DARK FUNERAL, DIMMU BORGIR und BEHEMOTH zelebrieren eine teuflische Metal-Messe in Köln.
Drei Namen, drei unterschiedliche Spielarten der Dunkelheit und eine gemeinsame Mission: Am 20. Oktober 2026 macht die „In League With Satan“-Tour im Kölner Palladium Halt. Mit Dark Funeral als Eröffnungsakt und den beiden Co-Headlinern Dimmu Borgir und Behemoth verspricht der Abend ein Gipfeltreffen der schwarzmetallischen Zunft zu werden. Während die Schweden mit kompromisslosem Geballer den Boden für die nachfolgenden Schwergewichte bereiten, bringen die Norweger ihre symphonische Bombastmaschine in Stellung. Und Behemoth? Die Polen um Frontmann Nergal dürften kaum gewillt sein, den Abend ohne ein standesgemäßes Inferno ausklingen zu lassen. Doch wer wird am Ende die Krone der Finsternis davontragen?
DARK FUNERAL
Pünktlich um 19 Uhr erlischt das Licht, und Dark Funeral machen mit „Unchain My Soul“ unmissverständlich klar, dass heute Abend keine Gefangenen gemacht werden. Die schwedischen Black-Metal-Veteranen stehen in martialischer Rüstung auf der Bühne und lassen ihre frostigen Riffs durch das Palladium jagen. Die Instrumente sind dabei erfreulich klar voneinander zu unterscheiden – ein Umstand, der in dieser Halle keineswegs selbstverständlich ist.

Frontmann Andreas „Heljarmadr“ Vingbäck und seine Mitstreiter konzentrieren sich weitgehend auf die musikalische Darbietung. Die Performance wirkt stellenweise beinahe stoisch, was der musikalischen Präzision allerdings keinen Abbruch tut. Mit „The Secrets Of The Black Arts“ geht es zurück zu den Wurzeln, ehe „The Arrival Of Satan’s Empire“ die nächste Salve schwarzer Raserei entfesselt. Spätestens bei „Let The Devil In“ dürfte auch der letzte Anwesende begriffen haben, dass die Schweden keineswegs zum gemütlichen Aufwärmen angetreten sind.

Den Schlusspunkt setzt „Where Shadows Forever Reign“. Nach knapp einer halben Stunde ist der Spuk bereits wieder vorbei. Fünf Songs, keine unnötigen Umwege und eine ordentliche Portion infernalischer Energie: Dark Funeral erledigen ihre Aufgabe mit Nachdruck. Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Eine Band dieses Kalibers hätte zweifellos mehr Spielzeit verdient. Aber die Rollenverteilung des Abends ist nun einmal klar geregelt – und die beiden Hauptakteure beanspruchen den Löwenanteil für sich.
DIMMU BORGIR
Um 20 Uhr übernehmen Dimmu Borgir das Kommando. Die Norweger eröffnen ihr Set mit „Ulvgjeld & Blodsodel“, einem Stück vom aktuellen Album „Grand Serpent Rising“. Statt unmittelbar die Abrissbirne zu schwingen, setzen Shagrath und seine Mitstreiter zunächst auf Atmosphäre und einen bedächtigeren Spannungsaufbau. Ein Einstieg, der nicht bei allen Anwesenden sofort für Begeisterungsstürme sorgen dürfte.

Doch lange muss niemand auf den ersten Volltreffer warten: „Mourning Palace“ fegt durch die Halle und sorgt für einen spürbaren Stimmungsumschwung. Der Klassiker hat auch nach all den Jahren nichts von seiner Wirkung eingebüsst. Shagrath präsentiert sich stimmlich überzeugend und versteht es, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Mit „Kings Of The Carnival Creation“ folgt zudem eine willkommene Erinnerung an frühere Schaffensphasen, die im Live-Repertoire zuletzt eher Seltenheitswert besass.

Anschliessend widmet sich die Band verstärkt dem neueren Material. „Council Of Wolves And Snakes“, „Ætheric“ und „Ascent“ verdeutlichen, wie weit sich Dimmu Borgir im Laufe ihrer Karriere von den rohen Anfängen des norwegischen Black Metal entfernt haben. Hier treffen düstere Klanglandschaften auf melodische Gitarrenarbeit und orchestrale Elemente. Nicht jede Komposition dürfte dabei gleichermassen zünden, doch gerade „Ascent“ fügt sich überzeugend ins Gesamtbild ein.

Die grosse Stärke der Norweger liegt ohnehin in der Verbindung von musikalischer Wucht und opulenter Inszenierung. Die Produktion ist aufwendig, die Pyrotechnik setzt gezielte Akzente und der Sound präsentiert sich für die Verhältnisse des Palladiums erfreulich druckvoll. Allerdings könnte Shagrath die Bühne mitunter etwas dynamischer nutzen. Zwischen majestätischer Pose und gelegentlichem Herumlaufen bleibt bei der Bühnenpräsenz noch Luft nach oben.
Gegen Ende zieht das Sextett die Zügel nochmals an. „The Serpentine Offering“, „Puritania“ und „Gateways“ sorgen für eine geballte Ladung älterer Bandklassiker, bevor „Progenies Of The Great Apocalypse“ den Schlusspunkt unter eine rund 75-minütige Darbietung setzt. Ein würdiges Finale, das eindrucksvoll unterstreicht, weshalb Dimmu Borgir nach wie vor zu den grossen Namen des melodischen und symphonischen Black Metal zählen.
BEHEMOTH
Die Umbaupause fällt mit rund 50 Minuten allerdings deutlich länger aus, als es der Geduldsfaden mancher Konzertbesucher verkraften dürfte. Erst gegen 21.50 Uhr fällt der Vorhang, und Behemoth eröffnen mit „Daimonos“ ihr Set. Die Polen lassen sich von der Verzögerung nichts anmerken und setzen vom ersten Augenblick an auf maximale Wirkung.

Nergal ist ein Frontmann, der die Bühne nicht einfach betritt, sondern sie in Besitz nimmt. Mit energischen Bewegungen, Gesten und lautstarken Publikumsansprachen dirigiert er die Menge, während sich vor der Bühne die ersten Moshpits formieren. Musikalisch gibt es ebenfalls wenig Anlass für Zurückhaltung: „Ora Pro Nobis Lucifer“, „Thy Becoming Eternal“ und „The Shit Ov God“ markieren die ersten Stationen einer Setlist, die aktuelles Material und bewährte Abrissbirnen miteinander verbindet.

Bei „Conquer All“ erreicht die Stimmung einen ersten Höhepunkt. Der Track gehört längst zum unverzichtbaren Arsenal der Polen und entfaltet auch in Köln seine gewohnte Durchschlagskraft. „Blow Your Trumpets Gabriel“ legt anschliessend eine weitere Schippe Bedrohlichkeit obendrauf, bevor „I, Scvlptor“ und „Ov Fire And The Void“ das musikalische Spektrum zwischen brachialem Death Metal und schwarzmetallischer Finsternis ausloten.

Doch Behemoth wären nicht Behemoth, wenn sie sich mit einer rein musikalischen Darbietung zufriedengeben würden. Nebel, ausgefeilte Lichteffekte und eine imposante Pyroshow verwandeln die Bühne in eine regelrechte Feuerstätte. Feuerschalen und mächtige Flammensäulen setzen die Inszenierung in Szene; selbst Flammenwerfer kommen zum Einsatz. Die Polen verstehen es meisterhaft, Musik und visuelle Dramaturgie zu einer geschlossenen Einheit zu verschmelzen.

Ganz frei von Fragezeichen ist die Inszenierung allerdings nicht. Ein erhöhtes Gerüst, das von den Musikern wiederholt erklommen wird, wirkt in seiner Funktion etwas eigentümlich. Bei aller okkulten Grandezza stellt sich kurz die Frage, ob hier gerade eine finstere Zeremonie oder doch ein besonders aufwendig ausgestatteter Bühnenzirkus zelebriert wird. Sei’s drum: Musikalisch lassen Nergal und seine Mannschaft kaum etwas anbrennen.

Mit „Bartzabel“ nähert sich das Set seinem Höhepunkt. Dann folgt der Moment, auf den der Tourtitel bereits hingedeutet hat: Für das Venom-Cover „In League With Satan“ kehrt Dimmu-Borgir-Sänger Shagrath auf die Bühne zurück. Die gemeinsame Darbietung bildet einen reizvollen Schulterschluss zwischen den beiden Headlinern und verleiht dem Abend einen zusätzlichen Höhepunkt.
Nach „Chant For Eschaton 2000“ scheint das reguläre Konzert zunächst beendet. Doch natürlich fehlt noch die passende Schlussbeschwörung. Behemoth kehren zurück und setzen mit „O Father O Satan O Sun!“ den endgültigen Schlusspunkt unter ihre rund 75-minütige Machtdemonstration. Ein würdiges Finale für eine Band, die ihre Rolle als Meister der düsteren Live-Inszenierung einmal mehr unter Beweis stellt.
Das Fazit – BEHEMOTH, DIMMU BORGIR und DARK FUNERAL
Drei Bands, drei unterschiedliche Ansätze und ein Abend, der zeigt, wie facettenreich extremer Metal sein kann. Dark Funeral liefern einen kompakten, musikalisch überzeugenden Auftakt, müssen sich mit ihren fünf Songs allerdings mit der undankbarsten Aufgabe des Abends begnügen. Dimmu Borgir punkten mit druckvollem Sound, bombastischer Produktion und einem gelungenen Wechselspiel aus Klassikern und neueren Kompositionen. Nicht jeder Song entwickelt dieselbe Durchschlagskraft, doch spätestens beim abschliessenden „Progenies Of The Great Apocalypse“ ist die Sache rund.
Behemoth setzen dem Ganzen schliesslich die Krone auf. Nergal überzeugt als charismatischer Zeremonienmeister, die Band spielt mit beeindruckender Konsequenz, und die aufwendige Pyrotechnik sorgt für reichlich visuelle Reizüberflutung. Die lange Umbaupause trübt das Vergnügen zwar, doch die anschliessende Darbietung entschädigt für einen beträchtlichen Teil der Wartezeit.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die überschaubare Auslastung des Palladiums. Gerade bei einem derart hochkarätigen Dreierpaket hätte man sich eine vollere Halle gewünscht. Dafür stimmen Sound und Produktion, und musikalisch wird über weite Strecken auf höchstem Niveau geliefert.
Wer gewinnt also das schwarzmetallische Gipfeltreffen? Dark Funeral überzeugen als Opener, Dimmu Borgir glänzen mit symphonischer Wucht – doch Behemoth gehen dank ihrer mitreissenden Bühnenpräsenz und der spektakulären Inszenierung als Triumphatoren aus dem Abend hervor. Die Hölle mag an diesem Dienstagabend nicht aus allen Nähten geplatzt sein. Gebrannt hat sie im Kölner Palladium trotzdem.

