C_UsersStefanDocumentsRhz 2018Neuer OrdnerIMG_1549 (1)Wolf Hoffmann, Kopf und Gitarrist von ACCEPT ist nicht nur ein genialer Musiker, sondern auch ein bodenständiger netter Typ, mit dem man über Gott und die Welt reden kann. Ich traf ihn auf dem kleinen Festival „Rock am Stück“ in Fritzlar und hatte die Gelegenheit ein paar Fragen an ihn zu stellen.

Hallo Wolf, es ist schön dich hier zu treffen beim „Rock am Stück“  und ich frage mich, wie ist das für euch, die ihr doch große Hallen und Festivals gewöhnt seit, bei einem, sagen wir mal recht kleinen Event aufzutreten?

Ja, das ist für uns mal was ganz anderes. Es ist eine schöne Atmosphäre hier. Weißt du jeder Auftritt hat seine schönen Seiten und ist auch ne Herausforderung für uns. Klar spielen wir schon gern die großen Gigs – wie Wacken oder so und man freut sich, wenn die Massen von Menschen die Arme hochreißen und mitmachen.

Aber die Kleinen sind immer besonders, weil die sind nicht so anonym, du siehst  die Fans direkter und man hat irgendwie das Gefühl – wir sind hier unter Freunden.

Ich habe Euch bei der Autogrammstunde gesehen und hatte den Eindruck ihr seid da echt mit Spaß dabei. Das hat man echt selten, dass eine Band das so genießt.

Ja, logisch wir haben da auch echt Spaß dran. Wir treffen gern unsere Fans und es ist immer schön zu sehen, wie sind so die Reaktionen.

Weil, wir machen die Platten und die Shows und da ist es schon toll zu erfahren, wie sehen das unsere Fans. Was finden sie gut und was nicht. Wir nehmen das schon ernst. Besonders dann, wenn Menschen kommen, die so alt sind wie wir und die sagen sie hören schon ihr ganzes Leben lang Accept, das ist schon toll und da freuen wir uns alle drüber.

Was wärst du beruflich geworden, wenn du nicht Musiker geworden wärest ?

Hm, keine Ahnung.  Ich wollte mal Architekt werden, hab das aber wieder für mich verworfen, zwar hab ich hier und da immer noch ein paar Ambitionen in der Richtung und es hätte mir wahrscheinlich gefallen, aber letztendlich hat mich die Musik ergriffen und nie wieder losgelassen.

Was hat dir deine Mutter mit auf dem Weg gegeben fürs Leben?

(Lacht) …Oh Gott … ich hab’s nicht befolgt … Junge lern was Anständiges hat sie gesagt…

Ingenieur sollte ich werden und Musiker bin ich geworden. Sorry!

Du hast mal gesagt, du spielst alle Gitarren selbst ein für eure Alben. Warum?

Naja, ich weiß halt wie das Ganze klingen soll und habe da spezielle Vorstellungen und die setzte ich dann um.

Was sagen deine Kollegen dazu ?

Gar nichts … (lacht) die haben sich daran gewöhnt im Laufe der Jahrzehnte.

Naja, es lag auch daran, dass die Position des 2. Gitarristen immer wieder gewechselt hat.

Wir haben das auch mal versucht nur mit einer Gitarre, aber das wieder fallen lassen und uns dann für die Liveshows einen 2. Musiker dazugeholt.

Du weißt sicher wie das ist, der andere hat mal keine Lust oder ist müde … und so spiel ich das eben selbst ein, ja.

Gibt es Musiker die dich beeinflusst haben? Vorbilder ?

Ja wer hat die nicht? Klar es gibt so einige die mich beeinflusst haben. Aber Vorbilder, das ist so ein großes Wort? Das klingt immer so als würde man genau so sein wollen…

Aber als Gitarist haben mich sehr beeinflusst, Ritchie Blackmore, Agnus Young von AC/DC und auch  Uli Roth,  um mal so drei Namen zu nennen.

Mit wem würdest du gern einmal musizieren?

Gute Frage, da kann ich viele nennen, aber Richtie Blackmore von den alten Helden wäre schon cool.

Du lebst vorwiegend in Nashville. Hast du nicht Heimweh nach Deutschland ?

Also ich bin ja fast nur hier…(lacht). Wie spielen ja sehr viel in der alten Heimat und ich bin jetzt schon fast 4 Monate am Stück hier. Das ist schon recht lange.

Wir sind viel auf Tour von Festival zu Festival und im Herbst sind wir auch schon wieder da, da kommt kaum Heimweh auf.

Also man kommt nicht an euch vorbei?

Das ist richtig.

Wie hält man sich da fit?

Naja wir spielen ja nicht jeden Tag. Ich mach zum Beispiel viel Sport. Du musst dir vorstellen, so als Musiker hast du ja viel Zeit und da bleibt viel Zeit für Sport und Training. Aber man muss schon auch die Motivation finden und das fällt mir auch nicht immer leicht in meinem Alter (er ist Baujahr 1959). Aber auch wenn ich keinen Bock habe, versuche ich das durchzuhalten.

Das bin ich mir und meinem Publikum einfach schuldig. Wenn man sich dann selber sieht auf Fotos und die Wampe hängt raus … nee das geht gar nicht.

Sieht auch nicht gut aus oder? Ja klar und gesund ernähren … ist wichtig.

Da hast du recht.

Also du siehst, da muss man was tun.

Wie ist das mit dem Klischee „Sex, Drugs und Rock’n Roll“ bei dir bzw. bei euch?

Komischerweise war das noch nie meine Motivation. Klar gab es das auch mal eher so aus Versehen … aber heute in unserem Alter ist das eh nicht der Fall.

Aber auch als wir jünger waren, haben wir auch nicht so auf die Pauke gehauen und nächtelang durchgefeiert … wir sind da sehr deutsch … pünktlich, diszipliniert und haben unseren Job ernst genommen.

Vielleicht ein bisschen zu deutsch und zu ernst, aber (lacht) man ist eben wie man ist.

Meilenweit von den Kollegen  wie Mötley Crüe. Ich meine, sieh dir die Herren an, das hat alles seinen Preis und Spuren hinterlassen.

Wie entspannst du, wenn du zu Hause bist, was ja selten vorkommt. Hörst du da auch noch Musik?

Ich bin ja kein Musikfreak, wenn ich mal Musik höre, dann klassische Musik.

Ansonsten bin ich immer aktiv. Ich bastele am Haus, besorge mache und tue.

Und ja, ich mähe auch Rasen…(lacht)

Klassik ist ein gutes Thema. Du hast dich ja auch den alten Werken großer Meister angenommen.

Ja das ist richtig. Die Platte hieß oder heißt „Headbanger symphony“.

Entstanden ist sie vor 3 Jahren in Prag mit einem klassischen Orchester. Und zum ersten Mal wurde sie aufgeführt bei der Wacken-Show im letzen Jahr.

Da haben wir unsere Show ja in 3 Teilen gespielt und das war richtig gut.

So das wir das Ganze im Herbst auch auf DVD veröffentlichen werden.

Für mich war das echt spannend mit Orchester zu spielen, auch die Accept Songs.

Weil, ich war immer dagegen, hab gesagt das machen wir nicht, das passt nicht.

Aber dann war ich doch begeistert wie toll das klingt und was die Songs für Druck und Bombast bekommen.

Ist da mehr geplant?

Ja klar, wir werden nächstes Jahr einige Shows mit Orchester in kleineren Hallen spielen und ich freu mich da echt drauf.

Das ist absolut gigantisch und wenn wir heute einige Songs bei einer „normalen Show“ spielen vermisse ich echt das Orchester, so genial klingt das.

Klar wir haben das nicht erfunden, aber ich finde es ist eine gute Umsetzung der Songs und ich finde das passt und klingt Hammer.

Klingt spannend.

Ist es auch und ich freue mich auf diese Tour.

Bist du noch nervös vor euren Auftritten nach so vielen Jahren auf der Bühne?

Ja so ein bisschen schon, ja immer. Es kommt immer so’n paar Minuten vor der Show, ich finde das muss sein und gehört dazu.

Was war deine erste selbst gekaufte Platte?

Oh, lass mich nachdenken. Ich glaube von T- Rex irgendwas. Auch was von Elton John  und auch ein paar Schlagersachen, die ich damals gut fand.

Später hab ich dann durch einen Nachbarn, Hardrock wie Deep Purple, Uriah Heep oder Queen für mich entdeckt.

Sollten Bands sich politisch einmischen?

Also ich tue es nicht und schon gar nicht in der Öffentlichkeit, da halte ich mich doch eher bedeckt.

Aber in unseren Texten findest du immer wieder politische Statements zu einzelnen Themen, das machen wir schon.

Und vieles macht mir schon Sorgen, was da so passiert in der Welt.

Woher nimmst du immer noch die Ideen für neue Songs?

Das frag ich mich auch manchmal … es wird auch nicht einfacher. Ich versuche da immer wieder was zu finden, was neu ist und auch nach uns klingt, ohne uns dabei selbst zu kopieren.

Irgendwann denkst du, das hast du schon mal alles geschrieben. Das wird nicht einfacher, glaub’s mir.

Sind deine Bandkollegen mit im Entstehungsprozess eingebunden?

Das ist unterschiedlich. Vieles mache ich selbst, aber Peter und Mark sind oft mit dabei.

Wobei Mark die Texte schreibt und wir ihm schon meist fertige Songideen liefern.

Ja und so „basteln” wir dann die  Songs für uns zusammen.

Ist es schwer die anderen dann von seinen Ideen zu überzeugen,

Nein, nicht wirklich. Die Songs sind alle recht einfach gestrickt.

Schwere Sachen kann jeder, aber in der Einfachheit liegt meist die Schwierigkeit.

Aber die Jungs sind gut, die bekommen das immer wieder perfekt hin. (lacht)

Was würdest du jungen Musikern raten?

Ja, ganz wichtig ist es eine Band zu haben, wo man gemeinsam Erfahrungen sammeln kann und sich versteht.

Aber es ist was anderes Musik am Computer oder Laptop zu machen oder mit der Band zu spielen. Aber die Kids finden das sicher heute spannender irgendwo Videos hochzuladen mit Songs, die sie entwickelt, ohne selbst gespielt zu haben und das ist schon seltsam. Und ein Instrument spielen sie auch nur noch selten. Ich glaube es gibt immer weniger Kids, die den Traum haben Musiker zu werden.

Für uns war das, das aller Größte. Es war ein Traum für uns mal im Tourbus zu übernachten oder die Welt zu sehen – einfach großes Kino.

Haben die Kids heute noch solche Träume?

Ich glaub die sind einfach zu satt dafür … ich weiß nicht was da los ist in den Köpfen, viele haben einfach keinen Bock, selbst was zu machen.

Es ist schon traurig und ich frag mich, wo geht die Entwicklung da hin?

Was ist dir peinlich auf der Bühne?

Ach ich glaube gar nichts mehr. Früher dachte ich, wenn die Gitarre nicht funktioniert oder so. Ein Moment als würde dir einer die Hose runterziehen und ich würde am liebsten versinken.

Heute lache ich drüber und denke mir, es muss nicht alles perfekt sein, das macht es spannender. Und auch das Publikum liebt es, wenn mal was schief geht. Das macht es alles menschlicher.

Viele Bands sind gerade mit ihren alten Bandmitgliedern auf Tour. Wie Helloween oder Status Quo. Wäre das auch was für Euch?

Das Personal Karussell hat sich ja auch viel bei Euch gedreht.

Also, so wie die Band jetzt ist haben wir uns gefunden und ich hoffe das bleibt auch so.

Klar, die Chance, dass man auf ewig zusammenbleibt ist wie im wirklichen Leben auch nicht immer gegeben.

Manchmal lebt man sich auseinander und  hat andere Interessen.

Ich sag es mal so, eine Band ist wie ein Boot und du bist auf Weltreise, mal geht einer an Land und sagt nee ich bleibe hier und ihr fahrt mal allein weiter.

Dann kommt ein neuer Matrose dazu.

Und irgendwann merkst du, es sind nicht mehr alle an Bord mit denen du losgefahren bist. Aber das Boot fährt weiter,  weil die neue Mannschaft sich versteht und so ist es nun bei uns.

Aber mit den alten Bandmitgliedern … nee, ich kann mir viel vorstellen, aber die Fantasie hab ich im Moment nicht … nee (lacht)

Dann hoffe ich, das euer Boot noch lange auf Kurs bleibt und danke für das Gespräch.

Danke, ich auch!

- Stefan Peter -

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