LUNAR AURORA-”Hoagascht”

Posted by Radu On Februar - 29 - 2012

LUNAR AURORA – „Hoagascht“

cover_hoagascht

Fakten aus den tiefsten Wäldern Oberbayerns: seit 1994 aktive Black Metal Band, 8 veröffentlichte Alben, 2007 ein Abschiedsalbum („Andacht“) um sich auf andere Projekte zu konzentrieren und 2012 das Comebackalbum am Start. Sindar ist mittlerweile nicht mehr an Bord und so haben Aran und Whyrhd das Steuer in die Hand genommen. Freunde der Band werden sich darüber freuen, unbekannte Ohren dürften hier einiges zu entdecken bekommen.

Das besondere vorab: bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um das erste (und einzige) Black Metal Album, das komplett in oberbayrischer Sprache eingesungen wurde. Wer nun Musikantenstadl und Co erwartet, kann beruhigt aufatmen, denn das Experiment funktioniert nicht nur, sondern zündet auch noch ordentlich! Gleich der Opener „Im Gartn“ führt den Hörer über depressive Synthesizerteppiche und gesprochenen Textpassagen in ein forderndes Schlagzeug, um mit räudigen Gitarrenriffs und einer dreckigen Krächzstimme die Schönheit des Todes zu bewundern. Die erhabenen Keyboards halten dabei die dunkle Grundstimmung immer im Mittelpunkt. Saugeiler Anfang! Das Schlagzeug kommt zwar aus der Konserve, wurde produktionstechnisch jedoch fleißig mit Dreck beworfen, um einen räudigen Klang zu erschaffen. Gelegentliche Doublebass Attacken kommen ebenso frisch rüber, wie das dominante China Becken.

Die Mischung aus bedrohlichen Synthies, dreckigen Riffs und räudigen Vocals wird auch über das gesamte Album beibehalten, wobei man sich hier überwiegend im Midtempo austobt, was der Atmosphäre sehr gut zu Gesicht steht. Dezent eingesetzte Geräuschkulissen runden die Sache ab und gelegentlich lässt man sich hier auch zu schnelleren und typisch Black Metallastigen Spielweisen hinreißen, was die Stimmung kurzfristig ins Wanken bringt. Gerade die epischen Stücke entfalten ihre ganze Kraft in sekundenschnelle und nehmen den Hörer ganz für sich ein. Auch der Doom Faktor kommt hier nicht zu kurz und so wird man gefühlsmäßig zwischen der Schönheit der Natur und dem Angst vor dem Tod hin- und her gerissen. Die Produktion kommt wuchtig mit einem Einschlag von räudig daher; nicht zu bombastisch, aber auch nicht zu dünn. Straight ins Ohr und direkt ins Gehirn ist hier die Devise.

Fazit: Fans der Band werden sich zurecht ĂĽber die RĂĽckkehr freuen, Black Metal Freunde (egal ob bombastisch oder old school), die noch nie was von der Band gehört haben, sollten sie unbedingt antesten. Einige werden sie genial finden, andere „Nur“ gut, aber mit dem Album kann man bestimmt nichts falsch machen. Ich möchte das Review mit dem Zitat meines Lieblingssongs beschlieĂźen, der die Atmosphäre des Albums sehr gut widerspiegelt: „Der Tod muss so schön sein. In weicher, brauner Erde zu liegen, das Gras ĂĽber dem Haupt und der Stille zu lauschen…“

5/6 Punkten
Radu

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