Wenn sich am 3. und 4. Juli 2026 ein letztes Mal die Tore von Schloss Broich öffnen, endet in Mülheim an der Ruhr eine Ära. Das Castle Rock Festival, über Jahre hinweg fester Bestandteil der deutschen Gothic- und Metal-Szene, verabschiedet sich – nicht leise, sondern mit einem bewusst kuratierten Line-up, das die eigene Geschichte widerspiegelt.
Seit jeher stand das Festival für eine klare Haltung: Qualität statt Größe, Nähe statt Distanz. Mit rund 1.500 Besucherinnen und Besuchern blieb das Event stets überschaubar, fast familiär. Gerade diese Struktur machte den besonderen Reiz aus – kurze Wege, direkte Sicht zur Bühne und eine Atmosphäre, die eher an ein Szenetreffen als an ein klassisches Großfestival erinnerte. Die historische Kulisse von Schloss Broich fungierte dabei nicht nur als Bühne, sondern als identitätsstiftender Rahmen.
Auch 2026 bleibt sich das Festival musikalisch treu. Die programmatische Mischung aus Gothic Rock, Neuer Deutscher Härte, Industrial und melodischem Metal wirkt weniger wie ein Kompromiss als vielmehr wie ein bewusst gesetztes Statement. Mit LORD OF THE LOST als Headliner setzt man auf internationale Strahlkraft und zugleich auf eine Band, die die emotionale Bandbreite des Genres verkörpert. Unterstützt werden sie von etablierten Szenegrößen wie CREMATORY und NACHTBLUT, die seit Jahren für Kontinuität und Verlässlichkeit im Line-up stehen.
Auffällig ist jedoch vor allem die Balance: Neben bekannten Namen finden sich zahlreiche Acts, die unterschiedliche Facetten der Szene abbilden. TANZWUT verbinden Mittelalter-Ästhetik mit harter Gitarrenarbeit, während ALL FOR METAL klassischen Heavy Metal repräsentieren. Bands wie HEIMATAERDE, WISBORG oder EIGENSINN setzen elektronische und düstere Akzente, während HAGGEFUGG und SAGENBRINGER narrative und folkige Elemente einbringen. Ergänzt wird das Programm durch SNOW WHITE BLOOD, DIE LEGENDE VON NORD und ELLI BERLIN, die insbesondere im frühen Tagesverlauf für stilistische Vielfalt sorgen.
Bereits am Vorabend beginnt das Festival mit der „Schwarzen Flotte“, einem etablierten Warm-up-Format auf dem Wasser. Mit ANDY BRINGS, RES PUBLICA und ANOTHER TALE wird hier ein Rahmen geschaffen, der weniger auf große Inszenierung als auf gemeinsames Erleben setzt – ein Konzept, das exemplarisch für das gesamte Festival steht.
In seiner finalen Ausgabe zeigt das Castle Rock Festival noch einmal jene Qualitäten, die es über Jahre ausgezeichnet haben: ein stimmiges Booking, eine klare ästhetische Linie und eine Atmosphäre, die Nähe zulässt. Gerade vor dem Hintergrund seines Abschieds gewinnt das Programm an zusätzlicher Bedeutung. Es ist kein nostalgischer Rückblick, sondern eine bewusste Verdichtung dessen, wofür das Festival stand.
Running Order:
Freitag (03.07.2026)
16:00 – 16:40 → DIE LEGENDE VON NORD
17:00 – 17:40 → SNOW WHITE BLOOD
18:00 – 18:50 → ELLI BERLIN
19:15 – 20:15 → TANZWUT
20:45 – 22:00 → NACHTBLUT
Samstag (04.07.2026)
12:00 – 12:40 → EIGENSINN
13:00 – 13:40 → WISBORG
14:00 – 14:45 → HEIMATAERDE
15:05 – 15:55 → SAGENBRINGER
16:15 – 17:10 → HAGGEFUGG
17:35 – 18:35 → ALL FOR METAL
19:00 – 20:00 → CREMATORY
20:30 – 22:00 → LORD OF THE LOST

