REVIEW: MOONSPELL

Posted by Radu On Februar - 28 - 2015

MOONSPELL Extinct

Extinct

Auf dem Vorgänger zogen die Portugiesen eine klare Grenze zwischen aggressiv und melancholisch, indem sie das Album auf zwei Tonträger verteilten. Dieses Mal bündelte man seine Vorzüge und bannte sie auf 10 Songs fest. Dabei herrschte das Motto „weniger ist mehr“, denn das Album geht nicht nur direkt beim Erstdurchlauf ins Ohr, sondern krallt sich schnell ins Langzeitgedächtnis fest.

MOONSPELL kommen schnell auf den Punkt und liefern ein sehr klassisches Songwriting ab, bei dem besonders die Gitarrensoli sehr gut zur Geltung kommen. Trotz des zugänglichen Songwritings, wartet jeder Song mit vielen Facetten auf. So springt man mit dem Titeltrack dem Hörer direkt ins Gesicht, ohne jedoch auf den eingängigen Refrain und angedeuteten klassischen Arrangements zu verzichten. Das orientalische Flair wird im Opener angedeutet, während es in `Medusalem` zelebriert wird. Wäre „Sin/Pecado“ anno 2015 veröffentlicht worden, hätte das schwebende `Domina`definitiv seinen Platz darauf gefunden, vereint es klassisches Songwriting mit der düsteren Atmosphäre, was die Duftmarke der Portugiesen ist.

Das Album wartet mit einer extremen Hitdichte auf, jeder Song trifft schnell ins Schwarze und kommt ohne langes Vorgeplänkel aus. Besonders schön auch das typische MOONSPELL Feeling, mit dem die Jungs (besonders während ihren ersten drei Alben) den Hörer schnell in den Bann ziehen und das ich sehr viel intensiver erlebt habe, als bei den letzteren Scheiben. Ob es an Fernandos charismatischer Stimme (Gänsehautgarantie), der Produktion von Jens Bogren oder dem stimmigen Gesamtbild liegt ist Geschmackssache. Das Cover ist ähnlich gehalten wie beim Vorgänger, zeigt jedoch eine verfallenere Version, die thematisch sehr gut zum Album passt. Auch musikalisch macht man den Bogen rund; knallt `Breathe (Unti We are No More)`die volle Bandbreite des Bandportfolios in 5 Minuten runter, schließt das schwermütige `The Future Is Dark` thematisch und musikalisch das Album ab. Warum die Portugiesen noch das (meiner Meinung nach überflüssige) `La Baphomette` dahintergequetscht hat, ist mir ein Rätsel. Jazzig, vielleicht auch leicht diabolisch angehaucht, aber in meinem Langzeitgedächtnis schlichtweg nicht existent fällt es aus dem Rahmen und dürfte Fans polarisieren; entweder man liebt es, oder man hasst es.

Der Gesamteindruck fällt eindeutig aus; einen Schritt zurück, um zwei Schritte nach vorne zu machen. Klares Songwriting mit Besinnung auf ursprüngliche Stärken der Band und des Genres sind nicht nur Kniefall vor den Metal/Alternative/Gothic Rock Genres, sondern liefern eine moderne und zeitgemäße Version davon ab. Pflichtkauf!

5/6 Punkten
Radu

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