Mit WARKINGS, EISBRECHER LORD OF THE LOST CLAWFINGER und SOULFLY
Bad Gandersheim. Ein Flugplatz ist normalerweise ein Ort des Abhebens. Am Sonnabend hob dort allerdings etwas anderes ab: die Lautstärke. Rund 2500 Rock- und Metal-Fans kamen zur Premiere des Headbanger Festivals des Einbecker Brauhauses und machten den Flugplatz Bad Gandersheim für einen Tag zum Epizentrum der härteren Gangart. Gitarrenwände statt Turbinenlärm, Bier statt Kerosin – und jede Menge Menschen, die offenbar nur darauf gewartet hatten, gemeinsam den Kopf kreisen zu lassen.
Schon früh füllte sich das Gelände. Schwarze Shirts dominierten das Bild, dazwischen Festivalbesucher jeden Alters. Was sofort auffiel: Hier ging es weniger um musikalische Abgrenzung als um gemeinsames Feiern. Wer Metal mag, war willkommen – egal, ob die persönliche Vorliebe nun Industrial, Power Metal, Metalcore, Crossover oder Groove Metal heißt.
Und genau diese musikalische Bandbreite war eine der Stärken der Premiere.
Eröffnet wurde das Headbanger Festival mit SETYØURSAILS. Sängerin Jules Mitch und ihre Band lieferten den Beweis, dass das Headbanger-Konzept nicht ausschließlich auf den großen Namen vergangener Jahrzehnte aufbaut. Ihr Metalcore brachte eine jüngere, aggressive Note ins Programm und sorgte für ordentlich Bewegung vor der Bühne.
Für die großen Gesten sorgten danach die WARKINGS. Hymnischer Power Metal ist Festivalmusik im besten Sinne: Die Songs wollen nicht nur gehört, sondern mitgebrüllt werden. Fäuste gingen in die Höhe, Stimmen wurden heiser und vor der Bühne wurde aus dem Publikum eine ziemlich textsichere Chorgemeinschaft.

Mit CLAWFINGER wurde anschließend ein Stück Musikgeschichte auf die Bühne gestellt. Die schwedischen Crossover-Veteranen bewiesen, dass Rap-Metal auch Jahrzehnte nach seiner großen Zeit noch funktioniert. Harte Gitarren treffen auf treibende Beats – und plötzlich fühlt sich das Jahr 1995 erstaunlich nah an.

LORD OF THE LOST setzten anschließend auf eine andere Form der Wucht. Ihre düsteren Klangwelten, großen Melodien und die ausgeprägte Bühneninszenierung sorgten für Atmosphäre. Zwischen Dunkelheit, Pathos und eingängigen Refrains zeigte die Band, dass Metal durchaus gleichzeitig brachial und spektakulär sein kann.

EISBRECHER brachten mit ihrer Mischung aus Industrial Rock und Neuer Deutscher Härte gleich ordentlich Druck auf die Bühne. Fette Gitarren, elektronische Elemente und der markante Sound der Band sorgten dafür, dass niemand lange überlegen musste, wofür dieses Festival eigentlich steht: laut soll es sein. Sehr laut.

Nach dem offiziellen Programm war noch lange nicht Schluss. Die regionale Band GREEN MACHINE übernahm bei der Aftershow-Party und brachte ihren augenzwinkernd „Beer-Metal“ genannten Sound unters Volk. Passender hätte der Übergang kaum sein können. Rund 2000 Dosen Headbanger Lager wurden kostenlos verteilt, während die Bierwagen offenbar nicht allzu viele Pausen einlegen durften.

Den letzten großen Brocken gab es schließlich mit SOULFLY. Max Cavalera und seine Band setzten mit ihrem kompromisslosen Groove- und Tribal-Metal den Schlusspunkt unter einen langen Festivalabend. Schwer, rhythmisch und ohne überflüssige Schnörkel. Wer zu diesem Zeitpunkt noch ausreichend Energie zum Headbangen hatte, bekam noch einmal eine letzte Gelegenheit.

Das Headbanger Festival hat bei seiner Premiere eindrucksvoll gezeigt, dass Bad Gandersheim das Potenzial für ein neues Highlight der Rock- und Metal-Szene hat. Musikalisch abwechslungsreich, stimmungsvoll und mit ordentlich Druck auf der Bühne war der Auftakt mehr als gelungen – jetzt gilt es, die kleinen Schwächen auszubügeln und den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.
Fotos: Ulli

