song neue Facetten von sich. Verfeinert wird das Ganze durch den monoton hysterischen Sprechgesang von Sänger Jordan Dreyer, dessen markante Stimme das unverkennbare Markenzeichen der Band darstellt. Die Band war mir zwar vor dem Konzert bereits ein Begriff, jedoch hatte ich mich zuvor noch nicht näher mit der Musik befasst. Von den beiden Vorbands des Konzerts hatte ich davor noch gar nicht gehört. Völlig unvoreingenommen gehe ich daher am 5. Mai zu LA DISPUTE, O’BROTHER und EUGENE QUELL in den Schweinfurter Stattbahnhof – gespannt, was mich erwartet.

Eröffnet wird der Abend von dem britischen Singer/Songwriter EUGENE QUELL und seiner zweiköpfigen Backing Band, die anfangs jedoch noch vor einem beinahe leeren Saal spielen. Keine einfache Aufgabe, die das Trio jedoch mit Bravour meistert. Die drei Musiker wirken ein bisschen so, als wären sie in den 90ern stecken geblieben. Grungiger Sound, mit deutlichen Anleihen von NIRVANA und anderen Genregrößen. Gegen Ende des recht kurzen Sets von nur einer knappen halben Stunde füllt sich langsam der Raum, so dass O’BROTHER anschließend schon vor einem etwas größeren Publikum spielen können.

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Und damit kam für mich auch schon die erste und wahre Überraschung des Abends. Im Nachhinein lässt sich nicht wirklich beschreiben, was O’BROTHER da gemacht haben. Ich kann nur sagen, dass sie mich ab der ersten Minute in ihren Bann zogen. Müsste man einen Vergleich ziehen, würden mir am ehesten die DEFTONES einfallen, die auch zu den Lieblingsbands der fünf Musiker aus Atlanta gehören. Doch damit würde man es sich zu einfach machen. O’BROTHER sind irgendwie ruhiger, gleichzeitig aber auch „gewaltiger“. Je länger das Set andauert, desto mehr versetzen sie dich mit ihrem atmosphärischen, teilweise psychedelischen Sound in Trance. Wer sich die Jungs auf Platte anhört, bekommt ansatzweise eine Vorstellung davon. Jedoch entfalten O’BROTHER hier lange nicht die Power, die sie live herüberbringen. Eine wahnsinnig gute Live-Band und für mich das persönliche Highlight des Abend!

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Als LA DISPUTE anschließend die Bühne betreten, wird dennoch sofort klar, warum genau diese Band der Headliner des Abends ist. Binnen Sekunden infizieren sie das Publikum mit ihrer enormen Live-Power. Wie besessen rotiert Sänger Jordan Dreyer über die Bühne, seine Stimme überschlägt sich immer wieder, er schreit sich die Seele aus dem Leib. Alte Songs werden mit Stücken des aktuellen Albums „Rooms Of The House“ gemischt, ruhigere Titel mit emotionsgeladenen Ausbrüchen. Das Publikum ist wie gefesselt, Dreyers gewaltige Emotionen übertragen sich auf jeden einzelnen von ihnen. Auf manchen Gesichtern sieht man ein zufriedenes Lächeln, während andere sich immer wieder die Tränen aus dem Gesicht wischen. LA DISPUTE schaffen die perfekte Symbiose aus Poesie und Musik, jeder Song ist auf seine ganz eigene Art besonders, erzählt eine Geschichte und das auf eine ganz einzigartige, mitreißende Art. Viel zu schnell ist das Konzert vorbei. Noch zwei Zugaben, dann verlassen LA DISPUTE endgültig die Bühne.

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Als ich nach dem Konzert nach Hause gehe, bin ich einerseits enttäuscht, dass es vorbei ist – gleichzeitig aber auch glücklich. Schon lange nicht mehr hatte ich nach einem Konzert dieses Gefühl. Einfach nur dazustehen, die Musik zu genießen, alles tief in sich aufzusaugen und am liebsten noch wochenlang davon zu zehren. Außerdem habe ich einen Vorsatz gefasst: Ich werde mir in Zukunft häufiger Konzerte von Bands, die ich nicht kenne, anhören – und hoffen, dass ich noch viele Male genauso positiv überrascht werde.

Anna

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