Hell Inside Festival 2012

Posted by Samir On Oktober - 18 - 2012

HI_Flyer_webZum ersten Mal fand in diesem Jahr am 5. und 6. Oktober das Hell Inside Festival in der Posthalle Würzburg statt. Da das Festival als der Nachfolger des, 2011 zum letzten mal stattgefundenen, Way Of Darkness Festivals gehandelt wurde, lagen die Erwartungen hoch, galt das W.O.D doch als eines der kultigsten und hochkarätigsten Festivals für Extreme Metal in Deutschland. Leider wurde im Vorfeld nicht der, ehemals sehr fanfreundliche, Preis für die Tickets übernommen und so musste man als Besucher im Vorverkauf 45 Euro bezahlen, was in Foren bereits kritisiert wurde und den ein oder anderen bestimmt vom Gang nach Unterfranken abgehalten hat. Arbeitsbedingt konnte ich Freitag leider erst um 17.30 Uhr anreisen, weshalb ich unter anderem Cripper verpasst habe, deren Shows immer sehenswert sind. An der Posthalle angekommen, konnte man gleich einen großen Nachteil der Posthalle erkennen. Dank der sehr zentralen Lage existieren fast keine Parkmöglichkeiten, so dass man unter Umständen weite Wege auf sich nehmen muss, um nicht in Parkverbotszonen stehen zu müssen oder durch Parkscheine arm zu werden. Nachdem auch diese Hürde gemeistert wurde, ging es endlich in die Halle. Leider musste man dort feststellen, dass nur etwa geschätzte 800 Besucher zum Hell Inside gekommen waren. Damit kann der Veranstalter bestimmt nicht zufrieden sein. Die Aufteilung der Halle war überraschend gut gehandhabt. Merchandise Stände standen zentral, so dass man auch dort stöbern konnte ohne eine Band zu verpassen, Getränke Stände waren seitlich jederzeit erreichbar und auch die Bühne war von allen Seiten gut sichtbar. Absolutes Plus war das durchgehend freundliche Personal, egal ob am Ausschank oder die Security. Hier können anderen Festivals sich eine große Scheibe von abschneiden. Nun aber zu dem Hauptgrund für den Weg nach Würzburg, den Bands.

 

Freitag

Die erste Band des Festivals waren für mich Revocation aus Amerika. Die Thrasher mussten vor ca. 500 Zuschauern ans Werk und konnten mit ihrer sehr eintönigen Performance auch leider nicht begeistern.

Ganz anders Evocation. Die Schweden zählen meiner Meinung nach zu den konstantesten Death Metal Bands. Wo immer sie spielen, gewinnen sie neue Fans hinzu und begeistern ihre alten. So auch hier.

Job For A Cowboy sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits liefern die Amis technisch perfekten Death Metal mit Grindcore Anleihen. Andererseits fehlt irgendwie das besondere Etwas, um wirklich zu begeistern. Aber sehenswert ist das Quintett allemal.

Bei Onslaught bin ich das erste Mal an diesem Tag nicht der Meinung der übrigen Besucher. Für mich ist ihr Thrash Metal nach einem Lied bereits zu eintönig und langweilig, das Publikum jedoch feiert die Briten.

Dying Fetus hingegen begeistern jedermann! Die Amis sind live einer der besten und präzisesten Bands dieses Planeten und beweisen dies auch auf dem Hell Inside. Egal ob “Homicidal Retribution“ oder “From Womb To Waste“, jeder Song sitz und ist absolut tight gespielt. Dabei liefern Dying Fetus zu dritt technisch mehr ab, als andere Bands zu zehnt schaffen würden. Der brutale Gesang des Duos Gallagher/Beasly tut sein übriges und walzt erbarmungslos alles nieder, was ihm in den Weg kommt. Wer extreme Musik mag, muss Dying Fetus lieben! Einziger Kritikpunkt ist, dass die Amis auf „One Shot, One Kill“ verzichten. Aber anhand der Vielzahl an übrigen Klassikern sei es ihnen verziehen. Absolutes Highlight des Festivals!

Die Schweden von Arch Enemy haben anschließend die schwere Aufgabe, das Publikum nach Dying Fetus weiter zu begeistern. Und sie liefern das, was man auch erwartet hat: einwandfreie und technisch anspruchsvolle Soli des Gitarren Duos Michael Amott und Nick Cordle, gekonnte Growls von Angela Gossow, sowie melodischen Death Metal, der seinesgleichen sucht. Unterstützt wird die Performance durch eine beeindruckende Licht- und Videoshow, welche an jeden Song individuell angepasst ist und diesen zielgerecht unterstützt. Unverständlicherweise verlassen einige Zuschauer während der Performance bereits die Halle, so dass große Lücken im Publikum entstehen. Insgesamt liefern Arch Enemy eine Headliner würdige Show ab, die jedoch nicht an die Qualität von Dying Fetus herankommt.

Um am nächsten Tag wieder munter ans Werk gehen zu können, lasse ich die Aftershow Party mit Krow aus Brasilien aus.

 

Samstag

Der Tag beginnt fĂĽr mich mit Kali Yuga. Die ThĂĽringer legen von der ersten Minute los und ĂĽberzeugen das Publikum schnell mit ihrem melodisch angehauchten Death Metal. Mit ordentlich Druck und Tempo, stellen die FĂĽnf klar, warum sie auch ĂĽberregional immer bekannter werden.

Dawn Of Disease sollten den meisten Besuchern bekannt sein. Kein Wunder, bieten die Osnabrücker doch Swedish Death Metal wie einst Entombed und Nihilist. Mit pompösen Backdrop und gutem Sound werden den Anwesenden sowohl ältere Songs, als auch Material des neuen Albums „Crypts Of The Unrotten“ kredenzt. Eine starke Show von einer Band, von der man in Zukunft noch einiges hören wird.

Zu Dr. Living Dead wird es voll in der Halle. Es hatte sich im Vorfeld bereits herumgesprochen, dass die Stockholmer live einfach Spaß machen und das beweisen die Herren in den Totenkopfmasken auch heute wieder. Der Thrashmetal/ Crossover des Quartetts begeistert das komplette Publikum und animiert sie zu zahlreichen Moshpits. DrxApe schreit dazu als gäbe es kein Morgen und liefert so mit seinen Jungs die stimmungsvollste Show des Festivals.

Mit Resurrection ist anschließend Florida Death Metal angesagt. Zu einem ihrer seltenen Auftritte in Deutschland präsentierten die Männer aus Übersee präzise Riffs, tiefe Growls und wummernde Double Bass und können so die Festivalbesucher rundum zufrieden stellen.

Nach einer Pause, in der Entrails und die Franzosen von Loudblast verpasst wurden geht es am Abend mit Immolation weiter. Und das Warten hat sich gelohnt: die Amis präsentieren ihren Death Metal mit gnadenloser Präzision und besonders Drummer Steve Shaltay ist eine absolute Maschine. Mit ihrer technischen Präzision erinnern die Vier stellenweise an Behemoth oder die am Vortag aufgetretenen Dying Fetus. Mit „No Jesus, No Beast“ wird zudem mein absoluter Favorit gespielt und auch das Publikum feiert ohne Ende.

Die beiden Headliner des Abends lassen sich fĂĽr mich unter solide, aber mit Spielraum nach oben zusammenfassen.
Marduk holzen sich gekonnt durch ihr Set, Mortuus keift und der Rest der Band erzeugt eine klangliche Panzer- Atmosphäre. Das alles kennt und mag man, aber begeistern kann es nicht.

Bei Asphyx gilt das gleiche. Mit ihrem Death Metal, gemischt mit Elementen des Doom, liefern die Niederländer eine gute Vorstellung ab, aber auf die Dauer eines Headliner Sets werden die schleppenden Songs zäh und langweilig. Dem Publikum gefällt es zum großen Teil trotzdem.

„Kurz & schmerzhaft“ geht es auf der Aftershow mit Rogash zu. Die ca. 150 verbliebenen Zuschauer werden von den sympathischen Bekloppten aus Jena, mit einer stimmigen Mischung aus Death Metal und Grind, aus dem Festival verabschiedet. Sänger Erik kann hierbei keine Sekunde auf der Bühne stillhalten und stellt so die perfekte Frontsau dar. Songs wie „Soulrust“ sollten sich Extreme Metal Fans unbedingt anhören, zählt diese Band meiner Meinung nach doch zu den Besten und Unterhaltsamsten, die der deutsche Untergrund derzeit zu bieten hat. Besser hätte man den Schlusspunkt nicht setzen können.

Pro: nettes Personal, gute Merchandisestände, Dying Fetus, Dr. Living Dead, Rogash, sehr zuvorkommende Organisation (Vielen Dank an Ralph und Heiko vom Hell Inside ), kurze Wege, friedliches Publikum

Contra: schlechte Parkplatzsituation, Karte zu teuer

Fazit: Insgesamt war das erste Hell Inside ein sehr gelungenes Debüt mit leider zu wenigen Besuchern. Bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter dennoch keinen allzu großen Schaden tragen müssen und nächstes Jahr eine Fortsetzung starten können. Dann aber vielleicht in einer Halle mit besseren Parkmöglichkeiten.

Bilder gibt es u.a. unter:
Metal Hammer

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