Als ich nach 20 Jahren wieder vor dem Werkhof in Hagen-Hohenlimburg stand, wurden sofort Erinnerungen wach. 2006 war ich das letzte Mal hier, um EXTRABREIT live zu erleben. Im selben Jahr hatte ich hier auch meine erste Ausstellung mit Konzertfotografien.

20 Jahre später bin ich nun wieder hier. Diesmal stehen zwei Tage Live-Musik mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm auf dem Plan.

Schon bei der Ankunft lief alles unkompliziert. Für uns Fotografen gab es einen Umschlag mit den Pässen und den Foto-Armbändchen. Außerdem lag darin der Timetable für beide Tage. Mit den Pässen war auch der Zutritt zum Backstagebereich möglich. Für die Akkreditierung und den freundlichen Empfang möchte ich mich bei Frank Stellmacher bedanken.

Auch kulinarisch gab es eine schöne Abwechslung zum üblichen Festivalangebot. Statt Bratwurst und Co. wurde indisches Essen angeboten. Dafür sorgte der Koch Singh aus der Schweiz, der bereits beim 7. Heavy Metal Fans Festival in Hohenlimburg dabei war.

Freitag

Nach der Ankunft und den ersten Gesprächen ging es endlich los. Noch war die Halle nicht wirklich voll, als KRUD den Festivalfreitag eröffneten.

KRUD

Die Jungs aus Schwelm starteten mit ihrem eigenen „Knattermetal“. Dreckiger Groove-Metal, wuchtige Gitarren und ein bewusst rauer, ungeschliffener Sound bestimmten den Einstieg. Große Ansagen waren nicht nötig – KRUD kamen direkt zur Sache und brachten die ersten Besucher ordentlich in Bewegung.

STYGIAN FAIR

Nach dem direkten Einstieg von KRUD schlugen STYGIAN FAIR aus Umeå, Schweden, eine deutlich melodischere Richtung ein. Klassischer Heavy Metal trifft bei den Schweden auf progressive Elemente. Im Mittelpunkt steht Sänger und Gitarrist Andreas Stoltz, der zugleich der Kopf von HOLLOW ist.

Der Auftritt war insgesamt ruhig und melodisch angelegt. Einige Passagen gefielen mir dabei richtig gut, allerdings fehlte mir über die gesamte Spielzeit etwas die Abwechslung. Dadurch wirkte der Auftritt für mich stellenweise etwas gleichförmig. Insgesamt ein solider Auftritt, der musikalisch einen deutlichen Kontrast zu KRUD bildete.

SWEEPING DEATH

Nach dem eher ruhigen Auftritt von STYGIAN FAIR kam mit SWEEPING DEATH wieder deutlich mehr Bewegung in den Werkhof. Die Band aus Landsberg am Lech verbindet klassischen Heavy Metal mit progressiven Einflüssen und abwechslungsreichen Songs.

Die Gitarren hatten ordentlich Druck, auf der Bühne war Bewegung und auch musikalisch wurde es nicht langweilig. Mal ging es direkt nach vorne, dann wurde es wieder etwas melodischer – diese Abwechslung überzeugte mich voll und ganz.

SWEEPING DEATH lieferten für mich einen rundum gelungenen Auftritt ab und sorgten für einen gelungenen Übergang zu NEFARIOUS.

NEFARIOUS

Zum Abschluss des Freitags legten NEFARIOUS aus San Francisco einen echten Hammer-Gig hin. Pure Energie von der ersten bis zur letzten Minute. Die Musiker hatten sichtbar jede Menge Spaß auf der Bühne, und diese Spielfreude sprang sofort auf das Publikum über.

Mit Rick Hunolt von EXODUS, Doug Piercy von HEATHEN, Tom Gears von BLIND ILLUSION und Will Carroll von DEATH ANGEL standen erfahrene Musiker der Bay-Area-Szene auf der Bühne. Am Mikrofon steht inzwischen Sean Rivera, der Ende 2025 Katon W. DePena als Sänger ablöste. Persönlich wäre mir allerdings Katon oder Steve „Zetro“ Souza am Mikrofon lieber gewesen.

Trotzdem war es für mich ein echter Hammer-Gig und ein passender Abschluss des ersten Festivaltages.

Samstag

Am Samstag stand bereits ab 11 Uhr das Metal Cinema auf dem Programm. Gezeigt wurde „Ehrenamt – The Metal Story“, eine Dokumentation von Regisseur Daniel Hofmann über das Metal Diver Festival und die Menschen, die mit viel ehrenamtlichem Engagement hinter solchen Veranstaltungen stehen. Den Film selbst habe ich allerdings nicht gesehen, da ich erst später am Werkhof eintraf.

Von 12:30 bis 16:30 Uhr öffnete dann der Metal Market seine Stände. Neben den obligatorischen Angeboten, die man auf einem Metal-Markt erwartet, gab es auch etwas Besonderes zu entdecken. Maddin Schacht 4 hatte einen kleinen Teil seines Metal Mausoleum mitgebracht und hier einige wirklich alte Erinnerungsstücke aus der Welt des Heavy Metal ausgestellt.

Für mich war der Metal Market aber nicht nur zum Stöbern interessant. Ich hatte dort einige nette Gespräche und traf auch einige bekannte Gesichter wieder.

DRAGONSFIRE

Um 16:45 Uhr standen DRAGONSFIRE aus Riedstadt auf der Bühne. Die Hessen waren gut drauf und lieferten einen soliden Gig ab. Der Sound kam druckvoll aus den Boxen, auf der Bühne herrschte gute Stimmung und die Band hatte sichtlich Spaß an ihrem Auftritt.

Bei mir wollte der Funke allerdings nicht so richtig überspringen. Der Auftritt war ordentlich gespielt und musikalisch gab es für mich durchaus gute Momente, aber insgesamt fehlte mir etwas, das mich richtig packt.

Das Publikum sah das offensichtlich anders und ging gut mit. Vor der Bühne wurde gefeiert.

HOLLOW

Als nächste Band standen HOLLOW auf der Bühne – mit denselben Musikern, die bereits bei STYGIAN FAIR am Vortag gespielt hatten. Diesmal gefiel mir die musikalische Ausrichtung allerdings wesentlich besser. Es ging deutlich heavier zu, die Gitarren hatten mehr Druck und insgesamt kam mehr Bewegung in die Musik.

Auch die beiden Alben „Modern Cathedral“ und „Architect Of The Mind“ haben besonders unter Kennern einen hohen Stellenwert. Live merkte man, dass hier musikalisch einiges geboten wurde.

Allerdings hatten HOLLOW zu Beginn bei einigen Songs mit kleinen Schwierigkeiten zu kämpfen und mussten einzelne Stücke noch einmal von vorne beginnen. Das brachte die Band aber nicht aus dem Konzept. Danach lief es zunehmend runder und der Auftritt konnte mich deutlich mehr überzeugen als STYGIAN FAIR am Vortag.

AGAINST EVIL

Bei AGAINST EVIL aus Indien war die Halle inzwischen brechend voll. Die Band ist in der Szene längst bekannt und entsprechend groß war der Zuspruch vor der Bühne. Schon beim Betreten der Halle war klar, dass hier heute einiges los sein würde.

Der Auftritt selbst war schweißtreibend. Die äußerst sympathische Band spielte sich regelrecht den Arsch ab und präsentierte sich in höchster Spiellaune. Dabei war den Musikern der Spaß an ihrem Auftritt deutlich anzusehen und die Energie sprang sofort auf das Publikum über.

Die Fans waren völlig aus dem Häuschen und feierten AGAINST EVIL lautstark. Vor der Bühne wurde ordentlich mitgegangen und die Stimmung war entsprechend ausgelassen. Für mich ein Auftritt, bei dem Band und Publikum einfach perfekt zusammenpassten.

OLD RUINS

Eigentlich hätte als nächste Band IRON ANGEL LEGACY auf der Bühne stehen sollen. Die Hamburger mussten ihren Auftritt jedoch kurzfristig absagen. Als Ersatz sprangen die Black-Metal-Band OLD RUINS aus Gelsenkirchen ein.

Mir hat die Band richtig gut gefallen. Ich hatte schon lange keine Black-Metal-Band mehr live gesehen, aber OLD RUINS haben mir gezeigt, dass ich mir in Zukunft durchaus mal wieder ein Black-Metal-Konzert anschauen könnte. Die Halle war zwar nicht mehr ganz so voll wie bei AGAINST EVIL, aber das Publikum feierte die Band trotzdem ordentlich. Dafür gibt es von mir ganz klar den Daumen hoch für OLD RUINS!

Noch zu erwähnen ist, dass OLD RUINS in dieser Woche ihr neues Album „Mount Arreat“ veröffentlichen. Die Platte erscheint am 18. September 2026 über Sick Taste Records.

RAVEN

Nach einem kurzen Intro enterte dann RAVEN kurz nach 23 Uhr die Bühne und zeigte den jungen Musikern, was eine Harke ist. Auch hier war die Halle nicht mehr ganz so voll, doch die Fans, die noch da waren, feierten RAVEN ordentlich.

John und Mark Gallagher bewiesen einmal mehr, dass sie auch nach rund 50 Jahren Bühnenerfahrung noch jede Menge Energie auf die Bühne bringen. Die beiden Brüder spielten sich regelrecht die Seele aus dem Leib und zeigten, dass sie es immer noch draufhaben.

Mir hat der Auftritt richtig gut gefallen. Trotz der späten Stunde war bei RAVEN noch ordentlich Bewegung auf der Bühne und auch das Publikum ging gut mit. Ihre Spielfreude war einfach ansteckend. Für mich ein richtig guter Abschluss des zweiten Festivaltages.

Resümee

Zwei Tage Heavy Metal im Werkhof Hagen-Hohenlimburg liegen hinter mir – und für mich hat sich die Rückkehr nach 20 Jahren definitiv gelohnt. Das HEAVY METAL FANS FESTIVAL bot eine gute Mischung aus unterschiedlichen Stilrichtungen, ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm und vor allem viele Bands, die man nicht unbedingt jeden Tag live zu sehen bekommt.

Was mir besonders positiv aufgefallen ist: Fast alle Bands hatten eine Spielzeit von rund einer Stunde. Dadurch konnten die einzelnen Gruppen ihre Songs vernünftig präsentieren und mussten ihr Programm nicht auf eine kurze Festival-Spielzeit zusammenkürzen. Auch der Ablauf zwischen den Bands funktionierte reibungslos. Dazu kamen moderate Preise, was heutzutage bei Festivals ebenfalls keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Natürlich konnte mich nicht jede Band gleichermaßen überzeugen. Das ist bei einem Festival mit so unterschiedlichen Stilrichtungen auch völlig normal. Meine persönlichen Highlights waren aber ohne Frage NEFARIOUS, AGAINST EVIL, OLD RUINS und zum Abschluss RAVEN. Gerade diese musikalische Vielfalt macht für mich ein Festival interessant.

Alles in allem habe ich mich an den beiden Tagen im Werkhof sehr wohlgefühlt. An dieser Stelle möchte ich mich deshalb ganz persönlich bei Frank Stellmacher und Oliver Rix sowie beim gesamten Team des Werkhofs bedanken. Vielen Dank für die freundliche Aufnahme, die gute Organisation und die angenehme Atmosphäre während des gesamten Festivals. Nach 20 Jahren wieder hier zu sein und dann gleich zwei Tage Heavy Metal erleben zu dürfen, war für mich eine rundum gelungene Sache.

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