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REVIEW: ELVELLON

Posted by Radu On März - 28 - 2018

UNTIL DAWN

Cover-web„Von nun an nenne ich nichts mehr schön, es sei denn ihr Geschenk an mich.“ Jenes Zitat aus „Herr der Ringe“ traf auf mich in den 90ern zu, als ich erstmalig Bands wie Theatre of Tragedy und Nightwish für mich entdeckt hatte. Die Kombination aus Anmut und Bombast hatte mich schnell eingenommen; Frauenstimmen trugen epische Songs durch meine Hirnwindungen, während sägende Gitarren meine Mähne kreisen ließen. Mit den Jahren kamen viele Bands und gründeten Female Fronted – und Symphonic Metal. Die Landschaft wurde überflutet von unzähligen Nightwish Kopien, so daß ich mein Interesse verlor. Zusätzlich entwickelte sich, ähnlich wie das Verhältnis zwischen Elben und Zwergen, mein Musikgeschmack in andere Richtungen. Ich lotete die Extremvarianten des Metals aus und hatte nur noch wenig mit melodischen und epischen Songs zu tun. Spätestens seit Tarjas Rausschmiss aus Nightwish war das Thema für mich tot und begraben. Kann mir mal jemand erklären, warum ich mich dann ausgerechnet jetzt wieder in ein totes Genre neu verliebt habe?

Nachdem das Intro auf etwas Großes vorbereitet hat, trifft mich `Oraculum` völlig unerwartet mit seiner epischen Atmosphäre und durchbricht meine Kitscherwartungen mühelos. Vor mir breiten sich sphärische Synthesizer aus, umgeben von kraftvollen Riffs und einer charismatischen Stimme. Gelegentlich rollt das Doublebassgewitter heran und lässt meine aggressive Seite glücklich grinsen. `There´s a morning to create` schallt es aus meinen Boxen, während ich ehrfurchtsvoll meine Gänsehaut zu `Silence From The Deep` bestaune. Endlich eine Traumwelt, aus der ich nicht mehr raus will. Warum auch, denn mein verloren geglaubtes Kind bestaunt noch die liebevollen Songstrukturen, und freut sich bereits auf die Wiederholung des Gitarrensolos. Allerdings werde ich wieder aus dieser Welt herausgerissen, denn `The Puppeteer` schlängelt sich aggressiv durch meine Hirnwindungen. Nach einer abwechslungsreichen Runde in meiner mentalen Moshpit, geht’s mit `Fallen Into A Dream` gemütlich weiter, ehe `King Of Thieves` unterstreicht, daß sich EVELLON auch für kleine Experimente (hier im orientalischen Bereich) nicht zu schade sind.

Spätestens bei `Until Dawn` gibt es kein Halten mehr, und ich wiederhole meinen Schwur aus den 90ern bei ELVELLON; hier gibt es aber auch einfach alles (wirklich alles!) was mich an diesem Genre jemals begeistert hat auf 6 magischen Minuten zelebriert. Nicht unerwähnt sollte auch das balladeske `Shore To Aeon` sein, das zusätzlich mit Akustikgitarren und Flöte aufwartet. `Born From Hope`ist die beste Beschreibung für diesen Song, denn hier wird spätestens meine Hoffnung auf die Wiedergeburt des Symphonic Metals wiedergeboren, ehe `Dreamcatcher` sich unbeschwert durch meine (gefühlte 10.) mentale Moshpit durchgräbt.

Unfassbar, wie viel man in einem Debütalbum richtig machen kann; auch wenn der Vergleich zu Nightwish unumgänglich ist, so setzt man die Stimme nicht in die Mitte der Songs, sondern lässt jedes Instrument frei atmen. Das Zusammenspiel ist optimal, die Atmosphäre intensiv und die Produktion wuchtig. Die Songs zünden beim ersten Durchlauf und lassen auch beim 20. immer Neues entdecken. „Until Dawn“ atmet zu jeder Sekunde das Herzblut einer jungen Band, die epischen Metal nicht spielt, sondern lebt! Entfesselter Bombast inklusive ausbalancierter Härte und und Melodik beleben ein Genre wieder, das ich für mich längst tot und begraben glaubte. Uneingeschränkter Pflichtkauf!

6/6 Punkten
Radu

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