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WFF 2010 FESTIVALBERICHT

Posted by admin On Juli - 14 - 2010

Dieses Jahr war die Musik nicht das einzig Harte auf dem „hĂ€rtesten Acker Deutschlands“ – auch das Wetter trieb so manch einen an seine Grenzen. Was die rund 30000 Besucher jedoch nicht davon abhielt, ausgiebig zu feiern, zu einer Band nach der anderen die Haare zu schĂŒtteln oder sogar bei sage und schreibe 38 °C vor den eigens errichteten LeinwĂ€nden mit der deutschen National-Elf zu fiebern. Dieses Mal wollten wir nicht den gleichen Fehler wie bei „Rock Im Park“ machen und reisten deshalb schon einen Tag vor dem eigentlichen Beginn des Festivals an. Nach unserer Ankunft in Roitzschjora durften wir erst mal fĂŒnf Stunden lang in der Autoschlange warten – ein Traum bei diesem Wetter
 Aber gut, wer mittags um 12 Uhr ankommt, ist selbst schuld!

Als wir es endlich geschafft hatten, gab es leider gleich die erste EnttĂ€uschung: THROWDOWN hatten abgesagt – die Band, die mich am meisten auf dem ganzen Festival interessiert hĂ€tte! DafĂŒr wurden WALLS OF JERICHO zeitlich nach hinten verlegt und mussten so nicht wĂ€hrend des Fußballspiels am Samstag spielen. Wenigstens was!

Den Rest des Tages verbrachten wir feiernd – wie auch sonst – und stimmten uns schon mal auf das Festival ein.

Obwohl der Abend lang gewesen war, wachten wir am nĂ€chsten Morgen schon gegen 8 Uhr auf. Was fĂŒr eine Hitze!

Am frĂŒhen Nachmittag machten wir dann eine kleine Erkundungstour ĂŒber das FestivalgelĂ€nde. Auf der Mainstage spielten gerade THE FACELESS, welche ihr Publikum mit ausgefeiltem Progressive Death Metal begeisterten. Mir persönlich ist die Musik dieser amerikanischen Band, die fast ein bisschen in Richtung Grindcore geht, etwas zu „chaotisch“. Aber beim Publikum kamen THE FACELESS sehr gut an.

Wegen der großen Hitze ließen wir BLOODWORK und JOB FOR A COWBOY aus und gingen erst wieder zu CROWBAR vor die BĂŒhne. Leider muss ich sagen, dass die Hardcore-Veteranen mich nicht wirklich ĂŒberzeugen konnten. Die Musik war genauso drĂŒckend wie die Hitze, weshalb auch nicht viel Stimmung aufkam. Zudem standen die Herren etwas unmotiviert auf der BĂŒhne herum, was sich natĂŒrlich auch auf das eher rar gesĂ€te Publikum auswirkte. Leider kein gelungener Auftritt in meinen Augen


Anstelle von THROWDOWN spielten anschließend STUCK MOJO, welche ich mir allerdings nicht anhörte.

Als NĂ€chstes waren FEAR FACTORY an der Reihe und hier war nun schon erheblich mehr los vor der BĂŒhne. Jedoch war der Sound hier leider sehr mies. Viel zu viel Bass und die cleanen Vocals von SĂ€nger Burton hörten sich nicht wirklich nach was an. Dennoch war mein erster Eindruck positiv und mehr kann ich leider nicht sagen, da ich nach den ersten vier Songs hinĂŒber ins Hardbowl Tent wechselte.

Dort spielten gerade WISDOM IN CHAINS und das klang richtig gut! Ehrlicher, dreckiger Hardcore-Punk – zwar nicht gerade musikalisch anspruchsvoll, aber gut zum Feiern! Und genau das machten die Fans im Zelt und das obwohl relativ wenig los war. Eine sehr ĂŒberzeugende Band!

Anschließend kam das erste Highlight des Festivals: CALIBAN auf der Mainstage. Mit purer BrachialitĂ€t hĂ€mmerten sie ihr neuestes Werk „Say Hello To Tragedy“ ĂŒber das begeisterte Publikum. Und nicht nur das! FĂŒr den Song ‚No One Is Safe‘ kam SĂ€nger Andreas mitten in die Menschenmenge und teilte mit den Worten „Bin ich Moses?“ zwar nicht das Wasser aber dafĂŒr das Publikum, um bei der anschließenden Wall Of Death selbst dabei zu sein und sich inmitten seiner Fans die Seele aus dem Leib zu schreien. Was fĂŒr ein Erlebnis!

Gewohnt gut ging es danach mit SICK OF IT ALL weiter. Die Hardcore-Könige aus New York waren schon beim ersten „With Full Force“ vor 17 Jahren Co-Headliner und konnten diesen Status bis heute halten. Was einen jedoch auch nicht wundert, wenn man die Show der Jungs live erlebt. Energiegeladen wie kaum eine andere Band lieferten SICK OF IT ALL eine Stunde lang Hardcore vom Feinsten.

Weiter ging’s mit den Headlinern KILLSWITCH ENGAGE. SĂ€nger Howard machte sich gleich zu Anfang beliebt bei den Fans, als er sagte: „I love Germany. You have the best fuckin‘ beer!“ Das ist doch mal ein guter Ausgangspunkt fĂŒr ein erstklassiges Konzert! Und genau so eines wurde es die nĂ€chsten 90 Minuten auch. Howard zog mal wieder das gesamte Publikum mit seiner Stimme in den Bann und auch die BĂŒhnenshow konnte sich durchaus sehen lassen. So muss das sein!

Nach KILLSWITCH ENGAGE ging es dann auch schon los mit der „KnĂŒppelnacht“. NILE und – ich könnte mir in den Arsch beißen
 – UNLEASHED verpasste ich leider. So war ich dann erst wieder bei DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT im Hardbowl Tent. „Pure Fucking Black Metal“ hat sich diese deutsche Ausgeburt der Hölle auf ihre Fahnen geschrieben. Und denkt man bei ARCH ENEMY schon manchmal „Singt da wirklich eine Frau?“, so musste man sich hier fragen: „IST das wirklich eine Frau?“ Ich muss zugeben, dass ich es tatsĂ€chlich erst auf den zweiten Blick gesehen und vor allem gehört habe


Danach ging es weiter mit MARDUK. Dass hier nur circa das halbe Zelt gefĂŒllt war, lag wohl eher daran, dass diese Band nicht wirklich den Musikgeschmack des typischen WFF-Besuchers trifft. Denn in ihrem Genre zĂ€hlen MARDUK auf jeden Fall zu einer der einflussreichsten und bekanntesten Bands – und das nicht ohne Grund! Black Metal, wie er böser und dunkler kaum sein könnte!

LAY DOWN ROTTEN und KEEP OF KALESSIN konnte ich mir leider nicht mehr ansehen. Spielzeiten bis 5.15 Uhr sind dann doch eher unmenschlich und ich musste langsam mal an etwas Schlaf denken


Am Samstagmorgen war die Hitze noch unertrÀglicher als am Tag zuvor. Das konnte ja heiter werden!

Los ging es fĂŒr mich an diesem Tag mit BORN FROM PAIN. Wie gewohnt zauberte die Band mit ihrer Musik einen Circle Pit nach dem anderen in die Menge. Der Reiz der Metalcorler liegt fĂŒr mich darin, dass sie es schaffen, genau die richtige Mischung aus melodischen Refrains und brettharten Hardcore-Riffs zu treffen. Einziger Kritikpunkt: Leider gelang es SĂ€nger Rob auch dieses Mal wieder, sein Publikum fast totzureden


Gleich danach ging es auf der ZeltbĂŒhne mit NEAERA weiter. Die ersten drei Songs und damit den Eintritt in den Fotograben verpasste ich leider. DafĂŒr konnte ich mich nun mal voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Kennengelernt habe ich diese Band auf dem „Summer Breeze 2008“ in einem gigantischen Circle Pit und seitdem bin ich absolut begeistert! Musikalisch lassen sich NEAERA am besten irgendwo zwischen Metalcore und Death Metal ansiedeln, sie sind brutal und melodisch zugleich. Eine Band, die jeder mal gesehen haben sollte!

Danach war erst einmal Spielpause angesagt, denn nun war Fußball an der Reihe. WĂ€hrend eine riesige Menschenmenge sich bei unglaublichen 38 °C auf dem Boden vor den aufgestellten LeinwĂ€nden versammelte, verzogen wir uns doch lieber unter unseren Pavillon. Die Jubelschreie fĂŒr jedes gefallene Tor hörten wir ohnehin. Nach dem sensationellen 4:0-Sieg gegen Argentinien kochte die Stimmung auf dem FestivalgelĂ€nde ebenso wie die wahnsinnigen Temperaturen.

Anschließend spielten EXODUS auf der Mainstage und – ich verpasste sie mal wieder! Das durfte doch nicht wahr sein! Meine Beziehung zu dieser Band steht wohl unter einem schlechten Stern
 Bei jedem Festival nehme ich mir vor, die Band mal anzuhören und immer kommt etwas dazwischen. Wirklich Ă€rgerlich!

Erst zur nĂ€chsten Band EKTOMORF waren wir dann wieder vorne. Auch diese Band hatte ich noch nie live gehört und war deshalb sehr gespannt, da sie auf Platte zu meinen Lieblingsbands gehören. Die Stimmung war auch gut, aber was bitte war das da auf der BĂŒhne?! Völlig planlos spielten die Ungarn ein unsauberes Riff nach dem anderen. Obwohl ich fast jedes Lied der Band auswendig kenne, wusste ich manchmal nicht, um welches Lied es sich gerade handelte. Ich sag das nur ungern, aber das war wohl mal ein Totalausfall!

Weiter ging’s mit CANNIBAL CORPSE und was bei EKTOMORF an Technik gefehlt hatte, wurde hier doppelt wieder reingeholt. Zwar ist diese Band nicht unbedingt mein Ding, aber trotzdem: Hut ab! Musikalisch haben die Jungs einiges auf dem Kasten und besonders das technisch ausgefeilte Bassspiel begeisterte mich absolut. Und wer traditionellen Death Metal mag, fĂŒr den sind CANNIBAL CORPSE sowieso ein Muss!

Dann kam das zweite Festival-Highlight fĂŒr mich. Je öfter ich diese Band live sehe, desto besser finde ich sie: HEAVEN SHALL BURN. Musikalische Spitzenklasse und auch noch intelligente Texte – was will man mehr. Wenn dann noch die Musiker durchweg sympathisch rĂŒberkommen, dann hat man eigentlich alles, was man fĂŒr ein gelungenes Konzert braucht. Zudem schafften es die ThĂŒringer, den wohl grĂ¶ĂŸten Circle Pit des Festivals hervorzurufen (hier eine kleine Impression: http://www.youtube.com/watch?v=gfSA5HRTD4U&feature=related). Die Staubwolke ĂŒber dem FestivalgelĂ€nde war zumindest noch Stunden spĂ€ter zu sehen. So machen Konzerte Spaß!

Genauso gut ging es danach im Hardbowl Tent mit WALLS OF JERICHO weiter. Die Energie, die diese Frau rĂŒberbringt, ist einfach eine Gewalt! Da konnte ich mich nun wirklich nicht mehr beherrschen und musste meine Kamera meinen Freunden geben, um selbst mal mittenrein zu gehen. Einfach geil! Seinen gelungenen Abschluss fand das Konzert mit ‚Fuck The American Dream‘, wo man nochmal richtig abgehen konnte, und der Mitgröhl-Hymne ‚Revival Never Goes Out Of Style‘ – GĂ€nsehaut pur!

Obwohl es danach noch mit dem „Saturday Night Fever“ mit Band wie THE BONES oder GWAR weiterging, wollte ich mir an diesem Abend keine Band mehr ansehen. Denn SKINDRED spielten leider sowieso nicht und WALLS OF JERICHO waren einfach ein mehr als gelungener Abschluss dieses Tages gewesen.

Tag 3 und nochmal wÀrmer


Die erste Band, die ich an diesem Tag – wenn auch nur im Vorbeilaufen – hörte, waren POSTMORTEM. Na ja
 Der Death/Thrash dieser deutschen Band mag auf Platte ja ganz nett klingen, aber live waren sie nicht wirklich das Wahre. Was vielleicht auch am Sound gelegen haben kann, denn der war leider auch nicht so besonders


Danach spielten EVERGREEN TERRACE im Hardbowl Tent und was die boten, war schon wesentlich besser. Schon das randvoll gefĂŒllte Zelt sprach fĂŒr sich. Das hatte bis jetzt noch keine Band am frĂŒhen Nachmittag geschafft. Das einzige, was ich an EVERGREEN TERRACE nicht wirklich mag, ist, dass sie relativ viel covern. Aber gut, jedem das Seine, solange es gut klingt!

Als NĂ€chstes hörte ich mir SODOM an und war begeistert! Selten hatte ich so eine sympathische Band erlebt. Vor allem Gitarrist Bernemann interagierte mit dem Publikum und vor allem mit uns Fotografen, dass es einfach nur noch Spaß machte. Da war ich richtig traurig, als ich nach drei Liedern den Fotograben verlassen musste. Aber das auch nicht lange, denn jetzt hörte ich mehr von der Musik und die ist ja nun wirklich auch nicht schlecht
 Thrash Metal aus deutschen Landen, wie er schöner kaum sein könnte. Super!

DEATH BEFORE DISHONOR waren danach im Zelt an der Reihe und auch die waren wirklich klasse. Mal wieder eine Band, bei der man richtig abgehen konnte. Hardcore, der definitiv in den Highspeed-Regionen angesiedelt ist, und eine BĂŒhnenschow voller Energie und Action. SĂ€nger Bryan kam sogar fĂŒr einen Song von der BĂŒhne herunter und mischte sich mit in die ersten Reihen – eine Tatsache, die bei den Fans immer wieder fĂŒr große Begeisterung sorgt.

Gleich im Anschluss spielten AS I LAY DYING auf der Mainstage und begannen gleich mal mit meinem absoluten Lieblingslied ‚94 Hours‘. Und weiter ging es mit fast einer Stunde feinstem Metalcore und einem wirklich lupenreinen Sound. Genau so muss es sein! Gerade auch von ihrem neusten Werk „The Powerless Rise“ wurden einige Songs gespielt und die schrien nur Eines: Kaufen! Auf jeden Fall eine Band, die ich mir immer wieder anhören kann.

Eine Auflockerung boten danach NOFX mit ihrem fröhlich-lockeren Punk Rock. Zwar waren die Herren mal wieder leicht alkoholisiert und machten mehr Gerede als Musik, aber irgendwie machte es trotzdem Spaß. Bei dieser Band kann man gar nicht anders als zu feiern. Und genau das machte das WFF-Publikum eine Stunde lang zu Songs wie ‚Don’t Call Me White‘ oder ‚Kill All The White Men‘. Und was mich mal wieder wunderte: Es ist schon erstaunlich, wie man in diesem Zustand noch so gut die Töne treffen kann. Da muss wohl jahrelange Erfahrung dahinter stecken.

Den Abschluss fand das „WITH FULL FORCE XVII“ mit SLAYER. Eine Band, mit der ich mich einfach nicht anfreunden kann – was vielleicht auch daran liegen mag, dass sie den Fotografen generell ausschließlich rotes Licht wĂ€hrend der ersten drei Lieder bescheren, aber die einfach Kult sind. Und so war auch dieses Mal wieder die Hölle vor der BĂŒhne los und die ĂŒblichen „SLAYER!“-Rufe nahmen kein Ende. Das Schönste an diesem Konzert war jedoch fĂŒr mich, dass ich das GlĂŒck hatte, auf dem JĂ€germeister-Hochsitz das Festival noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive, nĂ€mlich von 50m ĂŒber dem Boden, zu erleben. Wenn das mal kein gelungener Abschluss fĂŒr ein Festival ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Alles in allem, kann man den Machern des WFF mal wieder nur gratulieren fĂŒr ein durchweg gelungenes und vor allem friedliches Festival. Selbst wenn einem die Wahnsinns-Temperaturen dieses Jahr wirklich zu schaffen machten, waren es drei tolle Tage mit vielen vielen erstklassigen Bands. Und sehen wir es mal so: HĂ€tte es geregnet, hĂ€tten wir doch auch nur gemotzt! Ich fĂŒr meinen Teil freue mich jedenfalls jetzt schon aufs „WITH FULL FORCE 2011“!

Anna

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